Literaturgefluester

2015-10-06

Ernst Jandl Sprachenkünstler

Zum neunzigsten Geburtstag  von Ernst Jandl, der am ersten August neunzig geworden wäre, gab es im Literaturmuseum ein Archivgespräch „Ich sein Sprachenkünstler“ mit Michael Lentz, Ferdinand Schmatz und Yoko Tawada, moderiert von Ronald Pohl vom „Standard“.

Bernhard Fetz leitete ein und erzählte etwas von dem großen Meister, den er schon durch seinen Vorlaß kannte, jetzt ist der Nachlaß aufgearbeitet, ein Fest, beziehungsweise Ausstellung hat es vor fünf Jahren in der „Wien Bibliothek“ auch gegeben und im Literaturmuseum, das man diesmal von sechs bis neun bei freiem Eintritt besuchen konnte, gibt es  das Video wo Ernst Jandl laut „Napoleon“ schreit, dieses Lautgedicht, hat der Bachmannpreisträger Michael Lentz, später auch gelesen.

Zuerst gab Ronald Pohl, ebenfalls Dichter und zeitgleich mit mir in die GAV aufgenommen, eine Einleitung und erzählte, welche Arten von Gedichten es geben würde, dann leitete er zu der in Tokyo geborenen Yoko Tawada über, die ich 1996 in Klagenfurt kennenlernte, als sie dort beim „Bachmannpreis“ gelesen hat.

Da habe ich sie, glaube ich, zuerst am Klo getroffen und mich gewundert, daß sie einen Sitzpolster mit sich führte und später hat mir ihr Text, der glaube ich, von einer Fahrradfahrt durch Hamburg, sie lebt oder lebte auch dort, handelte, sehr gefallen und ich hätte ihr, glaube ich, den Preis gegeben, mir nur gedacht, sie wird die Konkurrenz von Josef Winkler nicht aushalten, der auch und zwar glaube ich ein Stück aus „Dohmra“ gelesen hat Gewonnen hat dann ein Herr Bremer und das hat mich sehr erstaunt.

Inzwischen habe ich einiges von ihr gehört, sie ist, glaube ich, auch im „Wohnzimmerkreis“ aufgetreten und scheint, Kunststück, eine experimentelle Dichterin zu sein und die Aufgabe der Eingeladenen war auch, wie Bernhard Fetz vorher noch erklärte, Jandl Gedichte und auch Eigenes zu lesen.

Das tat Yoko Tawada, in dem sie von der „Jandlbrotfabrik“ erzählte, in der sie literarisch backen lernte und dann ein diesbezügliches Plakat hochhob, später erzählte sie noch auf die Frage, wo und wie sie Jandl kennengelernt hätte, daß das dadurch geschehen sei, daß man sie immer wieder darauf angesprochen habe, daß sie so wie Jandl schreibe, dann hat sie begonnen sich für ihn zu interessieren.

Dann kam Michael Lentz, der Bachmannpreisträger von 2001, sein „Muttersterben“ habe ich gelesen, weil ich es bei „Thalia“ mal um einen oder zwei Euro bekommen habe. er war auch in Wien, als in der „Alten Schmiede“, das Jandl Grundbuch „Laut und Luise“ vorgestellt wurde und er sagte, daß in dem früh erschienenen Werk, das „Suhrkamp“, glaube ich, nicht verlegen wollte, schon der ganze Jandl enthalten sei, eine Andeutung, daß die Spätwerke, in denen sich Jandl mit seinem Körper beschäftigte, dieser Qualität nicht mehr standhalten konnte und es wurde  auch diskutiert, ob Jandl so ein guter Jazzinterpret, Jazzdichter oder Jazzkenner gewesen sei. Er hat sich jedenfalls sehr dafür interessiert und das war auch bei dem „Fest für Ernst Jandl“, zu hören, dem ich in den Neunzigerjahren in Mürzuschlag beiwohnen konnte.

Michael Lentz interpretierte dann die Lautgedichte, wie das berühmte „Napoleon“ und als es  an seine eigenen Gedichte ging, sagte er, daß in seinen Werken, soviel Jandl enthalten sei, daß er gar nichts extra herauspicken müsse und las dann sehr schnell einigevor.

Dann kam Ferdinand Schmatz, 1953 in Konrneuburg geboren, Jandl-Preisträger,  Direktor des Instituts für Sprachkunst und ebenfalls experimenteller Dichter, der dann die Gedichte Jandls interpretierte, in denen er sich Rilke lustig machte, beziehungsweise über ihn schrieb.

In der Diskussion wurde über Jandl und dem Jazz gesprochen, jeder konnte sagen, wie er durch ihn beeinflußt wurde und Ronald Pohl wollte  noch wissen, was von Jandl überbleiben würde?

Eine Frage, die mich einigermaßen erstaunte, weil ich dachte, daß man das gar nicht in Frage stellen kann, aber die Ute hat das Buch, das ihr der Alfred einmal mitbrachte, auf dem Flohmarkt verkauft, weil er ihr zu derb und zu fäikal war und ich bin eigentlich auch kein besonderer Jandl-Fan und keiner der experimentellen Dichtung.

Aber die „Humanisten“ werden bleiben, hörte ich, ein Stück, das ich 2000 im Theater in der Gumpendorferstraüe, als Prostest gegen schwarz blau, gesehen habe, „Laut und Luise“ natürlich und noch einiges anderes mehr.

Ich war ja einmal mit dem Alfred und der Anna, als sie zwischen drei und fünf Jahre alt war, am Nationalfeiertag im „Neunzigerhaus“, da hat er gelesen, die kleine Anna ist herumgerannt und hat ihn wahrscheinlich gestört, da hat er auf den Tisch gekloppft und sie laut nachgeahmt, so daß der Ordner auf uns zugekommen ist, um sie zu entfernen.

Jetzt hat Bernhard Fetz einen Brief vorgelesen, den Jandl in den späten Neunzehnneunzigerjahren an eine Schulklasse geschrieben hat, wo er von „Wortspargedichten“ geschrieben und sie ermuntert hat, zu dichten, um ihre Mütter zu erfreuen, wie er auch wegen seiner Mutter zu schreiben angefangen hat.

Neben mir ist der pensionierte Lehrer gesessen, der ein bißchen den Jandl oder Schmid-Dengler Nachlaß aufgearbeitet hat, die Frau Schmid-Dengler war da.

Friederike Mayröcker nicht, was mich ein wenig wunderte und ich hoffe, daß sie nicht krank ist.

Christel Fallenstein, die auch fehlte, hat ja, wie ich vor einem  Monat von ihrem Mann erfuhr einen Schlaganfall gehabt und jetzt kommen noch die Todesmeldungen, ist doch Helmut Karasek, wenige Tage bevor das „Literarische Quartett“ wieder aufgelebt wurde, in Hamburg gestorben und heute kam zu Mittag die Nachricht, daß auch Hennig Mankell mit siebenundsechzig Jahren seinem Krebs erlegen ist.

Und am Schluß etwas Erfreuliches bezüglich der Buchpreiszone, ich habe jetzt alle Bücher. Fünf muß ich ja noch lesen, den Lappert und den Helle hat mir der Alfred vor einer Woche beim „Thalia“ in St. Pölten gekauft, den Witzel habe ich mir von der Trude Kloiber gewünscht und den Vladimir Vertlib und den Ulrich Peltzer hat mir der liebe Otto zum Literaturmuseum gebracht.

Er hat schon elf Bücher gelesen, liest gerade den Witzel, will bis nächste Woche noch alle Shortlistbücher schaffen, tippt auf den Peltzer oder den Witzel als neuen Buchpreisträger und meint, daß der Peltzer gar nicht so schwer zu lesen ist, wie ich im Netz öfter hörte und jetzt noch einmal zu Ernst Jandls „Wortspargedichten“ und seinen Brief an die Schüler, denen er riet mit den Worten zu sparen, denn Goethe, Schiller, Heine haben auch solche Gedichte geschrieben. Man kann natürlich auch einen Roman mit tausend Seiten schreiben, aber das sollte man sich überlegen,  hat er gemeint. Clemens Setz hat sich dafür entschieden und ich bin schon auf Seite siebenhundert und kann jetzt alle Longlistbücher lesen, auch wenn ich bis November dazu brauche.

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2015-06-19

Ein vierter Abend für Elfriede Gerstl

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 00:21
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Am sechzehnten Juni 1932 wurde Elfriede Gerstl in Wien geboren, wo sie am neunten April 2009, also vor sechs Jahren starb und seit drei Jahren werden rund um ihren Geburtstag, die jeweiligen bei „Droschl“ erschienenen und von Christa Gürtler und Martin Wedl herausgegebenen Bände der Werkausgabe vorgestellt, die auf fünf Teile angelegt ist.

Der erste Band „Mittellange Minis“ vor drei Jahren in der „Alten Schmiede“, der zweite „Behüte behütet“ 2013 an einem sehr heißen Sommertag in ihrem Stammcafe dem Cafe Korb.

„Schwitzen für Elfriede Gerstl“, habe ich da, glaube ich dann bei Katharina Serles gelesen und im vorigen Jahr gab es im Literaturhaus eine Modeschau, denn Elfriede Gerstl war ja eine Kleidersammlerin.

„Haus und Haut“, haben die Werke von 1995-2009 geheißen und jetzt gab es zum vierten Band, den verstreut publizierten Texten „Tandlerfundstücke“ ein Archivgespräch im neuen Literaturmuseum und die Volksschauspielerin Erni Mangold trug ihre Texte vor.

Da der Veranstaltungsaal im Literaturmuseum eher klein ist und ich mich vor allem an das Gedränge im Cafe Korb vor zwei Jahren sehr deutlich erinnere, bin ich sehr früh in die Johannesgasse gegangen und dann war es gar nicht so arg, daß heißt die Mittelreihen waren schon ziemlich besetzt, beziehungsweise reserviert, an der Seite ganz vorn war aber noch alles frei und die Autorenschaft hat sich heute auch nicht so sehr  gedrängt, vielleicht weil es keine Brötchen gab, vielleicht weil das Literaturmuseum noch nicht so bekannt als Veranstaltungsort ist, ect.

Herbert J. Wimmer, Judith Nika Pfeifer, Gerhard Jaschke, Angelika Kaufmann, Konstanze Fliedl , Vera Albert, Maximiliian Droschl und noch einige andere waren aber da.

die Veranstaltung war auch prominent besetzt und, die um fünf Jahre ältere,  rank und schlanke Erni Mangold, die auf dem ersten Blick, fast wie ein junges Mädchen wirkt, ist auch eine eloquente Frau, die gleich das Wort ergriff, vom Publikum wissen wollte, wer Elfriede Gerstl gekannt hätte, fast alle würde ich schätzen, bis vielleicht die Studenten im Publikum und dann erzählte, daß Günther Grass sie im literarischen Quolloquium abgelehnt hätte und sie von  ihren Hüten sehr fasziniert war.

Es gab aber ein Programm und eine Eröffnungsrede von Johanna Rachinger, dann stellten die beiden Herausgeber, den vierten Band vor, der fünfte und letzte wird in zwei Jahren erscheinen und in diesem sind, sowohl die frühen Texte, die in den „Neuen Wege“, sowie im „Jüdischen Echo“ erschienen sind, wie, wenn ich mich nicht irre, auch der posthum erschienene Band „Lebenszeichen“ mit den Textkrümel“ enthalten, die kurz vor ihrem Tod geschrieben wurden.

Dann begann die Mangold Lesung, wo man die literarische Entwicklung der Dichterin gut verfolgen konnte, die sie zwischendurch immer wieder kommentierte und der erste Text „Mein Lichtstrahl“, 1955 in den neuen Wegen publiziert, der das Überleben im Versteck in der Nazizeit schilderte, war auch sehr beeindruckend.

„Ein anderer würde einen Roman darüer schreiben, Elfriede Gerstl schafft es in wenigen Worten!“, hieß es dann in der Diskussion, in der auch auf dke „Spielräume“, hingewiesen wurde, der erst zehn Jahre nach seinem Erscheinen publiziert werden konnte, aber schon wichtige Elemente des feministischen Schreibens vorweggenommen hat.

Elfriede Gerstl, die Randfigur, ich habe ja schon vor zwei Jahren geschrieben, daß ich das eigentlich anders empfunden habe, als nach 1999 mit dem „Trakl- und dem Fried-Preis“ spät aber doch der Erfolg gekommen ist und für mich war sie mit ihren Hüten schon in den Siebzigerjahren in der Szene sehr präsent und nach 1999 wurde sie vor allem von den Lesetheaterfrauen immer wieder eingeladen, damit Publikum kommt, wenn sie am Programm steht, was sie sehr wohl wußte und vielleicht auch nicht sehr gut nein sagen konnte.

Sie war ja auch einmal bei einem meiner Geburtstagsfeste und wir haben öfter Bücher miteinander getauscht, da hat sie sich bei mir erkundigt, ob die „Wiener Verhältnisse“ um die es dabei  handelte, ein erzählendes Werk wären und mir dann gesagt, daß sie nicht so schreibe, Elfriede Gerstl, die Verdichter und Verknapperin, die sich in den fünfziger und in den sechziger Jahren, sowohl von der „Wiener Gruppe“, als auch von der „Gruppe 47“ nicht so angenommen gefühlt hat, die Rand- und die Kultfigur, von der ich  einige Gedichtbände habe und mir die erste „Wiener Mischung“  in ihrer Orignilaform kaufte, als ich noch in der Otto Bauer Gasse wohnte.

Nach der Lesung gab es eine Diskussion, eben das Archivgesrpäch mit Sabine Scholl und Elfriede Czurda, Franz Schuh wäre auch noch am Programm gestanden, sowie Christa Gürtler unter der Leitung der „Standard-Redakteurin“ Andrea Schurian, die alle diese Punkte zusammenfaßte und in Erinnerung rief.

Es gab  auch einen Büchertisch wo man  die Werkausgabe und noch einiges andere kaufen konnte, darunter einen Band mit sehr schönen Fotos, aber ein Gerstl-Bild habe ich  auch in diesem Blog, war sie ja eine, die nicht nur in der inneren Stadt von Kaffeehaus zu Kaffeehaus mit ihren Hüten herumspazierte, sondern auch regelmäßig am Wochenende vor Schulbeginn aufs Volksstimmefest und zu den Lesungen vom „Linken Wort“ ging, obwohl sie dort, wenn ich mich richtig erinnere, eher nicht gelesen hat.

2015-06-01

Das Museum in der Literatur

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 21:09
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Literatur im Museum, da gab es ja, wie heute auch Bernhard Fetz bemerkte im Vorfeld der Eröffnung massiven Widerstand auf Seite der Autorenschaft vor der Musealisierung, deshalb vielleicht die erste Vorlesung zur österreichischen Literatur, die ab nun auch im „Literaturmuseum“ stattfinden wird, auch von Konstanze Fliedl zum „Museum in der Literatur“

Konstanze Fliedl, die 1955 in Linz geborene Literaturwissenschaftlerin, Professorin am „Institut für Germanistik“ für neue deutsche Literatur, vor Jahren Bachmannpreisjurorin, zu Zeiten der wenigen Male, wo ich es mit einem Text dort versuchte, Staatspreisträgerin für Literaturkritik, Präsidentin der Arthur Schnitzler Gesellschaft, Herausgeberin seiner Werke und so weiter und so fort.

Auf jeden Fall eine freundliche Frau, die sich auf Veranstaltungen auch ansprechen läßt und auf Fragen Antworten gibt, so hat sie mir einmal, in Vorzeiten des „Wikipedias“ eines Lebenslauf der Vicki Baum geschickt, denn ich hatte oder habe ja kein Literaturlexikon.

„Die Literatur im Museum“, ein interessantes Thema, wie Direktor Fetz einleitend bemerkte und Konstanze Fliedl hat es in drei Kapitel aufgeteilt, in das „Heer“, in die „Kunst“ und in die „Provinz“ an Hand der entsprechenden Museen.

Da war ich einen Augenblick lang enttäuscht und dachte fast, das würde jetzt langweilig, dann begann Konstanze Fliedl aber mit Marlen Haushofers „Mansarde“, ein Buch, das meiner Sammlung noch entgangen ist und deren Protagonistin in das Arsenal oder in das „Heeresgeschichtliche Museum geht“ und Ingeborg Bachmann hat sich drei Jahre später in „Malina“ auch diesem Ort gewidmet.

Aha, doch interessant, denn nach 1945 dürfte ganz Österreich, wie ich es auch einmal von Klaus Kastberger hören konnte, ins Museum gegangen sein und geschrieen haben, „Wir waren es nicht, wir wollen unseren Kaiser Franz und die Kaiserin Sisi!“

Dann liefen solche Filme in den Kinos. Joseph Roth hat schon etwas früher seinen „Radetzkymarsch“ geschrieben und es hat bis 1973 gedauert, bis sich die GAV gründete und vom konservativen PEN abspaltete.

Das“ Museum in der Kunst“, beziehungsweise, der berühmteste Roman darüber, ist mir dann selbst eingefallen, bin ich ja einmal mit meiner kleinen Tochter im Bahnhof Hütteldorf gesessen, habe die „Alten Meister“ ausgelesen und beim letzten Satz schallend gelacht.

Arthur Schnitzler hat seine Figuren aber schon viel früher ins „Kunsthistorische Museum“ geschickt und jetzt bin ich vor kurzem selber dorthin gegangen, habe mir die Stücke der jüngeren Autoren zu den ausgewählten Bildern angehört und  Konstanze Fliedl hat auch das von der Museumsaufseherin vor dem Bruegel-Bild in das sie sich dann selber hineinphantasiert, bzw ihr Kind von dort hinausnimmt, erwähnt.

Soweit die realen Beispiele, die der Privinz, wie dann auch jemand fragte, sind weitgehend erfunden. Gerhard Fritsch hat das bei „Fasching“ getan, Robert Menasse, Antonio Fian, etcetera etceta.

Am Schluß kam Konstanze Fliedl dann auf das Literaturmuseum zu sprechen und lobte es als Ort, das den Schülern und Studenten, die die Literatur nicht mehr in Schule oder Uni lernen werden, hier Nachhilfe geben könne und Studenten und Studentinnen waren auch zahlreich im Publikum und stellten auch viele Fragen, was man im Gegensatz zu der von Renata Schmidtkunz moderierten Veranstaltung auch durfte.

Eine Frage war die nach dem Museum im Krimi?

„Da weiß ich zu wenig!“, antwortete Konstanze Fliedl.

Krimis gelten ja nicht als hohe Literatur, erwähnte einen der im „Marbacher Literaturarchiv“ spielt, aber der wäre schlecht und da fiel mir Manfred Rumpls „Jäger auf Hasenjagd“ ein, wo es um einen Kunstraub in der Albertina gibt.

Es gibt aber, wie Konstanze Fliedl erwähnte, auch österreichische Autoren, die sich mit ausländischen Museen beschäftigen, Ingeborg Bachmann wäre da wiederein Besipiel, mit dem „Ägyptologischen Museum“ in Kairo im „Fall Franza“ und Evelyn Schlag mit der „Architektur einer Liebe“.

Und da fällt mir jetzt noch das „Sigmund Freud Museum“ und Eva Rossmanns „Freudsches Verbrechen“ ein, einer der besten RossmannKrimis, die ich gelesen habe und am 18. Juni geht es mit den „Archivgesprächen“ im Literaturmuseum weiter, wie Bernhard Fetz noch betonte, denn da wird der vierte Band der Elfriede Gerstl-Werkausgabe vorgestellt und im Oktober gibt es dann noch eine Vorlesung zum Hofarchivdirektor Grillparzer,von dem es, wie Konstanze Fliedl erwähnte, derzeit offenbar keine aktuelle Werkausgabe gibt.

Eine kleine Anmerkung in eigener Sache darf ich zum Schluß vielleicht auch noch machen, kommt in „Kerstins Achterl“ ja das „Kunsthistorische Museum“ auch ein bißchen vor, feiert dort ja der kleine Hektor seinen Geburtstag und Kerstin soll ihn dabei für den Marmeladefeldzug seines Vaters fotografieren.

2015-05-04

Reden vom Schreiben

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 21:12
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Das Literaturmuseum das zur Nationalbiblitohek gehört und das vor zwei Wochen mit einem freien Wochenende eröffnet wurde, war ja während seiner Entstehung sehr umstritten.

Die IG Autoren haben sich, glaube ich, mit der Befürchtung dagegen gewandt, daß dann die Gelder, die den Autoren zu Gute kommen sollen, dorthin fließen könnten, die Organisatoren haben sich das, glaube ich wieder, zu Herzen genommen und hat die GAV eingeladen, dort eine Veranstaltungsreihe zu machen.

„Reden vom Schreiben – Autorinnen und Autoren im Gespräch“, vielleicht hat Bernhard Fetz, der Direktor, auch deshalb eingeladen, weil sich die GAV 1973 in Abgrenzung vom konservativen PEN abgespaltet hat und damals alle wichtigen Autoren, wie breispielsweise Friederike Mayröcker, Ernst Jandl, Marie Theres Kerschbaumer, etc, ihre Mitglieder waren.

Bei der letzten GV wurde jedenfalls heftig darüber diskutiert und jetzt werden vier Veranstaltungen stattfinden, wo jeweils ein schon arivierter GAV-Autor mit einem, einer jüngeren unter der Leitung von Renata Schmidkunz und Klaus Nüchtern diskutieren und die erste Veranstaltung fand heute zwischen Robert Schindel und Anna Weidenholzer statt.

Da könnte man natürlich fragen, warum wurden keine anderen Autoren, als die und Marie Therese Kerschbaumer, Clemens Berger, Sabine Gruber, Thomas Havlik, Josef Winkler , bzw. Sophie Reyer eingeladen, den Wohnzimmerkreis beispielsweise oder Ruth Aspöck, Peter  Campa, Thomas Northoff und und ich, ich wäre ja vielleicht auch eine interessante Kanditatin, spielt es aber nicht, weil dann vielleicht  nicht so viele Leute kommen, besonders viele waren heute aber auch nicht da, aber einige Autoren, wie Sabine Gruber, Marie Therese Kerschbaumer, Gustav Ernst, Petra Ganglbauer die derzeitige GAv-Präsidentin und ich natürlich, aber ich gehe zu vielen Veranstaltungen  und Bernhard Fetz, der mich nicht zu kennen scheint, hat bei der Aufzählung auch auf mich sowie auf Gustav Ernst vergessen, der letzte wurde dann korrigiert und Renate Schmidkunz, wie Bernhard Fetz in der Einleitung erzählte, hat viel beim Fernsehen gearbeitet und moderiert jetzt die Sendereihe „Im Gespräch“.

Bei Ruth Aspöcks Buchpräsentation in der Hauptbücherei hat sie auch moderiert und sie stellte als erstes die beiden Autoren vor, Robert Schindel  1944 geboren und seit 1986, glaube ich, freier Autor, Anna Weidenholzer 1984 geboren und seit 2010 freie Autorin, erzählte dann etwas von den Lebensläufen der beiden, Robert Schindel, der Sohn jüdischer Kommunisten, in der Studentenbewegung sehr aktiv und sehr berühmt geworden durch seinen Roman „Gebürtig“, Leiter von verschiedenen Literaturwerkstätten, wie die Leondinger Akademie und Mitbegründer des Hochschullehrgangs Sprachkunst, Anna Weidenholzer, in Linz geboren, die nach dem Studium als Journalistin arbeitete, hat dort auch Kurse belegt, dann hat sie einige Preise gewonnen, der Erzählband, nicht Roman, „Der Platz des Hundes“ ist 2010 erschienen, „Der Winter tut den Fischen gut“, 2012, dafür war sie für den Leipziger Belletriktik Preis nominiert, Priessnitz Preis 2013, Stadt Wien Stipendium und und und.

Ich verfolge ja Anna Weidenholzers literarische Karriere schon von ihren ersten Veröffentlichungen in der „Wortlaut-Anthologie“ und den legendären „Textvorstellungen“ von Angelika Reitzer. Sie hatte auch ihre Auftritte im Literaturhaus und hat jetzt kürzlich bei fünfzig Jahre Dokumentationsstelle für neue Literatur gelesen und Schreibgespräche dieser Art sind mir auch nicht ganz unbekannt, so interviewt Julia Danielcyk ihre Stipendiaten ja auch immer sehr genau und Renatea Schmidkunz wollte es ebenfalls sehr gründlich wissen, fragte nach den Schreiborten und ob mit der Hand geschrieben wird, beziehungsweise, wie der Computer das Schreibverhalten beeinflußt?

Robert Schindel schreibt im Cafe Zartl am Vormittag, Anna Weidenholzer tut das wahrscheinlich in ihrer Wohnung und setzt sich dazu Kopfhörer auf.

Die beiden waren auch schon einmal gemeinsam in Peking auf einem Schriftstellerkongreß und haben sich dort viel über Literatur unterhalten, ob sie zu Lesungen ihrer Kollegen gehen wurden sie gefragt? Robert Schindel tut das, glaube ich, ziemlich regelmäßig, zumindest sehe ich ihn da öfter, er erwähnte die Kollegin Elfriede Gerstl, die das sehr oft tat, so viel schafft er nicht, würde es aber gern.

Er interessiert sich auch für die jungen Autoren, deshalb auch die Gründung der verschiedenen Schreibwerkstädten und als er jung war, war er sehr politisiert und wollte eigentlich nicht in bürgerlichen Verlagen wie „Suhrkamp“ verlegen, das ist ihm dann aber doch passiert und jetzt lobte er das hervorragende österreichische Stipendiumswesen, von dem man sich eine gewisse Sicherheit erwarten kann.

Das betrifft nun auch nicht alle, ich habe beispielsweise nie eines bekommen, aber ich habe einen Brotberuf und wahrscheinlich auch ein verkehrtes Bild vom Literaturbetrieb, gehe ich ja sehr oft zu Lesungen und blogge über Literatur, wahrscheinlich um mich „in“ zu fühlen, das hat mir ja einmal Hans Raimund vorgeworfen, ist aber nicht ganz so falsch.

Dann kamen auch kurze Textproben, zwei Gedichte aus Robert Schindels im August erscheinenden neuen Lyrik- Band und von Anna Weidenholzer eine schon veröffentlichte Geschichte.

Linz ist für sie wichtig, hat sie noch erwähnt, für Robert Schindel ist das Wien und das trifft, füge ich  hinzu, auch auf mein eigenes Schreiben zu.

Wien ist da sicherlich mein literarischer Ort, obwohl ich inzwischen nicht mehr im Cafehaus schreibe. In meiner Studentenzeit habe ich es getan, da habe ich auch mit der Hand vorgeschrieben, inzwischen schreibe ich direkt in den Computer, seit ich mich das erste Mal am „Nanowrimo“ beteiligt habe.

Anna Weidenholzer und Robert Schindel scheinen beide eine Mischform zu verwenden und scheinen sich, obwohl das Alter und das Geschlecht verschieden ist, in ihrem Schreiben auch nicht unähnlich zu sein.

Robert Schindel ist ein sehr politischer Autor, Anna Weidenholzer schreibt eher realistisch, die Unterschiede sind wahrscheinlich schon, daß bei den in den Neunzehnachtziger Jahren geborenen, eine gewiße Politisierung fehlt, das war auch eine Frage von Renate Schmidkunz.

Dann war es aus, Bernhard Fetz bedankte sich bei allen und ein Herr aus dem Publikum beschwerte sich, daß er nicht mitdiskutieren konnte.

„Wir haben uns entschloßen, das nicht zu tun!“, erklärte Renate Schmidkunz hölich, vielleicht hat sie bei Ruth Aspöck Veranstaltung in der Haptbücherei diesbezüglich schlechte Erfahrung gemacht, da dort die Diskutantenrelativ scharfe Fragen stellten.

Die nächste Veranstaltung wird am 20. Mai zwischen Marie Therese Kerschbaumer und Clemens Berger stattfinden und das wird sicherlich sehr spannend sein, ist ja Clemens Berger, wie ich im MUSA hören konnte, einer der sich dem Literaturbetrieb entzieht und Marie Therese Kerschbaumer ist, glaube ich, auch eine scharfe Diskutantin, aber da werden wir in Deutschland auf Radreise  sein und ich kann gleich verraten, daß ich heute auch eine Einladung bekommen habe, darf ich nämlich am 8. Oktober, bei einer Ernst Hinterberger-Geburtstagslesung  im Cafe Industrie wo er sehr viel geschrieben hat, ein Stückchen aus seinen „Kleinen Leuten“ lesen.

2015-04-19

Eröffnung des Literaturmuseums

Filed under: Literaturbetrieb,Veranstaltungen — jancak @ 18:27
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Von Ungarn bin ich gerade rechtzeitig zur Eröffnung des Literaturmuseums im Grillparzerhaus zuerecht gekommen, das dieses Wochenende den Besuchern bei freien Eintritt mit Lesungen und Kurzführungen zur Verfügung steht und dessen Errichtung nicht unumstritten war.

Vor allem die IG Autoren und, ich glaube, auch die Grazer Autorenversammlung haben sich Anfangs dagegen empört, weil die Befürchtung bestand, die Gelder der Literaturförderung könnten von den Autoren ab- und in das Museum fließen, wo dann den ausländischen Touristen und den Schulklassen, die Pfeife vom Sigmund Freud oder des Heimito von Doderers vorgeführt wird.

Johanna Rachinger, die Direktorin der Nationalbibliothek, in deren Kompetenz auch das Literaturarchiv und das sogenannte Grillparzerhaus beziehungsweise, das ehemalige Hofkammerarchiv in der Johannesgasse, wo Grillparzer Direktor war, fällt, zerstreute aber die Bedenken und der Plan eines Literaturmueseums geht auch auf den leider schon verstorebenen Wendelin Schmid Dengler zurück, der sich ein solches wünschte.

Jetzt ist Bernhard Fetz der Direktor, es gibt eine Kooperation mit der GAV, die eine Lesereihe bzw. Schreibgespräche, immer ein berühmter mit einem jüngeren Autor oder Autorin gemeinsam auftreten soll und am Freitag um halb elf gab es auch eine Pressekonferenz, die man sich per Video ansehen konnte.

Ab Abend gab es wahrscheinlich auch eine Eröffnung, aber da war ich nicht eingeladen, also Samstagmorgen, als literarisch interessiertes Publikum hinmarschiert und da von einer jungen Frau auch gleich ein Programm und einen Orientierungsplan in die Hand gedrückt bekommen.

Jeder hundertste Besucher, kann man dem Programm entnehmen, bekommt auch das bei „Jung und Jung“ erschienene und von Bernhard Fetz herausgegebene Begleitbuch „Das Literaturmuseum. 101 Objekte und Geschichten“, da war ich auch nicht dabei und das Grillparzerhaus bietet in drei Etagen ab nun den literarisch Interessierten Einblick in die österreichische bzw. in die europäische Literatur, wie Bernhard Fetz betonte, weil man das eine nicht vom anderen trennen kann und die dritte Etage, die Raum für Sonderausstellungen bieten soll, ist auch noch nicht in Betrieb, sondern wird erst im nächsten Jahr mit den Portraits von zehn Schriftstellern eröffnet werden.

So begann der Gang durch das Museum in der zweiten Etage, die der Aufklärung bis zum ersten Weltkrieg gewidmet ist und da ist das Kernstück, das original erhaltene Grillparzerzimmer, wo man sein Stehpult und auch die Leiter sehen kann, wo er einmal fast hinuntergefallen wäre oder sich den Kopf angeschlagen hat.

Denn das ganze Haus ist denkmalgeschützt und die braunen Regale, wo damals die Akten gelagert wurden, durften auch nicht entfernt werden, so wurde das Alte in das Neue integriert und damit das besser geht, schließt sich beispielsweise an Schaustücke aus der Zeit von Napoleon, ein Roadmovie von Peter Handke an, bzw. vis a vis der Uniform des Leuntnant Gustl, ist der Regiestuhl von Ernst Jandl zu finden.

Das erscheint mir  gewöhnungsbedürftig und wird vielleicht den etwas unbedarfteren Besuchern Orientierungsschwierigkeiten machen.

Man kann sich aber ein Tablett ausborgen und das immer an bestimmte Schaukästen halten und bekommt dann Zusatzinformationen.

Im ersten Stock geht es  weiter von 1918 bis zur Gegenwart und alle halbe Stunden gab es Kurzführungen  und da zeigen im Stock eins, die jungen Damen der Nationalbibliothek, beispielsweise die Landkarte des geschrumpften Österreichs, denn es beginnt, glaube ich, mit dem Monarchieheimweh, also mit Joseph Roths „Kapazinergruft“ und Radeztkymarsch“ und Heimito von Doderers Pläne zur „Strudlhofstiege“ und zu den „Dämonen“, danach kommt man zu Robert Musils „Mann ohne Eigenschaften“ und während ich an den Hörstationen saß und mich ein bißchen durch die Textbeispiele zappte, hörte ich die jungen Frauen behaupten, daß wohl niemand den Robert Musil zu Ende gelesen hätte, es gäbe aber eine gute Hörbuchfassung.

Ich, bitte schön habe, das mit zwanzig Jahren, gebe aber zu, ich habe es wohl nicht ganz verstanden und sollte es wahrscheinlich nochmals lesen, aber keine Zeit, keine Zeit.

Dann gab es ein bißchen was zu den Volksbüchereien zu sehen, die im roten Wien gegründet wurden, um die Arbeiter zu bilden und eine Vitrine ist dem Bild der modernen Frau gewidmet und da denke ich fast, daß die offenen Bücherschränke besser als jedes Literaturmuseum sind, denn die Werke der Joe Lederer, der Annemarie Selinko etc, habe ich dort gefunden und natürlich auch die der Vicki Baum und da sagte eine der Führerinnen wieder, daß die heute nicht mehr gelesen werden würde, obwohl in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts sehr bekannt.

Da kann ich gleich auf eines meiner Privatprojekte hinweisen und meine interessierten Leser einladen, mein „Vicki Baum lesen“, das ich nächstes Jahr starten werde zu verfolgen, denn da stehen „Verpfändetes Leben“,“Flut und Flamme“, „Kristall im Lehm“, „Die Karriere der Doris Hart“, „Liebe und tod in Bali“, auf der Leseliste. „Vor Rehen wird gewarnt“, müßte ich auch noch haben und „Menschen im Hotel“ habe ich wie „Stud chem. Helene Willfüer“ habe ich schon gelesen.

„Menschen im Hotel“ wurde auch mit Greta Garbo verfilmt. Ausschnitte davon waren zu sehen, dann ging es weiter zum Kabarett und zu Egon Fredell der sich am 16. März 1938 aus dem Fenster stürzte, als die Nazis bei ihm klopften.

Der Abreißkalender ist noch zu sehen und Ausschnitte aus dem „Herrn Karl“ mit Helmut Qualtinger gibt es zu auch zu sehen und hören.

Dann scheiden sich die Geister bzw. die Karrieren, die, die einen, wie etwa Karl Heinrich Waggerl und Richard Billinger machten, Erika Mitterer hat in der Nazizeit offenbar auch ganz gut verdient, während die anderen emigrieren mußten oder ums Leben kam, etwa Alma Johanna Koenig, Else Feldmann ect.

Marie-Therese Kerschbaumer hat in den Siebzigerjahren einen Roman darüber geschrieben „Der weibliche Name des Widerstands“, der etwa zu der Zeit erschienen ist, als ich sie im „Arbeitskreis schreibender Frauen“ kennenlernte, so ist das Literaturmuseum auch ein bißchen meine persönliche Geschichte, wie ich dem pensionierten Lehrer sagte, den ich getroffen habe, als ich mich gerade durch die „Jandl-Bänder“ hörte.

„Meine auch!“, antwortete er, denn er hat noch den Heimito von Doderer in der „Gesellschaft für Literatur“ gehört, ich habe an den Schreiborten, wo man zum Beispiel, die Collagen sehen kann, die Friederike Mayröckers Schreibzimmer nachempfunden sind, beispielsweise auch das Gefängnis Krems-Stein gefunden, das ich ja vor kurzem in anderem Zusammenhang besuchte, aber da war in den Siebziger und Achtigerjahren auch Jack Unterweger inhaftiert, hat dort die „Wortbrücke“ herausgegeben und in seiner Edition sind ja auch die „Hierarchien“ erschienen.

Jetzt sind wir aber fast schon bei der Avantgarde, der Wiener Gruppe, dem poetischen Akt, „hosn rosn baa“, H. C. Artmann, Friedrich Achleitner, Gerhard Rühm und dem Kinosaal wo unter anderen auch der berühmte Film gezeigt wird, wo Ernst Jandl „Napoleon“ schreit, bzw. sich über einen sprechenden Koffer ärgert.

Als ich so weit war, war es schon ein Uhr Nachmittag und ich hatte die Lesungen im Fojer unten von Teresa Präauer und Antonio Fian, der für Franzobel eingesprungen zu sein scheint, versäumt, so ging ich nach unten, wo Elisabeth Reichart auch eine, die den Nationalsozialismus mit „Februarschatten“ und „Komm über den See“ engagiert aufarbeitete, um vierzehn Uhr las.

Um fünfzehn Uhr folgte ihr Martin Pollack mit einem Auschnitt aus seinem „Vatermord“ und dann kam, um vier die große alte Dame F.M. und las Prosa und Gedichte, wie sie sagte, bzw. Bernhard Fetz ankündigte und ich wieder einmal dachte, daß ich das eine vom anderen nicht unterscheiden kann und um fünf kam die Frau Generaldirektor und stellte das Konzept des Literaturmuseums vor.

Gratiskaffee von Julius Meinl gab es dazwischen auch, beziehungsweise konnte man diesen mit einem Gedicht bezahlen und auf eine Pinwand hängen und eine Sondermarke und am Sonntag gab es mit Lesungen von Dimitre Dinev, der ein Stück aus seinem neuen Roman las, das ich, glaube ich, schon im vorigen Jahr bei der Sontagsmatinee in Krems hörte, wo das Dienstmädchen Anna Nagl ins Wasser gehen wollte und dann im ersten Weltkrieg als rote Kreuz Schwester Dienst auf einem Sanitätsschiff machte, Anna Kim  las ein Stückchen aus ihrem Roman „Anatomie einer Nacht“, Peter Henisch aus der „Kleinen Figur meines Vaters“, wo auch in der Ausstellung Bezug darauf genommen wurde Julya Rabinowich  ein Stückchen aus der „Erdfresserin“ und zwar das, das ich schon vorige Woche in Krems hörte, aber dann noch die Fortsetzung, wo die illegale Prostiutierte Diana, den Polizisten Leo kennenlernt und den offenbar übel mitspielt und  Robert Menasse  auf Wunsch von Bernhard Fetz, aus der „Vertreibung aus der Hölle“, einen Roman, den ich schon gelesen habe und dann noch eine Miniatur in Anspielung auf Thomas Bernhard.

Gegen Mittag bildeten sich vor dem Museum Schlangen, die Leute wurden offenbar nicht mehr hineingelassen, obwohl es drinnen gar nicht so voll war und sie per Facebook auch zum Kommen aufgefordert wurden und ich bin am Morgen, zu Mittag und nach der Menasse Lesung wieder in die Ausstellung gegangen und habe  hauptsächlich das nachgehört, wozu am Samstag nicht gekommen bin.

Elf Minuten aus Elfriede Jelineks „Liebhaberinnen“, von ihr selbst gelesen beispielsweise, da habe ich mir die Originalausgabe in den Siebzigerjahren, die in der Ausstellung auch zu sehen war, gekauft, es gab auch Filmausschnitte aus der „Publikumsbeschimpfung“ von Peter Handke und aus Wolfgang Bauers „Change“.

Weiter in die Moderne als bis zur Wiener Gruppe oder Wolfgruber, Bauer, Innerhofer geht die Ausstellung nicht wirklich.

Es gibt zwar eine Schautafel, wo auf Migranten, wie Zdenka Becker, Julya Rabinowich, Seher Cakir, Dimitre Dinev, etc hingewiesen wird und eine Filmwand zur engagierten Literatur beginnend mit der Arena Besetzung 1976, da sieht man Gustav Ernst, dann kommt die Waldheim Affaire mit dem berühmten Pferd und bei den Ereignissen um Oberwart 1995 kann man Textausschnitte von Clemens Berger sehen.

Andrea Winkler, Cornelia Travniek, Vea Kaiser, Angelika Reitzer, Robert Prosser, Clemens J. Setz, etc, werden wohl noch in Zukunft anzufügen sein und mit ihren Initialen, wie Schlafanzüge, Hüte, Mäntel etc, zu versehen, vielleicht gehören sie aber auch zu den Autoren, die in der Sonderaustellung im nächsten Jahr vorkommen.

Die Generaldirektorin und Bernhard Fetz haben jedenfalls in ihren Reden immer darauf hingewiesen, daß sie ein Museum für alle sein und niemanden ausgrenzen wollen und keine Konkurrenz zur „Alten Schmiede“, Literaturhaus etc machen wollen.

In Zukunft werden es neben den Touristen wohl die Schulklassen sein, die in den Genuß des Museums kommen, da hat Frau Rachinger sowohl bei ihrer Vorstellung, als auch in der Pressekonferenz darauf hingewiesen, daß sie sich freut, daß die Angebote bis zur Semesterende schon ausgebucht sind und, daß das „Literaturmuseum“ in Zeiten, wie diesen, wo die Literatur aus dem Schulunterricht verschwindet, da eine Ergänzung bzw. Hilfestellung anbieten will.

Ob die Schüler in Scharen ins „Literaturmuseum“, der Eintritt ist bis Neunzehn frei, sonst wirds ab Dienstag sieben Euro kosten, schwärmen werden, um sich hier Nachhilfe zu holen, wäre ich zwar skeptisch und sehe auch eine sehr starke Hierarchisierung im Literaturbetrieb.

Da sind die einen, die überall eingeladen werden und da die anderen, die ihre Werke in den kleinen Initativen, die ein paar hundert Euro oder vielleicht gar keine Subvention haben, wie beispielsweise im „Reading!!!room“  präsentieren.

So gesehen ist das „Literaturmuseum“ sicherlich ein Mainstreamort, Ruth Aspöck kann ich aber anfügen, kommt in einem Video, das Marlene Streeruwitz machte vor und ich habe die Ausstellung sehr interessant und gut gemacht gefunden, bin aber vielleicht selbst ein kleines „Literaturmuseum“, beziehungsweise kann das „Literaturgeflüster“ jetzt schon mit über zweitausendzweitausend Artikeln über das literarische Leben der letzten sieben Jahre aufweisen und da geht es über den Mainstream weit hinaus.

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