Literaturgefluester

2019-03-13

Es ist unangenehm im Sonnensystem

Filed under: Bücher — jancak @ 18:44
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Jetzt kommt passend zum Monat der „Lyrik im März“ ein Gedichtband aus dem „Kremayr & Scheriau-Verlag“, des 1968 geborenen Martin Amanshauser, von dem ich schon drei Bücher gelesen habe, „Alles klappt nie“, „Nil und die „Amerikafalle“ und der in Salzburg geborene Sohn des alten „Residenz-Autors“ Gerhard, ist sicher ein interessanter Mensch, Autor, Übersetzer und Reisejournalist.

Begonnen hat er, glaube ich, mit Romanen im „Deuticke-Verlag“, da habe ich  einen im „Standard“ gewonnen und würde ihn, ähnlich wie Radek Knapp, als eher skurillen Autor, etwas, was ich ja nicht so besonders mag, einschätzen, dann hatte oder hat er, glaube ich, im „Kurier“ eine Reisekolumne und richtig, um die lyrische Seite nicht zu vergessen, ein Buch mit dem provokanten Titel „100.000 tausend Exeemplare“ gibt es auch.

„Es ist unangenehm im Sonnensystem“, Gedichte der letzten zwanzig Jahre, ist der Nachfolger davon, steht im Buchrücken, ich war einmal in der „AS“, als es um das Reisen ging und habe im letzten Jahr „Die Amerikafalle“ gelesen, die in meiner Familie sehr begehrt war.

Jetzt also Martin Amanshausers Lyrik und das, die eine ganz Besondere ist, geht wahrscheinlich aus dem vorher Geschriebenen hervor.

Oder  doch nicht so ganz, denn wenn man jetzt meinen könnte, Jandl und Mayröcker wären dem Dichter fremd, der irrt gewaltig, ist in dem Buch doch auch der Text enthalten, der er für die Anthologie geschrieben hat, die Erika Kronabitter zum neunzigsten Geburtstag der „Fritzi“ herausgegeben hat und da beschreibt er, daß er eine Zeitlang immer in das Gasthaus essen ging, in dem sie ihr Mittagessen einnahm, sich an ihren Tisch setzte und zu dichten begann.

Sagt auch etwas aus, über den Sohn des Gerhard Amanshauser, der sich leicht und locker scheinend in mehreren Sparten des Literaturbetrieb herumtreibt.

Es gibt neun Abteilungen, die Erste lautet „Kein Roman vom armen M. A. und ist auch schon so eine witzig skarastische Anspielung an den Literaturbetrieb.

„Dabei bezahlen sie mir den Roman besser als das Gedicht.

Nur schreibt er sich mühsam. Ich schreib wieder grad keinen.

Reime so rum, fürcht mich, werd langsam ein bisschen alt.

Und alle fragen mich nach einem.“, lautet  die letzte Stropühe, geschrieben in Friedrichshafen am 9. 8. 18.

Da ist dann auch „Rudis Beisl“, das Gedicht zu Ehren der F.M. enthalten, ein „Friedgedicht“ gibt es auch.

Die Zweite heißt „Ich hätte meinen Schmerz am liebsten idiotisch und unter jedem Abteilungsanfang gibt es eine Zeichnung, wo ein Mensch auf einem Sofa liegt, sitzt oder kauert. Was das bedeuten soll, hab ich nicht ganz verstanden, aber beim liegenden und lesenden Mann geht es, um den Schmerz:

„psychischer Schmerz, oh psychischer schmerz.

Ich hab dich satt, ich hätte so gerne

den anderenden körperlichen schmerz“, lautet hier der Anfang von „Wenn der Schmerz kommt“.

Dann gibt es eines, das „mit dem schmerz abendessen“ heißt. Ganz schön passend, wenn man das Buch, wie ich mit einem Gips im Krankenbett gelesen hat, aber das konnte Martin Amanshauser, den ich gelegentlich bei Veranstaltungen treffe, nicht wissen und so gehe ich  weiter zu

„(3)Heimische Investoren und Immo-Entwickler“, zugegeben ein ungewöhnlicher Name für eine Gedichtkapitel, aber M.A. ist ja auch ungewöhnlicher Dichter, das habe ich schon festgestellt und hier steht der Mann am Sofa auch am Kopf und wieder erstaunlich „die gedichte müssen kommen,“ lautet da das erste Gedicht, ist Julya Rabinowich gewidmet und beginnt

„die gedichte müssen kommen

war der steinharte gedanke

des österreichischen lyrikers

in seinem dichterzelt

im alpenvorland“.

Also wieder Kiteraturbetrieb, trotz des eher technisch wirtschaftlichen Titels, aber auch Dichter

„wollten ihr honorar sehen

verrechnen 13% umsatzsteuer

sie tranken ihre weinflaschen leer“

geht es gleich weiter.

Es gibt ein Gedicht das „Ein Cornflake lang“ heißt und eines mit dem Titel

„ich spreche Deutschland

Eine Roma-Frau sagt mir:

Ich spreche Deutshland.

Aber nur klein.“ So schade“.

Martin Amanshauser ist also ein vielseitiger Lyriker und haut in seinen Abteilungen viel hinein, bleibt aber wieder bei der Literatur und bei der Frage „wieso ich lieber lyrik als romane schreibe“.

Man sieht, dem kommen wir nicht aus.

„Ich möchte niemals sterben.Gott behüte“, heißt die nächste Abteilung, da sitzt der Mann im rechten oder linken Eck und beginnt mit einem „jambus“ und geht zu „Die Milch wird kalt im Kühlschrank“ über.

Dann gibt es das Titelgedicht oder das, was daraus wurde, nämlich „Kafkas Callshop“.

„Kafkas Callshop ist das Buch nach 100.000 Exemplaren

Kafkas Callshoü heißt der Supermarkt, in dem ich vegetier.

„100.000“ hieß ein Buch vor Jahren,** Kafka-Callshop-Exemplare

drucken sie nach dieser Schaffenspause nur noch vier,

oder zwölfudachtzig?“

Mit dem „Das Mondkalb singt diesen traurigen Song“ geht es weiter, das gibt es das „Mensch-Müsli“

„Mensch Müsli, komm im Mai zu mir und mach mich

zu einem Amans-Schopenhauser jeden Tag.“, heißt es da, wieder skurril komisch anspielend.

„ringelnatz und morgenstern“ werden auch erwähnt

„morgenstern und ringelnatz

dichten voll erbittert

demolieren den arbeitsplatz

morgenstern:er twittert.“

Ob das die großen Vorbilder sind?

Vielleichtm denn das nächste Poem heißt

„palmenström traf malmström

verkehr war gut

pulver, kondome

und lippenblut“

Der an hochgeistige Lyrik, wird sich hier wohl etwas schwer tun, kann aber zu Abteilung 6 weitergehen. Wo es heißt:

„Unterwegs zu sein reduziert das Risiko keinen Lebensauf zu haben“

Da sind wir  schon beim Reisen. Es gibt ein Gedicht, das in „Altaussee“ geschrieben wurde, eines das „Sudoku in Warschau“ heißt und ein „cable car gibraltar“ genanntes.

Sieben heißt „Die tiefsten Enttäuschungen sind mir zu heavy, zu arg“, da widmet sich eines den „facebook gedichten, den googhle  tänzen und den  whatsapp oden“, also ganz schön modern und in Lisabonn, im August 2018 wurde das Gedicht „Dichter sein“ geschrieben.

„Ein Dichter sein, das bedeutet größer zu sein,

die Menschen zu überragen. Zuzubeißen

wie jemand, der küsst.“

Also ganz schon überheblich, der M.A, könnte man ihm unterstellen.

Also gehen wir zur „Letzten Lockerung“ über.

Da gibt es einen „jandlversuch“

„findest du dich ich?

sagen se zu dich ich?“ zu

(9) Wieso ein Tierarzt selbstverstänlich ein Tier sein muss“ über und wir haben einen interessanten Rundgan durch Martin Amanshauser Lyrik der letzten zwanzig Jahre gemacht, ein bißchen über Literatur und vielleicht auch über seine Vorlieben, seine Gedanken und Charakterzüge erfahren.“

Wie gesagt, die Hardcorelyrikfans werden vielleicht die Nase rümpfen. Die Psychologin findet das Ouvre des Sohnes eines bekannten Dichters, sehr interessant und ist gespannt, was sie von A. M. noch  alles lesen wird.

2017-05-11

Parablüh

Filed under: Uncategorized — jancak @ 09:29
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Cornelia Travnicek, die nun schon dreißigjährige Autorin, deren literarischen Weg, ich von Anfang meines Bloges an ziemlich kontinuierlich verfolge, hat einen neuen Gedichtband geschrieben, auf den ich auf ihrer Facebookseite,  aufmerksam geworden bin.

„Parablüh – Monologe mit Sylvia heißt er“ und ist in einem schönen Cover, weiße Regenschirmchen auf dunkelblauen Hintergrund bei „Limbus-Lyrik“ herausgekommen und damit ist natürlich die berühmte Dichterin Sylvia Plath gemeint, deren „Glasglocke“ ich vor einiger Zeit gelesen habe.

Bernd Schuchter vom Verlag, ein GAV-Kollege, war so freundlich mir das Buch zu schicken, das mich vorerst, ich sage es gleich, einmal verwirrte.

Denn der deutliche Plath- Bezug ließ ja die Vermutung zu, daß die Gedichte gegenübergestellt wären, so daß man  vergleichen beziehungsweise die Unterschiede mitverfolgen kann.

Mitnichten, das Wort Sylvia kommt außer im Titel einmal in dem achtzig Seiten Buch vor.  Dafür gibt es aber ein ausführliches Nachwort mit dem Titel  „Eigensinn und Widerrede“, der Literaturkritikerin Daniela Strigl, die erklärt, daß Sylvia Plaths Gedichtband „The Colossus and Other Poems“, 1960 bei Heinemann in London erschienen ist. Da war sie achtundzwanzig. Zwei Jahre später ist das Buch leicht verändert in New York erschienen und erst 2013 in der Übersetzung von Judith Zander auf Deutsch erschienen.

„Diese zweisprachige Ausgabe“, schreibt Daniela Strigl „bildete die Vorlage für Cornelia Travnices ungewöhnliches Projekt“ und fügt hinz,u daß es sich bei den vierundvierzig oder fünfzig Gedichten,um keine „Nachdichtung, sondern um  „Dichtung“ handelt, so daß man das Buch lesen kann, auch wenn nicht viel über Sylvia Plath und ihr Leben weiß , was aber, wie sie weiteranmerkt, „eine zusätzliche Dimension“ wäre „notwendig ist sie aber nicht“.

Das klingt sehr beruhigend, denn über Sylvia Plaths Leben, weiß ich so ziemlich Bescheid, habe ich ja nicht nur ihren berühmten Roman oder ist es ein Memoir gelesen, sondern auch  Sigrun Höllrigls „Odysseus X“ und könnte mich nun dirket in Cornelia Travniecs Monologpoesie einlassen.

Daniela Strigl scheint aber auch die zweisprachige Gedichtausgabe gelesen zu haben und gibt nun auf einigen Seiten weitere Einblicke in das Buch, beziehungsweise in seine Irrungen und Wirrungen.

So heißt Cornelia Travnices Antwort auf Sylvias Plaths „Colosssus“ in dem die sich mit ihrem Nazi-Vater auseinandersetzte nun „Standbild“ und beschäftigt sich mit der EU „Du sammelst Sterne für dein Banner“ und aus „Two views of a Cadaver room“ ist Cornelia Travniceks „Titelgedicht geworden, in dem es, um einen Dialog mit einer Mutter und einem Kind geht: „Paraplui, sagt die Mutter: Dunkles Blau auch zwischen Regen und sie. Parablüh, sagt das Kind und pflanzt Schirme in die Landschaft.“

Ganz schön verwirrend.

„Was mache ich nun?“, dachte ich  in der Badewanne, besorge ich mir nun die zweisprachige Gedichtausgabe, um zu vergleichen oder lasse ich  das und auch mein Vorwissen weg und  mich naiv in Cornelia Travniekes Monologe ein?

Für das Erstere spricht die Gründlichkeit, denn der Bezug zu der amerikanischen Dichterin, die sich 1963 das Leben nahm, in dem sie ihren Kopf in das Backrohr steckte, während ihre Kinder nebenan schliefen, ist ja schon da, für das Zweite die Bequemlichkeit und ich bin ja eine ungeduldige Leserin….

Also dafür entschieden und die Plath- Bezüge sind trotzdem im Kopf und wer weiß, vielleicht finde ich einmal das Original und dann kann ich mich  dann auf Corneleia Travnices Monologe beziehen, die, wie Daniela Strigl noch anmerk,t nun auch schon dreißig ist, wie es die Dichterin war, als ihr „Koloss“ erschienen ist.

Vierundvierzig Gedichte also und ein letztes langes in sieben Teilen, das bei Cornelia Travnicek „Gedicht für Rauhnächte“ heißt.

Ich kenne Cornelia Travnicek ja  zuerst als Prosaschreiberin, habe die „Asche meiner Schwester“, „Fütter mich“, das jetzt bei „Haymon“ neu herausgekommen ist und von ihren zwei Romanen bisher nur die „Jungen Hunde“, bei denen sie auch beim „Bachmannpreis“ gelesen hat, gelesen.

„Chucks“ muß noch warten und ihre Gedichte sind eher an mir vorbeigegangen, habe eines einmal in ihren Blog, den sie jetzt nicht mehr so ausführlich betreibt, ein anderes, in den „Podium-Lyrik Flyer“ zum „Tag der Lyrik“ gelesen und im letzten Jahr war ich auch in der „Gesellschaft für Literatur“ als dort ihr bei „Berger“ erschienenen Gedichtband herausgegeben wurde.

Jetzt also Lyrik geballt oder die Antworten auf Sylvia und ich kann gleich sagen, es sind sehr lyrische Monologe, in die ich aber, geschuldet  meiner Verwirrung, ich habe das Nachwort zuerst gelesen und später noch einmal, nur langsam und zögernd hineingekommen bin.

Dann ist es mir aber gelungen, den Kopf draußen zu lassen, Sylvia Plath zu vergessen und mich auf Cornelia Travniceks Verse zu konzentrieren, von denen ich hier mit ein paar Beispielen einen kurzen Rundgang durch das schöne blauweiße Büchlein geben möchte, dessen Lektüre ich sehr empfehlen kann, obwohl ich jetzt noch immer nich so weiß, ob man es eher mit oder ohne Sylvia Plath lesen soll.

Die Titelgedichte habeich schon zitiert.

„Ach Sylvia“, heißt es dann auf Seite siebenunddreißig und das ist, wie schon geschrieben, der einzige Plath-Bezug für mich, wenn man von dem Nachwort und dem Unterttitel absieht.

„Der Ausflug ist kurzgehalten, für Reisekrankheit bleibt keine Zeit: vierundzwanzig Bilder lang, wässrig verlaufene Schnappschüsse. Der Herbst ist es, der mit den Fingern durch diese Farben malt. – Weggeschickt hatten: Hochwasser & Touristen“

Bei „Ratespiel“, das, wie Daniela Strigl verrät, bei Sylvia Plath „Hurenlied“,  wird, wie es weiter heißt „das Urteil über die Frau, durch Fragen aufgelöst“:

„Da kommt die Frau, die vielleicht oder vielleicht auch nicht ein selbstbestimmtes Leben führt — Und von der anderen Seite tritt auf: Ein Mann, der vielleicht oder vielleicht auch nicht ein guter ist“

„Es gibt Aufschwung“ heißt es auf Seite einundsechzig:

„Die einen spielen hier seit vierzig Jahren Theater, die anderen jagen Dinosauriern nach – sie reiten eine Spielzeugeisenbahn. Wo früher die Umverteilung geprobt wurde, bräunen sich unzureichend die Schnitzeln.“

Ganz schön kryptisch oder geheimnisvoll poetisch, schön gedichtet, könnte man so sagen und  bei der „Ausgebombten Zeit“, wurde ich ein bißchen an die Bachmann erinnert.

„Hier wurde ein Krieg beendet – Zu sehen dafür sorgen die Bagger“

So geht es weiter und sofort, bis zu den schon zitierten „Rauhnächten“ und, um die poetische Verwirrung noch ein bißchen zu steigern, empfehle ich auf Cornelia Travniceks Seite zu gehen, weil es hier sowohl eine japanische, als auch eine Übersetzung auf Russisch „für alle“ gibt.

Die Buchpräsentation, wo das alles vielleicht ein bißchen genauer erklärt wurde, habe ich versäumt. Da habe ich den „Welttag des Buches“ vorgezogen, jetzt mußte ich mich allein  durch Cornelia Travniceks poetische Sprache lesen, was ich, wie schon erwähnt, mit oder auch ohne Sylvia Plath nur empfehlen kann.

 

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