Literaturgefluester

2021-07-29

Aussichten

Filed under: Bücher,Uncategorized — jancak @ 00:23
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Gedichte 2020-2021. Ich bin ja keine dieGedichte schreibt, lese aber gelegentlich welche und gehe auch regelmäßig zu den Tagen der Lyrik, den LyrikFestivals etcetera und jetzt das dritte Buch und der zweite Gedichtband in diesem Jahr, des 1939 in Haslach geborenen Peter Paul Wiplinger, bei dessen achtzigen Geburtstagsfest ich war und der mir seit einiger Zeit so getreulich mit handschriftlicher Beilage, seine Werke schickt und ich muß schreiben, wieder eine Überraschung, habe ich bei den Nominierten des Leipziger Buchpreises mein Lieblingsprosabuch gefunden, dann ist das der beste Gedichtband den ich seit langen gelesen habe, obwohl ich mir ja erst gestern Lyrischen von Dirk Peterdorff vorgenommen habe und da ist es meist so, daß man schöne Sprache gedichtet dargeboten bekommt, „Poesie in gestiefelten Schuhen“ und vom Leben meist keine Spur, so daß man oft zweimal lesen muß, um die Gedankensprünge des Dichters zu erfassen.

Daß es auch anders gehen kann, hat der Zweiunaachtzigjährige eindrücklich bewiesen und thematisiert das auch selbst „Dichtung auf ihre Alltagstauglichkeit/ überprüfen dieses Satzfragment/ fiel mir dabei lächerlicherweise ein.“

Und das ist es, Peter Paul Wiplingers Gedichte sprechen von Krankheit, von der Angst vor dem Tod, etcetera und er stellt auch gleich die Frage vom „Regelwerk“ der Kunst, etwas was ich meinen kritischen Freund Uli ins Gedächtnis legen will: „solch klugscheißersprüche darf man/ in einem Gedicht nicht verwenden/ sagst du und ich entgegne/ wer zum teufel stellt denn/ solche regeln auf und verbietet mir/ klugscheißersprüche in einem gedicht/ zu verwenden / – na ja sagst du noch von deinem krebs/ solltest du auch nicht sprechen/ jedenfalls nicht so offen und nicht im gedicht/darauf ich wütend und zugleich unsicher/ ich soll also das jetzt wichtigste in meinem leben/aus meinem schreiben ausklammern weil unfein/ ich soll diesen scheißkrebs und die scheißsprüche,/nicht so nennen wie ich das im wirklichen leben tue/ weil das dem regelwerk der ästhetik nicht entspricht/ weil die wahrheit nicht fein genug ist für die poesie/“

Nein, das ist es nicht, obwohl es wahrscheinlich viele Dichter bisher so taten, aber allzu zu privat und persönlich soll es natürlich auch nicht sein „es ist nicht so/daß ich nicht weine/ja natürlich bin ich/auch sentimental/ aber das ist meine/ privatangelgen heit/ das hat nichts verloren/ in einem gedicht“

Und da sind wir schon bei den Schreibanleitungen, wie man zum dichten kommt. Aber zurück zum Anfang zu den Gedichten, die zwischen 2020 und 2021 geschrieben wurden und dabei, glaube ich, alle persönliche Befindlichkeiten des Autors umfassen. Philosophie ist natürlich auch dabei, wenn es um die Lebensaussichten geht: „aussicht gibt es / keine mehr sagt er/ überall ist nur nebel /aber das hinaufsteigen / und das hinuntersteigen/ das lohnt sich/ denn das ist ein erlebnis“.

Da haben wir schom im ersten Gedicht den Sinn des Lebens lapidar zusammengefaßt und dann kommt die „Einberufung“ zur Krebsoperation ins AKH. Etwas was den Dichter sehr beschäftigt. Das Gespräch mit dem Professor und das Gespräch mit der Krankenschwester nachher, die sein Bett frisch überziehen soll und er zu schwach ist, ihr zu sagen, daß er das nicht merh braucht.

Die Angst vor dem Tod und dem Sterben kommt auch immer wieder vor und da würde ich Peter Paul Wiplinger gerne einen Satz mitgeben, den ich bei einem Vortrag von Professor Musalik einmal hörte, wo es um das Sterben ging.

„Wo wir sind, ist der tod nicht und wo der Tod ist, sind wir nicht!“

Also braucht man sicht da vor nicht fürchten, hat er gelautet. Lieber sein Leben genießen bis zu den letzten Stunden, so gut es geht. Einen Baum pflanzen, ein Gedicht schreiben. In diesem Fall viele schöne Gedichte, die ehrlich sind und keinem Regelwerk folgen müßen, würde ich empfehlen.

„ich bin jener/ der im 81. lebensjahr ist/ ich bin jener/ der krebs hat /ich bin jener/ der gedichte schreibt/ ich bin jener /der am liebsten einfach nur so dahinleben möchte /ich bin jener/ der weiß, daß alles einmal sein ende haben wird“

Das Thema Corona, das Peter Paul Wiplinger bedrohlicher, als ich zu erleben scheint, kommt auch natürlich vor:

„Corona 2020 Berichterstattung/ wirtschaft/wirtschaft/wirtschaft/kein Wort von/sterben sterben/sterben sterben/kein händehalten/in der todesstunde/15 minuten- abschied/ dann sterben/tox/welch erbärmliche/unmenschlichkeit“ und für mich zum erstenmal poetisch thematisiert, die Corona-Impfung:

„wir fahren mitder u1/nach der corona-impfung/von jenseits der donau heim/zum stephansplatz und dann/ mit der u3 zum rochusmarkt“

„TODESGEDANKEN“ sind es, die Peter paulWiplinger, manchmal quälen und sie in eindrucksvollen pragmatischen Sätze verpackt:

„ich ziehen meine/ schwarzen socken an und denke an den tod/ ich ziehe meine schwarze hose an/ und denke an den tod/ ich ziehe meine weißen bosxershorts an und denkeplötzlichach/ verdammt noch mal/war das leben schön/ wenn man sie auszog/

Da kann kam Peter Paul Wiplinger vielleicht auch verzieihen, daß er nach dem er im Krankenhaus den Besuch des Priesters verweigerte und man ihm stattdessen eine Psychologin schickte, bedauerte, daß sie „völlig unerotisch“ aussah und er dann dazu kommt es als „unsinnig“ zu empfinden, daß er sein Leben für den Nachlaß schön ordentlich in bene-ordner verpackte. Das muß sein denke, ich damit Spuren bleiben, damit man alles nachlesen kann, die ich, das im Blog, statt in Ordner mache und auch die Nationalbibliothek nicht anfrage, ob sie von mir vielleicht etwas haben will?

Sehr beeindrucken die „Aussichten des alten Dichters, der auch, wie schon erwähnt Schreibanleitungen gibt „entweder teilt mir das gedicht etwas neues mit oder eben nicht“ „eine einzige wortlkauberei/ ist das sagst du abfällig zu mir/ dashat doch mit einem gedicht/ nicht das geringste zu tun/“ und sehr viel Lebensweisheit bringt, manchmal etwas melancholisch ist und vielleicht auch trauig, so daß ich mit einem Liebesgedicht schließen will:

„ETWAS WIE LIEBE

wie ist mein herz so müd nach dir/ /verflogen ist die gier/ der jungen leidenschaft/ jetzt sitze ich verloren/ in meiner dunkehaft/ wie ist mein herz/ so müd nach dir/ im kerzenschein/ da bin ich dein /obwohl wir längst/verloren sind“

Also auch ein wenig melancholisch, obwohl Peter Paul Wiplinger, der sich in den diversen IGs auch sehr für seine Kollegen, vor allem für die aus Osteuropa einsetzte, auf ein langes erfülltes dichterisches Schaffen zurückblicken kann und ich mir auch noch viele schöne Gedichtbände von ihm wünsche.

Und schön finde ich auch noch ,daß Peter Paul Wiplinger „daß“ mit scharfen“ ß“schreibt.

2021-06-29

Nora Gomringers Gedichtbände

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 21:59
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Noch einmal Nora Gomringer in der „Alten Schmiede“, die zum Saisonschluß noch einmal, mehrfach verschoben, ihre Gedichtbände vorstellte. Jana Volkmann moderierte und es gibt in einer der „Hammer- Zeitungen“ auch ein Interview zwischen ihr und der19 80 geborenen Tochter einer Literaturwissenschafterin und des Dichters Eugen Gomringers,.

„Monster – Morbus- Moden“ und die „Gottersanbeterin“ beides bei „Volant & Quist“ erschienen und die „Gottesanbeterin“ hat sie, glaube ich, auch bei dem „Leipziger Online Messetag“ im Vorjahr vorgestellt. Ich habe Nora Gomringer, glaubeich,das erste Mal in Göttweig bei einer „Literatur und Wein“ kennengelernt und da als sehr berühmte Lyrikerin erlebt, dann kam ihre „Bachmann-Lesung“, wo sie vulminant von Nora Bossong las und beim „Shamrock-Festival“ im Literaturhaus habe ich auch mit ihr gesprochen und war beeindruckt von ihrer Freundlichkeit. Mieze Medusa hat sie auch in ihrer „Hip-hop- Reihe“ vorgestellt, die gestern in der „AS“ nachgeholt wurde undjetzt noch einmal Nora Gomringer, die freundliche Frau,dieerzählte, daß Monster-Morbus-Moden“ zuerst in Einzelbänden 2013, 2015 und2017 erschienen sind.Je fünfundzwanzig Gedichte mit fünfundzwanzig Iluustrationen, die Nora Gomringer stolz vorzeigte und von ihren Nachbarn erzählte, der offebar illustriert hat und diejetztin einem Einzelband zusammen erschinen sind.

„Monster“, da gibt es ja den „Frankenstein“ und das“Monster und die Mädchen“: „So sprach das Mädchen das Mädchen bin ich-so sprach dasMonster und das Monster bin ich“.

Es gibt die „Toteninsel“,das ist ein Bild von Arnold Böcklin und als das Buch in Norwegen erscherschienen ist, fehlte dieses Gedicht,weil Norwegen Anders Preivig, der darin vorkommt, nicht literarisiert haben wollten.Es wird ein Haus beschrieben mit seinen vielen Zimmern und während der Band sehr erfolgreich war, ist es, wie Nora Gomringer erzählte, um „Morbus“viel stiller geworden. Das wurde eher in Arztpraxen vorgetellt. Da gibt es ein Gedicht über Depression und die Frage, wie man die thematisieren kann, daß es die Menschen annehmen? Spricht man vom schwarzen Hund, der Wand, etcetera.

Und die“ Gottesanbeterin“ beschäftigt sich, wie schon der Titel sagt mit derReligion. .Da hat Nora Gomringer auchverschiedeneVorlesunge <nngehalten und das Buch in fünf Teilen, wie ein Katechismusaufgebaut.

„Widmung“, „Zeugnis“, „Tim“, das ist ein verstorbener Freund und das Gedicht beschreibt sehr beeindruckend, wie der Vater die Wohnung ausräumt und den Namen von der Tür entfernt und „Angebot“ und am Schluß wie es Nora Gomringer noch auf zwei Gedichtbände auf vietnamnesisch hin, die man sich zur freien Etnahme nehmen konnte, hin. Ich weiß nich,t ob Vietnamnesen im Publikum waren, bin aber wieder bestätigt worden, daß es sich bei Nora Gomringer, um eine interessante Dichterin handelt und, daß man sich vielleicht überhaupt mehr mit Lyrik beschäftigen soll, also lesen und vielleichtauch selber solche schreiben.

2021-04-05

Literarische Begegnung

Filed under: Alltagsgeplauder,Gesellschaftspolitik — jancak @ 00:01
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Ich bekomme manchmal Mails oder Kommentare die sich auf mein Schreiben oder meine „Literaturgeflüster-Artikel“ beziehen. So kommentieren meine Kritiker Uli, JuSophie und Frau Haidegger, das was ihnen nicht gut genug, zu fehlerhaft und flüchtig erscheinen. Hans Raim und hat meine Besprechung seiner Lesung im Literaturhaus nicht gefallen oder hatte vielleicht Vorbehalte gegen das literarische Bloggen.

Zustimmung und Lob bekomme ich manchmal auch, zwar weniger, da das Bloggen wohl eher die Haßposter animiert. Sich Leute bei mir melden, die sich für Ernst Schwarz oder Michaela König interessieren, Diplomarbeiten über sie schreiben und dann das diesbezügliche Buch bestellen.

Und vor ein paar Tagen, als ich schon darüber nachdachte, welchen Artikel ich am Ostermontag in das „Literaturgeflüster“ stellen soll, weil ich vielleicht nicht schon wieder über den Osterspaziergang bloggen wollte, habe ich ein Mail von einem Alfre dZoppelt bekommen, der mir unter dem Betreff „Gedicht“ mitteilte, daß er sich jetzt das Buch „Frauen/Schreiben“ von Anita C. Schaub aus der Hauptbücherei ausgeliehen hat, in dem ich ja auch ein Portrait habe, in dem ich wahrscheinlich betonte, wie wichtig es mir ist, in den Literaturbetrieb hineinzukommen..

„in einen Betrieb, in dem es nicht einmal einen Betriebsrat gibt…“ meinte er wohl ein wenig sarkastisch und fügte hinzu, daß er Gedichte schreibe und mir ein solches schickte:

„LICHTELCH

Wenn die Äpfel,

die so klein sind

wie alles Große,

von einem Birnbaum fallen,

mache ich Jagd

auf ungetaufte Schattenhirsche.

Mache ich Jagd

auf den Lichtelch,

der die Mägde des Mondes kennt

und der um Mitternacht

im Herz der Sonne auftaucht“

Das mit dem Betriebsrat, stimmt, glaube ich nicht so ganz, zumindest wird sich wohl Gerhard Ruiss mit den IG- Autoren, als ein solcher verstehen, dann gibt es die GAV, den PEN und sicher noch unzähliche Literaturvereine, wie den Schriftstellerverband, den Literaturkreis Podium undund.

Das Mail und sein Autor haben mich aber interessiert und so habe ich nachgegooglet und bin darauf gekommen, daß Alfred Zoppelt 1954 in Wien geboren wurde, sieben Gedichtbände und Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften, Anthologien und im Rundfund hat und Alfred Zoppelt hat mir dann noch geschrieben, daß sein Werk im Laufe der Jahre auf über 50 000 Gedichte angewachsen ist, wui und hat mir dann noch ein Gedicht geschickt, das er am 18. Dezember 2020 beschrieben hat.

„IM GARTEN DER GEDANKEN

werden frische

Denkfrüchte

serviert

und im Herzhaus

verliebt sich

ein Aber und ein Und“

und hinzugefügt, daß er gerne die Gedichte von Friederike Mayröcker wegen ihrer Sprache mag, gerne Brigitte Schwaiger und Elfriede Jelinek, wui, wui, sich aber auch für Klaus Demus interessiert und sich auch Gedanken über das unterschiedliche Frauen- und Männerschreiben macht.

Interessant, denn ich habe noch nie etwas von einem Alfred Zoppelt gehört, der mir auch noch schrieb, daß er nicht so gerne zu Lesungen geht und sich auch, wie schon erwähnt vom Literaturbetrieb eher fern hält, dann aber eine Lesung erwähnte, zu der ein Bezirksversteher aufgerufen hat, wo sich kanpp sechzig Künstler meldeten, aber wegen Corona scheint es die noch nicht zu geben und eine Adresse www.e-stories.de hat er mir auch noch geschickt, wo man hundert seiner Gedichte finden kann.

Im Netz sind auch seine Bücher angeführt und es gibt auch das Gedicht

„SELBSTPORTRAIT OHNE HUT“ zu fnden, das ich sehr witzig finde und das mir gut gefällt

„Ich wurde geoboren

mit 2 Ohren.

Ich bin kein Hase

aber ich habe 1 Nase.

Und auch in diesem Gedicht

trage ich die Nase im Gesicht.

Ich heiße nicht Abel

aber ich habe 1 Nabel.

Im Oktpber und im Mai

habe ich Beine 2.

Mit ihnen kann ich laufen

und meine Träume taufen.

Und was mein Herz betrifft:

Es gibt in ihm keinen Lift.

Und der Panther der Poesie

schleicht durch mein linkes Knie.“

Schade, daß er nicht so gern zu Lesungen geht und schon lange nicht mehr in der“Alten Schmiede“, denn sonst könnte ich ihn kennenlernen und bei einem Glas Wein persönlich mit ihm über seine Gedichte sprechen, aber dort gibt es Corona bedingt derzeit ja nur Online-Betrieb. Aber gleich morgen ein „DichtFest“, wo diesmal zwar Johannes Tröndle statt Christine Huberdie fünf Dichter und Dichterinnen, nämlich Wolfgang Müller-Funk „365 Tage sind kein Jahr“, den ich schon in der „Gesellschaft“hörte, die diesmal Corona bedingt offenbar nur einen reduzierten Lyrik- Monat hatte, Sonja Harter „katzenpornos in der timeline“, Bettina Balaka neue Gedichte, Klaus Haberl „Erdengemälde mit mir“ und Axel Karner, der mich zu der Veranstaltung eingeladen hat. Aber ich habe ohnehin das Programm und habe mir die Veranstaltung schon angestrichen.

Werde es wieder schade finden, daß man sich nachher nicht bei einem Glas Wein austauschen oder vielleicht auch nur mit diesem allein herumstehen kann, was man, wie ich aber, der mir der Literaturbetrieb sehr wichtig ist, jetzt bemerke, gar nicht brauche.

Die Dichter die keinen Literaturbetrieb mögen, aber in die Hauptbücherei gehen, um sich vor dem neuen Locckdown noch neue Bücher und CDs zu holen, finden, was mich sehr freut, offenbar ohnehin zu mir.

2021-03-08

Im Stuttgarter Schriftstellerhaus

Die 1966 in der SU geborene Olga Martynova, die seit 1990 in Deutschland lebt und 2012 den Bachmannpreis gewonnen hat, habe ich schon lange nicht mehr gesehen.

Kennengelernt habe ich sie, glaube ich, durch die Bachmannlesung, ihren 2010 auf der deutschen Buchpreisliste gestandenen ersten Roman „Sogar Pagageien überleben uns“ habe ich bei diesem Augustin-Flohmarkt gekauft und inzwischen gelesen, den Lyrik-Band „Von Tschwirik und Tschwirka“ habeich mir einmal um zwei Euro, glaube ich, aus der „Morawa-Bücherabverkaufskiste“ gekauft, aber noch nicht gelesen und die Autorin selber mehrmals in Wien in der „Alten Schmiede“ bei Lesungen erlebt. Aber jetzt gibt es ja keine Liveveranstaltungen und auch kaum Reisetätigkeit über die Grenze, also derzeit keine Olga Martynova in der „Schmiede“, die ich sogar einmal im Publikum bei einem „GedichtFest“ gesehen habe.

Also hatte ich fast auf sie vergessen, wenn es nicht Wolfgang Tischer und das Literaturcafe gäbe, denn der hat mich auf einen Livestream aus dem Stuttgarter Schriftstellerhaus aufmerksam gemacht, denn Olga Martynova, die, glaube ich, auch einmal beim Schamrock-Festival gelesen hat und ihren Mann Oleg Jurek betrauerte, ist derzeit Stipendiatin des Stuttgarter Schriftstellerhauses und arbeitet dort an einem neuen Gedichtband und das Schöne an Zeiten, wie diesen, die ich, wie meine Leser wissen, ja nicht so schön finde, daß man zwar am Abend ab acht zu Hause bleiben soll und muß damit man sich nicht infiziert, aber auch gleichzeitig statt in die „AS“ oder ins Literaturhaus auch ins Salzburger Literaturhaus, ins Stifterhaus oder wie jetzt ins Stuttgarter Schriftstellerhaus streamen kann, um sich das Gespräch mit der Autorin und der Geschäftsführerin des Schriftstellerhauses Astrid Braun anzuhören, was ich mit ein paar Ausfällen auch begierig getan habe, denn ich hatte eine sieben Uhr Stunde und bin daher erst nach dreiviertel zu dem Gespräch gekommen, das schon um halb acht begonnen hat.

Olga Martynova, die ihren Gatten Oleg Jurek ja 2018 verloren hat, ist eine lebhafte Diskutantin und erzählte gleich, daß ihr die Sprache in der sie schreibt egal sei, wichtig ist die Literatur. Sie schreibt oder hat ihre Gedichte aber in Russisch geschrieben, sie werden dann meist von Elke Erb, der letzten „Büchner-Preisträgerin“ auf Deutsch übersetzt, ihre Romane „Sogar Papgeien überleben uns“ und „Mörikes Schlüßelbein“ sowie „Der Engelherd“, die ich noch nicht gelesen habe, auf Deutsch und dann gibt es auch einen Essayband „Über die Dummheit der Stunde“ von dem ich, glaube ich, auch schon in Wien gehört habe.

Dann stellte Astrid Braun das Programm vor zuerst drei Gedichte auf Russisch, die dann von Wolfgang Tischer auf Deutsch gelesen wurden und da stürzte mir mein Computer wieder ein paarmal ab, so daß ich von dem ersten nicht viel mehr als den Namen Jelena Schwarz, die eine 2018 in Leningrad verstorbene Dichterin mitbekommen. Im zweiten Gedicht ging es dann um“Nachtigallen“ dieses Wort kommt auch in der russischen Version vor, wie Olga Martynova meinte, daß sie bei ihren Schülerlesungen immer danach fragte.

Leider war die Tischer-Übersetzung schwer zu verstehen und dann ging es im dritten Gedicht um europäische Städte und auch um die Hygiene. Davon habe ich, weil ein neuerlicher Absturz auch nicht viel mitbenommen und dann ging es, glaube ich, um ein Gedicht, das ich vielleicht auch schon gehört habe, nämlich um die Wiener Kaffeehaäuser, die Olga Martynova, da sie ja öfter in Wien war, zu kennen schien. Sie erwähnte in ihrer sympathischen Art, daß das ihre Rache an die Leute sei, die ihr bei Lesungen immer erzählen würden, welche Sehenswürigkeiten sie bei ihren St. Petersburger Reisen gesehen hätte. So hat sie ein Gedicht über Wiener Kaffeehäuser geschrieben, die den Stuttgarter Literurhausbesucher wahrscheinlich nicht viel sagen.

Aber jetzt ist Olga Martynova Stuttgarter Stadtschreiberin und kann dort auch sowenig ins Kaffeehaus gehen, wie ich in Wien, aber das tue ich ohnehin nicht sehr.

Nur als Studentin war ich regelmäßig im Cafe Sperl und Cafe Jelinek, um dort zu schreiben und Olga Martynova bedauerte sehr, daß sie in keine Stuttgarter Kaffeehäuser gehen könne und fragte Astrid Braun, wie lange diese noch geschloßen wären und hoffte sehr, daß sie noch bis Ende April in ein solches gehen könne und im dritten Teil ging es, um den Gedichtband in deutscher Sprache an dem Olga Martynova offenbar im Stuttgarter Schriftstellerhaus arbeitet und eines aus dem „La Speranza-Zyklus“, der eine Auseinandersetzung mit der Trauer ist, das ein Motto von Eugenio Montale hat, der, glaube ich, seine Frau verloren hat, hat sie gelesen.

„Mich hat die Hoffnung verlassen, dass ich dich je wieder sehe“, beginnt das beeindruckende Gedicht und ich habe einen sehr interessanten Abend im Stattgarter Schriftstellerhaus erlebt, in das ich sonst nicht gekommen wäre, der mich wieder an Olga Martynova erinnerte, die ich ja eher mit der „Alten Schmiede“, als mit dem Literaturcafe verbinde,dem ich ja gelegentlich mehr oder weniger empört kommentiere.

2021-02-20

Ausklang

Gedichte von 2010 – 2020 des 1939 in Haslach OÖ geborenen künstlerischen Fotografen, Schriftsteller und engagierten Mitglieds der IG Auoren Peter Paul Wiplinger. Sogenannte Lapidargedichte „ohne jeden Metaphernschmus“, wie der Schriftsteller, den ich, glaube ich, in den späten Neunzehnachtzigerjahren bei den IG-GVs kennenlernte, auf einem dem Buch beigefügten Zettel geschrieben hat und ich habe mich 1996 sehr vor Peter Paul Wiplinger gefürchtet, als wir beide in der Jury für das damalige Nachwuchsstipendium für Literatur waren, denn er war vom PEN, ich von der GAV dorthin gesandt, was in meiner Vorstellung starke gesellschaftliche Unterschiede bedeutete. Er rechts, ich links und dann hatten wir dieselben Vorschläge, kämpften für denselben Kanditaten, sprachen uns gemeinsam gegen eine Autorin aus und ich hatte wieder etwas gelernt.

Danach erlebt, wie Peter Paul Wiplinger, der vor einigen Jahren auch einen schweren Unfall hatte, vom PEN austrat und in die GAV hinüberwechselte, da gibt es immer noch diese Bestimmung, daß man nur in einer der Vereine Mitglied sein kann, an die ich mich eigentlich halte, aber ich würde, weil ja „nur“ selbstgemachte Bücher wahrscheinlich ohnehin nicht in diesen Verein aufgenommen werden.

Jetzt scheint er sich wieder im PEN zu engagieren, zumindest wurde sein achtziger Geburstag, zu dem er mich eingeladen hat, glaube ich, in einem PEN-Lockal gefeiert und er hat mich, als wir uns einmal beim Empfang der Buch-Wien getroffen haben, sehr freundlich auf meinen Blog angesprochen. Er hat mich auch vor einiger Zeit bei der Krit Lit fotografiert und schickt mir jetzt immer die Einladungen zu seinen Veranstaltungen. So hat er mich auch auf sein neues Buch aufmerksam gemacht, das in der „Edition Löcker“ erschien und seit Dezember, glaube ich, im Buchhandel erhältlich ist und als ich ihn fragte, ob er mir das Buch für das „Geflüster“ schicken will, hatte ich einige Zeit später ein dickes Bändchen mit gleich drei Büchern im Postkasten.

Darunter die „Lebenszeichen“, die ich schon hatte, denn in meiner Bibliothek haben sich inzwischen einige Wiplinger-Bücher angesammelt und ich kann mich auch an einen Wettbewerb in der Bücherei Pannaschgasse erinnern, den Stephan Teichgräber organiserte, „Die goldene Margarete“ hat er geheißen. Ich habe auch gelesen und daneben viele ost- und mitteleuropaische Autoren, die gar nicht persönlich anwesend waren, weil die Bibliothek nicht die Fahrt und Übernachtungskosten zahlen wollte oder konnte.

Peter Paul Wiplinger hat ziemlich zu Beginn soweit ich mich erinnern kann, sehr beeindruckende Holocaust-Gedichte gelesen, wurde dann aber aus Zeitgründen sehr bald von Stephan Teichgräber unterbrochen, was ich eigentlich als sehr unhöflich empfand. An einen Abend im arabisch-österreichischen Haus, kann ich mich erinnern und die drei Büchern darunter der, bei „Arovell“ 2006 erschiener Prosaband „ausgestoßen“ waren alle sehr schön und handschriftlich für mich signiert.

„Letzten Endes bleibt alles Fragment“ steht beispielsweise bei dem neuen „Löcker-Band“, bei den Lapidargedichten, wo am Cover ein Foto des Autors, „Sonnenuntergang am Neusiedlersee“ zu sehen ist, das Peter Paul Wiplinger mit der Kamera seines Vaters 1981 aufgenommen hat und am Büchrücken ist noch einmal das Gedicht zu sehen, mit dem der Band auch beginnt: „gehen/ gehen gehen/ gehen gehen/ einfach gehen/ was sonst“, womit man schon eine klare Definition hat, was unter Lapidargedichten zu verstehen ist.

Kurze knappe zweizeilige Gedichte, die sich mit dem Sinn des Lebens auseinandersetzen.

„WEGE GEHEN gehen/ die sich kreuzen/ wege gehen ohne ein ziel/ schnittpunkte begegnungen/berührungen beziehungen/ereignisse menschen/erinnerung vergessen“ oder „DAS LEBEN“ „das leben ist das märchen/ das leben ist wie es ist/ so ist es“.

Es gibt aber auch Gedichte die bestimmten Personen gewidmet sind, so ist der „Dichter“ „tag für tag ein gedicht schreiben“, dem 2014 verstorbenen Politiker und Schriftsteller Hugo Schanovsky gewidmet und sehr berührend „EIN GEDICHT SCHREIBEN“, wo Peter Paul Wiplinger, den Auftrag seiner Ärztin beschreibt, daß er dieses tun soll, als er nach seinem Unfall im Spital liegt „ich soll mit der hand/ ein gedicht schreiben/ sagte heute zu mir die frau/ prof. dr. paternostro-sluga/ im donauspital in wien/ und fügte noch hinzu egal was/ sie dann schreiben ganz egal/ wichtig ist nur daß sie schreiben/ und zwar mit ihrer rechten hand/ die halbseitig nervengeschädigt ist“

So eindrucksvoll habe ich Lyrik noch selten gelesen und davon ist auch die Psycholoin in mir sehr angesprochen, die sich neben der schönen Sprache immer sehr für die psychischen Ausnahmesituationen interessiert.

Es gibt neben den kurzen sich mit dem Lauf des Lebens beschäftigenden lapidaren Gedichtzeilen auch längere Gedichte, beispielsweise die „LEBENBSAUSSICHT“, 2013 geschrieben „heute ist der erste Tag/ in meinem Leben an dem ich/in mein 75. lebensjahr trete/bloß kein Selbtmitleid sage ich“ oder „MUTTERS LEBEN- nach ihrer Erzählung“ geschrieben.

Kurze lapidare Gedichtzeilen, in denen es viel um das Leben geht. So schreibt er beispielsweise über einen der sich den Suicid wünscht „du kommst zu mir/und sagst du magst nicht mehr leben/ ich sage/ ganz einfach/ ich lebe gern/“ oder in „GLEICHZEITIG“ „aber ich lebe/in der stadt/da gibt es/keine natur“

Es geht auch zunehmend um Krankheit, Sterben und Tod.

„DAS FOTO“ „soeben habe ich/das foto angesehen/das foto betrachtend denke ich/an deinen und an meinen tod“ oder

„DER KOFFER“ „Seit 36 Jahren steht/ der Koffer meines vaters/ nun schon ungeöffnet/ in meinen Keller./ Jetzt, da ich schon fast/genau so alt bin wie er, /als er damals fortging/mit seinem kleinen Koffer/ins Spital, werde ich/ diesen alten Koffer öffnen,/weil ich wissen will,/was ich mitnehmen soll/ins Spital,wenn es/ans Sterben geht./

Es gibt den „TAGESVERLAUF im Krankenhaus“ und die „ZWISCHENBEREICHe im AKH in Wien“, in dem sich Peter Paul Wiplinger offenbar befunden hat „das grünen Bettenhaus/das rote Bettenhaus/der grüne Bodenbelag/der rote Bodenbelag“ und die „ABENDSTIMMUNG im AKH Wien“ Der Himmel/verbrennt/im Abendrot./Wie lange noch/werde ich leben?“

Besonders berührend die „ENTSCHEIDUNG“

Ich breche jetzt/die Chemotherapie ab,/sagte er und tat es auch;/Wenige Wochen darauf starb er./Ich schrieb einen Nachruf auf ihn/für eine bekannte Regionalzeitung/Und setzte meine Chemotherapie/noch einige Wochen lang fort,/bis sie bei mir beendet war.“

In einer anderen „ENTSCHEIDUNG“ geht es um die Bücher, die er noch lesen möchte oder noch nicht gelesen hat. Ein Problem das ich auch genau kenne und mich oft genug damit beschäftige.

Dann geht es sehr aktuell um die „CORONA-PANDEMIE 2020“, im April geschrieben. Dann gibt es noch eine NEGATIV-ASSOZIATION „Eine Negativ-Assoziation besetzt/also mein Assoziationsvermögen./Auch das hat sich so ergeben:/ein Alltagsbild als Schreckensbild!/Und das wird noch lange so bleiben.“

Spannend, spannend in die Assoziationen, Gedanken, Überlegungen eines alten Dichters einzutauchen. Spannend sich in seine „Ausklänge“ einzulesen und wenn man noch ein wenig mehr von und über Peter Paul Wiplinger lesen will, sind seine „Schachteltexte“ sehr zu empfehlen.

2020-11-24

Corona-Dicht-Fest

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 21:54
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Ich bin ja, wie ich immer schreibe, kein besonderer Lyrik-Fan, zumindestens schreibe ich kaum Gedichte, gehe aber, weil ich ja allgemein an der Literatur interessiert bin und eigentlich alles erfassen will, gerne zu den Lyrikfestivals der „Alten Schmiede“ der des Literaturhauses, der „Gesellschaft“, etcetera und eines dieser Festivals oder Feste ist das „Dicht-Fest“, das Christine Huber viermal im Jahr in der „Alten Schmiede“ ausrichtet und dazu jeweils sechs Autoren oder Autorinnen einlädt.Nach drei gibt es immer eine Pause, vorher erzählt sie kurz etwas zu den Bänden und nachher Wein und Soletti und Gespräche, in Corona-Zeiten natürlich nicht, da muß man sich den Wein selber auf den Schreibtisch oder Nachtkasten stellten und wenn es eine Onlineveranstaltung ist, wie in Zeiten, wie diesen braucht man sich auch keine Maske aufsetzen

Die Zuseher im Homestatus jedenfalls nicht, die Autoren schon und nach jedem kommt August Bisinger mit dem Wischtuch, damit alles sauber ist und noch um vollständig zu sein, ich gehe ja seit jahren mehr oder weniger regelmäßig hin, einmal bin ich, weil ich vorher im Literaturmuseum war auch nur zum Wein zurechtgekommen und das letzte mal war ich mit dem Alfred knapp vor dem ersten Lockdown dort. Da haben wir noch geglaubt wir würde nächste Woche nach Leizig fahren „Fährt ihr?“, hat Monika Vasik uns gefragt.

„Wenn es stattfindet schon?“, als ich Monika Vasik zwei Tage später in der „Gesellschaft für Literatur“ gesehen habe, war Leipzig schon abgesagt und als Monika Vasik im Sommer im Cafe Prückl gelesen hat, war Montag und da wollte ich meine Sommersfrische zur Gänze in Harland bei St. Pölten verbringen. Seither hat es, glaube ich, kein Dicht-Fest gegeben und jetzt alles digital und der Ton kann ich gleich vermelden, war wieder gut.

Zuerst hat der 1953 in OÖ geborene Richard Wall, den ich meistens bei den GAV-GVs sehe, aus seinem „Löcker-Band“ „Streumond und Nebelfeuer“ gelesen. Der 1964 in der Tschechei geborene Stanislav Struhar mit dem ich schon einmal in der „AS“ gelesen und den ich das letzte Mal beim Tschechien-Empfang auf der letzten „Buch-Wien“ gesehen habe, folgte mit seinem „Stara zahadra – Der alte Garten“ und hat eines seiner Gedichte auch auf Tschechisch gelesen. Kirstin Schwab folgte und las Gedichte ihrer Mutter Friederike 1941 geboren, in Graz lebend, die wahrscheinlich Lockdown bedingt nicht gekommen ist, aus dem ebenfalls bei „Löcker“ erschienenen „Luftglück und Knisterpapier“, was, wie ich finde ein schöner Titel ist.

In der zweiten Session folgte die1966 geborene Eleonore Weber mit „gleitschaften seilschaften. slip-off-slope-rope-parties“. Dann kam und das war für mich die Überrschung, die mir bisher unbekannte 1985 geborene Daniela Chana mit ihrem Gedictband „Sagt die Dame“, ein überraschend frischer Ton, obwohl es mit einem König begann und dann folgte, die mir sehr bekannte Ilse Kilic, bin ich mit ihr und dem Fritz dessen Waffenrad auch in ihrem neuen Band „Die nacht ist dunkel damit die Sterne sich zeigen“, bis nach Regensburg geradelt, habe ihre Textentstehung sehr lange in unserer Schreibgruppe beoachten können und auch schon ihre Filme und Comics gesehen. Solche bezeungsweise Zeichnungen gibt es, wie Christine Huber in der Einleitung erwähnte auch in dem Band, leider wurden sie nicht projeziert und es gab, wie erwähnt auch keinen Wein und keine Kekse, jedenfalls nicht für alle auf einmal im Zeitschriftensaal. Dafür konnte man sich beim Chat begteiligen, was Susanne Toth, Jörg Piringer und noch andere auch sehr eifrig taten und noch etwas war neu im Kellerraum, da gab es jetzt ein großes „Alte Schmiede-Emblem“ damit jeder gleicht sieht, wo er jetzt ist und angenehm war auch, daß jeder, der Autoren, der Autorinnen sich vorstellten, etwas, was ich ja sehr brauche und sie letzte Woche beim „Writers on Prison day“ schmerzhaft vermißte. So wars angenehmer!

2020-11-15

Ousia

Buch neun des Öst, ich sage ja ich feiere derzeit, statt mich auf die „Buch-Wien“ zu begeben, ein Wochenende der österreichischen Literatur und lese die österreichische Buchpreisliste fertig und am österreichischen Buchpreis ist ja besonders erfreulich, daß nicht nur, wie beim deutschen Romane zugelassen sind, obwohl, die ja, weil das ja jeder auf seine Bücher schreibt, inzwischen ein ohnehin sehr ausgeweiterer Begriff ist, also Lyrik und ein kleines ästhetisch schönes Bändchen aus der „Kook-Lyrikreihe“, der 1978 in Kirchdorf an der Krems geborenen Verena Stauffer, deren Debut „Orchis“ ich gelesen habe, das, glaube ich, sogar auf der „Debutpreis-Shortlist“ stand, mir aber vielleicht ein wenig zu lyrisch anbeghoben war, nun also Gedichte von der jungen Frau, die bei der „In Memoran-Lesung“ Andreas Unterweger vertreten hat und dort berührende Worte über Alfred Kolleritsch sagte und das Büchlein das leider oder natürlich nich tauf die Shortlist gekommen ist und das ich ebenfalls leider, leider, denn es wäre ein Buch, wo ich mir viel anstreichen würde, nur als E- Book gelesen habe, ist auch sehr interessant, schon einmal optisch soweit man das in der E-book-Form erkennen kann, das wäre wahrscheinlich ein Bändchen das man riechen, schmecken oderauch bestaunen sollte.

Gelber Einband und zu dem mir unverständlichen Titel gibt es auch eine Erklärung, dann werden die einzelnen Kapitel auf schwarzer schrift graphisch schön drapiert und da ist auch viel asiatischer Einfluß zu merken. So beginnt gleich mit „Laterne der rauchenden Köpfe nach einem chinesischen Schattenspiel aus dem Quianlong Satz“und da beginnt es gleich mit dem

„Schattenspieler“

„Einst lebten Männer, die ihrer Frauen Köpfeschnitten, um sie zu tauschen“, also schön brutal.

Es bleibt dann nicht chinesisch, sondern geht weiter zu der Abteilung „Treibluft“, dann kommt „Para dies“ ein Tryptichon“ und „Hummingbird“

„Hass“

„Ich riß heraus die Augen/ aus einem braunen Hasen

Die Zunge nahm ich auch /zartfrosa war sie und fein“, also ganz schön poetisch brutal, heraus.

In der Abteilung „PAES“ gibt es die „Großen Litschis

Es platzt wie große Litschis im Mund“, heißt es da und ebenfalls in der Abteilung „PAES“ die „Heuharfe“, also sehr schöne Namen zu den poetisch schöne Zeilen.

Bei „TETSU-SEN“ wird es wieder asiatisch. Das gibt es das „Himmelsfossil“ und „Ling“

„So ein Fächer im Rücken, wie sich das anfühlt,erhaben“, sowie das Titelgedicht:

„Die Untätigen beobachten ihre Beobatung, skalieren den Kompaß

Die Schreiber schleichen, schweben um die Glut. Gesprochenes ist da.“

In der Abteilung „Flämmchen“ gibt es den „Fuchskaviar“

„Bedacht zu sein

durch Himmel oder Schindel

geschützt vor fallenden Obst

und stürzenden Balkon“, was ich ich sehr schön poetisch empfinde.

Bei den „Jüngern im Schutz der Büsche blinkt, gluckert und klingt“es.

Da gibt es die“ Herde der Häuser“ und

„Im Himmel“

„Wie aber Liebster?

Ketten fädelten sie und kohlten das Ende des Fadens“

Dann gibt es noch den „Quargeltod“

„Rund gedreht und blutend?

Am Holunder ist mein Herz mir gestorben

entwurzelt wurde es den Göttern dargebracht

den Harlekinen in Monstranzen

und starben noch andere der Beeren, viele den roten Quargeltod

lotrecht groß“

Man sieht Verena Stauffer ist eine Sprachkünstlerin. Bin wieder sehr gespannt, was ich von ihr noch lesen oder hören werde und bedaure fast ein bißchen, daß die „Manuskripte“ jetzt nicht mehr zu mirkommen. Denn vielleicht würde ich da Gedichte von ihr lesen, aber vielleicht gibts, wenn diese Pandemie vorbei ist, wieder eine Lesung und die graphische Aufmachung der „kookbook-Reihe“, wo schon viele Autoren erschienen sind, die man bei den Lyrikfestivals der „Alten Schmiede“ oder anderswo hören kann, finde ich auch sehr schön.

2020-06-17

Verwortungen

Filed under: Bücher — jancak @ 00:37
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Ein bißchen Lyrik vor dem „Bachmann-Preis“, ein dünnes weißes Bändchen, der „Edition Art&Science“ von Raimund Bahr, der früher Kremlicka geheißen hat, herausgegeben von Erika Kronabitter, glaube ich, die „Verwortungen“, meiner Arbeitskreis Freundin oder Kollegin, wir hatten, glaube ich, ein eher schwieriges Verhältnis, Hilde oder Bruni Langthaler, die im Jänner letztes Jahres an ihrem Krebs verstorben ist.

Seither ist viel geschehen, ich habe mir den Knöchel gebrochen, das Ibiza- Video hat die Regierung gesprengt, das Corona Virus hat eine „Zombie-Apokalypse“ ausgerufen und von Hilde Langthaler sind posthum zwei dünne Bändchen herausgegeben worden, bei deren Präsentation ich auf der Unfallchirurgie in St. Pölten lag.

Ein Band der „Podium-Portrait-Reihe“, den hat mir der Alfred, der bei der Präsentation war, noch ins Spital mitgebracht. Das kleine weiße Bändchen hat mir Richard, ihr Mann zusammen mit einem Portrait-Heftchen, zugeschickt und auf die beiliegende Karte geschrieben, daß Hilde, Bruni oft meine Bücher nach Hause brachte, die hat sie mir getreulich und wahrscheinlich etwas zögernd abgekauft, als in meinem Portrait in der „Autorensoldarität“ zwei Bilder von ihr erschienen sind, haben wir uns darüber zerstritten, ich habe das ein bißchen im „Wilden Rosenwuchs“ verarbeitet, sie ist dann nicht mehr zu meinen Geburtstagsfesten gekommen, weil sie auch da sehr zögerlich war, wir haben uns aber bis zuletzt gesehen und haben gelernt miteinander auszukommen oder manches, was vielleicht zum Konflikt führen hätten können, nicht mehr anzusprechen.

Die zögerliche Art hat mich vielleicht etwas gestört, beziehungsweise bin ich wohl schlecht damit ausgekommen.

Hilde Langthaler eine langsame, aber sehr beharrliche Schreiberin die sich oft bei ihren Lesungen entschuldigt hat, oft dasselbe gelesen und ihre Texte wahrscheinlich auch mehrmals überarbeitet hat, trotzdem ein starker unverwechselbarer Ton, den man in der leisen Art, wie er geschrieben ist, wohl erst herausfinden muß.

Sehr viel Skepsis, Zweifel, aber auch große Philosophie und Nachdenken über diese Welt und, die immer wiederkommende Frage, ob ein Leben auf dieser nicht überhaupt sinnlos ist? Aber trotzdem macht man, schleppt man sich weiter, bis es ans Ende geht.

Daß ihr 1942 geborener Mann, Richard, den ich als ihren stillen Begleiter auf den Veranstaltungen, wo ich sie getroffen habe, erlebte, sich schon lange mit Holzschnitten beschäftigte, habe ich auch erst spät erfahren.

In dem kleinen weißen Bändchen gibt es kürzere und längere Texte von der Bruni, in ihrer, wie hier wieder zu merken ist, doch sehr starken Sprache und viele Holzschnitte von Richard Langthaler, der sich, wie seiner Biografie zu entnehmen ist,vorwiegend mit sozialen Themen beschäftigt.

Franz Kafka ist in den Texte, glaube ich, ein wenig zu spüren, aber auch Ingeborg Bachmann wenn in „Rhapsodie of Purple“ ihr berühmtes Zitat wiedergegeben wird, daß die Wahrheit den Menschen zumutbar wäre. Sie ist aber auch eine Tochter der Zeit, schreibt Hilde Langthaler und zitiert Camus, später auch Jaques Derrida und da erinnern mich ihre Texte stark an Friederike Mayröcker, die grande dame, der Literatur und ich wußte gar nicht, daß die Bruni so philosophisch war und der Tod, ist wie schon erwähnt, eine Frage, die sich durch das ganze Büchlein zieht, ich aber auch schon von ihren früheren Texten kenne.

So heißt es in „Jenseits von Eden“: „verschwunden, verdrängt, sublimiert, ins meer des vergessen gestoßen, nur aus verworrenen träumen blüht es noch manchmal hervor.

Dann kommt es zu einem Traum, wo die Erzählerstimme mit einem Georg tanzen geht, der ihr von einer Tänzerin entführt wird, die sie dann weinend wieder trifft, aber auf ihre Fragen, weil der Traum zu Ende ist, keine Antwort bekommt.

Sie geht mit ihrer Mutter und ihrer Leiche unterm Arm spazieren, skuril, makaber und doch philosophisch hintergründig, könnte man so sagen und dann wieder die Skepsis, die ich schon zu kennen glaube, „wir produzieren mit immer gleichen maschinen immer mehr produkte in immer kürzerer zeit“ und in „Wer kennt die Gesetze“ heißt es „auch wir sind getrieben, für immer im kreis, es gibt keine gnade, uns hilft nur der tod“ und in „selbstverständlich“ werden die Männer angeprangert, die nach dem Tod ihrer Frauen, schnell wieder eine solche finden, von denen sie getröstet werden uns sie dann wieder austauschen, und so weiter und so fort.

Bruni Langthaler, die Zweilferin und Skeptikerin, deren zögernde Haltung ich nur schwer ausgehalten habe, die mir aber, höchstwahrscheinlich länger im Gedächtnis bleiben wird, als Erinnerung an den „Arbeitskreis schreibender Frauen“, in den Neunzehnhundertsiebzigerjahren, wo die junge Psychologiestudentin, die damas noch als Ärztin tätig war, kennenlernte. Später haben wir uns noch lange mit Elfriede Haslehner vorwiegend bei der Valerie Szabo-Lorenz in deren Grinzinger Gemeindebau neben dem Grinzinger Friedhof getroffen.

Es hat im vorigen Jahr einige posthume Veranstaltungen gebeben, bei der Lesetheateraufführung ihr zu Ehren bin ich gewesen. Da konnte ich mir auch ihr berühmtes Theaterstück „Nur keine Tochter“ nehmen, das ich noch lesen müßte und jetzt mit den starken stillen leisen Texten, das ist bei der Bruni wahrscheinlich kein Widerspruch, noch einmal von ihr Abschied nehmen.

Mal sehen, ob und was ich noch von ihr noch lesen werde. Ihren Mann Richard habe ich bei den Widerstandslesungen und auch auf dem Volksstimmefest, glaube ich, im letzten Jahr öfter getroffen.

Jetzt haben wir ja noch immer das Socialdistanciering und den Veranstaltungsstop, so daß ich schon länger nichts mehr von ihm gehört habe, vom „Arbeitskreis schreibender Frauen“ habe ich der Cornelia Stahl als sie mich interviewte, aber erzählt und der hat sie, wie sie mir erzählte, stark beeindruckt, so kann ich an das Interview erinnern, daß nächste Woche in Radio Orange gesendet wird und mit der Bruni und anderen Arbeitskreisfrauen, beziehungsweise denen von der „Frauen lesen Frauen Lesetheatergruppe“, habe ich vor Jahren, ja, glaube ich, auch einmal im Radio Orange gelesen.

Und hier ist noch das Interview

2020-04-11

Im Glasberg

Filed under: Bücher — jancak @ 00:00
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Weiter geht es mit der Lyrik, in Zeiten, wie diesen sicher ein guter Tip, sich vermehrt damit zu beschäftigen und „Schöffling & Co“, der ja offenbar ein gutes Händchen dafür hat, hat neben seinem „Jahrbuch“ auch noch einen Extraband mit Gedichten, der 1981 geborenen und in Berlin lebenden Nadja Küchenmeister herausgebracht, von der es im gleichen Verlag auch schon zwei andere Bände, nämlich „Alle Lichter“,2014 erschienen und „Unter dem Wacholder“, die mir trotz aller Lyrikfestivals der „Alten Schmiede“ und dem Lyrikmonat in der „Gesellschaft“ bisher verborgen geblieben ist.

„Die Gedichte sind zart und schonungslos zugleich. Nadja Küchenmeister versteht es, Stimmungsbilder zu erzeugen, die uns nicht mehr loslassen“,steht im Klappentext. Das schmale hundert Seiten Bändchen hat einen dunklenblauen Umschalg auf dem eine Mondscheibe glänzt und einige Abteilung.

Das Titelgedicht „im glasberg“, gibt es auf den ersten Seiten zu lesen, dann gehts zur „hellen mitte“:

„ich rauke durch die stadt, entlang des strangs, diebahn bleibt in der bahn, ich rauke mich heran ans wuhletat zwanzig winter weit verdammt, und ichb in wieder da“.

Interessant finde ich das Wort „rauke“ oder „rauken“, das mir bisher unbekannt gewesen ist. Das Gedicht hat fünf Teilgedichte, dann gehts zu den „wurzeln“ und hier zu „am grund“:

„an der wäscheleine keine wäscheklammern wo eine Pfütze war, war keine pfütze mehr wo keine bäume standen, standen bäume“.

Und zu den „wurzeln“ ist vielleicht noch hinzuzufügen:

„nach hause gehen: ich zähle deine hemden, socken, unterhosen, entwirre die kabel unter dem tisch, schwarze wurzeln, die keinen anfang und kein ende haben.“

Dann gehts in den „mittelfellraum“. Die nächste Abteilung heißt „wenn ich dir nur einen brief“, da fehlt was, würde der strenge Sprachkomissar jetzt wohl vermelden, aber Dichtung kommt ja vom verdichten und wir treffen hier auch gleich das uns schon vom „Jahrbuch“ bekannte Raupengedicht an.

„lange nicht gesehen, rauperich, ich habe aufgeräumt geträumt: ich war so weniglich, du wast so rauperich noch mal deine briefe gelesen, jedes wort vergiss mein nicht“

„die helle seite des mondes“ gibt es natürlich auch, bevor es an „das trödeln am rand kleiner straßen“, geht.

Bei „resopal“ geht es um die „schwarze wäsche“:

„und dann die wäschestücke, die immer schwarz und immer wäsche waren, und hecke und ein blick voll hecke“, bevor es in der „dunklen mitte“ zum Gedicht, wie ich meine, der Stunde geht, das ich gerne in Zeiten, wie diesen unseren Entscheidungsträgern ins Stammbuch schreiben oder an die Stirn heften würde:

„man spricht von tagen, spricht von wochen sprich von monaten, wer spricht von jahren? verbandswechsel, darauf kommt jetzt alles an

lass das licht an, lass den ton an, lass mal bitte einen fachmann ran an dein organ. leben ist keine saubere sache. schlaf gut, ordensmann.“

Schade, daß ich keine Lyrikerin bin, so hätte ich das Gebot der Stunde auch gern zusammengefaßt und dann gehts schon an das Ende, wo Nadja Küchenmeister, „es beginnt, wo es endet“, schreibt.

„es beginnt immer hier, im frühjahr, in der warmen luft es beginnt mit einem atemzug und so endet es

bleibst du, bis du wieder gehst, und es endet ohne tür“, und ich habe eine sehr interessante Stimme, die in der bei den modernen Lyrikerin wohl üblichen Kleinschreibung und in feinen zarten Zeilen die Welt erklärt und die mich, was ich gar nicht so erwartet habe, sehr beeindruckt hat, die ich mir sicher merken werden und auch hoffe, sie möglichst bald vielleicht in der „Alten Schmiede“, der „Gesellschaft“ oder im Literaturhaus persönlich kennenzulernen, wenn es dort wieder Veranstaltungen gibt.

2020-04-09

Jahrbuch der Lyrik 2020

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:26
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Passend zur Karwoche, ein bißchen Lyrik, hat Corona ja den Lyrik-Schwerpunkt im März ein bißchen unterbrochen, keine „Lyrik der März“, die tradionelle GAV-Veranstaltung, die am 18. 3. stattfinden hätte sollen, wo wir aus Leipzig schon zurückgewesen wären und in der „Gesellschaft für Literatur“, die ja immer einen ausgeprägten Lyrik-Schwerpunkt hat, bin ich nur einmal gewesen, da war dann schon vom einem Meter Sicherheitsabstand die Rede und ich habe mich mit Monika Vasik darüber ausgeauscht, daß Leipzig abgesagt wurde und wer nun die Stornokosten bezahlen muß?

Zum Lyrik-Schwerpunkt von Szilard Borbely bin ich zwar hin- aber nicht hineingegangen, weil ich meinen Namen nicht angeben wollte, die Bewegungsprofile der Handydaten machen solches inzwischen zwar automatisch, man muß aber trotzdem nicht verzweifeln, hatte mir doch „Schöffling & Co“ wahrscheinlich schon vorher zwei Lyrikbände zugeschickt und eines war das „Jahrbuch der Lyrik“, das der 1951 geborene Christoph Buchwald, offenbar schon sei tJahren, diesmal mit der 1981 geborenen Lyrikerin Dagmara Kraus herausgibt, wo man seine Gedichte hinschicken kann und die werden dann je nach ihrer Qualität beziehungsweise Geschmack, wahrscheinlich ausgewählt.

Zwei Nachworte gibt es auch, in einem fragt sich Dagmara Kraus „Wohin bleiben wir?“, das ist, glaube ich, eine Gedichtanfangszeile, im zweiten gibt Christoph Buchwald einen Rückblick und erzählt, daß durch seine Anthologien schon manche Talente entdeckt wurden.

Die Gedichte sind in zehn Kapitel gegliedert, im ersten „damit dies haus hält“, hat der 1965 geborene und in München lebende Armin Steigenberger, ein Vorwort geschrieben und die 1982 geborene und in Köln lebende Marie T. Martin schreibt in „Wie viele  Wörter braucht man für eine Legende? ..je älter du wirst desto tiefer kannst du das Zimmer betreten“

Der 1977 geborene und in Leipzig geborene Mirko Wenig, der offensichtlich noch nichts veröffentlicht hat, beeindruckt in den „Drei Frauen“ „Die hier stricken, an der Haltestelle vorm Haus, sie sind nicht tot: Sie warten nur, auf jenen, der nicht kommt,  … Sie sind taub für die Rufe der Männer. Auch das Gespött läßt sie kalt, das hämische Lachen, der Wind ist ein schlechter Friseur.“

Der 1962 geborene in Berlin lebende Norbert Hummelt schreibt von den „tassen von ingo schulze„, die ihn eine Zeitlang begleitet und offenbar sehr  beeindruckt haben.

Im zweiten Kapitel zwei geht es  um „aus geworfenen steinen“.

Hier gibts ein Gedicht von Kerstin Preiwuß, die ich ja beim „Bachmannlesen“ hörte und von ihr auch ein „Buchpreisbuch“ gelesen habe.

Eher Konventionelles gibt es auch, so reimt der 1938 geborene Michael Buselmeier: Wer kniet auf meiner Brust zur Nacht wer würgt mich mit den Händen sacht ich wehre mich nicht liege wach“ und die 1983 geborene Özlem Özgül Dündar, die 2018 beim „Bachmannpreis“ gewonnen hat, hat in „verabschiedung der toten“ eher einen Prosatext geschrieben.

Es gibt Gedichte von Elke Erb, Jan Wagner und Lutz Seiler, dessen „Buchpreisbuch“ jetzt doch, wahrscheinlich Corona bedingt, per PDF, weil die Post ja offenbar nicht mehr über die Grenze geht, zu mir gekommen ist, bevor es ins Kapitel drei  „wechseln die schriftfarben“ geht.

Da gibts wieder ein Gedicht des 1971 in Hamburg geborenen Jan Wagner, der ja 2015 mit seinen „Regentonnenvariationen“ den „Belletristikpreis der Leipziger Buchmesse“ bekommen hat, nämlich  „krähenghasele: seit dem tod des freundes sah er krähen wohin er sah.“

Der 1971 geborene Crauss, den ich glaube ich einmal bei einer „Ritter-Präsentation“ in der „AS“ hörte und von dem ich mir ein noch nicht gelesenen Buch bei einem „Morawa-Abverkauf“ zulegte, hat einen Text und von dem 1963 geborenen Ulf Stolterfoht gibt es sogar einen Gedichtzyklus.

Im vierten Kapitel geht es um „die (h)ortographie“, da gibts ein Gedicht vom „Fried-Freisträger“ Nico Bleutge,  der „Büchner-Preisträger“ Marcel Beyer hat sich zuerst mit dem „Der  Amselpapst: Ich sah den Amselpapst man konnte ihn nicht übersehen“ beschäftigt und  etwas später sogar die „Todesfuge“ nachgedichtet.

„Der Tod ist ein Arschloch aus Strehlen, er hockt dort, wo der Ginster blüht. Ich seh ihn am frühen Morgen, ich seh ihn an meinen Weg.“

Von der 1981 geborenen Nadja Küchenmeister von der „Schöffling & Co“, noch einen extra Gedichtband herausgegeben hat, stammt der „rauperich“. Mit „Raupen“ haben sich in dieser Abteilung einige Dichter beschäftigt, während es im fünften Kapitel um Nachdichtungen geht, wozu Christoph Buchwald in seinem Nachwort auch aufgerufen hat, daß man ihm solche schicken soll.

In der Abteilung „eine bändige bude“ gibt es Gedichte über Gedichte oder das Gedicht schreiben,

„Was weiß das Gedicht“ schreibt etwa die 1955 geborene und in Wien lebende Irena Habalik und der 1978 geborene Myron Hurna schreibt „Eure Gedichte cotten mich an“, für Armin Steigenberger sind „GEDICHTE DESIDERATE“, sowie „HALBE HÄHNE, hörige Hausaufgabenmacher, halb und halb: halbiertes glück verdoppelt sich, verdoppeltes leid wird halber widerstand.“

Und der von mir schon sehr gelobte Mirko Wenig schreibt „Hätte ich ein Smartphone, Baby, dann könnte ich die Gedichte gleich reintippen, aber ich schreib mit einem Federkiel!“

Es gibt Texte von Friederike Mayröcker, die höchstwahrscheinlich auch kein Smartphone hat und soviel ich weiß noch mit ihrer alten Hermes-Schreibmaschine schreibt und überhaupt sehr vieles, was nicht der üblichen Gedichtform entspricht und da sowohl sehr experimentellen, als auch recht konventionell Anmutendes.

Der in Graz lebende Helwig Brunner,  der ja für die „Keiper Lyrik Reihe“ verantwortlich ist, hat im neunten und im zehnten Kapitel auch eher prosahaft wirkende Texte beigesteuert und am Schluß des Buches bevor es zu den Verlagslyrikern geht, gibt es noch ein schönes Motto von Maria Gazzetti: „Ihr lest keine lyrik? Seid ihr wahnsinnig“, wenn es nur so wäre und nicht eher umgekehrt angenommen würde?

Zu den Verlagslyrikern zählen auf jedenfalls einundzwanzig Autoren, ein paar bekannte, schon erwähnte und auch einige mir eher unbekannte befinden sich dabei. Eine davon ist Nadja Küchenmeister, deren neuer Lyrikband „Im Glasberg“ als Nächstes auf meiner Leseliste steht.

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