Literaturgefluester

2018-10-07

Bungalow

Jetzt kommt Buch neun des dBps, eines das meiner Meinung nach, leider nicht auf der Shortlist steht, nämlich der dritte Roman, der 1992 in Freiburg im Breisgau geborenen Helene Hegemann, die 2010, also achtzehnjährig einen Skandal mit ihrem ersten Roman „Axolotl Roadkill“ auslöste, den ich gelesen habe.

„Jage zwei Tiger“, 2013, erschienen, nicht mehr und jetzt bin ich, weil es auf der dBp Longlist steht, auf dieses Buch gekommen, das auf den Blogs und Vlogs sehr unterschiedlich beurteilt wird.

Die meisten sagen „Wollen wir nicht, wegen dieser Copy und Paste- Geschichte, die ich inzwischen eher differenziert betrachte und einige sind vielleicht auch mit der Mischung zwischen Dystopie und harter Sozialbeschreibung, die wahrscheinlich Helene Hegemanns Spezialität ist, überfordert und sagen „Wir wollen eine Dystopie lesen und nicht seitenlang, die Beschreibungen einer  Jugendlichen, die rotzfreche Sachen von sich gibt und provozieren will!“

Eine hat es eine Mischung zwischen Poesie und Provokation genannt und ich denke, das stimmt und ist gut ausgedrückt.

Natürlich ist das Buch überfrachtet und Helene Hegemann hat wahrscheinlich wieder einmal viel zu viel hineigepackt und überfordert damit ihre Leser.

Aber mir hat, ich wiederhole es, das Buch sehr gut gefallen und ich würde es beispielsweise sehr gerne gegen „Archipel“, wo ich das Besondere nicht herausgefunden habe, auf der Shortlist austauschen.

Was passiert in dem Buch? Schwer zu sagen, denn, weil so viel passiert, ist es für den Normalleser, der ich warhscheinlich gar nicht bin, schwer mitzubkommen.

Da ist also Charly, die nach Charlotte Rumpling von ihrer alkoholkranken Mutter, Charlotte genannt wurde. Sie ist erwachsen und sitzt nach einer Katastrophe, einem Krieg, dem Umweltzusammenbruch oder was sonst auch immer, in der nahen oder ferneren Zukunft an einem Ort, ich glaube in derKaribik und schreibt ihre Jugenderinnerungen auf.

Aber so beginnt das Buch gar nicht. Es beginnt, als Charly, glaube ich, siebzehn ist und sich im namensgebenden Bugalow ihrer Nachbarn befindet. Dort liegt sie mit dem Oberköper auf der Waschmaschine und läßt sich von Nachbarn Georg ficken. Seine Frau Maria schaut dabei zu.

Schön provokant, in Zeiten wo die sexuellen Mißbrauchsskandale geahndet werde, habe ich wohl gedacht,  in Videos gesehen, daß sich Booktuber darüber empören und war beim Weiterlesen verwirrt, weil da nicht das kam, was ich in den Vorschauen gelesen habe.

Denn da wurde in einigen Kapitel, die Beiden, Georg und Maria beschrieben und erst in Kapitel vier oder so fängt es so richtig an und kann wahrscheinlich abstoßen oder faszinieren. Nachdenken kann man darüber allemal, wenn man, ob der Verfrachtetheit dazu kommt.

Denn jetzt ist Charly zwölf und lebt mit ihrer alkoholkranken Mutter in einem Hochhaus und von dort sieht sie auf eine Bungalow- Siedlung, wo die Reichen wohnen und bekommt ihre untere Sozialklasse damit so richtig mit.

Ich bezweifle, daß das in Wirklichkeit so passiert, denn die Reichen würden sich ja von den Assis nicht in ihre Wohnzimmer sehen lassen. Charly tut das aber und beobachtet, wie eine Frau, die sie die „Blockwartin“ nennt, aus ihrem Bungalow hinausstirbt. Das Schauspierpaar Maria und Georg ziehen dort ein und eine Abhängikeit beginnt, die Helene Hegemann, glaube ich, sehr gut beschreibt.

Sie nennt es „Ich will nicht von ihnen adoptiert werden, sondern mit ihnen ficken!“ und beschreibt dann Studien von Schwänen, die sich auf das nächste Ding fixieren lassen, beispielsweise ein Tretboot, wenn sie ihre Mutter verlieren.

Aber Charly hat noch eine Mutter. Die liegt im Bett und säuft. Manchmal steht sie auf und liefert sich mit Charly einen Kampf oder ein Schreiduell. Dann versucht sie wieder ein paar Tage lang nichts zu trinken und Chrarly und dem Vater normale Welt vorzuspien. Ja richtig, einen Vater gibt es auch. Der kommt zu Weihnachten und zum Geburtstag, bringt ein Geschenk und verabschiedet sich wieder und wenn das Geld ausgeht haben Mutter und Tochter tagelang nichts zu essen.

Das Ganze spielt, wie beschrieben, in der Zukunft, etwas, das ich eigentlich auch unnötig finde. Mir würde die Sozialbeschreibung reichen und eigentlich, wenn man genau liest, ist es so gar nichts mit der Zukunft, gibt es ja Festnetztelefone und Schauspielernamen, die, glaube ich, aktiv unterwegs sind. Es gibt aber auch Flugautos, Ozonwarnungen, wo man das Haus nicht verlassen darf, etcetera und dazwischen geht Charly ganz normal in die Schule, beobachtet ihre eßgestörten Mitschülerinnen, während sie real hungert, weil die Mutter kein Geld mehr hat. Beobachtet, wie die frustrierten Jugendlichen Hamster kaufen und von einer Mauer fallen lassen und sie steht daneben und ärgert sich, daß sie nicht reagieren konnte.

Das scheißnormale Alltagsleben halt. Der Lehrer ist Afrikner. Charly wird zu manchen Parties nicht eingeladen und, als die neuen Nachbarn kommen, beginnt Chrly sie, so könnte man es nennen, zu stalken.

Das Ganze wird, wie beschrieben in Rückblednungen erzählt. Es ist von einer Selbstmordwelle die Rede, eine Explosion löst den Krieg aus. Die Mutter wird in die Psychiatrie eingewiesen, als sie ihr eigenes Grab schaufeln will, entkommt aber als einzige der brennenen Psychiatrie, weil sie ihre Medikamente nicht genommen hatund dadurch normal reagieren konnte.

Ja, sozialkritisch ist das Buch, der wahrscheinlich blitzgescheiten und vermutlich auch überforderten jungen Frau und der letzte Satz lautet:

„Das ist das Letzte was ich von ihr gehört habe. Ich bin dann ja irgendwann abgehauen.“

Ja, es ist ein Buch über die Auseinandersetzung der Jugendlichen mit ihrer Mutter. Eine Haßliebe und wahrscheinlich die Geschichte einer überforderten Seele und Helene Hegemann hat, glaube ich, ihre Mutter auch sehr früh verloren,  ist mit Dreizehn zu ihrem Vater, einem Theaterschaffenden, gezogen und  da zu schreiben angefangen.

Ein ungewöhnliches Buch, das abgesehen von der Dystope, die mich genervt hat, sehr zu empfehlen ist, wenn man etwas von den Leiden oder den Krankheiten der heutigen Jugend erfahren will.

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2018-10-06

Im Verborgenen

Nun habe ich, weil es auf die Debutshortlist des öst Bp gekommen ist, Ljuba Arnautovics Familiengeschichte, ein „Roman nach wahren Begebenheit mit Orignaldokumentenm, die aber keine strenge Widergabe realer Personen ist“, steht im Anhang, doch gelesen und die Familiengeschichte, der 1954 in der SU geborenen Übersetzerin, Autorin und Journalistin, die ich vom „Exil-Preis“ kenne, ist sicherlich interessant und Ljuba Arnautovic, arbeitet inzwischen, glaube ich, auch schon am zweiten Teil, zumindestens hat sie beim „Volksstimmefest“ ein Stückchen daraus gelesen.

Die Familiengeschichte rührt an mehreren Teilen der Geschichte Österreichs, Russlands, etcetera, des vorigen Jahrhunderts, ist sehr realistisch geschrieben und leicht zu lesen, aber nicht fortwährend chronologisch erzählt und ist zum größten Teil die Geschichte von Ljuba Arnautovics Großmutter Genoveva, 1901, glaube ich, geboren, die viel erlebt hat, mit sechzig Jahren auch noch Jus studierte und sich sozusagen den Traum ihres Lebens erfüllte.

Beginnen tut das Buch mit dem Teil, den ich Ljuba Arnautovic schon mehrmals lesen hörte. Es ist 1944 und die Polizei findet einen Abschiedsbrief eines Walter Israel Baumgartens, der ins Wasser geht, weil er der Vorladung der Gestapo nicht folgen will.

Da kennt man sich noch nicht recht aus, kommt aber bald zu Genoveva, die streng und unnahbar geschildert wird und, die im Büro der evangelischen Gemeinde, als Sekretärin arbeitet. Sie versteckt jenen Walter, während die Polizei zu seiner Ziehmutter Aloisa kommt, um ihr seinen Selbstmord mitzuteilen, im Hinterzimmer ihrer Wohnung.

Dann geht es zurück in das vorige Jahrhundert, beziehungsweise in die Kindheit von Walter und Genoveva. Walter ist das jüngste Kind einer jüdischen Familie, wurde aber evangelisch aufgezogen und Aloisa ist das ehemalige Dienstmädchen, das nach dem Tod der Mutter, den Vater heiratete, eigentlich ins Kloster gehen wollte, aber die sieben Kinder ihres Arbeitsgebers, der auch bald gestorben ist, aufzog.

Während Genoveva,  Tochter mährischer Eltern, immer studieren wollte, es aber nur in die Handelsschule schaffte, dann einen Bosnier heiratet, von ihm ihr erstes Kind bekam, sich aber scheiden ließ, weil er sie nicht arbeiten lassen wollte, damals brauchte eine Frau dazu ja noch die Einwilligung ihres Mannes. Danach lebte sie mit einem Kommunisten namens Karl zusammen, bekam ein zweites Kind und als der Februar 1934 kam und die Eltern verhaftet wurden, schickten sie Slavko und Karl als sogenannte „Schutzbündlerkinder“ nach Moskau, wo es ihnen zuerst sehr gut ging, der älteste Sohn Slavko, aber verhaftet wurde und 1942 im Gefängnis starb.

Karl ist mit seiner russsischen Frau und seinen zwei Töchtern, 1960 nach Österreich gekommen, aber ein großer Teil des Buches spielt in den letzten Kriegstagen, wo Genoveva im Hinterzimmer ihrer Dienstwohnung Walter und noch einige andere Juden versteckt und sie da vor dem Nazi-Hausmeister  und Blockwart vorbeischmuggeln mußte.

Sie kommt Walter näher, heiratet ihn nach dem Krieg auch. Er erhängt sich aber kurz danach, so daß ihr wahrscheinlich nichts mehr anderes, als das Jusstudium blieb und hier schildert Ljuba Arnautovic auch sehr eindringlich, die Angst der kleinen Mädchen vor der strengen Großmutter, die ihnen immer wieder das Foto ihres Sohnes Slavko zeigt und sie nicht verstehen können, wieso dieses „Kind ein Onkel sein kann?“

Ljuba Arnautovic hat, glaube ich, auch schon an einem Feature über  diesen Onkel gemacht und schreibt jetzt wahrscheinlich im zweiten Teil darüber und es ist sicherlich eine sehr spannende Familiengeschichte, die zu diesen Roman verarbeitet wurde, die in einer Zeit spielt, die mich sehr interessiert, so daß ich sehr froh bin, daß das Buch nun doch zu mir gekommen ist und mir  Maria Antonia Graff, die jetzt die Pressearbeit für „Picus“ macht, wie mir Luba Arnautovic beim „Volksstimmefest“ sagte, das PDF schickte.

2018-10-03

Ein schönes Paar

Endlich, endlich, ganz langsam, geht es im Sinne des dreifachen Herbstlesens an Buch acht des dBps obwohl ich warhscheinlich wieder fast alle Bücher bekommen werde und nächsten Montag schon die Preisverleihung ist und wir wissen werden, ob Maxim Biller,  Nino Haratschwilii oder vielleicht doch ein anderer, das Rennen macht und das ist, habe ich, den Vorschauen entnommen ein  DDR-Roman, nämlich Gert Loschütz „Ein schönes Paar“.

Gert Loschütz? Noch nie etwas gehört, obwohl der 1946 in Genthin Geborene, wie ich „Wikipedia“ entnehme, einmal mit Elfriede Jelinek zusammen war und das Buch wurde in Leipzig am Freitag offenbar gleich in der Früh am blauen Sofa vorgestellt und dort hat die Moderatorin den Autor mit David Lynch verglichen. Der ist, habe ich ebenfalls „Wikipedia“ entnommen, ein Regisseur und Meister des Schwarzen und Skurrillen. Aber das ist ist das zweihundertvierzig Seiten Büchlein eigentlich gar nicht oder höchstens dahin konstruiert und es ist auch kein DDR-Roman, obwohl auch Gert Lüschütz 1957, wie seine Protagonisten in den Westen gekommen ist und ein Liebesroman, wo die Helden, wie es irgendwo steht, an der Liebe scheiterten, ist es eigentlich auch nicht. Was ist es dann?

Eine sehr schöne und tatsächlich etwas geheimnisvoll durch die vielen Auslassungen und Sprünge wirkende Geschichte, von einem Paar, er 1918 geboren, sie wahrscheinlich etwas später, das sich vor dem Krieg kennenlernte, heiratete, einen Sohn bekam, Philipp, ein Photograph und Erzähler des Ganzes und die später, nämlich 1957 in den Westen gingen.

Sie, Herta ist Schneiderin und liebt schöne Kleider, er, Georg, Berufssoldat und da fährt er irgendwann nach Bonn läßt sich dort als Berufssoldat anheuern und als er in die DDR zurückkommt, liegt dort ein blauer Amtsbrief im Postkasten und das Paar zuckt aus.

Georg muß in den Westen, bevor die Stasi kommt, die Mutter mit dem Kind kommt später nach, was sie auch tun und weil man kein Geld mitnehmen darf oder das im Westen nichts Wert ist, kauft sie eine Kamera, die sie später verkaufen will, was aber nicht geht, was offenbar das Unglück der Geschichte ist.

Denn nun verläßt die Mutter Mann und Kind und schreibt jahrzehnte lang nur noch Ansichtskarten: „Mir geht es gut, wie geht es dir?“

Das habe ich schon in „Amerika“ gelesen und in „Opoe“ forscht einer ja auch seiner Großmutter nach, wie Philipp es bei seinen Eltern tut. Denn das Buch, das habe ich noch nicht erwähnt, beginnt mit dem Tod des Vaters. Die Mutter stirbt ein paar Wochen später, kommt aber noch in einem schönes Kleid zum Begräbnis und antwortet auf die Frage, daß sie „zufällig“ vorbeigekommen ist.

Denn die Beiden waren nicht geschieden, obwohl sie seit vierzig Jahren getrennt lebten. Die Mutter zuletzt in einem Pflegeheim. Der Vater mit einer Haushälterin uind Philipp muß nun mit seiner Freundin Milia, die eigentlich die Frauen liebt, auch so was Geheimnisvolles, Angedeutetes, die Wohnungen ausräumen und sinnt dem Vergangenen nach.

Gert Loschütz hab ich irgendwo gelesen oder gehört, ist schon 2005 aus der Shortlist des dBps gestanden und ich finde es sehr spannend, wie man aus eigentlich nichts soviel machen kann. Denn darin ist der Autor wohl ein Meister, könnte man doch sagen, da passiert eigentlich nicht soviel Außergewöhnliches. Denn alle Eltern sterben ja einmal und man muß dann die Wohnungen ausräumen, entdeckt Briefe, Fotos, Tagebücher und sinniert nach und, wie die Trennung der Beiden mit der Flucht aus der DDR und der Kamera zusammenhängt ist mir nicht ganz klar geworden. Das war wahrscheinlich aber auch gar nicht die Absicht des Autors, der aus Alltagssplittern eine geheimnisvoll anmutende Geschichte macht, in der Zivildiener in Kaftans herumrennen, was ja nicht gerade alltäglich ist.

2018-09-30

Die vier Weltteile

Nun kommt schon Buch sieben der östBp, ich hatte da ja den Startvorteil zum Zeitpunkt der Listenveröffentlichung schon fünf Bücher gelesen zu haben, nämlich Hanno Millesis „Die vier Weltteile“ und die, die mich lesen, wissen, daß ich den 1966 in Wien geborenen, den ich manchmal bei Verantaltungen in der „AS“ etcetera, auch im Publikum sehe, sehr mag.

Der Name ist mir schon seit den Zeiten bekannt, als ich mich noch um ein Staatsstipendium beworben und die Liste der glücklich Auserwählten zurückbekommen habe. Dann hat er bei Ernst Kostals „Psychose-Veranstaltungen“ im Literaturhaus gelesen und da haben mich seine sehr beeindruckenden makabren Kindsschilderungen sehr gefallen unde stimme auch dem zu, was ich den Pressestimmen über Hanno Millesi gelesen habe, daß er ein Meister der skulrillen Alltagsbeschreibung in allen ihren Details, wäre.

Er hat  2006 beim Bachmannpreis gelesen und im Vorjahr den „Priessnitz-Preis“ bekommen, wo ich, was mir immer noch leid tut, aus Termingründen nicht bei der Preisverleihung war.

Ich war dafür bei mehreren Lesungen im Literaturhaus beispielsweise, habe aber noch nie ein Buch von ihn gelesen, den „Schmetterlingstrieb“ aber im Vorjahr im Schrank gefunden und jetzt mein erster Millesi von dieser schönen Buchpreisliste und muß sagen, ich bin, wie weiland bei Valerie Fritsch enttäuscht, denn dieser „Museumsbesuch mit Folgen“ ist, wie ich finde, ein sehr „künstliches“ Buch und etwas, was sich in Wahrheit höchstwahrscheinlich nicht so abspielen würde.

Schon die Idee ist in Zeiten, wie diesen wahrscheinlich etwas billig. Da geht eine Gruppe von Menschen, eine Familie ist es, glaube ich, nicht, sondern zwei Erwachsene Wanda und der  sehr geschwätzige und fast  so allwissend,  wie Maxim Biller, tuende Erzähler mit vier Kindern Tessa, Konrad, Iggy und Emiliy ins kunsthistorische Museum und als sie zum Ausgang wollen, kommt der Aufseher mit dem Funkgerät und murmelt etwas von technischen Problemen, so daß sie noch in den Räumen bleiben müssen.

Der Erzähler erzählt uns in Laufe der hundertzweiundfünfzig Seiten, was geschehen ist. Ein Terrorist Hussein Y, genannt, wollte aus religiösen Gründen eines der Madonnenbilder mit einer Spraydose zerstören. Mußte beim Eingang aber seinen Rucksack zeigen und verletzte so mit einem Messer zwei Personen und während  unten im Foyer, die Einsatz- und Reporterteams anströmten, rennen die sechs von Saal zu Saal und verlieren sich in den Bildern.

In einer der Rezensionen habe ich die Frage gelesen, ob das Buch nicht etwa der Versuch sein könnte, dem Leser einen Museumsrundgang schmackhaft zu machen und ihm so auf unterhaltsame Weise, die Bilder, die dort hängen, zu erklären.

Das glaube ich nun nicht, daß es Hanno Millesi, der Kunstgeschichte studiert hat, so billig  machen würde. Aber ich war  schon einmal im kunsthistorischen Museum, wo zu bestimmten Bildern, einige kommen glaube ich in dem Buch auch vor, Schauspieler dazu geschriebene Texte lasen, was mich aber besonders störte, ist die Künstlichkeit, die das Buch ausstrahlt.

Da weiß ich, unter mir geschieht ein Terroranschlag, die Aufseher tun nichts und wenn man sie fragt, wann man hinaus kann, drücken sie nur scheinbar auf ihr Funkgerät, Wanda hat sogar die Angst, man könnte geopfert werden und nie mehr hinauskommen und dann rennt man von Bild zu Bild und  gibt kunsthistorische, beziehungsweise höchst kunstvolle literarische Betrachtungen darüber ab?

Der Erzähler steht auch einmal am Fenster und sieht die Polizei und die Rettungsautos unten anfahren, der Aufseher schlägt den Kindern vor, sich Bruegels „Kinderspiele“ anzusehen und die vier schlagen dann Purzelbäume im Museum und diskutieren übers Reifenspielen. Ich denke eher, daß heutige Kinder dieses Bild  wahrscheinlich langweilig finden, habe mir aber während des Lesens immer wieder die entsprechenden Bilder, so weit ich sie, als solche indentifizieren konnte, im Netz angeschaut, was auch ein Kritikpunkt an den Verlag wäre, daß es in Anhang kein Verzeichnis der zitierten Bilder gibt, denn das sind sehr viele.

Peter Paul Rubens „Die vier Weltteile“ ist der Titelgeber, dann kommt der „Turmbau von Babel“ vor, die „Judith mit dem Holofernes“, was wieder sehr schön die Grausamkeit dokumentierte, die in diesem Museum, wo es ja von Schlangen, Drachen und abgeschlagenen Köpfen auf den Bildern, nur so wimmelt, herrscht und man eigentlich die Frage stellen könnte, ob es hier nicht vielleicht ein Jugendverbot geben sollte, der „Heilige Sebastian“ und und vor.

Die sechs diskutieren über die Bilder, die Kinder stellen Fragen, eine verwirrte Frau taucht auf, die den Erzähler nervt, ein Touristenpaar hat das alles gar nicht mitbekommen, zwei alte Männer in karierten Hosen und Regelmantel fangen zu streiten an und ein offensichtlicher Rechtsanwalt, einer der skurrilen Einfälle Hanno Millesis, würde ich vermuten, kauert zitternd am Boden. Er wollte die pause zwischen zwei Verhandlungen für ein bißchen Kunst nutzen und jetzt das.

Die Kinder bauen ihn ein bißchen auf und finden dann auch einen Lift mit dem sie zu dem Zeitpunkt, wieuns der Erzähler verrät, sich Hussein Y. schon auf dem Weg ins Krankenhaus befindet, hinunterfahren und an den Reportern und sonstigen Getümmel vorbei, das Museum verlassen,  mit der Straßenbahn nach Hause fahren und dabei noch die weise Erkenntnis mitnehmen „Daß der Museumsbesuch nicht umsonst gewesen ist.“ Die Kinder werden sich dann noch die Frage stellen, ob in Zukunft nicht jeder Museumsbesuch so dramatisch sein muß.

Natürlich nicht und auch ich habe, wie man vielleicht sagen könnete, einen sehr vergnüglichen Rundgang gemacht, aber Hanno Millesi, den ich, ich wiederhole es, sehr mag, eigentlich für „besser“ gehalten.

Die Rezensenten kann ich noch erwähnen, betonen, daß es schon ein Buch, das in einem Museum spielt, nämich Donna Tartts „Diestelfink“ gibt.

Dann gibt es noch „Die alten Meister“ füge ich hinzu, wo einer ja auch ins kunsthistorische  Museum geht, wo niemand Bilder mit Spraydosen, was ja eigentlich noch ziemlich harmlos ist, beschmieren will, sondern die ganze Zeit  resumiert, ob er am Abend ins Burgtheater gehen soll und die Vorstellung dann, nachdem er es tat, eine „fürchterliche“ war, was mich einmal mit der kleinen Anna auf den Zug nach St.Pölten wartete, sehr zum Lachen brachte und ich selber, kann ich noch erwähnen, habe in „Kerstins Achterl“  auch eine Szene, wo im kusthistorischen Museum vor einem Gemäde von Velazques Geburtstag gefeiert und eine Marmelade promotet wird.

2018-09-29

Der Vogelgott

Buch sieben des dBps 2018 und eines das auf der Shortlist steht, von dem ich schon in der letzten Leseauslese in der „Gesellschaft“ sehr viel Lobendes gehört habe, so daß ich sehr gespannt auf das Lesen war. Der obligtorische „Jung und <Jung“, der es regelmäßig auf die LL schafft und wieder von einer Frau, nämlich von der 1953 in Darmstadt geborenen Susanne Röckel, von der ich sonst noch nicht viel gehört habe geschrieben wurde.

Das Buch wird überall oder jedenfalls sehr viel wegen seiner Mystik, deren Bann man sich nur schwer entziehen kann, gelobt und sowohl mit E. T. A. Hoffmann, als auch mit Edgar Allen Poe verglichen.

Dem stimme ich nur teilweise zu, das heißt an E. T. A Hoffmann, den ich ja sehr mag und früher viel gelesen habe, hat es mich nicht erinnert und Edgar Allen Poe habe ich nicht gelesen und ich würde auch eher meinen, daß kein Roman ist, sondern aus vier Erzählungen besteht, die alle von einer Familie handeln und mit den Vogelgottmotiven, die mir nicht immer nicht ganz klar wurden und die ich auch mehr oder weniger gut ausgearbeitet fand, besteht.

Es beginnt mit einem Prolog und der ist sehr mystisch und kann eine durchaus in den Bann ziehen. Da reist ein Vogelforscher in ein seltsames Land um einen seltsamen Vogel zu suchen. Die menschen sind dort sehr komisch und starren ihn nur an. Es gibt kein Essen und eigentlich auch kein Hotel, sein Rucksack mit den Ferngläsern wird gestohlen und als er auszieht, um einen seltsamen Vogel den er gesehen hat, zu erlegen, begegnet er auch einem seltsamen Mann mit einem seltsamen widerlichen Geruch, der einen an Mephisto erinnern könnte. Aber der ist ja kein Gott sondern das Gegenteil. Gezeichnet ist das Ganze mit „Konrad Weyde. Der Vogelgott. Unveröffentliches Manuskritpt“ und der ist Lehrer, Vogelforscher und der Vater von Theodor, Dora und Lorenz und denen sind die anschließenden drei Kapitel gewidmet, von denen das erste „Im Land der Aza“ noch viel von jener Anfangsskurlilität hat, die später, wie ich bemängelt würde, ausdünnt.

Da ist also Theodor, der jüngst Weyde, vom strengen Vater, am meisten geliebt, der studiert Medizin, hat aber keine rechte Lust dazu. Hört also damit auf und geht eines Abends in ein ebefalls seltsames Lokal, wo er einen seltsamen Mann, der auch diesen unheimlichen Geruch hat trifft, der Vic Tally heißt, seltsame Namen gibt es also auch und der heuert ihn an für ein Jahr als Arzt oder medizinischer Helfer nach Aza zu gehen. Dazu braucht er ein Visum ein ebenso seltsamer Herr Petri gibt ihm das, warnt ihn aber vor einem „Chief Ali“, den dann in Aza Town keiner kennt.

Dort wird er in einem ebenso heruntergekommenen Hotel einquartiert, muß lange warten, bis er in das Missionsspital kommt, wo ihm die Nurses zuerst mißtrauisch beäugen, dann ein jungesMädchen namens Miranda bei ihm einquartieren, einen seltsamen Aufstand gibt es auch, so daß er schließlich in der Psychiatrie landet.

Kapitel zwei „Die Madonna mit der Walderdbeere“ das von Dora, der Kunsthistorikerin handelt, die über den, ich glaube, im sechzehnten Jahrhundert gelebt habenden MalerJohannes Wolmuth promovieren will, erscheint mir schon viel ausgedünnter, denn während nur Theodors Handie ahnen läßt, daß der in der Jetztzeit lebt, geht Dora in ihr ehemaliges Wohnhaus zurück, in dem sie mit ihren Brüdern, dem strengen Vater und der kränkelnden Mutter lebte und sieht, das ist jetzt ein moderner Wohnblock und das Kapellchen, in dem sie als Kind oft mit der kranken Mutter war und in dem das oben beschriebene Bild, des Malers hängt ist hinter einem Container verborgen. Der schlüßel ist beim Diakon zu holen und der ist, wen wundert es, ein ebenso seltsamer Mann.

Dora beginnt zu forschen, entdeckt unter dem Bild ein anderes, der Vogel Greif kommt auch vor, als sie das aber ihrem MannHans, auch ein Kunstprofessor und ihrem Dorktorvater sagen will, sind die entsetzt und aus der Dissertation wird nichts Rechtes und dann geht es zu Lorenz dem ältesten der Weyde-Kinder. Der ist Journalist, hat eine Frau und zwei Kinder und schon einmal etwas mit einem Stubenmädchen in einer Pesnion mit der er mit der Familie Urlaub machte,  gehabt, die heißt Clara und hat auch den dumpfen Geruch. Sie will ihn aber nicht wirklich und so geht es in die Stadt zurück, wo er, der seit der Zeitungskrise nur mehr freiberuflicher Mitarbeiter des „Tagblattes“ von seinem Chef den Auftrag bekommt, über den Tod eines Kindes zu schreiben.

Dessen Geschwister zeigen ihm die vogelähnlichen Zeichnungen des Kindes und er bekommt heraus, daß viel Kinder schreckliche Träume haben und dann in ein Sanatorium eingeliefert werden. Das ist eigentlich eine Pharmafirma und gehörte einem Herrn Morton, den wir schom vom Dora Kapitel kennen.

Da trittt er in den „Vettern Stiftungen“ auf, wo Dora ein Stipendium hat, wird aber von seinem Begleiter hypnotisiert, so daß er immer kleiner wird und er hat als Gymnasias,t er war Schüler an der Schule, wo Lorenz Frau unterrichtete, ein Stück über Prometheus geschrieben, das die gerade mit ihren Kindern aufführt.

In der Klinik gibt es auch einen ähnlich hypnotisierenden Professor Toryk Allt und Lorenz Chef will von der Reportage, die der ihm anbietet, auch nichts wissen. Er forscht aber weiter, begegnet im Turm der Klink dem Herrn Morton, der mit dem Rollator geht und  ihm seine Vogelzeichnungen zeigt.

Es kommt auch der Herr Petri wieder vor, der der Zeitung seine Geschichte über die Kriegshandlungen im Land der Aza anbietet und am Ende finden sich die Geschichter allezusammen in Theodors Klinik wieder und erinnern sich an ihre Kindertage wo sie im Garten „Verschwinden“ spielen.

„Wer sich auf diese fantastische Geschichte einlässt, entkommt ihr nicht mehr!“, steht am Buchrücken. Dem kann ich nicht ganz zustimmen. Vor allem die ersten zwei Geschichten haben mich vom Ton sehr berührt und ich habe gedacht, etwas anderes als die vielen Midlifekrise-Kriegs- und DDR-Romane, die sonst auf der Liste stehen. Dann sind mir vor allem in den letzten zwei Kapitel die Verbindungen zu dem Vogelgottmonster zu aufgesetzt und willkürlich erschienen und ich habe wahrscheinlich, wie die „Einstern- Amazon-Rezensenten“, nicht alles verstanden und wenn ich Susanne Röckels Lektor wäre, hätte ich an den letzten beiden Geschichten noch mehr gearbeitet.

2018-09-21

All die Nacht über uns

Jetzt kommt das sechste beziehungsweise erste Buch der öst Buchpreisliste, nämlich Gerhard Jägers „All die Nacht über uns“, aus dem „Picus-Verlag“, wo mir bisher, sowohl Buch, als Autor völlig unbekannt war.

Ja man erlebt mit den Buchpreislisten immer wieder seine Überraschungen, so war ja auch vor zwei Jahren Peter Waterhouse „Die Auswandernden“ für mich eine Überraschung und das zweite Buch des 1966 in Dornbirn geborenen, hat auch ein ähnlich aktuelles Thema, wenn es vielleicht auch manchmal etwas kitscheriger, als die Poesie des Peter Waterhouse ist.

Geht es dabei doch, wie im Klappentext steht, um die „Chronik einer Nacht“, in der ein Soldat von neunzehn Uhr bis sechs Uhr früh allein auf einem Turm an der Grenze steht, sein Vaterland allein, obwohl das gegen die Vorschrift ist, gegen die bösen Eindringliche aus dem Osten oder von wo auch immer bewacht, dabei raucht, sich betrinkt, mit dem Gewehr, der „einzigen Braut“, die ihm geblieben ist, mehr oder weniger sinnlos herumballert und dabei über sein Leben resumiert.

Stimmt nicht ganz, poetisch ist diese Chronik auch, geht es doch dabei um Vögel, um den Mond und, um das Brunftgeschrei der Hirsche, das der junge Wehrdienstpflichtige, der ihm einmal begleitete, für eine Bedrohung hält und durch die Gegend robbt.

Manchmal scheint sich auch die Phantsisie mit der Wirklichkeit zu vermischen, wenn die Nacht lang ist und der namenlos gebliebene Soldat stundenweise durch sein Leben geht. Denn er hat sehr viel erlebt, der noch im Haus seiner immer betenden Mutter und seines Vaters, der jetzt auch neue Schlößer an der Haustür angebracht hat, um sich vor den fremden Eindringlichen zu schützen, lebt. Es gibt auch eine Großmutter, die als junges Mädchen nach dem Krieg selber aus Hinterpommern hergeflüchtet ist, die hat, obwohl fikitiv, wie Gerhard Jäger in seinem Nachwort schreibt, ein reales Vorbild einer geflüchteten Frau, der das Buch gewidmet ist und die Großmutter hat den Soldaten auch ihr Tagebuch, in dem die Fluchterlebnisse und die Briefe, die sie an ihre Toten schrieb, aufgezeichnet sind, überlassen, das er auf seinem Wachposten durchliest und dabei gehen ihm die eigenen Erlebnisse durch den Kopf.

Die erste Einführung in die Liebe durch eine Prostiutierte, die von ihm dafür einen Sonderpreis verlangte, die erste Bebegnung mit seiner Frau von der er einen Sohn hatte, dessen Bild er auch in seinem Rucksack mit sich führt und es  an der Grenze kurzfristig verliert.

Er hat auch den Sohn und die Frau verloren und in seinen Phantasien tauchen auch immer die Szenen von den Polizisten auf, die zu ihm kamen und ihm vom Tod der Frau erzählen.

Das Kind ist im Swimmingpool ertrunken, die Frau hat darauf im Streit das Haus verlassen, sich ins Auto gesetzt und ein Flüchtlingheim gibt es auch in dem Dorf und die Vergewaltigung einer Kellnerin, worauf dann alle mit Fackeln auf das ehemalige Hotel zustürzen um ihre „Heimat zu verteidigen“ und der Soldat steht unter ihnen, schreit hypnotisiert mit,  wirft auch seine Fackel und schämt sich dann, als er naß nach Hause kommt und ihm die entsetzt schauende Großmutter dabei erwischt.

Sehr eindringlich und wie erwähnt manchmal auch ein wenig kitschig, hat Gerhard Jäger diese „Chronik der Nacht“ geschrieben. Ein Mann jenseits des Zaunes, den der Soldat „Bäcker“ nennt, taucht auch noch auf und der Soldat denkt an seinen Schießbefehl und die Meldung, die er machen müßte und dann doch nicht macht und denkt auch an eine Begegnung mit einem flüchtlingskind das er einmal hatte, das mit einem Auto spielte und ihn genauso, wie sein Sohn „Babab“ und „ta“ nannte.

Viel zu viel für eine einzige Nacht wahrscheinlich wieder, aber sehr eindrucksvoll erzählt  und daher ein Buch, das in Zeiten wie diesen, wo in Chemnitz und anderswo auch gerade die Heimat verteidigt wird, erinnern kann, daß sich die Flüchtlingsschicksale wiederholen, daß kein Mensch illegal ist und  Schießbefehle zur Grenzverteidigung hier und dort nicht gerechtfertigt sind, so daß ich sehr froh darüber bin, daß das Buch, das sonst wahrscheinlich an mir vorbeigegangen ist, auf  die österreichische Buchpreisliste kam und bin nun sehr gespannt ob es auf die Shortlist kommt.

2018-09-08

Sechs Koffer

Buch fünf der heurigen LL des dBp ist Maxim Billers „Sechs Koffer“ und der 1960 in Prag geborene, der seit 1970 in Deutschland lebt, ist wohl seit seinem Roman „Esra“, der irgendwie verboten wurde, bekannt und dann wurde er für die „Literatrische Quartett -Nachfolge“ offenbar als MMR-Schimpfer engagiert, was er, wie manche meinen, sehr schwungvoll tat, ich aber auch unerträglich fand, weil ich keine so Schimpferin bin.

Den Erzählband „Wenn ich einmal reich und tot bin“, habe ich im Schrank gefunden, auf meine heurige Leseliste gesetzt, werde aber wohl nicht dazu kommen, die Neuerscheinungen haben Vorrang und das Buch, das, glaube ich, im September erscheinen sollte, wurde vom Verlag vorgezogen, weil es schon vorher im Quartett, wo er jetzt nicht mehr ist, besprochen worde.

Vorher war, glaube ich, die LL-Verkündung und ab da habe ich schon sehr viel von ihm gelesen und gehört, noch bevor ich es im Briefkasten hatte.

In Zürich und in Bern lag es in den Buchhandlungen auf und die Booktuberinnen, die die LL besprachen, sagten einhellig, daß sie Biller nicht leiden können, weil er zu negativ, beziehungsweise zu jüdisch sei. Das Letztere ist wahrscheinlich so zu verstehen, daß die jungen Leute, die schon in der Schule davon gelernt haben, nicht immer über den Krieg lesen wollen und auch meinen, das wäre ein Kriterium auf die LL zu kommen, darüber zu schreiben.

Nun ist Maxim Biller sicherlich ein Selbstdarsteller. Das wurde auch im „Quartett“ so besprochen und das Buch ist, denke ich, eher eine Novelle oder eine Erzählung als ein Roman mit seinen knapp zweihundert Seiten und es scheint, um die Familie Biller zu gehen, die von der UDSSR ja zuerst die die CSSR,  später nach Deutschland flüchtetet und der Großvater wurde 1960 in Maxim Billers Geburtsjahr in Moskau hingerichtet und einer von der Familie, die vier Söhne, die Schwägerin Natalia oder vielleicht auch die Mutter sollen dafür verantwortlich sein, weil ihn den Behörden denuniziiert.

Das ist die Auslagangslange und nun wird nicht, wie ich schon gelesen habe, in diesen sechs Perspektiven, die je einen Koffer haben, erzählt sondern Biller erzählt und das geht ungefähr so, daß er weiß, was seine Mutter oder seine Schwester etcetera denken und was sie tun, wenn sie beispielsweise alleine im Bett liegen.

Ein omnipotenter auktorialer Erzähler also und das scheint auch  zu der Rolle, die Biller im Literaturbetrieb zu spielen scheint, zu passen.

Maxim erzählt also das Buch. Das heißt, er beginnt in den  Sechzigerjahren, als die Familie noch in Prag wohnte, der Vater „Schwejk“ übersetzte und dabei fluchte und klein Maxim den Vater fragte, ob Onkel Dima den Tate umgebracht hat?

Der, der Bruder des Vaters wird gerade aus dem Gefängnis entlassen, worin er wegen versuchter Republikflucht für einige Jahre eingebuchtet war.

Dann gibt es noch Tante Natalia, Dimas Frau, aber auch die vorige Geliebte des Vaters, die ist Filmregisseurin und von ihr geht das Gerücht, sie hätte sich durch sämtliche Betten sämtlicher Regisseure und auch Funktionäre geschlafen.

Sie verfügt auch über Dimas Geheimakte, beziehungsweise findet die, der schon größere Maxim bei dem Onkel, als der, den Fünfzehnjährigen, da ist er schon geschieden, in seine Wohnung in Zürich eingeladen hat. In Zürich lebt auch Onkel Lev, der vierte Bruder, glaube ich, in Argentinien oder Brasilien und Lev weigert sich mit den Brüdern zu reden und so geht es in dem Büchlein dahin.

Ein jeder hätte ein Motiv gehabt, den Taten an den Staat zu verraten, der glaube ich, in einem Devisenschmuggel verwickelt war. Am Ende weiß man nicht wirklich was, aber Maxims Schwester Jelena, die in London wohnt, ist es schließlich, die ein Buch über diese Familiengeschichte geschrieben hat und  im letzten Kapitel nach Hamburg reist, wo die Familie inzwischen wohnt, um ein Interview zu geben.

Da wird sie auch gefragt, wer ist es gewesen, wer hat den Opa verraten und „Meine Schwesgter sagte lange nichts, die Moderatorin schluckte laut und unsicher, und schließlich sagte Jelena „Das geht niemanden etwas an. Das verstehen Sie doch, oder?“

„Nein, das verstehe ich eigentlich nicht“, sagte die Moderatorin höflich und plötzlich sehr streng, und dann erzählte ihr Jelena, wie es wirklich gewesen war.“

So endet das Buch und Spoilergegner, aufgepasst, ich habe nichts verraten, wer und wie es war, obwohl im literarischen Quartett von Sasha Mariana Salzmann, die im Vorjahr mit ihrem Debut, das mir nicht so gut gefallen hat, auf der Shortlist stand,  glaube ich, die Seitenzahl verraten wurde, wo man das nachlesen kann.

Denn das Buch ist an dieser Stelle aus und ich denke, dem guten Maxim ist hier ein wirklicher Streich der Selbstdarstellung, alles und auch gleichzeitig nichts auszuplaudern und sich dabei trefflich in den Mittelpunkt zu stellen, gelungen.

Auf dem ersten Blick ist man davon beeindruckt, auf dem zweiten fängt man vielleicht an sich zu fragen, was interessiert mich dieses Familiegeschichte und was wird hier wirklich erzählt?

Über den Krieg und den Holocaust, wie die jungen Blogger und You-Tuber befürchten, nicht viel, eher die Geschichte einer entwurzelten Familie, die ihre Geheimnisse nicht hergegeben will. Braucht sie auch nicht wirklich, denn ich habe nichts davon zu wissen, ob das jetzt Natalia, Dima oder jemand anders war und wieviel Maxim Biller bei seiner Familiengeschichte erfunden hat?

Die sechs Koffer im Titel sind wohl eine Anspielung auf die Heimatlosgkeit der Juden und, daß die sie immer bereithalten müßen, um auf der Flucht zu sein. Sasha Mariana Salzmann meinte, daß ihr die Koffermetapher in den jüdischen Geschichten auf die Nerven gehe und sie sie für abgedroschen hält.

Um Koffer geht es in dem Buch auch gar nicht, obwohl die Famili viel herumreist und von Moskau nach Prag von dort nach Hamburg, Zürich oder Montreal kommt und eigentlich würde man nur einen Koffer, nämlich den des allwissenden Übererzählers brauchen, aber der lebt, glaube ich, inzwischen in Berlin und geht immer in die „Kronenhalle“ zum Mittag-oder Abendessen, wenn er nach Zürich kommt.

2018-09-07

Lebt wohl, ihr Genossen und Geliebten!

Jetzt kommt Buch vier der LL 2018 des dBp, eines dessen Autorin, die 1955 in Rumänien geborene Carmen-Francesca Banciu, Tochter eines hohen Funktionärs, die 1990 nach Berlin zog und seit 1996 auch auf Deutsch schreibt, mir bisher völlig unbekannt war, das heißt das Cover mit dem aufmerksam machenden Titel, habe ich wohl schon Mal im Netz gesehen und eines in Versform platziertes, worüber man diskutieren kann, ob ein solches Requiem auf einen Vater, Roman genannt werden kann, das in etwa so beginnt:

„Für Vater waren drei Dinge wichtig

In der festgefügten Reihenfolge

Das Vaterland

Die Partei

Die Ehre der Familie“

Im Nachwort von György Dalos wird der Inhalt der  dreihundertachtundsiebzig Seiten kurz erzählt. Die im Ausland lebende Ich-Erzählerin Maria-Maria, diesen Namen habe ich im Text nicht gefunden, erfährt, daß ihr siebenundachtzigjähriger Vater beim Kartoffel holen, einen Unfall hatte und im Krankenhaus liegt. Sie hat selbst ihr Bein gebrochen und kann daher nicht gleich nach Bukarest fliegen. So hält sieKontakt zu seinen Geliebten Rebeca, die dessen frühere Sekretärin war und die er noch zu Lebzeiten der Mutter kannte und zu Daria, die die Mutter bis zu ihrem Tod pflegte. Dann reist sie hin, der Vater wird operiert und soll sich erholen, so erreicht sie in Venedig, wohin sie eines Arbeitsauftrages muß, die Todesnachricht.

Das wird dann sehr genau und eindringlich und trotz der versartigen Anordnung, erstaunlich realistisch erzählt. Als ich bei den Booktubern hörte, daß das Buch in Versform geschrieben ist, habe ich „Uje!“, gedacht, warhscheinlich wieder schwer zu lesen.

Ist es aber gar nicht, sondern eigentlich sehr leicht. Man ist schnell durch und hat trotzdem einen eindrucksvollen Einblick in die Beziehung der Tochter zu ihrem Vater bekommen, die sich auf sehr einprägsame Art mit vielen Wiederholungen und Flash backs von ihm verabschiedet.

Im Anhang steht dann noch, daß die Autorin fünfzehn Jahre an dem Buch geschrieben hat und, daß es an mehreren Orten, Deutschland, Rumänien, Griechenland, Venedig entstanden ist und ich denke, daß die ungewöhnliche Bearbeitung einen tiefen Eindruck macht. Man erfährt viel über Rumänien, die Diktatur, viel über den Vater, der trotzdem die Partei für ihn alles war, sehr poetisch war und Gedicchte geschrieben hat. Die Mutter stammte aus einer bürglichen Familie. Ihr hat der Vater keine Briefe geschrieben und sie zu ihrer Hochzeit auch nicht die bürgerlichen Handschuhe anziehen lassen. Die Briefe finden sich an Rebeca im Nachlaß und Daria, die viel jüngere zweite Geliebte hat Krebs und versucht zwischen Rebeca und der Tochter zu intrigieren. Sie verspricht dem kranken Vater ihn nach Hause zu holen und sagt den Ärzten und der Tochter etwas anderes und als die Tochter kommt, will der Vater nicht essen und trinken, nur schlafen. Die Ärzte erklären ihn trotzdem für gesund und operieren, also rasieren ihn und bohren ihm ein Loch in den Kopf erst, als ein hundert Euroschein zu ihnen gewandert inst. Der Vater stribt dann nur langsam und wird mit seinen Orden begraben, obwohl die Partei für die er gelebt hat, schon lange nicht mehr existiert.

Interessant und sehr eindrucksvoll von diesem Buch durch die Longlist erfahren zu haben, das sonst höchstwahrscheinlich an mir vorbei gegangen wäre und  „Gogol-„, schreibt György Dalos in seinem Nachwort, „hat die „Toten Seelen“ auch als Poem durchgehen lassen“, so denke ich, daß dieses Poem, das eigentllich nicht immer

„Daria kommt jetzt zum dritten Mal

Und will mir den Schlüssel bringen“,

sondern nur manchmal sehr poetisch ist, auch als Roman gelten kann. Erstens weil es auf der LL eines Romanwettbewerbes steht, zweitens weil man es durchaus so empfinden kann.

„Hat sich Vater den Sonntag ausgesucht

Ich bin in Venedig

Sonntag in Venedig

Todessonntag in Venedig

Tod in Venedig“

Auf die Shortlist denke ich, wird es wohl nicht kommen, trotzdem kann ich sehr empfehlen, sich mit dieser Variante der Gegenwartsliteratur zu befassen.

2018-08-28

Archipel

Jetzt kommt Buch drei der heurigen LL und eines, das ich, glaube ich, schon über ein Monat auf meinem Badezimmerstapel habe, Inger-Maria Mahlkes „Archipel“ und „Inger-Maria Mahlke-“ steht am Klappentext „ist in nur wenigen Jahren zu einer der renommiertesten deutschen Schriftstellerinnen avanciert und hat sich mit jedem ihrer Bücher thematisch und formal weiter vorgewagt“ und ich habe die 1977 in Hamburg geborene Autorin, 2012 während ihres Auftritts in Klagenfurt beim „Bachmannlesen“ kennengelernt und 2015 ist sie dann, bei meinem ersten „Buchpreislesen“ mit „Wie ihr wollt“ auf der Shortlist gestanden.

Daß das Buch, das durch einen Zufall zweimal zu mir gekommen ist, auf der heurigen LL stehen könnte, habe ich vorausgeahnt und auf meiner eigenen Schätzung auch so vermerkt und jetzt nach dem Lesen und dem Ansehen einiger Videos, wo Booktuber ihre Meinung über den dBp zu Kenntnis bringen und darüber stöhnen, daß auf diesen Listen immer nur Bücher über Kriege und Familien in l` Art pour l` Art Manier stehen, kann ich dem zustimmen, daß, ich glaube, daß „Archipel“ ein typisches für den Buchpreis geschriebenes Buch ist.

Ob, die Leser dann sehr viel damit anfangen können und wieviele Leute es zu Ende lesen werden, ist eine andere Frage und da kann ich gleich hinzufügen, daß ich, die,  immer zu Ende Leserin, mir mit dem Buch etwas schwer getan habe und die letzten Seiten nur überflogen habe.

Denn Inger Maria Mahlke, die an ihrem Jahrhundertroman über eine Familie in Spanien sicherlich sehr lang gearbeitet und sehr sorgfältig recherchiert hat, hat im Sinne der „formalen Voranwagung“ einen besonderen Kniff gewählt. Sie erzählt ihre Geschichte rückwärts. Beginnt also am „9. Juli 2015 um vierzehn Uhr“ und endet vierhundertzwanzig Seiten später im Jahr 1919 mit dem Satz „Auf die Zukunft!“

Ein Kunstgriff für den Buchpreis könnte man so sagen und auch, daß Anna Weidenholzer für ihr noch nicht Buchpreisbuch „Der Winter tut den Fischen tut“, das gleiche gemacht hat. Aber da war der Stoff, es ging um eine arbeitslos gewordene Frau leichter zu erfassen. Hier, wenn eine Familiengeschichte von hundert Jahren erzählt wird, tut man sich schwer mit der Spannung, habe  wenigstens ich beim Lesen emfpunden, denn wie soll man die rückwärtsgewandt aufrechterhalten?

Es geht um eine Familie in Teneriffa, in der Stadt La Leguana, glaube ich und darüber hat ja auch Erika Kronabitter ein Buch geschrieben und dort kommt im Jahr 2015, die 1994 geborene Rosa, die Tochter von Felipe und Ana, im Anhang sind die handelnden Personen zum Glück angeführt, so daß man sich wenigstens daran ein bißchen orientieren konnte, aus Madrid, wo sie ihr Kunststudium abgebrochen hat, zurück.

Felipe ist der letzte „Bernardotte“, ein Historiker, der versucht hat, seine Geschichte kritisch aufzuarbeiten und daran scheitere, so daß er seine Tage jetzt nur mehr in seinem Club verbringt. Ana ist Politikerin und da gibt es gerade einen Skandal und es gibt auch noch einen 1919 geborenen Großvater, der und das finde ich originell immer noch in dem von katholischen Schwestern geführten Asyl, als Portier arbeitet, dabei viel fernschaut, aber aufpassen muß, daß die Dementen, nicht unerlaubt das Heim verlassen.

Das ist der erste Teil, der im Jahr 2015 spielt. Eine Hausangestellte namens Eulalia gibt es auch und es dreht sich auch sehr viel um die Frage, ob man in Zeiten der Krise, seine teuren Handtaschen nicht verstecken oder wie man mit dem Personal umgehen muß?

Und dann geht es, wie ich schon erwähnnt, sicher sorgfältig recherchiert und mit vielen Details ausgestattet, Kapitelweise zurück. Es geht zur Geburt Rosa in das Jahr 1994, die Beziehung zu Ana und Felipe werden erzählt. Die Großeltern kommen vor, Francisca und Elisio sind Felipes Eltern. Der Vater ist Militär und deren Eltern Ada und Lorenzo, Lorenzo ist Zeitungsherausgeber, während Julios Vater Apotheker ist.

Der zweite Weltkrieg, der Bürgerkrieg, etcetera werden dabei gestreift und in den einzelnen Familiengeschichten viele Details erwähnt, die zumindestens mir das Lesen sehr schwer machten und ich Mühe hatte, mich auszukennen.

Denn Erstens ist mir die spanische Geschichte nicht so sehr bekannt und dann wie schon erwähnt, rückwärts erzählt löst sich die Spannung auf, weil man Geschichten wahrscheinlich nur von hinten nach vorn und nicht umgekehrt erklären kann. Das Ganze aber ein raffinierter Kunstgriff ist, der die Literaturkritiker begeistert.

Ein buch also mit dem ich meine Mühe hatte, mir öfter die Frage stellte „Und was hat das jetzt mit mir zu tun?“ und warum soll ich mich durch das Schicksal einer spanischen Familie und ihre Geschichte quälen?

Der Durchschnittsleser wird es, könnte ich mir vorstellen, so empfinden. Da das Buch offiziell erst vorige Woche erschienen ist, gibt es noch keine Rezensionen, auf die ich zurückgreifen kann.

Bin also gespannt, was die Booktuber und andere Kritiker dazu sagen werden und ob es auf die Shortlist kommt? Ich würde das, obwohl ich bisher nur zwei Bücher von der Liste gelesen habe, nicht vermuten und ich würde es jetzt auch nicht nicht mehr auf die LL setzen.

2018-08-27

Sültzrather

Jetzt kommt Buch zwei der heurigen Longlist, die ja von einigen der Bloggern und Booktubern, für leichter lesbarer, als die früheren gehalten wurde. Vielleicht weil der „Kaffeehaussitzer“ Uwe Kalkowski in der Jury sitzt, haben sie  es angenommen und dieses Gerücht weitergegeben, bevor sie Josef Oberhollenzers bei „Folio“ erschienenes Buch „Sültzrather“ gelesen haben, würde ich annehmen und füge gleich, um nicht mißverstanden zu werden, daß mir das Buch sehr gut gefallen hat, obwohl ich wenig, wie nichts davon verstanden habe.

Aber ich habe ja irgendwie ein Faible für die experimetelle Literatur und den Namen Josef Oberhollenzer, habe ich, glaube ich auch schon einmal gehört. Mehr nicht, vermute aber, daß der 1955 in Südtirol geborene und dort auch, glaube ich, als Lehrer lebende Autor GAV-Mitglied ist. Er hat in Innsbruck Germanistik studiert und versteht sein Werk in der Fortsetzung von dem von Norbert C. Kasers, der ja auch ein experimenteller Südtiroler Autor ist, von dem ich mir einmal, lang lang ists her, ein Buch gekauft habe.

Norbert C. Kaser ist, wie ich „Wikipedia“ entnehme, wie auch Josef  Oberhollenzer, ein Verfechter, der Kleinschreibung, obwohl er sie in dem hundertachtzig Seiten Buch, Roman würde ich es nicht nennen, nicht konsquent durchhält, was aber schon vom „Literaturcafe“, die ja nichts von dieser vielleicht österreichischen oder südtirolerischen Tradton halten, beanstandet wurde und es ist wahrscheinlich auch ein „Fußnotenbuch“ und da gibt es auch einen Kunstgriff, denn das Buch schildert ja das Leben des am 9. Juni 1931 in Aibeln, Südtirol geborenen Vitus Sültzrathers, der 1959 von einem Gerüst stürzte, seither querschnittgelämt war und sich am 22. Mai 2001 offenbar das Leben nahm. Auf der ersten Seite des Buches, steht der Lebenslauf und es ist auch ein Personenverzeichnis angegeben, so daß ich wieder einmal nachgooglete, ob es diesen Vitus Sülzrather von dem der Beschreibungstext  erzählt, daß der Zimmermann nach seinem Unfall zum Dichter wurde und sich seither damit beschäftigte sein Leben in Notizbüchern auf und auch immer wieder umzuschreiben, wirklich gegeben hat.

Hat es, glaube ich, nicht, obwohl in den Fußnoten beispielsweise unter der Werkangabe von Ernst Jandl, dann die von Vitus Sültzrather aus „Notizbuch sowieso“ steht und die Fußnoten machen  ein Drittel bis zur Hälfte des Buches aus und, daß es das Buch eines Germnisten und Mittelschullehrers ist, der sich wahrscheinlich freut, bald in Pension gehen zu können, weil er jetzt seinen Schülern ja keine Literatur mehr vermitteln darf, aber vielleicht ist das in Südtirol anders, ist auf jeder Seite zu merken.

Da frage ich mich wieder, was die Buchblogger und die Durchschnittsleser zu diesem Buchpreisbuch sagen? Habe das Lesen aber sehr genossen, obwohl ich wahrscheinlich auch, weil ich es als PFD gelesen habe, vieles nur überflogen habe.

Aber ich habe ja schon die kompliziertesten Bücher als PDF gelesen und so mich wieder relativ schnell durch diese Fußnotenlandschaft gelesen, wo sowohl der Aufsatz eines dreizehnjährigen Schülers „Glück ist das Geographische das in uns steckt. Wir können es nicht anheuern. aber es ist da, wenn man es braucht“, als auch Ernst Jandl, Peter Handke, Raoul Schrott, Paul Celan, Thomas Bernhard, etcetera, zitiert werden und dazwischen kommen, wie schon erwähnt, immer wieder die Werkangaben zu den betreffenden Tetstellen aus den Notizbüchern des Vitus Sültzrather und wieder einmal erstaunlich, das, was ich gelesen habe unterscheidet sich von der Angabe des Beschreibungstextes, aber, daß es ein Buch ist, das man wieder nicht nacherzählen kann, ist wahrscheinlich schon klargeworden.

Auf den letzten Seiten werden dann noch einmal die Textstellen angeführt und die sehr schöne Titel haben, die das Buch beinhaltet und da beginnt esgleich einmal mit einer „Spieleröffnung mit Schuhen“, also der Schuansammlung, die sich der Querschnittgelämte zulegte und die auch, wie die Fußnoten belegen, Thomas Bernhard gehabt haben sollte.

„…folglich trenndend also zwischen sommermontagsschuhen und wintermontagsschuhen“ etcetera, eine Textstelle die vom „Literaturcafe“ als „albern“ beanstandet wurde, mir aber gefallen hat.

Es geht dann weiter mit den Textkapiteln, die immer wieder von den Fußnoten und den Motti untermauert und erklärt werden und so gibt es einen „Sekretärstraum“ und einen „Alpdohlentraum“ und auch die Behauptung, daß „Sültzrather nie in Pension gehen hätte wollen, wenn er Lehrer gewesen wäre.“

Es gibt Kapiteln in denen die Zugehfrau Notburga T. und deren Tochter Rut eine Rolle spielen, es wird von der Schwester und noch verschiedenen anderen Personen berichtet und am Schluß gibt es eine Danksagung an die Personen, die Josef Oberhollenzer geholfen haben, seinen Vitus Sültzrather lebendiger zu gestalten und ich könnte der Buchpreisjury dafür danken, daß mir ihre Auswahl einen interessanten Autor und ein interessantes Buch nähergebracht haben, wobwohl ich, wie schon geschrieben, nicht alles verstanden habe und auch nicht glaube, daß es auf die LL kommen wird, das Lesen, beziehungsweise das Hineinschnuppern in den Roman eines Germanisten ist, glaube ich, sehr zu empfehlen und „albern“ ist, denke ich nichts dabei, wenn das Ganze auch nicht so leicht zu lesen ist.

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