Literaturgefluester

2016-04-21

Lange Erzählspiele

Die „Alte Schmiede“ hat offensichtlich einen neuen Moderator, auf jeden Fall stellte Ludwig Roman Fleischer, die beiden Romane von Erst Wünsch und Bettina Balaka unter dem klingenden Titel „Erzählspiele mit Romansujet als Satire ohne gekränkten Idealismus“, vor, den ich eigentlich auch jetzt noch nicht verstanden habe.

Jedenfalls scheint es um Satire zu gehen und Roman Ludwig Fleischer, den ich ja eher als Autor beziehungsweise Verleger kenne, überraschte durch seine lange und sehr ausführliche Einleitungen, die den Eindruck machte, er würde sich sehr gut auskennen und die Bücher gelesen zu haben.

Den 1951 geborenen Ernst Wünsch kenne ich durch das Hörspielstudio und den „Textvorstellungen“, in denen interessanter Weise auch Ludwig Roman Fleischer präsentiert wurde und interessant war für mich bei der Biografievorstellung, daß der  am Attersee lebende, ein größeres Werk hat, als ich dachte.

Studiert hat er Theaterwissenschaft, Germanistik, Theologie, dann war er Puppenspieler, Filmemacher, etcetera.

Und seine in Verlagen, wie „Sisyphos“, „Resistenz“ ,“Kitab“ erschienenen Romane, dürften irgendwie zusammenhängen und der heute vorgestellte „Der Abschweifer“, spielt am Attersee, der einen anderen Namen trägt. Ein erfolgsloser Schriftsteller namens Leo Kmetko, das Alter Ego Ernst Wünschs, wie in dem Roman auch vorkommt, wohnt dort in einer verfallenen Villa und soll ein Kochbuch schreiben.

Er bekommt eines Tages einen Brief von seinem Verleger, der schickt ihm einen Filmemacher, der einen Film über ihn drehen soll. Der kommt ohne Equipment und um das im Attersee versengte Nazigold scheint es auch zu gehen.

Das alles hat Ludwig Roman Fleischer in etwa  in seiner Einleitung erklärt. Dann kam die sehr lange, fast eine Stunde dauernde Lesung, in der der Autor seine Figuren vorstellte. Da gibt es einen Pianisten, der seinen Flügel in den See versenkte. Einen Exkurs über den See gab es auch und dann noch ein langes Gespräch, wo Ludwig Fleischer, wie er es nannte, viele naive Leserfragen stellte, beispielsweise die, wie autobiografisch ist das Ganze und warum der Leo ein erfolgloser Schriftsteller ist, was auch irgendwie in dem Buch beantwortet wird.

Der Autor beantwortete es mit den Schwierigkeiten mit den Kleinverlagen, etwas was ich mir gut vorstellen kann und dann gab es überraschender Weise eine Pause, beziehungsweise O-Ton Fleischer, ein akademisches Viertel, die wahrscheinlich einige der Zuhörer vertrieb, so daß es nachher als Bettina Balaka an die Reihe kam, schon ziemlich leer war.

Bei Bettina Balaka überraschte Ludwig Fleischer auch über seine große Werkkenntnis. Er stellte die 1966 in Salzburg geborene in ihrer Vielseitigkeit vor und mir ist sie ja auch nicht so unbekannt, seitdem ich, ich  glaube, 1992 im Rahmen meiner Jurytätigkeit für das Nachwuchsstipendium ihren Namen und ihre Texte kennenlernte.

Bettina Balaka erzählte in ihrer Einleitung, daß sie gerne in der „Alten Schmiede“ lesen würde, weil sie dort, als sie noch ganz unbekannt war, einen Stapel Gedichte hinschickte und gleich zu einer Lesung eingeladen wurde und Ludwig Roman Fleischer lobte noch die Vielseitigkeit ihrer Romane.

„Eisflüstern“ handelt vom ersten Weltkrieg, „Kassiopeia“ von Venedig. Dann gibt es noch ein Buch über einen Hund und jetzt in der „Prinzessin von Arborio“ um einen Satiren Krimi oder wie Bettina Balaka erklärte, um Frauen, die sich Schwerverbrechern hingezogen fühlen,  ihnen  Briefe ins Gefängnis schreiben, sie heiraten, etcetera.

In dem Buch geht es um die umgekehrte Form. Die Heldin ist eine schöne Frau namens Elisabetta  Zorzi, die ihre Männer umbringt und das weiß man gleich am Anfang.  Ludwig Roman Fleischers naive Leserfrage war dann auch, ob das mit dieser Eisdielenmöderin zu tun hat, die es ja gegeben hat?

Eine schöne Frau, deren Schönheit allerdings vom Chirurgen stammt, die ein italienisches Restaurant, ich glaube, in Wien führt und die Männer mordet, wenn sie sie enttäuschen. Der erste hat sie geformt, das heißt ihrer Schönheitsoperationen bezahlt, der zweite betrogen, danach hörte Bettina Balaka, die überraschend kurz gelesen hat, auf.

Ludwig Roman Fleischer erzählte noch von einem Gefängnispychologien, der sie entlarvt, ihr dann aber doch verfällt und ein langes Gespräch mit vielen Fragen aus dem noch vorhandenen Restpublikum gab es auch und einen sehr direkten Hinweis auf den Büchertisch.

Kaufen und lesen. Mit „Kassiopeia“ habe ich das schon getan und Bettina Balaka erzählte noch, daß es sie gereizt hätte, über das zu schreiben, was man angeblich nicht darf.

Also einen historischen Roman, die gibt es über den ersten Weltkrieg aber inzwischen zu Hauf oder über Hunde, die sind in der letzten Zeit auch sehr geschrieben worden, über Venedig oder eben über einen Krimi, wo man schon weiß, wer die Mörderin ist, aber eigentlich ist es Bettina Balaka weniger um den Krimi, als um die psychologische Frage, warum Menschen sich zu Schwerverbrecher hingezogen fühlen, gegangen.

Das ist eine Frage, die mich auch beschäftigt, bei Jack Unterweger, aber auch in meiner Praxis konnte ich das ein bißchen mitvergfolgen.

Es wird wahrscheinlich schon ein bißchen das Helfersyndrom sein und auch das sich überschätzen, bei den Frauen. Bei Männern gibt es das auch viel weniger zu geben, erzählte Bettina Balaka, wenn dann muß die Mörderin schön sein und die Männer werden schwach, während das bei den Männer wurscht ist.

Spannend auch die Frage, ob das bei „Haymon“ erschienene Buch einmal zu mir kommen wird.

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2016-02-08

Kuchlweanerisch

Am Rosenmontag Ludwig Roman Fleischer bei den „Wilden Worten“ und der ist mir ein alter Bekannter, obwohl ich ihm eigentlich , unter die Kärtntner gereiht hätte, ich weiß nicht, wie ich auf diese Idee gekommen bin, wurde er doch 1952 in Wien geboren, wahrscheinlich weil der „Sisyphus-Verlag“ dort beheimatet ist und beim „Bachmannpreis“ hat er auch einmal gewonnen.

Ich habe einige Bücher von ihm gelesen, hörte ihn öfter in der „Alten Schmiede“ und habe auch schon mit ihm gelesen, mehrmals sogar und irgendwie ist der ehemalige Lehrer auch ein Stimmenimitator und Multitalent.

Jetzt also, Roman Ludwig Fleischer verfügt auch über eine breite Buchpalette, „Weanerisch learna“ ist das letzte oder  schon 2012 erschienen, wie ich dem Netz entnehme, es lagen aber  zwei verschiedene Ausgaben am Lesetisch, vielleicht also eine Neuauflage?

CDs waren auch dabei und ich bin leider ein wenig zu spät gekommen, um diesen Umstand zu erfahren.

Als ich die Galerie betrat hat der „Wickadl“, ich würde „Wickerl“ sagen, schon im tiefsten Slang gelesen und das war sehr unterhaltsam, bin ich ja eine, die laut ihrer Mutter immer Hochdeutsch sprechen mußte,  der besseren Aufstiegschancen wegen, wie das früher hieß und deshalb ist das „Wienerische“ vielleicht vom Aussterben bedroht. Der „Wickerl“ oder „Wickadl“ las gerade davon, daß die Leute das nicht mehr verstünden, weil sie im Burgtheater immer von den den Deutschen „Pifkinesisch“ hören und das dann für Hochdeutsch halten, die sogar Nestroy verballhornen.

Das kann man vielleicht für ein bisserl bösartig halten, ich gehe auch kaum ins Burgtheater und der Peymann ist dort  auch nicht mehr  und die heutige „Literatur, Musik & und Kleinkunst-Veranstaltung“ war auch mit „Kuchlweanerisch, Wuchtln und Repetadln“ angekündigt.

Das „Kuchlweanerisch“ kenne ich eher als „Kuchlböhmisch“, zumindest hat Rhea Krcmarova einmal bei einer Studentenlesung solches vorgetragen und was das „Essen und das Trinken“ oder das „papperln“ betrifft, fallen mir noch immer Richard Eybner und sein „Wien wörtlich“ ein. Da hatten wir zu Hause einmal eine Platte.

Roman Ludwig Fleischer ist aber gleich ins Medias Res gegangen und hat von einem Pensionisten gewienert, der immer gerne kochte, als Kind hat er seinen „Weiberleutn“, die nie nie vor vier Uhr fertig wurden, schon die „Schnitzerln“ gebraten, die echten aus Kalb und Fasane, Gulasch, Braterln und anderes wußte das Wunderbubi auch zu praktizieren, nur die Semmelknödel sind ihm schiefgegangen, weil er seiner Schwester ein Eigelb auf die Hauspatschn prackte.

Der hilft nun bei einem Rudl im Gasthaus aus, zu dem auch die Dornbacher Pfarrpartie kommt und dann wird „gepipperlt“ und „gepapperlt“.

Parliert wird auch ordentlich und damit das besser geht, gab es dazwischen immer wieder Grammatiklektionen im „Weanerischen“.

Ludwig Roman Fleischer hat das natürlich anders geschrieben und auch einen Vortrag über die Lautmalerei gehalten. Laut lesen, denn sonst versteht man die Sprache nicht und weil wir gerade in die Fastenzeit gehen, gab es darüber auch sehr viel zu hören.

Von den feinen Fischen, die die Mönche und die Priester in früeren Jahrhunderten zu dieser verzehrten, damit sie nicht vom Fleisch fielen und Rezepte gibt es im dem Büchel, das fünfzehn Euro kostete, wie sich eine Dame gleich erkundigte, auch.

Also sehr spannend das „Kuchelwienerisch“, das vor allem von Ottwald John, der auch im Publikum war, rege diskutiert wurde.

H. C. Artmann hat ja „Mit einer schwarzn Tintn“ gedichtet, aber das war nicht das echte Wearnerisch, sondern die Kunstsprache eines Wiener Gruppenmitlieds und vor kurzem habe ich auch „Wienerisch“ von einem Autor gehört, dessen Buch, wenn ich mich nicht irre, auch bei Sisyphus“ erschienen ist und der, ich verrate es gleich, nächstes Mal bei den „Wilden Worten“ lesen wird.

Der liest, wie Ludwig Roman Fleischer erklärte, zwar im besten Dialekt, verwendet beim Schreiben aber eher die Schriftsprache „Der neiche Frisör hat ihr die letzten Hoar ausgrissen“, wahrscheinlich, damit die Leute das Buch auch kaufen und sich nicht von dem Unverständlichen abnhalten lassen, aber  Thomas Losch hat ja in der „Alten Schmiede“, wie ich mich erinnern kann, auch bedauert, daß die jungen Leute keinen Wiener Dialekt mehr reden.

Richard Weihs tut das noch, aber der wird ja, wie er in seinen „Wunschgedichten“ verkündete, bald sechzig, hat sich doch Margit Heumann, glaube ich, das letzte Mal ein Gedicht mit dem Titel „Richard Weihs“ gewünscht und so las er, dann auch die fünf Gedichte, die das letzte Mal gewünscht worden sind.

Meines war dabei und es  hatte , passend zu meinen „Work in progress, das mir immer noch ein bißchen Sorgen macht, „Transgender zum Thema“, mal sehen, was Richard Weihs da gedichtet hat?

„Paul und Paula sind ein und dieselbe:

Paula trägt ein rotes Seidenkleid,

Paul hingegen eine schwarze Schirmmütze.

Aber die Stöckelschuhe verraten uns,

daß der Paul doch auch eine Paula ist.

Ganz passt das vielleicht nicht, sind es in meinem „Work“ ja doch zwei Personen und da tüftle ich noch immer herum und habe mir jetzt auch ein paar Transgender-Videos angeschaut, um  in die Thematik weiter hineinzukommen und werde das Szenelokal vielleicht „Maribou“ nennen und aus dem „Sigmund Freud Museum“ eine „Burg-Galerie“ machen, um niemanden auf den Schlips zu steigen.

Mal sehen, wie es wird, als ich das letzte Mal bei den „Wilden Worten“ war, war ich gerade mitten beim Schreiben, jetzt bin ich beim Korrigieren und hätte fast vergessen, daß die Präsidentschaftskanditatin  auch eine Dialektautorin ist.

Die war nicht da, dafür aber Ottwald John und der hätte eigentlich gestern zum Geburtstagsfaschingbrunch von Ruth Aspöck kommen sollen, war aber verkühlt.

Ja die Grippe geht um, aber heute waren eine ganze Menge Leute bei Richard Weihs und Ludwig Roman Fleischer. Mal sehen, ob es da  das nächste Mal mehr Wunschgedichte geben wird?

2015-02-17

Wiener Verhältnisse

Filed under: Uncategorized — jancak @ 21:45
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So heißt nicht nur mein erstes selbstgemachtes „Digi-Buch“, die Geschichte der Hanna die den Spuren Jakob Mandelbaums nach New York folgt, sondern auch der zweite Abend der „Textvorstellungswoche“ in der „Alten Schmiede“, wo unter der Moderation Renata Zunigas zwei neue Bücher, die Wien zum Gegenstand haben, vorgestellt wurden.

„Ein wienerischer Abend!“, wie Renata Zuniga einleitete, nachdem sie den 1949 in Graz geborenen Günther Geiger vorstellte und ihn gleich aufs Podium holte,  denn der Herausgeber der „Wienzeile“, den ich hauptsächlich von seinem Russlandroman „Ulica Marata“ kenne, hat einen Roman über den „Karl Marx Hof“- Wiens berühmtesten Gemeindebau, wo 1934 geschossen wurde und er selbst auch lebt, geschrieben und erklärte auf Renata Zunigas Frage, daß er über eine Russin zu der Wohnadresse gekommen wäre, jetzt schon zehn Jahre dort lebe und die Veränderungen des Baus beschrieben habe, in dem seit sechs Jahren gebaut wurde und sich dadurch die Höfe und Infrastruktur sehr veränderten.

Ich habe ja auch ich ein bißchen über den berühmten Hof geschrieben, zum Beispiel 1987 oder 1988 in der Novelle „Zwischen Hütteldorf und Heiligenstadt“, wo es auch um das U-Bahnfahren geht, da habe ich auch Milieustudien betrieben und den Hof immer wieder durchschritten, in dessen Waschsalon es auch ein Museum über die Geschichte, bzw. wahrscheinlich auch der Februarkämpfe gibt.

Da habe ich einmal eine Führung gemacht und mir  alles von einem alten Herrn erklären lassen. In Günther Geigers Buch, der im Sommer einen Schlaganfall hatte und deshalb nicht selbst gelesen hat, kommt das auch ein bißchen vor und die Vergangenheit, so habe ich mich auch in der Diskussion erkundigt, wird auch mit der Gegenwart der derzeitigen Bewohner verknüpft.

Der zweite Leser war mir ebenfalls kein unbekannter, habe ich doch mit Roman Ludwig Fleischer einmal in der „Alten Schmiede“ gelesen, als ich dort meine „Kerstin“ vorstellte und bei der „Mann Frau Lesung“ im Republikanischen Klub, war er, glaube ich, auch dabei.

Dann war ich bei mehreren seiner Lesungen und habe auch schon einige seiner zahlreichen Bücher gelesen, ein paar stehen auch noch auf der Leseliste, scheint der 1952 in Wien ge borene, ja ein ähnlicher Vielschreiber wie ich zu sein, er hat aber auch einmal in Klagenfurt etwas gewonnen, war lange Lehrer und ist auch glaube ich Mitherausgeber oder Leiter des „Sisyphus-Verlages“.

Jetzt hat er die österreichische Geschichte in seinem „Rattenfänger von Wien“ sozusagen neu entdeckt und neugeschrieben und wieder in seiner unschlagbaren Art daraus vorgelesen.

Da geht es um die Familie Schabenberg, die in Wien des neunzehnten Jahrhunderts bis in die Gegenwart ein Schädlingsbekämpfungsinstitut betreibt, aber eigentlich stammt sie von den Babenbergern ab, so erzählt es jedenfalls der Vater dem Sohn, oder der Großvater denselben, als dieser sich beklagt, daß er in der Schule als „Ratzenprinz“ gehänselt wird.

So kommt die Maria Theresia vor und der Papa Haydn, der die Symphonie mit dem Paukenschlag natürlich nur geschrieben hat, weil ihm während des Komponieren eine Ratte aufs Klavier gehuscht ist.

Der letzte Schabenberg, ein Poldlpoldl war dann sowohl ein Nazi, als auch ein Widerstandskämpfer.

„Typisch österreichisch halt!“, wie Ludwig Roman Fleischer Renata Zuniga im Gespräch erklärte und auch erzählte, wie er zu dem Stoff und der Geschichte gekommen ist.

Sein inzwischen neunzigjähriger Schwiegervater hat ihn auf die Idee gebracht, er hat schon in den Neunzigerjahren  zu schreiben angefangen, das Buch aber  liegen lassen und erst vor zwei Jahren weitergeschrieben, bzw. überarbeitet.

Er war auch zum Recherchieren in der Nationalbibliothek, da gibt es richtige Rattengiftrezepte und wahrscheinlich auch anderes und so kann man jetzt einen richtig Wienerischen Roman Ludwig Fleischer lesen und die Geschichte Wiens sozusagen als Schwank wiederentdecken.  Interessant, interessant, ich wußte ja gar nicht, das Ludwig Roman Fleischer ein Wiener ist, sondern hätte ihn eher für einen Kärntner gehalten.

Also wieder etwas gelernt und Dorothea Macheiner habe ich im Publikum auch getroffen.

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