Literaturgefluester

2017-09-27

Dichtfest in der AS

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 00:00
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Wieder einmal Dichtfest oder Dicht-Fest in der „Alten Schmiede“ und ich gehe da ja gerne hin, obwohl ich keine Lyrik schreibe und eigentlich auch mehr Romane lese, aber ich interessiere mich für alles und wieder bin ich zu spät gekommen, diesmal zwar nicht so sehr, wie die beiden Male, wo ich vorher im Literaturmuseum war, aber ich habe eigentlich gedacht, daß ich gar nicht kommen könne, weil eine neunzehn Uhr Stunde, aber die wurde abgesagt und nach der um sechs, war ich, nachdem mir eine U-Bahn davon gefahren ist, gerade während der Einleitung von Christine Huber da.

Wieder sechs Lesende und begonnen hat Hwerber J. Wimmer, den ich ja am Montag in der „Gesellschaf“, bei der Kaffeehausbuch-Präsentation getroffen habe, jetzt hat er seinen neuen bei „Klever“ erschienenen Gedichtband „Kleeblattgasse Toiko“ vorgestellt und das ist, soweit ich es verstanden habe, eine Hommage an die Kleeblattgasse, wo ja Elfriede Gerstl mit ihrer Mutter wohnte, beziehungsweise eine auf Japan, wo Herbert J. Wimmer einen literarischen Aufenthalt hatte, wo Gedichte entstanden sind, die auch in dem Band präsentiert wurden.

Dann folgte die 1974 in Bayern georene Alexandra Bernhard und deren Lyrik „Et in arcardia ego“ war sehr interessant, weil sehr traditionell in Balladen und sogar Stabreimform.

„Darf man das heutzutage noch?“, steht am Klappentext des bei „Sisyphus“ erschienenen Bandes. Man darf, denke ich und es war sogar sehr stimmig.

Dann folgte die 1964 im Waldviertel geborene Ute Eisinger mit „Ut pictura poesis“ und sie bezog sich dabei auf ihr Rom Stipendium, das es wie sie sagte, nicht mehr gibt, wo sie Farben und formen Roms in allen seienen Seiten sehr eindrucksvoll und poetisch beschrieb.

Dann folgte eine Pause. Christine Huber sagte „Bleiben Sie da um den ganzen Spannebreitenbogen der Lyrik zu erleben und so setzte auch die 1976 in Salzburg geborene Renate Aichinger  fort und die war ein Kontrast zu Alexandra Bernhard, nämlich sehr modern und in Rauten oder/Hashtagform „Endeln #Lyrics“.

Johannes Tröndle, der „Alte Schmiede-Mitarbeiter“ brachte Ausschnitte aus seinen „Frühzeitelefantenfarben“ und andere Texte und Semir Insaif, den ich einmal ,glaube ich, lang lang ists her, mit Renate Niedermeyer von der „Edition Doppelpunkt“ bei „Rund um die Burg“ kennengelernt habe und der dann den Siemens Literaturpreis mitorganisierte und später die Literaturwerkstatt in der „Gesellschaft für Literatur“ leitete, stellten seien Band „Über Zeugungen“ vor, in dem es um das Wort Zeug geht, es aber auch einige Replys auf lebende oder tote Dichter gibt.

Nachher gab es, wie beim Dichtfes üblich, Wein,  was zum Knabbern und Gespräche mit den Autoren oder überhaupt. Ich habe mich mit dem Patrik Kames   von der „K und K Holzwerkstatt“ unterhalten, der wegen Ute Eisinger gekommen ist.

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2017-06-24

Nester

Filed under: Bücher — jancak @ 00:06
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Den 1972 geborenen Michael Hammerschmid, der 2009 den „Priessnitz-Preis“ bekommen hat, kenne ich, glaube, ich seit 2003 und durch seine Veröffenlichungen in der „Kolik“, da war jedenfalls eine große „Kolik-Veranstaltung“ im Literaturhaus und da habe ich ihn, glaube ich, auch angesprochen.

Jetzt sehe ich ihn hauptsächlich bei den Veranstaltungen die er kuratiert und moderiert in der „Alten Schmiede“, er ist da sehr vertreten und macht neben den „Textvorstellungen“ auch die Lyrikfestivals „Dichterloh“ und „Poliversale“ und seine eigene Lyrik?

Ich weiß gar nicht so genau, wie gut ich sie kenne und ob ich ihn beispielsweise schon aus seinem bei „Klever“ erschienenen Gedichtband „Nester“ lesen gehört habe?

Peter Waterhouse hat aber, glaube ich mich zu erinnern, bei seiner Laudatio im Literaturhaus bezüglich des „Priessnitzpreises“ die Hammerschidsche Lyrik sehr auseinandergenommen und jetzt nach dem ich das Buch, das ich mir  beim Flohmarkt den es auf der vorletzten „Buch-Wien“ gegeben hat, kaufte, gelesen habe, fällt mir seine weiche sanfte Sprache, seine Reime und seine Wortschöpfungen auf, die so gar nichts Experimentelles haben und das hätte ich doch bei einem „Priessnitzpreisträger“ und „Alte Schmide Lyrik Festival Organisator“ fast erwartet.

Der  Band ist in sechs Abteilungen gegliedert. Vorwort und erläuternde Erklärungen gibt es keine, so muß ich selber denken.

Ich kann mich aber auch mitreißen lassen von den zarten lyrischen Einfällen und mich an den Hammerschmdschen Wortschöpfungen und Einfällen erfreuen, was ich auch zu tun gedenke.

Die erste Abteilung sind die „verstecke“ und da kommt das Wort „verstecken“ in sehr vielen oder auch fast allen Gedichten vor, im „keller“ glaube ich nicht.

„der keller ist hell und dunkel ganz schnell“ oder in den „geistern: hinten im auto da wohnen die geister und draußen da streifen die schatten vorbei. – auch wir können sterben und spüren die zähne und hören den atem und müssen aufs klo was wir niemanden verraten.“

Erstaunlich modern und erstaunlich frisch die Hammerschmidschen Worteinfälle und weiter geht mit „das beste versteck ist die nacht in der man alles verbotene macht in die man jeden abend kommt in der sich der böse und der verliebte sonnt“

Das sind fast Kindergedichte könnte man sagen, aber die kommen erst erst zwei Abteilungen später. Zuerst kommen die „schlaflieder.

„ich ließe deine müden füße niemals laufen ich würde alle deine worte kaufen ich bin nur minus dieser tage du kannst mir glauben, dass ich alles wage.“ oder

„ich zerbeiße eine perlenkette ich verschlucke einen aktionär ich zersteche eine borstenleiste ich bin ich und ihr seid mehr“

Bei den „Kindergedichten“ geht es in den Zirkus.

„magst du in den zirkus gehen? magst du tiger sehen beim stehen? hast du angst vor ihren tatzen? glaubst dass diese gar nie kratzen? kratzen können sie wohl schon doch habe ich das nie gesehen“

Und wusch der Reim, der doch so schön poetisch war, ist gleich wieder weg.

Dann gibts das „kleine familienalbum“, wo mich vor allem das „muttergedicht“ sehr beeindruckte.

„ich wasche ab und ab und denke nach wie das leben meiner mutter ist –

am besten frufe ich an und frage, was sie gerade macht. doch zuerst wasche ich ab, eine weile geht es noch.“

Es gibt dann auch ein „Bruder“ und ein „Onkelgedicht“ und eines für die „Großmutter“, bevor zu zu den „pensionistinnen“ geht:

„die pensionistinnen sitzen im reden, das sie umgibt und nicht immer etwas mit ihnen zu tun hat, es ist krank, das reden, weil es von krankheit handelt, es ist süß, das reden, weil es von enkelkindern handelt und vom kaffee, und es ist verboten das reden, weil es vom zucker handelt…“

Dann gibt es ein Gedicht, das sich in zahlen von 1 bis 18: „eine bank für b. 1 gegenüber unserem haus 2 wo die Sonne sitzt—17 eine Bank 18 zum aufklappen“ fortschreitet.

Sehr originell, wenn auch nicht besonders poetisch und dann gibt es noch ein Gedicht  das ein Motto von „paulina“, ist das die tochter?, hat.

„ich bin so schnell wie ich groß bin“, hat jedenfalls Paulina gesagt und Michael Hammerschmid dichtet weiter:

„ich bin so alt wie ich langsam war ich bin so faul wie ich fleißig bin ich bin so trauig wie ich bin“ und so weiter und so fort, bis es mit „so blau wie gelb wie grün“ endet.

Dann geht es in der Abteilung fünf zum „mittelmäßigen dichter“:

„der mittelmäßige dichter sitzt am fenster und schaut hinaus. die stadt steht bis zur fensterscheibe, dekt er. -er atmet aus. er weiß kein gedicht.“

Uje, uje, denn „der schriftsteller war nicht selbstverliebt, aber er liebte sein zimmer zu sehr und den tee dem er sich hingab, schluckweise“

„der mittelmäßige dichter verabschiedet sich. am liebsten verabschiedet er sich. er lächelt. atmet mitteltief ein.“ und

„eigentlich denkt er seine gedichte. er schreibt sie nur eben auch auf dieses nicht“, bis zu zu

„über das nichtschreiben von gedichten gibt es kein gedicht: auch dieses nicht usw.“ geht und auf der vorigen Seite hat noch „wann ist es aus?“ gestanden, worüber man jetzt streiten kann, ob das jetzt ein Gedicht ist oder nicht, aber vielleicht es es, ein Nichtgedicht?

In der letzten Abteilung kommen die „schlampigen schätzungen“, die aus „des ronsards kunstgedichten gewonnen“ sind und man hat sich durchgelesen durch Michael Hammerschmids Nester und ich habe eine sehr weiche zarte Seite des Dichters kennengelernt, die mich sehr erstaunte und die mir auch sehr gefallen hat, so daß ich das Buch den Lyrikfreunden und denen, wie man so schön sagt, es noch werden wollen, sehr empfehlen kann.

2017-03-30

Grundgedichte der österreichischen Literatur

Ich hätte ja eigentlich gedacht, daß Robert Schindels Roman „Gebürtig“ zu den „Grundbüchern der österreichischen Literatur nach 1945“,  eine Reihe in der „Alten Schmiede“, bei der ich schon länger nicht war, zählt, aber vielleicht wurde das Buch da schon vorgestellt, ist es ja inzwischen  die vierundsechzigste Veranstaltung, die moderiert von Klaus Kastberger heute in der Schönlaterngasse abgehalten wurde und Lyrik ist ja wichtig und zählt sowieso zu den Stiefkindern der Literatur, die gefördert gehört.

März, den Monat der Lyrik, haben wir auch noch und so wurde bei Veranstaltung vierundsechzig Robert Schindels Gedichtem zwischen 1963 und 2004 „Fremd bei mir selbst“, die zum sechzigsten Geburtstag des 1944 geborenen Dichters, der das erste Lebensjahr im Versteck überlebte, von „Suhrkamp“ herausgegeben wurde und die eine Zusammenfassung seiner sechs bis dahin erschienenen Gedichtbände darstellt, vorgestellt.

Kurt Neumann leitete wieder ein und wies auf den speziellen Ton, den Robert Schindel in die Lyrik hineingebracht hat, eine Mischung zwischen Wortwitz, Politik und Melancholie hat er es, glaube ich, genannt und noch ein paar andere Eigenschaften dazugezählt und RobertSchindel begann seine Lesung mit dem frühen Gedicht „Wolken“

„Ich spreche über die Ermordung etlicher Menschen“ aus dem Lyrikband „Aus dem Herzen die Krätze“, kam dann zum „Rindfleischesser“

„Und Rindfleisch esse ich und Rindfleisch Um mich herum wachsen die Tode“ aus dem Gedichtband „Geier sind pünktliche Tiere“

Es gab ein Gedicht über Hermann Schürer und eines über den Jugoslawienkrieg und und und….

Eine dreiviertel Stunde gab der Dichter Einblick in seine  Gedichte und trug sie  mit sehr eindrucksvoller Stimme, von eindrucksvollen Gesten begleitet vor.

Dann kam der Friedpreisträger Nico Bleutge und kommentierte die Gedichtauswahl, sprach von den sechs Gedichtbänden aus denen die Beispiele stammen und erwähnte, daß die erst spät und gar nicht in der richtigen Reihenfolge erschienen sind, stellte die Frage, ob Schindel und wenn wie weit von der Wiener Gruppe beeinflußt sei und erläuterte noch allerhand Interessantes zu der Art des Schreibens bis Klaus Kastberger an die Reihe kam und ein Gespräch mit dem Dichter führte und ihn fragte, wie er zu der Lyrik gekommen sei und das war sehr interessant, denn weil er nicht zeichnen konnte, hat Robert Schindel geantwortet, hat er mit acht begonnen seiner Mutter ein Muttertagsgedicht zu schreiben, hat dann immer weiter mit den Gedichten gemacht, wurde dafür auch ausgelacht, hat sich später dann an Paul Celan und anderen orientiert.

Bezüglich der Wiener Gruppe nannte er den Einfluß von H. C. Artmann, mit Oswald Wiener hatte er Schwierigkeiten, ebenso mit Erich Fried, aber der gehört ja zu einer anderen Liga.

Elfried Gerstl hat ihn dann, wenn er mit H. C. Artmann oder anderen Schwierigkeiten hatte, getröstet und sein Stammcafe war das „Hawelka“, jetzt schreibt er täglich, wenn er an einem Roman arbeitet, wie ein Beatmer im Cafe Zartl oder Prückl und arbeitet, verriet er auf eine Publikumsfrage gerade an seinem dritten Roman mit dem Arbeitstitel „Genia und die lichte Zukunft“, wo es um eine Kommunistin im zwanzigsten Jahrhundert geht und das finde ich besonders interessant, denn als sich Robert Schindel von der Sprachkunst verabschiedet hat und es deshalb ein Fest im Literaturhaus gegeben hat, hat er aus seinen damals noch unveröffentlichten Roman „Der Kalte“ vorgetragen, den ich später gelesen habe und daher bisher eher den Romancier Schindel kenne, aber der politische Roman, ist ja sowieso etwas, was mir wahrscheinlich mehr als die Lyrik liegt, weil ich ja keine solche schreibe.

Ich habe aber den Band „Geier sind pünktliche Tiere“ in meinen Regalen und müßte ihn jetzt lesen und „Kassandra“,  von „Haymon“ wiederaufgelegt, was, wie der Dichter erklärte, schon früh in einer Studentenzeitung erschien, habe ich, glaube ich einmal bei der „Literatur im März“ bekommen.

„Gebürtig“ habe ich im Schrank gefunden, was für mich wieder die Funktion der offenen Bücherschränke bestätigt, weil man da an Schmankerln kommt, die sonst vielleicht an einem vorbeigehen würden und so war es auch gut, daß ich heute wieder einmal zu den „Grundbüchern“ gegangen bin, weil mir da der Lyriker Robert Schindel näher kam, den ich sonst ja eher als Literaturförderer, er vergibt ja immer den „Priessnitz-Preis“, Schrachkunstgründer und politischen Dichter kenne.

2017-03-15

Zweimal Lyrik

Die „Lyrik im März“ wäre heuer fast an mir vorbei gegangen, war ja vorige Woche, als es die traditionelle GAV-Veranstaltung gab, Schreibgruppe und die Lyrikabende in der „Gesellschaft“ am siebenten und am achten März habe ich auch versäumt, wenn  nicht am Dienstag noch einmal zwei Lyrik-Bände dort vorgestellt worden wären und bezüglich Lyrik habe ich am Vormittag auch eine Überraschung erlebt, denn als ich da in die Vinothek in die Ziegelofengasse gegangen bin, um meine Büchersendung abzuholen, hatte mir Anita Keiper ganz unerwartet wieder ein Lyrikbändchen aus ihrer Reihe, nämlich Gedichte des 1984 geborenen Grazers Mario Hladicz geschickt, dessen Band „Gedichte zwischen Uhr und Bett“ wohl an welchen Monsterroman erinnert, den auch ein junger Grazer geschrieben hat, wenn ich mit einer Räselfrage zu der Lyrik in der „Gesellschaft für Literatur“ überleiten darf.

Zu gewinnen gäbe es dann keinen Gedichtband, denn solche schreibe ich ja nicht, aber da sich auf meine Gewinnspiele ohnehin keine Leute melden, gerate ich diesbezüglich wahrscheinlich in keinen Zugzwang und in der „Gesellschaft“ sind wieder zwei gute alte Bekannte aufgetreten, nämlich Manfred Chobot und Christl Greller und die 1940 geborene Christl Greller hat mich, 2002 muß das gewesen sein, als ich mit Uwe Bolius meine „Halbpreislesung“ in der „Alten Schmiede“ hatte, angesprochen, so habe ich sie vermutlich kennengelernt oder kannte ich sie schon von diversen GAV-Veranstaltungen?

Sie sie jedenfalls auch eine eifrige Veranstaltungsbesucherin, ist sehr bemüht und ehrgezig, hat früher in der Werbung gearbeitet und, wie Manfred Müller einleitete in den Neunzigerjahren zu schreiben und zu publizieren begonnen.

Ich habe ihren Namen  auch einmal in der Gewerkschaft gehört, wo ich ja 2000 bei der Schreibwerkstatt der Evelyne Haas mitmachte. Da gab sie eine Lesung und zehn Bücher hat sie, wie Manfred Müller betonte, auch schon geschrieben.

Ein Roman, drei Erzähl-, sechs Gedichtbände. Einige davon habe ich zu Haus und bei Christl Greller Lesungen bin ich auch schon gewesen und eine Spezialität derselben ist wohl, daß sie ihre Arbeiten öfter mit den Werken anderer Künstler verquickt.

So gab es zu einigen Gedichten aus dem „Residenz-Bändchen“ „stadtselenland“, das sie vorstellte, einen Leporello der Künstlerin Yoly Maurer, den man sich im Foyer anschauen konnte und Manfred Müller rühmte auch  die Alltagsthemen, die Christl Greller in ihren Gedichten berührt.

Sie führte dann durch ihren Gedichtband, sagte immer etwas dazu, was ich sehr interessant fand.

Die Jahreszeiten wurden dabei auch berührt, so gab es Frühlingsgedichte, welche über Amseln, Grillen, bis es dann zu Weihnachten ging.

Das Schreiben wurde, glaube ich, auch erwähnt und der Kontrast zu Christl Grellers feiner Lyrik und ihren kleinen feinen Sprachspielerein, war dann der 1947 geborene Manfred Chobot, den ich auch schon über in der „Gesellschaft“ hörte und mit dem ich auch kürzlich in Salzburg gelesen habe.

Einen größeren Kontrast kann es, glaube ich, nicht geben, aber Manfred Chobot, der inzwischen aus Bangladesh zurück ist, wohin er kurz nach unserer Lesung flog, feierte in Mai seinen siebzigsten Geburtstag.

Zu seinem sechzigsten feierte er, glaube ich an dem Tag im Literaturhaus, wo ich den „Tag der Freiheit des Wortes“ veranstalten wollte.

Jetzt gibt es einen von Beppo Beyerl herausgegeben Gedichtband, der eine Sammlung aus den fünfzehn schon erschienenen Bänden ist und durch diesen hat sich Manfred Chobot durchgtelesen. Bekannt für ihn gab es sehr viel Erotisches, das mir manchmal zu stark und zu derb war. Die politischen Gedichte haben mir aber schon in Salzburg sehr gefallen und am Schluß gab es noch eine Diskussion über die Art des Schreibens und, wie die beiden ihre Themen finden?

Auch da gibt es Unterschiede, Manfred Chobot schreibt sehr viel im Dialekt, Christl Greller bleibt bei der Hochsprache und sie hat im ORF auch eines der sogeannten“Schirmgesichte“, das sie auch noch vorlas und dafür um Stimmen für die diesbezügliche Abstimmung bat.

Da weiß ich nicht so genau, ob ich das mache, denn da müßte ich auch die anderen Gedichte kennen, bevor ich mich für mein Lieblingsgedicht entscheiden kann und so genau höre ich nicht Radio oder lese ich den „Standard“, um das entscheiden zu können.

Manfred Chobot, den ich, glaube ich in den frühen Siebzigerjahren durch eine Arbeiterzeitung-Beilage  meines Vaters kennenlernte und später immer wieder bei Veranstaltungen und auch in GAV wiederbegegnet bin, wünsche ich aber zum Geburtstag alles Gute und fein auch heuer etwas von der „Lyrik im März“ mitbekommen zu haen, denn es wird  noch etwas dauern, bevor ich Band fünfzehn der „Editon Keiper“ lesen werde können.

2017-01-29

Wolfgang Kauers Podium Portrait

Filed under: Bücher — jancak @ 22:25
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Aus Salzburg habe ich mir als Souvenir ein wenig Lyrik mitgebracht oder Wolfgang Kauers Podium Portraitband 92, das sind die kleinen sechzig Seiten Heftchen, die der Literaturkreis Podium immer zu den runden Geburtstagen seiner Mitglieder und Wolfgang Kauer wird im  Februar sechzig, herausgibt und sie dann meistens im Fünferpack in der „Alten Schmiede“ und wahrscheinlich auch an anderen Orten vorstellt.

Bei ein paar solcher Veranstaltungen bin ich gewesen und bekomme die Heftchen auch regelmäßig geschenkt, so daß ich schon ein paar besprochen habe, während noch andere auf meinen Stapeln warten.

Dabei liest sich Lyrik eigentlich sehr schnell und man sollte sich nicht nur im März, im Monat der Lyrik, wo es in der „Gesellschaft für Literatur“ regelmäßige Veranstaltungen gibt, die GAV einen „Lyrik im März Auftritt“ hat und der „Literaturkreis Podium“ auch immer einen diesbezüglichen Folder herausgibt, mit ihr beschäftigen.

Noch haben wir aber Januar, also einen kleinen Rundgang durch Wolfgang Kauers Lyrik, der 1957 in Linz geboren wurde, in seiner Jugend Schlagzeuger war, Germanistik studierte und jetzt als Lehrer und Kulturvermittler in Salzburg lebt, er hat da, glaube ich, eine eigene „Freitag-Reihe“, wo er in seinem Stadtteil Literaten vorstellt, mit Margot Koller hat er zweimal zum Thema „Abgeschoben“ und „Angekommen“ eine Veranstaltung im AAI in der Salzburger Wiener Philharmonikergasse, gleich beim Festspielhaus, organisiert, wo ich aus der „Wiedergeborenen“, sowie den „Sommererlebnissen“ gelesen habe.

Er ist auch, glaube ich, historisch sehr interessiert und forscht jetzt zu Felsritzbilder, die auch am Dom angebracht sind und, die er uns am Donnerstagabend zeigen wollte, hat  schon eine große Anzahl von Publikationen, den 2010 bei „Arovell“ erschienenen Prosaband  „Funken regen“, habe ich mir einmal vom Bücherflohmarkt der Stadtbücherei St. Pölten gekauft und jetzt habe ich Wolfgang Kauer auch, als Lyriker kennengelernt, das heißt einige der Gedichte, habe ich schon gekannt, hat er daraus doch bei unserer Lesung vorgetragen und hat, glaube ich, auch einige Gedichte speziell für das Portrait ausgesucht, in dem es, wie bei der Portraitreihe üblich, zuerst ein großes Bild des Autors gibt, dann folgt eine sehr genaue und ausführliche Einführung von Maria Herlo in Wolfgang Kauers künstlerisches Schaffen und dann geht es in die „Ausgewählten Gedichte“:

„Salzburg, kleine Stadt von Welt“, heißt es da gleich zu Beginn und man kann einen lyrischen Streifzug durch die Mozartstadt machen. Kann „Mit dem Flussgott auf Kuschelkurs“ gehen, „dem Jupiter aus Zorn beide Hörner abgebrochen und sie den Bürgern der Stadt aufs Haupt gesetzt hat.“

Man sieht, der Lyriker, Wolfgang Kauer hat eine sehr prosaische Sprache und er zeigt sich auch gleich weiter von seiner historischen Seite, in dem er auf die „Schnabelkanne“, das ist eine Bronzedarstellung, die im Keltenmuseum Hallein zu bewundern ist, der er, glaube ich, auch eines oder mehrerer seiner Werke, gewidmet hat.

Dann gibt es, für den Deutschlehrer typisch, mehrere Hommagen, an Trakl, Bachmann, Jandl, beispielsweise, aber auch, was  an den Musiker erinnert, einen Rap, der von Matthea  Harvey und Mieze Medusa inspiriert  wurde:

„Ja, wenn das Wippen über den Rippen zu langsam geht, dann wird es mal wieder viel zu spät.

Die die Trümmer kontrollieren, dürfen hier passieren, dürfen schikanieren, dürfen injizieren….“

Ein „So nett“ auf das Jahr „1968“, das ja für die in den Fünzigerjahren Geborenen, zumindestens, als Erinnerung sehr wichtig war, gibt es auch.

Von  den Achtundsechzigern geht es  zu einem „Anakreontischen Naturgedicht:

Die Vögel im Bade am Dach meiner Habe. In der Tonne die Sonne, im Spiegel das Siegel der Verschwiegenheit“

Es wird aber gleich wieder politisch, wenn es an die „Überfischung“ der Meere geht.

Wolfgang Kauer kann es  auch humoristisch und macht als Gymnasiallehrer eine „Ode an eine Gymnastikhalle“, über die man sicher schmunzeln kann.

Die Politik bleibt aber, was mir sehr sympathisch ist, nicht aus und wird uns gleich wieder einholen, wenn es an die

„Vergangenheitsbemächtigung“ geht:

„Streu mir Springkraut der Erinnerung auf die Waagschale Nagle mich fest zwischen den dornigen  Fingerkuppen“, heißt es etwa da und läßt einen lange nicht los und es geht weiter mit einem „Vergabespiel“:

„Es gab eine Zeit, da hat man Köpfe vermessen. Heute vermisst man sich am Faktor Mensch. Herr, gib uns die Kraft, Stand zu halten, wenn sie über uns kommen, die Heuschrecken!“

Die schon erwähnte Flüchtlingsproblematik holt uns ein in dem Gedicht „Volatilität:

„Wir lassen keinen mehr ins Boot, die Suppe reicht nicht mehr für alle!, bellts doggenhaft am Rednerpult“.

Im „Spießrutenlauf“ wird an die Ereignisse in Parndorf, wo ein LKW mit siebzehn erstickten Flüchtlingen, im August 2015 gefunden wurde, gedacht.

Dann geht es zurück nach Salzburg, beziehungsweise „Maxglan“, wo Leni Riefenstahl, den Film „Tiefland“ drehte, dafür einige Roma und Sinti aus den Lagern holte, sie „wunderschöne Menschen“ nannte und nach Abschluß der Dreharbeiten wieder zur Vernichtung zurückschickte.

Eine Hommage an die „Milchnudeln“, der 1945 im Internierungslager Karlsdorf verstorbenen Katharina Kauer, gibt es auch und man hat in dem schmalen Bändchen sehr beeindruckende, politische Gedichte gelesen, die sowohl nachdenklich, als auch auf eine weitere Lektüre der Kauerschen Werke neugierig machen.

 

2016-06-29

Fremde Refrains, andere Lieder

Oder der siebzehnte Abend der vierten „Poliversale“ mit Albert Ostermaier, Franz Josef Czernin und Oswald Egger. Michael Hammerschmied moderierte vor einem Pult stehend und stellte die drei Autoren vor, um mit ihren zuerst ein Gespräch zu  beginnen und ihnen einige Fragen zu ihrem Werk zu stellen.

Der Titel weist schon darauf hin, es geht um Bezugnahmen und Referenzen auf andere Dichter, vor allem bei den ersten beiden Autoren wurde das deutlich oder sagen wir besonders bei Franz Josef Czernin, dessen „Winterrreise-Verwandlung“ mit der „Krähe“, ich schon im „Literaturmueseum“ gehört habe.

Also etwas Bekanntes und das war auch ein bißchen  bei dem Dramatiker und auch Romanautor  Albert Ostermaier, 1967 geboren, so, dessen Gedichtband „Außer mir“ bei „Suhrkamp“ erschienen ist, denn sein Stück „Letzter Aufruf“ habe ich vor Jahren  im „Arsenal“ gesehen.

Jetzt also den Lyriker, waren wir ja bei der „Poliversale“ dem vierten internationalen Lyrik-Festival und da begann es mit einem Gedicht über die Liebe, das auch einen Filmbezug hatte, Michael Hammerschmid erwähnte es in seiner Einleitung und dann ging es zu Shakespeare, beziehungsweise zu einem Zyklus der sich auf ihn bezog oder überhaupt zu Theatertexten oder Gedichten und am Schluß kam etwas Poetologisches, wie Alber Ostermaier erklärte, nämlich am „Anfang ist was Wort“, also auch etwas recht Bekanntes, wenn dann auch die Abwandlungen kamen.

Danach der mir ebenfalls bekannte, 1952 geborene und „H.C.Artmann Preisträger“ Franz Josef Czernin, der in seiner neueren Arbeit Wilhelm Müllers „Winterreise“ neu verwandelte.

Michael Hammerschmid stellte den Dichter auch als Sprachforscher vor und der erklärte, daß man heute nicht mehr so wie Wilhelm Müller reimen könne. Albert Ostermaier hat das zwar ein bißchen in seinen Theatergedichten so getan, der „H. C. Artmann Preisträger“ ist aber ein experimenteller Dichter, also kamen die Verwandlungen und Franz Josef Czernin projezierte  die „Krähe“ und dann noch zwei Gedichte aus dem Zyklus, las zuerst sie und dann seine Verwandlungen von denen es wieder einige Abwandlungen gab.

Sehr interessant und dann zu Oswald Egger,  1963 in Südtirol geboren und mir auch kein Unbekannter, habe ich ihn ja vor kurzem im Literaturhaus gehört, als dort der „Preisträger der Literaturhäuser“ Ulf Stolterfoht gelesen hat und in dessen Verlag ist  auch sein Gedichtband „Gnomen und Amben“ erschienen.

Damals habe ich mich etwas über die lässige Art der beiden Dichter aufgeregt und auch ein bißchen über die Sprachgewalt von Oswald Egger „Ich schluckte das Ferkel und ich schluckte zwei Stuten“, jetzt erklärte zuerst Michael Hammerschmid und dann noch genauer der Dichter seine Vorgehensweise, wie er verdichtet und mit „Zwirn und Faden“ zu seinen Sprachgebilden kommt, die er wieder in wahrlicher  Sprachgewalt vortrrug.

Am Schluß forderte Michael Hammeschmid das Publikum, das sehr zahlreich war, zum Kaufen der Gedichtbände und zum Wiederkommen, der noch zwei stattfindenden Abende auf und ich ging nach Hause, um von der Lyrik zur  Prosa zu schwanken, das heißt mir die Eröffnung des „vierzigsten Bachmannpreises“ anzusehen und kam gerade zur Eröffnungrede von Burkhard Spinnen, dem für seine Verdienste als langjähriger Juryvorsitzender die „Klagenfurt Medaille“ verliehen wurde und morgen wird Stefanie Sargnagel den Eröffnungreigen beginnen, was vielleicht kein gutes Omen ist, weil die Ersten haben, glaube ich, noch nie gewonnen, ich bin gespannt und werde versuchen mir auch noch den Rest der Eröffnung anzusehen..

2016-06-14

Zurück zur Poliversale

Während wir in Kroatien Urlaub machten, hat in Wien die „Poliversale“, das 4. internationale Wiener Lyrik-Fest der „Alten Schmiede“ begonnen, das von Kurt Neumann und Michael Hammerschmied konzeptiert und moderiert wird und heuer auch an anderen Orten, als nur im „Literarischen Quartier“ stattfindet.

So fand die Veranstaltung mit Christoph W. Bauer und Ludwig Laher heute in der „Gesellschaft für Literatur“ statt und wurde von Manfred Müller moderiert.

Kurt Neumann und Michael Hammerschmid saßen im Publikum, außerdem noch Christl Greller, Monika Vasik, Stefan Gmünder und noch ein paar andere, aber nicht zu viele, denn heute fand ja auch bei der Fußball EM, das Spiel Österreich gegen Ungarn statt, wie Manfred Müller in seiner Einleitung bedauerte und den Leuten dankte, die trotzdem gekommen waren.

Nun, ich glaube das literarische Publikum interessiert sich mit einigen Ausnahmen wie Wendelin Schmidt-Dengler oder Reinhold Aumeier nicht so sehr für Fußball.

Ich tue das jedenfalls überhaupt nicht, habe aber ein paar Fußballbücher auf meiner Leseliste, beispielsweise, das von Reinhold Aumeier, „Rapid, Rapid… Ein Matchtagebuch“ aus dem „Resistenzverlag, das ich demnächst  zwischen meine Rezensionsexemplare schieben werde und ob Manfred Müller bedauert hat, daß der dem Fußballspiel nicht zusehen konnte, weiß ich nicht, er hielt jedenfalls eine lange Einleitung zu den beiden, wie er fand sehr unterschiedlichen Dichtern, die beide, wie er betonte Vielschreiber wären.

Das hätte ich nun auch gedacht, daß Christoph W. Bauer und Ludwig Laher sehr verschieden schreiben, fand aber während der Lesung einige Ähnlichkeiten, eine davon ist, daß beide bei „Haymon“ publizeren oder publizierten, da Ludwig Laher inzwischen zu „Wallstein“ übergewechselt ist.

Der 1968 in Kärtnen geobrene in Innsbruck lebende Christoph W. Bauer wurde mir einmal auf der Buch-Wien von Gerlinde Tamerl vorgstellt, ich sehe ihn auch dort öfter, beziehungsweise bei der „Literatur und Wein“ in Göttweig und Krems und habe schon einige Bücher von ihm gelesen, die ich mir meistens aus der Flohmarktkiste des „Morawas“ zog.

Eine weitere Gemeinsamkeit zwischen ihm und Ludwig Laher, den ich glaube ich von den IG Autoren kenne, ist daß beide sowohl Lyrik, als auch Romane und Essays schreiben und daß auch Christoph W. Bauer, den ich eigentlich für einen reinen Lyriker gehalten hätte, auch recherchiert und dokumentarisch schreibt habe ich heute bemerkt, beziehungsweise ist es mir schon beim „Alphabet der Häuser“ aufgefallen.

„Stromern“ heißt der Band der heute vorgestellt wurde und wenn ich mich nicht irre, war er schon auf Platz eins der ORF-Bestenliste und ist wie Manfred Müller in seiner Einleitung erklärte, ein sehr erzählendes Buch. Gedichte, die Geschichten erzählen, ein Paris Teil gibt es auch und Bezug auf Francois Villon von dem sich auch vielleicht das Wort „Stromern“ oder das „Vagantentum“ beziehungsweise „vagabundisieren“ herleitet und dann geht es auch um Zwiegesprächen mit anderen Dichtern, mit Francois Villon wie erwähnt, von Paul Nizon stammt aber das Motto, Ingeborg Bachmann wird erwähnt, Joseph Brodsky etcera. Sehr angenehm war, daß Christoph W. Bauer seine Gedichte selbst dokumentierte und erzählte, wie dazugekommen ist sie zu schreiben.

Dann folgte der 1955 in Linz geborene Ludwig Laher, der in St. Pantaleon lebt und den ich, wie erwähnt schon sehr lange kenne und ihn wahrscheinlich bei den IG-Autoren, woe es sich ja engagiert und im Vorstand ist, kennenlernte. Er hat auch schon viele Bücher geschrieben, von denen ich einige gelesen habe, „Bitter“ noch nicht, das lag aber im vorigen Jahr zum „Tag des Buches“ im Schaufesnster der Anna Jeller, wo ich es mir herausholte und das wäre noch eine Gemeinsamkeit zu Christoph W. Bauer, der in einem seiner Gedichte Andreas Hofer, den berühmten Tiroler erwähnte, dann gibt es noch einen anderen Hofer, einen Gauleiter, der aber nie verurteilt wurde, sondern zu seinem Begräbnis auch noch die Schützen aufspielen hatte und „Bitter“ handelt ja auch von einem. ich glaube. nie verurteilten SS Mann.

Ich würde Ludwig Laher ja nicht so sehr als Lyriker einschätzen, er erwähnte, daß er alle zehn Jahre einen Gedichtband schreiben würde und diesen hat er gebraucht, um sich von seiner Arbeit an „Bitter“ zu erholen. Ich würde ihn ähnlich wie Erich Hackl als dokumentarischen Schriftsteller bezeichnen, „Einleben“ und „Verfahren“ wären solche Beispiele. Seine Gedichte sind auch sehr dicht und knapp und kurz, fast Aphorimen, wie Manfred Müller erklärte.

„Die Jahre kommen und gehen – in die Jahre kommen und gehen“ oder „Nacht für Nacht aufwachen und nicht mehr einschlafen können und dann einmal einschlafen und nicht mehr aufwachen können“, beispielsweise.

Nachher gab es eine Diskussion beziehunsweise ein Gespräch das Manfred Müller moderierte, wobei er nach den Versformen, den Schreibtechniken und den Motti fragte. Beide Autoren hatten in ihren Büchern ja welche, Christoph W. Bauer eines von Paul Nizon, Ludwig Laher drei zum Thema „alles“, weil das für ihn der Überbegriff seines Gedichtbandes „Was hält mich“ darstellte.

Das Publikum, wie Kurt Neumann, Michael Hammerschmid und ein junger Mann der sehr differenzierte Fragen stellten und wahrscheinlich selbst schreibt, mischte sich eifrig ein und eine Dame bedankte sich für die schönen Gedichte und die Autoren ausdrücklich beim Publikum für das Kommen.

Ja, das Fußballspielen ist eine starke Konkurrenz zur Literatur, aber die „Poliversale“, die am 31. 5. begonnen hat, geht bis zum 5. 7. weiter, die nächste Gelegenheit ist schon morgen in der Uni Hörsaal 31 und am Donnerstag gibt es eine Veranstaltung in der „Alten Schmiede“ zu der ich wahrscheinlich gehen werde, obwohl da auch die von Friedrich Hahn moderierte „Dichterzeile“ in der Porzellangasse ist.

2016-03-01

Wieder ein Jahr Podiumportraits

Bei der Präsentation der „Podium-Portraitreihe“, diesen kleinen Heftchen, die zu den runden Geburtstagen, ab fünfundfünfzig bis achtzig etwa, der Mitglieder des Literaturkreises herausgegeben werden, war ich schon öfter und ich bekomme auch öfter so kleine Heftchen von den Jubilaren oder deren Erben geschenkt und jetzt wurden Band 83 bis 88 präsentiert und der 1955 in Kärnten geborene Religionslehrer Axel Karner, der mehrmals bei dem von mir organisierten Tagen der „Freiheit des Wortes“ gelesen hat und mir auch schon einige seiner Gedichtbände zur Besprechung übergeben hat, hat mit einem sehr eindruckvollen Dialektgedicht über die Gewalt, die wir einander antun, begonnen „Die Goschn soll ich halten hast gsagt“ undt dann Auszüge aus den „Stacheln des Rosenkranzes“, den Lissabonnergedichten und den „Chansons grillee“, die ich auch schon einmal im Literaturhaus hörte, gebracht, die nächste war die einzige Frau und auch die jüngste in der Runde, die 1960 geborene Ärztin Monika Vasik, die seit 2011 literarisch tätig ist und die ich sehr oft bei Veranstaltungen sehe.

Barbara Neuwirth hat ihr Portrait eingeleitet, sie hat aber auch selber die Themen vorgestellt, die ihr wichtig sind.

Die Politik, die Liebe, Krankheit und Sterben, sowie Natur und  hat in ihr Portrait auch unveröffentlichte Gedichte, sowie Proben aus ihren bisherigen, in der „Edition Hernals“ entstandenen Gedichtbänden einfließen lassen.

Der nächste war der ebenfalls 1955 geborene und als Lehrer tätige Christoph Janacs aus Oberösterreich, der auch öfter bei den „Tagen der Freiheit des Wortes“ gelesen hat. Er hat jetzt einen Bart, so hätte ich ihn fast nicht erkannt und hat für sein Portrait Gedichte, die er nach japanischen Mustern geschrieben hat, ausgewählt.

Dann kam Bernhard Widder an die Reihe, er ist auch in Oberösterreich geboren und hat Architektur studiert, reist viel herum, was auch in seinen Gedichten, von denen er einige in den Siebzigerjahren, die meisten zwanzig Jahre später, geschrieben hat, zu hören war.

Der 1945 in Bayern geborene und in Ungarn aufgewachsene Übersetzer, György Buda, den ich von einigen Literaturveranstaltungen und von der Donau Lounge der „Buch Wien“ kenne, war der Älteste in der Runde, der seinen ersten Sologedichtband präsentierte, Einzelgedichte hat er schon in Anthologien veröffentlicht und der las von der „Mondstadt“ das ist die Gegend um den Donauturm und ein Gedicht, das er Christl Greller zu verdanken hat, die  auch schon einen Band in dieser Reiehe hat. Mercedes Echerer hat das Vorwort für seinen Band geschrieben und der letzte Autor war der 1956 geborene Georg Bydlinsky, der erst im Mai seinen runden Geburtstag hat, der sein Vorwort, wie Martin Auer selbst geschrieben hat und zuerst zwei Gedichtzyklen über Triest und London, das letztere auf Englisch und dann noch drei Kindergedichte las, denn er ist  auch ein Kinderbuchautor und hat unter anderen einen Kinderlyrikpreis bekommen.

2016-02-29

Poem ohne Held

Jetzt kommt wieder was ganz Altes. Kein Fund aus dem offenen Bücherschrank, sondern eines der Bücher, die ich mir für Günter Ms. „Thalia-Gutschein“ kaufe, den er mir einmal zu meinen Geburtstagsfest mitgebracht hat.

Da gab es auf der Mariahilferstraße eine Kiste, wo ein ganzer Stapel von „Reclam-Leipzig-Ausgaben“ lagen. Ein paar davon habe ich schon gelesen, die Jane Austen kommt wahrscheinlich als nächstes dran, wenn ich mit den Frühlingsneuerscheinungen, die ich einschieben sollte, fertig bin und es war interessant, Anna Achmatowa kurz nach Henry James zu lesen.

Stilistisch haben sie sich zwar nichts zu sagen und sind wahrscheinlich wie Hund und Katz miteinander zu vergleichen, aber Henry James Todestag jährte sich am Sontag, glaube ich, zum hundertsten Mal, und da häufen sich die Neuauflagen und Brigitte Schwens-Harrant, die Staatspreisträgerin für Literaturkritik, erklärte diese Woche jeden Morgen, warum man Henry James lesen sollte, obwohl das auf dem ersten Blich ja nicht so eindeutig scheint. Denn ich würde meinen, daß in Zeiten, wie diesen Anna Achmatowa viel aktueller ist, aber die ist eine Lyrikerin, also noch ein Grund, weil sich ja die „Lyrik im März“ bald naht, als solche aber wahtrscheinlich schwer verständlich, dann noch eine Russin und eine Frau, etcetera, da wären wir schon wieder bei den Vorurteilen, dabei hat man den Namen Anna Achmatowoa höchstwahrscheinlich schon womal gehört.

Bei mir war es jedenfalls so, eine berühmte russische Dichterin, deshalb habe ich auch nach dem Bändchen gegriffen, das bei „Thalia“ wahrscheinlich unverkäuflich war, so daß es in der Wühlkiste landete, aber viel mehr als den Namen, habe ich auch nicht gekannt, also zuerst einmal nachgegooglet, obwohl das Buch über einen sehr langen und ausführlichen Anmerkungsteil verfügt.

Es ist aber nicht ganz einfach zu lesen und der Titel ist eigentlich auch ein wenig irreführend, denn es ist ja nicht nur Anna Achmatowas wohl berühmtestes Gedicht darin enthalten, sondern überhaupt späte Gedichte, ab 1965 bis zu ihrem Tod in den Sechzigerjahren und ein paar Prosateste gibt es auch.

Anna Achmatowa wurde 1889 in Odessa geboren, hat einige Male geheiratet, früh zu schreiben begonnen, ist mit ihrem ersten Mann auch nach Paris gereist, wo sie den Maler Modgliani traf, ein paar Texte über ihm gab es auch in diesem Buch.

Sie war mit Michail Bulgakow und Jossip Mandelstam befreundet und mit ihnen in der Künstlergruppe der Akmeisten, zwei Gedichtbände sind im ersten Weltkrieg entstanden.

Nach der Oktoberrevolution war sie Bibliothekarin in einem landwirtschaftlichen Institut und hatte Schwierigkeiten mit der Zensur, weil sie zu erotisch und zu innerlich schrieb, dann auch Schreibverbot. Einer ihrer Ehemänner wurde wegen konterrevulionärer Tätigkeiten erschossen, der zweite und ihr Sohn wurden  in den Dreißigerjahren mehrmals verhaftet und Anna Achmatova verbrachte diese Zeit oft in Wartschlagen vor den Gefängnissen. Einmal hat sie eine sehr zusammengeschlagene Frau dort angesprochen und sie „Können Sie das beschreiben?“, gefragt.

„Und ich sagte: „Ja“ Da glitt so etwas wie ein Lächeln über das, was eimal ihr Gesicht gewesen war.“

So entstand das „Requiem, von 1935- 1940 geschrieben. Auch das gibt es in dem Buch  und noch viele andere Gedichte und Auszüge aus Zyklen, bis man zu dem Opus Magnum, dem „Poem ohne Held“ kommt, dem auch „Wikipedia“ eine ganze Seite gewidmet hat.

Zwischen 1944 bis 1962 hat Anna Achmatowa an dem Triptichon geschrieben, das eine Einleitung und einige Widmungen hat und das, wie man in den Text von Kornej Tschukowski über die Dichterin nachlesen kann und auch mir aufgefallen ist, die Lyrik sehr mit der Prosa, Tschukowski schreibt, glaube ich, Novellen verbindet, so gibt es eine Handlung, die auch genau beschrieben wird und das Ganze würde ich jetzt interpretieren, ist der Zerstörung der Stadt Leningrad oder St. Petersburg gewidmet, die Anna Achmatowa sehr geliebt hat..

So beginnt der erste Teil mit dem „Jahr Neunzehnhundertunddreizehn-Petersburger Erzählung“ und wir tauchen ein, in den Karneval, in die Ballnächte des „weissen Saals“, begegnen Sancho Pansa und Don Quichotte, kommen in das Schlafzimmer der Heldin, etcetera, um dann im zweiten Teil schon im Janur 1941 angekommen zu sein, wo „ihr Redakeur nicht zufrieden mit der Autorin ist und sie vielleicht eines Plagiates“ verdächtigen wird.

Im dritten Teil wir sind in der „weißen Nacht des 24. Juni 1942“ angekommen, gibt es dann einen Epilog, bevor es in das Wesentliche geht :

Und jemand sagte „Quo vadis?“

Doch er konnte die Lippen nicht regen,

Als mit seinen tunneln und Brücken

Zu donnern begann der verrückte Ural.

Und es öffnete sich mir der Weg,

Auf dem man vor mir gegangen

Und der meinen Sohn transportiert.

Lang war der Begräbnisweg, endlos,

ein feierliches, kristallenes Schweigen

Fesselte ring das SIBIRISCHE LAND

Fort von dem, was zu Staub war,

Marschierte, gepackt von tödlicher Furcht,

Wissend um die Frist der Vergeltung,

Die tränenlosen Augen gesenkt –

Vor mir her nach Osten, das

Die Hände ringende Rußland“

Beendet in Taschkent, wohin die Autorin, glaube ich, evakiert wurde, am 18. August 1942, steht darunter.

Anna Achitmatowa, die, wie Kornej Tschukowski schreibt, eine sehr liebenswürdige, bescheidene Frau war, die in den ärgsten Hungerszeiten, die Nestle-Dosen und Zuckerstücke, die man ihr schenkte, an andere weitergab, wurde  in den fünfziger Jahren rehabilitiert und ist am 5. März 1966, Stalins Todestag, in einem Erholungsheim gestorben. Herausgekommen ist die Versnovelle, 1967 erstmals als Ganzes in New York.

In dem  1993 in letzter Auflage, zweisprachig erschienenen Reclam-Buch ,das von Fritz Mierau herausgegeben wurde, gibt es Übersetzungen von Elke Erb, Sarah und Rainer Kirsch, sowie anderen.

Eine neuere Übersetzung des Poems ist auch von Alexander Nizberg erschienen, die man im Netz finden kann und ich würde mir  eine von ihm vorgetragene „Stunde der literarischen Erleuchtung“ mit dem Poem in der „Alten Schmiede“ wünschen, aber vielleicht hat es das schon gegeben.

2016-02-19

Lyrische Texvorstellungen

Der 1972 geborene Michael Hammerschmid, der 2009 den Priessnitzpreis,  2015 den Heimrad Bäcker-Förderpreis bekommen hat und  in der „Alten Schmiede“ einige Lyrikfestivals organisierte, ist ein sehr lyrischer Mensch, dementsprechend waren die von ihm am Donnerstag moderierten „Texvorstellunge“n, auch drei Lyrikern, nämlich  Gregor M. Lepka, Ute Eisinger und Rene Steiniger gewidmet und trug das schöne Motto „Bilder, Tiere, Ding und Sprache“.

Ich wundere mich ja manchmal bei den „Textvorstellungen“ über die Motti, beziehungsweise stelle ich fest, daß es eigentlich keinen roten Faden zwischen den Texten gibt und die auch nicht sehr zusammenpassen.

Diesmal war es, Zufall oder nicht, anders, denn der Gedichtband des 1936 in Salzburg geborenen Gregor M. Lepka, den ich von den GAV-Generalversammlung, wo er regelmäßig mit seiner Frau Waltraud Seidelhofer teilnimmt, sehr gut kenne, „Die Sicht auf die Dinge“ besteht zu einem großen Teil aus einem Bildzyklus, die er für eine Ausstellungseröffnung eines Museums geschrieben hat und der bei „Arovell“ erschienene Band, der 1964 in Mistelbach geborenen Ute Eisinger, die ich kennenlernte, als ich 1996 in der Jury für das BUMUK-Nachwuchsstipendium war und dann noch einmal bei einer Lesung, ich glaube, auch in der „Alten Schmiede“ hörte, beschäftigt sich auch mit Bildbeschreibungen.

Da stach dann nur der 1970 in Paris geborene Rene Steiniger heraus, erstens hat in dem bei „Rote Zahlen“ erschienenen Band „In Margine“ Prosa und Lyriktexte vereint, zweites ging es bei ihm hauptsächlich um Tiergedichte, die dann noch so gestaltet waren, daß man sie öfter erraten oder durch einen Tierquizz bestimmen konnte.

Eine sehr interessante Art und Weise der Lyrik näher zu kommen, die Bildbeschreibungen waren es aber auch und der Monat der „Lyrik im März“ folgt auch sehr bald, so daß man sich schon ein bißchen auf die Lyrik einstimmen konnte.

Dementsprechend waren auch relativ viele Lyriker im Publikum, Christine Huber, beispielsweise, die ja auch das „DichtFest“ in der „Alten Schmiede“ organisiert, Ilse Kilic, Fritz Widhalm, Waltraud Seidelhofer, aber auch Nils Jensen und Dieter Scherr.

Michael Hammerschmid hielt ein sehr schönes Einleitungsreferat,  fragte  in der anschließenden Diskussion, wie die Autoren zu ihren Beschreibungen kamen und wies  auf den Büchertisch hin, wo man sich mit den Texten versorgen und sie weiterlesen konnte.

Michael Hammerschmids bei „Klever“ erschienener Gedichtband „Nester“, habe ich mir übrigens beim Bücherflohmarkt bei der „Buch-Wien“ zugunsten der Flüchtlingshilfe gekauft.

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