Literaturgefluester

2019-11-08

Mobbing Dick

Jetzt kommt das letzte Buch der deutschen Liste, das des 1966 in Zürich geborenen Tom Zürchers, das zwar nicht auf der Schweizer Buchpreisliste steht, aber trotzdem zum Schweizerlesen hinüberführt und es ist ein sehr groteskter Roman, ein schwarzes Kammerstück könnte man meinen. Eine Satire auf das Schweizer Bankwesen vermischt mit einem Psychotrip und wieder einmal alles zu lang und zu viel erzählt, so daß man manchmal, den Kopf schüttelt, nicht mitkommt, ob der Fülle und dann wieder gespannt weiterliest.

Da ist Dick Meier, der seinen Namen von Dick Cheney hat, weil der Vater für die Amerikaner schwärmt. Er ißt ständig, ist aber trotzdem“ blaß und schmal“ und geht im ersten der neunundachtzig Kapitel zum Arzt um ihm seine Bißwunde zu zeigen. Er hat sich in den Arm gebissen, der Arzt ist solcherart erfahren und rät ihm sein Jusstudium abzubrechen und von zu Hause auzuzuiehen Das geht nicht, da sich der Vater widersetzt und meint, daß  sich die Mutter sonst umbringen würde und außerdem müßen in dem Haus drei Personen wohnen, weil man sonst gekündigt wird.

Dick bewirbt sich also bei der Bank, weil die Mutter früher dort arbeitete und wird genommen, obwohl er einen schlechten Eindruck macht und beispielsweise Cremreschnitten von „Sprüngli“ zum Bewerbungsgespräch mitnimmt und dann geht die Groteske los.

Remo Bachmann, ein Diabetiker, was die Personalfrau aber nicht weiß, ist sein Vorgesetzter. Dick vergißt sein Paßwort oder schreibt es sich auf, was man in der Bank nicht darf, dann soll er für bestimmte Kunden die Kuverts in denen sie ihre Auszüge bekommen, wegen dem Bankgeheimnis mit der Hand schreiben.

Sein Vorgesetzter ist aus sehr seltsam, schmiert sich die Haare mit einem grünen Öl ein und wird immer dicker. Dick lernt die Vorstandsriege, die F5 kennen. Er wird auch befördert, soll ein Spezialseminar machen, das in einem Keller stattdindet, wo ihm ein altes Fräulein das Schönschreiben lernt, den Vreneli Code, denn es gibt wegen dem Bankgeheimnis in der Bank unsichtbare Kunden, während die Bank längst von den Amerikanern übernommern wurde und nun Swiss Amercan Bank heißt.

Das Ganze spielt sich in der Zeit des Wahlkampfes an, wo alle glauben, daß Hillary Clinton Präsidentin wird und das nicht wollen, weil die Frauen ja soviel Geld ausgeben. Das sagt der Vater, der von Dick nun dreitausend Franken Haushaltsgeld haben will, aber Dick, der entdeckt hat, daß der Vater fünf Millionen auf dem Konto hat, während er die Mutter knapp hält, hat schon beschlossen auszuziehen und sich eine Wohnung im Rotlichtviertel gemeitet, die in einem Zimmer einen Zahnarztstuhl hat. Geld hat Dick keines und so beginnt er sich bald bei der Bank zu verschulden, kauft Aktien des Nahrungsmittelfonds, wo er alles verliert, wird aber selbst zum Chef, während dieser nun sein Assistent geworden ist. Die Amerikaner lösen alles auf, entlassen alle und die übrig gebliebenen sind nun Vizedirektoren. Aber Dick wird nicht befördert, darf auch nicht auf die Einweihungsparty gehen. So zieht er sich einen weißen Ärztemantel an und irrt nachts als Mobbing Dick durch die Straßen, ruft alle an und röchelt  laut „Halloo!“, in das Telefon hinein.

Es wird aber Remo Bachmann für den Stalker entlassen und man kommt nicht dazu nachzudenken ob das jetzt eine Banksatire oder ein Psychodrama ist?

Es ist das Letztere, denn Dicks Verfolgungswahn nimmt zu, als er Frau Koch, die schöne Marianne, einen von den F5 nach der Beförderungsparty k o vor seiner Haustür liegen sieht. Die Prostiutierte Corelle, die auch  eine Rolle in der Groteske spieltm trägt sie in sein Zimmer. Dick glaubt zuerst, sie ist gestorben, später fesselt er sie, um nicht in einen Vergewaltigunsverdacht zu geraten auf den Zahnarztstuhl und will sie in seinen Wahn auch umbringen.

So landet er am Schluß auf der Psychiatrie wo er weiche Eier zum Frühscück bekommt und alte Bücher lesen kann, die ihm Remo bringt und alles wird gut, könnte man meinen oder doch nicht, denn Dr. Sager, das ist ein Unternehmensberater, von dem Dick am Angfang im Internet, das Bankgeschehen studierte ,klärt ihn über das Wahlergebnis auf, als Dick ihn fragt, warum er eine  schwarze Krawatte trägt, als er ihm besuchen kommt?

„Dick fragt, ob jetzt die Bösen an die Macht kommen. Dr. Sager betrachtet seine Tasse. Er möchte nun doch etwas Milch in seinen Tee. Er rührt lange um, ehe er sagt:

Es gibt keine bösen Menschen. Nur Menschen, die Böses tun, wenn man sie nicht rechtzeitig stoppt.“

So endet das zwanzigste deutsche Longlistbuch, von dem ich nicht ganz sicher bin, ob ich es mir auf die Shortlist wünschen würde oder nicht?

Aber vielleicht werde ich auf der „Buch Basel“ zu der ich jetzt ja unterwegs bin, mehr von Tom Zürcher erfahren oder einmal auch seine anderen Bücher lesen.

2019-11-06

Schutzzone

Filed under: Bücher,Buchpreisbloggen — jancak @ 00:16
Tags: , , , ,

Buch neunzehn des dBps und das Erste im Alpabet der langen Liste ist „Schutzzone“, der 1982 geborenen Nora Bossong von der ich schon „36,9“, gelesen habe. Ein Buch, das von der Uno, den vereinten Nationen und den Versuch Frieden auf dieser Welt und wahrscheinlich auch von der Unmöglichkeit das zu tun, handelt und wahrscheinlich versucht, diese schweren Sachbuchthemen mit einer Handlung zu verbinden, sowohl das politische als auch das private, steht irgendwo im Klappentext.

Die Vllogger, die sich durch die Proben lasen, haben das eher uninteressant gefunden und das Buch nicht auf ihre Leseliste gesetzt. Die Kritiker waren begeistert, wünschten Nora Bossong den Bp, einer schrieb, glaube ich, sogar, daß nur sie ihn gewinnen kann. Andere meinten aber, daß das Buch schwer zu lesen ist und das stimmt.

Ich habe mich, obwohl es hier ja nicht, um die sprachlichen Experimente geht, schwer getan, denn Nora Bossong springt in ihrem Versuch, das Buch spannend zu machen und trotzdem bei der Literatur zu bleiben, sehr herum. Ist ein mal im Jahr 1994, dann gleich wieder bei 2017 und da kann ich anmerken, daß wohl die meisten Bücher auf dieser Liste in diesem Jahr gesprieben wurden und, daß es daher auch entsprechend oft vorkommt.

Nora Bossong hat jaber auch andere Jahrenszahlen und vor allem die verschiedensten Orte, wo das Buch spielt.

, Genf, Den Haag, New York, Bujumbura, etcetea. Denn die Welt ist groß und Krieg, beziehungsweise die Bemühungen Frieden zu schaffen, gibt es überall und so ist der,der sich mit dem politischen Geschehen, der letzten Jahre und alle Kriege nicht im Kopf hat, wohl tatsächlich ein wenig überfordert, hat aber nach der Lektüre ein wenig gelernt von den Bemühugen der Uno und dem Weltgeschehen. Ich habe, glaube ich, auch gelernt, wie schwer es ist, das in Literatur umzusetzen, beziehungsweise den Durchschnittsleser dafür zu interessieren.

Da ist einmal Mira, die ist eine junge Frau, hat, glaube ich, Politikwissenschaften studiert und war dann für die Uno in New York und Burundi. Sie arbeitet zu Beginn des Buches in Genf, wo sie Friedensberichte schreibt und am Abend zu Konferenzen in Luxushotels geht.

Das berühmte Beau-Rivage wird erwähnt, wo die Kaiserin Sisi abgestiegen ist, bevor sie ermordet wurde und dort trfft Mira zu Beginn des Buches Milan wieder, in dessen Familie hat sie 1994 eine Zeitlang gelebt und sich, glaube ich, auch in den Diplomaten verliebt. Er ist aber zurückhaltend oder ambivalent, hat er doch inzwischen ein Frau und eien Sohn.

Das ist private Rahmenhandlung, dann geht es nach Burundi, oder Ruanda, wo der Völkermord gegen die Tutsis passierte. Da wird eigentlich sehr schön, der Widerspruch zwischen dem Elend und den Luxusquartieren, wo verhandelt wird. Mira wird, glaube ich, dorthin geschickt, weil sie gut verhandelt kann und mehr kann und soll die Uno ja gar nicht. So kommt es zu einer Szene, wo sie mit verbundnen Augen an einen Ort geschickt wird, wo sie der General mit einer Schürze übern Anzug empfängt. Denn er ist gerade beim Grillen und da erzählt er ihr eine Geschichte, wo Soldaten einen Jungen aufforderten, ob sie den Vater oder die Mutter erschießen sollen? Entscheidet er sich nicht, nehmen sie beide und wieder interessant, der Nachsatz, der öfter kommt, wer weiß, ob diese Geschichte wahr ist und wo sie passierte? Es kann schon viel früher gewesen sein, in Deutschland beispielsweise bei den Nazis, etcetera.

Der erste Weltkrieg kommt vor, der spanische Bürgerkrieg und Picasso, der das berühte Bild von „Guernica“ malte, das bezeichnenterweise während einer der Konferenzen verhängt wird. Das geteilte Zypern kommt vor, der Bosnienkrieg, der Angriff auf den Irak von 2003, obwohl man da schon wußte, das die Angriffsgründe haltlos waren und und und.

Das Buch ist in fünf Teile gegliedert, die  die Überschriften „Frieden“, „Wahrheit“, „Gerechtigkeit“, „Versöhnung“ und „Übergang“ tragen.

„Was bedeutet Verantwortung? Wie greifen Schutz und Herrschaft ineinander? Wie verhält sich Zeugenschaft zur Wahrheit? Und wer sitzt darüber zu Gericht? Hellsichtig und teilnahmsvoll geht Nora Bossong diesen Fragen nach – in privaten Beziehungen wie auf der großen politischen Bühne der vereinten Nationen“, steht am Buchrücken und der Schluß, ein Teil des letzten Satzes lautet:“…., in diesem letzten Moment habe ich micht nicht daran gehalten, weil ohnehin nichts mehr zu retten war, die Welt vielleicht noch, aber was ist schon die Welt.“

Gefallen hat mir an dem Buch, das es eine Welt und ein Milieu schildert, in das man sonst nicht so leicht kommt und die man nur vom Fernsehen und aus den Zeitungsberichten kennt und man kann, glaube ich, gut darüber nachdenken, wie diese Verhandlungen in den Luxushotels in der Welt der Diplomatie aussehen und, wie und warum sie scheitern müssen oder gescheitert sind.

Mira besucht aber auch Lager, wo die Kindersoldaten gegen Geld Geschichten erzählen und wenn man ihnen nicht glaubt „Ich will nichts von Ihnen. Sie wollen was von mir. Dann schreiben Sie mir nicht vor, was ich weiß“, antworten.

Interessant in das alles kurz einzutauchen, obwohl man natürlich die Frage stellen kann, wie weit Nora Bossong in diese Welt hineintauchen konnte und der Versuch Literatur daraus zu machen ist auch interessant, obwohl wenn man, wie ja die Schreibratgeber fordern, die „Heldenreise“  und Spannungsbögen dabei angewandt hätte, wäre es sicher kitschig geworden. So haben es halt einige Leser zur Seite gelegt und gemeint, das interessiert und nicht oder dafür nehmen wir uns nicht die Zeit.

2019-11-03

Der junge Doktorand

Filed under: Bücher,Buchpreisbloggen — jancak @ 00:54
Tags: , ,

Buch achtzehn des dBps, der junge Doktorand des 1965 in Berlin-Charlottenburg geborenen Jan Peter Bremer ist wieder eine Überraschung, habe ich doch mit dem Autor 1996 als ich in Klagenfurt zum Zuhören war, eine solche erlebt, als er den Preis mit „Der Fürst spricht“, gewonnen hat, einem Text, der mir überhaupt nicht als so besonders aufgefallen ist. Seither habe ich nicht mehr viel über Jan Peter Bremer gehört, aber einmal im Schrank seinen „Palast im Koffer,“ gefunden, den ich noch lesen muß.

Als ich Ende August oder Anfang September, die Bewertungen einiger Vlogger, die sie über die Buchpreisproben abgegeben haben, hörte, habe ich beim „Jungen „Doktoranden“, an den „Revisor“, gedacht, wo einer  ein Städtchen besucht und von den Bewohnern verwechselt wird und mir eigentlich das Buch, das wahrscheinlich mehr eine Novelle als ein Roman ist, als eher langweilig vorgestellt.

„Welch ein Irrtum!“, würde wohl wieder Ernst Jandl sagen und die Buchstaben vertauschen, denn das Kammerstück, wo ein junger Mann zu einem alten Ehepaar kommt, ist sehr interessant und spannend erzählt, obwohl es eigentlich und wiederum gar nicht so besonders neu ist, sondern nur das erzählt, was eigentlich vielleicht ein wenig weniger abgehoben in jeder Familie vorkommt.

Da wird der junge Doktorand vom Ehepaar Greilach. Er ist ein altender Künster, der in einer umgebauten Mühle am Rand eines Städtchens lebt, sie, seine Hausfrau, schon seit zwei Jahren erwarten.

Er soll kommen, um seine Dissertation über die Arbeiten des Malers zu schreiben. Sie erhofft sicht Abwechslung in der Einsamkeit, vielleicht sogar spätes Liebesglück. Er kommt aber nicht, sondern schickt immer Absagekarten.

Dann kommt er spätabends doch und alle sind nicht darauf vorbereitet. Es regnet, das Gulasch ist versalzen, etcetera.

Das Besondere an der Novelle ist, glaube ich, die Art, wie sie geschrieben ist und vielleicht ist wahrscheinlich überhaupt das besonders an der Art von Jan Peter Bremers Schreiben und vielleicht auch das, was mich beim „Bachmannpreis“ störte, weil ich vielleicht länger gebraucht hätte, um in den Text hineinzukommen.

Das Ganze ist in einem Zug ohne Kapitel und größer Absätze hinuntergeschrieben und die drei Personen in dem Kammerstück sprechen nicht mit, sonder übereinander.

Der junge Doktorand, ein zwanzigjähriger Abiturent namens Florian, der seit zwei Jahren in Berlin lebt und dort Flüchtlingen beim Deutschlernen hilft, man sieht, Jan Peter Bremer ist auch sehr aktuell, spricht eigentlich überhaupt sehr wenig, sondern schaut ständig in sein Handy oder auf sein Rauchzeug.

Das Ehepaar unterbricht sich ständig, weiß alles besser, als der andere und so kommt man nach und nach in das Geschehen hinein.

Der junge Doktorand soll eine Arbeit über Günter Greilachs Werk zu schreiben, deshalb räumt er sein Atelier auf, überlegt, den Dokoranden nicht zu früh hinein zu lassen, sondern ihn erst auf sein Werk vorzubereiten, während seine Frau mit ihm spazieren gehen will, um ihn ihrer Freundin Jutta zu zeigen.

Der junge Doktorand, Florian, der von seiner Mutter hergeschickt wurde, die das Ganze eingefädelt hat, hat mit Zwölf über eine Lithographie Greilachs, die er irgendwo gewonnen hat, eine Arbeit geschrieben.

Die Mutter, die mit seinem Kunstlehrer zusammenlebt, will einen Künstler aus ihm machen und braucht deshalb Greilachs Protektion. Die Mappe mit den Arbeiten liegt aber in der Berliner WG  unterm Bett und verstaubt, denn Florian sieht das wahre Leben im Kontakt mit den „Geflüchteten“, die nicht „Flüchtlinge“ heißen, wie er Gerlach ausbessert, als der ihn in der Küche einen endlosen Monolog, der wahrscheinlich nicht zufällig an Thomas Bernhard erinnert, hält.

Die Intrigen, die dabei passierten, werden dabei aufgezählt. Er sollte eine Ausstellung in einem Museum bekommen und in dem Städtchen einen Brunnen bauen, der dann von seinem Künstlerfreund Hans, dem Mann von Natascha Greilachs Freundin Jutta gebaut wurde, so daß Günter Greilach seither nicht mehr in die Stadt gegangen ist.

Das Ehepaar streit sich ständig. Es wird geraucht und getrunken und am Ende fährt der angebliche Doktorand wieder ab. Flüchtet aus der Enge des Künstlerhaushalts, das Ehepaar bleibt zurück und streitet sich vermutlich bin ans Lebensende weiter.

„Wie ein Greis“, hörte er sie hinter sich sprechen, „du bewegst dich schoch wie ein Greis“, lautet der letzte Satz, um eine kleine Textprobe von dem Kammerstück zu geben, das in den Bloggerrezensionen sehr gelobt wurde und das auch ich mir eigentlich auf die Shortlist gewünscht hätte.

2019-10-27

Wo wir waren

Schon bin ich bei Buch fünfzehn des dBps und jetzt bin ich bei dem neuen Roman des 1967 in Stuttgart geborenen Norbert Zähringers eigentlich bei den Romanen angelelangt, die früher die Buchpreislisten,wo noch nicht so viele Debuts darauf standen, dominierten.

Die großen Romane der mittelalten Männer, die sich mit dem letzten Jahrhundert beschäftigten und Norbert Zähringer, nimmt den 21. Juli 1969, dem Tag wo die ersten Menschen auf dem Mond landeten, zum Anlaß sich mit diesen historischen Tag zu beschäftigen und er tut das sehr dramatisch, schildert er ja ein sehr gewaltsam betriebenes Kinderheim, das in einem alten Kloster eines kleinen Örtchen unterbebracht ist, wo der kleine Hardy Röhn, er ist fünf, beschließt mit einem  älterenJungen davon zu laufen.

Das Heim wird von einer Schwester Ursula, dem Herrn Martin und einem besoffenen Heimleiter betrieben, die weglaufenden Kinder werden, wenn sie gefunden werden, zur Strafe in ein Faß gesteckt und das wird auch der kleine Schröder, der seine Eltern bei einem Autounfall verloren hat und jetzt jede Nacht davon träumt und sich dann anmacht.

Das wird meiner Meinung nach sehr eindrucksvoll beschrieben, der kleine Hardy, der von der Mondlandung sehr beigeistert ist und später Astronaut werden will, hat auch keine Eltern, zumindest glaubt er das.

Er hat aber einen Großvater, der im Irrenhaus oder in der psychiatrischen Anstalt, die es in dem Ort auch noch gibt, geboren wurde und eine Mutter namens Martha, die ihren Mann umgebracht hat und deshalb im Gefängnis sitzt.

Das Kind, das sie dort geboren hat, hat man ihr wegnenommen und der kleine Hardy, der am Tag der Mondlandung flieht, wird von einer Lehrerin adoptiert.

Da entwickelt er sich zum Musterkind und Streber, begeistert sich an den Abenteuerromanen eines Science Fiction Autors, mit dem die Lehrerin ein Verhältnis beginnt. Kommt mit ihr und ihrem Liebhaber nach Amerika, entwickelt dort ein Computerspiel, an dem er sehr viel verdient und beginnt sich , als er seine Firma verkauft, seinen Traum von einer Mondlandung zu verwirklichen, was aber nicht wirklich gelingt.

Ein spannender fünfhundert Seiten Roman, der mich, vor allem am Anfang, sehr begeistert hat.

Später hat es sich dann, was mir beim heurigen Buchpreislesen öfter passierte, ein wenig verflacht. Der Spannungsbogen wurde nicht ganz eingehalten, beziehungsweise überspannt und übertrieben und spannend auch, daß ja noch ein Buch über die Mondlandung folgt. Man sieht, ein  Thema, das dieses Jahr mehrere Autoren beschäftigt hat.

„Wo waren wir am 21. Juli 1969?“, steht noch am Buchrücken mit der Bemerkung, daß sich kaum ein Datum so in das kollektive Gedächtnis wie dieses eingeprägt hat.

Nun, das gilt wahrscheinlich auch für nine elfen. Da war ich auf Wien-Tour, während ich am 21. Juli mit knapp sechzehn noch ein letztes Mal im Kinderfreunde-Ferienheim in  Klein St. Paul war und anschließend nahtlos nach Küb am Semmering gefahren bin, um dort in der Pension Weiß auszuhelfen, beziehungsweise ein Ferialpraktikum  zu machen.

2019-10-06

Der große Garten

Und schon bin  ich bei Buch zehn des heurigen dBps, Halbzeit also und das ist ein besonderes Buch, schon wegen seines bunten Covers und dann weil es, obwohl das ja die Kritierien wären, wieder kein Roman ist, sondern ein Memoir, vielleicht sogar ein Personal Essay oder eine Aphorimensammlung. Kleine feine poetisch schöne Stückchen vom Leben auf dem Land, das Tagebuch einer Aussteigerin.

Im Internet steht zu lesen, daß die Autorin, die 1980 in München geborene Filmemacherin Lola Randl in die Uckermark gezogen ist, um das Leben am Land zu erleben.

Im Buch sind leider, was mich wieder sehr stört, weder eine Beschreibung, noch eine Bbiografie der Autorin zu finden.

Ich weiß aber, daß es ein Debut ist und, daß Lola Randl dafür auch für den „Tumler-Preis“ nominiert war und den Publkumspreis gewonnen hat.

In den kleinen feinen Stückchen, die Namen wie „Pastinake“, „Samen“, „Saatgutbörse“, etcetera, tragen, steht etwas von einem Burn-out zu lesen und daß die Ich-Erzählerin mit ihren Kindern, ihrem Liebhaber und ihrem Mann  aufs Land gezogen ist, um ein Gartenbuch  zu schreiben. Eine Therapeutin und einen Analytiker, zu dem auch, was ja streng verboten ist, intime Beziehungen zu bestehen scheinen, gibt es auch und allgmein könnte man sagen, daß sich Lola Randl in einem ironischen bis sarkastischen Ton über das Aussteigerleben lustig macht.

Denn in dem kleinen Dörfchen, wo sich das Haus befindet, sind auch Japaner eingezogen, die dort ein Cafe errichten und japanisch kochen. Ganze Aussteigerkolonien gibt es auch, die sich dann als Knechte beim Liebhaber verdingen, um dessen kaputtes Dach zu reparieren, was sie nicht zusammenbringen oder Workshops besuchen, wo sie die Achtsamkeit oder die Permakulturen erlernen sollen.

Immer wieder wird zwischendurch von der DDR berichtet, denn da gibt es die Irmi und den Hermann, die bald ihre goldenen hochzeit feiern, die waren früher Melker in der LPG. Jetzt haben sie das schönste Gemüse. Nur fällt der Hermann einmal aufs Kreuz, muß deshalb monatelang ins Krankenhaus und ist nachher ein Pflegefall, der nur mehr die schönen DDR-Marken sammeln kann, die eigentlich sehr wertvoll ist.

Ein interessantes Zwischenspiel zwischen all den realistischen Romanen mit ihren multiplen Problemstrukturen, könnte man sagen. Eine kleine ästhetisch schöne Verschnaufspause zum Atemholen und Entspannen. Aber halt habe ich weiter oben nicht von Sarkasmus und Ironie geschrieben?#

Natürlich und es ist natürlich auch kein Gartenbuch, auch wenn es im Anhang sogar ein Register gibt, es ist eher ein ironisch sich über all das lustig machende Aphorismensammlung, einer mir bisher unbekannten Autorin, die es gleich zu einigen Nominierung und Preisen brachte.

Interessant ist auch, daß es bei den „Amazon Rezensenten“ zu sehr unterschiedlichen Bewertungen brachten und, daß es dort sowohl, als „Mist“, als auch als „sehr lesenswert“ bewertet wurde.

2018-12-05

Wie kommt der Krieg ins Kind

Buch siebzehn des deutschen Buchpreislesens, langsam nähere ich mich dem Ende, denn ich habe nur noch das sechste Shortlistbuch auf meiner Liste, die zwei anderen müßten noch zu mir kommen.

Das Buch der  1964 geborenen Susanne Fritz „Wie kommt der Krieg ins Kind“ ist wieder kein Roman, sondern ein Memoir oder Bericht über ihre Mutter, beziehungsweise ihre als Deutsche in Polen aufgewachsene Familie.

Eine Auseinandersetzung  und Vergangenheitsbewältigung, ein wie am Buchrücken steht „Sehr persönliches Buch über das Schicksal der eigenen Familie in den Zeitläufen des zwanzigsten Jahrhunderts, vor allem ein Buch über eine Mutter-Tochter Beziehung. Spurensuche, deutsch-polnische Geschichtsschreibung und Erzählung in einem“, steht am Buchrücken.

Die Mutter-Tochter Beziehung, mit der in das Buch eingeführt wird, würde ich in den knappen sachlich-klaren  kurzen Kapitel am wenigsten ausmachen, denn Susanne Fritz nähert sich dem Thema weitläufig an. Es beginnt mit dem Ganzkörperscanner mit dem man sich für einen Amerikabesuch konfrontieren muß und dem Zurechtgewiesenwerden durch die Beamten, wenn das nicht problemlos klappt, das Susanne Fritz an ihreMutter denken läßt, die im polinischen Schwersenz aufgeachsen, sich 1939 als neunjähriges Mädchen zur deutschen Volksgruppe bekennt, 1945  deshalb verhaftet  und für drei Jahre in ein polnischen Arbeitslager gebracht wird.

Danach geht sie in den Schwarzwald, heiratet, bekommt ihre Kinder, weigert sich über ihre Vergangenheit zu sprechen und reagiert sehr heftig, als die Tochter zu schreiben beginnt.

Der Mutter wäre das Buch über sie wahrscheinlich nicht recht gewesen, die Tochter forscht aber akribisch weiter, studiert Akten, liest Bücher, fährt nach Polen, schaut sich alte Familienfotos an und beginnt dann über den Großvater Georg oder Jerzy zu erzählen, der in Schwersenz oder Schwaningen eine Bäckerei oder Pikarnia hat. Er gehört der deutschen Volksgruppe an, wird, als die Nazis kommen, Schutzpolizist und Bürgermeister und stirbt 1945, als er doch noch in den Krieg eingezogen wird.

Die Großmutter Elisabeth, gelähmt, an MS leidend, versucht mit ihren Kindern zu fliehen, die Tochter Ingrid wird verhaftet und kommt in das schon erwähnte Lager. Später wieder nach Polen auf Besuch kommen, obwohl sie eigentlich nur ungern ihre Wohnung verläßt, sie verzichtet auch auf den Besitzanspruch auf ihr Elternhaus und die Tochter beginnt sich nach dem Tod ihrer Mutter mit der Familiengeschichte zu beschäftigen,  Verwandte, Ämter und Behörden zu befragen, etcetera.

Ein schwieriges, vielschichtiges Thema, das gerade in Zeiten, wie diesen viele Fragen nach Identitäten, Wahl- Freiheitsmöglichkeiten aufwirft.

Für mich stellt sich auch die Frage, ob man, wenn man über die Verstörungen und Traumatsierungen der Mutter weiß und ahnen kann, daß sie mit einem zur Schaustellen ihrer Person nicht einverstanden sein wird, ein solches Buch schreiben kann?

Ich würde es wahrscheinlich nicht tun, kann aber den Wunsch der Tochter sich mit ihrer eigenen Familiengeschichte auseinanderzusetzen verstehen.

Der österreichische Journalist Martin Pollack hat sich, glaube ich, auf ähnliche Weise mit seiner Familiengeschichte auseinandergesetzt  und man erfährt  vieles über die deutsch polnisches Geschichte, kann sich vielleicht mit seiner eigenen Familiengeschichte auseinandersetzen und habe eine interessante, mir bisher unbekannte Autorin kennengelernt und würde das Buch in etwa mit dem Longlistbuch „Lebt wohl ihr Genoßen und Geliebten“ vergleichen.

 

2018-11-20

Wie hoch die Wasser steigen

Jetzt kommt  Buch sechzehn des dBp und eines von dem ich vorher schon sehr viel hörte, ist Anja Kampmanns „Wie hoch die Wasser steigen“ doch auch für den „Preis der Leipziger Buchmesse“ nominiert worden und Anna Bozena Badura hat mir das Buch, als wir in Essen bei ihr wohnten gezeigt und die 1983 in Hamburg geborene, in Leipzig wohnende Autorin auch auf der Buchmesse interviewt und in den Blogs war das Buch auch sehr oft zu sehen.

Es ist das Debut der Autorin, die sich offenbar schon als Lyrikerin einen Namen machte und das habe ich öfter gelesen, merkt man dem  Buch, an dem die Autorin offenbar sehr lang gearbeitet hat auch an, die Sprache nämlich sehr verdichtet, obwohl das Buch ja einen eher unlyrischen Inhalt hat, was es wahrscheinlich so außergewöhnlich macht.

Geht es doch um die rauhe Arbeitswelt, um die Welt der harten Männer, die auf Bohrinseln leben und oft schon jahrelang ihre Familien nicht gesehen haben und daher, obwohl sie dabei viel Geld verdienen, entwurzelt und vielleicht auch verloren sind.

Das Buch ist ein Debut, daher wundert es mich ein wenig, daß es nicht auf der heurigen und auch nicht, wie ich ursprünglich annahm auf der vorigen Bloggerdebutpreisliste steht.

Jetzt ist es zu spät es zu nominieren und ich habe mir mit dem Lesen auch nicht sehr leicht getan, war für mich der Inhalt des Roadmovies wahrscheinlich ähnlich oder anders verwirrend, als das des Denis Pfabe, das ja auch sehr lyrisch und verdichtet und auch noch viel kürzer ist.

Es geht um Wazlaw oder Wenzel, einen im Ruhrgebiet aufgewachsenen, dessen Familie aus Polen stammt und der schon seit zwölf Jahren auf den Bohrinseln lebt und arbeitet. Sechs Jahre machte er das mit seinem Freund Matyas, hatte zu ihm offenbar auch eine sehr  vertraute Beziehung, eine Wohnung in Tanger und einen Meldesitz in Malta aus Steuergründen. Man sieht die Globalisierung und Matyas kehrt eines Tages nicht mehr auf die Plattform zurück. Ist offenbar im Meer verschwunden, verunfallt. Man weiß das nicht so genau. Die Gesellschaft sucht auch nicht nach ihn, sondern schickt Wazlaw nur mit seinen Sachen nach Ungarn, um sie seiner Schwester zu bringen.

Der üernachtet bevor er das tut, ein paar Nächte im „Gellert“ in Budapest und läßt sich von einem Schneider einen Anzug schneidern. Dann übergibt er die Sachen, kehrt aber nicht mehr auf die Insel zurück, sondern irrt durch die Welt und durch sein Leben.

Denn da gab es ja eine Beziehung zu Milena, mit der er ein Leben in Polen aufbauen wollte, was aber nicht glückte. So fährt Waczlaw gegen Norden, übernachtet in <hotels, besucht in Italien seinen Onkel Alois, der ihm eine Brieftaube übergibt, die er ins Ruhrgebiet, wo er aufgewachsen ist, bringen soll.

Milena erfährt er, liegt im Koma. So reist er nach Polen, spricht mit ihrer Schwester und dann immer weiter bis das Buch in einem Epilog endet.

Ein interessantes Roadmovie fasse ich zusammen, interessant wegen des eher unlyrischen  Inhalts, der von der rauhen Welt der Männer, die auf Bohrinseln leben, spielen, saufen, lieben und die Wurzeln zu ihrer Heimat schon lang verloren haben.

Interessant ist auch, daß Anja Kampmann sehr lang an dem Buch gearbeitet hat, viel dafür recherchierte, wie auch im Anhang steht.

2018-11-17

Hysteria

Nach den österreichischen Buchpreisbüchern und der „Buch-Wien“, die mich letzte Woche intensiv gebeutelt haben, geht es wieder zurück zum dBP und den letzten vier Büchern, die ich da noch zu lesen habe, also Buch fünfzehn, das mit dem berühmten Satz, der wahrscheinlich nicht nur Klaus Kastberger, dem Grazer Literaturhausleiter und Bachmannjuror, beginnt „Mit den Himbeeren stimmte etwas nicht.“ gefällt, da ich ihn mehrmals auf seiner Twitterseite gelesen habe.

Ein Longlistbuch mit der  1966 in Frankfurt geborene Eckhart Nickel im vorigen Jahr in Klagenfurt gelesen hat und es ist, kann ich gleich verraten oder spoilern ein widersprüchiges Buch, dem man wahrscheinlich nicht gerecht wird, wenn man es nach der ersten Seite auf den Misthaufen schmeißt und hofft, daß dann etwas Biologisches daraus entsteht.

Denn darum geht es. Um eine Welt in der alles künstlich ist, eine Dystopie, die in einer Zukunft spielt, in der Alkohol verboten ist, man nur noch an bestimmten Tagen Autofahren kann und man wenn man sich berauschen will, in eine Armomabar geht.

Man kann nur mehr Kulinarik studieren und das tat der hypersensible Bergheim auch. Er geht auf den Markt, sieht, daß die Himbeeren im Schälchen künstlich sind und die Tiere, die dort auch verkauft werden, nicht mehr bluten. Das führt ihn zu der Farm, wo die Früchte erzeugt werden und von dort ins kulinarische Institut, beziehungsweise in eine Baumschule, wo seine Jugendliebe Charlotte inzwischen Direktorin ist.

Das wird sehr unheimlich erzählt. Überall ist es dunkel. Bergheim fühlt sich übermacht und man könnte denken, daß das Buch eher „Paranoia“ heißen sollte. In dem Institut wird er, obwohl er sich nicht angemeldet hat, vom Assistenten gleich erwartet, Charlotte ist per „Sie“ mit ihm und tut, als würde sie ihn nicht kennen und seltsame Schreie ertönen auch von überall her.

So begibt sich Bergheim auf die Suche in dem Institut und kommt in ein Badezimmer, das offenbar Charlotte gehört und man könnte sich fragen, wieso gibt es in einer Baumschule ein solches mit intimen Gegenständen? Und mit Hilfe eines solchen setzt sich Bergheim nun in die Vergangenheit zurück und ich war die nächsten Kapitel sehr verwirrt, denn jetzt geht es plötzlich in eine Buchhandlung, in ein Antiquariat eines Herrn Weiss und das hat dann nichts mehr mit dem bedrohlichen Zukunftsszenarieum zu tun, sondern klingt liebevoll altmodisch. Die Assistentin dekoriert die Schaufenster im Sinne E. T. A. Hoffmanns und ich habe die Liebe zu Büchern hinausgelesen, nur gedacht, wie passt das jetzt zusammen?

Bergheim hat mit Ansgar und Charlotte Kulinarik studiert, ließ seine Abschlußarbeit bei Herrn Weiss der später Schöpfer heißt und einen Copyschop betreibt, wo das Papier allerdings handgeschöpft hergestellt wird, besucht mit Charlotte eine Aromoabar und als er in seinem Gang durch die Vergangenheit soweit ist, kommt Charlotte ins Badezimmer, reißt ihn heraus, nennt ihn jetzt wieder „du“ und sagt, keiner darf merken, daß er im Badezimmer war, denn die Führung durch das Institut geht weiter. Sie wollen in den Keller, wo alle Künstlichkeiten hergestellt werden. Geht aber nicht, die seltsamen Schreien hindern sie daran. Also zuerst zu einem künstlichen Goumetabendessen. Vorher fliegt Bergheim aber eine künstliche Fliege ins Auge und als er, weil ihm die Schreie weiter irritieren, in den Keller stürzt, findet er dort die „Herrin der Fliegen“, vom künstlichen Fliegenschwarm überfallen und halbzerfessen. Kann sie gerade noch retten und am nächsten Tag, als er mit den ersten Autobus in die Stadt zurückfährt, kommt er zerraufft und zerrissen am Markt an, schnappt sich dort ein Schild, schreibt sowohl „Fleisch“, als auch „falsch“ darauf und stellt sich so zur Schau, was die Passanten beruhigend zu ihren Kindern sagen läßt „Nicht hinschauen, das ist nur ein Wirrkopf!“

Also doch ein tolles Buch, obwohl ich das am Anfang nicht so gemerkt habe.

2018-11-15

Jahre später

Buch vierzehn des dBps und das war eine Überraschung, hatte ich mir ja von dem dritten Teil der Trilogie der 1958 in Ahrensburg geborenen Angelika Klüssendorf, sehr viel erwartet, ist sie doch schon mit Teil eins „Das Mädchen“ und Teil zwei „April“ jeweils auf der Shortlist des DBps gestanden.

Das Buch wurde überall hoch gelobt, manche sahen in  der Frühjahrsneuerscheinung auch das Preisbuch. Es kam aber nicht auf die Shortlist und ich stellte fest, daß es schwer ist, in den dritten Teil einzusteigen und hätte mir wahrscheinlich leichter getan, wenn ich die zwei anderen Bücher gekannt hätte, aber 2011 und 2014 habe ich noch nicht Buchpreis gebloggt, so blieb ich etwas überrascht, wenn nicht enttäuscht zurück, denn ich schreibe es gleich, ich bin in das Buch nicht hineingekommen, habe es vielleicht auch nicht verstanden, auf jeden Fall aber den großen literarischen Wert nicht erkannt, ließ es mich doch eher verwirrt zurück.

Der erste Teil, entnehme ich dem Klappentext oder dem, was ich schon vorher gehört habe, handelt vom schwierigen Aufwachsen eines Mädchensj in der ehemaligen DDR, das heißt April, wie auch im zweiten Teil das Aufwachsen und das Entwicklen zur Schriftstellerin beschrieben wird, aber eigentlich behandelt, es das Leben der Autorin und bei einem Interview mit Dennis Scheck habe ich sie sagen gehört, daß das fiktive Ich natürlich nicht sie selbst, sondern eine Kunstfigur ist. Angelika Klüssendorf war jedenfalls mit Frank Schirrmacher, dem berühmten Journalisten, verheiratet und in „Jahre später“ lernt April, die inzwischen einen Sohn namens Julius hat, was wahrscheinlich in Teil zwei beschrieben wurde, bei einer Lesung einen seltsamen Mann, sie schreibt von einem „Kindergesicht“ kennen, einen Chirurgen namens Ludwig, kennen, den sie dann heiratet.

Das hundertfünzig Seiten schmale Büchlein schildert nun, ich gebe es zu, in poetisch schönen Skizzen, die Ehe der beide, die scheitern mußte, weil sie beide sehr schwierige Persönlichkeiten sind. Ich habe sie aber eher seltsam und auf jeden Fall unrealistisch empfunden und das ist ja etwas, mit dem ich bekanntlich Schwierigkeiten habe, so daß ich eine eher unangenehme Überraschung erlebte.

Denn mir wurde nicht klar warum die Beiden heiraten. Sitzt sie doch bald nach ihrer Hochzeit vereinsamt in der großen Wohnung und hat die Geister von den Filmen, die sie sich am Abend mit ihrem Chirurgengatten ansieht in der Küche.

April zieht mit ihrem sohn, zu dem sie auch eine schwierige Beziehung hat, von Berlin nach Hamburg, dann wieder nach Berlin zurück. Der Chirurg mit dem Kindergesicht ist auch seltsam. Die Beiden machen seltsame Sachen, zum Beispiel Kollegen des Arztes mit verstellter Stimme anrufen. Der Sohn zieht dann zu seinem Vater. April wird nochmals schwanger. Die Ehe geht schief und am Schluß beginnt sie offenbar ihre Geschichte aufzuschreiben und das Buch endet mit dem Satz mit dem Buch eins begonnen hat.

Dennis Scheck und andere waren von dem Buch begeistert, aber das habe ich schon beim Buchmessensurfen festgestellt, daß sich mein und sein Geschmack offenbar unterscheiden. Ich habe die literarische Qualität nicht entdeckt und weil ich mir wahrscheinlich zu viel erwartet habe, war ich nachher auch enttäuscht, bin aber gespannt, ob ich Buch eins und zwei auch noch finde und da zu einem anderen Ergebnis kommen werde?

2018-10-31

Hier ist noch alles möglich

Jetzt bin ich schon bei Buch dreizehn des dBps und es ist eines, das ich Anfang August noch in Wien in den Blogs oder auch in den Buchhandlungen gesehen habe. In Bern und in Zürich habe ich es dann auch gesehen, was kein Kunststück ist, ist die italienischstömmmige 1988 in Basel geborene Autorin eine Schweizerin, die mit ihren Debutroman, aus dem sie im Vorjahr ein Kapitel in Klagenfurt gelesen hat, auch auf der Schweizer-Buchpreisliste und die inoffizellen Buchpreis-Youtuber haben das Buch auch meist besprochen.

Dem offiziellen „Büchernerd“ hat es nicht sehr gefallen, anderen schon und da scheiden sich die Geister, denn es ist kein Mainstreambuch, keines wahrscheinlich, worüber sich die Schwiegermütter am Heiligenabend freuen würden, da sind sie mit der Mahlke sicher besser beraten, aber eines das sehr künstlerisch ist, mit den vielen Zeichnungen einen experimentellen Ansatz hat. Eines, das von der Machart stark an Simone Hirths „Notunterkunft“ erinnert und auch eines das mit sehr gut gefallen hat, das ich mir auf die Blogger-Debutshortlist wünschen würde, denn da hätte ich erstens weniger zu lesen und auf meiner Shortlist steht es schon.

Einige you Tuber bemängeln die einfache Sprache, aber die ist anders, als das, was ich mir unter einer einfachen Sprache vorstellen würde, sondern eher so, wie es Sasa Stanisic am Buchrücken beschreibt „Manche Bücher sind wie Inseln. Leser betreten sie nur kurz, aber lang genug, dass sie ihre rätselhafte Schönheit, ihren sprachlichen Bewuchs, ihre Bewohner nicht mehr missen mögen.“ und Ruth Schweikert, auch eine Schweizer Autorin, schrieb „Gianna Molinari nimmt uns an Bord einer literarischen Forschungsreise zu den Terrae Incognitae der Gegenwart, nimmt uns vom vermeintliche sicheren Ufer mit ins offene Meer“.

Das finde ich ein wenig übertrieben ausgedrückt und so würde ich das Buch, in dem Inseln tatsächlich eine große Rolle spielen und auch oft gezeichnet werden, nicht verstehen.

Ich denke eher Gianna Molinari entfernt sich mit ihrem Debutroman von der Hektik dieser Welt und den unzähligen Spannungsbögen und Actionmustern, die ein guter Roman angeblich haben muß, sondern macht es, um an Adolf Muschg oder an Adalbert Stifter zu erinnern, wie bei den „Bunten Steinen“, nicht „das Große, sondern das Einfache ist schön!“

Und da ist sie, die namenlose Ich-Erzählerin, die sich in einer bald aufgelöst werdenden Verpackungsfabrik als Nachtwächerin einstellen läßt. Mit dem Koffer in der Hand sozusagen aus dem Nichts dorthinkommt, wo es außer ihr noch den Chef, einen anderen Nachtwächer einen Koch und ein oder zwei Arbeiter gibt, die sie in der Kantine trifft. Sie war früher Bibliothekarin, das weiß man und sie hat, wie bei Simone Hirth, ein Lexikon und wahrscheinlich auch ein Notizbuch bei sich.

Einen alten Kopierer läßt sie sich dann vom Chef schenken und der erste Spannungsbogen taucht auf, als der Koch einen Wolf im Abfall wühlen sieht. Der wird jetzt gejagt. Denn das gibt es doch nicht, daß ein Wolf das Gelände einer fast leeren Fabrik unsicher macht. Aber in der gibt es Überwachungskameras, in die die beiden Nachtwächter starren sollen. Eine Wolfsfalle sollen sie auch bauen und provisorisch die Löcher im Zaun reparieren. Für mehr ist kein Geld da oder es lohnt sich nicht, darin zu investieren. Die Frage warum dann in zwei Nachtwächter investiert wird, wird vom Chef nicht beantwortet und ich schließe mich der Deutung, die ich bei „Caros Bücher“ gehört habe, daß der Wolf das Symbol für das Fremde, das man abhalten, für die Flüchtlingsinvasion beispielsweise, nur bedingt an, weil man das zwar so interpretieren könnte, ich das Buch aber eigentlich für sich sprechen lassen will und da gibt es drei Teile, drei Geschichten sozusagen, die eine ist die von dem Wolf, der dann auch in der Halle, wo die Nachtwächterin wohnt auftaucht, neben ihrem Bett sitzt, sie sozusagen behütet, während er von Clemens, dem anderen Nachtwächter nicht gesehen wird.

Dann gibt es die Wahre, von dem aus einem Flugzeug gefallenen Afrikaner, die GiannaMolinari auch in Klagenfurt gelesen hat und im dritten Teil wird die Nachtwächterin noch für eine Bankräuberin gehalten und das alles wird mit ganz banalen Ereignissen vermischt. Listen tauchen wie bei Simone Hirth in dem Buch auf. Betrachtungen über Inseln und gefundenen Legomännchen, etecerta, was ich für „das Kleine“ halten würde, was zwar nicht das wirkliche „Große“ ist, aber ein spannungsreicher Actionroman, wo der Held eigentlich siebenhundert Leben haben müßte, um bei der Geschichte durchzukommen, ist es auch nicht.

Es ist ein experimentelles, wahrscheinlich Sprachschulenbuch, das Gianna Molinari geschrieben oder konstruiert hat, in dem, was mehrmals drinnen steht  „noch alles möglich ist“ oder sein soll. In diesem Sinn wünsche ich ihr viel Glück für den „Schweizer Buch- und oder den Blogger-Debutpreis“, aber den ersten wird vielleicht  Peter Stamm gewinnen, beim zweiten habe ich noch keinen Wunschvorstellung.

Nächste Seite »

Bloggen auf WordPress.com.