Literaturgefluester

2017-08-10

Tagwache und Heldentum im MQ

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 23:59
Tags: , ,
Jakob Pretterhofer

Jakob Pretterhofer

Heute fanden die O-Töne in der Arena 21 sttatt, da es am Nachmittag stark geregnet hat, am Abend war zwar das Wetter wieder schön,  da hat das Gewitter erst wieder nach der Lesung angefangen, es waren aber keine Sessel im Haupthof aufgestellt, als ich um sechs mit Egon Erwin Kischs Reportagen aus dem Berlin der Zwischenkriegszeit, die mir  „Wagenbach“ schickte, gekommen bin und so gings zur Veranstaltung in den langen Schlauch, der dann wieder so voll wurde, daß die Leute auf den Boden oder auf den seitlichen Rampen saß.

Diesmal zwei Veranstaltungen mit eher Männerthemen und ein Stück aus dem Debutroman des 1985 in Graz geborenen Jakob Pretterhofer habe ich schon im März beim Indiebookday gehört.

Da geht es, wie Paul Jandl, der diesmal moderierte, um einen Rekruten und seinen Ausbildner beim Bundesheer. Das heißt es wird in zwei Handlungssträngen erzählt und der Rekrut mit dem Namen Thomas Lampl scheint sehr ungeschickt oder ein Fettnäpfechentreter zu sein. Jedenfalls wird er von seinen Kameraden fertiggemacht und schikaniert.

Jakob Pretterhofer at je ein Kapitel aus diesen Handlungsstränge gelesen und der 1961 in Amstetten geborene Paulus Hochgatterer, der auch Kinderpsychiater ist, hat in seinem neuen Buch „Der Tag an dem mein Großvater ein Held war“, über die letzten Tage des Krieges geschrieben.

Paul Jandl leitete auch hier lang und umständlich ein und Paulus Hochgatterer begann seine Lesung damit, daß er erklärte, daß er sich schon gedacht hat, daß die meisten Neurosen im Wehrdienst erzeugt würden und er sehr froh wäre, daß er Zivildienst machte.

Es geht in dem Buch, bei dem mir nicht ganz klar wurde, wieso der Großvater ein Held wurde, um ein dreizehnjähriges offenbar traumatisiertes Mädchen, die teilweise Ich-Erzäherin, die sich durch das Buch schweigt, verdrängt oder auch erzählt, denn sie scheint ihre Eltern durch einen Fliegerangriff verloren zu haben und lebt jetzt bei einer Bauernfamilie mit fünf Töchtern, sagt zum Bauern „Großvater“ und Paul Jandl hat in seiner Einleitung noch etwas von einem Russen erzählt, der ein abstrakter Maler ist und ein solches Bild aus dem Besitz Görings versteckte.

Paulus Hochgatterer

Paulus Hochgatterer

Diese Stelle hat Paulus Hochgatterer nicht gelesen, nur eine, wo die amerikanischen Flieger die Bombe auf die Nibelungenwerke abwerfen und einer dann gefangengenommen wird.

Ein Nazi-Apotheker, der ein Mädchen oder eine junge Frau namens Isolde vergewaltigt, kam auch noch vor, bevor Paul Jandl alle aufforderte, das Buch zu kaufen und das Gewitter anbrach und ich kann noch erwähnen, daß im Publkum außer Martina Schmidt vom „Deuticke-Verlag“, wo das Hochgatterer Buch auch erschienen ist, glaube ich auch Gernot Sonnek war, den ich von meiner Psychotherapeutinenseite her kenne und der mir auch einmal einen Brief geschrieben hat, als ich mich lang lang ists her, einmal daŕüber beschwerte, als ein Ärztekammerpräsident gegen das <psychotherapeutengesetz, das damals gegründet wurde wetterte und den ich so originell gefunden habe, daß ich ihm statt eines Textes auf meinen Geburtstagsfest gelesen habe.

Er hat keinen Platz gefunden, es war für ihn auch wenn er Paulus Hochgatterer begrüßte, keiner reserviert, so saß er am Boden und hat aus dem Buch, das er sich offenbar schon gekauft hatte, auch mitgelesen.

Advertisements

2016-08-12

Ö -Töne in der Arena 21

Klaus Kastberger

Klaus Kastberger

Die Ö-Töne finden ja im Freien, im Haupthof des Museumsquartier und im Nebenhof bei den Boule Bahnen   statt und wenn es regnet in der Arena 21, dort wo auch die „Ohrenschmaus-Preisverleihungen“ stattfinden, aber diesmal war es anders, denn diesmal war Friederike Mayröcker mit ihren „Fleurs“, den dritten Teil nach „Etudes“ und „Cahier“ an der Reihe und die wollte nicht im Freien lesen.

Als Debutantin gab es Verena Mermers „“die stimme über den dächern“, das schon vor einem Jahr bei „Residenz“ erschienen ist und ich sie daraus auch schon im Literaturhaus lesen hörte.

Wenn Friederike Mayröcker liest ist es immer sehr voll und ich kann mich schon an „Alte Schmiede“ Veranstaltungen, noch in dem alten Raum den man über den Hof erreichte, wo ich dann eingeklemmt in der Menge im Vorraum gestanden bin und versuchte mich kleinweise Schritt für Schritt nach vorn zu kämpfen. Bei „Scardanelli“ ist das, glaube ich, so gewesen und einmal zu einer Saisoneröffnung, weil ich manchmal ja noch um sechs eine Stunde habe und dann erst um dreiviertel aus meiner Praxis wegkomme.

Diesmal hätte ich sogar eine um sieben gehabt, die ist aber entfallen, so war ich schon vor halb acht im Museumsquartier, wo schon der Alfred einen Platz in der dritten Reihe besetzt hatte, das letzte Mal sind wir ja sehr schlecht und weit hinten gesessen und das Eintrudeln der Menschen beobachten konnte.

Judith Massar vom „Leseloop“ hat ja vor einer Woche ausführlich von den Ö-Tönen berichtet und da gemeint, daß die, eine Beobachtung, die ich eigentlich nicht machte, von sehr vielen jungen Menschen besucht werden. Diesmal war es, glaube ich, auch nicht so, obwohl dann eine Gruppe junger Leute auch noch eintraf, die meisten waren, glaube, ich in meiner Altersklasse und noch älter und natürlich sehr viele Fans und Prominente.

So habe ich glaube ich Susanne Scholl gesehen, die Frau Schmid-Dengler, Christel Fallenstein ist natürlich gekommen, Julia Danielczyk und und und Klaus Kastberger, der ja inzwischen Professor in Graz und Leiter des Grazers Literaturhauses ist, moderierte, beziehungsweise las er zuerst Daniela Strigls Text, die ja die Debutantenreihe betreut, vor und die 1984 in St. Egyden am Steinfeld geborene Verena Mermer, habe ich vor fast zwei Jahren bei dieser Literaturwerkstatt in der „Gesellschaft für Literatur“ kennengelernt und dann vor einem Jahr am „Volksstimmefest“ gemeinsam mit ihr gelesen.

Verena Mermer

Verena Mermer

Ihren Roman, der von vier jungen Leuten in Baku handelt, zwei davon heißen Frieda und Che und lassen an Frieda Kahlo und Che Guevara denken, habe ich ja leider nicht mehr bekommen, dafür habe ich sie aber vor kurzem auch bei Christa Nebenführs Sommerlesereihe „Literatur und Arbeit“ gehört und es war wieder interessant, in den Roman einzutauchen, dürfte Verena Mermer ja, was sie wahrscheinlich von den anderen Debutanten ein bißchen unterscheidet, eine politische Autorin mit sozialen Anspruch sein und dann kam die Grand Dame der Literatur, beziehungsweise Klaus Kastberger mit einer seiner hintergründigen Ansprachen, so tauchte dabei wieder der Satz von all den Preisen, die sie mit Ausnahmen des einen aus Stockholm gewonnen hätte und er meinte auch, daß sie im „Falter“ als Mischung zwischen weltabgewandter Dichterin und Popstar bezeichnet worden wäre und bezeichnete ihre Literatur  als eine Mischung zwischen Lyrik und Prosa. Assoziationen, die so modern und realistisch sind, daß sie auch das Internet einbeziehen.

Begonnen hat er aber mit dem großen Goethe oder mit dem Duden, wo man zwischen „Altertum“ und „Altersweisheit“ das „Alterswerk“ findet, das der Johann Wolfgang zelebriert hätte, in dem er seinen Schreibtisch aufräumte und seinen Nachlaß festlegte, etwas das Friederike Mayröcker in Ermangelung eines Schreibtisches und weil sie ja nicht sterben, sondern hundertzwanzig werden will, nicht tut.

Sie zelebriert nicht ihr Alter, sondern schreibt unaufhörlich vor sich hin und hat daher schon an die hundert Bücher verfasst, beziehungsweise hat sie zu zählen aufgehört.

Dann kam die Lesung aus „Fleurs“ und eine Seite aus dem gerade entstehenden Prosawerk und ich finde diese  Traumsequenzen, die mir diesmal besonders auffielen, sehr beachtlich.

Viel Applaus und Ergriffenheit und eine lange Schlange Menschen, die sich mit Büchern zum Signieren anstellten, das muß für die alte Dame, denke ich, auch sehr mühsam sein, dann noch ein oder zwei Stunden zu signieren und mit ihren Fans Small talk zu betreiben.

Friederike Mayröcker

Friederike Mayröcker

Ich habe ja nicht sehr viele ihrer Bücher, weil man die seltsamerweise im Schrank nicht findet, nur einmal habe ich in der „Seedose“ das in den Fünfzigerjahren erschienene Frühwerk „Larifari“ gefunden, das wahrscheinlich noch in einem ganz anderen Stil geschrieben ist und jetzt kann ich raten, ob sie auf die Liste für den österreichischen Buchpreis kommt?

Mit „Ich schütttelte einen Liebling“, das ich gelesen habe, ist sie ja sogar auf die Shortlist des dBp gekommen, obwohl das ja  kein Roman ist, aber das ist ja, wie man immer merkt, ein sehr dehnbarer Begriff und F M eine, wie Klaus Kastberger noch bemerkte, die überhaupt nicht narrativ schreibt, aber die Grand Dame des österreichischen Literaturbetriebs und eine von den wenigen Ehrenbürgerinnen der Stadt Wien, vielleicht ist Julia Danielczyk mit ihrer Assistentin deshalb zur Lesung gekommen und mir ist dazu die „Rund um die Burg-Veranstaltung“ vor Jahren, ich glaube es war, um nine eleven, eingefallen, wo Ilse Aichinger, um die Mittagszeit vom „Literaturhaus“ eingeladen zu lesen war und ihre Zeit überzogen hatte. Nachher hätte Dietmar Grieser kommen sollen und während, die alte Dame, ich glaube von den Filmen oder etwas entsprechendes las, murrten die älteren Damen im Publikum „Wir wollen den Grieser hören!“, was ich ihm einmal erzählte.

Aber hier war das anders, der Applaus lang, der Saal sehr voll und die Veranstalterin sehr gerührt und sprach von einem nicht zu vergerssenden eindrucksvollen Abend.

2016-08-05

Halbzeit bei den O-Tönen

20160804-204727

Der vierte Abend des heurigen Literaturfestes im Museumsquartier, das diesmal wieder im Haupthof stattfand und als ich mit dem Alfred vor halb acht dort eintraf, war es schon ziemlich voll und schwer einen Platz zu finden, den wir dann ganz hinten, eine Reihe vor Nadine Kegele und anderen Jungliteratinnen zu denen auch Pia Piuk, die diesmalige Debutantin, kamen, fanden.

Brigitte Schwens-Harrant, Jurymitglied des österreichischen Buchpreises und Staatspreisträgerin für „Literaturkritik“ moderierte und stellte auch die Debutantin vor, deren Buch ich inzwischen gelesesen habe und das mich sehr beeindruckt hat.

Leider waren beim Vorgelesen bekommen die vielen abgebrochenen Sätze, in denen Pia Piuk ihre hyperaktive Protagonistin durch das Leben taumeln, beziehungsweise durch die Luft fliegen läßt, fast störend, beim Selberlesen habe ich es nicht so bemerkt, trotzdem ein spannendes Buch und  sehr beeindruckend der Realismus mit dem die Debutantinnen das harte Leben des Erfolgs und Scheiterns im Neoliberalismus schildern und dann kam als Hauptlesender Michael Köhlmmeier mit seinem „Das Mädchen mit dem Fingerhut“, eine Mischung zwischen Märchen oder Flüchtlingsschicksal, das ich in Leipzig, wo das Buch am blauen Sofa vorgestellt wurde, versäumte, das, wie Brigitte Schwens-Harrant in ihrer Einleitung erklärte, durch die Parabel besser rüber kommt, als wenn die harten Fakten der unbegleiteten Flüchtlingsschaft direkt angesprochen würden.

Da weiß ich zwar nicht so genau, ob ich dem zustimme, es gab auch diesmal kein Gespräch, so daß Michael Köhlmeier nichts erklärte und man gleich in Medias Res geworfen wurde oder mit der Einleitung der Moderatorin auskommen mußte.

Petra Piuk

Petra Piuk

Michael Köhlmeier

Michael Köhlmeier

Es geht jedenfalls, um ein wahrscheinlich namenloses, stummes, sechsjähriges Mädchen, das von einem Onkel auf einen Markt zu einem Bodgan geschickt wird.

Es versteht die Sprache nicht oder nur mangelhaft, hat von diesen Onkel und einigen Frauen aber Unterweisungen bekommen. So stellt es sich einfach hin und schaut, bis es zu Essen bekommt und wenn es das Wort „Polizei“ hört, fängt es an zu schreien.

Auf diese Weise geht es eine Weile gut, bis der Onkel, der das Kind  jeden Abend von dem Geschäft des Bodgans, wo es den Tag verbringt, abholt, nicht mehr erscheint und es alleine loszieht, in einer Mülltonne landet und schließlich in einem Cafe von der Polizei aufgegriffen wird.

In Zeiten, wie diesen ein interessantes und sehr wichtiges Thema und ein Buch warhscheinlich, das man auch auf den beiden Listen, die es ja in ein paar Wochen gibt, finden wird.

Der 1949 geborene Michael Köhlmeier ist ja vor zwei Jahren mit seinen „Zwei Herren am Strand“, ein Buch, das ich inzwischen gefunden habe, auf die Longlist gekommen, ein Jahr früher mit seinen „Joel Spazierer“ nicht.

Brigitte Schwens-Harrant hat noch ein paar andere Kählmeier Werke aufgezählt und nächste Woche wird es mit der Grande Dame, Friederike Mayröcker weitergehen, deren „fleurs“ ja auch der österreichischen Liste stehen kann, die am sechsten September veröffentlicht wird.

Ein schöner, spannender und recht kurzer Abend. Gustav Ernst habe ich auch noch im Publikum gesehen.

Bloggen auf WordPress.com.