Literaturgefluester

2021-01-20

James Ensor nachgespürt

Filed under: Bücher — jancak @ 00:08
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Das neue Buch meiner Freundin Ruth Aspöck, die ich, ich weiß nicht genau seit wann ich sie kenne und auch nicht mehr, wo ich sie kennengelernt habe, im „Arbeitskreis schreibender Frauen“ war sie nicht und ich eigentlich nicht wirklich in der Auf-Bewegung, ich kann mich aber erinnern, daß ich einmal mit der Bruni und der Elfriede Haslehner wahrscheinlich im Cafe Jelinek gesessen bin und eine der Frauen mir erzählte, daß die Ruth einen neuen Verlag hat, in den wir,vielleicht veröffentlichen könnten.

„Da gehe ich hin!“, habe ich, glaube ich, gedacht odergesagt und es auch versucht. Hat leider nicht geklappt, obwohl die Ruth einige meiner Freundinnen und Bekannten verlegt hat, die Doris Kloimstein, die Irene Wondratsch, die Margot Koller sogar den Johann Barth, obwohl sie ja als eine der österreichischen Feministinnen und deshalb auch im Literaturmuseum abgebildet ist, gilt, den Verlag „Die Donau hinunter“ hat es bis 2007 gegeben.

Dann ist die Ruth in Pension gegangen, die ich ja spätestens durch die GAV kenne und wir sind mit ihr ein großes Stück auf ihrer Donauradreise von Wien nach Bamberg mitgefahren. Danach hat sie ihre Bücher beim „Löcker-Verlag“ herausgegeben, die ich gelesen habe und auch zu den Präsentationen gegangen bin, es gab ihr Tagebuch, ihr Reisebuch mit Grillparzer, die Geschichte der Kassiererin der Kantine, wo sie essen geht, eine Geschichte über ihr Schreiben und ihre Nachkriegskindheit und jetzt die Nachspürung des belgischen Malers James Ensor, von dem ich, ich gebe es zu, erst von der Ruth gehört habe, sie ist ja eine Zeitlang mitzu den Workshops von Stephan Teichgräber gegangen, da hat sie mir davon erzählt. Das Buch ist im Herbst erschienen. Die Lesung, die im Stifterhaus stattfand, kann man im Netz nachhören. In Salzburg hat sie, glaube ich, auch daraus gelesen und mir das Buch gebracht, als sie im Oktober mit dem Peter Czak bei uns essen war, weil die Jasminka nicht aus Brüssel kommen konnte und im Februar wird sie, glaube ich, in der „Alten Schmiede“, die „Büchner-Preisträgerin“ Brigitte Kronauer vorstellen, die, glaube ich, auch überJames Ensor geschrieben hat, der1860 in Ostende geboren wurde und 1949 dort gestorben ist.

Die Ruth hat ja einen eigenen literarischen Stil, den man glaube ich, als Personal Essay bezeichnen kann, dabei hat sie mit „Emma oder die Mühlen der Architektur“, einen Roman, glaube ich, angefangen. Dann gibt es, damals,noch im „Frauenverlag“ „Der ganze Zauber nennt sich Wissenschaft“.

Sie hat ja Theaterwissenschaft studiert und war dann, glaube ich, auch in verschiedenen Instituten tätig, dann gab es einige Bücher in ihren Verlag, über ihren Spanienaufenthalt, ihre Kubareisen bis zu „Kannitverstan“, bis sie jetzt eben als freie Schriftstellerin tätig ist, GAV-Vizepräsidentin war oder ist sie auch lang gewesen und da bekannte Persönlichkeiten wie eben den Franz Grillparzer oder den Maler James Ensor mit ihrer Biografie verbindet, auf ihren Reisen nachfährt und dabei einiges über sich selbst erzählt, was ich für interessant und spannend halte.

Bezüglich James Ensor ist sie mit ihrer Freundin Jasminka Derveux-Filipovic, mit der sie studierte und die in Brüssel als Dolmetscherin tätig war und, die ich auch einmal bei einem kultupolitischen Arbeitskreis kennenlernte, in Ostende gewesen und dort in das Ensor-Haus gegangen, in dem es im Erdgeschoß ein Souveniergeschäft gibt und auch die Familie Ensor hat dort offenbar seine Werke, Masken und auch anderes verkauft. Er hat Masken und Totenköpfe gemalt. Ein solches Bild ist am Cover zu sehen und ist da wohl auf den Geschmack gekommen, dem Maler nachzuspüren, der später, obwohl ich noch nicht viel von ihm gehört habe, offenbar sehr berühmt war. Sie wollte auch seine politische Wurzeln aufspüren und ist deshalb in die verschiedenen Archive gagangen. War Ostende doch in der Zwischenkriegszeit ein Hotspot der jüdischen Emigranten, so hat er dort vielleicht Stefan Zweig kennengelernt, Volker Weidermann hat ein Buch darüber geschrieben und mit Alfred Kubin hat Ruth ihn auch verglichen.

Der belgische Dichter Emile Verhaeren hat ein Buch über James Ensor geschrieben, der außer den Masken, und derben Motiven auch ein Triptychon und andere religiöse Motive gemalt hat.

Ruth Aspöck beschreibt ein wenig Ensors Arbeiten, der eigentlich keinen Stil zuzuordnen ist, beschreibt aber, was ich sehr sympathisch finde, sehr genau, wie sie dazu gekommen ist, über James Ensor zu schreiben, wie man das machen kann.

Es ist kein wissenschaftliches, sondern ein literarisches Werk, steht am Schluß des Buches. Trotzdem braucht man um über einen Maler zu schreiben, wohl einige Fachkenntnisse und auch Interesse an der Materie und das hat Ruth Aspöck war sie ja einmal mit dem Maler Franz Ecker befreundet und ist das noch mit Lore Heuermann, der Mutter von Sarah Wiener, die ihr die Technik der Lithographie erklärte, daß Jasminka Dervea-Filipovicux als Übersetzerin behilflich war, habe ich schon geschrieben.

Sie reist also nach Wien zurück, besucht dort die National- und andere Bibliotheken, um Unterlagen zu James Ensor zu finden. Sie beschreibt einen Sommer in Wien, wo alle ihre Freunde in ihren niederösterreichischen oder burgenländischen Häuser mit Gargten oder auf Reisen waren. Da habe ich das erste Mal aufgehört, etwas später dann noch einmal, als sie „die Radfahrt zu dritt um den Neuseiedlersee“ beschreibt, wo sie ständig an James Ensor gedacht hat. Davon habe ich nichts mitbekommen, in diesen Punkt ist die Ruth sehr schweigsam.

Im Buch steht, daß sie sich 2018 entschloßen hat über James Ensor hzu schreiben, daß sie dabei auf einen Roman von Brigitte Kronauer gestoßen bin, habeich schon gewußt, denn da hat sie mich, als sie an meinem Geburtstag bei mir war, darauf angesprochen und mich nach ihren Büchern gefragt.

Vor allem aber hat sie James Ensor, wie es schon im Untertitel steht, auf Reisen nachgespürt. Hat seine Bilder in München angesehen, war zu dritt am Gardasee, mit Jasminka in Brüssel und Venedig und immer wieder in Ostende, wo Ensor ja sein Lebens verbrachte, in Brüssel studierte, nie verheiratet war, aber in Augusta Boogaertes eine Lebensgefährtin hatte. Ansonsten hat er zuerst mit seiner Mutter und Schwester mit seiner Schwester zusammengelebt. Sein Vater war Engländer, daher wahrscheinlich der Vorname und außer für die bildende Kunst hat er auch geschrieben und war als Musiker tätig. Im Buch gibt es eine von Jasminka Derveaux übersetzte Skizze, wie er seinen Akademieaufenthalt erlebte und in der Albertina gab es 1942, also mitten im Krieg, eine von dem österreichischen Dichter George Saiko kuratierte Ausstellung.

Ein interessantes Buch in dem man, glaube ich, sowohl über den Maler, als auch über Ruth Aspöck Zugang zu dem Maler viel erfahren. Sie hat es bei der Lesung im Stifterhaus, als ein gutes Buch erwähnt und dazu gesagt, daß es ihr wichtig war, daß sich jeder daraus etwas Anderes mitnehmen kann, entweder über Ensor oder vielleicht über Franz Ecker. Mir hat es und das ist auch interessant meinen Zugang zu der Ruth und ihrem Schreiben noch mehr verstärkt.

2020-09-10

Beppo Beyerls Klogeschichten

Beppo Beyerl, Richard Weihs

Beppo Beyerl, Richard Weihs

Heute hätte ich eigentlich zur Präsentation von Luis Stabauers neuem Buch „Brüchige Zeiten“ gehen wollen und hatte mich auch schon dafür angemeldet, aber da man in Zeiten, wie diesen ja manchmal oder demnächst wahrscheinlich immer eine Maske braucht, habe ich mich wieder abgemeldet und war dann, als ich schon „Scheiße, keine Veranstaltungen, mehr!“, denken wollte, sehr froh über Richard Weihs Newsletter, der mich auch zu einer Buchpräsentation, nämlich zu Beppo Beiersl „Wiener Klosettbrevier“, ins Weinhaus Sittl einlud und dort braucht man, weil ja ein Lokal, keine Maske und den 1955 in Hadersdorf- Weidlingau geborenen habe ich ja erst am Sonntag im Little Stage, mein literarisches Leben scheint sich zunehmend in Wirthäusern statt im Literaturhaus, „Alte Schmiede“ und „Gesellschaft“ zu verlegen, gesehen, als dort Armin Baumgartner, den literarischen Sonntag wieder auferstehen ließ, ich kenne Beppo Beyerl schon lange, weiß gar nicht, wo und wann ich ihn kennengelernt habe, war jedenfalls bei einigen Lesungen, habe auch schon einige Bücher von ihm gefunden und die „Bekundungen Betrachtungen Benutzungen“ über den Klogang sind bei „Löcker“ erschienen.

Der Verleger machte die Einleitung und Begrüßung, Richard Weihs sang und spielte auf verschiedenen Instrumenten Klolieder und ein ganzes Buch über den Klogang ist wahrscheinlich sowohl interessant, als auch ungewöhnlich.

Ich weiß gar nicht, ob es so unbedingt literarisch ist, lehrreich ist es auf jedenfall und Beppo Beyerl hat auch einige Stücke daraus gelesen und immer wieder auch was dazu erzählt.

Beppo Beyerl, Richard Weihs

Beppo Beyerl, Richard Weihs

So begann es mit der „Metaphisik – leider braucht man einen Überbau“ und führte dann zu den Geschichterln, wo ein Türke einmal auf einen Ball mit Bonbons erschien, diese wurden ihm von seiner Kleidung entrissen, leider enthielten sie alle Abführpulver, so daß die Klos dann sehr besetzt waren und die feinen Damen in den feinen Ballkleidern sich mehr oder weniger angackten.

Es ging dann zu den Kindheitserinnerungen, die aus dem Pumpsklo, der Großmutter in Hadersdorf Weidlingau bestanden, später ist Peppo Beyerl dann in eine Basenawohnung gezogen, wo er sich das Gangklo mit dem großen Schlüßel mit einer alten Dame teilte und solche Erfahrungen hatte ich auch in meiner Studentenwohnung in der Otto Bauergasse und am Schluß gab es noch Auszüge aus dem „Klo ABC“, das dann, wie Beppo Beyerl noch erwähnte, nicht so unbedingt nur Wienerisch war.

Interessant, interessant, das Stabauer-Buch werde ich wahrscheinlich zugeschickt bekommen und am Rückweg ging es schon durch die „Kühle Meile Zieglergasse“, wo morgen auch ein großes Literaturfest stattfinden wird.

Man sieht der Literatur kommt man trotz einer vielleicht orangen Ampelschaltung nicht aus und darüber könnte man ja auch einen Text schreiben.

2018-02-03

Zwei Schachteln voller Bücher

Filed under: Büchergeschichten — jancak @ 21:02
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Ich bin ja nicht nur eine Vielleserin, sondern auch eine Büchersammlerin und tue das eigentlich schon seit Jahrzehnten. Da war der Bücherkasten meiner Eltern, als Studentin habe ich mir viel gekauft, dann kamen die ersten Gelegenheiten, wie die Büchertürme bei der „Literatur im März“ oder die Bücher aus der aufgelösten Buchhandlung im Haus der Edith B. aus denen ich mich bedienen konnte, die offenen Bücherschränke, jetzt auch die Rezensionsexemplare und das was ich mir aus den Abverkaufskisten ziehe und jetzt sind wieder zwei volle Bananenschachteln zu mir gekommen voll von besonderen Büchern, nämlich die meisten aus dem „Löcker Verlag“, bei dem auch die Ruth ihre letzten Bücher verlegte, der da eine „Edition PEN“ betreibt, ein paar wurden nur vom österreichischen PEN-Club herausgegeben, dem Dichter oder Schriftstellerverein von dem sich die GAV, die Grazer-Autorenversammlung, bei der ich ja, ich glaube, seit 1987 Mitglied bin, 1973 abgespaltet hat.

Der PEN-Club hatte damals den Ruf ein Hort konservativer alter Männer zu sein, bei dem die jungen, wie damals Peter Turrini nicht mehr Mitglied sein wollten.

Inzwischen hat sich das wahrscheinlich etwas gewandelt, so gibt es das „Writers in Prison-Programm“, der PEN hat internationale Kontakte und Josef Haslinger einst GAV Generalsekretär ist auch, glaube ich, Vorstand des internationalen PENs und darf das auch, obwohl man beim österreichischen PEN und bei der GAV nicht gleichzeitig Mitglied sein kann, weil das in den Statuten so steht. Das ist etwas widersprüchlich und es gibt darüber auch öfter Diskussionen und wahrscheinlich trotzdem Doppelmitgliedschaften und der PEN hat, was die GAV nicht hat, auch eine eigene Edition, nämlich die „Edition PEN“, die die Werke seiner Mitglieder aber auch, die der von ihm betreuten Autoren aus dem „Writers in Prison-Programm“ herausgibt.

Ich war nie in Versuchung Mitglied zu werden und könnte das wohl auch nicht, weil ich ja meine Bücher selber herausgebe und deshalb würden sie mich wohl nicht nehmen. Er ist mir aber auch zu konservativ. Cornelia Travnicek ist aber, glaube ich, der internationalen Kontakte wegen, wahrscheinlich eines der jüngsten Mitglieder und Doris Kloimstein, die ich einmal vor  Jahren bei einer Regionalversammlung der IG Autoren in St. Pölten kennenlernte, sie regelmäßig sehe und sie auch Mitglied unserer Schreibgruppe ist, ist das ebenfalls.

Sie ist, glaube ich, auch im Vorstand und sehr engagiert. Jedenfalls hat sie im Herbst im Stadtmuseum von St. Pölten eine Ausstellung „Gschichten aus dem PEN-CLUB –  siebzig Jahre österreichischer PEN-CLUB von der Reorganisation 1947 bis heute“ kuriatiert.

Da war ich nicht bei der Eröffnung, wohl aber an einem Samstag etwas später, habe mir die Bildtafeln, die die Geschichte erklärte und auch den Tisch, wo an bunten Fäden schön angekettet, damit sie nicht gestohlen werden konnten, die Bücher der „PEN-Edition“ auflag, die mich natürlich interessierte.

Was geschieht mit den Büchern nachher, die ja, weil mit einem Loch durchbohrt und von den Ausstellungsbesucher durchblättert, unverkäuflich waren, habe ich gefragt und die Frage ob ich sie haben möchte, natürlich mit einem „Ja!“, berantwortet.

Natürlich, denn ich bin eine Büchersammlerin und wenn ich sobald auch nicht zum Lesen kommen werden, ist es ja sicher interessant sich durch die „PEN-Edition“ hindurchzublättern und zu schauen, was ich kenne und was nicht und dann einen Artikel darüber zu flüstern, um auf einen Teil der österreichischen und auch internationalen Literatur aufmerksam zu machen, die vielleicht nicht so allgemein bekannt ist und hinter den lautschreienden Buchpreis– oder Bestsellerbücher im Hintergrund steht.

Und da wäre einmal zu sagen, daß die „Löcker-Bücher“ meist ein sehr schönes Cover haben. Oftmals ein pastellfarbighes graphisches Design, machmal gibt es auch Zeichnungen darauf, also schon optisch ein Genuß und dann lohnt sich der Rundgang, obwohl ich ja, wie beschrieben, sehr PEN kritisch bin, wirklich, denn man taucht da in ein sehr interessantes Stück Literatur ein, wo ich einmal mit dem  1925 geborenen und 1986 verstorbenen und inzwischen, wie ich glaube, fast vergessenen Dichter Herbert Eisenreich beginnen will. Der war natürlich PEN-Mitglied und wurde in den letzten Jahren von der Editon PEN wieder aufgelegt,  so daß ich demnächst, den von Christine Fritsch und Helmuth A. Niederle, dem derzeitigen PEN-Präsident herausgegebenen Roman „Auch in ihrer Sünde“ lesen werde.

Dann gibt es noch das lyrische Werk, zwei Erzählbände wiederum sehr  ästhetisch mit dem Portrait des Dichters mit der Pfeife auf dem Cover und einen Korrespondenzband mit Friedrich Torberg, der höchstwahrscheinlich auch Mitglied war.

Im Ausstellungsband kann man das wahrscheinlich nachlesen und Ilse Tielsch, die mit Valerie Szabo befreundet war und der ich einmal vor langer Zeit auf ihr Anraten etwas schickte, hat auch einen gesammelten Gedichtband. Dann gibt es Bücher der PEN- Urgesteine Roman Rocek 1935-2013 „Aufzeichnungen, Aphorismen und Gedichte“ und das „Gesamte lyrische Werk“ von Kurt Klinger, sowie Gedichte von einem früheren PEN-Präsidenten Helmut Stefan Milletich, mit dem ich einmal  in einer Jury war.

Von den jüngeren Mitglieder kann ich Elisabeth Wäger erwähnen,  da habe ich eigentlich gedacht, sie wäre in der GAV und war, glaube ich, in der „Alten Schmiede“ als sie „Töchter und andere Bewohner – Ein Rundgang in ein privates Office“ vorstellte.

Dorothea Macheiner war einmal in der GAV oder hatte eine Doppelmitgliedschaft und hat die zwei Erzählungen „Djerba, la Douce und „Komet.Stille“ in der „PEN-Edition“.

Von Alfred Zellinger, der glaube ich, als es die „Bawag“ noch gab, ihre Anthologien herausgab, gibt es zwei „Flash- oder Slam Poetry Bände“, die sicher auch sehr interessant zu lesen sind und dann gibt es, meist herausgegeben von Helmuth A. Niederle und Christian Teissl einige Anthologien und da ist verwirrend, daß eine oder zwei davon zum neunzigsten Bestandsjubiläum herausgegeben wurden. Aber vielleicht wird beim Katalog die Vorkriegszeit nicht mitgerechnet und es gibt auch einen österreichischen und einen internationalen PEN.

Jetzt hätte ich fast die zwei Bände von Peter Paul Wipplinger vergessen, mit dem ich auch einmal in einer Jury war und den ich immer bei den IG Autoren treffe, der ist, glaube ich, aus dem PEN ausgetreten, um bei der GAV-Mitglied zu werden. Er setzt sich, glaube ich, auch für das „Writers in Prison-Programm“ ein und da habe ich jetzt eine Menge Bände, meistens Gedichte, aber auch Romane und Prosatexte von Autoren bekommen, die sonst an mir vorgbeigegangen wären.

Ishraga Mustafa Hamid, die 1961 im Sudan geboren wurde und von der es zwei Gedicht- und einen Gedicht und Prosaband gibt, habe ich aber schon vor Jahren durch die „Widerstandanthologie“ des „Milena Verlags“ kennengelernt und sie war, glaube ich, auch bei der Ausstellung, die, die Doris vor zwei Jahren in St. Pölten kurarierte.

Interessant sich durch einen solchen Bücherberg zu wühlen und jetzt hätte ich fast das schönste Stück, nämlich den von Ulrich Gansert herausgegebenen Bildband „Erlebnis Czernowitz- auf den Spuren von Paul Celan“ vergessen, jetzt muß ich das alles noch lesen und habe oder werde dabei wahrscheinlich auch ein paar meiner PEN Vorurteile abbauen, schon die schönen Cover-Designs können eine wahrscheinlich dazu bringen ud interessant ist auch, daß ich während des Katalogisieren als Hintergrundbeschallung das Hörbuch von Ray Bradburys berühmten „Fahrenheit 451“ hörte, in dem es ja um  Bücherverbrennungen geht, während ich meine Bibliothek, um ein Stück erweiterte, aber Stephan Teichgräber hat mich gestern zu seinem Sommersemester-Workshop eingeladen und da will er sich mit dem utopischen Roman beschäftigen und hat dazu zwar George Orwells „1984“ unter anderem vorgeschlagen, aber „Fahrenheit 451“ ist ja auch ein utpoischer Roman, den ich in den Siebzigerjahren mit Oskar Werner, als Feuerwehrmann gesehen habe, in dem es um eine Welt ohne Bücher geht, die dann einige aufrechte Seelen auswendig lernen, um der Welt das Wissen weiterzugeben und ich habe jetzt einen Teil der schönen „PEN-Edition“ in meiner Bibliothek gesammelt, die ich nach und nach lesen will.

2016-11-15

Die alte Dichterin, die Literatur und die Kunst

„Ein Diskurs mit Poesie“, steht noch unter dem neuen, wieder im „Löcker-Verlag“ erschienenen Buch meiner Freundin und Autorenkollegin Ruth Aspöck und Roman, obwohl das Buch noch viel weniger, das das von Thomas Melle ein solcher ist, sondern wieder eine Mischung zwischen einem „Memoir“ und einem „Personal Essay“.

Das erste sehr verschlüsselt, denn die „alte Dichterin“ mit Ruth Aspöcks Biografie und ihren Werken, nennt sich ja Elisabeth Schwarz, das zweitere viel stärker, denn es werden immer wieder Zitate aus Büchern  abgedruckt, an denen die Dichterin  ihr Leben resumiert oder Fragen, die sie vielleicht gar nicht beantworten kann, stellt.

Es ist das fünfte bei „Löcker“ erschienene Buch, der 1947 geborenen Ruth Aspöck, die nächsten April ja siebzig wird, so daß wir schon eine Radumfahrt, um den Bodensee planen, denn als sie sechzig war, hat sieihren Verlag „Die Donau hinunter“ aufgegeben und ist, um das zu feiern von Wien nach Bamerg mit dem Rad gefahren.

In ihrem Verlag sind schon einige ihrer Bücher erschienen. Sie hat ihn ja auch, wie sie Elisabeth Schwarz in den Mund legt, gegründet, damit ihre Sachen erscheinen können, später hat sie bei „Löcker“ eine Heimat gefunden, ihre Tagebücher herausgebracht, Franz Grillparzer nachgefahren, ihre Kindheit nach Krieg resumiert und sich auch mit der Biografie einer bosnischen Flüchtlingsfrau auseinandergesetzt.

Man sieht, Ruth Aspöck war schon vorher autobiografisch und hat auch das verschleiert und dann wieder sehr aufgedeckt.

Die Frage, wie man mit der eigenen Biografie umgeht und, wie man sie beschreibt, ist ja eine, die auch mich sehr beschäftigt und mit Ruth Aspöcks Bücher kann man vortrefflich darüber nachdenken oder philosophieren.

Ausgangspunkt ist der Verkauf des Hauses im Mühlviertel, wo ja einmal der Verlagssitz war und sich noch die Bibliothek befand.

Die muß ausgeräumt werden. So sitzt die fast siebzigjährige Dichterin da, nimmt Buch um Buch zu Hand, überdenkt dabei ihr Leben, zitiert Okopenko, Sartre, Haslehner, sich selbst und noch einige andere und das nicht linear, sondern ziemlich durcheinander und auch sehr verschlüsselt.

So werden den Zitaten nicht direkt die Namen der Autoren zugeteilt, sondern da stehen schöne Worte, wie „Gedanken“, „Hoffnung“, „Literaturen“ und man muß erst im zehnten Kapitel nachschauen, aus welchem Buch da zitiert wurde und, um das noch schwieriger zu machen, wurden „Gedanken“, „Hoffnung“ Literaturen“ nicht alphabetisch angereiht, sondern die Namen der Autoren und man muß erst mühselig nachsuchen, wo jetzt „Hoffnung“ „Gedanken“ oder „Literaturen“ steht.

Ja, Ruth Aspöck macht es sich und ihren Lesern nicht leicht und sie ist sich glaube ich auch nicht ganz sicher, ob sie ein erfülltes Leben hatte, das da in zwanzig nicht linearen, sondern sehr sehr sprunghaften Kapitel, erzählt wird.

Wieder, wie schon bei ihren früheren Büchern, merke ich an, daß ich nicht sicher bin, wie ein Leser in Deutschland oder sonstwo, der Ruth Aspöck nicht kennt, das Buch interpretieren wird.

ich kenne ja einiges aus ihrem Leben, aber auch nicht alles, denn das Verschlüsseln, Verschweigen, Distanzieren, gehört wahrscheinlich zu ihrer Person und deshalb ist der poetische Diskurs in dem sehr viel Wehmut klingt, glaube ich, auch spannend zu lesen.

Die Worte „Demut“ und „Zurückstellen“ kommen öfter, wahrscheinlich auch in früheren Büchern vor und auch das Gefühl der Armut. Das des nicht Mithalten können mit den anderen, reicheren Kollegen aus den anscheinend besseren Familien, die die junge Elisabeth-Ruth auf der Universität trifft, als sie nach abgelegter Matura nach Wien kommt, um hier Theaterwissenschaft zu studieren oder noch besser Schauspielerin zu werden.

Das ist nicht geglückt, sie hat aber einige Leute kennengelernt, die Karriere machte und über, die nicht so erfolgreiche später dann die Nase rümpften, nicht gern in ihre Wohnung kamen, weil sie sie, wie Elisabeth-Ruth argwöhnt, als armselig empfinden würde.

Das kann ich beispielsweise nicht nachvollziehen, weil ich das Arbeiterkind aus dem Gemeindebau, erstens nie Freunde mit adeligen Namen und solcher Vergangenheit hatte, zweitens die Ruth, die ja in Wien, als Feministin und „Auf-Gründerin“ sehr bekannt ist, immer, als sehr elegant empfunden habe und mich manchmal auch ein wenig darüber wunderte, daß eine „Linke“ so elegante Kleider trägt.

Ein bißchen läßts sichs aber aus der Biografie der Dichterin erklären, die in dem Buch viele Fragen stellt, Anekdoten aus ihrem Leben erzählt und die eigene Biografie mitschwingen läßt.

Als Studentin ist sie nach Madrid Gegangen und hat darüber in ihrem Verlag, den „Ausnahmezustand für Anna“ veröffentlicht.

Sie wäre schreibt die alte Dichterin lieber nach England gegangen, aber dafür bekam sie kein Stipendium.

Später war sie einige Jahrein Kuba, hat darüber in „Tremendo Swing“ geschrieben. Hat, dazwischen, glaube ich, Ruth schreibt etwas davon, daß die schwarz blaue Regierung sie nach Kuba trieb, ihren Verlag gegründet. Wurde da von jungen Dichtern und Dichterinnen angeschrieben und hat sich auch öfter über sie geärgert, weil die es ihrer Meinung nach zu leicht nahmen, zu wenig genau und zu wenig ehrgeizig waren.

Denn das war die alte Dichterin, als sie noch eine junge Frau gewesen ist, aufrecht und offen und damit auch so undiplomatisch, daß sie es sich mit manchen Großen, die sie direkt auf Fehlstände angesprochen hat, verscherzte, so daß es nichts mit der großen Karriere wurde und sich die Dichterin immer ein wenig zurückgesetzt fühlt. Sich ihrer kleinen Wohnung, ihrer alten und abgenützten Möbel, etcetera, schämt, wie schon geschrieben, ich finde die Ruth und auch ihre Wohnung sehr elegant, wenngleich auch das Schlafizummer, das Wohnzimmer ist und das Bett jeden Tag ausgezogen werden muß.

Man erfährt also, wenn man genau zwischen den Zeilen liest, viel aus dem Leben, der jungen und älter gewordenen Feministin, die in Salzburg geboren wurde und von Linz nach Wien gekommen ist. Man erfährt aber auch viel aus dem literarischen Leben dieser Zeit und ihren Schriftstellerkollen. Kann Zitate aus Jean Paul Satres, 1948 erschienenen Essay „Was ist Literatur?“, lesen.  Erfährt viel über ihre Beziehung zu dem 2010 verstorbenen Andreas Okopenko, bei dessen letzten Geburtstagsfest und Begräbnis ich ja war.

Man erfährt sogar welche Theaterstücke, sich die „Theaternärrin“ in den Sechzigerjahren angesehen hat, denn die sich mühsam vom kleinen Stipendium geleisteten Programmhefte und Theaterkarten hat sie aufgehoben.

Jetzt blättert sie nochmal darin, bevor sie sie leichten oder schweren Herzens entsorgt. Weggibt, wie auch viele der Bücher. Die Romane nimmt die örtliche Sozialstelle, die wissenschaftlichen Werke und die fremdsprachigen Bücher, die sie sich während ihrer Auslandsaufenthalte kaufte, kommen gleich in den Müll. Ja so ists mit der Wissenschaft, die Sozialhilfeempfänger werden wohl lieber Simmel, als Satre im Originalton lesen.

Aber auch Shaekspearre wird oft zitiert und dann die Faksimile-Ausgaben weggegeben.

Die zwanzig Kapitel, durch die uns die Dichterin führt, tragen Namen, wie „Abschiedstournee, die Erste“, Anspruch und Ehrgeiz“, „Groß und Klein“, „Mißlungen/zarte Hoffnung,“Sprache, Spiel und Träume“, und so weiter und so fort.

Man sieht, glaube ich, daran schon sehr gut, worauf es hinaus geht und mit was man konfrontiert wird, wenn man sich auf den Diskurs, was ich sehr empfehlen würde, einläßt.

Interessant dabei ist vielleicht auch, um jetzt ganz autentisch zu werden, daß ich beim Zitieren der Kapitel durch einen Anruf unterbrochen wurde. Die Rutha war in der Leitung und wollte wassen, ob ich am Nachmittag mit ihr in den „Musikverein“ gehen will?

Leider habe ich da eine Stunde. Man sieht, die Dichterin ist  immer noch unermüdlich an Kunst und Kultur interessiert, obwohl sie sich schon die Frage stellt, ob und was sie als nächstes schreiben wird und anmerkte, daß sie im Alter gelassener wurde und nicht mehr so streitbar, wie früher ist.

Das Buch wurde auch schon im„Republikanischen Club“ vorgestellt und ich empfehle es zu lesen.

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