Literaturgefluester

2017-08-05

Blutroter Frost

Filed under: Bücher — jancak @ 00:11
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Zwischen Leselistenauflesen und Herbstvorschau kommt jetzt ein Abstecher in die „Trivialliteratur“ beziehungsweise in die Selbstvermarkterszene, denn Natascha Wahl hat mir da ihre zwei „Ladythriller“ eine Mischung zwischen Liebesgeschichte und Krimi, die beste Mischung,  wie die Autorin meinte, angeboten und da ich nicht nein sagen kann…

Aber im Sommer ist eine leichte Mischung zwischen Liebe und Krimi ja eine gute Lektüre, obwohl, die Autorin Winter heißt, oder das das Pseudonym für Natascha Wahl sein dürfte, die außer Autorin auch noch Musikerin und Ernährungsberaterin ist und drei Kinder hat und der Ladythriller „Blutroter Frost“ von Meredith Winter erschien schon  2016 unter dem Namen „Laterne im Schneesturm“.

Ob es im neuen Buch Änderungen gibt, habe ich nicht herausgefunden und die Ankündigung der Genremischung, vor der ich ja bis vor kurzem immer hörte, daß man da nie und unter gar keinen Umständen mischen darf, weil das die Leser nicht verkraften, finde ich auch sehr interessant.

Da ist Julie, daß deutsche Autoren ihre Bücher ins amerikanische Milieu verlegen, finde ich persönlich zwar nicht so gut, scheint, aber unter den Selbstvermarktern und Selfpublishern eher üblich zu sein, eine fünfunddreißigjährige Ärztin, deren Traum, wie in der Ankündigung steht, sich erfüllt hat, sie kommt vom Urlaub aus Irland zurück und kann jetzt, sie ist nämlich Anästhesistin, eine Tageschirgurgie aufmachen und leiten.

Ein Ladythriller im Ärztemilieu klingt interessant und etwas Ähnliches, habe ich ja erst vor kurzem gelesen und dann wird es auch gleich rasant, denn Meredith Winter alias Natascha Wahl mischt nicht nur die Genres. Sie packt auch sehr viel in ihre Bücher, die medizinisch, so weit ich das beurteilen kann, sehr gut recherchiert sind und sehr viel Fachwissen wiedergeben, so daß man in dem einen wahrscheinlich fünf oder sechs Bücher liest.

Der Liebeshandlung, wird, wie man auch in den „Amazon-Rezensionen“ bezüglich „Laterne im Schneesturm“, das ist ein Zitat, das man ganz am Ende des Buches finden kann, trotz des blutigen Titels und des Ankündigungstextes einen breiteren Raum, als der wahrscheinlich eher konventionellen Krimihandlung beigemessen, was wahrscheinlich auch für mich das Lesen etwas mühsam machte und was die Komplikationen bei den ChickLit Handlungen betrifft, die ja manchmal sehr übertrieben sind,  ist Natascha Wahl auch hier eine Meisterin.

Also Julie kommt aus Irland zurück, wohin sie sich offenbar begeben hat, weil sie vorher herausfand, daß ihr Freund Benjamin sie betrogen hat. Sie will nichts mehr von ihm wissen, was aber nicht so einfach ist, da er ihr Makler ist und ihr das Gebäude für die Klinik vermitteln soll.

Ihre Freundin Jennifer gibt für sie eine Willkommensparty und auf der lernt sie Spencer, das ist ein siebenundzwanzigerjähriger Studienabbrecher mit traumatischer Vergangenheit kennen, der zuerst nichts von ihr wissen will und sich nur für Bücher interessiert.

Dann gehen sie aber doch miteinander in ein französisches Restaurant essen und weil Spencer nicht französisch kann, bestellt er sich trotz seiner Unverträglichkeit, Glutennudeln. So muß er die Äztin rufen und die schläft in seinem Zimmer dann gleich ein.

Solche Verwicklungen gibt es in dem Buch zu Hauf, was aber das Entscheidende ist, Spencer und Julie verlieben sich unsterblich ineinander. Was sie aber nicht darf, denn Benjamin will trotz seiner Freundin Claudia nicht von ihr loslassen, denn er braucht sie noch, ist er doch in Wahrheit kein Immobilienmakler, sondern handelt mit Leichenteilen, das heißt, er verkauft solche zu Transplantationszwecken und da kann man natürlich eine Änästhesitin mit churirgischer Tagesklinik sehr gut brauchen.

So überrascht Spencer Julie und ihn beim Vergewaltigungs- oder Knutschversuch im Auto. Benjamin setzt Julie auch eine Pistole an und zwingt sie ihn zu küssen. Spencer wird dafür entführt und die Freundin Jennifer hat auch ihre Geheimnisse.

Das heißt, sie wird von Benjamin erpresst und ist daher gegen ihre Verbindung mit Spencer, denn Julie soll, hat sich Benjamin gedacht, einen Patienten, der eine neue Niere will, für ihn töten, damit er die Teile verkaufen kann.

Aber der verschwindet zum Glück und es geht wieder auf die Chicklitseite und zu den Verwicklungen, der zwei unsterblichen Verliebten, die noch nicht zusammenkönnen, weil es der Plot nicht nicht will.

So gibt es die am Weihnachtsabend bei Julies Eltern und dann taucht noch eine frühere Geliebte von Spencer auf und behauptet von ihm schwanger zu sein. Zum Glück ist das Baby schwarz, aber die Autorin bringt es trotzdem zusammen Julie Spencer und Melanie beim Lebesakt in der Küche erwischen zu lassen.

Sie versöhnen sich aber immer wieder. So kommt es nach weiteren Komplikationen und sechshundert E-Bookseiten, die, glaube ich, in der Printform, um die Hälfte kürzer sind, zum Happyend.

Das heißt, Hochzeit mit einigen Kindern und der jüngere Spencer schließt dann auch noch sein Studium ab, damit er mit seiner Ärztin mithalten kann und der Kriminalfall klärt sich auch auf.

Benjamin kommt hinter Gitter und wird, wie im Abspann steht, wahrscheinlich frühestens 2027  entlassen werden und wer nun trotz der vielen Handlungsstränge Blut gerochen hat und noch weiterlesen will, dem sei „Blutpsalm“, das nächste Buch der Autorin empfhohlen, ich werde es demnächt lesen.

2017-01-30

Vorschau auf „Claire – Klara – Clarisse oder wilder Lavendel“

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Weil sie glaubt, daß ihr Freund Edy sie auf dem
Sommerfest ihrer Zeitung mit ihrer Freundin
Kathrin Schneider betrogen hat, bricht die drei-
unddreißigjährige Redakteurin und Buchpreisju-
rorin Klara Winter überstürzt und zu früh zu
dem geplanten Kroatienurlaub auf.

Dort am Campingplatz von Trogir auf dem sie
mit dem alten VW-Bus ihrer verstorbenen Eltern
Quartier genommen hat, hat sie nach ihrer An-
kunft einen wirren Traum.

Sie träumt von einem Zauberer mit einem blauen
Luftballon, der ein weißgekleidetes kleines Mäd-
chen von ihrer Mutter und ihrer Zwillingsschwe-
ster weg, zu einer anderen fremden Frau führt
und lernt dann am nächsten Morgen in einem
Cafe, dessen feschen Besitzer Sergej Abrahmovic
kennen, der dem Zauberer im Traum zum Ver-
wechseln ähnlich sieht.

 

So hier ist die „Vorschau“ auf meine Sommergeschichte, die ich mir als Souvenier von meinem Kroatienurlaub mitgebracht habe und die es bald als mein  mein zweiundvierzigstes Selbstgemachtes geben wird.

Vorher gibt es aber wieder ein kleines Gewinnspiel mit drei Fragen mit denen man das Buch gewinnen kann:

  1. Wo liegt der Campingplatz in dem Klara ihren VW-Bus abstellt?
  2. Was hat es mit den drei Namen für eine Bewandnis?
  3. Für welchen Preis ist Klara Jurorin und wer hat den in echt 2016 gewonnen?

Wäre schön, wenn sie einmal jemand meldet, die die Fragen auflöst und das Buch gewinnen will.

Damit das nicht zu schwer ist, verlinke ich wieder die Artikel mit den Schreibberichten, wo man die Antworten und auch in diesem Text eigentlich finden muß.

1 2 3 4 5 6 7

Den ersten Satz gibt es hier auch:

„Es war drei Uhr Nachmittag als Klara Winter zu ihrem Bus kam, die Anmeldepapiere im Handschuhfach verstaute und sich mit der Hand über die halblange brünette Haarpracht fuhr.“

Wer will kann mit mir wieder „Mimikry“ spielen, das heißt den ersten Satz um einen Absatz verlängern. Wenn ich zwei oder drei solcher Absätze habe, stelle ich es zu meinem ersten Absatz in den Promotionsartikel, wenn das Buch erschienen ist und wer errät, welcher Absatz von mir ist, bekommt auch ein Buch.

 

2016-10-29

Sprache der Krähen

„Eine packende Kombination aus Thriller, Liebesgeschichte und Familiendrama“, steht im Klappentext des zweiten Romanes, des 1961 in Wien geborenen Georg Elterlein, den mir einmal, glaube ich, Anni Bürkl auf der „Buch-Wien“ vorstellte, ich seinen Debutroman „Der Hungerkünstler“ im Schrank gefunden, aber noch nicht gelesen, habe und von dem mir  auch Irene Wondratsch erzählte, als sie letzte Woche im „Rebulikanischen Club“ traf.

Und das stimmt und hat mich Anfangs auch ein wenig verunsichert, weil ich nicht recht wußte, ob das jetzt ein Jugend- oder All Age-Buch ist, was ich da lese und mir die Handlung zuerst auch ein wenig zu eindimensional positiv erschien, später habe ich erkannt, sie ist genauest konstruiert und diese Mischung wahrscheinlich gekommt eingeplant und insgesamt ist es ein sehr spannendes Buch, das auch sehr viel Stoff zum Nachdenken gab.

Da ist also Leonhard aus der „Abschaumsiedlung“, die Mutter hat die Familie verlassen, als er und sein Bruder Kinder waren und, als der Vater dann erschossen wurde, hat das Jugendamt, das inzwischen, glaube ich „Amt für Familie und Jugend“ heißt, den kleinen Bruder Max, bei dem noch Hoffnung herrschte, zu Pflegeeltern gegeben, den größeren ins Heim gesteckt.

Das ist inzwischen lange her, denn Leonhard ist schon Mitte Vierzig, als die Handlung beginnt. Er hat eine getarnte Schlosserei, lebt aber eigentlich von Raubüberfällen, war früher bei der Fremdenlegion und ein Trauma mit einer früheren Freundin, die auch bei einem Raubüberfall erschossen wurde, gibt es ebenfalls.

Da kommt die Nachricht, der Bruder Max, den er als Kind immer beschützte, zu dem er aber den Kontakt verloren hat, hatte mit seiner Frau einen Autounfall, beide tot, nur der zehnjährige Neffe, den er nie gesehen hat, überlebte, liegt aber im Spital und spricht nicht mehr und hat außer Leonhard auch keine Verwandten.

Das, stellt sich heraus, stimmt nicht ganz, es gibt norwegische Großeltern, denn die Mutter kam aus Norwegen, Leonhard ruft sie auch herbei, aber die wollen mit dem Enkel nichts zu tun haben, denn Tove hat ihnen diesen stets vorenthalten, sie kommen also nur, um die Leiche der Tochter überführen zu lassen.

So bleibt Leonhard, der eigentlich den nächsten Raubüberfall plant und auch von zwei Männer verfolgt wird, nichts anderes übrig, als sich um seinen Neffen zu kümmern.

Das gelingt ihm auch gut, konstatiert der Sozialarbeiter, der ihm einen Pflegeantrag nahelegen will, doch „soziale Kompetenz“.

Erik ist indessen in einer wahrscheinlich psychiatrischen Klinik und kommuniziert mit dem Onkel schriftlich, versucht auch öfter zu flüchten und nur Leonhard kann ihm aus dem Klo oder vom Dach herunterholen, so daß die Ärzte mit ihm kooperieren und er den Neffen probeweise nach Hause holen kann.

Der Türke Murat, der im selben Hof, wie Leonhard eine Autowerkstatt betreibt, organisiert die Möbel für das Kindeszimmer und Leonhard kommt so zu einem Kind, obwohl er gar nicht weiß, ob er das will und er dazu bereit ist.

Es gibt auch eine eher ungute Sozialarbeiterin, die ihm mit einem Fragebogen und einem Pflegeelternkurs schikaniert und die Krähen, als Symbol und Metaphern gibt es auch, denn die haben laut Max oder einen von Leonhards Kunden, zwei Sprachen, eine für die Familie und eine allgemeine und in dem Hof wo Leonhard wohnt und arbeitet gibt es auch eine „Morgenkrähe“.

Erik interessiert sich für sie und an dem Nachmittag, wo er probeweise zu Leonhard darf, wird, die von einer Katze überfallen und verletzt, die beiden retten sie und pflegen sie gesund.

Leonhard trifft auch eine Jugenfreunin wieder, muß aber auch seinen Raubüberfall planen und zu dem Zeitpunkt, wo er eigentlich ein Schiff überfallen soll, ruft die Klinik an, Erik ist verschwunden.

Es kommt zu einem Happyend und Leonhard zieht mit Erik und wahrscheinlich auch mit Tina, nach Frankreich, wo er  seit seinen früheren Raubüberfällen ein Haus hat.

Er hat vorher auch seine Hehlerin und die beiden Auftraggeber erschossen. Das war sein letzter Coup, bevor er sich ins Privatleben mit den Neffen, der wahrscheinlich wieder spricht, zurückzieht und das ist natürlich auch die Stelle, mit der ich Schwierigkeiten habe.

Denn Gewalt und Raubüberfäle mag ich eigentlich nicht und, ob die Mischung zwischen Sozialkompetenz und Fremdenlegion und Raubüberfälle wirklich so realistisch ist, wage ich auch zu bezweifeln.

Es ist aber spannend zu lesen und mal etwas anderes und die Sozialkritik, zum Beispiel, die an den Jugendheimen, wo die Kinder vergewaltigt wurden, wie Leonhard es erlebte, kommt auch vor.

Ob das Jugendamt oder dieses für Familie wirklich einem ehemaligen Heimkind und Fremdenlegionär, die Obsorge für einen traumatisierten Zehnjährigen gibt, glaube ich auch nicht wirklich.

Trotzdem erscheint mir das Buch gut recherchiert und es sind auch einige durchaus geglückte Spannungsmomente eingebaut.

Allerdings hoffe ich doch, daß im Alltagsleben nicht so viel geraubt und gemordet wird und, daß die Geschichte gut ausgeht, finde ich auch sehr schön.

2016-01-24

Teufelsbruck

Nun geht es wieder zur Literatur, nämlich zu der 1940 in Essen geborenen Brigitte Kronauer, die 2005 den Büchner Preis bekam und die mir seit sie 2009 mit „Zwei schwarze Jäger“ auf der LL des dBp stand, ein Begriff ist, 2013 habe ich sie dann mit ihren „Gewäsch und Gewimmel“ auf der“Buch-Wien“ kennengelernt und ihren 2000 erschienenen Roman „Teufesbrück“ einmal in den Schränken gefunden und mir beim Lesen wieder nicht sehr leicht getan, obwohl das manchmal schwer Verständliche sehr sehr poetische ist und die, die mich kennen, wissen, daß ich mir mit Andrea Winklers und Richard Obermayrs schönen Sätzen oder bösartiger ausgedrückt „Wortgeschwafel“ manchmal schwer tue und mehr Realistik einfordere und ich glaube fast, bei Brigitte Kronauer wurde ich hier fündig, obwohl es eine sehr sehr phantastische Liebesgeschichte ist, die da auf über fünfhundert Seiten erzählt wird und ich, bevor ich mit dem Lesen begonnen habe, bei „Amazon“ nachgegooglet habe,  leicht abgeschreckt werden und denken können, schon wieder so ein Buch, das Tobias Nazemi in die Wüste schmeißt oder eine Kürzung um die Hälfte empfiehlt, hat da doch jemand eine Zitatsammlung zusammengestellt, wo auch einige Stilblüten und die Frage „Auch nichts verstanden?“, enthalten ist.

Wenn man zu den Buc beschreibungen geht, schaut das natürlich anders aus, schärmt da doch der große MRR „Brigitte Kronauer ist die beste Prosa schreibende Frau der Republik“ und ein bißchen stimme ich ihm zu, obwohl ich mir beim Lesen schwer getan habe, relativ lange brauchte und die ersten Male mich auch dabei erwischte, mehr an mein „Paul und Paula“ als an Maria Frauenlob, Zara Johanna Zoern, Leo Ribbat und Wolf Specht zu denken, macht es einen die Autorin oder soll ich sagen Dichterin nicht gerade leicht und ich mir auch öfter dachte, eine Kürzung wäre da recht gut, denn Brigitte Kronauer kommt vom Hundersten ins Millonste, ob sie beim Schreiben wohl schon daran dachte, daß sie einen ihrer späteren Romane „Gewäsch und Gewimmel“ nennen wird? Denn so könnte man das fast bezeichnen, was da die Schmuckdesignerin Maria Frauenlob in neun und keinen Abend erzählt.

Sie wohnt in Hamburg und geht daher ins EEZ, Elbe-Einkaufszentrum habe ich mir zusammengereimt und stößt dort mit einem Paar zusammen, besser sie stürzt in den Mann, Leo Ribbat und ist dahin, die beiden haben ein Haus im „Alten Land“, das ist ein offenbar berühmteGegend an der Elbe und man kommt mit der Fähre über „Teufelsbruck“ dahin.  Dörte Hansen ist vor kurzer Zeit mit einem gleichnamigen Roman berühmt geworden.

Eine Schuhräuberin, ein junges Mädchen taucht auf und Zara Johanna Zoern, Leo Ribbats Begleiterin hat im alten Land eine berühmte Schuhsammlung und lädt die Ich-Erzählerin dorthin ein.

Dort gibt es Vogelvolieren, Papageien, Täubchen und läßt an Valerie Fritschs Garten denken, Feste werden gefeiert, wo junge schöne Kellner Täubchen auf Tabletts servieren, die dann davon fliegen und Maria Frauenlob, die Witwe, Mann und Kind hat sie verloren, verliebt sich in Leo Ribatt.

Zara wird als dämonische Übermutter geschildert und sie ist es auch, stellt sich heraus, später in einer schönen Schneelandschaft, als alle schon gestorben und alles aus ist, Maria die Geschichte erzählt.

Die hatte noch, das hätte ich jetzt fast vergessen, einen Liebhaber namens Wolf Specht, der ihr Briefe unter den Türschlitz schiebt, später einen Selbstmordversuch macht und von seiner Familie von ihr ferngehalten wird.

Vorher hat er ihr noch eine Sammlung von Selbstmordversuchen mit den entsprechenden Motiven geschickt. Eine Sophie, eineBuchhändlerin im EEZ und Tierpflegerin, die Zara bei den Vögeln und ihren Büchern hilft, gibt es auch und viele schöne Geschichten, die manchmal nicht sehr verständlich sind, manchmal aber in schönen Worten von den Zuständen in diesem EEZ erzählt, die Geschäftleute wurde aufgefordert ihren Einzelhandel aufzugeben und waren dann, ehe sie sichs versahen auf Teufel komm raus, dem Konzern ausgeliefert. Ene alte Optikerin klagt, daß sie nicht arbeiten kann, weil sie ihren Kunden ja aufmerksam bedienen soll, wie soll sie das aber , wenn hinter dem, eine ganze Schlange Wartender steht und sie ungeduldig anstarrt. Eine alte Greisin, die in der Ecke eines Gasthauses kauert, und gelegentlich Ausflüge durch die Gegend macht und dann zurückgebracht werden muß, gibt es und und und

Eine spannende Geschichte, sehr poetisch, manchmal unverständlich und wohl auch zu lang, ein paar Stilblüten scheint es zu geben, aber auch sehr viele sehr schöne Wortneuschöpfungen.

Hier habe ich mir sehr viel angestrichen, sehr viel Symbolik. Tiere spielen eine große Rolle, es gibt auch Tiergedichte und ich habe jetzt das Gefühl mich eine bißchen in Hamburg, im Alten Land und im Elbe Einkaufszentrum auszukennen, obwohl es dort wahrscheinlich lange nicht so poetisch zugehen wird und eine Dichterin, die trotz allen Gewäsch und Gewimmels, eine wunderschöne poetische Sprache hat, kennengelernt, die einen in Bann ziehen kann und die ich und das könnte ich jetzt, wie Johannes Brahms  auf einen Fächer schreiben, leider nicht besitze, aber natürlich trotzdem weiterschreibe….

2016-01-06

Dies Herz, das dir gehört

Filed under: Bücher — jancak @ 00:44
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Jetzt gehts an den Anfang der 2016-Leseliste und zu einem Buch von Hans Fallada aus dem „Aufbau-Verlag“, das ich 2013 aus der „Abverkaufskiste“ von „Malota“, den es nicht mehr gibt, gezogen habe.

Dann habe ich es zuerst auf die 2013 Leseliste getan und dann irgendwie, wegen des Ungarn-Aufenthalts wahrscheinlich, umgetauscht und jetzt beginne ich das neue Jahr und meine „Alte Bücher Challenge“ mit einem Buch von Hans Fallada oder Rudolf Dietzen, wie der 1893 in Greifswald geborene, wirklich geheißen hat,  von dem ich, die Bücherschränke machen es möglich, schon einiges gelesen habe und einiges, wie beispielsweise den „Blechnapf“ oder die „Bonzen“ habe ich eher langatmig empfunden, dieses Buch überraschenderweise nicht, was vielleicht damit zu tun hat, daß es „Aufbau“ erst in den Neunzehnneunzigerjahren herausgegeben hat und daß es, wie im Klappentext steht, 1939 eigentlich ein Nazi-Propagandafilm mit Zarah Leander werden sollte. Der ist dann nicht zustande gekommen. Das Buch ist aber, wie ein Filmscript mit sehr viel Dialog geschrieben und das macht es es spannender, als das andere, das ich von Fallada gelesen habe.

Es geht, könnte man sagen, um die „Fallanda- Themen“, die kleinen Leute am Alexanderplatz oder auch um eine Liebesgeschichte zwischen einem jungen Mann aus gutem Haus und einem reschen feschen Fräuleinvom Land, beziehungsweise Verkäuferin in der Markthalle.

Hannes und Hanne und es geht gut aus, wie ein Märchen, steht im Klappentext und ich liebe ja Courths-Mahler. Ähnlichkeiten zum heutigen Leben gibt es auch, nicht nur, weil die Hanne ein Kopftuch trägt, wenn sie ihre Äpfel und Zitronen verkauft.

Das Buch ist in vier Teile gegliedert, der erste Teil beginnt mit einem Arbeiteraufstand. Eine Fabrik soll wegen Arbeitsmangel, auch sehr aktuell, geschlossen werden.

Die Arbeiter stehen davor und wollen hinein, da kommt der junge Herr Johannes, dem mit seiner Mutter und dem älteren Bruder, die Fabrik gehört und verspricht den Arbeiter das mit der Familie zu regeln.

Er kann sich gegen seinen Bruder aber nicht durchsetzen. So geht er nach Amerika, wird dort selber Arbeiter und fährt mit dem Scheck der Mutter wieder nach Haus, nachdem er es nicht aushält, am Fließband nur Muttern zu drehen.

Er kommt krank in Hamburg an, verpasst die Mutter, kommt dann nach Berlin, verläßt die Villa aber wieder, nachdem er hört, wie sein betrunkener Bruder über ihn spricht und geht in die Martkhalle am Alexanderplatz, um sein Schicksal, nämlich seine Hanne kennenzulernen.

Für sie schleppt er gleich Kisten, obwohl er doch Fieber hat, sie bringt ihn  in ihr Mädchenzimmer, im Haus der Tante, an deren Marktstand sie bedient.

Eine Intrige gibt es gleich auch und einen Diebstahl in den Hannes verwickelt wird. Das tapfere Mädchen läßt ihn aber nicht im Stich, so lebt sie mit ihm in wilder Ehe. Er wird Prokurist bei einem Händler,  will nicht nach Hause und kann sie deshalb nicht heiraten, weil er keine Papier hat.

Das geht bis zum dritten Akt gut, dann kommt wieder eine Intrige. Der Bösewicht schmeißt eine Kiste auf Hanne, er stürtzt sich vor, liegt darauf im Koma, so daß Hanne nicht umhin kommt, die Mutter zu verständigen, die sich ohnehin schon die Augen, um ihren Jüngsten ausgeweint hat. Alles wird gut und die Hanne eine resche fesche Fabriksbesitzerin mit „56  Lieferautos und 43 Buchhalter“ wie die Tante sagt.

Fein, daß kein Nazifilm daraus geworden ist und fein, daß „Aufbau“ Fallada jetzt wieder herausgibt. So ist „Jeder stirbt für sich allein“ vor ein paar Jahren erschienen. Das müßte ich noch lesen,  der „Trinker“ kursierte kürzlich im Netz und „Der kleine Mann“ steht, glaube ich, auf der Frühliings-Aufbau-Vorschauliste.

Und noch eine Verlinkung zu einem nie gedrehten Nazifilm

2015-12-22

Bora

„Eine Geschichte vom Wind“ oder besser, eine über die Liebe, hat die 1963 in Wien geborene Ruth Cerha, die Tochter des berühmten zeitgenössischen Komponisten, da geschrieben, die diesen Sommer durch alle Blogs gegangen ist und durch Mara Gieses „Herbstraschlgewinnspiel“ auch zu mir gekommen ist.

Ein Buch das man  im Sommer lesen sollte, aber auf meiner Leseliste weit nach unten gerutscht ist, was aber nichts macht, denn siehe da, Weihnachten kommt, obwohl das Buch im Sommer auf einer kroatischen Insel spielt, sogar sehr ausführlich vor, Weihnachten in Manhatten mit dem großen Baum beim Rockefellercenter, wo man auch schlittschuhlaufen kann.

Tobias Nazemi, einer der Oberbuchpreisblogger hat es schon im Sommer gelesen und gerade zu hymnisch besprochen, nur das Cover, rosa Schrift auf hellblauen Untergrund ist es zu seicht gewesen und ich habe das Buch zwar nicht seicht, aber manchmal ein wenig kryptisch und nicht unbedingt logisch gefunden.

Ein Buch, das ich bei meiner Longlistenschätzung im August auch auf diese getan hätte, weil es eines der wenigen in deutschen Großverlagen, Frankfurter Verlagsanstalt, war, das ich damals kannte, es ist aber nicht darauf gekommen und was ich auch erwähnen möchte, am letzten Dienstag ist es im „Wortschatz“ gelegen und ich habe mich, wie immer, wenn da ein Buch liegt, das ich schon habe und  neueren Erscheinungsdatum ist, leicht geärgert, aber Margareten hat großzügige Buchwegleger, die „Kindfrau“ habe ich vor einigen Monaten auch dort gesehen.

Ruth Cerha habe ich bei „Rund um die Burg neu“ kennengelernt, da hat sie aus ihren „Zehntelbrüdern“ gelesen, das  auch vor kurzem auf meiner Leseliste stand und ich schreibe es gleich, mit der etwas verrückten Patschworkfamiliensituation habe ich mehr anfangen können, als mit dieser etwas kryptischen Liebesgeschichte, in drei Teilen, wo mir der dirtte Teil nicht ganz logisch oder nachvollziehbar erschien, aber auch die Mara im ersten Teil, erscheint mir etwas übertrieben, vor allem wenn etwas später steht, daß sie eine Schriftstellerin ist, die bevor sie schreibt, alles über ihre Protagonisten weiß, damit man alle ihre Handlungen versteht, nun ich habe mir ihre Handlungen nicht immer erklären können.

Denn diese Mara, eine Wiener Schriftstellerin, Ende Dreißig, die schon seit Jahren ihre Sommer auf einer kroatischen Insel verbringt, erschien mir anfangs etwas mondsüchtig, denn sie stand um halb acht, wenn das Morgenboot anlegt, am Fischmarkt, um einzukaufen und sieht einen Mann, einen Vierziger aussteigen, ist hinüber und rennt die nächsten Tagen somnabul auf der Insel herum, schläft am Tag, fängt in der Nacht  zu kochen an, ißt aber nicht, sondern verschenkt die Resultate an ihre Nachbarn, darunter an ein Psychotherapeutenpaar, das sie darauf hin mitleidig anschaut.

Schreiben tut sie nicht, denn sie hat eine Schreibblockade, so rennt sie auf der Insel herum, auf der Suche nach Andrej,  so heißt der Ankömmling und der erscheint auch gleich am ersten Tag bei ihr mit einem Fisch und fragt, ob sie eine Bratpfanne hat?

Sie gibt ihm die und sagt, sie hätte schon gegessen, so verschwindet er wieder,  sie trifft ihn aber ein paar Tage später in der Stadt Losinj, wohin sie mit ihrer Freundin Tereza fährt, da weht dann die Bora, der berühmte kroatische Wind, so kann das Nachmittagsboot nicht abfahren, sie müßen sie in der Stadt bleiben, gehen dort in das Wirthaus eines Freundes, wo sie Andrej wiedertrifft und die beiden schauen sich an und betrinken sich.

Dann verschwindet  er, ein Fotograf mit kroatischen Wurzeln, aber schon in Amerika geboren, der jetzt durch die Welt zieht, offenbar keinen wirklichen Wohnsitz hat, nach Montenegro und sie zieht herum auf der Insel und alle wundern sich über sie.

Er kommt zurück und die beiden verfallen in eine wunderbare Liebe, er zieht zu ihr ein und verschwindet wieder, das ist dann schon im zweiten Teil, der ihm zum Protagonisten hat. Da steht er morgens auf und legt ihr einen Zettel auf den Tisch „Bin in Zagreb, meine Mama holen, komme morgen wieder, Kuß A.“ und überlegt, ob er das überhaupt machen soll, denn eigentlich ist er nicht gewohnt, das bei seinen Frauen zu tun.

Die Mutter holt er ab, um sie zu dem jährlichen Emigrantentreffen zu bringen, denn in den Sechzigerjahren sind sehr viele von der Insel, darunter auch seine Eltern mit seinem älteren Bruder auf einem Ruderboot zuerst nach Italien gerudert, um dem Titoischen Regime zu entkommen und das feiern sie jedes Jahr mit einem großen Emigrantenfest. Deshalb ist die Mutter aus Amerika angereist gekommen, der Vater bettlägrig und ein Pflegefall, wurde zurückgelassen.

Während das Fest stattfindet, ist Andrej auf der Suche nach Mara, denn die scheint verschwunden, obwohl er seine Kamera in ihrem Haus hat.

Er findet sie aber und die große Liebe geht weiter, bis zum dritten Teil, wo Mara wieder die Protagonistin ist und der beginnt mit einem eher merkwürdigen Streit.

Andrje hat sie trotz der großen Liebe mit einer Frau betrogen, er wirft ihr ihre Schreibhemmung vor.

Er verschwindet, sie rennt  mit zuwenig Wasser über die Insel, bekommt einen Sonnenstich, muß von Tereza gepflegt werden,  fängt aber zu schreiben an, hat sie sich doch vorher schon mit seiner Mutter, der vierundsiebzigjährigen Ana angefreundet und die erzählt ihr von den Emigrantenschicksalen und so beschließt sie ein Buch darüber zu schreiben. Sie stellt sich auch vor Kinder von Andrej zu haben, schließlich ist sie ja bald vierzig und kommt in die Midlifekrise, traut sich das ihm, dem Beziehungsflüchtigen, aber nicht zu sagen.

Er ist im Moment ohnehin nicht da, kommt aber zurück, die Lebe geht weiter, bis zu seiner endgültigen Abreise, sie muß das auch bald tun, hat sie doch Ende September eine Lesung in Wien. So beschließen sie sich ganz altmodisch mit Briefmarke und Poststempel zu schreiben und so endet das Buch auch mit einem Brief von Andrje an Mara „Denk an mich, wenn du das nächste Mal fisch isst. Love, Andrej“

Ich weiß schon, daß man diese Distanz und die manchmal  unlogisch erscheinende Inhalte, poetisch deuten kann. Der Klappentext lobt auch „Ruth Cerhas Sprache ist ein Bilderstrom und diese Sprache nimmt den Leser einfach mit“.

Der Realistin, die in mir steckt, hat aber mit der handfesterem Geschichte der „Zehntelbrüder“ mehr anfangen können, als mit dieser verschlüßelten Poetik, wo sich Mara und Andrej auch manchmal als „Marquise“ und „Valmont“: „Mein lieber Valmont“ sage ich,“ werden Sie nach Berlin zurückkehren?“ anreden oder ihre Höhlenverstecke haben.

Man lernt aber, das muß ich auch hier zugeben, viel von diesem vielschichtigen Sommerroman, der gar nicht so leicht ist, wie das Cover vielleicht glauben macht, über die Winde, die Flora und die Fauna der kroatischen Insel, ihre Auswanderungsgeschichte und noch mehr und Ruth Cerha scheint eine sehr vielschichtige Schreiberin zu sein, die ihren Ton und ihre Sprache offenbar von Roman zu Roman verändern kann.

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