Literaturgefluester

2019-07-01

Dichtfest zum Saisonschluß

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 23:59
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CHRISTINE HUBER

CHRISTINE HUBER

Alfred Goubran

Alfred Goubran

Bevor es in der „AS“ in die Sommerpause geht, gab es noch einmal das von Christine Huber veranstaltete „DichtFest“, da war ich heuer durch meinen Unfall, glaube ich, noch gar nicht, aber die Saison lasse ich gerne damit ausklingen, deshalb sind wir schon am Vormittag nach Wien gefahren und nicht, wie wir es sonst im Sommer machen werden, erst am Dienstagmorgen.

Ich gehe  ja ganz gerne zu diesen Lyrikveranstaltungen, obwohl ich sonst gar nicht so ein großer Lyrikfan bin und Christine Huber hat auch wieder sechs sehr interessante Dichter- und Dichterinnen für die Abschlußveranstaltungen ausgewählt.

Zwei davon habe ich schon gekannt, beziehungsweise sie vor kurzem aus ihren neuerscheinenen Büchern lesen hören, nämlich Alice Harmer bei der KritLit und Susanne Toth, das letzte Mal im Cafe Westend, wo ich ja am sechzehnten Juli lesen werden.

Begonnen hat der Abend mit einer Lesung von Alfred Goubran, der ja früher die „Edition Selene“ hatte und meine Bücher dort nicht haben wollte.

Jetzt hat er aus den „Technische Tiere“ gelesen und die Frau, die hinter mir saß und die ich schon öfter bei literarischen Veranstaltungen gesehen habe, hat öfter laut gelacht und ihre  Zwischenfragen gestellt.

„Was Sie lesen wirklich nur dreizehn Minuten? Hören Sie dann mitten im Satz auf?“, beispielsweise.

Alfred Goubran hat „Selbstverständlich!“, geantwortet, mich hat aber ihr Gelächter und ihr Dazwischenreden genervt und es hat mich auch aus meiner Konzentration gerissen, weil ich die lauten Dazwischenqatscher ja nicht so gerne habe.

Monika Maslowska

Monika Maslowska

Alice Harmer

Alice Harmer

Das habe ich ihr in der Pause auch hgesagt.

„Sie können das ja auch machen!“, hat sie geantwortet und Alice Harmer, die als Dritte gelesen hat, hat sich bei ihr für ihre Lacher sogar bedankt.

Nun ja, wie sich die Geister scheiden, ich denke es stört, wenn einer so ungeniert, seine Meinungen abgibt, während, die anderen den Mund halten und daziwschen hat auch noch die aus Polen stammende und mir bis jetzt unbekannte  Monika Maslowa mit ihrem bei „Limbus“ erschienenen „Winterrot“ gelesen und zwar gibt es da in dem Buch sehr schöne Illustrationen, die die Autorin immer mit einem sehr kurzen Satz versehen hat.

Dann gab es die Pause und dann folgte Susanne Toth mit ihrem „Wir sind“. SIe hat diesmal im Sitzen gelesen,  ihre Texte sehr konzentriert vorgetragen und auch öfter wiederholt.

Dann folgte die Schweizerin Christine Zurbrügg, die ich, glaube ich, vom „Volksstimmefest“ oder anderen Veranstaltungen kannte. Sie hat einen noch unveröfftentlichten „Haiku Band“, der die in die vier Jahreszeiten eingeteilt sind und dazu Akkordeon gespielt und sogar gejodelt.

Der letzte Leser dieses Abend ist der „Textvorstellungen-Moderator“ Friedrich Hahn, der schon über vierzig Bücher hat und von dem ich auch die Idee übernommen habe, zu meinem sechzigsten Geburtstag aus meinen dreißig letzten Büchern zu lesen, beziehungsweise sie vorzustellen.

Jetzt hat er aus „neben deinen fußnoten mein alter schuh“ gelesen und dazwschen immer wieder auf seine anderen Bücher aufmerksam gemacht. Anschließend gab es wieder Wein, Knabbereien und Gespräche, die ich vorwiegend mit dem Franz, der der Alfred von seiner Studentenheimzeit kennt und mit einer Stammbesucherin geführt habe.

Susanne Toth

Susanne Toth

Christina Zurbrügg

Christina Zurbrügg

Und Morgen, kann ich gleich verraten, geht es weiter mit der „Podium-Auftaktveranstaltung“, die immer in der „AS“,stattfindet, bevor sie ins Cafe Prückl geht und die werde ich mir auch anhören, bevor es aufs Land in meine  Sommerfrischenwochenenden, beziehungsweise zu den O-Tönen gehen wird, die aber erst nöchste Woche beginnen.

Friedrich Hahn

Friedrich Hahn

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2019-03-18

Hilde Langthalers Podium-Portrait

Filed under: Bücher — jancak @ 00:53
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Publikum

Publikum

Ich habe Hilde Langthaler, die im Jänner verstorben ist und von der am letzten Montag unter anderen ihr Podium-Portraitheftchen vorgestellt wurde, in den späten Siebzigerjahren im „Arbeitskreis der schreibenden Frauen“ kennengelernt, der sich so um 1984 auflöste, ich habe mich aber weiter mit ihr, Valerie Szabo und Elfriede Haslehner regelmäßig getroffen um uns unsere Texte vorzulesen und zu besprechen. Später habe ich sie bei den GAV- Versammlungen und auch anderswo immer wieder getroffen, das letzte Mal vorigen Dezember bei Ruths Abschiedsparty gesehen und war bei ihrem Begräbnis.

Zu der Veranstaltung, die es am 19. 2.  im Literaturhaus gegeben hat, wollte ich eigentlich hingehen, habe sie aber versäumt, weil ich mich für die zeitgleich stattfindende Präsentation des „Kuh-Buches“ angemeldet und daher nicht weiter in meinem Kalender nachgeschaut und jetzt auch die Abschiedsveranstaltung im „Tiempo Nuevo“, weil ich ja mit einem Gipsbein im LKH St. Pölten gelegen bin, der Alfred hat mir aber das Portraitheftchen gebracht, das dann bei der Heimfahrt fast verlorengegangen ist, sich aber wiedergefunden hat, so daß ich es  besprechen kann und mich damit  noch einmal von einer lieben Freundin, obwohl mein Verhältnis durchaus nicht konfliktfrei war, Abschied nehmen kann.

Susanne Ayoub, die, glaube ich, eine Vertraute Brunis war, hat das Vorwort  „Vom Objekt zum Subjekt“ gestaltet, in dem es Ausschnitte mit einem Gespräch mit ihr das im August 2018 geführt wurde, gibt und das sich intensiv auf Hilde Langthalers Lebenslauf, die ursprünglich Medizinerin war und auch oft auf Auslandseinsätzen war, bezieht.

Später hat sie sich dann der Literatur gewidmet oder ist damit an die Öffentlichkeit gegangen, hat mit Elfriede Haslehner den Frauenverlag mitbegründet, war bei der AUF dabei und ist literarisch durch ihr Theaterstück „Nur keine Tochter“ und sonst mit kurzen prägnatten lyrischen Skizzen aufgefallen, wie sie ja immer auch sehr bescheiden und zurückhaltend, aber sonst wahrscheinlich auch sehr beharrlich war.

In dem Heftchen gibt es Beispiele von ihren kurzen und auch längeren Prosastücken, die aus mehreren ihrer Bücher entnommen sind und an ein Gedicht „jemand“, das von einem oder einer mit Namen Mayer handelt, kann ich mich besonders erinnern, hat sie das doch bei einer unserer Sitzungen vor langer Zeit vorgelesen und da ist mir im Gedächtnis geblieben, daß ich mich damals, wo ich mit dem Kritisieren noch größere Schwierigkeiten als heute hatte, nicht zu fragen traute, daß ich den plötzlichen Perspektiv- oder Geschlechterwechsel nicht verstanden habe. Sie hat es dann später noch einmal gelesen, da habe ich gefragt und jetzt ist das Gedicht

„jemand steht am fenster

der raum ist überheizt und doch friert er

 

sie hat brünettes,feingewelltes haar, gepflegte

hände, ein adrettes kleid

ein jeder weiß, dass sie am bildschirm sitzt,

dass sie ihr leben verdient, indem sie zahlen

tippt den ganzen tag

denn leben

will verdient sein

 

jemand geht zur tür hinaus

und macht sich an die arbeit.

jemand, der zahlen tippt den ganzen tag.

jemand mit namen mayer.

 

Die Ausweglosgkeit und die Monotonie des Lebens sind auch in den anderen lyrischen Notizen, von denen mir  einige ebenfalls schon bekannt waren, stark zu merken und gehören wahrscheinlich  zu Hilde Langthalers eigener Sprache.

„von fäden gezogen

in normen geschüttelt

marionetten, hastend

vom heute ins morgen.“

beispielsweise oder

 

„zerbrochen, zerbröcketlt, zerbröselt.

wieder zusammengefügt, da und dort

irgendwie. ohne ein ziel. wie das leben

absichtslos zufällig und nur ein spiel

lache bajazzo“

Sehr intensiv die Kritik, der doch so engagierten, frauen- und gesellschaftsbewegten Frau.

„gestrichen. gestrichelt.

gedreht.gebeugt. gewunden.

nirgendwohin.

traum oder trauma?“

Und zuletzt auch ein sehr beeindruckendes Lyrikstück, das mir, wie die ganze Bruni und meine doch schon an die vierzigjährige Bekanntschaft mit ihr, in Erinnerung bleiben wird:

„wir kommen aus der ewigkeit

wir gehen in die ewigkeit

und in dem kurzen augenblick dazwischen

schauen wir ständig auf die Uhr.“

Wie wahr, kann man da nur schreiben.

2019-01-27

und fließt die zeit wie wasser wie wort

Filed under: Bücher — jancak @ 00:43
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Und wieder ein wenig Lyrik, die kommt ja bei meinen Bücherbergen und den dicken Schmökern von Romanen, die manchmal darauf liegen und ich ja auch eine dicht an der Realität befindende Romanschreiberin bin, oft ein wenig zu kurz, obwohl im März ja wieder der Mona der Lyrik naht, es in der „Alten Schmiede“ und auch sonst wo die Lyrik-Festivals gibt und ich  auch erst vor kurzem bei einem Lyrikabend war, da habe ich die 1940 geborene Christl Greller getroffen, die  rührige bemühte GAV-Kollegin, die  Werbetexterin war und sich 1995, wie ich dem Klappentext entnehme, dem literarischen Schreiben zuwandte.

Gehört oder gelesen habe ich das erste Mal, glaube ich, von ihr, als ich so um 2000 muß das gewesen sein, eine eifrige Besucherin der Schreibwerkstatt der Gewerkschaft war, zu der ich  durch „Luipold Stern-Preis“ gekommen bin und sie dort, glaube ich, eines ihrer Bücher vorstellte.

Sie hat, entnehme ich, weiter dem Klappentext, drei Erzählbände, einen Roman und sechs Gedichtbände, die Erzähbände „Der Schmetterlingsfüßler“ 1998 erschienen und „Schatten werfen“ habe ich in meinen Regalen, ebenso das „Podium-Portrait-Gedichtbändchen“, das sie mir freundlicherweise einmal verehrte.

Als ich 2002 bei dieser Halbpreisschiene in dem damals noch nicht so existierenden Schmiedesaal in den Semesterferien, um fünf Uhr Nachmittag mit Uwe Bolius in der „AS“ gelesen habe, war sie unter dem Publikum, da habe ich sie persönlich kennengelernt und sehe sie seither immer wieder im  bei Veranstaltungen, in der „Alten Schmiede“, im Literaturhaus, in der „Gesellschaft“ und bei den „Mittleren“ hat sie auch einmal gelesen.

Sie organisiert auch selber Veranstaltungen und da ist, wie beim vorliegenden sechsten oder siebenten Gedichtband, die Zeit das Thema, „Die Zeit und wir“ heißt es da und da habe ich bei einer ihrer Veranstaltungen in der Klimt Villa gelesen, sucht sie für ihre Veranstatlungen ja immer ungewöhnliche Orte, ich war aber auch bei einem ihrer Lyrik Abende in der „Gesellschaft“ und und.

Es gibt Preise und Gedichte, die im „Standard“ und in Ö1 erschienen ist, ist Christl Greller ja, wie schon beschrieben sehr bemüht und so gibt es auch in dem vorliegenden in der „Editon  lex  liszt“ erschienenen Band, sehr viel Kollegalität, nämlich ein Mottogedicht von Marie Therese Kerschbaumer, der großen Dichterin, die ich im Arbeitskreis schreibender Frauen schon in den soäten Siebzigerjahren kennenlernte und Zeichnungen, schöne zarte Graphikmuster von der 1935 bei Villach geborenen Angelika Kaufmann, die ich auch regelmäßig in der „Alten Schmiede“ sehe, gibt es in dem Buch auch und ein Nachwort von Rudolf Kraus, der das Fließen und die Bewegung, der klein geschriebenen Texte erwähnt. Das Wasser und die Zeit, die als ständige Thema, das sich durch das hundertzehn Seiten Bändchen fließt. Die Vergänglichkeit ist ebenfalls ein ständiges Thema, das ja sowohl mit dem Fließen, als auch mit der Zeit zusammenhängt, ein Suchen, ein Bewegen und ein sich Ausdrücken und dann gibt es auch Momente, da findet sich nichts, man muß warten, stehenbleiben, ausatmen und an Morgen denken.

„hm“ heißt das Gedicht „und denke und denke und denke – und finde nichts, das wichtig genug ein gedicht darüber zu schreiben. vielleicht morgen?“ schreibt Christl Greller und man kann das Schwerfallen des Stehenbleibens und Verweilen müßen hautnah spüren und doch ist man zu diesem Zeitpunkt auf Seite zweiundsiebzig und ist mit Christl Greller schon durch viele bewegende Momente gegangen und sehr schön finde ich die Zusammenfassungen, ein paar kurze klare Worte, die unter manchen ihrer Gedichte stehen, beim „schneefall“ zum Beispiel:

„auf den lippen eine flocke und zergeht. und kühl vor den augen der tanz, und leicht auf den schultern die liegengebliebene last.

morgen salzstreuung“

Es gibt Gedichte, die an ihre Reisen nach Norwegen erinnern und dann eines das den „pannonischen sommer“ beschreibt: „und reben, reih und glied, in liebe aufgebunden. der see als streif am horizont“, die letzte Zeile wird refrainartig mehrmals wiederholt, was uns die pannonische Landschaft so richtig vorstellen läßt und das Gedicht „blattgold“, das die Vergänglichkeit des lebens, wie noch bei ein paar andere, wohl am stärksten zeigt:

„jetzt nicht mehr sparen, später ahorn und verschenkt, verschleudert er sein gold – und nützt ihm nichts, wenn es an sterben geht“

Man kann sehr schön in diesen zarten Zeilen ungehemmt von hinent nach vorne springen und sich dabei von der auch immer kritischen und manchmal auch melancholischer Sprachmelodie umhüllen lassen.

Kommt dann zur „doppelstunde“, wo Christl Greller den Zeitsprung beschreibt, wo die „sommerzeit wieder normalzeit“ wird, die sich listig ausnützen läßt:

„einmal wunscherfüllung einmal ZWEImal leben seis nur von zwei bis drei zeiger zurückgestellt, stunde wiederholt. zweite chance gehabt – und doch: weiter wie immer“

Sehr beeindrucken würde ich sagen und so gleitet man sprachumhüllt durch das Bändchen, um über dem ebenfalls sehr beeindruckenden „Chipgedicht“ zu einem Wien-Zyklus, den „Gesichtern einer Stadt“ zu kommen, wo Christl Greller für jeden Monat vom Jänner bis Dezember ein eigenes Gedicht hat, das von den „farblosen tagen, der abgeschalteten weihnachtslichter am graben“ im Jänner bis zum Dezember, wo es „auf jedem freien  platz im häusergewühl, eine holzhütte, sogenannter weihnachtsstand“ gibt.

Und so bin ich an das Ende des Bändchen gekommen, kann mich bei Christl Greller für das von ihr gewünschte Lesevergnügen bedanken, ihr den Anklang den es bei mir gefunden hat, versichern, hoffe auch das entsprechende Feedback gegeben zu haben und kann ihr noch weitere Lyrikbände wünschen.

2018-02-27

BuK mit Lyrik

Filed under: Uncategorized — jancak @ 22:52
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Der März, der Monat der Lyrik naht, wo es das Podium mit seiner Gedichtsonderausgabe gibt, die „Gesellschaft für Literatur“, die Lyrik feiert und die GAV hat  auch ihren speziellen Tag mit der speziellen Veranstaltung, weil das Gedicht ja ein Genre ist, das sonst weitgehend untergeht, in den Buchhandlungen höchstens die Nischen füllt, aber sonst alle stöhnen oder aufjubeln, wenn den Leipziger Buchpreis einmal ein Lyrikband bekommt.

Es gibt sie aber die Nischen und die Nischenverlage und die die eigene Lyrik herausbringen, wenn sie auch nicht den Mainstream füllen und sich die Buchhändler wahrscheinlich auch nicht den Lyrikpreisträger wünschen, wenn sie schon mit dem Buchpreisträger meistens unzufrieden sind.

Es gibt aber auch  Joachim Ringelnatz, Eugen Roth und H. C Artmann, man sieht wie vielfältig und widersprüchig dieses Thema ist und da bin ich noch gar nicht bei der Einleitung, die das BuK Team, dieser Buchhändler oder Verlagsstammtisch zu dessen Veranstaltungen ich seit einiger Zeit regelmäßig gehe, für ihre heutige Veranstaltung „You don`t realy care for lyric, do you“, entworfen haben und auf jeden Fall haben sie eine hochkarätige Diskutantenrunde aufgestellt. das Who is who der Wiener Szene könnte man so sagen, Stephan Eibel Erzberg, der Paradedichter, ser sein wöchentliches Gedicht in der Wienerzeitung hat und damit angeblich oder auch tatsächlich hunderttausend Leser findet, Michael Hammerschmid, der „Alte Schmiede-Lyric-Festival“ Veranstalter und „Priesnitz-Preisträger,“ Johanna Öttl, die glaube ich, Assistentin in der AS ist oder war und Verlegerin des kleinen aber feinen „Hochroth-Verlages“, den ich in letzter Zeit ständig überm Weg laufe und Violetta Parsini, die Sänger Songweritering, die ich  bei den O Tönen hörte und moderiert wurde, das Ganze von Slamer Robert Prosser, ein hochkarätiges Programm also für das gar nicht so große Buchhändlerpublikum, aber vielleicht war das kalte Wetter schuld daran.

Und das Thema ist ja vielfältig, wir alle haben oder die älteren von uns Gedichte in der Schule gelernt, dann schreibt man sie vielleicht auch, aber wer liest sie schon? Aber wenn es Poetry Slam im Literaturhaus gibt, muß man eine Stunde vorher dort sein, um einen Platz zu kommen, aber Slams sind keine Lyrik, natürlich klar und so eröffnete Robert Prosser die Diskussion auch mit einem Rundumschlag und einem Anriß sämtlicher Themengebiete, erzählte von einer Lyrikveranstaltung bei der er gestern war und die ein durchaus junges Publkium und durchaus junge Lyriker hatte und er hatte ja auch erst vor kurzem eine Veranstaltung in der AS , wo er für die „Lichtungen“ die lyrischen Vereine zusammenstellte.

Johanna Öttl, dieHochroth Verlegerin stellte ihre Reihe vor, Michael Hammerschmid seine Festivals, jetzt wird ja auch bald wieder eines in der AS geben und das gibt es das kleine „Dichterloh“ und die größere „Poliversale“ und er meinte seine Organisationstätigkeit würde aus dem Lesen bestehen und darauf würde dann das Programm für seine Veranstaltungen entstehen.

Violetta Parsini meinte, daß sie gar nicht massentauglich sein wolle und wurde prompt von Stephan Eibel Erzberg unterbrochen, der mit seinen Ideen für die Gedichte ja die Runde macht, er hat zwar einen anderen Lyrikbegriff, wie Johanna Öttl, spricht aber Politiker an, mit der Idee Wien am fünfzehnten März zur „Stadt der Poesie“ zu machen, wo alle Schwarzfahrer keine Strafe zahlen müßen, wenn sie ein Gedicht aufsagen können und da  wären wir, wenn das ginge, schon bei den Massen und ich muß Viloetta Parsini auch widersprechen wenn sie meint, daß man zumLyriklesen länger braucht, ich eher nicht, wenn ich das mit den langen Romanen vergleiche, die ich sonst eher lese, dieLyrikbändchen blättere ich durch, auch wenn ich da vielleicht nicht immer so aufmerksam bin und Stephan Eibel Erzbergs Lyrik ist ja auch nicht so komploiziert auch wenn die Tageszeitungen die er Ansprucht keine mit erotischen Symbolen haben wollen. Zu politisch sollen sie auch nicht sein, aber Stephan Eibel Erzberg ist als politischer Provakateur sehr erfolgreich und Ernst Jandl hat ja auch einst die Carnegie gefüllt.

Die Lyrik ist also, wie man sieht, sehr widersprüchlich, schwer zu verkaufen, aber schnell zu schreiben, weshalb vielleicht auch soviele Leute Lyrik schreiben, angeblich mehr, als die die welche lesen. Aber dann ist die Lyrik wieder sehr verdichtet, weshalb ja Rainer Kunze seine Gedichte auf aufforderung bereitwillig auch zweimal liest. <man kann sie schnell schreiben und lesen, hat sie aber dann vielleicht nicht verstanden, beziehungsweise versteht sie jeder vielleicht auch anders, etcetera.

Diskussion und das ist vielleicht auch interessant, gab es diesmal keine,Johanna Öttl forderte aber die buchhändler und die Verlagsleute zum Lyrikkaufen auf, beziehungsweise verwies sie auf den Büchtertisch den es diesmal gab. Stephan Eibel Erzberg hat auf seinen neuen Gedichtband und seineä nchste Veranstaltung im Literaturhaus am Tag der Lyrik, der werden wir in Leipzig sein, hingewiesen und es ist ja auch der Auftakt für die vielen Veranstaltung zum Tag oder dem Monat der lyrik im März, auch wenn sie in den Buchhandlungen vielleicht nicht so viel verändern wird, war der heutige Buchhändler und Verlegerstammtisch trotzdem sehr interessant.

2017-11-21

Erzähl mir vom Mistral

Filed under: Bücher — jancak @ 00:41
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Während ich auf die offizielle Bekanntgabe der Bloggerdebutpreis-Shortlist warte, zwei der Bücher habe ich schon gelesen, kann ich verraten, ein bißchen Lyrik.

Schickt mir Anita Keiper doch, seit mich Petra Ganglbauer gebeten hat, ihr „Wasser im Gespräch“ zu besprechen, doch regelmäßig die neuen Lyrikbändchen der kleinen feinen Reihe, die herausgegeben und kommentiert von Helwig Brunner, meist steiermärkische Autoren vorstellt.

So habe ich „Oder so“ von Ingeborgt Görler, das ist, glaube ich, keine Sterermärkerin und „Gedichte zwischen Uhr und Bett“ von Mario Hladicz schon gelesen und jetzt die Reisegedichte des 1986 in Bruck an der Mur geborenen Reinhard Lechner, der schon einige meist steirmärkische Literaturpreise bekommen hat, Mitredakteur der Grazer Literaturzeitschrift „Lichtungen“ ist, die jetzt auch von Andrea Stift betreut wird und in Würzburg wissenschaftlicher <mitarbeiter der „Julius Maximilians-universität ist.

Helwig Brunner, den ich, glaube ich schon in der „Gesellschaft für Literatur“ gehört habe, hat wieder das Nachwort geschrieben und nun geht es, während Reinhard Lechner mit einem „du“ auf Reise durch Frankreich ging, durch das sechzig Seiten Heftchen in dem fünfzehn eher lange Gedichte vom Mistral und auch von vielen anderen  erzählen.

Der Mistral, ein Wirbelsturm, glaube ich, wirbelt herum und „so beginnen wir, dieses Haus zu besorgen, während der Mistral, es zusammen mit Zedern, Mondlicht Tieren der Nacht, weiter und weiter ins Binnenland treibt“, heißt es beispielsweise im Startergedicht „Der Eintritt“, wo losgefahren wird.

„Im Dunkeln tragen wir Koffer aus dem Haus. Der Wagen (es ist ein Renault wie an mehren Stellen erwähnt wird) läuft warm unter Sternen.“

VonNizza, wo es glaube ich, gerade diesen Terroranschlag gab, aber Käse, Fisch und Pfirsiche gegessen werden und „Die <hoffnung Hon ig ist“, geht esnach „L`Espiguette“, Helwig Brunner schreibt in seinem Nachwort, daß einem manche Orte in diesen Reisegichte bekannt erscheinen werden, man andere aber nachschlagen muß, was wohl in Goolgles-Zeiten kein Problem sein wird, wo wir wieder dem Mistral begegnen.

„Oliven groß wie Eier von Hühnern zeigten sich uns nach dem Dorf mit dem entwurzelten Ortsschild vom Mistral, oder den Bewohnern.“

Es geht auch in die „Provence“, wo wir Marie und Louis“ begegnen und „Ratatouille fast noch kein Gericht“ ist, denn „um Vertrauen muß gekocht werden, jenes vergilbte Gericht vererben Großmütter“.

In „Grand Corniche“ gibt es eine „Geisterfahrt“ und dann geht es schon alsbald „zurück“ wo wir den Mistral noch einmal begegnen.

„Und angekommen bei der Kirche stell dich  in den Mistral, werde ruhig, werde Intarsie“, schreibt Reinhard Lechner und wir haben das kleine feine Büchlein ausgelesen, das, wie schon beschrieben, sprachlich durchaus anspruchsvolle und doch auch realistisch nachvollziehbar oft sehr lange Gedichte hat, die manchmal in dem Büchlein auch quergeschrieben sind und eine Seite Prosa, die uns vom „Solo für Trüffel“ erzählt, gibt es auch.

Spannend spannend kann ich schreiben, Reinhard Lechners Lyrikbändchen sehr empfehlen, Anita Keiper dafür danken, daß sich mich zweimal jährlich mit den neuen Bänden versorgt, die mir sonst vielleicht entgehen würden und natürlich hoffen, Reinhard Lechner vielleicht einmal bei  den Lyrikfestivals in der „Alten Schmiede“ oder bei der „Lyrik im März“ in der „Gesellschaft für Literatur“ zu begegnenen und ihn  persönlich kennenernen.

2017-09-27

Dichtfest in der AS

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 00:00
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Wieder einmal Dichtfest oder Dicht-Fest in der „Alten Schmiede“ und ich gehe da ja gerne hin, obwohl ich keine Lyrik schreibe und eigentlich auch mehr Romane lese, aber ich interessiere mich für alles und wieder bin ich zu spät gekommen, diesmal zwar nicht so sehr, wie die beiden Male, wo ich vorher im Literaturmuseum war, aber ich habe eigentlich gedacht, daß ich gar nicht kommen könne, weil eine neunzehn Uhr Stunde, aber die wurde abgesagt und nach der um sechs, war ich, nachdem mir eine U-Bahn davon gefahren ist, gerade während der Einleitung von Christine Huber da.

Wieder sechs Lesende und begonnen hat Hwerber J. Wimmer, den ich ja am Montag in der „Gesellschaf“, bei der Kaffeehausbuch-Präsentation getroffen habe, jetzt hat er seinen neuen bei „Klever“ erschienenen Gedichtband „Kleeblattgasse Toiko“ vorgestellt und das ist, soweit ich es verstanden habe, eine Hommage an die Kleeblattgasse, wo ja Elfriede Gerstl mit ihrer Mutter wohnte, beziehungsweise eine auf Japan, wo Herbert J. Wimmer einen literarischen Aufenthalt hatte, wo Gedichte entstanden sind, die auch in dem Band präsentiert wurden.

Dann folgte die 1974 in Bayern georene Alexandra Bernhard und deren Lyrik „Et in arcardia ego“ war sehr interessant, weil sehr traditionell in Balladen und sogar Stabreimform.

„Darf man das heutzutage noch?“, steht am Klappentext des bei „Sisyphus“ erschienenen Bandes. Man darf, denke ich und es war sogar sehr stimmig.

Dann folgte die 1964 im Waldviertel geborene Ute Eisinger mit „Ut pictura poesis“ und sie bezog sich dabei auf ihr Rom Stipendium, das es wie sie sagte, nicht mehr gibt, wo sie Farben und formen Roms in allen seienen Seiten sehr eindrucksvoll und poetisch beschrieb.

Dann folgte eine Pause. Christine Huber sagte „Bleiben Sie da um den ganzen Spannebreitenbogen der Lyrik zu erleben und so setzte auch die 1976 in Salzburg geborene Renate Aichinger  fort und die war ein Kontrast zu Alexandra Bernhard, nämlich sehr modern und in Rauten oder/Hashtagform „Endeln #Lyrics“.

Johannes Tröndle, der „Alte Schmiede-Mitarbeiter“ brachte Ausschnitte aus seinen „Frühzeitelefantenfarben“ und andere Texte und Semir Insaif, den ich einmal ,glaube ich, lang lang ists her, mit Renate Niedermeyer von der „Edition Doppelpunkt“ bei „Rund um die Burg“ kennengelernt habe und der dann den Siemens Literaturpreis mitorganisierte und später die Literaturwerkstatt in der „Gesellschaft für Literatur“ leitete, stellten seien Band „Über Zeugungen“ vor, in dem es um das Wort Zeug geht, es aber auch einige Replys auf lebende oder tote Dichter gibt.

Nachher gab es, wie beim Dichtfes üblich, Wein,  was zum Knabbern und Gespräche mit den Autoren oder überhaupt. Ich habe mich mit dem Patrik Kames   von der „K und K Holzwerkstatt“ unterhalten, der wegen Ute Eisinger gekommen ist.

2017-06-24

Nester

Filed under: Bücher — jancak @ 00:06
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Den 1972 geborenen Michael Hammerschmid, der 2009 den „Priessnitz-Preis“ bekommen hat, kenne ich, glaube, ich seit 2003 und durch seine Veröffenlichungen in der „Kolik“, da war jedenfalls eine große „Kolik-Veranstaltung“ im Literaturhaus und da habe ich ihn, glaube ich, auch angesprochen.

Jetzt sehe ich ihn hauptsächlich bei den Veranstaltungen die er kuratiert und moderiert in der „Alten Schmiede“, er ist da sehr vertreten und macht neben den „Textvorstellungen“ auch die Lyrikfestivals „Dichterloh“ und „Poliversale“ und seine eigene Lyrik?

Ich weiß gar nicht so genau, wie gut ich sie kenne und ob ich ihn beispielsweise schon aus seinem bei „Klever“ erschienenen Gedichtband „Nester“ lesen gehört habe?

Peter Waterhouse hat aber, glaube ich mich zu erinnern, bei seiner Laudatio im Literaturhaus bezüglich des „Priessnitzpreises“ die Hammerschidsche Lyrik sehr auseinandergenommen und jetzt nach dem ich das Buch, das ich mir  beim Flohmarkt den es auf der vorletzten „Buch-Wien“ gegeben hat, kaufte, gelesen habe, fällt mir seine weiche sanfte Sprache, seine Reime und seine Wortschöpfungen auf, die so gar nichts Experimentelles haben und das hätte ich doch bei einem „Priessnitzpreisträger“ und „Alte Schmide Lyrik Festival Organisator“ fast erwartet.

Der  Band ist in sechs Abteilungen gegliedert. Vorwort und erläuternde Erklärungen gibt es keine, so muß ich selber denken.

Ich kann mich aber auch mitreißen lassen von den zarten lyrischen Einfällen und mich an den Hammerschmdschen Wortschöpfungen und Einfällen erfreuen, was ich auch zu tun gedenke.

Die erste Abteilung sind die „verstecke“ und da kommt das Wort „verstecken“ in sehr vielen oder auch fast allen Gedichten vor, im „keller“ glaube ich nicht.

„der keller ist hell und dunkel ganz schnell“ oder in den „geistern: hinten im auto da wohnen die geister und draußen da streifen die schatten vorbei. – auch wir können sterben und spüren die zähne und hören den atem und müssen aufs klo was wir niemanden verraten.“

Erstaunlich modern und erstaunlich frisch die Hammerschmidschen Worteinfälle und weiter geht mit „das beste versteck ist die nacht in der man alles verbotene macht in die man jeden abend kommt in der sich der böse und der verliebte sonnt“

Das sind fast Kindergedichte könnte man sagen, aber die kommen erst erst zwei Abteilungen später. Zuerst kommen die „schlaflieder.

„ich ließe deine müden füße niemals laufen ich würde alle deine worte kaufen ich bin nur minus dieser tage du kannst mir glauben, dass ich alles wage.“ oder

„ich zerbeiße eine perlenkette ich verschlucke einen aktionär ich zersteche eine borstenleiste ich bin ich und ihr seid mehr“

Bei den „Kindergedichten“ geht es in den Zirkus.

„magst du in den zirkus gehen? magst du tiger sehen beim stehen? hast du angst vor ihren tatzen? glaubst dass diese gar nie kratzen? kratzen können sie wohl schon doch habe ich das nie gesehen“

Und wusch der Reim, der doch so schön poetisch war, ist gleich wieder weg.

Dann gibts das „kleine familienalbum“, wo mich vor allem das „muttergedicht“ sehr beeindruckte.

„ich wasche ab und ab und denke nach wie das leben meiner mutter ist –

am besten frufe ich an und frage, was sie gerade macht. doch zuerst wasche ich ab, eine weile geht es noch.“

Es gibt dann auch ein „Bruder“ und ein „Onkelgedicht“ und eines für die „Großmutter“, bevor zu zu den „pensionistinnen“ geht:

„die pensionistinnen sitzen im reden, das sie umgibt und nicht immer etwas mit ihnen zu tun hat, es ist krank, das reden, weil es von krankheit handelt, es ist süß, das reden, weil es von enkelkindern handelt und vom kaffee, und es ist verboten das reden, weil es vom zucker handelt…“

Dann gibt es ein Gedicht, das sich in zahlen von 1 bis 18: „eine bank für b. 1 gegenüber unserem haus 2 wo die Sonne sitzt—17 eine Bank 18 zum aufklappen“ fortschreitet.

Sehr originell, wenn auch nicht besonders poetisch und dann gibt es noch ein Gedicht  das ein Motto von „paulina“, ist das die tochter?, hat.

„ich bin so schnell wie ich groß bin“, hat jedenfalls Paulina gesagt und Michael Hammerschmid dichtet weiter:

„ich bin so alt wie ich langsam war ich bin so faul wie ich fleißig bin ich bin so trauig wie ich bin“ und so weiter und so fort, bis es mit „so blau wie gelb wie grün“ endet.

Dann geht es in der Abteilung fünf zum „mittelmäßigen dichter“:

„der mittelmäßige dichter sitzt am fenster und schaut hinaus. die stadt steht bis zur fensterscheibe, dekt er. -er atmet aus. er weiß kein gedicht.“

Uje, uje, denn „der schriftsteller war nicht selbstverliebt, aber er liebte sein zimmer zu sehr und den tee dem er sich hingab, schluckweise“

„der mittelmäßige dichter verabschiedet sich. am liebsten verabschiedet er sich. er lächelt. atmet mitteltief ein.“ und

„eigentlich denkt er seine gedichte. er schreibt sie nur eben auch auf dieses nicht“, bis zu zu

„über das nichtschreiben von gedichten gibt es kein gedicht: auch dieses nicht usw.“ geht und auf der vorigen Seite hat noch „wann ist es aus?“ gestanden, worüber man jetzt streiten kann, ob das jetzt ein Gedicht ist oder nicht, aber vielleicht es es, ein Nichtgedicht?

In der letzten Abteilung kommen die „schlampigen schätzungen“, die aus „des ronsards kunstgedichten gewonnen“ sind und man hat sich durchgelesen durch Michael Hammerschmids Nester und ich habe eine sehr weiche zarte Seite des Dichters kennengelernt, die mich sehr erstaunte und die mir auch sehr gefallen hat, so daß ich das Buch den Lyrikfreunden und denen, wie man so schön sagt, es noch werden wollen, sehr empfehlen kann.

2017-03-30

Grundgedichte der österreichischen Literatur

Ich hätte ja eigentlich gedacht, daß Robert Schindels Roman „Gebürtig“ zu den „Grundbüchern der österreichischen Literatur nach 1945“,  eine Reihe in der „Alten Schmiede“, bei der ich schon länger nicht war, zählt, aber vielleicht wurde das Buch da schon vorgestellt, ist es ja inzwischen  die vierundsechzigste Veranstaltung, die moderiert von Klaus Kastberger heute in der Schönlaterngasse abgehalten wurde und Lyrik ist ja wichtig und zählt sowieso zu den Stiefkindern der Literatur, die gefördert gehört.

März, den Monat der Lyrik, haben wir auch noch und so wurde bei Veranstaltung vierundsechzig Robert Schindels Gedichtem zwischen 1963 und 2004 „Fremd bei mir selbst“, die zum sechzigsten Geburtstag des 1944 geborenen Dichters, der das erste Lebensjahr im Versteck überlebte, von „Suhrkamp“ herausgegeben wurde und die eine Zusammenfassung seiner sechs bis dahin erschienenen Gedichtbände darstellt, vorgestellt.

Kurt Neumann leitete wieder ein und wies auf den speziellen Ton, den Robert Schindel in die Lyrik hineingebracht hat, eine Mischung zwischen Wortwitz, Politik und Melancholie hat er es, glaube ich, genannt und noch ein paar andere Eigenschaften dazugezählt und RobertSchindel begann seine Lesung mit dem frühen Gedicht „Wolken“

„Ich spreche über die Ermordung etlicher Menschen“ aus dem Lyrikband „Aus dem Herzen die Krätze“, kam dann zum „Rindfleischesser“

„Und Rindfleisch esse ich und Rindfleisch Um mich herum wachsen die Tode“ aus dem Gedichtband „Geier sind pünktliche Tiere“

Es gab ein Gedicht über Hermann Schürer und eines über den Jugoslawienkrieg und und und….

Eine dreiviertel Stunde gab der Dichter Einblick in seine  Gedichte und trug sie  mit sehr eindrucksvoller Stimme, von eindrucksvollen Gesten begleitet vor.

Dann kam der Friedpreisträger Nico Bleutge und kommentierte die Gedichtauswahl, sprach von den sechs Gedichtbänden aus denen die Beispiele stammen und erwähnte, daß die erst spät und gar nicht in der richtigen Reihenfolge erschienen sind, stellte die Frage, ob Schindel und wenn wie weit von der Wiener Gruppe beeinflußt sei und erläuterte noch allerhand Interessantes zu der Art des Schreibens bis Klaus Kastberger an die Reihe kam und ein Gespräch mit dem Dichter führte und ihn fragte, wie er zu der Lyrik gekommen sei und das war sehr interessant, denn weil er nicht zeichnen konnte, hat Robert Schindel geantwortet, hat er mit acht begonnen seiner Mutter ein Muttertagsgedicht zu schreiben, hat dann immer weiter mit den Gedichten gemacht, wurde dafür auch ausgelacht, hat sich später dann an Paul Celan und anderen orientiert.

Bezüglich der Wiener Gruppe nannte er den Einfluß von H. C. Artmann, mit Oswald Wiener hatte er Schwierigkeiten, ebenso mit Erich Fried, aber der gehört ja zu einer anderen Liga.

Elfried Gerstl hat ihn dann, wenn er mit H. C. Artmann oder anderen Schwierigkeiten hatte, getröstet und sein Stammcafe war das „Hawelka“, jetzt schreibt er täglich, wenn er an einem Roman arbeitet, wie ein Beatmer im Cafe Zartl oder Prückl und arbeitet, verriet er auf eine Publikumsfrage gerade an seinem dritten Roman mit dem Arbeitstitel „Genia und die lichte Zukunft“, wo es um eine Kommunistin im zwanzigsten Jahrhundert geht und das finde ich besonders interessant, denn als sich Robert Schindel von der Sprachkunst verabschiedet hat und es deshalb ein Fest im Literaturhaus gegeben hat, hat er aus seinen damals noch unveröffentlichten Roman „Der Kalte“ vorgetragen, den ich später gelesen habe und daher bisher eher den Romancier Schindel kenne, aber der politische Roman, ist ja sowieso etwas, was mir wahrscheinlich mehr als die Lyrik liegt, weil ich ja keine solche schreibe.

Ich habe aber den Band „Geier sind pünktliche Tiere“ in meinen Regalen und müßte ihn jetzt lesen und „Kassandra“,  von „Haymon“ wiederaufgelegt, was, wie der Dichter erklärte, schon früh in einer Studentenzeitung erschien, habe ich, glaube ich einmal bei der „Literatur im März“ bekommen.

„Gebürtig“ habe ich im Schrank gefunden, was für mich wieder die Funktion der offenen Bücherschränke bestätigt, weil man da an Schmankerln kommt, die sonst vielleicht an einem vorbeigehen würden und so war es auch gut, daß ich heute wieder einmal zu den „Grundbüchern“ gegangen bin, weil mir da der Lyriker Robert Schindel näher kam, den ich sonst ja eher als Literaturförderer, er vergibt ja immer den „Priessnitz-Preis“, Schrachkunstgründer und politischen Dichter kenne.

2017-03-15

Zweimal Lyrik

Die „Lyrik im März“ wäre heuer fast an mir vorbei gegangen, war ja vorige Woche, als es die traditionelle GAV-Veranstaltung gab, Schreibgruppe und die Lyrikabende in der „Gesellschaft“ am siebenten und am achten März habe ich auch versäumt, wenn  nicht am Dienstag noch einmal zwei Lyrik-Bände dort vorgestellt worden wären und bezüglich Lyrik habe ich am Vormittag auch eine Überraschung erlebt, denn als ich da in die Vinothek in die Ziegelofengasse gegangen bin, um meine Büchersendung abzuholen, hatte mir Anita Keiper ganz unerwartet wieder ein Lyrikbändchen aus ihrer Reihe, nämlich Gedichte des 1984 geborenen Grazers Mario Hladicz geschickt, dessen Band „Gedichte zwischen Uhr und Bett“ wohl an welchen Monsterroman erinnert, den auch ein junger Grazer geschrieben hat, wenn ich mit einer Räselfrage zu der Lyrik in der „Gesellschaft für Literatur“ überleiten darf.

Zu gewinnen gäbe es dann keinen Gedichtband, denn solche schreibe ich ja nicht, aber da sich auf meine Gewinnspiele ohnehin keine Leute melden, gerate ich diesbezüglich wahrscheinlich in keinen Zugzwang und in der „Gesellschaft“ sind wieder zwei gute alte Bekannte aufgetreten, nämlich Manfred Chobot und Christl Greller und die 1940 geborene Christl Greller hat mich, 2002 muß das gewesen sein, als ich mit Uwe Bolius meine „Halbpreislesung“ in der „Alten Schmiede“ hatte, angesprochen, so habe ich sie vermutlich kennengelernt oder kannte ich sie schon von diversen GAV-Veranstaltungen?

Sie sie jedenfalls auch eine eifrige Veranstaltungsbesucherin, ist sehr bemüht und ehrgezig, hat früher in der Werbung gearbeitet und, wie Manfred Müller einleitete in den Neunzigerjahren zu schreiben und zu publizieren begonnen.

Ich habe ihren Namen  auch einmal in der Gewerkschaft gehört, wo ich ja 2000 bei der Schreibwerkstatt der Evelyne Haas mitmachte. Da gab sie eine Lesung und zehn Bücher hat sie, wie Manfred Müller betonte, auch schon geschrieben.

Ein Roman, drei Erzähl-, sechs Gedichtbände. Einige davon habe ich zu Haus und bei Christl Greller Lesungen bin ich auch schon gewesen und eine Spezialität derselben ist wohl, daß sie ihre Arbeiten öfter mit den Werken anderer Künstler verquickt.

So gab es zu einigen Gedichten aus dem „Residenz-Bändchen“ „stadtselenland“, das sie vorstellte, einen Leporello der Künstlerin Yoly Maurer, den man sich im Foyer anschauen konnte und Manfred Müller rühmte auch  die Alltagsthemen, die Christl Greller in ihren Gedichten berührt.

Sie führte dann durch ihren Gedichtband, sagte immer etwas dazu, was ich sehr interessant fand.

Die Jahreszeiten wurden dabei auch berührt, so gab es Frühlingsgedichte, welche über Amseln, Grillen, bis es dann zu Weihnachten ging.

Das Schreiben wurde, glaube ich, auch erwähnt und der Kontrast zu Christl Grellers feiner Lyrik und ihren kleinen feinen Sprachspielerein, war dann der 1947 geborene Manfred Chobot, den ich auch schon über in der „Gesellschaft“ hörte und mit dem ich auch kürzlich in Salzburg gelesen habe.

Einen größeren Kontrast kann es, glaube ich, nicht geben, aber Manfred Chobot, der inzwischen aus Bangladesh zurück ist, wohin er kurz nach unserer Lesung flog, feierte in Mai seinen siebzigsten Geburtstag.

Zu seinem sechzigsten feierte er, glaube ich an dem Tag im Literaturhaus, wo ich den „Tag der Freiheit des Wortes“ veranstalten wollte.

Jetzt gibt es einen von Beppo Beyerl herausgegeben Gedichtband, der eine Sammlung aus den fünfzehn schon erschienenen Bänden ist und durch diesen hat sich Manfred Chobot durchgtelesen. Bekannt für ihn gab es sehr viel Erotisches, das mir manchmal zu stark und zu derb war. Die politischen Gedichte haben mir aber schon in Salzburg sehr gefallen und am Schluß gab es noch eine Diskussion über die Art des Schreibens und, wie die beiden ihre Themen finden?

Auch da gibt es Unterschiede, Manfred Chobot schreibt sehr viel im Dialekt, Christl Greller bleibt bei der Hochsprache und sie hat im ORF auch eines der sogeannten“Schirmgesichte“, das sie auch noch vorlas und dafür um Stimmen für die diesbezügliche Abstimmung bat.

Da weiß ich nicht so genau, ob ich das mache, denn da müßte ich auch die anderen Gedichte kennen, bevor ich mich für mein Lieblingsgedicht entscheiden kann und so genau höre ich nicht Radio oder lese ich den „Standard“, um das entscheiden zu können.

Manfred Chobot, den ich, glaube ich in den frühen Siebzigerjahren durch eine Arbeiterzeitung-Beilage  meines Vaters kennenlernte und später immer wieder bei Veranstaltungen und auch in GAV wiederbegegnet bin, wünsche ich aber zum Geburtstag alles Gute und fein auch heuer etwas von der „Lyrik im März“ mitbekommen zu haen, denn es wird  noch etwas dauern, bevor ich Band fünfzehn der „Editon Keiper“ lesen werde können.

2017-01-29

Wolfgang Kauers Podium Portrait

Filed under: Bücher — jancak @ 22:25
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Aus Salzburg habe ich mir als Souvenir ein wenig Lyrik mitgebracht oder Wolfgang Kauers Podium Portraitband 92, das sind die kleinen sechzig Seiten Heftchen, die der Literaturkreis Podium immer zu den runden Geburtstagen seiner Mitglieder und Wolfgang Kauer wird im  Februar sechzig, herausgibt und sie dann meistens im Fünferpack in der „Alten Schmiede“ und wahrscheinlich auch an anderen Orten vorstellt.

Bei ein paar solcher Veranstaltungen bin ich gewesen und bekomme die Heftchen auch regelmäßig geschenkt, so daß ich schon ein paar besprochen habe, während noch andere auf meinen Stapeln warten.

Dabei liest sich Lyrik eigentlich sehr schnell und man sollte sich nicht nur im März, im Monat der Lyrik, wo es in der „Gesellschaft für Literatur“ regelmäßige Veranstaltungen gibt, die GAV einen „Lyrik im März Auftritt“ hat und der „Literaturkreis Podium“ auch immer einen diesbezüglichen Folder herausgibt, mit ihr beschäftigen.

Noch haben wir aber Januar, also einen kleinen Rundgang durch Wolfgang Kauers Lyrik, der 1957 in Linz geboren wurde, in seiner Jugend Schlagzeuger war, Germanistik studierte und jetzt als Lehrer und Kulturvermittler in Salzburg lebt, er hat da, glaube ich, eine eigene „Freitag-Reihe“, wo er in seinem Stadtteil Literaten vorstellt, mit Margot Koller hat er zweimal zum Thema „Abgeschoben“ und „Angekommen“ eine Veranstaltung im AAI in der Salzburger Wiener Philharmonikergasse, gleich beim Festspielhaus, organisiert, wo ich aus der „Wiedergeborenen“, sowie den „Sommererlebnissen“ gelesen habe.

Er ist auch, glaube ich, historisch sehr interessiert und forscht jetzt zu Felsritzbilder, die auch am Dom angebracht sind und, die er uns am Donnerstagabend zeigen wollte, hat  schon eine große Anzahl von Publikationen, den 2010 bei „Arovell“ erschienenen Prosaband  „Funken regen“, habe ich mir einmal vom Bücherflohmarkt der Stadtbücherei St. Pölten gekauft und jetzt habe ich Wolfgang Kauer auch, als Lyriker kennengelernt, das heißt einige der Gedichte, habe ich schon gekannt, hat er daraus doch bei unserer Lesung vorgetragen und hat, glaube ich, auch einige Gedichte speziell für das Portrait ausgesucht, in dem es, wie bei der Portraitreihe üblich, zuerst ein großes Bild des Autors gibt, dann folgt eine sehr genaue und ausführliche Einführung von Maria Herlo in Wolfgang Kauers künstlerisches Schaffen und dann geht es in die „Ausgewählten Gedichte“:

„Salzburg, kleine Stadt von Welt“, heißt es da gleich zu Beginn und man kann einen lyrischen Streifzug durch die Mozartstadt machen. Kann „Mit dem Flussgott auf Kuschelkurs“ gehen, „dem Jupiter aus Zorn beide Hörner abgebrochen und sie den Bürgern der Stadt aufs Haupt gesetzt hat.“

Man sieht, der Lyriker, Wolfgang Kauer hat eine sehr prosaische Sprache und er zeigt sich auch gleich weiter von seiner historischen Seite, in dem er auf die „Schnabelkanne“, das ist eine Bronzedarstellung, die im Keltenmuseum Hallein zu bewundern ist, der er, glaube ich, auch eines oder mehrerer seiner Werke, gewidmet hat.

Dann gibt es, für den Deutschlehrer typisch, mehrere Hommagen, an Trakl, Bachmann, Jandl, beispielsweise, aber auch, was  an den Musiker erinnert, einen Rap, der von Matthea  Harvey und Mieze Medusa inspiriert  wurde:

„Ja, wenn das Wippen über den Rippen zu langsam geht, dann wird es mal wieder viel zu spät.

Die die Trümmer kontrollieren, dürfen hier passieren, dürfen schikanieren, dürfen injizieren….“

Ein „So nett“ auf das Jahr „1968“, das ja für die in den Fünzigerjahren Geborenen, zumindestens, als Erinnerung sehr wichtig war, gibt es auch.

Von  den Achtundsechzigern geht es  zu einem „Anakreontischen Naturgedicht:

Die Vögel im Bade am Dach meiner Habe. In der Tonne die Sonne, im Spiegel das Siegel der Verschwiegenheit“

Es wird aber gleich wieder politisch, wenn es an die „Überfischung“ der Meere geht.

Wolfgang Kauer kann es  auch humoristisch und macht als Gymnasiallehrer eine „Ode an eine Gymnastikhalle“, über die man sicher schmunzeln kann.

Die Politik bleibt aber, was mir sehr sympathisch ist, nicht aus und wird uns gleich wieder einholen, wenn es an die

„Vergangenheitsbemächtigung“ geht:

„Streu mir Springkraut der Erinnerung auf die Waagschale Nagle mich fest zwischen den dornigen  Fingerkuppen“, heißt es etwa da und läßt einen lange nicht los und es geht weiter mit einem „Vergabespiel“:

„Es gab eine Zeit, da hat man Köpfe vermessen. Heute vermisst man sich am Faktor Mensch. Herr, gib uns die Kraft, Stand zu halten, wenn sie über uns kommen, die Heuschrecken!“

Die schon erwähnte Flüchtlingsproblematik holt uns ein in dem Gedicht „Volatilität:

„Wir lassen keinen mehr ins Boot, die Suppe reicht nicht mehr für alle!, bellts doggenhaft am Rednerpult“.

Im „Spießrutenlauf“ wird an die Ereignisse in Parndorf, wo ein LKW mit siebzehn erstickten Flüchtlingen, im August 2015 gefunden wurde, gedacht.

Dann geht es zurück nach Salzburg, beziehungsweise „Maxglan“, wo Leni Riefenstahl, den Film „Tiefland“ drehte, dafür einige Roma und Sinti aus den Lagern holte, sie „wunderschöne Menschen“ nannte und nach Abschluß der Dreharbeiten wieder zur Vernichtung zurückschickte.

Eine Hommage an die „Milchnudeln“, der 1945 im Internierungslager Karlsdorf verstorbenen Katharina Kauer, gibt es auch und man hat in dem schmalen Bändchen sehr beeindruckende, politische Gedichte gelesen, die sowohl nachdenklich, als auch auf eine weitere Lektüre der Kauerschen Werke neugierig machen.

 

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