Literaturgefluester

2015-12-06

Die Kinder des Genossen Rakosi

Filed under: Bücher — jancak @ 08:49
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Jetzt ist es sich doch für den Debutroman, der kurz nach dem zweiten Weltkrieg in Budapest geborenen Anna Mwangi, die 1963 nach Wien übersiedelte, als Hauptschullehrerin tätig war und 2012 den Exil-Preis gewonnen hat, ausgegangen und das Buch passt ganz gut zu den Erzählungen der Ungarn-Anthologie, weil man auch ein bißchen über die ungarische Geschichte erfährt.

So beginnt es 1949 in Budapest mit den stalinistischen Säuberungen, da werden nachts zwei kleine Mädchen, Etelka und Kati aus dem Schlaf geweckt, weil Männer die Wohnung durchsuchen, der Puppe den Kopf abdrehen und ihnen dann „Weiter schlafen!“, befehlen, die Großmutter ist ratlos, die Mutter weint, der Vater, sieht Etelka aus dem Fenster wird verhaftet und weggeführt.

„Verreist“ wird die Großmutter sagen, die Mutter wird kurz darauf den kleinen Janos entbinden, dann wird die Familie in ein Kaff an die tschechische Grenze deportiert, wo die Eltern des Vaters und seine Familie wohnen.

Hier geht Etelka in die Schule zu Frau Hody, die damit ihre Kinder studieren dürfen, ihren Mann, einen Offizier, denunziert hat, jetzt bereitet sie sich auf den Besuch des Bezirksschulinspektors und dann auf den Genossen Rakosi, dem Präsidenten vor.

Dem soll Etelka ein schönes Gedicht aufsagen, der Präsident ist gerührt und fragt Etelka, wo ihr Vater ist?

„Im Gefängnis!“ und Frau Hody wird strafweise in ein kleineres Dorf versetzt.

Ja so war es damals in Ungarn, aber dann ist Stalin gestorben, der Vater wird entlassen, kommt wieder zu Ehren und die Familie nach Budapest zurück. Dort wohnen sie in einem Haus, wo auch Laszlos Molnar mit seiner Familie wohnt, das war Janos Folterer, jetzt wird er zum Bibliothekar degradiert und Etelka freundet sich mit seiner TochterVirag an.

Als es 1956 zum Aufstand kommt, versteckt er sich in Janos Kasten und  Janos darf mit seiner Familie nach Wien, die Leitung des ungarischen Reisebüros übernehmen.

Da hat Etelka schon maturiert und sich vorher in Budapest mit einem afrikanischen Studenten angefreundet, in Wien tut sie das mit Walter auch und zieht mit ihm, da studiert sie schon Englisch, zusammen, es gibt aber große Schwierigkeiten mit der Bevölkerung.

Walter wird angezeigt und abgeschoben und Etelka erfährt, daß sie von ihm schwanger ist.

Als nur ein ablehnender Brief von ihm aus Nigeria kommt, daß sie mit der Heirat noch warten soll, weil er keine Arbeit hat, beschließt sie doch auf den Rat ihrer Mutter zu hören und fährt nach Budapest zur Abtreibung.

Die Mutter nimmt Bestechungsgeschenke für die Ärzte und die Schwestern mit und lädt auch ihre Freunin Marina ein in der schönen Wiener Diplomatenwohnung zu wohnen, aber die gerät in Schwierigkeiten, als sie versucht Regenmängel zu schmuggeln und dabei verhaftet wird.

Sie kommt frei, in dem sie sich verpflichtet bei Janos und Ilona zu spitzeln und so wird der Vater heim nach Ungarn berufen, dort verhaftet, die Familie soll nachkommen, aber die weigert sich und sucht um Asyl an.

So ziehen sie in ein ungarisches Flüchtlingshäuschen und fürchten sich vor ihren Nachbarn, die sie für Spitzel halten, war doch schon sowohl die Budapester, als die Wiener Diplomatenwohnung verwanzt, nur die Küche war davon frei, so daß man sich nur dort ungestört unterhalten konnte.

Etelka hat Schwierigkeiten mit der Englischprüfung, der strenge Professor läßt sie wegen ihres Akzents nicht durch, obwohl sie eine gute Studentin ist, so wird sie im Burgenland Hauptschullehrerin und entzweit sich mit ihren Eltern als sie zu John, auch ein afrikanischer Student zieht, der jedoch mit seinem Studium Schwierigkeiten hat, beim Bau arbeitet und aus Kummer trinkt.

Trotzdem heiratet sie ihn, ob die Ehe hält oder schief geht, wird nicht erwähnt, nur daß sie 1990, als die Wende gekommen und die Eltern schon gestorbensind, in den Akten über ihren Vater und ihre Familie blättert und erfährt, wer sie aller bespitzelt hat und wer die Wanzen in die Wohnungen legte.

Ein sehr interessantes Buch, das wahrscheinlich autobiografische Züge der Autorin hat, das zeigt, das man niemand trauen kann, daß alle alle verraten und auch die Kommunisten sich für Schmuck und Pelzmäntel interessierten und gerne schmuggelten, um ihre Geschäfte zu machen. Wird wohl so gewesen sein.

Die Autorin habe ich vor einigen Wochen aus ihrem Buch im Literaturhaus lesen hören, wo sie schnell und hastig daraus vorgetragen hat und von Barbi Markovic, die auch gelesen hat, sehr gelobt und bewundert wurde.

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2015-12-04

Ungarn

Filed under: Bücher — jancak @ 21:52
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Weiter geht es mit den „Modernen Erzählern der Welt“  Literatur aus Ungarn, die 1957 herausgegeben wurde und Erzählungen enthält, die in etwa um den zweiten Weltkrieg spielen.

Den ersten Teil habe ich während unseres Frühjahrsaufenthalts in Bük, teilweise im Freien auf einer Bank in der Sonne gelesen, jetzt geht es weiter in der Badewanne, die das Hotel Repce ja hat, was allerdings weil es dann im Stockwerk unten tropfte, zum Teil nur möglich war.

Bis György G. Kardos, von dem ich in Harland eine ganzes Buch liegen habe, bin ich im April gekommen, jetzt habe ich weiter mit dem 1912 geborenen Geza Ottlik und seiner Erzählung „Am Donaukai“ gemacht, da geht ein Schauspieler im Krieg in der Nacht über die Donaubrücke zu Freunden um dort zu übernachten, damit der nicht verhaftet wird, am Morgen ist die Brücke weg, er ist verwundet, muß einige Woche bei dem Mädchen Lona bleiben und glaubt, daß seine Frau bei einem Bombenabwurf ums Leben kam, was aber nicht passierte.

In der Erzählung „Jetzt und in alle Ewigkeit“ des 1893 geborenen Pal Szabo, wird ein Schloß neu verteilt, beziehungsweise zerstört, weil es erst eine Demokratie geben kann, wenn es keine Schlößer mehr gibt, wie einer der Dorfbewohner zu sagen pflegt.

„Beim Zöllner“ der Erzählung, des 1902 geborenen Gyula Illyes muß einer der aus Rom und Paris kommt, an der Grenze alle seine Sachen auspacken und in der Erzählung „Gottes Geschöpfe“ des 1931 geborenen Istvan Szabo will ein Kind wissen, wie ein Mensch entsteht und versucht seinen Lehmfiguren Leben einhzuhauchen, was seine Mutter in Rage bringt.

Der 1918 geborene Ivan Mandy, dessen Spezialität es ist, wie in der Biografie beschrieben steht, das Leben der kleinen Leute darzustellen, beschreibt in „Biller war hier“, das Leben eines Studenten, der in der Zeit wo die reichen Leute und die Witwen der Offiziere abgeholt und in ein Arbeitslager gebracht werden, der von Vorträgen in Lehrlingsheimen für die Volksbildung lebt, aber nur Augen und Gedanken für seine Margit hat, die ihm in einem Cafe sitzen ließ und sich mit einem Ingenieur traf.

„Biller war hier!“, schreibt er auf eine Wand und seine Spuren verwischen sich.

In den nächsten zwei Geschichten in Josef Lengyels, 1896- 1975, „Nekeresi berichtet über Nesterov“ und in des 1894 geborenen   Tibor Derys „Liebe“ geht es um Flucht, beziehungsweise überraschende Entlassung aus Lager beziehungsweise Gefängnis.

Maker die Erzählung des 1902 geborenen Endre Illes „Andris“, da ist ein Junge am Vormittag allein zu Haus, die Eltern in der Arbeit, die Schwester in der Schule und er plant sich einen schönen Tag zu machen.

Das heißt er läßt sich an einem Seil in die sich darunter befindende Doktorwohnung und klaut dort vierhundert Forinth, dann geht er ins Gasthaus essen, die Mutter, die Friseuse ist, schickt ihn dorthin, weil das einfacher ist, wenn sie nicht vorkochen muß, er kauft sich Zigaretten und geht dann, statt zur Schule nach Hause und probiert noch etwas Besonderes aus.

Als der Vater am Abend von der Arbeit nach Hause kommt, findet er den Jungen am Seil erhängt.

In „Wolfsabenteur“ von Imre Sarkadit, 1921-1961, hetzt ein Schifahrer in angeblicher Todesangst einen Wolf zu Tode und in den „Bericht über fünf Mäuse“ des 1921 geborenen Miklos Meszölny, wird in den Weihnachtstagen, ab dem zwanzigsten Dezember, eine Mäusefamilie ausgerottet, dafür ergibt sich in Erzsebet Galgoszis „Doppelfeiertag“ eine junge Lehrerin in Budapest einem Mann und der 1934 geborene György Modova läßt einen Schauspieler, den „Ungarischen Vater“ spielen, der seinen Sohn zuerst im Namen des Kaisers, dann in den der Sozialisten, Kommunisten in den Krieg hetzt, bis er schließlich im Museum steht.

Die 1917 geborene Magda Szabo, von der ich schon ein Buch gelesen habe, läßt einen ungarischen Emigranten, der in Hamburg, Stockholm, Rom lebte und dort seine Verwandten empfing mit den Gedanken spielen wieder nach Ungarn zurückzukehren, was zu seinem Erstaunen, der Familie gar nicht gefällt.

Der 1932 in Budapest geborene Akos Kertez, der in seinen Erzählungen, die am Ende der Fünzigerjahre erschienen sind, die das Leben der Arbeiter überzeugend schildert, demonstriert das in dem Neuen, während der 1926 geborene  Gyula Hernadi in „Schenkungsurkunde“ einen Brief an „Seine Exzellenz General Charles de Gaulle, Präsindent der Republikc Frankreich“ schreibt.

Die 1932 geborene Anna Jokai beschreibt eine „Ungarischstunde“, wo die Lehrerin nicht zum Unterrichten kommt, weil ihr die Kinder von ihren blauen Flecken und den Prügeleien, denen sie ausgesetzt sind, erzählen und in Istvan Csurkas „Happening“ geht ein Intellektueller mit einem Küchenmädchen ins Bett, beziehungsweise in den Winkel hinter der Küche, wo dieses steht und wundert sich sowohl über den Schmutz, als auch die vielen Bücher in der Zimmer-Küche-Wohnung, in der sie mit Mutter und Schwesterlebt, das Bild ihres Bräutigams, der sich umbrachte, steht am Bettkästchen, das er gleich erkennt, weil es nicht „Stalin“ ist und sie trägt auch feine Unterwäsche, weil sie herzkrank ist und daher öfter in Ohnmacht fällt.

Peter Nadas, der mit Geburtsjahr 1942, jüngste Autor dieses Bandes,  schildert einen sehr ausgelassenen Kindergeburtstag zu dem der kleine Sany eingeladen wurde und Istvan Csaszar, 1936 geboren,  in „Nichts als Einbildung, oder?“ das verhinderte Bohemienleben oder die Dreiecksgeschichte zwischen Geza, Anna und Karoly und dann gibt es noch „Mininovellen“ von Istvan Örkeny, die unter anderen auch einen Fragebogen beinhalten: „Was halten Sie von der Vereinsamung des Menschen im XX. Jahrhunders? Sprechen Sie manchmal mit den Hausmester oder „Was halten Sie von der Regierung? „Finden Sie sie gut, schlecht oder würden Sie lieber in Wien leben?“

Spannende Erzählungen aus dem vorigen Jahrhundert unseres Nachbarlands von einigen bekannten und einigen wahrscheinlich längst vergessenen Autoren.

Inzwischen hat sich nicht nur das pollitische System verändert, so daß es gut ist, daß ich auch Anna Mwangis Roman auf diesen Ungarn-Aufenthalt mitgenommen habe.

Terezia Moras „Einzigen Mann auf dem Kontinent“ werde ich dann später lesen.

2015-04-29

Neue Literatur aus Ungarn

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 23:23
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Seit November 2013 fahren wir regelmäßig mit der Schwiegermutter nach Bük ins Bad, weil die das früher mit dem Opa so machte und da habe ich, weil ich mir ja immer die entsprechende Literatur mitzunehmen versuche, den ungarischen Übersetzer György Buda, der  auch Gedichte zu schreiben scheint, in der „Gesellschaft für Literatur“ gefragt, welche Bücher er mir da empfehlen könnte?

Er hat mir den „Nischen Verlag“ empfohlen, der mir nicht besonders viel sagte oder doch natürlich, gibt es ja seit einigen Jahren bei der „Buch-Wien“ die „Donau Lounge“ und da hat, glaube ich, Cornelius Hell, der schon zwei Bücher über Ungarn geschrieben hat, einmal Krisztina Toth vorgegestellt und heute stellte der „Nischen-Verlag“ in der „Alten Schmiede“ seine neuen Bücher vor und ich bin, als ich den Kellersaal betreten habe, als erstes fast in Paul Lendvai hineingerannt, der glaube ich, ein 1056 Flüchtling ist und einer der führenden Journalisten der letzten Jahrzehnte.

Ich habe auch ein Buch von ihm auf meiner Bücherliste und daß der „Nischen-Verlag“, den es seit einigen Jahren zu geben scheint, mit einer Zsoska Lendvai zu tun hat, darauf bin ich erst später gekommen.

Die Verlegerin berüßte jedenfalls das Pulikum, wies auf die Pogatschen und den Wein hin, den es im Anschluß geben würde, auf den Sitzem lagen  Verlagsprospekte und deutsche Textauszüge von den zwei Romanen, die vorgestellt wurden, wurden auch verteilt.

Cornelius Hell, der moderierte, wies auf die ungarische Literatur hin, die durch den „Nischen Verlag“ dem deutschsprachigen Publikum zugänglich gemacht würde und erklärte , daß die zwei präsentierten Romane sehr viel Ähnliches hätten, spielten sie doch in den Fünfziger und Sechzigerjahren, erzählten also die neuere ungarische Geschichte und sie würden auch von einer Armut erzählen, die damals geherscht hätte.

Dann begann die 1967 geborene Krisztina Toth ein Stück auf Ungarisch aus ihrem Roman „Aquarium“ zu lesen, der von der etwas „verrückten“ Klari-Oma handelt, die wahrscheinlich in Budapest in dieser Zeit mit ihrer Enkeltochter Vica in einer Kellerwohnung lebt. Es gibt auch ein Auqarium und das ist sehr vergammelt, obwohl die Oma immer allen erzählt, daß sie die Fische füttern müßte, ansonsten scheint sie eine sehr unkonventionelle Person zu sein, die man vielleicht auch als soziopathisch bezeichnen könnte. Die Enkeltochter leidet jedensfalls darunter und auch die Tochter Vera, die ihr von der Fürsorge abgenommen wurde. Im dritten Kapitel ist sie mit einem Lampenschirmerzeuger verheiratet, die Großmutter besucht die Mutter immer am Dienstag und als sie sich das Geld das ihr die Tchter zusteckt, mit dem Erzeugen der Lampenschirme verdienen soll, beginnt sie diese so zu verunstalten, daß sie der Schwiegersohn mit dem Tod bedroht und aus der Wohnung weist.

Der 1959 in Debrecen geborene Ferenc Barnas war der zweite Autor und er stellte seinen ersten auf Deutsch erschienenen Roman „Der Neunte“ vor und das ist der Ich-Erzähler und auch das neunte Kind einer sehr katholischen Familie, die in den sechziger Jahren des kommunistischen Ungarns vom Rosenkranz erzeugen lebt, die Familie ist sehr arm und baut an einem Haus, wo, das ist der Traum des Erzählers. daß jedes Kind ein eigenes Bett haben wird.

Ferenc Barnas bzw. Kurt Neumann lasen sechs Stellen aus dem Buch, wo der Junge. den Gestank der Armut in der Schulklasse, den Religionsunterricht, seine Beziehungen in der Schule, zum Pfarrer und auch zu seinen Geschwistern schildert.

Danach gab es ein sehr langes Gespräch und weil derTooth Übersetzer Geörgy Budas erkrankt war, sprang für ihm der Autor Gabor Fonyad ein, den ich,  schon einmal in der „Gesellschaft für Literatur“ hörte und Cornelius Hell stellte viele Fragen nach dem Politischen, sowie dem Autobiographischen Anteilen der beiden Autoren und wiederholte das. was er schon auf der letzten Buch Wien über „Die Mittellosen“ gesagt hat, daß ihm die Bücher an seine eigene Kindheit in einem Salzburger Dorf erinnert hätten und daß das ungarische Dorf dem seinen wohl näher, als Salzburg Wien und Ungarn Budapest gewesen wäre, wo ich ihm im Anschluß  widersprochen habe, denn mich habendie Schiderungen Ferenc Barnas sehr wohl an meine Kindheit und dem Hausbau am Almweg erinnert und ich habe in meiner Kindheit wohl ein eigenes Bett gebhabt, meine Mutter hat sich aber für den Hausbau alles vom Mund abgespart und die Kleider ihrer Schwester getragen und ich bin 1977 von der Wattgasse in die Otto Bauergasse, in ein Haus mit Klo am Gang gezogen, wo ich auch nicht sicher bin, ob es das heute schon in den Wohnungen gibt.

2015-04-15

Moderne Erzähler der Welt: Ungarn

Filed under: Bücher — jancak @ 12:59
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„Moderne Erzähler der Welt“, heißt die Reihe, wo es Bände über Mexiko, Ägypten, Türkei, Westindien, Argentinien etc, gibt, ich habe, glaube ich, die mit Literatur aus Ungarn und Mazedonien in den Schränken gefunden und den über Ungarn diesmal nach Bük migenommen.

Das mit den modernen Erzählern ist differenziert zu verstehen, ist der Band aus dem Institut für Auslandsbeziehungen, doch 1975herausgegeben und das, was dort als modern gilt, heute höchstwahrscheinlich schon veraltet, dab es damals doch noch den eisernen Vorhang und die Erzähler beziehen sich nicht nur auf den zweiten, sondern auch auf den ersten Weltkrieg, was für die heutigen Lesegewohnheit vielleicht  schon ein bißchen ungewöhnlich ist.

Ein Vorwort gibt es auch und dann geht es los mit dem 1883 geborenen und  1954 verstorbenen Lajos Nagy, dessen „Weltkrieg  zwischen Haar und  Kahl, wohl eine witzig, ironisch satirische Kriegsbewältigung darstellt.

Laszlos Nemeths „Gendarmenlist“, 1901-1975, ist da schon direkter, da wird die Naivität der hochschwangeren Kathi geschildert, die von ihren Jani zwar sitzengelassen wurde, deshalb ist der Vater, ein Bauer bös auf sie, er ist aber auch einer der Roten, hat sich politischbetätigt, wird gesucht, muß sich verstecken, so schickt er Kathi eine Bohnschaft, daß sie mit Geld und Esen zum Bahnhof einer bestimmten Stadt kommen soll.

Sie ist aber noch nie mit dem Zug gefahren und kennt sich auch sonst in der Welt nicht gut aus und eine Hochschwangere, die mit einem Bündel zum Bahnhof eilt, dem Vater hat sie das Geld inzwischen aus einer Kasette gestohlen, fällt auf und einer der Gendarmen, den sie auf dem Weg begegnet, ist auch so schlau, Zivil anzulegen, ein Fahhrad zu nehmen und ihr zu folgen.

Sie verrät ihm auch alles, als er ihr Janis Namen nennt, weil sie glaubt, es sei einer seiner Kameraden, so wird er verhaftet und hingerichtet und athi kommt an der Stelle wo er baumelt, dann auch nieder.

Schlimm, schlimm die Geschichte, wie wohl auch die von Peter Veres,  1897-1970, die eine Kindheit in Armut, geschildert von einem kleinen Buben, der als „Muttersöhnchen“, der Vater ist nie da, erzählt. Die Mutter schimpft sehr viel und schlägt ihn auch, wenn er weint, denn das galt damals als Schande und nur das Kind, als artig, das wenig bis gar nicht weint. Trotzdem liebt er seine Mutter und sie ist auch lieb zu ihm und eines Tages zeigt sie ihm einen Brief, obwohl er noch nicht lesen kann. Der Vater kommt nach Haus, so will sie den Ofen heizen um Brot zu backen und Kuchen auch.

„Willst du Kuchen oder Strudel?“, fragt sie ihn.

„Ja, Pogatschen und Kuchen mit Marmelade!“, antwortet er freudig, es ist aber nur ein wenig Mohn da und Holz zum Heizen auch nicht. Das muß erst besorgt werden.

Nicht stehen, so nennt man das nicht und das machen auch alle, daß sie nachts ausziehen und sich das Holz vom Gut holen, die Mutter nimmt das Kind als Verstärkung mit, wird vom Verwalter erwischt. Da sieht er seine starke liebe Mutter, das erste Mal weinen und der „Kindeszorn“ ist erwacht, der später vielleicht zur Revolution führen wird.

Der 1928 geborene und 1972 gestorbene Laszlo Kamondy erzählt in „Das letzte Spiel“ auf sehr satirische Weise von einem Tennispiel in der Nazizeit in einem vornehmen Kurort am Plattensee zwischen einem deutschen Mayor und einem ungarischen Gymnasiasten.

Der Junge gewinnt, der Pfarrer, das Zigeunermädchen Gyöngyi und noch einige andere nehmen dabei auf mehr oder weniger unterschiedliche Weise Anteil und Ferenc Santas Geschichte, 1927 in Siebenbürgen geboren, heißt gleich „Nazis“ und erzählt, was passiert, wenn die Besatzer in ein kleines Dorf zu einem Hirtenjungen und seinem Großvater kommen.

Dagegen erzählt Aron Tamasi 1897-1966, ebenso aus Siebenbürgen in „Erlösung“ die Geschichte einer Herbergssuche, während György G. Kardos, 1925 in Budapest geboren, von dem ich ,glaube ich, „Die sieben Tage des Adam Bogatir“ auf meinem Harlander Lesestoß liegen habe, in „Theophile Gautier muß man einfach lieben“, wieder satirisch vom großen Krieg erzählt.

Da strandet der Held dessen Kleidung aus Uniformteilen der verschiedenen Nationen besteht, Schuhe hat er keine an den Füßen, in Bulgarien, eigentlich will er nach Budapest, wird aber nur bis Vidin mitgenommen, wo ihn alle, wahrscheinlich weil der Krieg zu Ende ist, beschenken und er einige Tage mit einer Gymnasiastin herumzieht, die ihm ständig französische Dichter zitiert, weil sie die Tochter eines Gymnasiallehrers ist.

So weit bin ich, glaube ich, bei meinem diesmaligen Ungarn Aufenthalt gekommen, werde das Buch wieder in das Regal zurückstellen oder auf die Stapel der ungelesenen Bücher legen, um es bei meinem nächsten Badeaufenthalt, sofern es einen geben sollte, weiterzulesen.

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