Literaturgefluester

2020-11-20

Doppelte Spur

Hurrah, ich bin fertig mit dem österreichischen Buchpreis, mit der Hauptschiene, mit den Debuts noch nicht und habe mich eigentlich und wieder einmal durch eine interessante Mischung der österreichischen Gegenwartsiteratur gelesen, die ich jeden nur empfehlen kann. Wer sich die Bücher nicht kaufen möchte und sie auch nicht in den Schränken findet, dem kann ich das Leseprobenheftchen nur empfehlen, es liegt vielleicht immer noch in dem Glaskasten vor dem Literaturhaus, denn eigentlich alles darin enthalten, was das Herz der literarisch interessierten Leser begehrt.

Gedichte, die Erzählungen des Buchpreisträgers, ein Bericht über das Sterben der eigenen Mutter, ein tpischer Midlife- oder old man Roman, der leicht skurilen Ton der Karin Peschka, das Debut der Helena Adler, die Familiengeschichte der Monika Helfer, das doch nicht Science fi des Michael Stavaric, den „Feenstaub“ der Cornelia Travnicek, das ich als erstes noch im Frühling gelesen habe und last but not least Ilija Trojanow „Doppelte Spur“, der ja schon mit seinem „Macht und Widerstand“ das 2015, als ich angefangen habe Buchpreis zu blogen auf der Longlist des deutschen stand.

Ich habe den 1965 in Sofia geborenen, glaube ich, durch das Radio und seine Moderationen bei der „Literatur im Herbst“, die er jetzt gerade wieder macht und die in der „Alten Schmiede“ kennengelernt und kenne ihn als einen sehr engagierten sehr korrekten aber auch distazierten Intellektuellen und das ist wohl auch mein Problem dabei, denn lieber oder liebe A. Yanga, jetzt wirklich ein Buch das nicht nicht verstanden habe und ein Roman der nicht besonders spannend ist, obwohl er, glaube ich, den Thriller-Eindruck vermitteln will.

Ein dokumentarischer Roman und der Clou dabei Ilija Trojanow scheint humor zu besitzen. die Hauptperson heißt Iiija trojanow und ist ein Journalist. In die „Alte Schmiede“ geht er auch und war da wohl auch einmal mit mir in der gleichen Veranstaltung.

Er sitzt aber zu Beginn des Buches mit einem, den er Boris nennt in einem ausgepolsterten überwachungssicheren Zimmer und am Ende hat er sich in ein selbstverwaltetes Dorf am Rande des Urwalds zurückgezogen und geht wenn er mitseiner Freundin Emi, die einen Film gedreht hat mit dem sie für den Oskar vorgeschlagen wurde in die nächste Stadt und dazwischen bekommt er von zwei Whistleblowern einem amerikanischen und einem russischen Unterlagen zugespielt über die sich ja Bücher beziehungsweise Romane schreiben lassen.

„Alles in diesem Roman ist wahr oder wahrscheinlich“, steht am Anfang des Buches und das ist wohl auch mein Problem dabei, die ich eine zwar sehr politisch Interessierte, aber nur mäßig Zeitungslesende, kenne mich bei den vielen Namen nicht aus, sind die jetzt echt oder erfunden? Was stimmt jetzt an den Leak-Geschichten oder nicht? Und was hat die Leserin davon, wenn sie nur erfunden sind aber wahr sein könnten, löst zumindest bei mir Verwirrung und Unsicherheit aus.

Das Buch ist „Allen ehrlichen Whistleblowern gewidmet“, etwas über das man auch nachdenken und philosophieren kann. Man kann es aber auch lassen und denken, sich lieber nicht zu tief hineinsinken lassen in diese korrupte Welt, wo man als naive Leserin nur staunen kann, was es alles gibt.

Sich lieber mit der schönen Literatur befassen, da der Schweizer Literaturpreis, die mir noch unbekannten Bloggerdebutshortlistbücher uund vieles andere auf mich wartet, werde ich es wohl dabei lassen, obwohl man sich ja mit den gesellschaftlichen Umständen beschäftigen soll.

2020-11-15

Ousia

Buch neun des Öst, ich sage ja ich feiere derzeit, statt mich auf die „Buch-Wien“ zu begeben, ein Wochenende der österreichischen Literatur und lese die österreichische Buchpreisliste fertig und am österreichischen Buchpreis ist ja besonders erfreulich, daß nicht nur, wie beim deutschen Romane zugelassen sind, obwohl, die ja, weil das ja jeder auf seine Bücher schreibt, inzwischen ein ohnehin sehr ausgeweiterer Begriff ist, also Lyrik und ein kleines ästhetisch schönes Bändchen aus der „Kook-Lyrikreihe“, der 1978 in Kirchdorf an der Krems geborenen Verena Stauffer, deren Debut „Orchis“ ich gelesen habe, das, glaube ich, sogar auf der „Debutpreis-Shortlist“ stand, mir aber vielleicht ein wenig zu lyrisch anbeghoben war, nun also Gedichte von der jungen Frau, die bei der „In Memoran-Lesung“ Andreas Unterweger vertreten hat und dort berührende Worte über Alfred Kolleritsch sagte und das Büchlein das leider oder natürlich nich tauf die Shortlist gekommen ist und das ich ebenfalls leider, leider, denn es wäre ein Buch, wo ich mir viel anstreichen würde, nur als E- Book gelesen habe, ist auch sehr interessant, schon einmal optisch soweit man das in der E-book-Form erkennen kann, das wäre wahrscheinlich ein Bändchen das man riechen, schmecken oderauch bestaunen sollte.

Gelber Einband und zu dem mir unverständlichen Titel gibt es auch eine Erklärung, dann werden die einzelnen Kapitel auf schwarzer schrift graphisch schön drapiert und da ist auch viel asiatischer Einfluß zu merken. So beginnt gleich mit „Laterne der rauchenden Köpfe nach einem chinesischen Schattenspiel aus dem Quianlong Satz“und da beginnt es gleich mit dem

„Schattenspieler“

„Einst lebten Männer, die ihrer Frauen Köpfeschnitten, um sie zu tauschen“, also schön brutal.

Es bleibt dann nicht chinesisch, sondern geht weiter zu der Abteilung „Treibluft“, dann kommt „Para dies“ ein Tryptichon“ und „Hummingbird“

„Hass“

„Ich riß heraus die Augen/ aus einem braunen Hasen

Die Zunge nahm ich auch /zartfrosa war sie und fein“, also ganz schön poetisch brutal, heraus.

In der Abteilung „PAES“ gibt es die „Großen Litschis

Es platzt wie große Litschis im Mund“, heißt es da und ebenfalls in der Abteilung „PAES“ die „Heuharfe“, also sehr schöne Namen zu den poetisch schöne Zeilen.

Bei „TETSU-SEN“ wird es wieder asiatisch. Das gibt es das „Himmelsfossil“ und „Ling“

„So ein Fächer im Rücken, wie sich das anfühlt,erhaben“, sowie das Titelgedicht:

„Die Untätigen beobachten ihre Beobatung, skalieren den Kompaß

Die Schreiber schleichen, schweben um die Glut. Gesprochenes ist da.“

In der Abteilung „Flämmchen“ gibt es den „Fuchskaviar“

„Bedacht zu sein

durch Himmel oder Schindel

geschützt vor fallenden Obst

und stürzenden Balkon“, was ich ich sehr schön poetisch empfinde.

Bei den „Jüngern im Schutz der Büsche blinkt, gluckert und klingt“es.

Da gibt es die“ Herde der Häuser“ und

„Im Himmel“

„Wie aber Liebster?

Ketten fädelten sie und kohlten das Ende des Fadens“

Dann gibt es noch den „Quargeltod“

„Rund gedreht und blutend?

Am Holunder ist mein Herz mir gestorben

entwurzelt wurde es den Göttern dargebracht

den Harlekinen in Monstranzen

und starben noch andere der Beeren, viele den roten Quargeltod

lotrecht groß“

Man sieht Verena Stauffer ist eine Sprachkünstlerin. Bin wieder sehr gespannt, was ich von ihr noch lesen oder hören werde und bedaure fast ein bißchen, daß die „Manuskripte“ jetzt nicht mehr zu mirkommen. Denn vielleicht würde ich da Gedichte von ihr lesen, aber vielleicht gibts, wenn diese Pandemie vorbei ist, wieder eine Lesung und die graphische Aufmachung der „kookbook-Reihe“, wo schon viele Autoren erschienen sind, die man bei den Lyrikfestivals der „Alten Schmiede“ oder anderswo hören kann, finde ich auch sehr schön.

2020-11-07

Fremdes Licht

Buch fünf des österreichischen Buchpreises, der ja am Montag vergeben beziehungsweise, wie bei Leipzig bekanntgegeben wird, derFestakt, um den ich mich ja immer gerissen habe, entfällt aber wegen des Lockdowns, mit Maske wäre ich aber ohnehin nicht hingegangen,macht also nichts, aber auch kein Livestream und jetzt kann raten und spekulieren oder gleich bemerken Michael Stavaric bekommt ihn nicht, weil nichtauf der Shortlist.

Es war für mich aber ganz spannend, mich in den Stil des 1972 in Brünn geborenen, der seit 1977 in Österreich lebt und den ich schon öfter bei Lesungen erlebt habe, einzulesen.

Gelesen habe ich noch nichts von ihm, so war seit Stil für mich ein Erlebnis. Ich kann aber etwaigen Kritikern gleich verraten ich habe mich schwer damit getan, mit Sicherheit auch nicht alles verstanden, dazu hätte ich mir wahrscheinlich, die zwei drei Jahre Zeit nehmen müssen, die Stavaric wohl zu Schreiben gebraucht hat und ich glaube mich an eine „Alte Schmiede-Lesung“ zu erinnern oder an einen Text, der mit Arno Schmidt zu tun hat. Der Stil würde aber fast an „Kaff mare crisium“ erinnern.

Nein, so schlimm ist es nicht und ich hatte auch Schützenhilfe, denn vor einem Jahr in der „Gesellschaft“ eine Stavaric-Portrait erlebt, wo das Buch auch erwähnt wurde. Im Frühling gab es dann die Corona-Lesungen. Da war Stavaric dabei und im Sommer war er noch einmal mit seinem Buch in der „Gesellschaft“, erklärte einiges dazu im Gespräch mit Manfred Müller und der Eindruck verdichtete sich, sehr kompliziert.

Denn Stavaric ist kein Plotautor, der mir ja irgendwie sehr wichtig ist. Nein, hat er erklärt. Er geht von einer Idee aus. Hier war es, glaube ich, das Licht oder der Schnee und die Kälte und dann hat er, wie Manfred Müller erklärte, zweihundert Seiten lang das Nichts beschrieben.

Das liest sich natürlich schwer und wenn man fragt, welches Genre ist es nun? Geht man und da würde Stavaric jetzt wahrscheinlich lächeln, auch in die Irre.

Ein Scicene Fiction oder dystopischer Roman, da ich ja glaube seit einem dreiviertel Jahr in einem solchen zu leben und ihn auch noch gern beschreiben möchte und nicht recht weiß, wie, da es sich ja doch, um die Wirklichkeit handelt, war es ja sehr spannend sich auf einmal im Weltall zu befinden oder in Grönland bei den Innuits und, um das geht es da eigentlich?

Im ersten Teil, um eine Genforscherin, die einen Großvater in Grönland hatte, aber in der Schweiz, in Winterthur forschte und wir befinden uns, glaube ich, um einige hundert Jahre in der Zukunft und Elaine, so heißt, die Forscherin in einem Raumfschiff. Denn die Welt ist untergangen. Sie ist die einzige Überlebende oder doch nicht so ganz, denn eine Schwester gibt es auch. Sie erwacht jedenfalls im Eis, beginnt sich an ihre Kndheit, ihren Vater und ihren Großvater zu erinnern. Die Mutter ist gestorben und einen Dallas gibt es auch. Der war der Kapitän jenes Raumschiffes, mit dem man dem Weltuntergang entfliehen wollte. Es gab darin aber auch Kapseln, wo man Menschen einfror, um sie später wieder zum Leben zu erwecken. Allerdings war das Schiff mit so vielen Flüchtenden erfüllt, daß das nich thinaute. Elaine hat auch eine Maschine mit dem sie neues Leben erschaffen kann. Manfred Müller sprach Stavaric diesbezüglich auf Kafka an und ich muß gestehen ich habe die diesbezügliche Assoziation nicht bemerkt. Sie irrt jedenfalls im Eis herum, befindet sich dann plötzlich in winthertur oder dort, wo das mal war, versucht neuesLeben zu kreieren und begegnet einem Eisbären, der sich schließlich, als ihr Freund Dallas entpuppt.

Der zweite Teil „Grönland und die weiße Stadt“, ist viel einfacher zu lesen, obwohl es auch hier Tabellen und Worte in der Innuit-Schrift gibt, die manfred <müller auch als Stavarics Spezialität erwähnte.

Da geht es zu Fridtjof Nansen der ja Ende des Neunzehntenjahrhundert nach Grönland kam und dort weil sie seiner Frau Elaine so ähnlich sah, mit dem Innuit-Mädchen Uki Bekanntschaft machte. Dann wird es etwas phantastischer oder auch naiver. Sie, die ihn Vogelmann nennt, weil er Spielautomaten in Vogelform an die Kinder verschenkt und ihr ein Vogelbuch, lernt für ihn bei den Schamanen Englisch und Französisch und begleitet ihn dann nach New York denn sie will zur Weltausstellung nach Chicago, um die weiße Stadt, offensichtlich so genannt, weil in viele Glühbirnen und Elektrizität getaucht, zu besuchen. Nansen schickt sie mit einem Begleiter, der auch ihre Sprach schickt, dorthin. Sie sind auch einen Tag auf der Weltausstellung und bestaunen alles, dann übernachten sie in dem berühmten Hotel von H.H. Holmes oder Jack the Ripper, Stavaric hat also auch reale Eregnisse in seinen Roman verwendet und kommen nicht zur vereinbarten Zeit nach New York zurück, um wieder die Fahrt nach Grönland anzutreten. Sind sie doch dem Serienmörder zum Opfer gefallen und Uki wäre beinahe in seinem Folterkeller erfroren. Sie wird aber gerettet, kommt nach Grönland zurück und wird dort Schamanin. Da gibt es dann auch die Verbindung zum ersten Teil. Denn der Großvater hat Elaine ja viel von Uki erzählt und so endet auch das Buch von dem am Rücken steht „Wenn die Reise in die Zukunft zu einem Blick in die Vergangenheit wird“ und der „Stern“ hat geschrieben „Michael Stavarics Bücher muß man kaufen“.

Man kann sie ja auch in den Bücherschränken finden. Ich habe meines vom Verlag bekommen und geht man zu „Amazon“ findet man auch „Ein Stern- Rezensionen“.

So weit würde ich nicht gehen, kann aber schreiben, daß mich Stavarics Stil vielleicht nicht so sehr erwärmen konnte, aber trotzdem ein interessantes Buch gelesen habe.

2020-10-29

Mutter

Nun kommt schon Buch drei der österreichischen Buchpreisliste, obwohl ich noch zwei der deutschen zu lesen habe, aber die“Chronik eines Abschieds“ der in Karpfenberg geborenen Melitta Breznik, die vom Beruf Ärztin ist und wenn ich mich nicht irre auch einmal die Partnerin Norbert Gstreins war, der ein Buch über sie geschrieben hat, ist ein Printbuch und da ich gelegentlich auch mal in die Badewanne gehen will, ahabe ich es zwischen den Netgalley Exemplare, die jetzt auf mich warten, schnell eingeschoben.

Abschiede, Tod der Mutter, des Vater, Bücher über das Sterben der eigenen Eltern werden ja ofter von Schriftstellern geschrieben, die damit die Trauerarbeit bewältigen, ich habe mich nach dem Tod meines Vaters, den ich ja auch einige Jahre nach dem Tod meiner Mutter betreut habe, schreibend damit beschäfigt. Elfriede Haslehner hat über den Tod ihrer Mutter geschrieben und mir das Manuskript, glaube ich, zu einem meiner Geburtstage gebracht, Julian Schutting und und- glaube ich, daß es auch sehr wichtig ist, sich mit dem Tod und dem Abschiednehmen, das ja jeden einmal betrifft, vor allem in Zeiten, wie diesen, wo alles so durcheinadergeht, Operationen aufgeschoben werden um Covid 19- Betten freizuhalten und man seine Anghörigen in der Sterbphase oft nicht besuchen darf, zu beschäftigen.

Ich habe, das, glaube ich, auch sehr intesiv gemacht, habe ich ja auch in der Zeit, wo ich meinen Vater betreute im Geratriezuentrum am Wienerwald Pflegehelferinnen in Pschologie unterrichtet, wo auch Sterbeseminare enthalten waren.

Melitta Breznik von der ich schon „Figuren“ gelesen habe, tut das sehr knapp in vierzig Kapitel mit einem Vor- und einem Nachwort, die oft mit dem Wort „Mutter“ beginnen. Im Oktober ruft die an, sagt, es geht ihr nicht gut, sie ist vor kurzem in eine seniorengerechte Wohnung gezogen, Melitta Breznik recherchiert gerade an einem Buch, hat ein freies Jahr will sich aber um eine Stelle in der Psychiatrie in der Schweiz, wo sie lebt, bewerben, so ruft sie den Bruder an, der in der Nähe der Mutter lebt, weil sie aus Erfahrung weiß, daß es der Mutter nach Anfällen oft schnell wieder besser geht.

Diesmal aber nicht, der Bauch ist geschwollen, dieMutter erbricht, kann nichts mehr essen, ein Krebs wird diagnostiziert.Bei meiner Mutter war das, als ich zu Oster 1991 von einer Japanreise zurückgekommen bin, ebenso.

Bei Melttta Brezniks Mutter dauert das Sterben länger, die Tochter übernimmt die Pflege. Die Mutter verlangt das auch von ihr, will niemanden anderen, als sie für die Körperpflege haben, Melitta Breznik fühlt sich oft überfordert dabei, berät sich mit befreundeten Ärzten ist erstaunt, daß die Mutter zu den Kirchenglocken, die zu hören sind, das „Vater unser“ betet, sie ist im Alter wieder zur Religiositöt zurückgekommen, bei meiner Nutter war das ebenso.

Der junge Pfarrer besucht die Mutter, läßt für sie extra die Kirchenglocken läuten, Weihnachten naht allmählich, Melitta Breznik ist es jedoch gelungen, eine Pflegehelferin zur Unterstüzung zu engagieren. Sie geht in ihre Kindheit zurück, denkt an den trinkenden Vater von dem sich die Mutter scheiden ließ, einen Selbstmordversuch gab es auch und als Melitta Breznik noch zu Schule ging, hat die Mutter sie zur Abtreibung gezwungen.

Jetzt wäre das Kind schon erwachsen, Melitta Breznik hat keine Kinder, ihr Bruder, der sie bei der Pflege unterstützt, glaube ich, schon, die Haushaltshilfe kommt und verabschiedet sich von der Mutter und einer der letzten Sätze laute „Aufgewacht um halb vier am 1. Dezember – Mutter ist fortgereist für immer.“

Ein sehr eindrückliches Buch, das helfen kann mit den eigenen Schmerzerfahrungen fertig zu werden, aber auch anderen sich mit dem Tod auseinanderzusetzen, ob es der Mutter wirklich recht wäre, daß andere Leute über ihre Intimitäten lesen, darüber läßt sich diskutieren und auch über die Frage, wieviel man bei solchen Bücher verfremden muß und ob das, was dann herausskommt, noch authentisch sein kann.

Auch darüber, ob es ein Roman ist, wie es natürlich bezeichnet wird, „Chronik deines Abschiedes“ der Untertitel passt natürlich besser. Ich würde es wieder als Memoir bezeichnen und auf der Orf oder Ö1- Bestenliste ist es im Frühjahr, glaube ich, auch gestanden. Auf die Shortlist des Öst ist nicht gekommen und jetzt geht es wieder zurück nach Deutschland, aber da, glaube ich, auch um das Abschiednehmen, bevor es mit der Öst weiter geht, wo der Preis ja am neunten November, meinem siebenundsechzigsten Geburtstag, verliehen wird.

2020-10-26

1000 Serpentinen Angst

Buch siebzehn des dBp und eines der drei Debuts und wow, was für ein Buch könnte ich ich schreiben, das Erstlingswerk der 1985 in Weimar geboren Olivia Wenzel, die in Ostldeutschland von einer weißen Mutter aufgezogen wurde und einen sambischen Vater hat.

So ein Buch hat es schon von Jackie Thomae hat es schon im Vorjahr auf die Shortlist gebracht und als ich die Besprchung bei „Papierstau“ hörte, wo ich noch lange nicht so weit mit dem Lesen war, dachte ich, das ist ein sehr ähnliches Buch und habe mich wieder einmal sehr geirrt.

Ist es nicht, es ist ein beachtliches Erstlingwertk einer jungen Frau mit einem sehr sehr ungewöhnlichen frischen frechen oder auch was immer Stil, das viele Themen anschneidet und absolut noch nichts von einer Struktur und einem Plot etwas gehört zu haben scheint. Ich würde es auch nicht Roman nennen, sondern wahrscheinlich wieder Memoir, greift es wahrscheinlich ja viele Themen und biografische Punkte seiner Autorin auf und hat einen rassanten ersten Satz, wo ich noch mit dem Thomae Vorurteil behaftet schon einmal „Wow!“ dachte „Mein Herz ist ein Automat aus Blech“, lautet der nämlich. Dann geht es nach New York und zur TrumpWahl, von der man ja jetzt in zweiter Runde wieder sehr viel hört. Dann zurück nach Berlin, ist teilweise, wie ein Seitenkatalog oder ein Fragenbogen gestaltet, dann hat es wieder Fließtextanteile und kurze knappe abschnitte und sehr viel Englisch und, das ist auch sehr interessant, es hat dem gestrengen Kritiker vom Literaturcafe wegen seiner Ungewöhnlichkeit gefallen und ich, die ich ja schon ein wenig älter und auch konventioneller bin, ein wenig verwirrt. Das Buch wird aber sicher einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen, obwohl ich es eher schnell und flüchtig gelesen habe, maches überflog und mich dann wieder bei anderen Rezensenten und Vloggern nach ihren Eindruck erkundigte.

Die Autobiografie aber bleibt und ist wahrscheinlich prägend, da ist die Protagonistin, ich glaube, sie hat keinen Namen, aber einen Zwillingsbruder, der sich umbrachte, einen Vater aus Angola, der bald wieder in seine Heimat verschwand, aber zum Geburtstag mailt, eine SED- getreue Großmutter, als es die noch gab, die die Enkeltochter liebevoll „Schokokrümelchen“ nannte, eine Mutter, die Punkerin war und jetzt reist diese, ich glaube, Dreißigjährige, die auch als Lehrerin in Neukölln arbeitet, nach New York und dann wieder nach Berlin zurück. Sieht am Flughafen einen Mann, der sich vielleicht einen Sprengstoffgürtel überschnall und geht zur Security, als sie zurückkommt spielt er mit drei Kindern und man denkt „Wow!“, es gibt Kim, die vietnamnesische Freundin, die auch von ihren Rassismuserfahrungen erzählt.

Richtig, es ist ein Buch über Rassismus und über die Mikro- oder Makroaggressionserfahrungen dieser Welt, die die jungen Leute von heute wahrscheinlich stärker oder ganz anders, als ihre Großümütter erleben.

Im letzten Teil ist die Protagonistin, dann schwanger und reist nach Vietnam, vorher hat sie, weil an Angst- und Panikstörungen leidend, einige Therapien durchgemacht, ein Freund, der Psychoanaltiker ist, hat sie dazu gezwungen, sie erwischt aber wieder einige falsche, nämlich auch rassistische, die sie und ihr Problem nicht verstehen. Mit den Psychopharmaka ist es ähnlich.

Das Automatenbild kommt immer wieder vor und andere verschiedene Rassismuserfahrungen und immer wieder diese Fragebögen oft in Groß- und Fettschrift geschrieben, die von manchen Rezensenten als rapartig interpretiert wurden.

Interessant, interessant, würde ich sagen, auf die Shortlist ist es nicht gekommen, obwohl es mir wahrscheinlich besser als Jackie Thomaes „Brüder“ gefallen hat. Auf meine würde ich es aber wahrscheinlich auch nicht tun. Jetzt bin ich wieder gespannt, was ich noch alles von der Autorin hören oder lesen werde und natürlich auf das dritte Debut, Deniz Ohdes „Streulicht“, das auf der Shortlist war, sowie den „Aspekte-Preis“ bekommen hat, für den, Olivia Wenzel, glaube ich, auch nominiert war und das, als Nächstes auf meiner Leseliste steht und natürlich bin ich auch gespannt, ob das Buch für die Bloggerdebutshortlist auserwählt wurde, denn dann hätte ich es schon gelesen.

2020-10-23

Herzklappen von Johnson & Johnson

Mit Buch sechzehn des dBps geht es wieder nach Österreich und zum dritten Roman der 1989 in Graz geborenen Valerie Fritsch deren literarischen Aufstieg von der ersten „Textvorstellungen-Lesung“ in der „Alten Schmiede“ bis zur „Bachmannpreis-Lesung“ 2015, ich hautnah verfolgte. Von Anfang an von der sprachgewaltigen Doppelbegabung der Autorin und Fotografin, wie ich in einer Rezension hörte, begeistert war, „Winters Garten“ dann zu aufgesetzt, fast kitschig empfand und von ihren neuen Romanbei den O-Tönen hörte.

Davon sehr begeistert war, dachte, er würde mir besser gefallen und jetzt wieder etwas ratlos überblieb oder in den begeisterten Rezensionen las und mich fragte, ist es nun ktischig oder nicht und kann man einen Familienroman über transgenerationale Traumata, wie es Valerie Fritsch, glaube ich, in ihren Buchpreisskurzportrait nennt, so erzählen?

Man kann natürlich. Aber mich befriedigt es, glaube ich, nicht und wenn ich es mit den beiden anderen Büchern, die ich kürzlich über dieses Thema nämlich Eva Sichelschmidts „Bis wieder einer weint“ und Stefanie Greggs „Nebelkinder“ vergleiche, kann ich nur sagen, daß dieser Roman, der die Rezensenten sehr begeisterte, in Österreich wurde das Buch zum Ö1-Buch des Monats, daß es auf die Longlist kam, habe ich, wie auch bei „Winters Garten“ erwartet, sehr ungewöhnlich ist und jetzt, denke ich, ich habe mich durch ein wahres Sprachrauschbuch gelesen.

Valerie Fritsch hat eine wirklich sehr ungewöhnliche, eigene Sprache, wie es auch Marlene Streeruwitz hat und die man wahrscheinlich gleich erkennt. Man kann fast jeden Satz anstreichen.

Da gibt es „Die müden Marionetten mit einem schwarzen Fleck auf dem Herzen“, „Das Weiß des Stoffes das auf dem Weg leuchtet“, „Die Mutter der in dunklen Nächten der Mond zu Kopf steigt“ und und und.

Eine Handlung gibt es natürlich auch und die wird von Valerie Fritsch durchaus kunstvoll vollzogen und wenn ich das Buch mit der Sprachkunst der Andrea Winkler vergleiche, kann ich nur sagen, es gibt eine Handlung, denn es wird hier ja von Schuld und Sühne, von den Kriegopas, die in den weiten Russlands, mit der Heimaterde in der Tasche, mehr oder weniger zu Mördern wurden und mit dieser Schuld leben müßen und auch, um die Frage, wie es den Nebelkindern, den Töchtern und Enkeltöchtern damit geht?

Alma, die mondsüchtige, ist die Enkeltochter. Von Beruf Zeichnerin, heiratet spät Friedrich, bekommt von ihm Emil, das schmerzunfähige Kind, das, wie Superman allen Kinder voranstürmt, sich dabei an Herdplatten verbrennt, sich die Hand durchsticht, Dauerpatient in den Kliniken wird und der Mutter große Sorgen bereitet, während die Großmutter von ihrem Schmerz erzählt und der Großvater, der die titelgebenden Herzklappen trägt, die aber sonst irgendwie untergeht, irgendwann stirbt. Die Großmutter erschießt sich ein paar Tage später. Alma und Friedrich stehen vor der Beerdigung und dann möchte Alma mit ihrer Familie nach Kasachistan reisen, um die Orte zu erleben, wo der Großvater Wehrmachtsoldat war.

Eine originelle Handlung könnte man sagen und dann noch noch in dieser wortgewaltigen Sprache. Die Rezensenten sind begeistert. Auf die Shortlist ist das Buch trotzdem nicht gekommen. Beim Öst nicht einmal auf die Lange und ich bleibe ein wenig ratlos zurück, würde sich die Realistin in mir, da doch mehr an die „Nebelkinder“ halten, obwohl dieses Buch ganz sicher nicht so literarisch anspruchsvoll ist.

2020-10-13

Die Unschärfe der Welt

Filed under: Bücher,Buchpreisbloggen,Uncategorized — jancak @ 00:47
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Buch dreizehn des dBps, der vierte Roman der 1977 geborenen Iris Wolff die 2018 mit „So tun als ob es regnet“ für mich überraschend den „Alpha“ gewonnen hatm istsehr interessant, hat ihn sich doch Malte Bremer der gestrenge Kritiker des Literaturcafes sich wegen seines geheimnisvollen nicht zu viel preisgebenden Beginn auf die Shortlist gestellt, während „Papierstau“, eine Dreiergruppe, die alle Bücher gelesen und besprochen haben, meinte, es wäre alles vorausichtbar und hätte deshalb nicht beeindruckt.

Interessant, interessant, wie war und wieder viel gelernt von der Literatur und vom Literaturbetrieb. Daß Iris Wolff aus Rumänien stammt, habe ich, muß ich gestehen, damals nicht mitbekommen und ihr „Alpha- Büchlein“ auch noch nicht gelesen und die „Unschärfe der Welt“ ist, wie auch im Klappentext steht, eine Familiengeschichte, die über vier Generationen ein halbes oder ganzes Jahrhundert erzählt.

Das ist nicht neu, da gibt es viele Klappentexte, die so beginnen und viele Romane die über den Zerfall Rumänien geschrieben wurde, voriges Jahr habe ich in Locarno einen solchen gelesen, Herta Müller weiß davon zu erzählen, also hinein in die Geschichte, wo am Klappentext steht „Hätten Florentine und Hannes den beiden jungen Reisenden auch dann ihre Türe geöffnet, wenn sie geahnt hätten, welche Rolle der Besuch aus der DDR im Leben der Banater Familie noch spielen wird? Hätten Samuel seinen besten Freund Oz auch dann rückhaltlos beigestanden wenn er das Ausmaßß seiner Entscheidung überblickt hätte?“

Das klingt schon mal sehr geheimnisvoll. In den Rezensionen habe ich dann gefunden, daß es um eine Familie, beziehungsweise sieben Personen geht, deren Geschichte hier erzählt wird und, um auf das geheimnisvolle oder spannungsgeladene erste Kapitel, das den Schreibratgebern so gefällt, zurückzukommen.

Das beginnt, daß Florentine ihr Jind nicht verlieren will. Dann ist von einer Fahrt ins Krankenhaus und nicht gegessenen Fisch die Rede. Später erfährt man, daß Florentine, die Pfarrersfrau ihren Sohn Samuel, der spät sprechen lernt und anders als die anderen ist, geboren hat, während man den Vater Hannes nicht in das Ceauscescu-Krankenhaus läßt. Dann wird es vollends geheimnisvoll und hat sich mir bis jetzt noch nicht richtig erschlossen, denn es kommen zwei DDR- Studenten Benes und Lothar auf den Pfarrhaus, der naturgemäß sehr gastfreundlich ist und später immer wieder DDR- Studenten, was den Stasimitbarbeiter und Nachbarn veranlaßt Hannes verhören zu lasen.

Da sind wir schon einmal in der Familienstruktur oder in den Kapitel, die „Zapada“, „Echo“, etcetera heißen und man kommt von Kapitel zu Kapitel im wahrsten Sinne in eine andere Welt und kennt sich oft lange nicht aus, wer jetzt wer ist und worum es hier geht?

Hannes Mutter heißt Karline beispielsweise und die schwärmt vom letzten König, während sie Pfannkuchen macht und ihren Enkel Samuel geheimnisvolle Geschichten erzählt. Der haut zuerst ab, weil er nicht in die Schule will, später verläßt er mit seinen Freund Oswald, die Republik, obwohl er sich eigentlich in die Nachbarstochter Stina, die Tochter von jenen Parteigenossen, mit dem die Familie Karten spielt, verliebt ist.

Die Wende kommt dann auch und die beginnt mit einem noch geheimnisvollerern Kapitel, denn da habe ich nicht verstanden, wie der DDR-Student Bene und spätere Buchhändler jetzt von der Nordseeinsel nach Berlin und wieder zurückgekommen ist?

Er liebt jedenfalls Männer, trifft Samuel vor der Buchhandlung und später am Meer, aber der mag keine Männerbeziehungen und als die Mauer fällt ruft dieMutter an und sagt „Kommt zurück!“

Das tun die beiden Männer dann auch und im letzten Kapitel geht es dann um Liv oder Livia, die Tochter von Samuel und Stina, die leben jetzt in Baden-Würthenberg. Die Großeltern sind auch nach Deutschland gekommen und versterben, während die eltern im Banat verblieben und erst zur Taufe der tochter auf Besuch kam, der <parteigenoße aber nicht.

Sieben oder wieviel auch immer Erzählungen, es gibt kein Inhaltsverzeichnis, die diesen Roman erzählen, der vom Inhalt nicht so besonders neu und ungewöhnlich ist.

Die sprache ist sehr schön und sehr poetisch, ich habe mir mehrer Sätze angestrichen und Iris Wolff ist eine sprachgewandte Erzählerin, die ihr Handwerk auf jeden Fall versteht, ob die heutigen Leser auch die Geduld aufbringen, sich in soviel Geheimnis, um etwas ohnehin schon Bekanntes einzulassen, weiß ich nicht und würde es auch bezweifeln.

Mir hat das Buch jedenfalls sehr gefallen und ich würde“Schade, daß es nicht auf die Shortlist gekommen ist!“, schreiben, wenn ich das Ranking, wie ohnehin schon oft geschrieben, nicht für einen eigentlichen Unsinn halten würde, denn man kann und soll Bücher ja nicht vermessen, wie einen Bauplan, weil schon dieses Beispiel sehr schön zeigt, daß das gar nicht möglich ist, weil es jeder Leser anders beurteilt.

„So tun als ob es regnet“, sollte ich jetzt endlich lesen, ob ich angesichts meiner Bücherfülle dazukomme, ist aber auch ungewiß.

2020-10-10

Bis wieder einer weint

Buch zwölf der deutschen Longlist ist „Bis wieder einer weint“, der mir bis jetzt unbekannten Eva Sichelschmidt ist ein Familienroman, vielleicht mit autobiografischen Zügen, denn die1970 geborene und im Ruhrgebiet aufgewachsene Autorin arbeitete als Kostümbildnerin und führte ein Maßatelier, bis 2017 ihr erstes Buch erschienen ist und ihre namenlose oder vom Großvater „Es“ genannte Heldin ließ sich als Schneiderin ausbilden.

Überraschend war vielleicht der leichte Ton, der für ein Buchpreislisten-Buch manchmal vielleicht fast zu trival und zu leicht lesbar erscheint. Das Bild über das Aufwachsen in den Siebzigerjahren im Ruhrgebiet ist aber stechend scharf gezeichnet, auch wenn das Szenario ein Fabrikantenhaushalt und sein Untergang vielleicht wieder trival erscheinen könnte.

Beindrucken sind auch der Anfang und das Ende, denn wie da die Ich- Erzählerin von dem Tag berichtet, als sie mit Blumenwasser übergossen mit zehn Monaten in ihrem Laufställchen lag, während die Verwandten, um sie herum aufgeregt vom Tod der Mutter berichten und die Großmutter später erklärt, daß man sich vor dem dritten LA nicht erinnern kann, ist so spannend, wie der letzte Satz, wo Tante Hilde seufzend beim Begräbnis „Du warst wirklich ein schreckliches Kind!“, zu ihr sagt.

Heute würde man es wohl als verhaltensgestört bezeichnen und auf den frühen Tod der Mutter beziehen. Eva Sicheschmidt erzählt das erstaunlich lakonisch. Das Buch ist in zwei Teile gegliedert. Abwechselnd erfährt man vom „Es“ beim Aufwachsen bei den Großeltern. Der Großvater ist Augenarzt, die Großmutter hilft in der Ordination und führt den Haushalt. Der Vater hat den Säugling bis zur Schule in die Großelterliche Obhut gegeben, während er mit der älteren Tochter bei seiner Mutter und seiner Haushälterin lebt und, wie sich der Wilhelm und die Inga, die Augenarzttochter, die sehr jung ihren Wilhelm Fabrikantensohn und Dressurreiter kennengelernt haben.

DieHaushaltshilfe war immer da, die Großmutter Marianne wohnt im Obergeschoß. Es gab sogar einen Liiebhaber und die Ehe war nicht besonders gut. Inga spioniert ihrem Wilhelm sogar nach, ob er wirklich eine Freundin hatte, erfährt man nie. Später hatte er Lebensgefährten. Das erste Kind Asta war ein Vaterkind, der seiner Tochter alles durchgehen läßt. So will sie sich um die kleine Tochter, deren Geburt im Gegensatz zum ersten Kind problemlos erfolgt, mehr kümmern. Aber schon bald danach bricht sie auf einem gesellschaftlichen Ereignis zusammen und bekommt Nasenbluten. Leukämie wird diagnostiziert und Inga verschwindet bis zum Lebensende in einer Müncher Klinik, wo an ihr verschiedene Medikamente ausprobiert werden, die der Gatte zu bezahlen hat, da die Arztttochter nicht krankenversichert war, bis sie mit Dreißig stirbt.

Das Es erzählt nun, wie es dem Großvater die Likörpralinen klaut, weil die drei oder vierjährige keine Kinderschokolade essen will. Im Kindergarten ist sie furchtbar, prügelt sich mit anderen Kindern, der Großvater muß ihnen dann die neue Brille verpassen, zerschnippselt Kleider, so daß sie fortan zu Hause bleiben darf und die Großmutter sie während ihren Ordinationsdiensten vor den Fernseher setzt.

Als sie sechs ist, holt sie der Vater versprochenenweise ab und bringt sie in sein Herrschaftshaus zu der verzogenen Schwester, was zuerst auch eine Katastrophe ist, weil sie mit Vater und Schwester nicht verwurzelt ist. Der Vater benimmt sich ambivalent, überhäuft sie einerseits mit Geld und sie, die immer Schwierigkeiten mit anderen Kindern hatt, versucht sich ihre Liebe zu erkaufen, indem sie ihre riesige Schultüte vor ihnen ausleert oder allen beim Schulausflug mit den zugesteckten fünfzig Mark ein Eis kaufen will.

Die verständisvolle Lehrerin verhindert das, sie istauch in der Schule schlecht, ist Legasthenikerin, wird im Gmnasium verprügelt und erholt sich erst in der Realschule wieder, was in dem Dorf, wo der Vater residiert aber auch eine Schande ist.

Ja, die sozialen Unterschiede werden von Eva Sichelschmidt scharf heraufgearbeitet, als der Bankrott des Vater, der bald zu trinken beginnt, Herz- und andere Medikamente nimmt, später in der Pschiatrie landet, vorerst aber die demente Mutter von philippinischen Pfleger versorgen lassen muß. Asta ist politisch links und streitet mit dem Vater. Sie soll mit der Schwester zu der sie dann doch findet mit Sechzehn nach England fahren, aber da sind die Großeltern, die sie in Schwarzwald zwingen. Da benimmt sie sich wieder unmöglich und köstlich ist auch die folgende Szene, wo sie anschließend mit dem Vater und dessen Freund Uwe an die Nordsee fährt. Ihr Freund Christian ist auch dabei, der bringt sie zu einem Grillabend einer Tante, deren Mann Kinderpyschologe ist. Der fragt sie in aller Öffentlichkeit nach ihren Traumen aus, wie lange, die Schwester im Bett des Vaters geschlafen hat und, daß sie den Vater bebobachtete, wie der Vater von Uwe geküßt wurde. Der schlägt sie dann zusammen, so daß sie mit Sechzehn vorüber gehend wieder zu ihren Großeltern fährt, mit denen sie sich ja auch verstritten hat und dann sind wir schon wieder zehn oder fünfzehn Jahre später, beim Begräbnis des Vaters, wo die Schwestern mit ihren Männern und Kindern in der ersten Reihe sitzen, die junge Pastorin eine beeindruckende Predigt „Und hätte der Liebe nicht“, hält und Tante Hilde dannmit den schon erwähnten letzten Satz kondoliert.

Auch ein Buch das mir sehr gefallen hat und mich wieder eine mir bisher unbekannte Autorin kennenlernen ließ. So kann man Famiiengeschichten auch erzählen.

jetzt bin ich auf Valerie Fritschs „Herzklappen“ gespannt und ein bißchen wenn auch viel weniger spekulär erinnernt das buch auch an Arno Camenischs „Goldene Jahre“.

2020-10-04

Goldene Jahre

Filed under: Bücher,Buchpreisbloggen — jancak @ 00:30
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Jetzt gehts schon zu Buch elf der deutschen Longliste, die hundert Seiten lange Erzählung, Roman würde ich es wieder nicht wenden, des 1978 in Graubünden geborenen Arno Camenisch, der auf Deutsch und in Rätoromanisch schreibt,die bei „Engeler“ erschienen ist und die mir wieder, ähnlich wie die „Mission Pflaumenbaum“ gut gefallen hat.

Denn irgendwie sind sich die Bücher ähnlich, um Vergleich zu ziehen, damit meine Leser nicht glauben, daß ich die Bücher nicht gelesen habe, über die ichschreibe, bei beiden ist das kleine Stille gleich.

Wonneberger hat mehr Handlung und wahrscheinlich die größere Vergangenheit, geht es da ja um einen Kiosk, der in dem Graubündner Dorf steht, in der der kleine Arno Camenisch in die Schule gegangen ist und sich wohl auch hie und da die „Zückerli“ aus dem Glas fischte oder sich seine Fußballpickerln kaufte.

Der Kisok, den es seit 1969 gibt und der durch seine Leuchtreklame über das ganze Tal leuchtet wird von Rosa-Maria und Margrit, zwei Schwestern glaube ich, obwohl das nicht so genau beschrieben wird, beide um die siebzig, betrieben wird und die stehen am Morgen auf, fahren mit ihrem Trolley zur Post holen dort beim „liebesblöden“ Otto die Zeitungen ab, räumen sie in ihren Kiosk, wischen die Zapfsäule ab und sitzen dann wohl auf dem Bänkli und resumieren über ihr Leben und das, was sie, die beiden Frauen in dem wahrscheinlich recht wohlhabenden Schweizer Dorf in den letzten fünzig Jahren so erlebt haben.

Und das ist es, was mir gefällt und was mich wieder, wahrscheinlich ein wenig unreflektiert und nicht so ganz und klar literaturwissenschaftlich, habe ich es ja in der Knödelakademie bei der Frau Prof Friedl vor nun auch schon fast fünfzig Jahren so gelernt, an Adalbert Stifters „Bunte Steine“ erinnert „Nicht das Große das Kleine macht es schön!“ und so habe ich das kleine grüne Büchlein auf einen Sitz hinuntergelesen, bedauere ein wenig daß es nicht auf die Shortlist gekommen ist, obwohl mich das nicht wirklich wundert und bin wieder froh, einen mir bisher unbekannten Autor kennengelernt zu haben, der zwar auch nicht auf der Schweizer Liste steht, in meinem Gedächnis hängen geblieben ist.

2020-10-03

Male

Filed under: Bücher,Buchpreisbloggen — jancak @ 00:25
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Nach einigen anderen Neuerscheinungen komme ich nun, nachdem auch auch schon die Shortlist bekanntgegeben wurde zu Buch zehn der deutschen Longlist, dem Episodenroman „Male“ des 1983 geborenen Roman Ehrlich, den ich, glaube ich, von seiner „Bachmann-Lesung“ kenne.

Er wird als dystopischer Roman angepreist und ist, wie ich einem Interview mit dem Autor bei „Papierstau“ entnommen habe, eher eine Episodensammlung,die mit viel Witz und Ironie von einer untergegehenden Insel, die von einigen Aussteigern bewohnt wird, mit vielen Anspielungen auf die Gesellschschaft und der Literatur erzählt.

Und die eher ihnhaltslose Aneinderhäufung von verschiedenen Handlungsträngen, die eigentlich keinen rechten Zusammenhang haben, habe ich als sehr witzig gefunden und Roman Ehrlichs eher leichten Stil sehr angenehm. Ein Buch das mir also sehr gut gefallen hat, obwohl es ja nicht auf die Shortlist gekommen ist.

Es beginnt mit einem Gefesselten, der in einem Keller der ehemaligen Hauptstadt der Maldeviven, wie Roman Ehrlich immer wieder betont, untergebracht ist. Das klingt schon einmal sehr nach einer Dystopie, der Roman ist aber, glaube ich, keine wirkliche, obwohl er wahrscheinlich in der Zukunft spielt.

Die Malediven versinken im Wasser und im Müll, werden von herumpatroullierend Milizen überwacht. Es gibt ein Schiff auf dem Drogen hergestelt werden, die Droge heißt Luna und die Aussteiger der ganzen anderen Welt, haben sich in der ehemaligen Hauptstadt zusammengefunden, die ein ehemaligen Luxushotel, das „Royal Raaman Residence“ hat, einen Gasthof, den „Blauen Heinrich“, ein Fastfood Restaurant nahmes „Hühnersultan“ und ein Schwimmbad in einem ehemaligen Krankenhaus.

Das nun mal zu dem Sezenario. Elmar Bauch der, wie es immer wieder heißt „verzweifelte Vater der verschwundenen Schauspielerin Mona Bauch“, ist auf die Insel gekommen, um man seiner Tochter zu suchen. Es gibt auch immer wieder erwähnt, die amerikanische Literaturwissenschaftlerin Frances Ford und den ebenfalls verschwundenen Lyriker Judy Frank, der offenbar gemeinsam mit der Schauspielerin verschwunden ist.

Ja, Roman Ehrlich scheint es auch mit den Namen zu haben. Es gibt, wohl um die Internationalität zu unterstreichen neben den klingenden auch viele schwer zu merkende wie Maliko Barbari. Es gibt aber auch eine Valeria Lenin und einen Professor, der so wie die Gräftin in Raphaela Edelbauers „Flüsssiges Land“, an das mich „Male“ ein wenig erinnert hat, der die Ausstiegerriege sozusagen regiert. Der lebt mit Bücher und einer verfaulenden Katze in einem Zimmer über dem „Blauen Heinrich“ und der verzweifelte Vater der später auch einen unfall hat, so daß er auf einer Krüke gehen muß, muß zu ihm in Audienz.

Die Müllentsorgung wird thematisiert und es gibt auch immer wieder Anspielungen an das Schreiben oder an die Literatur. So beschäftigt sich die amerikanische Literaturwissenschaftlerin mit der „Österreichischen Literatur des einundzwanzigsten Jahrhunderts“ und es steht auch geschrieben „Im Lichte ihrer Forschung und in Anbetracht der überall auf dieser Insel, an den Wänden im Blauen Heinrich und selbst noch auf der Haut der Ausgestiegenen ausgestellten Symbole, der Mondanbetung und des Blümchenfetisch, erscheint ihr alles hier wie eine Re-Inszenierung x-ter Ordnung (Romanticismus to the nth degree), denkt Ford in ihrer Muttersprache und fragt sich, ob das nicht irgendann ein Albumtitel gewesen ist), als die- wie immer- kritiklose Übernahme des ganzen ideologischen Gerümpels von Novalis, Byron, Puschkin, über die sozialistischen Arbeiterpoeten der DDR, bis hin zu den Kornblumen an den Revers der rechtsnationalen Nationaldichter und Politiker der Nachwende- und Nachjahrundertswendezeit, der volle Schwumms dieser Totalüberladung, hier nochmals eingeführt aus der tiefen Sehnsucht danach, eine Heimat aus tiefempfundener Verbundenheit auch andersort installieren zu können und also nicht gefesselt zu sein an die eigene Herkunft und am Herkunftsort herrschenden Verhältnissen, den Mindset, die Trägheit, die Verblödung, die Angst und das Feindselige der anderen, von diesen Herkunftgsort Hervorgebrachten“.

Das nur zum Stil von Roman Ehrlich, was man glaube ich, an diesem Endlossatz hervorragend demonstrieren kann, obwohl ich eigentlich nur die literarische Anspielung zitieren wollte.

Es gibt auch einen beleibten Schriftsteller, der einige Inseltypen zum Essen in den „Hühnersultan“ ein und sich von ihnen Geschichten erzählen läßt, um Inspirationen für seine Romane zu bekommen.

Ein interessantes Buch und eine Abwechslung zu den vielleicht allzu hochgestochenen anderen Buchpreisnominierungen, das ich, wie schon erwähnt, sehr amüsant und spannend gefunden habe, weil es mich zumindestens ein bißchen an meinen eigenen Schreibstil erinnert hat.

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