Literaturgefluester

2021-11-06

Lachen und Sterben

Buch fünf des öst Bps ist wieder eine Essay- oder Textsortensammlung, ja das ist beim österreichischen Buchpreis möglich, zumindest ist Franz Schuh 2017 schon mit seinem „Fortuna.Aus dem Magazin des Glücks“ auf der Longlist ,gestanden und ich habe als ich 2005 bei dem Literaturwettbewerb in der Pannaschgasse einen „Thalia Gutschein“ gewonnen habe, mir sein „Schwere Vorwürfe, schmutzige Wäsche“ ausgesucht, das ich zugegeben, nicht verstanden habe. Denn der 1947 Geborene, der Philosophie, Geschichte und Germanistik studierte, ist in seinem Denken sehr theoretisch und springt in seinen Essays leider vom hundertsten ins tausendsten, was es mir, die ich ja immer die Struktur und den Inhalt suche, sehr schwer macht.

Dabei kenne ich ihn schon sehr lange und von seiner literarischen Seite, war der doch vor meiner Zeit 1976-1980 Generalsekretär der GAV, hat da „Wespennest“ mitbegründet und ich habe ihn auch bei den verschiedenen Vorträgen gehört. In „Ex Libris“ hatte er eine Kolumnse und jetzt ein Buch über „Lachen und Sterben“ geschrieben.

Zuerst habe ich, als ich die Liste gesehen habe, „Uje!“, gedacht, dann, als ich im Auszug aus dem Leseprobenbüchlein, das Wort „Corona“ und „Risikopatient“ gelesen habe, gedacht, das ist vielleicht ein Corona-Buch dann könnte man es ja auch für ein Buch passend zu Allerseelen halten.

Als ich aber, um mich auf meine Besprechung vorzubereiten, bei „Wikipedia“ nachgesehen habe, habe ich den Satz „Seit 2020 verbringt Franz Schuh krankheitsbedingt viel Zeit in Krankenhäusern als „Pflegefall“, sehr interessant gefunden, und das Buch von dem ich bis dahin ein Viertel gelesen hatte, besser verstanden, denn es beginnt mit dem Gedicht:

„In diesem Winter und in dem Winter davor habe ich kein einziges Mal meinen Wintermantel getragen. /Das war vielleicht ein Glück! Denn ich bin wieder einmal dicker geworden, dicker, als ich damals war, in dem Jahr, in dem ich den Mantel kaufte. /Vielleicht hätte er mir nicht mehr gepasst, obwohl ich jeden Mantel größer kaufe, als gerade angemessen wäre. „In weiser Voraussicht“, wie man sagt./ Die Frage ist in diesem Frühling ohnedies überholt. Es kursiert die Nachricht, dass manche leute zur „Risikogruppe“ gehören. Die muss man entweder schützen oder ihrem Schicksal überlassen.“

Und da war ich schon mal hingerissen und dann kam die Anekdote vom „Tod in Wien“ wo aus einem Auto, das eine Leiche vom Krankenhaus auf den Friedhof bringen soll, hinausgefallen ist und dann noch ein Gedicht, das vom Tod handelt und die Erklärung, daß es schon vor Corona geschrieben wurde. Dann kommen Essays, die vom Wiener Schmäh, von Canetti und Karl Kraus handeln, den Schuh für sein größtes Idol hält, dann geht es zu Sebastian Kurz, das Buch ist im Frühling erschienen, enthält also nicht die letzten Ereignisse, zu Wolfgang Schüßel, also wieder vom Hundersten zum Tausendsten und ich dachte wieder, wie soll ich das zusammenfassen, habe nachgegoogelt und bin auf ein Gespräch zwischen Armin Thurnher und Franz Schuh im „Kreisky-Forum“ gekommen, wo er über die Entstehung des Buches erzählte, das offenbar im Krankenhaus oder danach entstanden ist und wo er sich ähnlich oder auch ganz anders, als Peter Paul Wiplinger mit seiner Krankheit und sich in dem Gespräch auch darüber lustig machte, daß man jetzt, wenn man genesen ist, sogar in ein Restaurant darf, während Nietzsche etwas anderes darunter verstanden hat.

Es gibt die Fragmente der Eitelkeit und die der Einsamkeit und in diesen kommt Franz Schuh zur Eigenverantwortlichkeit, wobei er sowohl den Philosophhen Max Stirner als auch die Philosophin Liz Hirn zitiert und mitten im Corona-Thema ist. Er zitiert den Unterschied zwischen allein und einsam und weist darauf hin, daß man allein geboren wird und auch alleine stirbt.Und dann gibt es noch aus der Stifterschen Erzählung den „Hagestolz“, als Paradetypus für den einsamen Mann.

Es gibt ein Gedicht, das sich mit dem „Tod des Vaters“ beschäftigt und den Versuch über den Radioliebling Heinz Conrad, dessen Radiosendung sich bei Franz Schuh sehr eingeprägt hat.

Ein zweites Idol scheint Franz Schuh in dem 1986 verstorbenen Schauspieler und Kabarettisten Helmut Qualtinger zu haben, der mit Carl März den „Herrn Karl“ geschrieben hat, diesem österreichischen Typen ist auch ein ausführliches Kapitel gewidmet. Qualtinger den Schuh für sehr österreichisch hält, hat aber auch „Mein Kampf“ vorgetragen, „Der Papa wird schon richten“. gesungen und hat glaube ich. als Schauspieler in einen Krimi gespielt, den ich einmal gesehen habe. Er war darüber hinaus noch, glaube ich, ein begnadeter Stimmenimitator, der manche Poltiiker, wie ich gehört habe, sehr verwirrte.

Franz Schuh kommt indessen zur Schauspielkunst und meint, daß auch der Autor oder Philosoph in der Verwandlung zur Kunst kommt. Das soll auch Friederike Mayröcker so gesagt haben. Sie hat einen Einfall, dann transformiert sie ihn und so wird Kunst daraus.

Jetzt habe ich das Kapitel über den Kabarettisten Lukas Resetarits, der im gleichen Jahr, wie Schuh geboren ist und mit fünf Jahren vom burgendländischen Ort Stinaz, wo kroatisch gesprochen wurde, nach Wien Favoriten gekommen ist, vergessen und Der Arzt Georg Ringswandl, der aus diesem Beruf ausgestiegen ist, um Kabarettist zu werden, wird auch erwähnt.

Der Tod kommt, wie schon der Titel sagt immer wieder vor und auch das Lachen, der Witz, der Humor und die politische oder unpolitische Korrectnessen, wird nach dem Schmäh noch in einem eigenen Kapitel erwähnt und das Thema Corona scheint den Intensivpatienten auch sehr beschäftigt zu haben, obwohl er da wahrscheinlich nicht so kritisch, wie ich ist, setzt er sich, manchmal auch sehr humorvoll, damit auseinander und am Schluß gibt es noch ein Drama das bezeichnenderweise „Todesengel“ heißt. Lesetheater wird es genannt und setzt sich sowohl mit der Covid-Situation als auch mit den „Todesengeln von Lainz“ in den Achtizgern auseinander, wo damals, die Stationsgehilfen wie sie damals noch hießen und über die Pflegehelfer heute politsch korrekter zu Pfegeassistenten wurden, ihre Überforderung in „Mundpflege“ ausdrücken und Franz Schuh hat, wie man liest, das Covidjahr 2020, das er größtenteils im Spital und in Pflelgestationen verbrachte, sehr beschäftigt und so ist das Buch eine, wie ich finde sehr gelungene Mischung zwischen persönlicher Betroffenheit und intellektuellen Spitzfindigkeiten.

Am Schluß wird noch erwähnt, daß einige Artikel, wie beispielweise, die über Heinz Conrad oder Helmut Qualtinger schon früher geschrieben und erschienen sind und ebenfalls am Schluß ist sich Fran Schuh nicht sicher, ob Freud recht hat, wenn er den Witz an das Unbewußte bindet.

Der hat ihn, glaube ich, als Abwehrmechanismus bezeichnet, mit dem ich, die ich ja nicht so viel lustig findei, am Anfang meines Studiums und vielleicht immer noch Schwierigkeiten habe, jetzt aber damit umgehen kann.

Ein interessantes Buch also, das ,das Covid und Spitalsjahr des Franz Schuh sowohl persönlich als auch höchst intellektuell beschreibt, also lesen, lesen, kann ich nur empfehlen. Schade, daß es nicht auf die Shortlist gekommen ist und was die und die restlichen noch nicht gelesenen österreichischen Buchpreisbücher betrifft, bin ich gespannt.

2021-11-04

Der versperrte Weg

Buch neunzehn des dBps ist der Roman des oder über den Bruder des 1928 geborenen GeorgeArthur Godschmidt „Der versperrte Weg“ in dem er über dessen Leben oder die Beziehung der Brüder schreibt. Am Cover des „Wallsteins-Buchs“ sind die beiden Jungen, wie aus einer alten Fotografie herausgeschnitten, zu sehen. Der Kleinere, als Jürgen-Arthur geboren, sieht mit der lockigen Pagenfrisur und dem braunen Kleid oder Hosenrock fast wie ein Mädchen aus, der 1924 geborene Ältere trägt die damals üblichen Kniehosen und das Buch ist, was das Lesen fast ein wenig schwierig machte, aus der Sicht des Bruders, was aber nicht ganz eingehalten wurde.

Der erlebt in der Reibeckchen Bürgervilla ein Trauma, als 1924 der schreiende kleine Jürgen-Arthur geboren wird. Der Vater ist Rechtsanwalt, die Mutter hoffenbar eine leidende Hausfrau. Beide evangelisch getauft und so erlebt Erich, der sich als ein glühender Deutscher fühlt und sein Vaterland liebt ,eine Verunsicherung, als er plötzlich „Judenbub“ genannt wird und vom Gymnasium ausgeschloßen wird.

Der Vater verliert offenbar seine Stelle und die Eltern eröffnen den Kndern, daß sie nach England in ein Internat sollen. Das geht schief. So kommen sie nach Italien zu einer freundlichen Dame und dann nach Frankhreich zu einer reichen Cousine der Eltern, die sie aber in ein Iternat schickt. Erich schließt sich zwanzigjährig, als die Deutschen nach Frankreich kamen, der Resistance an. Geht später, weil er sich entwurzelt fühlt und Schwierigkeiten hat, die französische Staatsbürgerschaft zu bekommen, zur Fremdenlegion. Wird Offizier und der Kontakt zu den Brüdern ist offenbar abgerissen und George Arthur Goldschmidt, der auch in Frankreich geblieben ist und viel über seine Familie geschrieben hat, eines der Bücher wurde auch in der „Gesellschaft“ bei der „Leseauslese“ vorgestellt, schreibt im Nachwort, daß er zu der Idee des Buches kam, als er danach gefragt wurde, wieso der Bruder in seinen Autobiografien bisher nicht vorgekommen ist.

2021-10-16

Die Nibelungen

Buch dreizehn des dBps ist das dritte, das sich auf moderne Art und Weise mit historischen Stoffen beschäftigt und diese mehr oder weniger neu deutet, beziehungsweise umschreibt und dieses ist von der 1960 in Hameln geborenen „Büchner-Preisträgerin“ Felizitas Hoppe, die ich 1996 in Klagenfurt kennengelernt habe, als sie dort glaube ich aus dem „Picknick der Friseure“ gelesen und auch gewonnen hat und es ist wahrscheinlich auch das vierte experimentelle aus der Reihe, auch wenn es nach außen konventioneller als die anderen wirkt und, daß Felizitas Hoppe eine eher schwer zu verstehende oder schwer lesbare Autorin ist, habe ich spätestens beim „Picknick der Friseure“ bemerkt und sie ist auch originell, so hat sie, glaube ich, auch ein Buch mit dem Titel „Hoppe“ geschrieben und sie kommt in dem vorliegenden im Abspann auch als „Zeugin und Drehbuchautorin“ ,bzw. als Erzählerin vor und das Nibelungenlied, das große deutsche Epos, kennen wir wohl alle. Ich habe es beispielsweise als Hauptschülerin, als deutsche Heldensage gelesen und war schwer begeistert.

Später als Studentin bin ich öfter zu den Wagner-Opern gegangen und habe den Stoff ansonsten wieder vergessen und das ist wahrscheinlich das Problem an dem Buch, das man sich, wenn man die Heldensage nicht gut kennt, wahrscheinlich sehr schwer zu verstehen und mitzubekommen und, wie beim Franzobel würde ich fast sagen, daß es wahrscheinlich besser ist, die Sage zu lesen, als Felizitas Hoppes Neudeutung, die sehr kompliziert ist und sehr künstlerisch, das gebe ich schon zu.

„Ein deutscher Stummfilm “ seht am Cover und da gab es ja einen Stummfilm von Fritz Lang und in der Stadt Worms gibt es offenbar „iNbelungenfestspiele“ und das Buch tarnt sich auch als eine solche Aufführung und die Erzählerin Felizitas Hoppe, wo mir lange nicht klar war, wer da spricht, führt in einigen Teilen durch die Aufführung, die der „Rhein“, die „Donau „und dann immer wieder „Pause“ heißen, wo die Darsteller interviewt werden und so erzählt Felizitas Hoppe, die Geschichte neu, führt einen Laiendarsteller ein, der den Tod spielt und auf einem Boot herumrudert, eine Dreizehn gibt es auch, die Brüder Günther, Gernot und Giselher treten in Kellnerkostümen auf. Krimihild wird „deutsche Superwitwe“ genannt und in Wien, wo es die Hochzeit mit Etzel gibt, gibt es eine Tortenschlacht, die offenbar auch in dem Stummfilm vorkommt.

Sehr gelehrig mit sicherlich vielen Anspielungen, so heißt die Regisseurin, glaube ich, auch so, wie jemand aus dem Film, durch die Sage gezogen und ich denke wieder ,vielleicht besser die Sage lesen als Felitzas Hoppes Neudeutung, was für sie sicherlich sehr spannend war.

Aber eigentlich will ich mich mit diesen Stoff, der ja auch in der Nazizeit sehr gebraucht oder mißbraucht wurde, nicht sonderlich beschäftigen, denn die Geschichte ist ja sehr blutrünstig. Am Ende sind alle tot. Aber, wie geschrieben, als Zwölfjährige hat mich die Geschichte sehr begeistert, jetzt weniger und so wird auch Feliztas Hoppes Neudeutung nicht auf meine Sortlist kommen, wie sie auch auf der Richtigen nicht steht.

2021-10-10

Vater und ich

Nach Vati“ kommt gleich das zweite Vater-Buch der heurigen Longlist, es ist zwölfte das ich jetzt schon gelesen habe und das zweite ,der 1972 in schwäbisch Gmünd geborenen Tochter einer türkischen Familie, das ich gelesen habe, das zweite aus der Longlist, das von den aufmüpfigen jungen Frauen stammt, die sich mit Diversitions- oder Migrationsthemen beschäftigt und es klingt weniger aggressiv, als Shidar Bazyars „Kameradinnen“ und es ist eigentlich kein Roman, sondern, wie ich meinen würde, eine hundert Seiten dicke Erzählung, die sich mit der Beziehung einer Tochter zu ihrem Vater beschäftigt.

Zu einem türkischen Vater, denn die scheinen sehr autoritär zu sein und dann ist es eben schwer mit ihnen zu reden, wenn man erwachsen ist, selbst wenn man inzwischen in Berlin lebt, als Journalistin im Radio arbeitet und deutsche Freunde hat.

Da ist also Ipek, die iin Berlin lebt und übers Wochenende nach Hause fährt, weil sie und ihre Freundinnen, die Mutter mit deren Freundinnen für ein paar Tage in ein Wellnessthotel geschickt haben und jetzt der Vater betreut werden muß, weil Väter nicht allein sein können.

„Das kann er schon!“, sagt die Mutter zwar. Die Tochter kommt trotzdem und wundert sich, als erstes oder stellt fest, daß der Vater sie nie vom Bahnsteig abholt, sondern immer vorm Auto auf sie wartet.

Er kommt noch zu spät, weil er noch etwas zu besorgen hatte, denn er und die Mutter wohnen in einer ehemaligen Schusterwerkstatt. Der Vater hat hinten seine Tapeziererwerkstatt. Die Mutter eine Schneiderei, hat aber <zettel aufgehängt, daß keine Kundenkommen sollen und so sitzen sich Vater und Tochter eine Weile sprachlos gegenüber. Die Tochter resümiert darüber und auch über ihr Leben als Kind einer Gastarbeiterfamilie, wie sie ihren Eltern die Häseleien der Mitschüler verschwieg. Ein Nachbarbub hat ihr beim Lernen geholfen und als das französische Austauschkind kam, hat sie sich dafür geniert, daß die Eltern nichts verstanden, wenn sie sich mit ihm auf Französisch unterhielt. Dafür hat sie in der Schule behauptet kein Türkisch zu können. Das hat sie aber mit dem Vater gesprochen, mit der Mutter Deutsch.

Der Vater geht in seine Werkstatt, weil da der Hausharzt Dr. Funke kommt, um seine Polsterstühle abzuholen, denn er hat fünf Katzen, die sie ständig zerkratzen, die Mutter schimpft darüber, hält den Doktor für verhaltensgestört und schimpft über ihn, wie auch über ihren Mann, weil das alle türkischen Frauen tun, die ihre Männer für Schwachklöpfe halten.

Das ist interessant, sich diese Hierarchien einmal genauer anzuschauen.

Am Abend wird gegrillt, es gibt Köfte und am nächsten Tag geht der Vater einkaufen. Da muß die Tochter immer zur Haustür kommen und ihm die Einkäufe abnehmen. Eine der Freundinnen kommt und dann nähern sich Vater und Tochter über das Haarschneiden an.

Richtig, das Buch „Mehmet mein Falke“ von Yasar Kemal, das die Tochter, dem Vater einmal kaufte, weil es sie an seine Kindheit erinnerte. Der Vater ist auch einmal von zu Hause ausgerissen, weil er die Schule weiterbesuchen wollte und deshalb nach Deutschland gekommen ist, wird auch noch erwähnt. Am Schluß bringt der Vater die Tochter wieder zum Bahnhof und fragt, ob er sie am Bahnsteig begleiten soll?

„Nein!“, antwortet die, weil man alte Gewohnheiten nicht verändert soll und hat sich trotzdem dem Vater angenähert und wir haben viel über das Leben eines türkischen Gastarbeiterkindes, das es geschafft hat, aufzusteigen, gelernt und, daß es Dilek Güngör leiser als Shida Bazyar tat, habe ich sehr gut gefunden und ihren ersten Roman „Das Geheimnis meiner türkischen Großmutter“ habe ich schon vor längerer Zeit im Schrank gefunden und wurde, als ich nach unserer Ausmalaktion einige Bücher von Wien nach Harland mitgenommen habe, daran erinnert, daß ich die Autorin schon länger kenne, als ich mich erinnern kann.

2021-10-08

Die nicht sterben

Filed under: Bücher,Buchpreisbloggen — jancak @ 00:26
Tags: , , , ,

Und schon bin ich bei Buch zehn des deutschen Buchpreises und ich muß sagen, daß es wahrscheinlich, das zweite ist, das in meine Shortlist kommt. Ein interessantes Buch, der politische Vampirroman, der 1979 in Bukarest geborenen Dana Grigorcea, mit der ich einmal am Literaturschiff nach Wien gefahren bin. Ihr Debut habe ich gelesen, beim „Bachmann-Preis“ hat sie, glaube ich, gelesen. Bei der Buch-Basel habe ich sie auch getroffen und davor wahrscheinlich als die Schweiz das Gastland war in Leipzig , denn sie lebt schon lange in Zürich.

Ein politischer Vampirroman, eine interessante Idee, die Geschichte Ceaucescus mit Dracula oder Vlad dem Pfähler, der das Vorbild für Bram Stoker war zu verbinden, das Ganze ironisch zu thematisieren, obwohl ich am Schluß des Buch dem Handlungsfaden nicht ganz folgen konnte, was ich auch schon von anderen hörte.

Da ist eine junge Malerin, die Ich-Erzählerin, ich glaube, sie hat keinen Namen, die von Paris in den Ort B, kommt, wo sie als Kind immer die Ferien bei ihrer Tante Margot in einer Villa verbrachte, wo es Kronleuchter gab, obwohl, als sie ein Kind war, die Kommunisten in Rumänien herrschten. Das ist jetzt vorbei. Die Villa wurde der Familie zurückgegeben, die scheußlichen Möbel sind verschwunden und die Familie und ihre Freunde machen sich auf eine Wanderung auf. Da verunglückt eine Verwandte und bei ihrem Begräbnis wird am Familiengrab ein gepfählter Mann entdeckt, der, wie sich herausstellt, der frühere Geliebte der Erzählerin war.

Das Grab stellt sich heraus, ist auch das von Vlad des Pfählers und die Erzählerin, also eine Vorfahrin des Fürsten, der gegen die Türken kämpfte und alle, die ihm nicht in den Kram passten, pfählen, also aufspießen ließ.

Von dem gibt es ein paar Gemälde und ich kenne eine Vloggerin, die sein Bild in ihrem Studio hat und vom Dracula-Museum in Rumänien schwärmt.

In dem heruntergekommenen B. wird dieses erst nach dem Leichenfund gebaut, denn da kommen, die Journalisten und interessieren sich dafür und die Tante engagiert ein paar Securities, um das Grab zu bewachen. Die tragen dann walaischische Trachten, um die Touristen, die nun in Scharen anrücken, zu befriedigen und der Bürgermeister will, daß die Familie, die Gruft, den Touristen öffnen soll, was sie verweigert.

Dafür stellt sich die Malerin davor auf und malt die Touristen in Vlad-Manier. Später erzählt sie Geschichten über den Fürsten. Der Dracula-Park brennt ab. Es stellt sich heraus, daß der Bürgermeister in die Geschichte verwickelt war, um die Touristen in den Ort zu bringen. Dafür kommt noch sein Sohn um und die junge Malerin entpuppt sich schließlich als Vampirin, sie ist ja die Erbin der berühmten Ahnen und bringt auch noch das Fräulein Sanda, eine drollige Figur, die der Tante als Haushälterin diente, um.

Und der Titel „Die nicht sterben“ deutet, würde ich interpretieren darauf hin, daß das Böse nicht verschwindet, auch wenn der Kommunismus überwunden ist, geht es weiter und es hat auch schon vorher unvorstellbare Grausamkeiten gegeben.

2021-10-06

Es ist immer so schön mit dir

Buch neun des dBp ist das klassische Midlifekrisemännerbuch, die über ihre Liebe zu den jüngeren Frauen, ihre Sexualität und der Unzufriedenheit des Lebens schreiben und ich muß sagen, der 1962 geborene Schriftsteller und Musiker Heinz Strunk von dem ich noch nichts gelesen habe, macht das ähnlich, wie wahrscheinlich Christian Kracht, auf wirklich hervorragende Art und Weise, obwohl das, was er da beschreibt, nichts wirklich Neues ist, weil schon hundertmal gelesen und geschrieben.

Da gibt es einen sechsundvierzigjährigen Tonstudiobetreiber, dessen Musikerkarriere, wie bei vielen anderen gescheitert ist, jetzt sitzt er in seinem Ein Mann Studio und nimmt Hörbücher auf. Er hat eine Freundin Julia, die Mathematiklehrerin ist und das Buch beginnt, wenn nicht auf geniale, dann auf ungewöhnliche Art und Weise. Der Held liegt im Bett oder sitzt am Schreibtisch und denkt, während er trinkt, über seine Beziehung zu Julia und ihre Mittelmäßigkeit und schlechtes Aussehens, an Hand ihres Schnarchens auf und dann gibt es immer wieder scheinbanale Gespräche, so in etwa „Es ist immer so schön mit dir,“ obwohl die Beziehung schon lange nicht mehr stimmt.

Dann lernt er Vanessa, eine junge Schauspielerin kennen und ist von ihr begeistert, wird aber immer wieder abgestoßen, denkt oder spricht schlecht über sie. Also die ganze Ambivalenz, soll ich mich in diese Beziehung einlassen oder nicht? Er beendet aber die Beziehung zu Julia, obwohl es länger dauert, bis Vanessa ihn in ihr Zmmer bzw. Bett hineinläßt. Dann ist aber der Sex großartig und außerdem läßt sie sich von ihm alles bezahlen.

Sie ist auch sehr dünn, ißt nichts, trinkt aber viel und fährt auch dauernd zu ihrer Mutter, wo er dann natürlich Julia trifft, die dann in seinem Bett ein rotes Höschen vergißt, das Vanessa dann natürlich findet. Wieder eine der drei vier oder vielleicht noch mehr brillanten Szenen und richtig einen Mißbrauch gibt es natürlich auch.

Szene drei, ausführlich und treffend beschrieben, denn Vanessa wurde natürlich von ihrem Religionslehrer mißbraucht, was dann eh schon wissen zu ihrer Eßstörung führt.

Trotzdem kommt es nach dem Finden des Höschen zu einem Heiratsantrag, Verwandtenbesuche. Die Braut verschwindet immer wieder, der Held weint sich bei seinem Freund Frieder aus, der ihm rät, die Affaire zu beenden und am Schluß ist es aus. Er kommt in seine leere Wohnung zurück und man hat, wie schon beschrieben ein brillant geschriebenes Buch mit immer wieder treffenden Formulierungen gelesen.

Ich habe mir vieles angestrichen und auch die Blogger und Podcaster waren durchaus begeistert, obwohl man auch da meinen könnte, sie hätten das alles schon hundertmal gelesen und interessieren sich, als junge Frauen nicht so sehr über die Selbstdarstellungen der „weißen alten Männer“, um diesen Ausdruck, den ich ja nicht mag, zu gebrauchen.

Auf die Shortlist ist es nicht gekommen. Auf meiner steht es, glaube ich, auch nicht. Daß aber Heinz Strunk ein hervorragender Schreiber, einer der Vlogger nennt es sogar, unverkennbaren Stil, den man gleich erdeckt, habe ich jetzt auch entdeckt.

2021-10-05

Gentzen oder betrunken aufräumen

Buch acht der deutschen Buchpreisliste ist eines von zwei oder drei experimentellen oder unverständlichen, über das dann die Leser und die Buchhändler stöhnen, die Literaturkritiker aber entzückt davon schwärmen und ich habe von dem 1970 geborenenen und bei der FAZ als Journalist arbeitenden Dietmar Dath, der mit „Der Abschaffung der Arten“ schon 2008 auf der Shortlist gestanden ist, noch nichts gelesen, obwohl er über eine sehr umfangreiche Werkliste verfügt und offenbar ein sehr intellektueller Autor ist, zumindestens hat, glaube ich, Ilse Kilic von ihm geschwärmt und eines seiner Bücher gelesen und die ist ja dafür bekannt, daß sie keine Mainstream-Bücher liest.

„Kalkülroman“ steht auf dem Cover und das „Betrunken aufräumen“ ist, glaube ich, eine Methapher für das Denken, das vielleicht von dem 1909 in Greifswald geborenen und 1945 in Prag verstorbenen Logiker Gerhard Gentzen, der ein Pionier der Computertechnik sein dürfte, stammt und es ist wieder ein sehr dickes Buch, das auf ungefähr sechshundert Print– und zwölfhundert E-Bookseiten in hundertvierzig mehr oder weniger langen Kapitel durch die Jahrhunderte führt. Es beginnt, glaube ich, um 1728 bei David Hume und führt bis ins Jahr 2035.

Denn eine Science Ficton Schiene hat es auch. Es gibt eine Unmenge Personen und verschiedene Handlungsstränge und es ist nicht, wie man meinen könnte, eine Biografie des Mathematikers oder eine sehr individuelle. Denn einen Schriftsteller namens Dietmar Dath, der einen Roman über Gerhard Gentzen schreibt und bei der FAZ arbeitet, gibt es auch. Es gibt unzählige Motti, zwei Zeichnungen und auch einige Artikel von Dietmar Dath und von dem Mathematiker, der offenbar auch ein Nazi war und in Prag in einem Gefängnis verhungerte, gibt es auch noch eine zweite Schiene. In der er nämlich mit Lady Gaga in ein Kaffeehaus geht und ihr dort einige mathematische Prinzipen erklärt.

Ganz schön verrückt, könnte man jetzt denken und wieder ein Buch zum Drüberlesen, weil ich keine Wegschmeißerin bin. Es ist nicht das schwierigste Buch, das ich gelesen habe. Da würde ich immer noch an Arno Schmidt oder auch an das „Buch der Zahlen“ von Joshua Cohen denken, das interessanter Weise auch im gleichen Verlag erschienen ist und herhören, liebe Kritiker, Ich habe nicht alles verstanden, das aber auch nicht erwartet. Das Buch habe ich interessant gefunden. Denn jetzt weiß ich mehr über Dietmar Dath. Habe eine Ahnung, wie er schreibt und auch, daß er auch Journalist ist, weiß, daß es einen Logiker namens Gerhard Gentzen gab und würde in dieser Beziehung , das Buch mit dem von Lohre vergleichen. Vom Sprachstil nicht. Da bin ich jetzt schon auf den Thomas Kunst gespannt, weil ich mir vorstellen könnte, daß das zweite schwierige Buch ist. Beim Ferdinand Schmalz weiß ich nicht recht, ob man das in diese Schiene schmeißen könnte? Ich würde eher denken, daß es an der Bernhard Tradition anschließt, habe es aber noch nicht gelesen.

Es gibt also die Mathematikerschiene. Dann die des Schriftstellers Dath. Der Schriftsteller Clemens J.Setz, der, glaube ich, auch Mathematiker ist, kommt ebenfalls vor und Reinald Goetz und dann zwei Personen namens Jan und Laura keine Ahnung, ob es die jemals gab oder sie erfunden sind, die nach dem verschwundenen Freund einer Susan Akrofi suchen und der kommt dann in der Sciecne Ficton-Schiene wieder vor.

Es gibt also auch immer Fäden, die die einzelnen Kapitel zusammenhalten. Obwohl man während des Lesens oft das Gefühl hatte, da passt nur sehr wenig zusammen und es gibt natürlich keine spannungsgetriebene Handlung und keinen wirklichen Plot. Die Mathematik spielt aber eine Rolle und ist vielleicht der rote Faden. Denn es gibt auch eine afroamerikanische Mathematiklehrerin namens Constance Grifftiths und das Kapitel das am weitestens in die Vergangenheit zurückführt, ist dem Philosphen David Hume gewidmet und richtig, der FAZ-Chef Frank Schirrmacher kommt auch vor und viele Kapitel haben, wie schon erwähnt Mottti, über die kann man dann im breiten Anhang nachlesen und viele der Kapitel beginnen auch mit Jahreszahlen. Etwa „Am Samstag dem 28. Dezember 2019 einem schläfrigen Tag treffe ich in Frankfurt auf dem Dach eines Einkaufszentrums im Europaviertel vormittag am Restaurant einem alten Freund namens Jonas, der eigentlich Philosoph werden wollte, ein dickes Buch zu schreiben anfing, dabei als Journalist arbeitete, dann aber einen Mann und eine Frau kennenlernte, sich einen anderen Beruf besorgte, beide Menschen liebte, beiden Unrecht tat, weil er sowas in seinem neuen Beruf verheimlichen muß, und jetzt deswegen in einer undurchdringlichen privaten Tinte steckt, die erklären will,weshalb er, wie er sagt, während ich meine Waldmeisterlimo schlürfe“ mit der Doktorarbeit jetzt einfach aufhöre und mit dem religiösen Ding, der Freikirchensache auch, aber den Verlagsjob annehme.“ oder „Am Mittwoch dem 7. März 2035 einem schrecklichen Tag steht Hossein befangen und tieftraurig vor dem klinisch grünen Baldachin des Isolierzelts unter dem Rima Abadi auf ihrem Sterbelager vergeblich mit den falschen Farben in ihrem Körper kämpft“, um einen kleinen Eindruck von der Sprache zu bekommen.

Spannend, spannend könnte ich wieder schreiben und denke, das Schreiben hat dem Autor großen Spaß gemacht. Wie viele Leser sich die Mühe machen werden sich in seinen Horizont einzulesen, weiß ich nicht. Würde mal vermuten, daß es nicht allzu viele sind und weiß auch nicht ,welchen Mehrwert ich von dem Buch mitnehme, außer, daß ich jetzt weiß, daß es einen Mathematiker namens Gerhard Gentzen und noch viele andere Mathematiker gegeben hat und einen realen Einblick in das Schreiben Dietmar Daths bekommen habe und noch etwas ist interessant.

Alle zwei oder drei schwierigen Buchpreisbücher wurden, glaube ich, von Männern geschrieben, während sich die jungen Frauen mit ihrer Diversität und ihren Migrationserfahren beschäftigen und das im allgemeinen etwas lesbarer machen. Bin Jetzt also auf den Thomas Kunst gespannt. Werde mich aber bis ich dazu komme, noch mit einigen anderen Buchpreisbüchern beschäftigen.

2021-09-29

Drei Kameradinnen

Filed under: Bücher,Buchpreisbloggen — jancak @ 00:42
Tags: , , ,

Buch sieben des dBbs und das erste von fünf, das von jungen Frauen stimmt die in einer wahrscheinlich frischen Sprache das migrantische und das diverse Leben erzähen und sich dabei vielleichtvon den Midlifekrisegeschichten der mittelalten weißen Männer unterscheidet. Nein, ich mag diesen Ausdruck nicht, weil er, glaube ich nicht in die deutschsprachige Gesellschaft passt, wo es ja nicht so viele Afroamerikaner gibt. Aber alles verändert sich und so sind die Migranten- oder Flüchtlingskinder der Neunziger- oder was immer Jahre erwachsen, haben studiert und erheben ihre starkne manchmal etwas aggressiven Stimmen und das erste von mir in dieser Sparte gelesen Buch sind, die „Drei Kameradinnen“, der 1988 in Deutschland aus einer iranischestämmigen Familie stammende Shida Bazyar, die mit ihren Debutroman „Nachts ist es leise in Teheran“ den ersten Bloggerdebutpreis gewann.

Der neue auf der deutschen Longlist stehende Roman heißt „Drei Kameradinnen“ und ist glaube ich nach der Idee von Remarques „Drei Kameraden“ entstanden. Nur müßen die Heldinnen hier Frauen mit Migrationsgeschichten sein und das erinnert ein bißchen vielleicht an Barbi Markovics „Superheldinnen“. Ich habe von dem Buch im Frühling, glaube ich, durch das Morgenjournal erfahren, es angefragt, nicht bekommen. Jetzt habe ich es mir bei „Netgalley“ hinuntergeladen, war Anfangs vonder vielleicht etwas zu flapsig scheinenden unzuverläßigen Ich- Erzählerin etwas verwirrt und nicht sicher, ob ich das Buch auf meine Shortlist setzen möchte. Ich tue es wahrscheinlich, obwohl ich mich nur ungern als „weiße alte Frau“ bezeichnen lassen würde und habe inzwischen auch noch kein anderes auf meinem diesbezüglichen Ranking.

Also da gibt es drei junge Frauen Kashi, Saya und Hani. Man erfährt nicht genau aus welchen Ländern sie stammen und wie und wann sie in die deutsche Siedlung kamen, in der sie aufwuchsen. Hani, die angepassteste unter den drei ist vielleicht russischstämmig und am Schluß erfährt man, sie war gar nicht da und hat nicht in Deutschland, sondern in Amerika bei einer Tierschutzfirma als Sekretärin gearbeitet und dort um eine Gehaltserhöhung gebeten.

Am Beginn des buches gibt es eine Zeitungsmeldung, da gab es einen Brand und Saya M. wurde verdächtig nach einem Streit ihn gelegt zu haben nun wartet Kashi, die Erzählerin, daß sie aus dem Knast oder dem Gefängnis kommt und schreibt inzwischen alles auf. Die hat Soziologie studiert, findet aber keinen Job oder nur einen ,wo sie in der Migratenvermittlung arbeiten könnte. Deshalb ist sie wahrscheinlich auch ein wenig aggressiv undschreibt „ich verrate euch nicht alles ihr weißen Leser, denkt selber nach!“ und baut auch Finten und Fallen ein, denn es geht ja nicht mehr zu, wie im Deutschunterricht, wo die Aufsätze einen Beginn, eine Mitte und ein Ende haben müßen.

Saya ist auch aus dem Ausland angeflogen um sich bei Kashi zu treffen, weil die drei Freundinnen an der Hochzeit einer Freundin aus der Siedlung teilnehmen wollen. Saya macht Workshops für Schüler und ist noch viel aggressiver als Kashi. So erzählt sie gleich eine Geschichte die ihr im Flugzeug passierte. Denn da hat sie der Nachbar auf Englisch angesprochen. Das ist, glaube ich, einmal Sawsan Chebli passiert, die sich darüber beschwerte. Aber ich denke, das tut man wahrscheinlich in Flugzeugen und ist vielleicht keine rassistische Attake, auch daß man nicht fragen soll, wo kommst du her?, finde ich ein wenig problematisch, weil damit wird ja die Kommunikation erschwert, wenn ich das nicht fragen darf. Aber natürlich, wenn ich das hundertmal höre, nervt es mich und ich wurde auch schon mal gefragt, wie lange ich in Österreich bin? Ich würde meinen siebenundsechzig Jahre oder etwas mehr, den Rest habe ich auf Urlauben in Ausland verbracht.

Saya erzählt auch eine Geschichte, wie sie mit ihren Kopftuch tragenden Tanten, die auf Besuch gekommen sind, einkaufen war und da gleich vom Kaufhausdetektiven ins Büro gebeten wurde und einen Naziprozeß gibt es auch.

Auf diese Art und Weise dümpelt die Handlung vor sich hin. Von der Kindheit in der Siedlung wird erzählt. Saya begleitet Kashi zum Jobcenter, wo sie eben den schon erwähnten Job angeboten bekam. Die Hochzeit wird geschildert und machmal weicht die auktoriale Erzählerin auch ab und dann gehts in die Kneipe von Live der später mit Frau und Kind bei dem Brand umgekommen ist.

Ein spannendes Buch denke ich, das man lesen sollte. Es gibt viel zum Nachdenken darüber. Man erfährt wahrcheinlich auch vieles, was man noch nicht wußte, angenehm und leicht zu lesen ist es vielleicht nicht, aber sicher interessant.

2021-08-24

Die neue deutsche Buchpreisliste

Filed under: Buchpreisbloggen — jancak @ 21:47
Tags: ,

Meine Leser wissen es wahrscheinlich, ich bin inzwischen ein großer Fan des deutschen Buchpreises, den es seit 2005 gibt, wo der Buchhandel immer vor der Frankfurter Messe zwanzig Neuerscheungen von deutschprachigen Autoren auswählt, die dann auf eine Shortlist zusammenschrumpft und vor der Messeeröffnung dann den Preisträger kürt.

In den ersten Jahren ist die Liste obwohl da Arno Geiger gewonnen hat, ziemlich an mir vorbei gegangen. Ich habe da noch nicht gebloggt und nur Ö1 gehört. Dann hat mich 2008, war das, glaube ich, Christiane Zintzen von „Inadäquat“, die es beide nicht mehr gibt, darauf aufmerksam gemacht.

2009 bin ich dann dem Leseprobenheftchen nachgejabt, das in Österreich nicht zu bekommen ist.

„Buzzaldrin“ hat ist dann 2013 auf die Idee gekommen zusammen mit ein paar anderen, die Bücher zu lesen, da war ich schon angeturnt,habe mich aber noch nicht getraut die Verlage anszufragen.

2014 gabs dann das Longlistlesen und 2015 hat „Buzzaldrin“ sich mit sechs anderen zu den offiziellen Buchpreisbloggern gemacht.

„Wow, wir sind in der Jury!“, haben die dann geschrieben und ich habe „Das kann ich auch!“, gedacht und mir ausgerechnet, was mich das wohl kosten würde, wenn ich mir die Bücher kaufe. Ich habe die Verlage angeschrieben, mir ein par Bücher ausgeborgt, mir einige vom Alfred schenken lassen, habe auch in der Buchhandlung gelesen und eifrig den Bloggern kommentiert, was gar nicht alle so goutierten.

Die Buchpreisblogger haben sich dann verflüchtigt oder wurden ausgetauscht. Jetzt werden je zwanzig Bloggler, Vlogger oder Instagramer ausgewählt, die je ein Buch bekommen. Ich lese aber weiter, weil ich glaube, daß man dadurch wirklich einen guten Einblick in das gegenwärtige Literaturgeschehen bekommt. In der Jury sitzen oder saßen Literaturwissenschaftler und nur wenige Buchhändler. Das hat Petra Hartlieb vor ein paar Jahren beklagt, daß da die falschen Bücher auf der Liste stehen, wämlich die sehr anspruchsvollen, wie die vom Reinhard Jirgl, Ulrich Petzer und solche, die dieDurchschnittsleser nicht lesen und nicht kaufen. Sie wurde von ihren Kollegen sehr angegriffen. Ich glaube sie hat recht und da der Hauptverband des Buchhandels der Veranstalterist, will der ja seine Neuerscheinungen verkaufen. Aber Krimis, Chicklits und das was die Leute wirklich so lesen, steht ohnehin nicht darauf. In der letzten Zeit aber immer mehr Debuts und ich rate im Vorfeld auch immer eifrig mit was könnte darauf kommen könnte?

Das habe ich auch heuer getan, bin aber nicht auf zwanzig Vorschläge gekommen. Da hat Corona mein literarisches Wissen da ich ja zu keinen Veranstaltungen mehr gehe und nur paar Livestreams höre, doch ein wenig reduziert Aber bei einigen Bücher, die ich inzwischen gelesenhabe, habe ich mir schon gedacht, daß sie daraufstehen könnten und das wären etwa:

1.Benedikt Wells“Hardland“

2.Adolf Musch „Aberland“

3.Ulrich Woelk „Für ein Leben“

4. Georg Klein „Bruder aller Bilder“

5.Natascha Wodin „Nastjas Tränen“

und 6. Seven Regener „Glitterschnitter“, das habe ich aber noch nicht gelesen.

Das Christian Krachts „Eurotrasch“ drauf stehen könnte, darauf hat mich der „Papierstau“ gebracht, die den preis als podcast begleiten. Aber das wurde schon für den „Leipziger Buchpreis“nominiert.

Bei den Debuts habe ich nachgedacht, was wohl daraufkommen könnte?, Sharon Douda Otoo, hätte ich geschätzt oder Timon Karl Karleyta, der ja heuer beim „Bachmann-Preis“ gelesen hat. Die „Kremayr und Sheriau-Bücher“ kommen auch manchmal darauf. Da würde „Mama“ in Frage kommen.

Daß Yulia Marfutova drauf steht, hätte ich eher nicht gedacht und da die O-Töne immer eine gute Schätzung sind, hätte ich auf Ferdinand Schmalz und natürlich auf Michael Köhlmeiers „Matou“, getippt. Das ich mir fast letzte Woche kaufen lassen. Auf Monika Helfers „Vati“ vielleicht. Aber da habe ich die Lesung versäumt und die „Bagage“ habeich schon gelesen. Aber auf jeden Fall Norbert Gstreins „Zweiter Jakob“, obwohl ich ja kein so besonderer Gstein Liebling bin.

Also könnte ich schon sieben Bücher gelesen und ein paar andere bei Lesungen gehört habe, habe ich gehofft und mich wiedermal gehörig verschätzt. Aber das ist ja das Spannende an solchen Listen, daß man neue Bücher und Autoren kennenlernt und es wurden ja, wie auf der Buchpreisseite ersehe, aus197 Büchern von 125 Verlagen die zwanzig von der siebenköpfigen Jury ausgewählt, daß man da nicht alle kennen kann, ist klar.

Hurrah, hurrah, zwei schon Gelesene sind aber dabei und daß Georg Klein und Ulrich Woeks Bücher fehlen, tut mir leid und kann sie meinen Lesern wirklich nur empfehlen, also voila:

  1. 1.Von Hennig Ahrens „Mitgift“, habe ich noch nichts gehört

2.Shida Bazyar „Kameradinnen“, das Buch der ersten Preisträgerin des Bloggerdebuts habe ich vor ein paar Monaten angefragt und nicht bekommen. Vielleicht klappt es jetzt.

3.Dietmar Dath „Gentzen oder: betrunken aufräumen“ Da habe ich von dem Autor, der,, glaube ich, schon mal auf der Buchpreisliste stand, etwas gelesen.

4.Franzobel „Die Entdeckung Amerikas“, den Autor kenne ich natürlich, habe auch sein „Floß der Medusa“, das ja, glaube ich sogar auf der Shortlist stand gelesen und von dem neuen Buch auch schon auf Lesungen gehört, bei meiner Schätzung habe ich darauf vergessen. Jetzt habe ich aber den Abenteuerlesespaß vor mir, denn „Zolsnay“ hat mir schon das PDF geschickt.

5.George Arthur Goldschmith „Der versperrte Weg“, wenn ich mich nicht irre, wurde das Buch bei der letzten „Leseauslese“ empfohlen.

6.Dana Grigorca „Die nicht sterben“ mit der, in der in der Schweiz lebenden, in Rumänien Geborenen, bin ich einmal mit dem Schiff von Bratislava nach Wien gefahren, habe ihr Debut gelesen und sie auch in Basel gehört, beim „Bachmann-Preis“ hat sie glaube ich auch gelesen.

7.Norbert Gstrein „Der zweite Jakob. „Richtig geschätzt, da hat er ja schon, als er den Öst bekommen hat, ein Stückchen aus seinem neuen Buch vorlesen lassen.

8.Dilek Güngör „Vater und ich“ Wenn ich mich nicht irre habe ich von der Autorin vielleich schon etwas gehört oder sogar gelesen.

9. Monika Helfer „Vati“. Da habe ich, wie erwähnt die „Bagage“ gelesen und die Lesung bei den O- Tönen versäumt.

10.Felizitas Hoppe „Die Nibelungen“. Da habe ich die Autorin 1996 kennengelernt, als ich nach Klagenfurt zum Zuhören gefahren bin. Das „Picknick der Friseure“ habe ich gelesen und wie die autorin sehr kompliziert gefunden, jetzt bin ich gerspannt und Büchner <preisträgerin ist sidieautorin glaube ich auch

11.Peter Karoshi „Zu den Elefanten“. Buch und Autor sind mir ebenfalls unbekannt.

12.Christian Kracht „Eurotrash“. Das ist, wie erwähnt das eine von den beiden Büchern, die ich gelesen habe.

13.Gert Loschütz „Besichtigung eines Unglücks“. Das stand der Autor schon mal auf der Buchpreisliste.

15 Yulia Marfutova „Der Himmel vor hundert <jahren“, wie geschrieben, das Buch dem ich keine Chance gegeben hätte, ich wünsche aber viel Glück.

16.Sasha Marianna Salzmann „Im Menschen muß alles herrlich sein“, stand sogar schon einmal auf der Shortlist.

17. Mithu Sanyal“Identitti“. Da klingt der Titel spannend, Buch und Autorin ansonsten unbekannt, bin aber gespannt

18.Ferdinand Schmalz „Mein Lieblingstier heißt Winter“, bin gespannt. War bei dem Autor schon im MUSA und bei den O-Tönen und das Buch des „Bachmann-Preisträgers“ wird, glaube ich, überall sehr gelobt.

19.Antje Ravic Strubel „BlaueFrau“ habe von derAuton schon was gelesen und gehört und auch noch einige ungelesene Bücher in den Regalen.

20. Heinz Strunk „Es ist immerso schön mit dir“. Den Namen des Autos kenne ich. Ein paar seiner Bücher habe ich, glaube ich, von ihm gefunden. Sonst bin ich sehr gespannt.

So das wars. Die Bücher habe ich angefragt. Einige wurden mir schon zugesagt. Ich habe aber noch ein paar Neuerscheinungen auf meiner Leseliste, die davor drankommen. dann kann ich mit dem Franzobel beginnen. Bin, wie schon geschrieben, sehr gespannt und werde auch in der vierten Welle des zweiten Corona-Herbstes sehr beschäftigt sein.

2021-08-11

Das Sandkorn

Jetzt geht es zum ersten Weltkrieg, beziehungsweise in die Jahre 1914/1915 zurück oder zum deutschen Buchpreis von 2014 und meinen Buchpreisbacklistlesen, das sich noch ein bißchen ausgeht. Nämlich zu Christoph Poschenrieders „Sandkorn“, das damals auf der LL stand. Ich habe mich damals am Longlistenlesen ein bißchen beteiligt.Von dem Roman des 1964 bei Boston geborenen, in München lebenden Autor aber nicht viel mitbekommen. Dann lag es wahrscheinlich irgendwann auf dem Thalia-Abverkaufstapel und voila:

Das Buch wird als ein raffiniertes Kunstwerkt beschrieben. „Mit großer Leichtigkeit gleitet Poschenrieder durch Zeiten, Orte und Lebensansichten und zeichnet Figuren, die in ihrem Inneren ein Geheimnis bewahren!“, schreibt so Bruno Bachmann am Buchrücken und ich muß schreiben, es liest sich leicht und flüßig. Im Nachhinein denkt man vielleicht „Whats up?“ Was habe ich da gelesen und wie neu und einzigartig oder zusammenkonstruiert war das? Und hat vielleicht auch nicht alles verstanden.

Es beginnt ganz einfach. Da streut im Juni 1915, als schon der erste Weltkrieg tobt, ein Mann in Berlin Sand aus und murmelt dazu die Namen verschiedener iatlienischer Orte. Er wird natürlich verhaftet und wird dem Kommissar Treptows zugeführt,der dann in weiterer Folge ein Manuskript darüber verfaßt, das aber nicht veröffentlicht wird.

Der Mann ist ein Kunsthistoriker und heißt Jacob Tolmeyn mit „c“ und „y“ und ist Kunsthistoriker und daher hat er am preußischen historischen Instiut in Rom an der Erforschung der Bauten von Friedrich II, dem Stauferkönig geforscht, beziehungsweise dort abfotografiert und auch den Sand von dort eingesammetlt. Zu Beginn des Buches sehen wir ein Foto und zwar das Castel del Monte, das ein Arthur Haseloff 1908 fotografiert hat und in einem Nachwort fügt derAutor an, daß zwischen 1904 und 1908 das tatsächlich zwei Kunsthistoriker so taten.

Der gute Tolmeyn ist aber schwul und da gibt es eine Geschichte, daß er 1914 nach Berlin geschickt wurde, um dort das Photografieren zu erlernen. Dort wurde er von einem Niki erpresst und der ist dann ins Wasser gefallen. Der Kommissar bekommt das natürlich heraus und läßt sich von Tolmeyn, die ganze Geschichte erzählen.

Er wird also von seinem Professor mit seinem schweizer Gehilfen Beat zu allen Stellen geschickt, wo erdie Bauwerke fotografieren muß und den Samd sammelt, um den Geruch oder das Gesicht der Sandkörner zu erforschen. Warum er dann nach Berlin kommt,um sie auszusteuen habe ich, muß ich gestehen, nicht ganz verstanden. Er versucht aber auch mit Beat Imboden, der vorher bei der Schweizer Garde war, eine Beziehung anzufangenund als der Kieg begonnen hat und sie weiterforschen, Jacob hat so gute Beziehungen, daß er von der Einberufung freigestelltwurde, bekommen sie noch eine italienische Aufpasserin, eine Leticzia Trivulzio di Belguoiso, das ist eine Emanze, eine Ärztein, die sich für das Frauenrecht einsetzt, dazu und geraten da zu dritt auch in Irrungen und Verwirrrungen.

Abwechselnd wird da in den Perspektiven hin- und hergesprungen. Am Schluß erfahren wir Niko Schulze ist gar nicht ertrunken und Jacob, dersich freiwillig stellen muß, der Kommissar will das so, fällt im Krieg und ein interessantes Buch, nun ja, 2014 hat es ja viel Literatur gegeben, die sich auf den World War I bezogen und von Christoph Poschenrieder habe ich fast erstaunt gesehen, habe ich noch ein Buch, nämlich seinen Schopenhauer-Roman „Die Welt im Kopf“auf meinen Harlander Lesestapel liegen und hoffe, daß ich bald zum Llesen komme.

Nächste Seite »

Erstelle kostenlos eine Website oder ein Blog auf WordPress.com.