Literaturgefluester

2017-10-05

Japanische Textlupen

Text.Lupe heißt eine neue Reihe, die die vierte Veza Canetti-Preisträgerin Lydia Mischkulnig in der „Alten Schmiede“ veranstalten wird, zu der sie die Autoren von ihr ausgewählten Bücher einladen und mit ihnen darüber sprechen wird.

Die erste Veranstaltung, die heute stattfand war der Dissertation, der inzwischen in Berlin lebenden, 1960 in Tokyo geborenen Autorin Yoko Tawada gewidmet, die ich 1996 in Klagenfurt kennenlernte, als sie dort gemeinsam mit Lydia Mischkulnig gelesen hat.

Lydia Mischkulnig hat damals, glaube, ich mit ihrer rasant erzählten Geschichte einen der Preise gewonnen. Yoko Tawada hat einen Text gelesen, wo sie oder ihre Protagonistin mit einem Fahrraad und einer Katze durch Hamburg fährt. Ein Text, der mir sehr beeindruckt und sehr gefallen hat und dem ich am liebsten den Preis gegeben hätte.

Da aber auch Josef Winkler in einer rosa Hose oder einem rosa Hemd und einem Baby auch dort gelesen hat, habe ich mir gedacht, das wird sich die Jury nicht trauen, Josef Winkler ist der Preisträger und Yoko Tawada bekommt einen der anderen.

Was dann kam war eine Enttäuschung, denn der ziemlich zum Schluß lesende  Jan Peter Bremer hat mit seinen Text „Der Fürst spricht“, der mir überhaupt nicht gefallen hat, gewonnen und Yoko Tawada ist mir im Gedächtnis geblieben.

Im Vorjahr habe ich sie, glaube ich, bei einer Veranstaltung im Literaturmuseum gehört und jetzt stellte Lydia Mischkulnig ihre Dissertation „Spielzeug und Sprachmagie“ vor und begann die Veranstaltung mit einem kurzen Text von Franz Kafka über einen Kreisel, weil am Cover des im „Konkursbuch Verlag“ herausgekommenen Buches ein Kreisel abgebildet ist.

Neben mir saß ein junger Mann, der das Buch in der Hand hielt und mitgelesen hat und ich war anfangs ein wenig enttäuscht, weil viel zu viel theoretisch und ich habe die Beziehung, wie man mit Spielzeugen zur Sprache kommen kann, auch nicht so ganz verstanden, denn ich bin ja nicht experimentell, sondern eine realistische Schreiberin.

Yoko Towada hat dann einen Teil ihres Vorwortes vorgelesen, dann kam ein Text von Walter Benjamin den Lydia Mischkulnig las, denn Yoko Tawada hat  sich in ihrer Dissertation mit ihm beschäftigt und dann wurde es für mich interessanter, denn dann hat sich Lydia Mischkjulnig auf die „Verwandlungen“ bezogen.

Das ist auch ein berühmter Text von Franz Kafka, nämlich der vom Gregor Samsa, der eines Morgens aufwacht und entdeckt, daß er ein Käfer ist und das hat im deutschen Sprachraum, wie die beiden erklärten, eine negative Bedeutung, während in Japan Käfer etwas Positives sind und es ist auch positiv, wie Yoko Tawda verschmitzt erklärte, wenn man ein Käfer wird, weil man dann nicht mehr arbeiten muß und weiter erläuterte, daß Verwandlungen in Japan eine große Tradition hätten.

Da habe ich an die „Fuchserscheinungen“ gedacht und da ist interessant, daß ich darüber von zwei deutschen Autorinnen im Rahmen meines Buchpreislesens gelesen habe und Lydia Mischkulnig die ja in Japan einen Lehrauftrag hatte, erzählte noch, daß sie dort mit ihren Studenten die „Verwandlung“ gelesen hatte, die die Tragik, die der Text hatte, eben nicht verstanden haben.

Und nochmals interessant, daß Yoko Tawada so den Vorteil der Verwandlung, weil man dann nicht mehr zu arbeiten braucht, erwähnte. Ist Japan doch, wie in dem Poschmann-Buch beschrieben wird, eine Kultur, wo sich sehr viele Leute umbringen, weil sie den Leistungsanforderungen, die an sie gestellt werden, nicht zu genügen glauben.

Aber Yoko Tawada lebt ja schon sehr lange in Deutschland und hat dann auch einigen ihrer Bücher vorgelesen und da war der erste Text der sich auf das Wort K bezog sehr spannend und lustig und Lydia Mischkulnig wies auf die Verwandlungen und Veränderungen hin, die in dem Text passierten, der vom Hundersten zum Tausensten sprang.

Spannend sich auf die japanische Literatur und  Kultur zu beziehen, die ich auch einmal so faszinierend fand, daß ich zehn Tage dort herumgereist bin und Yoko Towada hat noch ein Kapitel aus ihrer Dissertation gelesen, die sich auf die <puppensprache bezogen hat. Da ging es zwar um indoneische Schattenmarionetten, sie erklärte aber den Brauch in Japan, daß es dort einen Tag der Puppenverbrennungen gibt, denn Puppen sind ja heilige Wesen, die kann man nicht so einfach in den Mist werfen, wie die Leichen in dem Selbstmörderwald der Marion Poschmann, merke ich vorwitzig an, da gibt es einen Tag, wo sie mit einem Ritual verbrannt werden und als ich 1991 zehn Tage dort war, haben wir dort auch einen Schrein besucht, wo man kleine Stereoporpuppen kaufen und sie in einenKübel schmeißen konnte, dort lösten sie sich auf und die Schuldgefühle der abgetrieben habenden Mütter waren weg.

Ein  interessanter Abend also, der in die japanische Kultur einführte und  zu dem heurigenNobelpreisträger passt, wird den doch der 1954 in Nagasaki geborene Kazuo Ishiguro  bekommen, der 1960 nach London kam und 1989 für seinen Weltbestseller „Was vom Tage übrigblieb“ den „Booker-Preis“ bekommen hat.

Das Buch habe ich gelesen und es eher unauffällig gefunden und auf meinem Bücherstapel im Svhlafzimmer liegt seit einiger Zeit ganz oben „Der begrabene Riese“, ein Buch das vor zwei Jahren in den Blogs viel Beachtung fand und das ich mit acht anderen bei dem Gewinnspiel von Maria Giese gewonnen habe, es mit zwei anderen aber noch lesen muß

2017-10-04

Veza Canetti Preis an Lydia Mischkulnig

Die „Literatur im Musa“ die Schiene der Literaturabteilungt der Stadt Wien, die Julya Danielcyck 2014 einführte, um dort einmal  im Monat, die Stadt Wien-Stipendiaten und Preisträger vorzustellen, hat heute mit der Vergabe des vierten Veza Canetti-Preises, des reinen Frauenliteraturpreis zu Ehren von Veza Canetti, der  unbeachtet gebliebenen Frau des Nobelpreisträgers  begonnen.

Zum vierten Mal gibt es diese Preisverleihung jetzt schon, Olga Flor, Sabine Gruber und im Vorhjahr Ilse Kilic haben ihn bekommen und für mich, die ich ja bei einigen Veza Canetti Veranstaltungen war und das erste Mal etwas von der schon ziemlich verkannten Schriftstellerin im Literaturhaus etwas hörte, als Judith Gruber-Rizy dort bei einer von mir organisierten „Freiheit des Wortes Veranstaltungen“ einen Text über sie las, ist es auch immer spannend, wer den Preis bekommt.

Ich würde da ja für eine eher politsche Autorin, wie beispielsweise Judith Gruber-Rizy oder auch Julya Rabinovich voten, denke daß ich selber auch geeignet wäre, steheaber mit meinen selbstbemachten Büchern und meinem Literaturgeflüster leider völlig außer oder neben dem Literaturbetrieb und denke, daß es oft  sehr eher komplihziert schreibende Autorn, wie eben Lydia Mischkunig oder Olga Flor diesen <preis bekommen.

Es war, als ich nach meiner sechs Uhr Stunde etwas verspätet das MUSA erreichte, sehr voll, so daß ich gerade noch den letzten Platz in der letzten Reihe bekommen habe und Julia Danielcyck hielt gerade die Eröffnungrede, wies auf die Bedeutung und auch auf die Verkanntheit von Veronika Knecht oder Veza Magd, Veza Canettis Pseudonyme hin, dann kam Brigitte Schwens-Harrant und hielt die Laudatio auf die  1963 in Klagenfurt geborenen Autorin, die ich durch ihren 1994  bei „Droschl“ erschienene Roman „Halbes Leben“ kennenlernte, der noch ziemlich experimentell war.

1996 hat sie  mit einem sehr rasanten Text, der von Kritikern auch als Frauenzeitschritliteratur bezeichnent wurde, beim Bachmannpreis gelesen und ich glaube auch was gewonnen, ihren darauf erschienen Roman „Hollywood im Winter“ habe ich etwas später gelesen und ihn auch sehr kompliziert gefunden. Vorher waren  die „Schwestern der Angst“ and der Reihe und ich habe Lydia Mischkulnig glaube ich auch einmal im „MUSA“ gehört und bei der letzten „Literatur im Herbst“ wo es um Japan ging, hat sie  auch gelesen, weil sie wahrscheinlich mal in Japan war und dort einen Lehrauftrag oder ein Stipendium hatte.

Man sieht, daß ich mit der rassant schreibenden und auch so lesenden, immer sehr eleganten Autorin, meine Schwierigkeiten habe.Sie ist mir, ähnlich, wie Olga Flor, zu abgehoben, Britgitte Schwens-Harrant lobte aber in hohen Tönen ihr Werk und dann kam die Autorin auf die Bühne, versprach sich einmal und las dann eine Geschichte aus ihrem Erzählband „Die Paradiesmaschine“, „Der Kuß“ vor, der im vorigen Jahr in der „Alten Schmiede“ vorgestellt wurde. Auch damit hatte ich meine Schwierigkeiten, weil Lydia Mischkunig sehr distanziert erählt, was dann für mich ein wenig kalt klang und die beschriebene Person fast ein wenig unsympathisch machte. Die schien eine farbige Jazzsängerin zu sein, die in London als einzelkind unter armen Verhältinis aufwuchs, dann in Wien offenbar zu einem Fest in eine arisierte Villa kam und von den dortigen Bewohnern den Satz „Ich will nicht, daß die Negerin unter meinen Dach schläft“ hört, der sie irgendwie irritiert oder dann auch wieder kalt läßt.

Sehr viel literarische Prominenz, Daniela Strigl, Robert Huez, Gustav Ernst, sogar Paulus Hochgatterer, der heuete in Ö1 war, auf der ORf-Bestenliste stand oder steht und möglicherweise heuer den österreichischen Buchpreis gewinnen wird, habe ich kurz gesehen, Martina Schmidt von „Deuticke“ Ilse Kilic, Alice Harmer, und und und ich habe mich mit der Angela und ihrem Freund wieder bei Brot und Wein unterhalten und ihr die Einladung zu meinem literarischen Geburtstagsfest gegeben, mal sehen, ob sie diesmal kommt.

2016-09-20

Zwei Erzählbände

In der „Alten Schmiede“ geht es weiter mit den Präsentationen der Herbstneuerscheinungen.

„Lesart“ nennt sich die Reihe, die Angelika Reitzer inzwischen präsentiert und Lydia Mischkulnig und Leopold Federmayr haben zwei solcher Bände.

Die „Alte Schmiede“ hat ja auch zwei Räume, den „Schmiedenraum“, ein Museum ist das ja glaube ich nicht und das „Literatrische „Quartier“ im Keller und da wechseln sich die Veranstaltungen ab, nicht nur bei den Symposien, wo die Diskutanten oben und die Zuhörer unten sitzen.

Buch eins, Lydia Mischkulnigs „Paradiesmaschine“ wurde im Kellner vorgestellt, wo mich zuerst einmal Lidio Mosca Bustamante freundlich grüßte, ja es gibt sogar Leute, die auf mich  zukommen, statt mich zu ignorieren und zu meinen Geburtstagslesungen eingeladen werden wollen und die 1963 in Klagenfurt geborene Lydia Mischkulnig ist eine literarisch alte Bekannte „Halbes Leben“ hat ihr Debutband geheißen, bei „Droschl“ erschienen und noch sehr experimentell, ich habe ihn einmal bei „Rund um die Burg“ gewonnen, dann kam das Lesen beim „Bachmannpreis“ 1996, das Jahr, wo ich dort war und zuhörte.

Da las sie schon sehr schnell und hektisch, hat, glaube ich, was gewonnen und die Jury disktuierte, ob das jetzt Literatur oder Brigitte-Niveau sei?

Darauf erschien „Hollywood im Winter“ das habe ich gelesen und es hat mir nicht gefallen,  „Schwestern der Angst“ erschien mir sehr übertrieben, gehetzt und abgehoben, so habe ich sie, glaube ich, auch einmal im MUSA und auch bei Lesungen gehört.

Jetzt ein Erzählband und Lydia Mischkulnig begann mit der ersten Geschichte, die „Kloster neu Burg“, vielleicht so oder auch anders geschrieben, heißt. Lydia Mischkulnig las sehr deutlich und sehr akzentuiert. Es ging um einen Erzähler, ich glaube, ein Mann, der mit dem Fahrrad Benzin für den Rasenmäher holen fährt, da trifft er ein Paar mit Rucksäcken, das nach einem Wanderweg fährt, die Frau trägt zuerst Kopftuch, dann Schleier, Vergleiche mit den Nonnen tauchen auf, sehr schöne beinharte Beschreibungen, die ich mir leider nicht so lang gemerkt habe, daß ich sie mir aufschreiben konnte. Es geht dann auch, um Kinder und um eine Schatztruhe und Angelika Reitzer hat Lydia Mischkulnig sehr viel dazu gefragt.

Sehr abgehoben würde ich wieder denken, denn eine Frau mit Kopftuch oder Schleier geht wahrscheinlich nicht mit Rucksack in Klosterneuburg wandern, die zweite Geschichte kann man dagegen nacherzählen, da trifft sich ein Paar in einem Hotel, wo auch ein berühmter Fotograf logiert, der fotografiert die beiden und als die sich trennen, zerreißen sie das Foto, weil sie sich nicht einigen können, wer es bekommt, so bekommt jeder die Hälfte und erst nach dem Tod des Fotgrafen bekommen sie heraus, daß es als Ganzes einen riesigen Wert hat, so sind sie gezungen sich wieder zu vereinen. Das fand ich originell, während ich bei der dritten Geschiche, die von einem Heuschreck handelt, aussetzte.

Angelika Reitzer diskutierte zwar vorher das Prekatiat, da habe ja jetzt einige junge Autoren, wie beispielsweise Friederike Gösweiner, merke ich an, davon geschrieben, wie schwer es ist, in diesem Leben Fuß zu fassen, Angelika Reitzer hat es mit „Unter uns“, glaube ich, auch ein bißchen getan. Aber, wie ist das bei den Älteren?, fragte Angelika Reitzer und meinte wohl, daß es das nicht gäbe.

Aber ich habe mich ja jetzt durch einige „Altherrenprosa“ gelesen, da geht es zwar nicht um Armut und um Mindespensionen, aber um das Sterben und die letzten Lieben, mit denen sie nach Sizilien aufbrechen oder die bei Kongreßen wieder treffen und berührende Bücher über Demenz gibt es auch.

Aber Angelika Reizter ist ja ein Siebzigerjahrgang, Lydia Mischkulnig ein bißchen älter und das Prekariat ist in der Geschichte „Tiere wie wir“ spürbar, da gibt es Stellenabbau,  Einsparungen und einen Heuschreck zwischen den Fensterscheiben, der nicht hinauskann, die Ich-Erzählerin läßt ihn sterben und verbindet das mit ihrer persönlichen Geschichte.

Nein, das gefällt mir nicht.

„In der Literatur ist das erlaubt!“, sagte mir in der Pause Erika Parovsky, ja ich weiß, da muß ja alles fürchterlich und übertrieben sein, um interessant zu wirken, aber wenn ich zwar schreiben kann, daß Retortenkinder Halbwesen sind, aber bei einem Vortrag gepunsht werde, dann stimmt etwas nicht und wenn ich, die unverständlich Schreibende, die das angeblich nicht kann, die Geschichte geschrieben hätte, wäre eine Putzfrau aufgetreten und hätte den Heuschreck ins Freie gelassen, aber ich weiß, die Putzfrau wurde vielleicht auch schon eingespart und wir sind wieder bei den prekären Arbeitsverhältnissen.

Dann gings in die „Schmiede“ und zu Leopold Federmayr, den 1957 in Wels geboren, der schon länger in Japan lebt und dort, glaube ich, unterrichtet, in Mexiko war er, glaube ich, auch, dort erscheinen auch seine Bücher und bei „Otto Müller“ ist „rosen brechen“ erschienen, österreichische Erzählungen oder Erzählungen vom Land beziehungsweise aus der Kindheit und Leopold Federmayr meinte, daß er oder auch andere Autoren, daraus die Stoffe beziehen würden und Urfassungen zu den Texten wären schon in Achtziger oder Neunzigerjahren erschienen, die er  umgearbeitet hat.

Er las einen Teil einer längeren Erzählung „Das Feld“, darum geht er spazieren, es war einmal ein Fußballplatz, dann wurde wieder Kukurruz angeplantz, zum Friedhof geht er auch und als Kind ist er an der Hand der Großmutter gegangen, der Vater spielte Fußball und konnte es nicht gut und er hat im elterlichen Gasthaus Toast serbviert und dafür zehn Schilling Trinkgeld erhalten.

Es gibt noch eine andere Erzählung, mit Kurztexten, deren Titel er von Erwin Einzinger „gestohlen“ hat, der das gar nicht bemerkte, als er ihn einmal einleitete und Leopold Federmayr, den ich schon ein paar Mal lesen hörte, beim „Bachmannpreis“ hat er auch einmal gelesen, erzählte ein bißchen was aus seinem Nähkästchen des Schreibens und seinem japanischen Leben.

Zwei interessante Bücher, die nicht auf den LL stehen, auf die deutsche können sie ja nicht, weil keine Romane, die österreichische ist auch schon besetzt, aber das Lesen ist sicher zu empfehlen.

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