Literaturgefluester

2019-10-03

Vater unser

Jetzt kommt Buch acht der deutschen Buchpreisliste, es ist jetzt Schluß mit den österreichischen Büchern darauf, dafür steht das Buch, der 1987 in Klagenfurt geborenen Angela Lehner auch auf der österreichischen Debutliste und sie hat bei dem O Tönen auch gemeinsam mit Marlene Streeruwitz vorgestellt. Da war ich nicht dabei sondern gerade beim Filmfestival in Locarno und hatte auch sonst zwar schon einiges über das Buch, das auch auf der Bloggerdeubtlonglist steh,t gehört, aber noch nichts von der Autorin, die offenbar, als die neue Stimme, stark, wie Josef Winkler und Thomas Bernhard vom Feuilleton gehandelt wird und auch auf mehren Debutpreislisten, die es ja wie die Schwammerln zu geben scheint, steht.

Für den „Alpha“ ist die nominiert, den „Franz Tumler Preis“ hat sie vor kurzem gewonnen. Auf die deutsche Shortlist hat sie, was sie auf ihrer Facebookseite bedauert, beziehungsweise rotzig bemotzt, es nicht geschafft.

Denn die starke literarische Stimme ist eine sehr rotzige Erzählerin mit einem neuen frechen Ton und ihre Eva Gruber, die Protagonistin des Buches ist, wie ich überall lesen und hören konnte, eine unzuverläßige Erzählerin, der man nicht trauen kann und das macht es den Lesern wahrscheinlich nicht leicht.

Was passiert in dem Buch? Eva Gruber, eine junge Frau und das ist schon einmal unglaubwürdig, obwohl es die Eva so nicht erzählt, wird von der Polizei von Bayern über Kärntnen, denn da liegt ein Haider-Bild in einer Tankstelle, nach Wien aufs OWS besser unter Baumbartnerhöhe oder Steinhof bekannt gebracht, denn sie hat eine Kindergartenklasse umgebracht.

Da wird man wahrscheinlich eher ins Landespsychiatrie nach  München oder vielleicht auch in Klagenfurt wenn schon die Protagonistin oder ihre Autorin daher kommt, eingeliefert. Aber Evas Bruder Bernhard befindet sich auch dort, wird da wegen seiner Magensucht behandelt und deshalb bekommt man später heraus, hat sich Eva dorthin bringen lassen, um ihren Bruder zu retten.

Sie wird alsbald dem leitenden Psychiater Dr. Korb zugeführt, der mit ihr eine Gesprächstherapie oder Psychoanalyse macht und dabei das Zimmer zusperrt. Das erscheint mir in Zeiten, wie diesen auch nicht sehr realistisch oder ist eine Anspielung auf den dort sicher schon stattgefunden habenden Mißbrauch, aber um den „Spiegelgrund“ geht es in dem Buch gar nicht.

Eva erzählt ihm jedenfalls ihr Vater hätte sich umgebracht und dieMutter ist auch gestorben, was, wie sich herausstellt auch nicht stimmt, denn die Mutter taucht später auf und macht mit dem Geschwistern und Dr. Korb eine Familien oder Grppentherapie.

Zuerst will aber der zum Skelett abgemagerter Bruder, der mit einer Adriana, wegen ihrer großen Ohren von Eva „Dumbo“ genannt, im Garten arbeitet, von der Schwester nichts wissen.

Warum der Bruder magersüchtig ist, kann man sich aus den Rückblenden auf eine katholische Jugend in einem Kärntner Dorf, das sind sicherlich die Anspielsungen auf Josef Winkler, deuten.

Es gab Mißbrauch des Vaters an beide Kinder, die Ehe der Eltern wurde geschieden und jetzt fühlt sich die rotzfreche Eva für ihren Bruder verantwortlich und will ihm retten, indem sie ihm veranlaßt, den Vater zu töten.

Oder besser, sie will das für ihn tun. Deshalb entführt sie den Bruder sozusagen im dritten Teil, der „der heilige Geist“ benannt ist, der erste hieß „Der Vater“, der zweite“Der Sohn“, aha und fährt mit ihm mit dem geborgten Auto der Fußpflegerin, mit der sie sich angefreundet hat, zuerst nach Schönbrunn in den Zoo, was diese Metahper aussagen will, habe ich nicht verstanden und dann mit ebenfall ausgeborgten dreißig Euro nach Kärnten.

Auf dem Weg flüchtet der Bruder, so bleibt  das Auto stehen, rennen durch einen Wald, kommen dann, wie Hänsel und Gretel zu einem Bauern. Die Bäuerin nimmt sie auf, bäckt mit Bernhard Brot, der Bauer geht mit Eva fischen. In der Nacht kotzt der Bruder die Forelle hinaus und die Geschwister flüchten mit einem Bus weiter, dort gibt eine alte Frau dem Bruder Wurstscheiben. Sie werden aus dem Bus geworfen, kommen aber letztendlich in das Vaterhaus. Dazwischen hat Bernhard noch die Schwester beschuldigt Doktor Korb ermordet zu haben, aber der taucht, wenn ich es richtig verstanden habe, mit der Mutter vor dem Haus auf, in dem Eva auf den Vater wartet und am Ende trägt Eva den schon sehr schwachenBruder in eine Kapelle.

Psychoanalytiker oder Literaturwissenschaftler helft mir beim Deuten, da komme ich nicht ganz mit, mit den vielen Metahern, Schlingen und Irrwegen. Was will uns die Autorin sagen, die uns so rotzfrech durch die Seiten führt?

Es geht um einen Mißbrauch und eine verlorene Kindheit ganz klar, die Stellen im Steinhof sind sehr gut beschrieben und auch sehr gut recherchiert.

Der Dr. Korb ist kein Trottel, der von seiner Patientin hinters Licht geführt wird, wie man meinen könnte, sondern versteht was von seinem Fach. Der Ton ist frisch und klar, die Vergleiche mit Winkler scheinen mir etwas übertrieben. Ein paar Mal fällt ein leichter Thomas Bernhard Ton auf, aber der ist ja sehr leicht zu imitieren und animiert wahrscheinlich auch sehr leicht dazu.

Eine gelungene „Coming of Age-Geschichte“ würde ich sagen, wobei ich mir nicht ganz sicher bin, ob sie vielleicht doch flacher ist, als man auf den ersten Blick meinen könnte.

Die Zukunft wird es weisen, was wir noch von der offenbar sehr selbstbewußten jungen Autorin hören und lesen werden?

Also seien wir gespannt, ob sie auf die Bloggerdebutshortlist, dann hätte ich das Buch schon gelesen, kommt, ob sie den Alpha gewinnt, auf der Shortlist steht sie schon, dann bekäme ich das Printbuch, das einen sehr farbigen glänzenden roten Umschlag hat? So habe ich das PDF oder E-Book gelesen oder ob es  den österreichischen Debutpreis gewinnt, wird sich Anfang November erweisen.

Und ehe ichs vergessen, Eva Schmidt, die auch nicht auf der Shortlist steht, hat  über eine andere „Lügnerin“ geschrieben, die  auch erst ihr Leben meistern muß.

2018-10-13

Die Katze und der General

Buch zehn des dBp und das vierte Shortlistbuch, ich weiß, ich bin spät daran, aber Nino Hartatischwilis Roman hat über siebenhundert Seite und es ist das erste Buch der 1983 in Tiflis geborenen, das ich gelesen habe.

„Ihr achtes Leben“ ist ja durch alle Blogs gegangen und ich habe auch in Göttweig daraus gehört, bei diesem Buch waren die Blogger und Book Tuber etwas zurückhaltender, wahrscheinlich war es ihnen zu lang und auch bei „Amazon“ gab es „Ein-Stern-Rezensionen“, Manfred Rebhandl im „Standard“ hat es nicht gefallen. Er hat es für mißĺungen gehalten und ich habe mich die letzte Woche durch das Buch gelesen und bin zu dem Schluß gekommen, daß es den eBp gewinnen müßte, denn Maxims Billers wahrscheinlich schnell dahin geschriebenes Geschichtchen, das noch dazu bereits schon von seiner Schwester geschrieben wurde, kommt nicht dagegen an.

Gut man könnte sagen, daß man es wahrscheinlich kürzen hätte können und nicht alles so genau auserzählen hätte müßen. Man kann den Plot wahrscheinlich auch ktischig nennen. Er ist aber einer von denen, der mir gefällt und über Tschetschenien und den ersten und zweiten Krieg, den es dort gegeben hat und ich habe vor zehn Jahren sehr viel Traumadiagnostik mit Asylwerbern von dort gemacht, habe ich sehr sehr viel erfahren.

Es ist auch, glaube ich, hervorragend komponiert und ich gebe zu, daß ich mit fünfunddreißig Jahren und wahrscheinlich auch jetzt nicht so gut schreiben konnte und kann, würde es aber sehr gern.

Also voila, wieder ein bißchen vor mich hingespoilert, obwohl das meiste schon im Klappentext steht, denn, daß Nura, die junge aufrechte Teschetschenein, deren Ehrgeiz es ist, den Rubik-Kubik- Würfel zusammengebracht zu haben, vergewaltigt und ermordet wurde, ist von Anfang an bekannt und haben die Booktuber erzählt, die sich durch das Leseprobenheftchen gewühlt haben.

Der Prolog erzählt von der Achtzehnjährigen, die in ihrem mittelalterlichen Dorf Mehl holen geht, wo alle Frauen Kopftuch tragen müßen und von ihren Brüdern und Cousinns bewacht werden, sie will von hier weg und spart schon das Geld dazu, als sie nach Jause kommt und die Nachricht hört, die Russen sind hier.

Dann geht es in das Jahr 2016 und nach Moskau oder Berlin, denn der General, Alexander Orlow, der keiner ist, sondern ein Oligarch, hat sich dorthin zurückgezogen. Er ist der Sohn eines hohen Militärs, wurde von der ehrgezigen Mutter auch in eine solche Laufbahn gedrängt, will aber lieber Literatur studieren. So geht er zu den Aufnahmsprüfungen der Militärakademie nicht hin oder läßt sich durchfallen. Kommt aber im Jahr 1996 doch irgendwie nach Tschetschenien, in das Dorf und soll dort die Küche betreuen. Da hat er einen Kjumpel Aljoscha, der eigentlich in Frankreich das Kochgewerbe erlernen will und von Coq au vin träumt. So kaufen sie Nura Hühnchen und Eier ab und die besoffenen Obersten und Führer, die sie haben, wollen auch im Dorf Krieg spielen, halten Nura für eine Terroristin und vergewaltigen sie.

Orlow und Aljoscha werden gezwungen mitzutun, Nura stirbt, Alexander zeigt sich selber an. Es kommt sehr ungewöhnlich zu einem Prozeß, den er erzwingt, aber der aufrechte Anwalt, den er besorgen konnte, wird ermordet und Oberst Petruschow, der stärkste der drei Mittäter, bietet ihm eine hohe Stelle in einem Konzern an, wenn er schweigt. Er tut es schließlich, wird Oligarch, verliert seine Jugendliebe Sonja und auch seine Tochter Ada, die die Schuld ihres Vaters in den Selbstmord trieb und im Berlin des Jahres 2016, sieht Orlow  auf einem Plakat, eine Schauspielerin, die der ermordetetn Nura verdammt ähnlich sieht.

Er engagiert sie, Katze genannt, die aus Georgien kommt, für ein Video, das er den drei Mittätern übermitteln läßt. Es gibt dann noch Schapiro, den Orlow im Gefängnis kennenlernte und der sein Leibwächter ist oder für ihn die Kohlen wegräumt und einen deutschen Journalisten Onno Bender, die Krähe genannt, man sieht das Buch ist sehr gut komponiert, der sich auf Orlows Spuren setzte, in Ada verliebte und ihr auch von der Schuld des Vaters erzählte.

Das Ganze wird hin und hererzählt und schließlich landet man zu Silvester 2016 in einem wunderschönen verschneiten tschetschenischen Bergdörfchen, wouerst Coq au Vin, ohne Wein, weil Alkohol ja in Tschetschenien verboten ist, gegessen und schließlich bei Wodka, russisches Roulette gespielt wird.

Hier endet meine Nacherzählung mit der Wiederholung, daß mir das Buch sehr sehr gut gefallen hat, den Thome und  „Nachtleuchten“, die auch noch auf der Shortlist standen, muß ich noch lesen.

Was das so Besondere an „Archipel“ ist, habe ich noch immer nicht begriffen, obwohl man beide Autorinnen in Frankfurt auf sämtlichen Sofas finden kann und ich mich demnächst in ein Georgien-Buch vertiefen werde, das, wie ein Wunder oder welche Energie, auch von Nino Haratischwili, die ja in Hamburg lebt, übersetzt wurde.

2017-09-14

Wiener Strasse

Nun gehts nach Berlin und nicht ,wie der Titel glauben machen könnte nach Wien oder wenigstens St. Pölten und zu dem neunten Buch der dBp LL und einem das, was ich nicht nur aus Lokalpatriotismus sehr schade finde, nicht auf die Shortlist gekommen wäre, denn das wäre, glaube ich, zumindestens für Berlin der Verkaufshit, den sich die Buchhändler immer für den Buchpreis wünschen und beklagen, daß da soviel „Kunstscheiß“ daraufsteht, aber das ist schon die Sprache von Kerstin, der reschen feschen Schwester von Erwin, dem Besitzer des Cafe Einfall und steht in der Wiener Straße in Berlin und wir gehen, was ich auch sehr sympathisch finde, weil es Erinnerungen an die „Jugend“ weckt, in die Achtzigerjahre des vorigen Jahrhunderts zurück und den Erwin und den Frank kennen wir schon vom „Herrn Lehmann“, denn der heißt ja Frank mit Vornamen und will nicht Frankie genannt werden und das Buch könnte man so sagen ist ein einziger Klamauk, aber auch eine Satrie auf den Kustbestrieb und es ist, was ebenfalls sympathisch findet, sehr einfach, kein „Kunstscheiß“ eben, geschrieben und reißt eine trotzdem mit.

Es beginnt in einem Baumarkt, denn dahin gehen die wackeren Kunden des Cafes, die eigentlich Künstler sind, um, was man erst später mitbekommt für eine Vernissage im Kunsthaus Werkzeug zu besorgen, während ins Cafe Einfall dauernd Leute kommen, die einen Job wollen.

Erwin Kächle ärgert sich mit seiner Nichte Chrissie und heuert dann Frank Lehmann zum Putzen an, was der mit großer Hingabe versieht. Chrissie wird dann als Kellnerin angestellt und soll am Morgen schon aufsperen und Kaffee ausschenken, denn es gibt ja eine alte, zwar unbrauchbare Kaffeemaschine in dem  Cafe. Sie soll auch Kuchen backen, der erste brennt an. Dann wird gleich ein Kunstwerk mit deutscher Fahne daraus gemacht und je für zwei Mark am Stück an Japaner verkauft, worauf sich die Diskussion entspinnt, ob sowas überhaupt geht und man den Verkäufer auf Schadenersatz klagen kann?

Sowas hatte, glaube ich, schon Beuys mit einer Putzfrau, die seine Kunst ahnungslos in den Mülleimer schmiß und richtig, österreichische Aktionskünstler, als Anklang wohl auf die Wiener Straße, gibt es auch und da eine urige Slapstickszene auf dem Dach.

Köstlich, köstlich und die Behauptung, daß es in Berlin keinen Tafelspitz zu kaufen gäbe. Ich weiß nicht, ob das stimmt, habe aber durch einen österreichischen Film erfahren, daß man das sogar in New York kann. Es geht aber gleich weiter, denn Kerstin, Chrissies Mutter und Erwins Schwester macht sich Sorgen, um die Tochter im geteilten Berlin und fährt deshalb, was man ja damals mußte transit durch die DDR, was natürlich auch zu Schwierigkeiten führt.

Indes wird im Cafe Einfall Apfelkuchen gebacken und Kakao ausgeschenkt. Die Vernissage wird vorbereitet, dafür ein Baum geklaut, was den Kontaktpolizisten, der sich, um seinen Bezirk kümmer soll, auf den Plan bringt. Frank Lehmann wird zum Weinausschank im Kunsthaus angeheuert und Erwin geht indessen mit seiner Freundin Helga, die schwanger ist, zum Geburtsvorbereitungskurs und rennt einen Tag lang mit einem Schwangerschaftsbauch herum, um auch mitzubekommen, was die armen Frauen so durchmachen müßen.

Köstlich, köstlich, die Satire, würde ich wieder sagen und am Schluß gibt es noch einen Knalleffekt im Kunsthaus, der damit endet, daß Erwin mit verrutschten Bauch und seinen Kellner Karl im Straßengraben sitzt. Der öffnet sein Kunstobjekt, nimmt eine Flasche Bier heraus und antwortet auf Erwins Frage „Und das soll Kunst sein?“, genüßlich „Jetzt nicht mehr!“

Das Buch ist es, würde ich sagen und auf jeden Fall sehr unterhaltsam, obwohl ich das ja an sich gar nicht so sehr mag und schadem schade, liebe Leute von der Jury, daß es nicht auf die Shortlist gekommen ist.

„Aber ihr habt ja nur Augen für das schwer Verständliche und Experimentelle!“, würden jetzt wohl die Buchhändler sagen.

Dem Buch ist noch ein Lesezeichen beiglegt, wo man Sven Regeners Lesetourneetermine ablesen kann. Er kommt für alle Interessten am sechzehnten und siebzehnten November in den Rabenhof.

Da muß man  sicher Eintritt zahlen. Aber das muß man in Deutschland auch und Erwin hat den Kaffee und den Kuchen im Cafe Einfall ja auch pro Portion um zwei Mark verkauft.

2017-08-30

Katie

Nun kommt Buch fünf des heurigen deutschen Buchpreislesens und die 1966 in München geborene Christine Wunnike ist schon vor zwei Jahren mit „Der Fuchs und Dr. Shimura“ auf der LLgestanden.

Damals hat ihr „Literaturen“ eine Außenseiterchance zugesprochen und ich habe das schmale Büchlein, das von den Erscheinungen eines ajpananischen Psychiaters im neunzehnten Jahrhundert handelte, zwischen zwei Fortbildungsveranstaltungen in der Buchhandlung Kuppitsch überlogen.

Nun habe ich vom „Berenberg-Verlag“, wo das Buch erschienen ist, das PDF erhalten und muß sagen, Christine Wunnike bringt wirklich einen besonderen Ton in die Gegenwartsliteratur und auf die langen Listen.

Wieder ein ungewöhnliches Thema, wieder das neunzehnte Jahrhundert, diesmal England und das Besondere an dieser Gespenster-Wissenschaftesgeschichte ist, wie in der Beschreibung steht, daß alles daran wahr und wahrhaftig ist, denn eine Florence Cook, einen Professor Crookes und eine Katie Morgan oder King hat es wirklich gegeben,wie man bei „Wikipedia“  nachgooglen kann.

Das wieder schmale Bändchen ist  in fünfzehn Kapitel gegliedert und Christine Wunnike habe ich bei „Amazon“ gelesen, hat eine besondere Sprache.

Richtig und einen feinen leicht sarkastischen Ton, in dem sie beschreibt, daß der Professor  Kaffee  zum Tee nimmt oder wie sie alle Mister oder Miss beziehungsweise Missis nennt.

Im ersten Kapitel geht William Crookes, der Herausgeber der chemischen Zeitung zu Michael Faraday, den Erfinder des Faradayischen Käftigs, um ihn etwas Wissenschaftliches zu fragen, nur leider ist der Gelehrte schon alt und senil, sitzt im Rollstuhl und schweigt vor sich hin.

Dann gehen wir in das Haus des Setzers Mister Cook, der dort mit seiner Frau, dem Dienstmädchen und den zwei Töchtern Florence und Selina lebt und Florence oder Florrie, wie sie der Vater nennt, ist ein ewig kränkeldes Kind, das sich verbiegen kann und den Wunsch hat berühmt zu werden.

Das Hausmädchen erzählt ihr von den Seancen oder dem „Sitzen“, das damals die Gesellschaft für sich erfunden hat und die,  glaube ich, sechszehnjährige wird bald ein berühmtes Medium, das sich in einen Kasten sperren, fesseln und annageln läßt und dort erscheint ihr Katie im weißen Hemd, eine vor zweihundert Jahren geborene Kinds- und Gattenmörderin und Professor Crookes soll ein Gutachten erstellen, ob Florence eine Betrügerin ist.

Nach einigen Zögern läßt sie sich nach London zu dem Professor und seiner zum achten Mal schwangeren Frau Nelly bringen, wird dort im grünen, das heißt mit Arsenik versuchten Zimmer einquartiert.

Katie erscheint wieder und verführt, sowohl den Assistenten, als auch die Professorengattin, der erzählt sie im Bett interessant Geschichten und der Professor der Kaffee zum Tee nimmt, hat sich in sein Labor zurückgezogen.

Nun wird Florence bald weltberühmt, tritt im Ägyptischen Salon solange auf, wie es Katie gefällt. eines Tages sagt die nämlich „Ich habe genug!“, ins Publklikum und zerfließt und wir können rätseln, wie es weiter mit der Wissenschaft geht.

Das heißt, Florence zieht sich von Selina betreut in ein Häuschen am Land zrück, das Radium wird erfunden, Darwin macht seine Forschungen und ja Gespenster hat es wohl auch gegeben.

Zumindestens Gespenstergeschichten im nebeldusteren London und Christine Wunnike hat eine vorzügliche wissenschaftliche Geschichte draus gemacht, nun wahrscheinlich keine Ausßenseiterchance mehr, denn ich habe von dem im März erschienenen Buch auf den Blogs mehrmals gehört, daß es auf die LLkomme n wird, vielleicht kommt es auch auf die Shortlist.

Ich bin gespannt und ein anderes Buch, das von Piraten im neunzehnten oder schon achtzehnten Jahrhundert handelt, steht ja auch noch auf der Liste, aber da  müßte ich erst ein PDf bekommen, daß sich mit meinem Programm auch öffnen läßt.

2015-11-30

Blumenberg

Filed under: Bücher — jancak @ 00:34
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Jetzt gehts wieder zum Long-beziehungsweise Shortlistenlesen, allerdings zu dem von 2011, denn mit 2015 bin ich ja schon fertig und zwar zu Sibylle Lewitscharoffs „Blumenberg“ das ich in einer der offenen Bibliotheken fand.

Die 1954 in Stuttgart geborene „Büchnerpreis-Trägerin“, bulgsrischer Abstammung ist mir seit ihrer „Bachmannpreislesung“ ein Begriff.

„Pong“ mit dem sie damals gewonnen hat, habe ich nicht gelesen, wohl aber „Montgomery“, das ich bei einem der Büchertürme der „Lyrik im März“ fand und das mir ein wenig unverständlich schien.

So habe ich Sibylle Lewitscharoff, die ich auch einmal in Wien in der „Alten Schmiede“ kennenlernte, eingeschätzt und war  als sie am „Blauen Sofa“ „Blumenberg vorstellte und erklärte, daß sie „Selbstmörder hassen würde“, erst einmal erstaunt, über ihre starken Worte.

„So was sagt man doch nicht!2

Damals wußte ich noch nicht, daß sich ihr Vater umgebracht hat, jetzt kann ichs verstehen, man sagts aber wahrscheinlich doch eher nur dem Therapeuten oder seinen Freunden denen man vertrauen kann, daß sie das nicht mißverstehen, außer man ist Schriftstellerin und ständig darauf geschult, das was man sagen und schreiben will, in den drastischsten Worten auszudrücken, weil das andere ja niemanden interessiert!

So deute ich es mir inzwischen, denn ich war über ihre scharfen Worte bezüglich „Amazon“ auf der „Buch-Wien“ auch etwas erstaunt und denke „Amazon“ ist zwar ein wahrscheinlich sehr geschäftstüchtiger Konzern, der keine Rücksicht auf seine Konkurrenten und Arbeitnehmer nimmt, er hat aber die „Selbstpublisher“ ein wenig aus der Schmuddelecke herausgebracht, ich publiziere  meine Sachen dort zwar nicht, hasse den Konzern aber nicht, ich kaufe dort nur kaum ein, was ich allerdings auch nicht bei Anna Jeller tue, außer sie würde mir etwas um einen Euro in die Kiste legen.

Das hat aber auch noch niemanden gerührt, bei ihrer Rede über die Retortenbabies die „Halbwesen wären“, war das  plötzlich anders. Da hat sich die Häme auf die Schriftstellerin gekippt. Sie wurde, glaube ich, „Dämliche schwäbische Hausfrau“ genannt, der man den Büchernerpreis wieder abnehmen sollte.

Sie hat es gelassen genommen und einen Krimi geschrieben, den ich dann in meinem „Schutzengelchen“ ein wenig verarbeitet habe.

Nun also „Blumenberg“, die Geschichte von dem Philosophen Hans Blumenberg, der in dem deutschen Städtchen Münster lehrte, wo er in den Neunzigerjahren verstorben ist, dem behauptete Sibylle Lewitscharoff, ist ein Löwe erschienen und führt das auf etwas über zweihundert Seiten  aus und ich schreibe es gleich, das Buch und die Sprache haben mir sehr gut gefallen, wenn man auch nachträglich betrachtet, sagen könnte, sehr viel ist da nicht passiert!

Oder doch natürlich, der ganze Miff einer deutschen Kleinuniversitätsstadt mit ihren WGs und Nachkriegstraumatisierungen wird da gekonnt und sehr spannend aufgerollt.

Also Hans Blumenberg sitzt nachts in seinem Studierstübchen und sortiert seine Karteikarten, als der Löwe auftaucht, der verfolgt ihn auch in seine Vorlesungen. Außer ihm kann ihm nur eine alte Nonne sehen, seine Studenten, das Mädchen Isa, das immer in der ersten Reihe sitzt,  Gerhard Baur, der in seine Sprechstunde kommt, der Außenseiter Hansi und auch Richard, der später nach Südamerika ausrückt und dort ermordet wird, aber nicht.

Hans Blumenberg führt, wie wahrscheinlich auch Kant, ein sehr geregeltes spartanisches Leben. Ach nein, er fährt einen Peugeot und da nimmt er einmal Isa, die in ihm verknallt ist mit, nimmt sie aber als Frau nicht wahr, sagt nur „Fräulein“ zu ihr und so legt sie ihm Blumen vor das Tor, die er nie bekommt, dann kleidet sie sich weiß, setzt sich aufs Fahhrad und läßt sich von einem Lastwagen der Firma Zapf überrollen.

Richard nimmt sich, wie schon geschrieben, zwei Jahre Auszeit, um nach Südamerika zu reisen, wird dort von der kindlichen Maria in die Falle gelockt und Gerhard wird nach Blumenbergs Tod Professor in einer anderen deutschen Stadt, Hansi wird verrückt, die Nonne stirbt, wie Blumenberg auch, der sich inzwischen an seinen Löwen gewöhnt hat und mit ihm sein Leben und seine Vergangenheit reflektiert und am Schluß treffen sich alle fünf in einer Höhle, um sich das Höhlengleichnis zu erzählen, sage ich nun einmal flapsig und habe mein Urteil über Sibylle Lewitscharoff revidiert.

Sie schreibt ein wenig schwülstig flapsig vielleicht, das aber sehr raffiniert und intelligent und konnte mit der etwas kitschigen Löwengeschichte, wie ich es nennen will, sehr scharf und klar das studentische deutsche Kleinstadtleben der Neunzehnhundertachtzigerjahre skizzieren, zumindest stelle ich mir vor, daß es so gewesen ist.

Von der LL 2011 habe ich „Verfahren„, „Der Hals der Giraffe“, „Die Schmerzmacherin“ und Eugen Ruges „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ gelesen, der auch der Preisträger war.

 

2015-10-31

Eigentlich müßten wir tanzen

Jetzt kommt buch neunzehn meines heurigen Buchpreisbloggens, nämlich Heinz Helles „Eigentlich müßten wir tanzen“, das dritte oder vierte Buch mit Endzeitstimmung von der Liste und wahrscheinlich, das brutalste, männlichste.

Valerie Fritsch war ja sehr poetisch, Ulrich Peltzers Globalisierungsroman, den man vielleicht auch diesbezüglich einordnen könnte, mir zu kompliziert geschrieben und Ulrich Lapperts „Über den Winter“, der wahrscheinlich, neben dem Setz, mein bisheriger Favorit wäre, ein Buch über die Midlifekrise, die dann ein wahrscheinlich positiveres Ende findet, aber das Leben ist endlich und irgendwann sterben wir alle und wenn wir das auch nicht in realen verlassenen Welten tun, kann man das im Gitterbett mit Alzheimer in einer überforderten Pflegestation oder wenn man zu Hause verhungert, vielleicht ähnlich empfinden…

Interessant ist sicher, daß soviel Winter beiden heurigen LL-Büchern vorkommt, soviel Endzeitstimmung, Jenny Erpenbeck zeigt vielleicht auch Ähnliches und die Flüchtlingswelle überrollt uns gerade, obwohl wir  noch oder auch wahrscheinlich weiterhin gut leben….

Der 1978 in München geborene und in Zürich lebende Heinz Helle, der das Schweizer Literaturinstiut absolvierte und 2013 beim Bachmannpreis mit „Wir sind schön“ gelesen und den „Ernst Willner Preis“ gewonnen hat, hat eine schöne, klar präzise Sprache, nicht so kitschig blumig, wie Valerie Fritsch, sondern hart, brutal, männlich, wie es bei einem Weltuntergang vielleicht sein muß, schildert er die Apokalypse und hat mir vielleicht gerade deshalb nicht so gefallen, denn ich bin ja nicht für das Brutale Aggressive und Marlen Haushofers „Wand“ ähnlich aussichtslos, ist vielleicht weiblicher geschildert.

Da sind fünf junge Männer für ein paar Tage auf eine Berghütte gezogen, um sich dort anzusaufen, sie machen das schon seit Jahren und als sie am letzten Tag mit ihren Kaffeebechern vor die Hütte treten, sehen sie hinab in ein brennendes Dorf und der Untergang hat begonnen.

Auf hunderteinundsiebzig Seiten,  in neunundsechzig sehr kurzen Kapiteln wird das nicht sehr chronologisch und auch nicht zusammenhängend geschildert, von der Stimmung her muß das wohl auch sein und ich würde es als einen sehr kalten,  harten Roman ohne viel Gefühle bezeichnen.

Es ist ja auch Winter oder auch nicht, denn irgenwann wird der April und das knospende grün der Bäume geschildert und einige der jungen Männer haben das Ganze auch ein paar Wochen überlebt, bevor sie  aufgeben uns sich mit einem Messer die Schlagadern aufschneiden.

Vorher passiert noch sehr viel und es sind wirklich schöne Bilder in denen das Brutale geschildert wird und natürlich ist das Ganze auch ein bißchen unlogisch, wahrscheinlich weil sich niemand ein Weltuntergangsszenario wirklich vorstellen kann. Die Häuser brennen, gut, aber wo sind die Menschen? Ein paar Leichen liegen herum ja, aber die Lebensmittel müßten überbleiben, gut sie sind verkohlt, aber schön der Reihe nach, obwohl es die ja nicht wirklich gibt, denn Heinz Helle springt gleich hinein und erzählt erst später nach und nach, wie das alles gekommen ist.

So beginnt es gleichmit einer Vergewaltigung, irgendwo liegt eine Frau und die Fünf,  darunter ein Molekularbilologe, ein Architekt, ein Pilot, ein Versicherungsmakler, einer der ein Exportgeschäft überwacht, stürzen sich auf sie und lassen sie dann zurück, ein Kind mit toten Eltern taucht auf  und Container mit Kühlschränken, verlassene Diskotheken und Supermärkte, in die man hineinkriechen kann, die fünf bewegen sich aber auch viel im Wald. Einer bricht sich bald das Bein und wird zurückgelassen.

Nach und nach wird es dann konkreter, man erfährt, von dem brennenden Dorf, das die Fünf von oben sahen, sie gehen hinunter, sehen eine Autoschlange, die sich im Kreisverkehr verknotete, die Menschen alle weg, auch die aus einem Bus, den sie später finden. Sie kommen zu einer Talstation und einem verlassenen Haus, finden dort noch Bier, alte Sandwiches, Gurken und Betten ohne Matrazzen. Dort tanzen sie die Nacht durch, später irren sie durch die Wälder, essen Tiere, machen Feuer, blenden in ihr früheres Leben zurück, stellen sich vor, was sie nachher machen werden, ein Pissoir für Frauen erfinden oder eine Fernsehshow, wo Häuser in Straßen mit furchtbaren Namen zu gewinnen sind.

Beim Aufstemmen des Containers mit den Kühlschränken kommt noch einer um, dann kehren sie zu der Hütte zurück, finden dort einen Mann im Bett, da stirbt der Dritte, die zwei andere schlagen den Schädel des Angreifers ein, vergraben ihn und verlassen dann nach Tagen halb verhungert die Welt, nicht ohne in die Vison von einem schönen Leben zurückzukehren: „Wenn eines Tages doch noch einmal ein ganzu normaler Montag kommen sollte, von mir aus auch im November, werde ich beim Signal des Weckers um sechs Uhr dreißig aus meinem Bett springen wie das Sankt Petersburger Ballet…“

Die Bücherblogger haben das Buch auf ihre Shortlist gesetzt, zwei von ihnen haben es auch gelesen und ich werde mein dBp-Bloggen jetzt vorläufig beenden, beziehungsweise auf mein Geburtstagstagsfest und darauf warten, ob mir die Trude den Frank Witzel bringt.

Dann gibt es noch ein Resumee, ansonsten kann ich auf meine bisherigen Artikel verweisen 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12  und schreiben, das Buchpreisbloggen war sehr schön, interessant, informativ und ich habe viel dabei gelernt, aber natürlich nur neunzehn Bücher aus einer Flut von Neuerscheinungen gelesen.

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