Literaturgefluester

2019-08-29

Letzte O-Töne

Daria Wilke

Daria Wilke

Die letzten O-Töne in diesem Jahr und es sah ein bißchen nach Regen aus, zumindestens gab es Donnergrollen und Ruth Aspöck und Christa U. sind mit Schirmen ausgerüstet erschienen, Gustav Ernst kam mit Karin Fleischanderl, Robert Huez mit Lydia Mischkulnig so waren die ersten beiden Reihen reserviert, als ich nach sechs erschien und der Moderator erklärte, daß man im Haupthof zu lesen beginnen würde und bei Regen ins Quartier einundzwanzig wechseln könne.

Das war dann nicht nötig, weil das Gewitter erst begann, als wir schon  zu Hause waren und zuerst kündigte Klaus Kastberger an, daß nun alle Bildungsbürger, die sich Wissen erwarten würden, auf ihre Rechnung kämen, denn die in Russland geborene Daria Wilke führte mit ihrem Roman „Die Hyanzintenstimme“, im Programm war er falsch angekündigt und Bettina Balaka zugeordnet, in die Musik des Barocks und in das Kastratentum ein oder besser in ein Schloß, wo sich ein Zar Buben mit schönen Stimmen einkaufte und sie musikalisch ausbilden ließ und die Hauptleserin, die 1966 in Salzburg geborene Bettina Balaka, die schon sechzehn Romane geschrieben hat, führte dann mit ihrem neuen den „Tauben von Brünn“ ins Biedermeier und zu einem historischen Fall, nämlich zu dem berühmt berüchtigten Johann Karl von Sothen, den Lotteriebaron, von dem ich noch nie etwas gehört habe.

Bettina Balaka

Bettina Balaka

Bettina Balaka, die ich seit meiner Jurytätigkeit 1996 beim Nachwuchsstipendium kenne, beschäftigt sich ja gerne mit historischen Stoffen, hat vom ersten Weltkrieg geschrieben und vom Frauenwahlrecht und jetzt in das Jahr 1848 und zu der Legende von dem aus ärmlichen Verhältnissen stammenden Sothen, der dann bei jeder Lotterie gewann und sich daher am Kahlenberg und am Cobenzel ein paar Schlößer bauen ließ und am „Himmel“ die Sisikapelle, von der hat aber schon Anna Elisabeth Mayer geschrieben, die sich ja auch gern mit historischen Stoffen beschäftigt. Ihr Buch „Am Himmel“ habe ich im Schrank gefunden und werde es demnächst lesen, während ich mit den „Tauben von Brünn“ noch warten werde und die O-Töne sind für dieses Jahr zu Ende.

„Leben Sie wohl bis zum nächsten Jahr, besuchen Sie die „Buch Wien“ und lesen Sie schöne Bücher!“, sagte die Veranstalterin, wie wohl jedes Jahr.

Mal sehen, ob mir das gelingt!

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2019-08-22

Wieder zu den O-Tönen

Paul Jandl, Claudia Klingenschmied

Paul Jandl, Claudia Klingenschmied

Claudia Klingenschmied

Claudia Klingenschmied

Die letzten drei O-Töne habe ich ja urlaubsbedingt ausgelassen, sind wir doch als Vea Kaiser und Marco Dinic gelesen haben, gerade bis zum Dreiländereck gefahren und haben dort übernachtet, als Marlene Streeruwitz und Angela Lehner an der Reihe waren, waren wir inLoccarno auf der Piazza Grande  beim Filmfestival, aber beide Bücher sind auf die Longlist gekommen, so daß ich sie demnächst lesen werde und als Robert Prosser, dessen Buch ich schon gelesen habe, zusammen mit dem Debutanten David Bröderbauer gelesen hat, sind wir von der Schweiz zurück zuerst nach Wien, um den Computer zu holen und dann nach Harland gefahren, dabei habe ich Gertraud Klemms „Hyppocampus“, das nicht auf die Longlist gekommen ist, gelesen und die war heute dran, aber vorher gab es noch eine mir bisher unbekannte Debutantin, nämlich die 1983 in Tirol geborene Claudia Klingenschmid mit ihrem „Parasit To Go“, ein Buch, das wie der Name sagt und auch der moderiende Paul Jandl, der 2018 in der Jury des dBps war,  den ich einmal in der „Alten Schmiede“ mit Robert Menasse hörte und der auch Lektor bei „Jung und Jung“ war, erklärte, von Parasiten handelt oder besser von Möwen, die über Venedig fliegen und dort relativ aggressiv agieren.

Ich war diesmal nicht nur mit dem Alfred dort, sondern habe auch die Ruth getroffen, die ja als „Altfeministin“ irgendwie von dem Buch betroffen ist, Doris Kloimstein, die in Wien beim Friseur war, ist später gekommen und sonst war der Haupthof wieder sehr voll und eine Stimme aus dem Publikum hat sich über Paul Jandl beschwert, der meinte, daß der Feminismus eine Übertreibung sei, ist er natürlich nicht, obwohl Gertraud Klemm ja trefflich in der Bernhardschen Manie mit Übertreibungen und Zuspitzungen arbeitet, um gehört zu werden, wie sie erklärte und was angesichts der Tatsache, daß eine junge Frau wie Ronja von Rönne den Feminismus vor einigen Jahren für unnötig hielt und die Rechten heute, um ihre „Frauen und Mädel“ angeblich zu schützen, von ihnen verlangen, daß sie nicht mehr allein aus dem Haus gehen  oder behaupten, daß das nicht mehr möglich sei, ohne gleich vergewaltigt zu werden, wieder sehr wichtig ist.

Gertraud Klemm, Paul Jandl

Gertraud Klemm, Paul Jandl

Gertraud Klemm

Gertraud Klemm

In diesem Sinn also ein sehr wichtiges Buch, schade, daß es nicht auf die Longlist gekommen ist, es ist aber beim Publikum gut angekommen, Gertraud Klemm hat auch sehr gut gelesen und eine lange Käuferschlange hat sich bei ihr angestellt, um sich das Buch signieren zu lassen. Der Alfred hat es für die Anna gekauft, mal sehen wie es ihr geflällt.

2019-07-11

Schräges von der O-Töne-Eröffnung

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 23:59
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Lukas Lauermann

Lukas Lauermann

Barbara Zeman

Barbara Zeman

Am Donnerstag hat im MQ wieder das Lesefest begonnen, das jetzt von Klaus  Kastberger zusammengestellt wird, der jetzt auch für die Debuts verantwortlich ist.

Bei der Eröffnung gibt es immer ein Musikprogramm und war im Folder als die „Schräger Singer/Songwriterin Alicia Edelweiß mit dem wohl vielfältigsten Cellisten Lukas Lauermann“ angekündet.

Sie hatten auch eine Geigerin dabei und dann folgten zwei Autoren, die man wohl auch als schräng bezeichnen kann. Nämlich das Debut „Immerjahn“ von Barbara Zemann, die ich schon im Literaturhaus hörte und da hat die 1981 in Eisenstadt geborene Autorin wieder sehr genau und sehr lang ihren wohl etwas ungewöhnlichen Künstlerroman vorgestellt, der wahrscheinlich an das Debut von vor zwei Jahren von Irene Diwiak erinnern könnte, so daß ich gespannt bin, ob ich das Buch auf der Debutschiene des östBps finden werde, auf der Bloggerdebutlonglist steht es, glaube ich, schon.

Barbara Zemann erzählte wahrscheinlich mehr, als sie gelesen hat und Daniela Strigl sprach in ihrer Einleitung auch davon, daß des Sujet des Debuts, nämlich ein Tag eines reichen Mannes, der seine Villa in ein Museum verwandelt will, dabei aber seine Sekretärin entlassen hat, etwas ungewöhnlich ist, weil die meisten anderen Debutanten eher von ihrer engen und bedrückenden Kindheit schreiben.

Dann folgte ebenfalls ein außergewöhnliches Literaturtalent, nämlich der neue Erzählband „Der Trost runder Dinge“ des 1982 in Graz geborenen Clemens J. Setz, der neuerdings Hüte zu tragen scheint und dessen literarischen Aufstieg ich eigentlich sehr genau verfolgt habe.

Habe ich doch sein Debut „Söhne und Planeten“ bei einem St. Pöltner Flohmarkt gekauft und, ich glaube, 2009 gelesen. Dann hat er bald den Bremer Literaturpreis bekommen,  dicke Romane wie die „Frequenzen“ noch bei „Residenz“ erschienen, geschrieben. „Indigo“ ist, glaube ich, auch sehr dick.

Mit den Erzählungen „Die Liebe zur Zeit des Mahlstädterkindes“ hat er den „Leipziger Belletriktik-Preis“ gewonnen und da hat mich der Wechsel in die Skurrilität schon etwas gewundert. Bei dem neuen Erzählband scheint das nicht anders zu sein, wie Daniela Strigl im Interview erwähnte, obwohl die Geschichte, die er glesen hatte, einen eigentlich realen Hintergrund hatte.

Der dickste Roman war dann wohl „Die Stunde zwischen Frau und Gitarre“ was 2015 auf der Long- und vielleicht auch auf der Shortlist des dBp stand und mir sehr gefallen hat.

Gedichtbände gibt es  auch und auch Twittergedichte, von denen Clemens J. Setz noch eine Zugabe gab und der Haupthof des MQ war wieder sehr voll, Ljuba Arnautovic, Alice Harmer, Sarah Wipauer, die glaube ich mit Clemens J. Setz befreundet ist, habe ich gesehen, aber auch meine Hauptschulkollegin Christa U, Margit Heumann und noch viele mehr.

2018-07-19

Ö-Töne mit Yara Lee und Arno Geiger

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 23:38
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Yara Lee

Yara Lee

Daniela Strigl, Yara Lee

Daniela Strigl, Yara Lee

Das zweite Debut der heurigen Saison, das Daniela Strigl für diesen Donnerstag ausgesucht hat, betraf Yara Lees „Als ob man sich auf hoher See“ befände, ein Buch aus dem „Residenz-Verlag“, das sich bereits auf der Debut-Longlist befindet, also muß ich es nicht erst hinaufreklamieren und das, glaube ich, auch schon im Literaturhaus oder war es in der „Gesellschaft für Literatur“ vorgestellt wurde.

Aber sonst sagte mir das Buch nicht viel und auch von der eigentlich Afamia Al-Dayaa heißenden, in Deutschland geborenen Autorin, die sowohl Klavier als auch Sprachkunst studierte habe ich, glaube ich, noch nicht viel gehört und sie offenbar auch bei den Sprachkunstlesungen nicht erlebt.

Ein Auszug ihres Debutroman ist aber im Vorjahr in den „Manuskripten“ erschienen, also nicht sehr genau gelesen und habe jetzt erst ihr Debut kennengelernt, den Roman, wo eine junge Frau, die den Namen Marla Maria trägt mit einem Koffer in der Hand nach Wien kommt, einen James <kennenlernt und einen Vater namens Ulysses hat, der sich eigentlich auf das Sterben vorbereitet, aber offenbar die Gelegehheit dazu nicht  findet. Das waren etwa die Stellen, die die Autorin gelesen hat und auch das, was Daniela Strigl in ihrer Einleitung erklärte.

Danach kam noch einmal Daniela Strigl auf die Bühne und moderierte Arno Geiger, aus dessen neuen Roman „Unter der Drachenwand“ ich ihn schon in Göttweig lesen und, ich glaube, außerdem noch irgendwo ein Interview daraus hörte.

Daniela Strigl stelle den 1968 in Bregenz geborenen, sehr enthusiastisch vor und meinte, daß ihrer Meinung nach „Die Drachenwand“ zu den besten Romanen dieses Jahrhunderts gehöre, was offenbar  Arno Geiger so überraschte, daß er sie daraufhin umarmte.

Ich würde nicht so weit gehen und würde mich überhaupt hüten, ein Buch, daß ich in den letzten Jahren gelesen habe, so zu bezeichnen, muß aber sagen, daß ich das, was ich bisher aus dem Roman hörte, auch für das beste halte, was ich von Arno Geiger je gehört oder gelesen habe und ich habe ja meine eigene Arno Geiger-Geschichte, habe ich ihn ja 1996 kennengelernt, als er da, als noch unbekannter Autor nach Klagenfurt kam, mit seiner Käthe-Geschichte zwar kein besonderes Aufsehen erregte, zumindestens bei der dortigen Jury nicht. Mir hat die Geschichte aber sehr gefallen und offenbar auch Martina Schmidt vom „Deuticke-Verlag“.

Jedenfalls erschienen da, glaube ich, seine ersten Bücher und ich würde auch nicht sagen, daß er 2004, als er aus seinem späteren ersten deutschen Buchpreis-Roman gelesen hat, Aufsehen erregte. Das kam erst 2005 als er mit „Es geht uns gut“ den Preis gewonnen hat.

Daniela Strigl, Arno Geiger

Daniela Strigl, Arno Geiger

Arno Geiger

Arno Geiger

„Alles über Sally“ habe ich gelesen und auch in der „Alten Schmiede“ und, ich glaube, auch in Leipzig draus gehört. Für das Memoir über seinen Vater „Der alte König in seinem Exil,“ habe ich gedacht, daß er den „Preis der Leipziger Buchpresse“ bekommen wird, den dann Clemens J. Setz mit seinem „Mahlstädter Kind“  bekommen hat.

„Selbstportait mit fluß pferd“ habe ich nicht gelesen und die „Sally“ habe ich etwas langatmig wenn nicht sogar schwülstig empfunden.

Das waren aber die Werke die Daniela Strigl von Arno Geiger, der auch den „Wildganspreis“ bekommen hat, aufzählte und meinte, daß sie das interessierte O Töne-Publikum sicher gelesen hätte.

„Anna nicht vergessen“, hätte ich ihr da gerne zugerufen, habe den Erzählband zwar inzwischen auf meinen Stapel, aber noch nicht gelesen und diese Geschichte über den blutjungen Weltkriegsoldaten, der 1944, mit dreiundzwanzig Jahren verwundet wird und sich unter die Drachenwand am Mondsee zur Genesung zurückzieht und dort die Liebe entdeckt, habe ich wirklich sehr spannend gefunden und ja auch erst ein oder zwei Bücher über die letzten Tagen des zweiten Weltkriegs gelesen und muß da sagen, daß mir das die Melker Geschichte des Ralph Rothmanns nicht so beeindruckt hat.

Im Gespräch mit Daniela Strigl sagte Arno Geiger etwas, was er, glaube ich, auch bei dem Interview erwähnt hatte, nämlich, daß er für das Buch sehr lange recherchiert hat, weil er nicht historisch darüber schreiben, sondern die Geschichte lebendig und hautnah erzählen wollte.

Etwas, was icht nicht ganz nachzvollziehen kann, denn natürlich weiß er wahrscheinlich nicht wirklich, wie es  1944 gewesen ist, auch wenn er herausgefunden hat, daß es damals keine Bindfäden gegeben hat, weil die, die Leute alle für die Pakete verwendet haben, die sie den Soldaten an die Front schickten.

Aber ich habe diese Verknüpung der Geschichten der beiden ehemaligen Nachbarn, von denen der eine, der Jude OskarMeyer mit seiner Frau und seinem Kind nach Budapest flüchtet und die dort verliert, während der  schon beschriebene Veit Kolbe unter der Drachenwand seine Liebe findet, sehr  gut geschrieben gefunden und bin jetzt nur gespannt, ob es auf die österreichische oder deutsche Buchpreisliste kommt, auf die deutsche nachdem Arno Geiger dort ja schon gewonnen hat, vielleicht nicht mehr, auf die österreichische wahrscheinlich sicher und dann kann ich das Buch, falls es zu mir kommen sollte, es ist bei „Hanser“ erschienen, ja lesen und so war auch der zweite O-Töne Abend sehr interessant und wieder sehr voll und schönes warmes Wetter und es ist sicher auch sehr gut, sich in Zeiten, wie diesen mit dem zweiten Weltkrieg zu beschäftigen, obwohl es darüber auch schon sehr viele Bücher gibt.

2017-08-10

Tagwache und Heldentum im MQ

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 23:59
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Jakob Pretterhofer

Jakob Pretterhofer

Heute fanden die O-Töne in der Arena 21 sttatt, da es am Nachmittag stark geregnet hat, am Abend war zwar das Wetter wieder schön,  da hat das Gewitter erst wieder nach der Lesung angefangen, es waren aber keine Sessel im Haupthof aufgestellt, als ich um sechs mit Egon Erwin Kischs Reportagen aus dem Berlin der Zwischenkriegszeit, die mir  „Wagenbach“ schickte, gekommen bin und so gings zur Veranstaltung in den langen Schlauch, der dann wieder so voll wurde, daß die Leute auf den Boden oder auf den seitlichen Rampen saß.

Diesmal zwei Veranstaltungen mit eher Männerthemen und ein Stück aus dem Debutroman des 1985 in Graz geborenen Jakob Pretterhofer habe ich schon im März beim Indiebookday gehört.

Da geht es, wie Paul Jandl, der diesmal moderierte, um einen Rekruten und seinen Ausbildner beim Bundesheer. Das heißt es wird in zwei Handlungssträngen erzählt und der Rekrut mit dem Namen Thomas Lampl scheint sehr ungeschickt oder ein Fettnäpfechentreter zu sein. Jedenfalls wird er von seinen Kameraden fertiggemacht und schikaniert.

Jakob Pretterhofer at je ein Kapitel aus diesen Handlungsstränge gelesen und der 1961 in Amstetten geborene Paulus Hochgatterer, der auch Kinderpsychiater ist, hat in seinem neuen Buch „Der Tag an dem mein Großvater ein Held war“, über die letzten Tage des Krieges geschrieben.

Paul Jandl leitete auch hier lang und umständlich ein und Paulus Hochgatterer begann seine Lesung damit, daß er erklärte, daß er sich schon gedacht hat, daß die meisten Neurosen im Wehrdienst erzeugt würden und er sehr froh wäre, daß er Zivildienst machte.

Es geht in dem Buch, bei dem mir nicht ganz klar wurde, wieso der Großvater ein Held wurde, um ein dreizehnjähriges offenbar traumatisiertes Mädchen, die teilweise Ich-Erzäherin, die sich durch das Buch schweigt, verdrängt oder auch erzählt, denn sie scheint ihre Eltern durch einen Fliegerangriff verloren zu haben und lebt jetzt bei einer Bauernfamilie mit fünf Töchtern, sagt zum Bauern „Großvater“ und Paul Jandl hat in seiner Einleitung noch etwas von einem Russen erzählt, der ein abstrakter Maler ist und ein solches Bild aus dem Besitz Görings versteckte.

Paulus Hochgatterer

Paulus Hochgatterer

Diese Stelle hat Paulus Hochgatterer nicht gelesen, nur eine, wo die amerikanischen Flieger die Bombe auf die Nibelungenwerke abwerfen und einer dann gefangengenommen wird.

Ein Nazi-Apotheker, der ein Mädchen oder eine junge Frau namens Isolde vergewaltigt, kam auch noch vor, bevor Paul Jandl alle aufforderte, das Buch zu kaufen und das Gewitter anbrach und ich kann noch erwähnen, daß im Publkum außer Martina Schmidt vom „Deuticke-Verlag“, wo das Hochgatterer Buch auch erschienen ist, glaube ich auch Gernot Sonnek war, den ich von meiner Psychotherapeutinenseite her kenne und der mir auch einmal einen Brief geschrieben hat, als ich mich lang lang ists her, einmal daŕüber beschwerte, als ein Ärztekammerpräsident gegen das <psychotherapeutengesetz, das damals gegründet wurde wetterte und den ich so originell gefunden habe, daß ich ihm statt eines Textes auf meinen Geburtstagsfest gelesen habe.

Er hat keinen Platz gefunden, es war für ihn auch wenn er Paulus Hochgatterer begrüßte, keiner reserviert, so saß er am Boden und hat aus dem Buch, das er sich offenbar schon gekauft hatte, auch mitgelesen.

2016-08-12

Ö -Töne in der Arena 21

Klaus Kastberger

Klaus Kastberger

Die Ö-Töne finden ja im Freien, im Haupthof des Museumsquartier und im Nebenhof bei den Boule Bahnen   statt und wenn es regnet in der Arena 21, dort wo auch die „Ohrenschmaus-Preisverleihungen“ stattfinden, aber diesmal war es anders, denn diesmal war Friederike Mayröcker mit ihren „Fleurs“, den dritten Teil nach „Etudes“ und „Cahier“ an der Reihe und die wollte nicht im Freien lesen.

Als Debutantin gab es Verena Mermers „“die stimme über den dächern“, das schon vor einem Jahr bei „Residenz“ erschienen ist und ich sie daraus auch schon im Literaturhaus lesen hörte.

Wenn Friederike Mayröcker liest ist es immer sehr voll und ich kann mich schon an „Alte Schmiede“ Veranstaltungen, noch in dem alten Raum den man über den Hof erreichte, wo ich dann eingeklemmt in der Menge im Vorraum gestanden bin und versuchte mich kleinweise Schritt für Schritt nach vorn zu kämpfen. Bei „Scardanelli“ ist das, glaube ich, so gewesen und einmal zu einer Saisoneröffnung, weil ich manchmal ja noch um sechs eine Stunde habe und dann erst um dreiviertel aus meiner Praxis wegkomme.

Diesmal hätte ich sogar eine um sieben gehabt, die ist aber entfallen, so war ich schon vor halb acht im Museumsquartier, wo schon der Alfred einen Platz in der dritten Reihe besetzt hatte, das letzte Mal sind wir ja sehr schlecht und weit hinten gesessen und das Eintrudeln der Menschen beobachten konnte.

Judith Massar vom „Leseloop“ hat ja vor einer Woche ausführlich von den Ö-Tönen berichtet und da gemeint, daß die, eine Beobachtung, die ich eigentlich nicht machte, von sehr vielen jungen Menschen besucht werden. Diesmal war es, glaube ich, auch nicht so, obwohl dann eine Gruppe junger Leute auch noch eintraf, die meisten waren, glaube, ich in meiner Altersklasse und noch älter und natürlich sehr viele Fans und Prominente.

So habe ich glaube ich Susanne Scholl gesehen, die Frau Schmid-Dengler, Christel Fallenstein ist natürlich gekommen, Julia Danielczyk und und und Klaus Kastberger, der ja inzwischen Professor in Graz und Leiter des Grazers Literaturhauses ist, moderierte, beziehungsweise las er zuerst Daniela Strigls Text, die ja die Debutantenreihe betreut, vor und die 1984 in St. Egyden am Steinfeld geborene Verena Mermer, habe ich vor fast zwei Jahren bei dieser Literaturwerkstatt in der „Gesellschaft für Literatur“ kennengelernt und dann vor einem Jahr am „Volksstimmefest“ gemeinsam mit ihr gelesen.

Verena Mermer

Verena Mermer

Ihren Roman, der von vier jungen Leuten in Baku handelt, zwei davon heißen Frieda und Che und lassen an Frieda Kahlo und Che Guevara denken, habe ich ja leider nicht mehr bekommen, dafür habe ich sie aber vor kurzem auch bei Christa Nebenführs Sommerlesereihe „Literatur und Arbeit“ gehört und es war wieder interessant, in den Roman einzutauchen, dürfte Verena Mermer ja, was sie wahrscheinlich von den anderen Debutanten ein bißchen unterscheidet, eine politische Autorin mit sozialen Anspruch sein und dann kam die Grand Dame der Literatur, beziehungsweise Klaus Kastberger mit einer seiner hintergründigen Ansprachen, so tauchte dabei wieder der Satz von all den Preisen, die sie mit Ausnahmen des einen aus Stockholm gewonnen hätte und er meinte auch, daß sie im „Falter“ als Mischung zwischen weltabgewandter Dichterin und Popstar bezeichnet worden wäre und bezeichnete ihre Literatur  als eine Mischung zwischen Lyrik und Prosa. Assoziationen, die so modern und realistisch sind, daß sie auch das Internet einbeziehen.

Begonnen hat er aber mit dem großen Goethe oder mit dem Duden, wo man zwischen „Altertum“ und „Altersweisheit“ das „Alterswerk“ findet, das der Johann Wolfgang zelebriert hätte, in dem er seinen Schreibtisch aufräumte und seinen Nachlaß festlegte, etwas das Friederike Mayröcker in Ermangelung eines Schreibtisches und weil sie ja nicht sterben, sondern hundertzwanzig werden will, nicht tut.

Sie zelebriert nicht ihr Alter, sondern schreibt unaufhörlich vor sich hin und hat daher schon an die hundert Bücher verfasst, beziehungsweise hat sie zu zählen aufgehört.

Dann kam die Lesung aus „Fleurs“ und eine Seite aus dem gerade entstehenden Prosawerk und ich finde diese  Traumsequenzen, die mir diesmal besonders auffielen, sehr beachtlich.

Viel Applaus und Ergriffenheit und eine lange Schlange Menschen, die sich mit Büchern zum Signieren anstellten, das muß für die alte Dame, denke ich, auch sehr mühsam sein, dann noch ein oder zwei Stunden zu signieren und mit ihren Fans Small talk zu betreiben.

Friederike Mayröcker

Friederike Mayröcker

Ich habe ja nicht sehr viele ihrer Bücher, weil man die seltsamerweise im Schrank nicht findet, nur einmal habe ich in der „Seedose“ das in den Fünfzigerjahren erschienene Frühwerk „Larifari“ gefunden, das wahrscheinlich noch in einem ganz anderen Stil geschrieben ist und jetzt kann ich raten, ob sie auf die Liste für den österreichischen Buchpreis kommt?

Mit „Ich schütttelte einen Liebling“, das ich gelesen habe, ist sie ja sogar auf die Shortlist des dBp gekommen, obwohl das ja  kein Roman ist, aber das ist ja, wie man immer merkt, ein sehr dehnbarer Begriff und F M eine, wie Klaus Kastberger noch bemerkte, die überhaupt nicht narrativ schreibt, aber die Grand Dame des österreichischen Literaturbetriebs und eine von den wenigen Ehrenbürgerinnen der Stadt Wien, vielleicht ist Julia Danielczyk mit ihrer Assistentin deshalb zur Lesung gekommen und mir ist dazu die „Rund um die Burg-Veranstaltung“ vor Jahren, ich glaube es war, um nine eleven, eingefallen, wo Ilse Aichinger, um die Mittagszeit vom „Literaturhaus“ eingeladen zu lesen war und ihre Zeit überzogen hatte. Nachher hätte Dietmar Grieser kommen sollen und während, die alte Dame, ich glaube von den Filmen oder etwas entsprechendes las, murrten die älteren Damen im Publikum „Wir wollen den Grieser hören!“, was ich ihm einmal erzählte.

Aber hier war das anders, der Applaus lang, der Saal sehr voll und die Veranstalterin sehr gerührt und sprach von einem nicht zu vergerssenden eindrucksvollen Abend.

2016-08-05

Halbzeit bei den O-Tönen

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Der vierte Abend des heurigen Literaturfestes im Museumsquartier, das diesmal wieder im Haupthof stattfand und als ich mit dem Alfred vor halb acht dort eintraf, war es schon ziemlich voll und schwer einen Platz zu finden, den wir dann ganz hinten, eine Reihe vor Nadine Kegele und anderen Jungliteratinnen zu denen auch Pia Piuk, die diesmalige Debutantin, kamen, fanden.

Brigitte Schwens-Harrant, Jurymitglied des österreichischen Buchpreises und Staatspreisträgerin für „Literaturkritik“ moderierte und stellte auch die Debutantin vor, deren Buch ich inzwischen gelesesen habe und das mich sehr beeindruckt hat.

Leider waren beim Vorgelesen bekommen die vielen abgebrochenen Sätze, in denen Pia Piuk ihre hyperaktive Protagonistin durch das Leben taumeln, beziehungsweise durch die Luft fliegen läßt, fast störend, beim Selberlesen habe ich es nicht so bemerkt, trotzdem ein spannendes Buch und  sehr beeindruckend der Realismus mit dem die Debutantinnen das harte Leben des Erfolgs und Scheiterns im Neoliberalismus schildern und dann kam als Hauptlesender Michael Köhlmmeier mit seinem „Das Mädchen mit dem Fingerhut“, eine Mischung zwischen Märchen oder Flüchtlingsschicksal, das ich in Leipzig, wo das Buch am blauen Sofa vorgestellt wurde, versäumte, das, wie Brigitte Schwens-Harrant in ihrer Einleitung erklärte, durch die Parabel besser rüber kommt, als wenn die harten Fakten der unbegleiteten Flüchtlingsschaft direkt angesprochen würden.

Da weiß ich zwar nicht so genau, ob ich dem zustimme, es gab auch diesmal kein Gespräch, so daß Michael Köhlmeier nichts erklärte und man gleich in Medias Res geworfen wurde oder mit der Einleitung der Moderatorin auskommen mußte.

Petra Piuk

Petra Piuk

Michael Köhlmeier

Michael Köhlmeier

Es geht jedenfalls, um ein wahrscheinlich namenloses, stummes, sechsjähriges Mädchen, das von einem Onkel auf einen Markt zu einem Bodgan geschickt wird.

Es versteht die Sprache nicht oder nur mangelhaft, hat von diesen Onkel und einigen Frauen aber Unterweisungen bekommen. So stellt es sich einfach hin und schaut, bis es zu Essen bekommt und wenn es das Wort „Polizei“ hört, fängt es an zu schreien.

Auf diese Weise geht es eine Weile gut, bis der Onkel, der das Kind  jeden Abend von dem Geschäft des Bodgans, wo es den Tag verbringt, abholt, nicht mehr erscheint und es alleine loszieht, in einer Mülltonne landet und schließlich in einem Cafe von der Polizei aufgegriffen wird.

In Zeiten, wie diesen ein interessantes und sehr wichtiges Thema und ein Buch warhscheinlich, das man auch auf den beiden Listen, die es ja in ein paar Wochen gibt, finden wird.

Der 1949 geborene Michael Köhlmeier ist ja vor zwei Jahren mit seinen „Zwei Herren am Strand“, ein Buch, das ich inzwischen gefunden habe, auf die Longlist gekommen, ein Jahr früher mit seinen „Joel Spazierer“ nicht.

Brigitte Schwens-Harrant hat noch ein paar andere Kählmeier Werke aufgezählt und nächste Woche wird es mit der Grande Dame, Friederike Mayröcker weitergehen, deren „fleurs“ ja auch der österreichischen Liste stehen kann, die am sechsten September veröffentlicht wird.

Ein schöner, spannender und recht kurzer Abend. Gustav Ernst habe ich auch noch im Publikum gesehen.

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