Literaturgefluester

2022-10-03

Radio Rosa zum sechzehnten Mal

Das „Radio Rosa“ eine interdisziplinäre Veranstaltungsreihe, die Patricia Brooks über die GAV schon zu sechzehnten Mal und ein paar Mal bin ich bei der Veranstaltung dabei gewesen. Da werden immer vier Personen eingeladen, die offenbar gemeinsam Texte schreiben und sie dann performen.

Die erste Veranstaltung habe ich, glaube ich, im Amerlinghaus gesehen, dann ist Patricia Brooks mit ihren Performern ins Literaturhaus gegangen und diesmal wurden Erika Kronabitter, Markus Köhle, Lydia Steinbacher und der Musiker Josef Wagner eingeladen. Die Performer sind auch auf einer Postkarte abgebildet, die ich irgendwo gefunden habe und ich streame die Veranstaltung, die „Nicht von dieser Welt“ zum Titel hat, weil wir uns zum ersten Mal seit einem Monat wieder in Harland befinden. Das ist ja ungefähr das einzige was ich positiv von der Corona-Krise mitgenommen habe und wenn wir in Wien gewesen wäre, wäre ich in wahrscheinlich ins Cafe Central zu einer Veranstaltung der „Gesellschaft“ gegangen, weil dort Katharina Tiwalds neuer Roman “ Mit Elfriede durch die Hölle“ vorgestellt wurde, den ich mir ja beim Tag der offenen Tür beim Literaturhausflohmarkt kaufte und ihn anbetracht meiner überlangen Leseliste wohl nicht so schnell lesen werde.

Aber „Radio Rosa“ ist auch interessant und der Musiker hat mit seiner Einleitung begonnen. Dann hat Markus Köhle, den ich ja erst vor kurzem im Literaturhaus hörte begonnen und die Veranstaltung vorgestellt und auf das „Radio Rosa“ hingewiesen und dann wurde, musikalisch untermalt, abwechselnd von Wellen und Äpfel gelesen, in die man zufällig beißt, wie die 1993 geborene Lydia Steinbacher, die ich schon auf einigen Lesungen gehört habe, gelesen hat.

„Ist die Welt nur eine Besteckschublade!“, hat dann Markus Köhle gefragt und Erika Kronabitter hat „Stell dir vor!“ und mit einem abgeschuppten Fisch gekontert.

Also ganz schön durcheinander, aber sehr poetisch, die Texte der drei Autorinnen des diesmaligen Quartetts. Erika Kronabitter ist dann bald zu der schon erwähnten Besteckschublade zurückgekommen. Also gibt es doch Verbindungslinien und was, das mit dem Radio zu tun hat, habe ich auch nicht so verstanden. Es wurde aber am Anfang erwähnt und Lydia Steinbacher las dann auch einige Nachrichten und den Wetterbericht vor. Vorher hat Markus Köhle über das „Köhle-Grillgut“ referiert, also wie schon beschrieben sehr durcheinander, aber poetisch performt und unterschiedlich lautstark musikalisch untermauert.

Der Weltraumforscher Herr Köhle wurde dann von Lydia Steinbacher oder der „Radio Rosa-Moderatorin“ interviewt und sollte dabei von seinen Spaziergängen auf der Venus berichten.

„So sind wir nicht, so sind wir doch!“, hat dann der Weltraumforscher performt und ist wieder auf die Welt zurückgekommen:

„Der Weg ist so, was haben wir gelacht, Österreich ist ein Witz mit Geschichte“, denn er ist ja ein sehr realistischer Autor, der auf die sieben Zwerge der österreichischen Bundespräsidentschaftskanditaten und das tiefschwarze Österreich gekommen.

War „Radio Rosa“ nicht einmal experimentell? Das hängt wohl von den performierenden Autoren an und Patrica Brooks hat mich ja, glaube ich, einmal auch versprochen mich einzuladen und da hätte ich auch genügend realistische Texte, die sich auf die aktuelle Situation beziehen.

Am Schluß haben dann alle durcheinander gelesen und sind so wieder an den Anfang zurückgekommen, „Ich stell mir vor“ und „Brösle und brösle…, bis Erika Kronabitter dann zum „Wurmloch“ kam und so weiter und so fort „Stell dirs einfach nur vor!“, was ein sehr poetischer Schluß, der sehr interessanten gestreamten Veranstaltung war, wozu mir der Alfred ein Glas spanische Rose eingeschenkt hat.

2022-09-30

Wieder neue Bücher aus dem „Otto Müller-Verlag“

Im Literaturhaus werden ja öfter Bücher aus dem „Otto Müller-Verlag“ vorgestellt. Diesmal moderierte Nadine Fejzuli statt Arno Kleibel und stellte die beiden Autorinnen vor.

Die Erste, die 1959 in Klagenfurt geborene und jetzt in Innsbruck lebende Minu Ghedina war mir bisher unbekannt.

„Die Korrektur des Horizonts“ ist das Debut der Autorin, die sowohl Germanistik, als auch Schauspiel und Bildhauerei studierte und das Buch handelt von einem Kind namens Ada, das bei seiner Großmutter, einer Schneiderin, aufwächst und sich dort mit ihren Stoffen und Zwirnen sehr wohl fühlt. Die in ihre Pupppenkiste packt und für die Puppen daraus Kleider näht. Die Eltern, beziehungsweise, die Mutter, kommt auf Besuch, aber Ada fühlt sich fremd mit ihr und erlebt sie als kalt. Dann geht sie aufs Gymnasium und wird von der Direktorin zur Rede gestellt, weil sie ein Mädchen, als ihre Schwester bezeichnet, die das offenbar gar nicht ist. Trotzdem geht Ada aus ihrer Kindheit erstärkt hervor, fährt mit ihren Eltern nach Italien und erlebt Venedig, als vollkommene Stadt und beschließt „Schönheit zu gestalten“. Auch bei einem Theaterbesuch hat sie ein berauschendes Erlebnis und wird dann Kostümbildnerin.

Dann kam und die habe ich schon öfter gehört, die 1957 in Freiburg in Breisgau geborene Hanna Sukare, die den dritten Teil ihrer „Trilogie der Suche“- „Rechermacher“ vorstellte.

„Staubzunge“ habe ich mir ja einmal bei einem Flohmarkt gekauft, aber noch nicht gelesen, ich komme ja nicht dazu, weil immer neues kommt.

„Schwedenreiter“ habe ich bei einer Lesung kennengelernt. Und „Rechermacher“ ist der Protagonist beziehungsweise der Großvater der Protagonistin Nelli, der bei der deutschen Wehrmacht war und viele Fragen aufwirft, ob der jetzt ein Opfer oder ein Täter war?

Hanna Sukare betonte als Erstes, daß sie sich freut, diesen Abend in Frieden zu beginnen. Ja, man hört jetzt sehr viel davon, daß der dritte Weltkrieg beginnt und die Atombomben fallen werden, weil Putin jetzt mobil macht, den Westen beschimpft und wie es genannt wird, Scheinbefragungen in der Ukraine durchführte und die dann noch schneller in die Nato aufgenommen werden wollen, was wahrscheinlich wirklich gefährlich ist.

Dann erwähnte sie einige Leute, die ihr bei dem Buch geholfen haben und stellte, die Figuren ihrer Bücher mit kleinen Puppen vor, was ich sehr originell fand und auch zum ersten Buch passt.

Pferde spielen in dem Buch eine große Rolle und der kleine August Rechermacher wächst mit ihnen auf und lernt, wie Hanna Sukare es nennt, „Pferdisch“.

Eine der Protagonistinnen, die wie Hanna Sukare erzählte übereinander sprechen, ist Nellis Tochter Maja, die ebenfalls nach August Rechermacher und den Krieg forscht und diese Stelle hat die Autorin auch noch gelesen und erzählte dann in Gespräch, wie sie zu dem Buch gekommen ist und was ihr beim Schreiben dabei wichtig war.

2022-09-21

Crossing Borders V

Die „Crossing Borders“ ist eine Veranstaltungsreihe im Literaturhaus, wo immer je ein österreichischer Autor und einer, der gerade auf Einladung des Außenministeriums einen Stipendienaufenthalts im MQ hat, präsentiert wird und ihre Bücher gegenüberstellen.

Fünf solche Veranstaltungen hat es schon gegeben. „Crossing Borders III“ mit Andrea Grill und Asja Bakic habe ich schon gehört, beziehungsweise gestreamt, was ich heute auch wieder tat, obwohl man ja jetzt unmaskiert und ungetestet wieder hingehen kann, habe aber manchmal eine sechs Uhr Stunde und so ist ein Stream ein rechter Segen und die beiden heute vorgestellten Autoren waren auch durchaus interessant.

Der seit 1964 in Österreich lebende, 1961 in Tel Aviv geborene Doron Rabinovici, der auch in der GAV sehr aktiv ist, präsentierte seine im Frühjahr erschienene „Einstellung“, die ich ja gerne lesen will und es mir, da es nicht auf die BuchpreisListen gekommen ist, wahrscheinlich zum Geburtstag wünschen werde.

Bei der heurigen „Rund um die Burg-Veranstaltung“ habe ich ein Stückchen aus dem Buch gehört, das wie der Moderator Florian Baranyi erklärte, eine Parabel auf dem Rechtsextremismus ist und die rechte Mediengestaltung beschreibt.

Geht es darin ja um einen rechtsradikalen Politiker namens Ulli Popp und, um den wahrscheinlich linken Pressefotografen August Becker, die aufeinander stoßen und Florian Baranyi fragte den Autor nach der Entstehungsgeschichte und da meinte Doron Rabinovici, der das Buch nach dem Erscheinen der „Außerirdischen“ zu schreiben begonnen hat, daß ihn die Wirklichkeit beim Schreiben überholte. Er wurde nach der Bundespräsendenwahl Anfang 2017 von dem Fotografen Lukas Beck fotografiert und hat dann auch die die Regierungsumbildungen, die Korruptions- und <medienskandale miterlebt, die er in seinem Roman schon beschrieben hat oder nicht dachte, daß das je passieren könnte

Der zweite Autor war der 1983 geborene montenegrinische Autor Stefan Boskovic, der seinen Debutroman „Der Minister“ vorstellte, in dem es um einen montenegrinischen Kulturminisster geht, der Schuld an dem Tod einer Schauspielerin ist und der nun zwischen Machtbesessenheit und Schuldgefühlen hin und her schwankt und die Exfrau des Ministers und das ist interessant, ist jetzt mit einem Schriftsteller namens Stefan Boskovic verheiratet und Stefan Boskovic antwortete auf Florian Baranyis Frage, warum das so sei, übersetzt von Mascha Dabic, daß er vermeiden wollte, daß der Autor mit dem Protagonisten verwechselt wurde und sich daher diese Stimme gab.

Dann kam ein Gespräch zwischen beiden Autoren und Florian Baranyi wollte von Doron Rabinovici wissen ob in seinem Roman der Künstler auch ein Theatermann sein hätte können, was Doron Rabinovici als „sehr schwierig“ beantwortete.

Um die Macht der Medien geht es in beiden Romanen und zu den Parallelen erklärte Doron Rabinovici, daß er tatsächlich daran gedacht hatte, einer Person in seinem Roman seinen Namen zu geben, das dann aber unterließ, weil er ihn nicht als Schlüsselroman gelesen haben wollte und Stefan Boskovic antwortete auf die Frage, daß er es problematisch fand, seinen Roman so zu schreiben, daß sich niemand daran wiedererkennt, da Montenegro ein sehr kleines Land ist und er erzählte auch eine Episode, wo er sich mit zwei ehemaligen Kulturminstern traf, die dann einen dritten für den Protagonisten hielten und er kurz daran dachte, eine Lesung mit allen drein zu veranstalten, was aber scheiterte, weil die nicht so gut aufeinander zu sprechen waren und dann ging es noch um die Frage, ob Schreiben eine „Echtheitsprobe“ für die Autoren ist? Ein Begriff mit dem ich mich etwas schwer tat ihn zu verstehen oder auf mein Schreiben anzuwenden. Es war aber ein sehr interessanter Abend und jetzt müßten die Bücher noch zu mir kommen und statt dem Glas Wein, das jetzt ja wieder im Literaturhaus angeboten wird, habe ich mir aus dem Eiskasten ein Glas roten Sturm geholt, der auch sehr gut schmeckte.

2022-09-15

Ann Cotten und Elfriede Czurda über Rosmarie Waldrop

Nach dem dienstäglichen „Live-DichtFest“ wieder per livestrem in die „Alte Schmiede“, wo Ann Cotten und Elfriede Czurda in der „Dichterinnen lesen Dichtrerin-Reihe“, da wieder eine sechs Uhr Stunde und einige Veranstaltungen werden auch noch übertragen. das „DichtFest“ am Dienstag nicht. Am Monag die Präsentation von Anna Kims Longlistbuch „Geschichte eines Kindes“ wahrscheinlich schon. Aber da war ich bei der Präsentation von Anna Bandoras „Frauen“ und jetzt wieder eine, „Dichterin liest Dichterin- Veranstaltung“ im Doppelpack und eine die mich besonders freut, denn auf Ann Cottens Übersetzung von Rosmarie Waldrops „Pippins Tochter Taschentuch“ bin ich beim letzten Leipziger Buchpreis aufmerksam geworden, habe das Buch aber nicht bekommen und später als ich es mir wünschen hätte können, nicht daran gedacht.

In Neuberg an der Mürz, wo auch Anne Cotten aufgetreten ist, ist es auch gelegen. Aber ich kaufe mir ja keine Bücher und jetzt präsentieren die beiden Waldrop-Übersetzerinnen Rosmarie Waldrops Werke, die 1936 in Kitzingen geboren wurde und seit 1958 in Amerika lebt und wie Johanna Öttl in ihrer Einleitung erklärte zu den berühmten experimentellen Stimmen Amerikas gehört und, daß es daher schön ist, daß sich jetzt gleich zwei Übersetzerinnen um sie kümmern und ihre Werke in den deutschen Raum zurückbringen. Rosmarie Waldrop hat, glaube ich, auch die beiden Übersetzerinnen ihrerseits übersetzt und scheint offenbar inzwischen auf Englisch zu schreiben..

Interessant am Stream war, daß man diesmal lange bevor man das Publikum eintreffen sah, die Stimmen der beiden Übersetzerinnen hörte, die offenbar den Ablauf der Lesung besprachen.

Die 1982 in Iowa geborene Ann Cotten, die 2007 den „Priessnitz-Preis“ bekommen hat und die ich schon bei einigen Lesungen hörte, las zuerst ein Gedicht auf Englisch und erzählte vorher, wie sie zu Rosmarie Waldrop und ihren Texten gekommen ist.

Dann kam eine Lesung aus „Pippins Tochter Taschentuch“, was ein interessantes Buch sein dürfte. Also vielleicht finde ich es einmal. Würde mich wirklich freuen, da ich schon sehr neugierig ist und es mir, weil offenbar ein frühes Werk, nicht so experimentell erscheint, sondern etwas über das Leben der Dichterin erzählt.

Die 1946 geborene Elfriede Czurda präsentierte dann ihre 2015 bei der „Edition Korrespondenzen“ erschienene Übersetzung von „Driven to Abstaction“ und hielt vorher noch einen Vortrag über binäre Zahlen und darin ging es auch in dem Buch „Ins Abstrakte treiben“, das schon etwas experimenteller war und auch aus Bildbeschreibungen besteht, sich aber auch mit dem Geld beschäftigt.

Dann kam auf Englisch ein Auschnitt aus „A Key into the language of America“ das von Elke Erb und Marianne Frisch übersetzt wurde, wo es um die Indigenen der USA zu gehen scheint und das 2004 in der deutschen Übersetzung erschienen ist.

Dann kamen von Elfriede Czurda gelesen Gedichte, die Rosmarie Waldrop aus Wörter aus einem indogenen Wörterbuch zusammenstellte.

„Ich bin weiß und gebildet“ lautete dann auch ein Text, in dem sich Rosmarie Waldrop mit den Indigenen Amerikas auseinandersetzte und mit dem dann auch das Gespräch der beiden Übersetzerinnen über die Dichterin begann.

Anne Cotten hat auch noch 2011 „Das Proben der Symptome“ übersetzt, wo es Kapitel wie „Thinking“, „Zweifel“, etcetera gibt, das zweisprachig erschienen ist und von den Übersetzerinnen auch zweisprachig gelesen wurde.

Und Elfriede Czurda erzählte dann noch von den Inhalten der Pakete, die sie von Rosmarie Waldrop geschickt bekam, in denen unter anderen eine Lupe war, als die ihr von ihren Augenproblemen erzählte und interessant ist auch, daß Rosmarie Waldrop auch den 1991 verstorbenen französischen Dichter Edmond Jabes übersetzte und offenbar auch einige Zeit in Frankreich lebte, während Ann Cotten erzählte, daß sie eigentlich keine frankophile Affinität besitzt.

Ein interessanter Abend bei dem ich wieder viel lernte und mein literarisches Wissen ergänzen und auffrischen konnte, auch wenn ich es wieder auf dem Futon in meinem Schlafzimmer in der Krongasse tat.

2022-09-14

Norbert Gstrein in der „Gesellschaft für Literatur“

Saisonauftakt in der „Gesellschaft“ war letzten Mittwoch mit Reinhard Kaiser Mühleckers öst und dBp- Buch „Wilderer“, aber da ich das Buch lesen werde und außerdem auch eine Stunde hatte, habe ich das ausgelassen und mich jetzt erst in die „Gesellschaft“ gestreamt, wo Norbert Gstrein seinen neuen Roman „Vier Tage drei Nächte“ vorstellte und der scheint mit seinen letzten beiden Romane „Als ich jung war“ und der „Zweite Jakob“ zusammenhängen, wie Manfred Müller in seiner Einleitung erklärte und wissen wollte, ob es sich dabei, um eine Trilogie handelte und der 1961 in Tirol geborene Autor, der in Hamburg lebt, meinte, daß er nichts geplant hätte, daß es sich aber um autofiktionale Elemente und Abspaltungen von ihm handeln würde, da alle drei Romane in Tirol und auch von einem Hoteliersohn handeln und Norbert Gstrein, der mit dem neuen Buch weder auf der deutschen noch auf der österreichischen Liste stand, mit seinen anderen Büchern aber schon gestanden ist und mit „Als ich jung war“ auch den Öst gewann, ist ein mir bekannter Autor von dem ich schon viel gelesen und gehört habe, obwohl ich mich nicht unbedingt als eine Gstrein-Fanin bezeichnen würde.

Das Buch handelt von zwei Geschwistern, Elias, dem Ich-Erzähler und Ines, die denelben Vater, also den schon erwähnten Tiroler Hotelier , aber verschiedene Mütter haben und daher erst spät erfahren haben, daß sie Geschwister sind, als sie schon in einander verliebt waren. Also ein inzestiöses Thema, wie Manfred Müller erwähnte und ich füge keck an die Courths Mahler hat auch immer diese Themen, die sich dann aber elegant auflösen.

Bei Norbert Gstrein ist das sicherlich anders, künstlerischer, anspruchsvoller und Norbert Gstrein hat drei Stellen vorgelesen. Die erste handelte von einer Therapiesitzung, die die beiden Geschwister, die von ihrem Vater ein Jahr in Amerika bezahlt bekommen haben, die Elias absolviert und, um einen Hubschrauberabsturz scheint es auch zu geben, da Elias eine solche Ausbildung macht und einen Stier namens Nil gibt es auch.

Dann kam die Manfred Müller Frage, wovon das Buch eigentlich handeln würde und, daß Elias eigentlich ein unverläßlicher Erzähler ist, der viele Widersprüche hat und dann ging es um den Anspruch von Norberts Gstrein erzählen, die dieser wieder etwas vage behandelte. Die Frage nach dem Titel folgte und da geht es offenbar um eine verbotene Fete in dem Hotel. Das Buch spielt im Dezember 2020 in Corona-Zeiten, und eine dritte Hauptfigur die ein Schwarzer ist und die Karl heißt, gibt es auch und Norbert Gstrein erklärte, daß das in dem Buch eigentlich erst am Ende erwähnt wird, weil er den Leser damit in die Irre führen will, aber jetzt hat er es schon verraten und ich habe es auch gespoilert.

Die zweite Lesestelle handelt vom Dezember in dem Hotel. Karl trägt Mund-Nasen-Schutz, Ines ist Literaturwissenschaftler und forscht an einem Briefwechsel zweier Lyriker der Fünfzigerjahre, den sich Karl und Elias vorlesen

„Ich will, daß du mich aufspießt und ich an deinem Horn verglühe!“, wäre das Zitat aus diesem Briefwechsel und da sind wir wieder bei dem Stier aus der ersten Szene.

Die nächste Frage war dann, ob es sich bei dem Buch um einen archaischen Liebesroman handelt und Norbert Gstrein stimmte zu.

Das Buch wurde von William Faukners „Schall und Wahn“ inspiriert und an den „Boccacio“ kann man auch dabei denken, da lesen sich sich ein paar Leute während einer Pandemie oder Pest auch Geschichten vor und dann kam schon die Frage nach dem Corona-Roman. Ene Frage, die mich ja auch sehr interessiert. Denn das gibt es ja das Gerücht, daß man keinen Corona-Roman schreiben darf und den auch keiner lesen will.

Aber es kann nicht verboten sein, einen Roman zu schreiben, der im Spätherbst 2020 spielt, meinte Norbert Gstrein und dann das, auf das ich auch schon gekommen ist. Es gibt Bücher, die über Corona handeln oder die einfach in der Zeit spielen, wo man Masken trägt und im Lockdown ist und das ist ja eine interessante Frage, wie man einen Roman schreibt, der in Corona-Zeiten spielt und natürlich kann man, füge ich an, einen Roman schreiben, der von der Liebe zweier Virologen handelt, die an den Impfstoffen forschen und vielleicht trotzdem ineinander verliebt sind oder auch einen, wo ein Ehepaar wegen unterschiedlicher Auffassungen ihre Freunde verlieren.

Aber Ines schreibt einen Roman der „Drei Arten ein Rassist zu sein“ heißt, der offenbar von einer Dreiecksbeziehung zwischen einem Schwarzen und zweier Geschwister handelt und sie fährt dazu, nach ihrer zweiten Impfung, zu der sie sich offenbar ein bißchen vordrängte, in ein Haus nach Sizilien, wo sie dann ihren Bruder trifft, der auch schon zweimal geimpft und einmal genesen ist.

Am Schluß gab es noch ein paar Seiten auf Englisch, denn Karl, Ines und Elias, erzählen sich auf dieser Lockdownfese ihre ersten Liebesgeschichte und Karl, der einen amerikanischen Vater hat, kann das nur auf Englisch tun.

Das rundet die Geschichte ab, meinte Norbert Gstrein und interessant ist, daß man in dem Video, das ich gesehen habe, denn ich hatte ja einen sechs Uhr Stunde, zwei Frauen im Publikum, eine mit und eine offenbar ohne Maske zu sehen waren.

Ein interessantes Buch, denn Covid-Bücher oder solche, die in diesen Zeiten spielen, interessieren mich ja sehr, obwohl ich in meinen Work on Progress, Corona auch schon verlassen habe und bei der zweiten oder dritten nachfolgenden Krise gelandet bin, zu dem ich aber,weil ich mich ja gerade durch die deutsche und die österreichische Longlist lese, wahrscheinlich nicht kommen werde, obwohl Manfred Müller das Kaufen und das Lesen des Romans wieder sehr empfahl.

2022-06-29

Leseclub mit Schildkröte

Wieder einmal Literaturhaus, wieder einmal großartiger Leseclub und wiedermal gestreamt, da ich wegen der Eigentümerversammlung nicht pünktlich in der Zieglergasse sein konnte, Abrechnen mußte ich auch, aber das ist der Vorteil der Pandemie, daß seither gestreamt werden kann und der großartige Leseclub von Barbara Zeman, die ja auch heuer beim „Bachmann-Preis“d gelesen hat und die den Club, wo sie sich mit einem bildenden Künstler, einem Schauspieler und einem Musikerzusammensetzt, um ein Werk der Exilbibliothek zu präsentieren, ist sehr interessant und Veza Canetti, die Frau des Nobelpreisträger Elias ist das auch.

Ich glaube, ich bin mit ihrer „Gelben Straße“ und dem „Oger“ in den Neunzigerjahren in Berührung gekommen und Judith Gruber-Rizy hat sich ihre bei einem „Tag der Freiheit des Wortes“ angenommen und da auf ihre Pseudnyme „Magd“ und „Knecht“ und auch auf ihre Beziehung mit Elias hingewiesen, die eher schlecht gewesen sein dürfte. Er hat sie betrogen und auch ihre schriftstellerische Tätigkeit verschwiegen, obwohl sie bei der „Masse und Macht“ mitgearbeitet haben dürfte, hat dann dann in den Neunzehnneunzigerjahren Jahren, nach ihrem Tod, der 1963 erfolgte, ihre Werke herausgegeben.

Der „Oger“ und die die „Gelbe Straße“ sind mir, wie erwähnt bekannt, die „Schildkröten“, die Barbara Zeman in ihrem Leseclub diesmal vorstellte nicht. So ist das Streamen ein Glück für mich und mit der „Gelben Straße“ ist wohl die Ferdinandstraße im zweiten Bezirk gemeint, wo Elias und Veza Canetti wohnten und da fanden ja einige Veranstaltungen ihr zu Ehren statt, bei denen ich gewesen sind, und eine Anthologie von Petra Ganglbauer, wo ich aber keinen Text drinnen habe, hat es auch gegeben und die „Gelbe Straße“ wurde auch einmal in der „Schmiede“ als „Grundbuch“ vorgestellt, da hat Julia Danielczyk mitgewirkt, die ja als sie Literaturreferentin wurde auch den „Veza Canetti-Preis“ einführte, der immer an eine Autorin vergeben wird.

So weit zu der 1897 in Wien als Venetiana Calderon-Taubner geborenen, die in der Arbeiterzeitung publizierte und nach dem Anschluß mit Elias Canetti nach London emigrierte, wo sie 1963 starb und nie mehr nach Wien zurückkehrte.

Soweit so gut und der Leseclub wurde diesmal mit Musik von Sophia Blenda vorgestellt und die Textproben aus den „Schildkröten“ wurden von der Burgschauspielerin Safira Rubens gelesen.

Barbara Zeman, führte wie immer durch das Leben Veza Canettis und den Roman, der in der <nazizeit spielt, wo Eva und Andreas Kain nach dem Anschluß nach London flüchten, während ein Nazi in ihre Wohnung einzieht, die Schildkröten stellen ein Symbol für die Unterdrückung der Juden dar und Veza Canetti verwendete in ihrem erst 1999 erschienen, aber schon kurz nach ihrer Emigration geschriebenen einzigen Roman auch viele Tiersymbole. Interessant, interessant. Jetzt muß ich das Buch nur noch finden, damit ich es lesen kann.

2022-06-26

Wieder normaler Bachmannpreis?

Eigentlich wollte ich am Mittwoch ins Literaturmuseum gehen und der Lesung von Thomas Arzt zu lauschen. Dann habe ich mich nach meiner vier Stunde auf die Terrasse gesetzt und begonnen meinen vierzehn Jahre „Literaturgeflüster-Artikel“ zu konzipieren und habe mich dann entschlossen doch zu Hause zu bleiben und mir die „Bachmannpreis-Eröfnung“ wieder live zu geben, der heuer zum sechsundvierzigsten Mal stattfindet und seit 2019 wieder normal, also live vor Ort, wenn die Autoren auch, als sie sich angemeldet haben, glaube ich, geimpft sein mußten.

Aber der Impfschutz läßt, wie ich immer höre, ja derzeit nach, die Zahlen steigen wieder an und ich interessiere mich ja bekanntermaßen sehr für den „Bachmann-Preis“.

Hätte sehr gern dort einmal gelesen, obwohl ich wahrscheinlich schrecklich durchfallen würde, also „ersparen mir die Juroren die Einladung“, habe aber schon viel darüber geflüstert -und auch schon ein paar „Bachmannpreis-Texte“geschrieben.

Am Samstag kann ich gleich spoilern wird wieder einer von mir erscheinen, und jetzt also die Eröffnung und da gibt es diesmal wie ich ebenfalls hörte, wieder einige Veränderungen, so daß die eingeladenen Autoren diesmal im Garten und nicht im Saal. Cecile Shortmann und Christian Ankowitsch moderierten beide und die Peisvergabe soll auch nicht mehr live stattfinden. Aber soweit sind wir noch nicht.

Zuerst gab es die üblichen Eröffnungsreden. Die Politiker wurden interviewt, die Sponsoren vorgestellt und mußten sagen, welche Bücher sie lesen und welche Autoren sie lieben?

Musik gab es auch. Dann marschierten die Juroren ein, da gibt es diesmal, glaube ich, keine Änderungen oder ja Insa Wilke ist die Vorsitzende, die dann eine Rede hielt und Cecile Shortmann loste mit dem Notar im Garten die Lesereihenfolge aus.

Da kann ich gleich verraten, daß Hannes Stein von dem ich schon einiges gelesen habe, am Donnerstag beginnen wird und Elias Hirschl von dem, ich hoffe, bald zu seinem „Salonfähig“ zu kommen als letzter und Anna Baar, die glaube ich, auch schon einmal gelesen hat, hielt die Festrede.

„Die Wahrheit ist eine Zumutung“ und da begann sie, die, glaube ich, auch in Klagenfurt aufgewachsen ist, mit der Jugend der Ingeborg in der Henselstraße. Dann kam sie zu Franz Wurst, dem Kindersychiater, der als ich Psychologie studierte mit Andreas Rett und Hans Asperger top of the state war, dann war er aber in mehrere Mißbrauchsskandale verwickelt und soll auch seine Frau ermordet haben und Anna Baar enthüllte diese Grausamkeiten am Beispiel eines kleinen bettnäßenden Felix und den Skandal mit den Babyficker hat es auch einmal gegeben.

Diesmal gibt es wahrscheinlich keine solchen und Hannes Steins Text „Die königliche Republik“, den ich wegen eines Erstgesprächs größtenteils versäumte, löste unter der Jury größere Verwirrtheit aus. Ist das jetzt ein journalistischer oder realistischer Text, ist der magische Surrealismus wirklich gut getroffen oder ist es vielleicht doch ein betucht altmodischer Text aus den Siebzigerjahren?, obwohl Klaus Kastberger irgendwo darin Donald Trump erkennen wollte.

Man könnte vermuten, die Jury hat vielleicht die drei Stein-Bücher nicht gelesen, weil so etwas wahrscheinlich zu erwarten war und dann kam die 1970 im Wuppertal geborene Eva Sichelschmidt mit dem „Körper ihrer Großmutter“. Ein sehr berührender Text über das Sterben einer über hundertjährigen Frau, der mir gut gefallen hat.

Dann folgte der mit bisher unbekannte 1989 geborene und sowohl in Wien als auch in Berlin lebende Leon Engler mit seiner „Liste der Dinge, die nicht so sind, wie sie sein sollten“, der eine Zugfahrt nach Karlsruhe und seine Ankunft dort eines Schauspielers beschreibt.

Dann kam es das Pausenprogramm im Garten, das mit einem Kurzfilm über Teresa Präauer eingeleitet wurde und dann über die Diversität in der Literatur, also Autoren mit nicht deutscher Muttersprache, den Schwierigkeiten in der Buchbranche tätig zu werden und der, die durch die Pandemie entstand, diskutiert wurde.

Dann kam zum thema passend, der 1987 in rumänien geborene Alexndru Bulucz, der mit „Einige Landesgrenzen weiter östlich, von hier aus gesehen“ genau das thematisierte. Kamen doch Redewenungen wie „Gott ist kein Zigeuner, aber auch kein Eisenbahner“ und „Das Licht am Ende des Tunnels kann auch immer ein entgegenkommender Zug sein“, vor. Sehr aktuell, wie auch das Gassparen, das in der Jugend des Autors wohl angesagt war.

Nach der Diskussion in der ich mich auch zu der Pressekonferenz zur Aufhebung der Impfpflicht, hurrah, switschte, ging es zu dem 1975 geborenen und in Hamburg lebenden Andreas Moster, dem „Silberriesen“ von einem Vater las, der sich um sein kleines Kind kümmern muß.

Am Freitag begann es dann mit der Lesung, der 1980 geborenen Ana Marwan, die ich schon beim Bloggerdebutlesen kennenlernte. Ihr Text heißt „Wechselkröte“ und handelt von einem einsamen Ich, das sich für den Besuch des Briefträgers Blusen bestellt, deren Freundinnen keine Zeit haben und das Internet ihre einzige Verbindung nach außen ist, obwohl sie manchmal mit der neuen Bluse einkaufen fährt, sich zuerst einen Baum und dann eine Kröte bestellt und schließlich schwanger wird oder diese visualisiert. Ein starkes Stück einer Einsamkeitsbeschreibung und FFP2 Masken kommen auch dabei vor. Danach wurde sehr wild darüber diskutiert, wie der Text zu interpretieren ist, ist die Frau eine Eremitin, hat sie sich aufs Land zurückgezogen, gibt es einen Mann, der am Schluß zurückommt, so daß sie sich schließen zum „Absaugen“ entschließt?

Als nächstes kam der 1977 in Teheran geborene und in Berlin lebende Behzrad Karim Khani und brachte, wie es Insa Wilke nannte, mit seinem „Vae Victis“, eine Genre-Knastgeschichte. Der Autor wurde von Philipp Tengler eingeladen und die Diskussion schien wieder einmal die Diskrepanzen zwischen ihm und den übrigen Juroren widerzuspiegeln, wo man, glaube ich, aufpassen muß, daß sich das nicht negativ auf den Text und dessen Autor niederschlägt, der mir eigentlich gut gefallen hat, obwohl er in einem Gefängnis spielt und daher die dortige Gewalt schildert, die man natürlich als klischeehaft empfindet kann.

Der nächste Autor Usama Al Sharmani wurde und das ist eine interessante Reihenfolge 1971 Bagdad geboren, erzählte in seinem Portrait viel über sich und die arabische Sprache. Der Text des in der Schweiz lebenden heißt „Portrait eines Verschwindens“ und handelt, wie man schon vermuten konnte, vom Aufwachsen im Exil und den Erinnerungen an die Kindheit, an die analphabetische Großmutter und deren Freundin, die die einzige Apothekerin im Ort war.

In der Mittagspause gab es wieder einige Autorenportraits, darunter Tanja Maljartschuk, die auch einmal in Klagenfurt gelesen hat und Anna Baars Festrede wurde auch wiederholt.

Die nächste Leserin war die 1981 in Eisenstadt geborene Barbara Zeman die von Brigitte Schwens-Harant eingeladen wurde und einen Text namens „Sand“, der von einer Italienreise mit einem Josef handelt, vortrug. Ein Krebs wurde diagnostiziert, das Buch einer russischen Autorin gelesen und Kriegserinnerungen reflektiert.

Als letzte Leserin performte dann mit Bart und amerikanischen Akzent, die 1982 in Bonn geborene und in Berlin lebende Mara Genschl einen Text, der „Fenster zum Hof“ hieß und brachte damit etwas Action ins Geschehen und in die Diskussion, da hatte ich aber zwei Stunden, so daß ich Lesung und Diskussion versäumte und bin danach zuerst zum „Augustin-Hoffest“ und dann in den „Republikanischen Club“ gegangen, um dort ein Gespräch über Lyrik zu anzuhören.

Am Samstag ging es mit der 1988 in Fulda geborenen Leona Stahlmann weiter, die mit roten Zopf, rosa gestreifter Bluse und beiger Latzhose im Schneidersitz auf den Teppich saß, der auf der Lesebühne im ORF-Garten aufgelegt war und von einem „Ganz vermeidbaren Wunder“ las, in dem sich eine Leda vor einer Kirche in Venedig befindet und über sich, ihr Kind und über die Klimakatastrophen, die sie umgeben, reflektiert, mir durch ihre schöne poetische Sprache auffiel und von Mara Delius als Text aus der Klimafiktion bezeichnet wurde. Dann wurde noch mit Philipp Tingler darüber gestritten, ob der Text kitschig ist oder nicht und Kaus Kastberger thematisierte, wie seltsam es ist, über Klimakatasthropen in schöner Sprache zu schreiben, während einem das Wasser schon zum Hals steht.

Dann kam der 1985 in Düsseldorf geborene und in Wien lebende Clemes Bruno Gatzmaga, der an der Fleischerei Ringl in der Gumpendorferstraße vorbei zum „Forellenquartett“ im Wien-Fluß angeln geht, dann zum Stadtpark kommt und dort eine Dose Sardinen isst, ein herrlicher Clip. Sein Text heißt „Schulze“ und beginnt, damit „dass Herr Schulze am Morgen hochschreckt und bemerkt, dass er in die Unterhose uriniert hat.“, was seinen Alltag gehörig durcheinander bringt, obwohl er einen wichtigen Pressetermin hat und die Jury dann über die Schwächen des weißen alten Mannes diskutierte.

In der Mittagpause kam dann Katja Gasser, die am Donnerstag noch in der „Gesellschaft“ ihre Lieblingsbücher vorstellte und sprach über ihre „Gastlandpläne“. Es gab ein Portrait von Robert Prosser und Marie Therese Kerschbaumer, die manchen, obwohl grand dame, der österreichischen Literatur, wie die Cecile Shortmann vermutete, manchen unbekannt sein wird. Gabor Fonjad trat auf und zwei Kritiker die erzählten, daß es ihnen schnurzegal ist, ob sich eine Dame einen Schnurrbart ins Gesicht pickt. Das denke ich nicht, denn sie fällt damit auf und hebt sich sich von den anderen Lesenden ab und das ist denke ich ungerecht, wenn beispielsweise Joachim Meyerhoff, der Burgschauspieler, seine Texte performiert, während sich ein experimenteller Autor, vielleicht beim Lesen schwer tut und seine Texte herunterstottert.

Dann kam der 1989 in Seligenstadt geborene Juan S. Guse, der wie Cecile Shortmann moderierte, seine Lesung als soziologisches Experiment betrachtet und las auf Einladung von Insa Wilke vom „Fall des Druckabfalls“, der in einem abgeschirmten Basislager im Taunus spielt, wo das Literaturhaus Frankfurt ein Stipendium ausgeschrieben hat und nach Vermißten gesucht wird.

Der letzte Leser, der 1994 geborene Elias Hirschl, Slammeister, „Priessnitz-Preisträger“ und laut Alfreds Vorhersagen „Bachmann-Sieger,“ ließ sich in seinem Portrait eine Pizza liefern und sein Text „Staublunge“ beginnt auch mit einem gelieferten Mittagessen. Dann schreibt der Ich-Erzähler, der Dates mit einem Jonas hat, verschiedene Artikel, über die besten Filme oder Power-Couples des letzten Jahres und läßt sich eine vegetarische Pho vom Tiger-Imbiss liefern. Ein Text über Start-ups und prekäre Arbeitsverhältnisse in einem atemlosen Tempo, von dem jungen Mann in schwarzer Jacke und T-shirt mit roten Fingernägel perfekt vorgetragen, der in eine Katastrophe übergeht.

Ein grandioser Text, den ich wahrscheinlich auch empfehlen und dafür abstimmen würde und das könnte ich auch ab Samstag drei. Allerdings würde ich dazu ein Handy brauchen und habe mir das die letzten paar Jahre vom Alfred dafür ausgeborgt. Aber jetzt ist der auf einem Parteitag der Grünen und kommt wahrscheinlich erst nach acht zurück.

Also nur hier gebloggt, daß ich mich jetzt noch mehr auf das Lesen von „Salonfähig“ freue und auch noch den Text von Hannes Stein, der mich auch sehr interessiert, fertig lesen muß. Der von Mara Genschl hat mir nicht so gefallen und ich habe auch den Klagenfurt-Bezug nicht gesehen.

Also für den Samstag fertig, als ich 1996 in Klagenfurt war und am Samstagnachmittag mir „Minimundus“ angesehen habe, war ich enttäuscht, daß nicht alle Texte eine Preischance hatten, sondern es eine Shortlist gibt und ich war mit dem Text von Jan Bremer der dann auch gewonnen hat, nicht einverstanden und heuer ist ja alles anders.

Die Autoren lesen mit oder ohne 2G im Garten, Wolfgang Tischer vom „Literaturcafe“ ist schon wieder abgereist, um auf einem Festival zu moderieren und eine Shortlist gibt es, soviel ich verstanden habe, auch nicht mehr, sondern die Juroren haben einen bis vier Punkte zu vergeben und wer die meisten Punkte hat, gewinnt.

Um elf wird der Preis am Sonntag dann vergeben und das wird auch neu sein, daß ich erst später wissen werde, wer gewonnen hat oder mir die Verleihung erst nachher ansehen werde, denn die Ruth hat da wieder ein Privatissimum und nachher wenn ich es recht verstanden habe, eine Art Sommerempfang in ihrer neuen kleinen Wohnung und mir bleibt der Nachmittag statt mir „Minimundus“ anzusehen oder im See zu schwimmen, zum Donauinselfest werde ich auch nicht hinauswandern, Zeit für mein Schreiben und meine Bücher, denn da habe ich jetzt zwar wieder eine Szene geschrieben, weiß aber sonst noch immer nicht weiter, stecke mit dem Non-Plot, den ich habe fest, während ich in diesem Jahr ja schon drei Corona-Texte geschrieben haben, die mir auch gefallen, aber jetzt stecke ich fest, denke nicht mehr Corona, da müüßte ich ja die geimpfte Steffi Schuster über den Fall der Impfpflicht und die neuerliche Einführung der Maskenpflicht, die wahrscheinlich kommen wird, reflektieren lassen und ob ich mit der Rosa Horvath und der Sun-Jong wirklich weiter komme ist mir auch nicht klar.

Also vielleicht das Plot Board vornehmen und versuchen neu zu konzipieren, denn wenn ich jetzt wieder eine Pensionistin einen Roman oder eine Studie schreiben lasse, wiederhole ich mich ja oder in meinen Büchern lesen und mir vorstellen, wie es mir in Klagenfurt damit gehen würde?

Und dann am Sonntag zu der neuen Art der Preisverleihung. Da wurde ja an der bisherigen Abstimmung immer kritisiert, daß manche Autoren durch alle Runden durchgerutscht sind und am Schluß ohne Preis dagestanden sind oder gerademal den Publikumspreis bekommen haben.

Diesmal also eine Liste mit Punkten und der Justiziar hat aus einem Kuvert die Namen der Gewinner Leon Engler, Juan S. Guse, Alexandru Bulucz vorgelesen. Der Publikumspreis ging an Elias Hirschl, eine Stimme war dabei dann doch von mir und wem das alles zu männerlastig ist, den kann ich verraten, daß Anna Marwan, den Haupt und Bachmannpreis gewonnen hat und Wolfgang Tischer hat wieder für den besten Juror abstimmen lassen. Da habe ich erneut für Klaus Kastberger, der mir irgendwie sympathisch ist gestimmt, aber leider ist der inzwischen auf Platz sechs gelandet. Nur mehr Vea Kaiser, die irgendwie umstritten ist, lag hinter ihm, vor ihm lag der immer kontrovers und in Opposition diskutierende Philipp Tingler, Brigitte Schwens-Harrant wurde vom Publikum am meisten geschätzt. Michael Wiederstein, Mara Delius und Insa Wilke, die Juryvorsitzende, die auch noch eine kurze Rede gehalten hat, folgten.

Das war es dann für dieses Jahr. Wer mag kann sich noch einmal in meinen „Bachmanntext“ einlesen und auf die „Gestohlenen Jahre“ freuen, die im nächsten Jahr, wenn der nächste „Bachmannpreis“ vergeben wird, hoffentlich schon erschienen ist und eine kleine Vorausfreude auf nächste Woche, wo ich vierzehn Jahre „Literaturgeflüster“ feiern werde, kann ich auch schon verkünden.

2022-05-19

Erinnerungs- und Beobachtungsresonanzen bei Dichterloh

Der dritte Abend des Dichterlohfestivals mit Semjon Hanin und Luljeta Lleshanaku wird wieder gestreamt, beim ersten war ich live dabei, beim zweiten war ich stattdessen beim „Literarischen Lenz“„, wo es auch Gedichte gab und beim vierten bin ich wahrscheinlich im Völkerkundemuseum bei der im Mai stattfindenden Lyrik im März-Veranstaltung der GAV, ja Corona führt zu einigen Veränderungen und Semjeon Hanin, dessen Gedichtband „aber nicht damit“ bei der „Edition Korrespondenzen“ erschienen ist, wurde 1970 in Riga geboren und schreibt auf Russisch.

Anja Utler hat die Gedichte übersetzt, die der Autor sehr betont langsam im Stehen vorgetragen hat und von Michaeel Hammerschmid auf Deutsch gelesen wurden „bringt sie in den Garten- bringt sie zum Wasser-bringt sie um den Verstand und dann zum Arzt“ beispielsweise oder „du mußt nicht glauben, daß das ein Obdachloser ist, er hat nur seinen Schlüßel verloren und übernachtet auf den Stufen, aber in Wirklichkeit ist er ein Akrobtat“, also eine sehr schöne sozialkritische Sprache, was mir ja sehr gefällt.

Es geht um Pizza essen und um gestohlene Fahrräder, die Streufokusierung des Blicks und um andere weltliche Dinge, die man in der hehren Lyrik gar nicht vermuten würde. Das Gspräch wurde dann von Mascha Dabice übrsetzt, deren Schwester ich ja gestern und vorgestern mit Cornelius Hell im Theater in der Münzwardeingasse gesehen habe und Michael Hammerschmid begann mit dem Gehör, das bei Semjon Hanins Vortrag ja sehr wichtig war und ging dann zu der räumlichen Komposition über, was im Gegensatz zu den sehr sozialkritischen Texten, wie ich sie empfunden habe und von Michael Hammerschmid als sehr heruntergekommene triste Szenerien bezeichnet wurden, wieder sehr theoretisch war, wobei der Autor dann auf seine Ironie und Komik verwies, die er im Subtext verwendet.

Dann wurde noch die poetische Konzeptgruppe erwähnt, in der der Autor tätig ist.

Dann kam die 1968 albanische Autorin Luljeta Llieshanaku, die auch im im englischen Raum sehr übersetzt wurde und hier den von Andrea Grill, die auch anwesend war, übersetzen Gedichtband „Die Stadt der Äpfel“ vorstellte und deren Texte „Via politica“ sehr politsch sind, da sie unter der kommunistischen Diktatur sehr zu leiden hatte. Es geht um die „Geheimnisse“ der Gebete, da die Religion in Albanien verboten war, wurde in der Familie nur versteckt gebetet“Gott mach mich stark und kein Wort mehr – bei mir daheim galt das Gebt wie eine Schwäche, wie das miteinander schlafen“, „Halbverfaulte Äpfel warten auf den Schwangerschaftstest“, heißt e in einem anderen Gedicht, was auf den Titel des Gedichtbandes hinweist, der mit Gedichten aus vier Bäden zusammengestellt wurde.

Sehr eindrucksvoll die Gedichte die die Auslöschung der Zivilisation während der Beoachtung, wie ein Universitätsprofessor aus einer Abfalltonne eine Wassermelone fischt und dann gierig verschlingt, beschreiben und der Gewalt, wie einem Toten die Goldzähne ausgerissen wurden. Wie soll er sich dann im Himmel vor den Engeln verteidigen können, die ihn dann vielleicht auslachen werden? Aber das füge ich an, werden die nicht tun, wenn schon die Zivilisation in einer kommunistischen oder anderen Dkitatur ausgelöscht wurden, obwohl die Gedichte von Luljeta Llieshanku konventioneller, als die von Semjon Hanis scheinen.

„Du bist frei sagten sie nach fünfundvierzig Jahren, wo willst du hin?“

Eine Reise ans Meer wird im letzten Gedicht thematisiert und, daß der Mensch nur aus Wasser und Kohlenstoff besteht, wird auch öfter erwähnt.

Ein sehr spannender Abend mit zwei neuen lyrischen Entdeckungen und am Montag wird es dann mit Donatella Bisutti und Lavinia Greenlaw weitergehen.

2022-05-12

Die Literaturgesellschaft und der Wiener Literaturbetrieb

Wieder eine Veranstaltung zum sechzig Jahre Jubliäum der „Österreichischen Gesellschaft für Literatur“, die, wo es um das Exil oder die Rückholung von Wolfgang Kraus der hauptsächlich männlichen Literaten der Nachkriegszeit habe ich ja schon gehört und wieder Stream, weil zwar keine sechs Uhr Stunde, aber eine Harlandfahrt, weil der Alfred ja wieder mit dem Karli verreist und mich für die nächsten vierzehn Tage zu einer literarisch tätigen Strohwitwe macht und wieder ist sie für mich, die ich ja 1973 sehr gehemmt und schüchtern in den Wiener Literaturbetrieb eingestiegen bin, sehr interessant.

Daß Wolfgang Kraus in den Sechzigerjahren, der große Literaturvermittler war, der die Minister zusammenschieß, eine Autorenwohnung hatte, Preise und Stipendien vergab, wo er auch eifrig mitmischte, so hat er den „Wildgans-Preis“ mitbegründet, den „Sperber-Preis“ und auch einen Staatspreis und Reinhard Urbach war sein Mitarbeiter. Dann kamen die Siebzigerjahre und das Forum-Stadtpark wurde gegründet, 1973 die GAV, die sich gegen den PEN wendete und Reinhard urbach hat die „Gesellschaft“ verlassen und die „Alte Schmiede“ mitbegründet, weil in Graz der Literaturbetrieb mit der Zeitschrift „Manuskripte“, in Salzburg der „Residenz Verlag“ und Wien ist nur die Durchlaufstation, nein das kann nicht sein, also gründete er die „Alte Schmiede“, ging später ins Burgtheater und zum „Theater der Jugend“ und Kurt Neumann, der Medizin studierte und dann in Gmunden Literaturfestivals organisierte, übernahm.

Also zwei Literaturinstitutionen in Wien, die sich wahrscheinlich mehr oder weniger konkurrenzierten. Der eine alt und etabliert, der andere jung und aufmüpfig. Das Literaturhaus wurde ja erst viel später gegründet und so stellte Ursula Ebel ,die unermüdliche wieder die Geschichte des Wiener Literaturbetriebs der sechziger siebziger <jahre vor und dann gabs ein Gespräch mit drei damaligen Literaturinstitutionen, nämlich Kurt Neumann, inzwischen schon in Pension und die „Alte Schmiede“ wird von jungen Literaturwissenschaftlern geleitet, Reinhard Urbach und Franz Schuh, der damals Generalsekretär der GAV war und in einer Art Haßliebe zu Wolfgang Kaus stand. Jetzt haben sich die deutschen Literaturhäuser ja verbunden, vergeben den Preis derselben und inzwischen ist auch das Wiener Literaturhaus dabei. Kurt Neumann erzählte, daß er immer dagegen war und Franz Schuh stellte die Frage, wer kennt heute noch die GAV? Ich zum Beispiel, denn ich bin nach wievor Mitglied und habe ab den Siebzigerjahren den Wiener Literaturbetrieb sehr intensiv erlebt und auch mitgestaltet.

1975 wurde und das finde ich sehr interessant oder auch beschämend Elfriede Jelinek in die „Schmiede“ eingeladen, die aus ihren „Liebhaberinnen“ las und vom Publikum sehr beschimpft wurde und dann nie wieder in einer öffentlichen Institution auftrat und Reinhard Urbach erzählte, daß die Autoren in der „Alten Schmiede“ ein Honorar bekamen, das ihnen den Eintritt in den Literaturbetrieb oder den Zugang zu den Stipendien ermöglichte.

Inzwischen gibt es ja, wie Reinhard Urbach erwähnte unzählige Literaturinstitutionen und Franz Schuh ging gleich zu Rudi Anschober über, der ja sein Verlagskollege ist und jeden Tag eine Lesung hat, obwohl er nach seiner Meinung weder etwas mit Literatur, als auch mit Gesundheit zu tun hat und ich habe, glaube ich, gehört, daß er ursprünglich einen Krimi schreiben wollte, „Pandemia“ ist aber wahrscheinlich sein Abgesang als Gesundheitsminister und daher keine Literatur. Er hat aber sicher immer ein volles Haus und der Verlag verkauft das Buch wahrscheinlich gut, während ich bei meinen Lesungen ja kaum Zuhörer habe und inzwischen Pandemie bedingt auch keine Lesungen mehr. Von Rudi Anschober kam Franz Schuh dann zu einer Kritik, die in den Siebzigerjahren, glaubte, die richtige Literatur würde in der „Gesellschaft“ präsentiert, während in der „Alten Schmiede“ Leute lesen, damit sie auch ein Honorar bekommen und damit Elfriede Gerstl ,meinte und nicht begriff was für eine großartige Lyrikerin sie war und die Veranstaltung schloß mit den „Krausbirnen“ der Literatur, wo ich aber hinzufügen möchte, daß ich die ich ja den Wiener Literaturbetrieb als Ganzes erfassen will, sowohl die „Gesellschaft“, als auch die „Schmiede“, das Literaturhaus, das Amerlinghaus, der „Read!!!ingroom“ etcetera sehr wichtig ist, in der „Alten Schmiede“ konnte ich solange es die „Textvorstellungen“ gab, lesen, in der „Gesellschaft“ nur zum Fasching, im Lteraturhaus, wenn ich was für die GAV organisierte und inzwischen mache ich mein eigenes Ding mit dem „Literaturgeflüster“, das ja in zwei Monaten vierzehn Jahre alt wird und für mich sehr sehr wichtig ist.

2022-05-05

Peter Nadas in der „Alten Schmiede“

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 20:56
Tags: , , ,

Der 1942 in Budapest geborene Peter Nadas, den ich schon sowohl im Literaturhaus, als auch im Literaturmuseum gehört habe und auch schon was von ihm gelesen habe, hat von der „Alten Schmiede“ die diesjährige „Ernst-Jandl-Dozentur für Poetik bertragen bekommen, das sind drei Vorlesungen, die er unter der Moderation von Thomas Eder, an der Uni Wien gehalten werden. Die erste „Haydn im Plattenbau“ hat schon am Montag stattgefunden, da bin ich in der „Gesellschaft für Literatur“, gewesen und am Donnerstag stand unter der Moderation beziehungsweise Einleitung von Bernhard Fetz, dem Germanisten und Direktor des Literaturmuseums eine Lesung aus den „Aufleuchtenden Details- Parallelgeschichten“, wie im Programm stand und da ich eine sechs Uhr Stunde hatte, habe ich mich wieder, wie die letzten zwei Jahre von meinem Praxiszimmer ins Schlafzimmer begeben und meinen Computer eingeschaltet. Praktisch, wenn man sich das aussuchen kann, in die „Alte Schmiede“ zu gehen, dabei etwas für seine Bewegung zu tun und vielleicht auch mit ein paar der Kollegen zu sprechen oder gegrüßt zu werden oder aus Zeitgründen den Stream zu sehen, wobei ich dann schon bloggen kann, aber auch Störungen unterworfen bin, wenn plötzlich das Internet weg ist oder der Alfred „Eva!“, ruft oder ich von ihm etwas in meinen E-Bookfolder eingetragen haben will.

Kurt Neumann,, obwohl schon in Pension, hat eingeleitet, Bernhard Fetz dann über die „Memoiren eines Erzählers“, referiert, wo die Familiengeschichte des 1942 geborenen beschrieben wird, aus der Peter Nadas dann in seinem guten Deutsch gelesen, wo die Kinder in dem Großherrschaftlichenhaushalt, wenn sie schlimm waren, Wassersuppe essen mußten, die Suppenschüßeln an die Wände geschmissen wurden und auch die Tischtücher, die Bettwäsche und die Damastservietten mit der Köchin, der Waschfrau, den Dienst-und Kindermädchen genau beschrieben wurden. Die Dienstboten des Haushalts den Lift nicht betreten durften, sondern die Wäsche über die Dienstbotenstiege transportieren wollte und man immer aufpassen mußte, daß vom Personal nichts gestohlen oder mitgenommen wurde oder die Wäsche einen Riß bekam.

Ja, so war das wohl damals, bevor Ungarn kommunistisch wurde, was es ja jetzt schon lange nicht mehr so ist.

Wenn ich mich richtig erinnern kann hat Peter Nadas auch im Literaturhaus aus dem 2019 erschienenen Memoirenband, der von Christina Viragh übersetzt wurde, gelesen und nach der heutigen Lesung befragte Bernhard Fetz den Autor wahrscheinlich aus pandemiebedingten aktuellen Anlaß nach den Hygieneregeln, die an den beschriebenen Waschtagen, wo es ja auch eine Konkurrenz zwischen den Waschfrauen und der Hausfrau war, herrschte, worauf Peter Nadas seine Erlebnisse in Berliner Kinos erzählte, wo es entsetzlich stank, weil die Filminteressierten nur Naturseife benutzen und beschrieb dann auch Desinfektionsgeruch der DDR, wo sich alle nach den westdeutschen Waschmitteln sehnten.

Peter Nadas erzählte dann von seinen Familienangehörigen , ihrer Herkunft und ihrer politischen Einstellung und auch davon, daß die Besitztümer des großbürgerlichen Haushaltes nach und nach verscherbelt wurden, als das Geld knapp wurde und Bernhard Fetzt befragte den Autor dann noch zu der Genauigkeit, zu der all das beschrieben wurde und dann ging es zu der Frage, wie sehr oder wenig jede Autobiografie lügt, also das Verhältnis zwischen Fiktion und Wahrheit, das ja ein sehr wichtiges ist.

Und die „Paralellgeschichten“, die auch im Programm erwähnt wurden, den 2013 erschienene Großroman, der mit dem „Preis der Leipziger Buchmesse“, Kategorie Übersetzung ausgezeichnet wurde, war 2018 in der „Alten Schmiede“ ein ganzes Symposium gewidmet, das ich auch besucht habe, das Großbuch aber noch nicht gelesen habe.

Am Schluß wurde Peter Nadas noch zu seiner Einstellung zu Gedichten befragt, die er eigentlich nicht betreibt, weil er sich immer ausbreiten will, zu seiner Einstellung oder Abrechnung zum Humanismus und zur Körperlichkeit, die für Peter Nadas sehr wichtig ist, hat er doch in den „Parallelgeschichten“ auf hundertfünfzig Seiten einen sexuellen Akt beschrieben.

Nächste Seite »

Bloggen auf WordPress.com.