Literaturgefluester

2021-02-20

Literatursplitter und alte Frauen

Was tut sich so literarisch? könnte man fragte. Gibt es da etwas zu erwähnen oder hat Corona alles andere verdrängtund zugeschwemmt?

So gibt es einiges zu vermelden, auch wenn es derzeit ja keine Liveveranstaltungen gibt und ich am Donnerstag mit dem Doppelpack in der „Alten Schmiede“ auch ein wenig ins Schleudern kam, denn um sechs hatte sich ja die Ruth mit Brigitte Kronauer und ihrem neuen Buch beschäftigt und um sieben gab es zwei Buchpräsentationen, darunter Mieze Medusas neues Buch.

„Was mache ich da?“, habe ich mich gefragt und bin dann mit dem Alfred kurz nach sechs nach Harland gefahren und dort kurz nach halb acht angekommen, wo schon Jana Volkmann beim Präsentieren war. Ich habe vielleicht nur halb zugehört, aber aufgehorcht, als ich Mieze Medusa sagen hörte, daß es nur weinige Schriftstellerinnen über siebzig gäbe.

„Was?“, habe ich gedacht und den Kopf geschüttelt. Das stimmt doch nicht! Denn erstens bin ich ja schon bald an dieser Grenze und dann gibt es die Barbara Frischmuth, die Marlene Streeruwitz, die Elisabeth Reichart, die Marie Therese Kerschbaumer, die Friederike Mayröcker und und und…

„Was habe ich da nur mißverstanden?“ und am nächsten Tag der Mieze Medusa ein Mail geschrieben und nachgefragt, die mir antwortete, daß sie damit die Romanfiguren gemeint hätte. Daß es nur wenige über siebzig geben würde und das, denke ich, ist ein interessantes Thema über das man nachdenken sollte. Denn bei den Männern ist das ja kein Thema. Da gibt es ja viele, wie den schon verstorbenen Philip Roth oder Martin Walser, die ganz ungniert immer wieder den selben Roman über das Nachlassen ihrer Sexualität und ihre Krankheiten schreiben oder geschrieben haben und offenbar nicht nur Verlage sondern auch Leserinnen finden, die sich damit beschäftigen.

Bei den Frauen ist das wahrscheinlich anders, könnte stimmen und ich habe jetzt auch keine Liste parat welche Autorinnen sich in ihren Werken mit den alten Frauen beschäftigen und sie in den Mittelpunkt ihrer Werke stellen, könnte mir aber vorstellen, daß das tatsächlich ein Problem sein könnte, wollen ja auch die alten Männer nur jüngere Frauen als Freundinnen haben. Ältere Frauen, glaube ich, auch, habe ich einmal in einem Film gesehen und da man ja keine Schwäche zugeben darf, ist es vielleicht ein wenig schwierig über den eigenen Verfall zu schreiben.

Die Friederike Mayröcker tut das, glaube ich, ungeniert, ihre Rückenschmerzen und ihre Schlaflosigkeit zu thematisieren, habe aber da schon Kritiker sich darüber mokieren gehört und als es unsere Schreibgruppe noch gegeben hat, gab es da auch eine wilde Dikussion mit der Ruth und der Ilse Kilic. Damals war der Fritz Widhalm, glaube ich, noch nicht sechzig, und sagte, wenn er das wird, hört er zu schreiben auf. Jetzt ist er das schon und schreibt, glaube ich, auch weiter. Aber da ist es im Gespräch darum gegangen, daß man, wenn man älter ist nicht mehr öffentlich lesen soll, weil man da vielleicht mit dem Text raschelt, die Finger zittern, man stottert, etcetera und das wollen wir nicht hören, das Alter und den Verfall. Ich habe mich natürlich sehr energisch dagegen aufgeregt und mich vielleicht auch deshalb über Mieze Medusa mokiert und mir jetzt ganz fest vorgenommen, in meinem nächsten Werk wird die Protagonistin über siebzig sein.

Das habe ich Mieze Medusa gestern auch gemailt und dazu geschrieben, daß die Frauen in meinen letzten Werken eher zwischen sechzig und fünfundsechzig waren. Die Magdalena Kirchberg beispielsweise und dann die Roswitha Herweg, die Eja Augustin und die Mathilde in den Corona-Texten und mich damit entschuldigt, daß ich da ja noch jünger war, denn die Protagonistinnen werden mit ihren Autorinnen älter habe ich auch noch geschrieben und mir dann gedacht, das stimmt ja nicht, das ist vielleicht genauso eine Fake New, wie Hannes Stein am Abend bei der Buchpräsentation seines „Weltreporters“ aus New York an das Berliner Literaturhaus gemeldet hat, daß das bei seinen Büchern so ist.

Denn ich habe mich eigentlich sehr oft mit dem Älter werden und dem Sterben beschäftigt, mit dem Thema „Alzheimer“ in der „Anna“ und die ist über siebzig, der Jakob Mandelbaum in den „Wiener Verhältnisse“ glaube ich sogar fast hundert, wie auch die Clara im „Haus“ und dann gibt es ja noch die Protagonistinnen in „Paula Nebel“ im „Novembernebel“, „Beim Sterben sollte man zu Hause sein“ und und, das könnte ich Mieze Medusa vielleicht noch mailen, was sie, weil ich, da ja nur selbstgemachte Bücher, nicht für so literarisch, sondern vielleicht sogar als Hobbyautorin gelten, vielleicht nicht so besonders berühren würde.

Aber Marlene Streeruwitz, die ja auch eine engagierte autorin ist, hat, glaube ich, sowohl in ihren Covid-Roman als auch in ihrem letzten ältere Protagonistinnen, weil die ja auch mit ihrer Autorin sehr ähnlich sind und bei der engagierten Feminstin Gertraud Klemm, die glaube, ich noch jünger ist, gibt es im „Hppocampus“ auch ältere Protagonistinnen und ich finde das Thema sehr interessant, habe Mieze Medusa versprochen mich in Zukunft damit zu beschäftigen, also darüber zu bloggen und es mir zu merken, wenn ich von alten Frauen in meinen Büchern lesen, aber eigentlich fühle ich mich ja gar nicht alt.

Hilde Schmölzer geht es da vielleicht wenig anders, hat aber jetzt noch ein Buch über und für ihre Familie geschrieben, das ihr der Alfred druckfertig machte und ich habe heute auch ein Mail an Peter Paul Wiplinger und an das „Podium“ geschrieben, denn der, auch ein alter Mann, weil über achtzig, hat einen neuen Gedichtband mit sehr schönen Gedichten, die sich mit diesem Thema beschäftigen, herausgebracht, das ich vor kurzem gelesen habe und dann bin ich heute wieder mit dem Rad nach St. Pölten und auf den Markt gefahren, um da wieder einmal Doris Kloimstein zu treffen, die noch lange nicht siebzig ist, der ich aber mein zweites Corona-Buch, beziehungsweisen ihren schönen Maskengedichten gewidmet habe, das ich ihr schon lange bringen wollte.

So haben wir uns wieder hinter dem Markt getroffen, denn am Markt selbst herrscht ja Maskenpflicht, so stellen sich die Leute mit ihrem Bier und ihrem Leberkässemmerl ein Stückchen weiter hinten auf und die Doris, die ja auch eine Leseratte ist, hat mir wieder drei Bücher gebracht, darunter, was vielleicht nicht so literarisch ist, aber trotzdem in Zeiten wie diesen sehr interessant eines über „Corona-Impfstoffe“, die Doris interessiert sich auch sehr für dieses Thema und dann zwei Bücher über Erika Mitterer, beziehungsweise von ihrem Sohn Martin G. Petrovsky, der sich ja sehr für das Werk der 1906 geborene und 2001 Verstorbene einsetzt und, die ja als junges Mädchen einen Briefwechsel mit Rainer Maria Rilke führte.

Ich habe auch einige ihrer Bücher gelesen, war einmal bei einem Symposium in der „Gesellschaft für Literatur“ und bin dann auch ganz zufällig zur Eröffnung der „Erika Mitterer-Gesellschaft“ in der Rainerggasse zurechtgekommen und bin da auch mit martin Petrovsky ins Gespräch gekommen, der auch einen Text von mir in seiner zeitschrift „Zaunkönig“ brachte, also auch eine ältere, wenn auch schon verstorbene Dichterin, an die mich Doris Kloimstein erinnerte, die mich auch dan erinnerte, daß ich ihr meinen Lebenslauf und meinen Text über „Noahs Fest“ schicken soll, denn da sollen ja die Resultate, die im September bei diesem Skriptorium im Stift Seitenstetten, an dem ich wegen der Maskenpflicht nicht teilgenommen aber trotzdem darüber geschrieben habe, in einem Buch herausgegeben werden.

Es tut sich also trotz Corona doch ein bißchen in Sachen Literatur, mein drittes Corona-Buch liegt beim Alfred und ich bin gerade dabei an meinen dritten „Literaturgeflüster-Buch“ nämlich an dem mit den gesammelten Corona-Texten zu arbeiten und da ist „Noahs Fest“ auch darin und da habe ich mit dem Korrigieren und dem Durchsehen schon angefangen, etwa fünfzig Texte werden das wahrscheinlich sein. Derzeit hätte ich da auch fünfzigtausend Worte, also endlich ein richtiger „Nanowrimo“ und bin auch darauf gekommen, daß es sehr interessant ist, sich das ganze erste Corona-Jahr, das ja jetzt demnächst sein Jubiläum findet, in meinen Texten durchzugehen, denn da kann man die Veränderung ganz schön bemerken.

Ich werde ja wahrscheinlich wieder nicht sehr viele Leser damit finden, die Texte sind aber im Geflüster vorhanden und wenn vielleicht nicht ganz fehlerfrei immer noch zu lesen und das Buch wird der kleinen Lia gewidmet sein. Damit sie später einmal lesen kann, wie das in ihren ersten zwei Lebensjahren war.

Bloggen auf WordPress.com.