Literaturgefluester

2021-05-04

Be- und Entgrenzung im „Dichterloh“

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 21:44
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Schon wieder Lyrlik-Festival in der „Alten Schmiede“, natürlich, denn das erste „Dichterloh-Festival“, das Anfang des Jahres stattfand, wurde ja lockdownbedingt vom letzten Jahr nachgeholt und wenn man so will, ist dieses zweite Corona-Jahr für mich ein sehr lyrisches, obwohl ich, wie immer schreibe, kein besonderer Lyrikfan bin, ich schreibe keine solche, nur hin und wieder ein Gedicht und habe jetzt auch ein zweites Corona-Gedicht an Erika Kronabitter geschickt, die einenText für den Feldkircher-Literaturbahnhof haben wollte.

Aber dieses Jahr hat es für sehr viel Lyrik gegeben, so habe ich drei Gedichtbände gelesen,das erste „Dichterloh-Festival“ zum großen Teil gehört, ein „DichtFest“ und wenn es in der „Gesellschaft“ auch keinen richtigen Lyrikmonat gab und auch noch keine „Lyrik der März“ , der GAV, jedoch die „Lange Nacht der Lyrik“ des „Schöffling-Verlags“gegeben und Alfred Zoppelt hat mir auch ein paar Gedichte geschickt, nachdem er in der Hauptbücherei auf Anita Schaubs Buch und mein Portrait gestoßen ist und das finde ich besonders schön und heute abend wieder „Dichterloh-Festival“ in der „Alten Schmiede“,der erste Abend der von Michael Hammerschmid kuratierten Veranstaltung unter dem Titel „Be-und Entgrenzung“, die mit den Abschiedsgedichten, der 1970 geborenen Italienerin Roberta Dapunt begann, die sie ihrer demenzerkrankten Uma gewidmet hat.

„Scheiße!“, habe ich gedacht, denn um sechs wieder eine Stunde, also konnte ich erst um sieben eingsteigen, wenn dann Mila Haugova und Margret Kreidl kommen und Mila Haugova die Slowakin kenne ich seit 2001, als sie sich für meine „Freiheit des Wortes“ meldete, die Veranstaltung dann absagte,weil sie einen anderen Leseabend hatte und dann ein paar Jahre später noch einmal las und da, glaube ich, in meiner Erinnerung da Literaturhaus oder den Eingang auch nicht ganz fand und Margret Kreidl, die ich ganz gut kenne und auch schon bei einigen Lyrikabende ein in Leipzig oder wo auch immer hörte.

Kurz nach dreiviertel eingestiegen und gedacht, jetzt komme ich in die Pause, ich kam aber in ein Standbild, hörte mir ein bißchen das Gespräch zwischen Michael Hammerschmid an, wo sie die Würde und die Stille erklärte, die man beim Pflegen von demenzkranken Menschen erlebt und erklärte Michael Hammeschied auch den italienischen Ausdruck „altro“ und, daß man einen demenzkranken Menschen nichte wirklich folgen kann und während ich all das noch überlegte, war das Band plötzlich weg und es war schon fünf und zehn nach sieben und hätte eigentlich schon Mila Haugova hören sollen, habe ich aber nicht, so habe ich das Video zurückgespult. Ganz an den Anfang bin ich nicht gekommen, nur zu der Stelle,wo Michael Hammerschied, die Übersetzer erwähnte und dann habe ich auf einmal am Seitenbord gesehen, daß die „Alte Schmiede“ sich entschuldigte, weil sie einen Internetausfall hatten und die Lesungen von Mila Haugova und Margret Kreidl aufzeichnen würde, so daß man es sich später nachhören könne und ich habe wieder etwas gelernt, aber trotzdem einen literarischen Abend gehabt und kann, wenn ich will und mir „Zoom“ auch noch den Ton hergibt, Jurenka Jurk von der „Romanschule“ bei einem Probecouching überdie Schulter schauen und morgen dann vielleicht noch ein paar nachgereichte Gedichtimpressionen nachstellen.

2021-01-26

Von der verdichteten Natur zum Passagenverlag

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 22:08
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Der letzte Tag des Dichterloh-Festivals, wo ich fünf Abende streamte, Lyrik in Corona-Zeiten, wo ich gleich auf mein Corona-Gedicht verweisen darf, das natürlich nicht so sprachlich redundant und verdichtet, wie die Werke der zwei heute ausgesuchten Autoren, aber ich bin ja keine Lyrikerin, obwohl ich auf dem Blog vor allem im Sommer von Doris Kloimstein viele Gedichte bekommen habe, was mich dann zu einigen Corona-Gedichtzeilen in meinen zweiten Corona– dem „Braunrot karierten Notizbuch“ führte, aber zu dem letzten Schmiede-Abend, wo Michael Hammerschmid zuerst den 1955 in der Schweiz geborenen Kurt Aebli und der 1971 in Lienz geborenen Angelika Rainer vorstellte.

Kurt Aebli der aus seinem in Wolfbach-Verlag scheinenen Gedichtband „En passant“ las, war aus seinem Wohnzimmer zugeschaltet und er begann gleich mit ein paar skurill erscheinenden Zeilen „Wenn er ein Gedicht schreibt, gehört er auf einmal zu den Pflanzen und wie die Bäume versteht er. daß man sich nicht von der Stelle rühren, sondern sich auf die Bewegungen der Erde verlassen muß“, was er immer wieder wiederholte und dann auf ein Gedicht von Stefan George, das „Sie sicher kennen!“. fügte er hinzu und „Komm in den totgesagten Park und schau“, heißen würde und er etwas abgewandelt hat. Ich habe das Gedicht nicht gekannt, wohl aber den gleichlautenden Roman gelesen und da, wie ich mich erinnern kann, einmal Stephan Teichgräber gefragt, aus welchen Gedicht diese zeilen stammen und auf DDR-Lyrik getippt.

Jetzt weiß ich es und auch wie Kurt Aebli zu seinen Gedichten kommt, nämlich durch Reduktion, denn es gibt viel zu viel Geschwätzigkeit in der Welt, so daß er in die Natur geht, um das Schweigen dort zu finden und das war für eine die ja gerne lange Romane schreiben würde, interessant und das Gedicht hat mich wahrscheinlich gerade durch seine oftmalige Wiederholung sehr berührt. Sonst hätte ich es vielleicht überhört. Jetzt haben sich die Zeilen in mir eingeprägt, so daß ich sogar nachgegooglet habe, um den Wortlaut genau zu erfassen.

Dann kam live Angelika Rainer, die auch Musikerin ist, deren drittes Buch und erster reiner Lyrikband „See`len“ bei „Haymon“ erschienen ist, das besteht aus mehreren Gedichtzyklen, erklärte Michael Hammerschmid in seiner Einleitung. Um „Narziß und Echo“ geht es auch und Angelika Rainer las drei Gedichte aus dem ersten Teiul, die alle den „See“ im Titel hatten „See´len“ war das erste Langgedicht:

„Der Weg war lang und schmal, mehr Rinne als Weg“ und Michael Hammerschmid erwähnte im anschließenden Gespräch, die sprachliche Genauigkeit und die Recherche. Angelika Rainer recherchiert auch viel und verdichtet vor allem, wie auch Kurt Aebli. Dann kam der „See aus der Werkstatt des Vaters“, ein Gemälde, das dort hing, auch sehr genau und lang beschrieben und dann noch ein „Seelen-Gedicht“, wo es um eine graue Mütze geht.

Spannend, spannend in sechs beziehungsweise fünf Abenden in die Lyrik einzutauchen, wenn es auch nur über den Livestrem passierte, am sechsten bin bin ja wegen meiner sieben Uhr Stunde, stattdessen in der „Gesellschaft der Literatur“ gewesen und bin da in die Sagenwelt eingetaucht und darum geht es in Angelika Rainers Gedichte auch und ein paar Stunden später soll es wieder in den „Schmiede-Saal“ und in die „Nachtschicht“ gehen, wo der Generalsekretär der „Alten Schmiede“ Walter Famler mit dem Verleger des theoretischen „Passagen-Verlages“ Peter Engelmann sprechen wird, der Bücher von Jacques Ranciere und Alain Badiou vorstellen wird.

2021-01-18

Zwei tote Dichter in Dichterloh

Dritter Abend des diesjährigen „Dichterloh-Festivals“ und diesmal stellte Michael Hammerschmid, den 2006 verstorbenen Gerhard Kofler und den mir bisher unbekannten tschechischen Dichter Ivan Blatny vor und den 1949 in Bozen geborenen Gerhard Kofler kannte ich sehr gut, war er ja, glaube ich, nach Josef Haslinger bis zu seinem Tod Generalsekretär der Grazer Autorenversammlung und da habe ich mit ihm, da ich ja in dieser Zeit sehr viele Veranstaltungen für die GAV organisierte, sehr gut kennengelert.

Kennengelert habe ich ihn, glaube ich, wirklich bei der ersten GV der IG-Autoren, bei der ich war, das muß etwa in den späten Achtzigerjahren gewesen sein und fand noch in der Annagasse in einem Pressezentrum statt, das Literaturhaus hat es noch nicht gegeben, da ist er, glaube ich, mit einer Aktentsche aufgetreten, hat ein Buch herausgenommen und das irgendjemanden, ich weiß nicht mehr genau ob der Gerhard Ruiss war, übergeben.

Ein sehr freundlicher, sehr kompromißbereiter Herr mit einem Schnurrbart und den hat auch Michael Hammerschmid erwähnt, seine Gedichte wurden nach seinem Tod, ich war auch auf seinen Begräbnis am Ottakringer Friedhof, das auch ein sehr kompromßbereites war, nämlich ein katholischer und ein evangelischer Priester und dann hat Robert Schindel noch das Kaddish gesprochen, in der „Alten Schmiede“ vorgestellt und ich war mit ihm oder mit der GAV auch einige Male in Mürzzuschlag bei einem Fest für Ernst Jandl, Gerhard Rühm und Friederike Mayröcker, mehrtägige Literaturfestivals, wo man dann bei den jeweiligen Abend- oder Mittagessen zusammengesessen ist und ich kann mich erinnern, daß ich da mit ihm und Marie Therese Kerschbaumer in das Brahms-Museum gegangen bin und dann mit ihm noch bei Kaffee oder etwas anderen zusammengesessen bin und ein Erlebnis habe ich auch gehabt mit dem der Dichter gar nichts zu tun gehabt hat, denn es war in einer Deutschstunde der Anna in der Rahlgasse, wo die Praktikantin ihrer Lehrerin, Alexandra Millner, Texte von Werner Kofler ausgeteilt hat und die Anna sagte „Da gibt es noch einen Gerhard!“ und Alexandra Millner fragte erstaunt „Woher kennst du den?“

„Von meiner Mutter, die ist nämlich in der GAV!“ und da hat mich Frau Millner zu einer Lesung in die Rahlgasse eingeladen. Aber das nur nebenbei. Seine zweisprachigen Gedichte habe ich öfter bei der „Lyrik im März“, die damals noch in dem berühmten Hörsaal eins, im NIG stattgefunden hat, gehört und als ich einmal im Bruneck war, ich bin ich ja öfter mit der Anna und dem Alfred in Obergeil in den Semesterferien gewesen und spazierengegangen bin, während die anderen Schifahren waren, ein Klofler-Bändchen, zweisprachig natürlich, ich glaube aus der „Herbstpresse“, mitgehabt und es dort gelesen und jetzt ist bei „Haymon“ ein Kofler-Band herausgekommen „in fließnden übergängen – in vasi comunicanti“ und Michael Hammerschnmid hat etwas von frühen Gedichtbänden, die in Trilogien erschienen sind, erzählt.

Der 1993 in Innichen geborene Sprachkunststudent Gerd Sulzenbacher, hat die italiensichen Gedichte gelesen, Michael Hammerschmid, die deutschen, eines im Südtiroler Dialekt gab es auch und eines, wo der Dichter von seinem Leben in zwei Sprachen oder seiner Entscheidung zwischen zwei Fußballvereinen, spricht und da habe ich Gerhard Kofler, den kompromißbereiten, wiedererkannt und dann ging es von Südtirol, der GAV und Gerhard Kofler zu einem gänzlich unbekannten Dichter, der ein sehr interessantes Leben hatte, nämlich den 1919 in Brünn geborenen Ivan Blatny, der in den Vierzigerjahren mehrere Gedichtbände herausgebracht hat und dann nach England emgirierte. Dort hat er den Rest seines Lebens in der Psychiatrie verbracht und dort wahrscheinlich ähnlich, wie Robert Walser, seine Gedichte unentwegt auf Klopapier geschrieben, wo sie dann vom Klinikpersonal entsorgt wurden.

Eine tscheschische Jrankenschwester hat sie dann gesammelt und jetzt wurden einige Gedichte von Jan Faktor und Anette Simon in der „Edition Korrespondenzen“ nochmals herausgegeben.

„Hilfschule Bixley“ heißt der Band und der 1951 in Prag geborene Jan Faktor und die 1952 in Berlin geobrene Psychoanalytikerin Anette Simon wurden zugeschaltet. Es gab einen Film über das Leben Blatny. Annette Simon stellte sein Leben vor und las dann aus den Gedichten und am Schluß gab es noch ein Gespräch zwischen den beiden und Michael Hammerschmid und ich habe wieder einen interessanten Dichter kennengelernt und einen, der mich, glaube ich, sehr geföerdet hat, weil er mir im Rahmen der GAV immer wieder Lesungen ermöglicht oder mich zu Organisationen zum Beispiel in St. Pölten, von wo ich mir der kleinen Anna vor über dreißig Jahren nach Wien gependelt bin, ermöglicht hat und morgen wird es mit Christian Steinbacher, auch ein engagiertes GAV-Mitglied, das ich bei den damaligen Generalversammlungen weitergehen, aber da habe ich eine Stunde und werde daher ins Literaturhaus ausweichen.

2021-01-11

Zur Genauigkeit poetischer Existenz

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 22:02
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Das Lyrikfestival „Dichterloh“, das es seit einigen Jahren kuratiert von Michael Hammeschmid in der „Alten Schmiede“ gibt, hätte eigentlich im Frühjahr stattfinden sollen.

Coronabedingt war das natürlich nicht möglich und wurde auf den Jänner verschoben und da kann es, weil wir uns ja im zweiten, dritten oder was auch immer Lockdown befinden, natürlich auch nicht live und mit Publikum stattfinden, also setzte sich Michael Hammerschmid vor den Laptop, hielt die Einleitung, daß es da vom elften bis sechundzwanzigsten Jänner einige Veranstaltung geben wird, wo die verschiedensten alte und junge Dichter aus den verschiedensten Ländern, vorgestellt werden.

Dann kam er zu der 1950 in Chemnitz geborenen und in Leipzig lebenden Angela Krauß, eine Freundin von Kerstin Hensel, glaube ich, die den „Bachmannpreis“ gewonnen hat und von der ich in meinen Regalen auch einige Bücher, wie die „Überfliegerin“, „Kleine Landschaft“ und die „Milliarden neuer Sterne“ liegen habe und sagte, nach dem er sie und ihren bei „Suhrkamp“ erschienenen Band „Der Strom“, der, glaube ich, in sechs Teilen, sowohl lyrische, als auch Prosatext enthält, vorstellte, „Hallo, Angela, ich freue mich, daß du da bist!“ und ich dachte „Oh-?“

Dann kam man aber in das Wohnzimmer einer strahlend lächelnden Autorin, die mit großen Enthusiasmus aus ihrem blauen Buch las, in dem es, um einen Mäzen, der Veränderung der Welt, um ein französisches Restaurant und vieles anderes geht. Auch Michael Hammerschmid war begeistert von dem Schwung und erkundigte sich bei derAutorin, wie sie zu ihren Gedichten käme und Angela Krauß antwortete ihm, daß es ihre Lebensform sei und las am Schluß noch eines von ihren sieben Gedichten, das, glaube ich, im letzten Teil enthalten ist und sagte dazu, daß das die sieben Sachen wären, die man auf die Flucht, etcetera, mitnehmen würde. Der Koffer, der bereit stünde mit den sieben Sachen und las dann noch das Gedicht „Vorfreude“, das sozusagen auf die Vorfreude auf den 1939 in Oslo geborenen Dichter Jan Erik Vold und seine „Träumemacher Trilogie“ übersetzt von Walter Baumgartner, hinwies und der Dichter las zuerst auf norwegisch drei Mediationen. Die Erste trug den Titel „Schnee“, dann ging es, um das Wasser und der dritte Text hieß „Gottesrepertoire“, die dann von Michael Hammerschmid auf Deutsch gelesen wurden.

Jan Erik Vold hat auch die Tagebücher der jüdischen Emigrantin Ruth Meyer herausgegeben und ich habe wieder zwei interessante lyrische Stimmen gehört. Angela Krauß habe ich ja schon ein bißchen gekannt, auch wenn ich die Bücher noch nicht gelesen habe.

Jan Erik Vold war mir ziemlich unbekannt und morgen geht es unter anderen mit der mazedonischen Dichterin Lidija Dimiskovka weiter, deren Gedichtband „Schwarz aufWeiß“ ich ja im Frühling bei den Gewinnspiel auf der „AS-Facebookseite“ gewonnen habe, obwohl ich mich ja gar nicht wirklich daran beteiligt habe.

2019-05-27

Siebenter und letzter Dichterloh-Abend

Norbert Lange

Norbert Lange

Das „Dichterloh-Lyrikfestival“ gibt es schon seit einigen Jahren in der „Alten Schmiede“, der „Priessnitz-Preisträger“ und Lyriker Michael Hammerschmied organisierte heuer sieben diesbezügliche Abende, von denen ich ich nur den letzten gehört habe, war ich doch am 13. 5, als das Thema „Abgesang und Endgesang“ lautete bei den „Wilden Worten“, bei „Liebe, abschied, existeznz“, habe ich im „Republikanischen Club“ aus der „Unsichtbaren Frau“ gelesen, am 15. 5. wollte ich eigentlich zur „Wldganspreisverleihung“ gehen und bin dann beim „Literarischen Lenz“ gelandet.

Das alles war geplant, den 16. 5 mit Heinz Janisch und Judith Nika Pfeifer hatte ich mir eingeplant, bin dann aber daraufgekommen, daß es, da es offensichtlich um Kinderlyrik ging, schon um fünf angefangen hat und da hatte ich eine Stunde und vorigen Montag, als es um das „weiter/über/setzen“ ging, wollte ich auch hin, da kam aber der Alfred aus Kuba zurück und sagte, „Gehen wir lieber zum „Umar“ Clamari essen!“ und am Dienstag, hätte mich Stefan Schmitzer dort vermutet, da gab es aber auch die „Westend-Lesungen“ und die wollte ich mir einmal ansehen, da ich ja am 16. Juli dort lesen, also wegen des Konkurrrenzprogrammes heuer nicht viel Lyrik und die „Etnopoesie“, das Werkportrait von Jerome Rothenberg, klang auf dem ersten Blick, weil der Dichter mir völlig unbekannt, auch nicht so interessant.

„Werch ein Iilltum!“, hätte Ernst Jandl wohl so ähnlich gesagt und der 1931 als Sohn jüdisch polnischer Einwanderer in New York Geborene, hat diesen auch auf Englisch übersetzt, so daß er in recht guten Deutsch dem alten Meister auch den Abend widmetete.

Der 1978 in Polen geborene und in Berlin lebende Norbert Lange hat moderiert und eingeleitet, sowie ein Gespräch mit dem Dichter geführt, der wie der alte Rühm, manche seiner Gedichte auch gesungen hat und eine sehr lebendige Art des Vortrages hatte. Es ging um den Holocaust und seine diesbezüglichen Erfahrungen. Einige seiner Gedichte hat er auch auf Jiddisch vorgetragen und ich bin, obwohl ich mir ja nicht sehr viel erwartet habe, sehr positiv überrascht worden.

Jerome Rothenberg, ein sehr kleiner, aber äußerst lebendiger Mann, war die Überraschung des Abends und seine Gedichte und sein Vortrag haben mich auch an Peter Henischs „Suchbild mit Katze“ erinnert, das ich gerade lese.

Interessant, daß es einer Frau im Publikum nicht so gefallen und sie die Gedichte oridnär gefunden hat, was, glaube ich, nicht stimmte und von den Veranstaltern auch entsprechend abgewehrt wurde. Der Autor selbst blieb dabei gelassen und meinte nur, daß der amerikanische Präsident, das wahrscheinlich auch wäre und am ehemaligen Büchertisch lag auch ein Heftchen auf, das wohl am dritten Abend „Zu Gast bei Lichterloh“ vorgestellt wurde, nämlich die „Grand Tour – Europa im Gedicht – eine Reise durch die junge Lyrik Europas mit Jan Wagner und Federico Ilatliano“ und ich habe zwar einiges vom heurigen Festival versäumt, am Schluß aber doch viel Interessantes mitbekommen und Norbert Lange hat zu Beginn das Publikum auch begrüßt und sich sehr gefreut, daß es an diesem Abend trotz Regenwetters in die „AS“ gekommen bin, die Abwahl der Regierung beziehungsweise des Bundeskanzler durch einen Mißtrauensantrag der SPÖ der von der Liste und jetzt und der FPÖ unterstützt wurde, hat er dabei vergessen, das war aber wohl Absicht, war doch die Lyrik das Thema des Abends.

Jerome Rothenberg

Jerome Rothenberg

2018-05-07

Zerissenheit und Spannung

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 23:59
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Michael Köhlmeier

Michael Köhlmeier

Jetzt ist es sich doch noch für den dreizehnten Abend des heurigen Poliversale-Festival ausgegangen, zu zwei Drittel jedenfalls, das erste Drittel zu Hertha Kräftners neunzigsten Geburtstag habe ich versäumt, obwohl mich Dine Petrik, die ihre Gedichte gelesen hat, extra dazu eingeladen hat und meiner natürlich höchst unliteraturwissenschaftlichen Meinung nach, waren es höchstwahrscheinlich, die einzigen Gedichte dieses Abends.

Denn Petra Ganglbauers experimentelle Textmontagen würde ich eigentlich, die ich ja immer noch von Gerald Bisingers Gedichtvariantion „Ich sitze im Zug, trinke ein Glas Rotwein und denke an Karl August“, die ja eigentlich auch keines ist, begeistert bin, nicht für ein solches halten.

Sie hat aber bei „Art und Science“, wo ich wegen unserer „Kunst im öffentlichen Raum-Spontantete“ jetzt auch hingeschrieben habe. Mal sehen ob eine Antwort kommt, einen Band „Zur Lage“ herausgebracht und den hat Kurt Neumann sehr genau erkäutert. Es gehe um drei Zyklen, einen terristischen, einen sprachlichen und einen extratertrestrischen. Er erzählte noch etwas von zwei Erzählstimmen und  Listentexten und Petra Ganglbauer, deren „Wasser im Gespräch“, ich ja gelesen habe, begann mit ihten Wortlisten zum Thema Flucht, Vertreibung und Entgrenzung, ein Thema, das sie, wie sie im anschließenden Gespräch erläuterte, schon sehr lange verfolge und da setzte es dann die Listen in allen ihren Varianten und Widerholungsformen.

„Windel –  Wiege – Ursprung“ – „Hautgrenze- Sprachgrenze, Bewegungsgrenze….“.- und so weiter und so fort, bis es zum zweiten Teil, der sprachlichen Begrenzung ging und im dritten extraterrestischen, ging es dann astronomisch zu und um ein Buch und dessen leeren Seiten mit dessen Inhalt sich der Leser auseinanderzusetzten hat, ging es in irgendeinen dieser Teile auch und schade, daß ich in das Bändchen nicht hineingeschaut habe, da es dort, wie Kurt <neumann um Großschreibung und graphische Gestaltung ging, die man beim Lesen natürlich nicht so hören konnte, obwohl Petra Ganglbauer deutliche Zeichen setzte, die  für mich aber nicht so leicht zu erkennen waren.

Dann ging es in den Keller zum Doyen, der österreichischen Gegenwartsliteratur, wie ich Michael Köhlmeier fast bezeichnen möchte und den, den großen habe ich schon heute morgen im „Leporello“ gehört. Da ging es um ein Hörspiel und, daß „Ein Vorbild für die Tiere“, sein zweiter bei „Hanser“ erschienenener Gedichtband ist, habe ich, wie ich gestehen muß, erst bei der Veranstaltung mitbekommen, bin aber immer noch der Meinung, daß es keine Gedichte sind, die Michael Köhlmeier da vortrug, obwohl Kurt Nneumann in seiner Einleitung von verschiedenen Textformen in Strophen und sogar in Sonettform sprach.

Da habe ich wohl etwas verschlafen oder überhört, denn für mich waren es Prosatexte, die die Erzählstimme Österreichs, Antonio Fian hat da, glaube ich, einmal ein Dramulett geschrieben, wo Michael Köhlmeier das Telfonbuch verliest, da vorgetragen hat und der Titel des Bandes, stammt aus einem Text namens „Der Idiot“.

Der Lektor hat dann fünf Kapitel, die alle Tiernamen tragen, daraus gemacht und interessant ist auch die Entstehungsweise, die Michael Köhlmeier im anschließenden Gespräch freimütig äußerte. Er setzt sich in den Zug oder in den Park, nimmt den Bleistift, übt  das freie Schreiben und da,s was dann herauskommt, bearbeitet er, solange bis ein Gedicht entsteht, während er bei seine Romanen und Erzählungen anders vorgeht.

Interessant, habe ich gedacht, da habe ich doch bisher immer gehört, daß Gedichte ganz anders entstehen, aber Michael Köhlmeier ist wahrscheinlich kein Lyriker und sprach auch selbst beim Vorlesen von „Prosagedichten“, mit denen er offenbar auch Schwierigkeiten hatte, denn nach einer Weile des Lesens hat er sich selber unterbrochen und sich fortan selber kommentiert.

Das Publikum das aus einer Reihe von älteren damen bestand, gefragt, ob er die Texte nicht zweimal lesen solle, die begeistert nickten, Rainer Kunze tut das auch, ist aber wahrscheinlich der reinere Lyriker und so schwer verständlich waren die Prosatextsammlungen meiner Meinung nach auch nicht, schienen Michael Köhlmeier aber teilweise, wie er sich kommentierte, selber zu beglücken uind er erzählte dann immer wieder etwas ihm faszinierendes dazu.

Für mich waren zwei Passagen besonders eindrucksvoll, das „Der Roman“ genannte Gedicht, eigentlich eine Shortstory. wie Kurt Neumann erläuterte.

„Echt wahr!“, sagte der Dichter und Kurt Neumann verwies auch auf den Blues, etwas, das ich nicht nachvollziehen konnte.

Beindruckt hat mich aber der Text, da schickt ihm ein elfjähriges Mädchen den Roman seiner Mutter und bittet ihm, den berühmten Dichter, dafür einen guten Verlag zu suchen.

„Wow!“, hätte ich da gedacht.

„So eine Tochter müßte man haben, wo bekommt man eine solche Tochter her?“, vielleicht war das Erlebnis autobiografisch und heute habe ich auch eine Doko bei „You Tube“ gesehen, wo zwei Hartz IV Empfänger gemobbt wurden, weil der ältere gerne mit den Kindern der Siedlung spielte und ihnen auch mal ein Eis einkaufte, Es wurde dann gleich eine Azeige wegen sexuellen Miußbrauc hdrauras und einen solchen Prosatext hat Michael Köhlmeier auch geschrieben.

Es folgten dann auch, noch zweimal gelesen, „Drei Eindrücke“, die der weißen Männerhaut auf weißen Laken, die der Knien der osteuropäischen Freuen und das Vogelschwingen bei Richard Ford kam dann auch noch vor.

Ein sehr interessanter Abend der lyrischen Kontraste, habe ich dann zu Petra Ganglbauer gesagt, die sich freute, daß ich doch kommen konnte.

Ein anderer hätte die Köhlmeier Lyrik vielleicht kitschig emfpunden, die Damen im Publikum waren aber, glaube ich, begeistert und Petra Ganlbauers Lyrik war mehr experimentell und Hertha Kräftner habe ich versäumt, obwohl sie Dine Petriksicherlich emphatisch vertreten hat, kann sie aber, da ich in Harland ein paar iherer Bände habe, jederzeit nachlesen.

2018-04-18

Vom ersten Spaziergang zum dritten Poliversale-Abend

Eva Jancak, Ruth Aspöck, Robert Egelhofer © Gerlinde Hofer

Eva Jancak, Ruth Aspöck, Robert Egelhofer © Gerlinde Hofer

Heute war also unser erster literarischer Spaziergang bezüglich der Kunst des öffentlichen Raums. Da bin ich ja mit der Ruth im vorigen Jahr an fünf Nach- beziehungsweise Vormittagen jeweils zu drei  Kunstwerken gegangen und wir habe je zwanzig Minuten lang Spontantexte dazu geschrieben, die wir einander vorgelesen habe.

Damit wars für mich eigentlich erledigt, für die Ruth aber nicht, hat sie doch die Veranstaltung bei der GAV eingereicht, drei Spaziergänge wollte sie machen. Der Erste fand bei Denkmälern, die all mit der faschistischen Vergangenheit zu tun haben, heute statt und den „Hammer 95“ in dem einige der Texte abgedruckt sind, gibt es als Begleitung auch, denn da sind wir mit dem Alfred an einem Wochenende im Februar die Orte nochmals abgegangen, um die entsprechenden Fotos zu machen.

Diesmal gibt es keine Alfred Fotos, weil ja Nachmittag und er auf der WU beziehungsweise auf einem Betriebsratsseminar, das heißt ein paar hat mir Gelinde Hofer, die neue „Ohrenschmaus – Organisatorin“, die gekommen war, freundlicherweise zur Verfügung gestellt und außer ihr waren noch Ingrid Messing da, die ich beim letzten Osterspaziergang getroffen habe, wo ich schon ein bißchen Probe gelesen habe, Erika Pavlovsky, Erika Brunngraber, der Chemiker Manfred und noch ein paar bekannte und auch mir unbekannte Leute da.

Am Ballhausplatz beim Denkmal für die „Verfolgten der NS- Militärjustiz“, der zweiten Station, die wir vor einem Jahr abgegangen sind, ist es losgegangen.

Robert Eglhofer, der  inzwischen Kunstgeschichte studiert, hat ein paar einführende Worte zum Denkmal und den jeweiligen Künstlern gesagt. Dann haben wir unsere Texte gelesen, noch einen Rosenstrauch bewundert, das Wetter war ja sehr schön und dann ging es weiter zum Servitenplatz und zu den „Schlüsseln  gegen das Vergessen“.

Da war vielleicht besonders interessant, daß sich ein kleiner Hund auf das Denkmmal und die Schlüssel gelegt hat, der sich vielleicht sonnen wollte und so ungewollt im Mittelpunkt der Veranstaltung stand.

Dann gings gleich weiter zum „Thuryhof“, dem ehemaligen sozialistischen Gemeindebau, wo noch immer das völkische Skulptur des katholischen Bildhauers Alfred Crepaz mit einem Hitlergedicht zu sehen ist.

Robert Eglhofer erwähnte in seiner Einleitung, daß es in dem Gemeindebau nach der Übernahme ein NSDAP-Parteilokal gegeben hat, in dem wohl vorher die Sozialisten ihr Büro hatte und hinter der Skulptur gibt es auch ein Lokal, in dem sich jetzt allerdings ein Architekturbüro befindet.

Wir haben uns ein bißchen mit der Architektin unterhalten, bevor wir in das Pub in der Liechtensteinstraße aufgebrochen sind, das einmal „Zur Flucht nach Ägypten“ hieß und in dem Heimito von Doderer angeblich öfter verkehrte.

Danach war ich unschlüßig, ob ich in die „Gesellschaft für Literatur“ zum dritten Abend der heurigen Poliversale, die heute dort stattfand gehen sollte, den ersten Abend am Montag habe ich versäumte, weil der Alfred lieber mit mir ins Kino gehen wollte, aber diesmal stellte Michael Haammerschmid, der „Poliversale-Moderator“ seinen neuen Kindergedichtband vor und zeitlich ist es sich auch gut ausgegangen.

Sehr gut sogar, denn Erstens konnte ich zu Fuß hingehen, zweitens noch kurz in die Buchhandlung „Kuppitsch“ schauen, um mir jetzt doch das TB von Klaus Modick „Konzert ohne Dichter“ zu kaufen und als ich dann in der Herrengasse, am tschechischen Zentrum vorbeiging, sah ich einen Catering-Bus davor stehen.

„Aha, da gibts eine Veranstaltung!“, habe ich gedacht, bin aber weitergegangen. Es kam aber der Josef, den ich öfter bei Veranstaltungen sehe heraus und fragte mich „Hast du fünf Minuten Zeit, dann gehe hinein, denn da gibts das Feinste vom Feinen!“

Und das war eine Fotoausstellung von Robert Vano, der seinen Zyklus  „Memories“ vorstellte und dazu gab es Grammeln, Schinken, Presskopf und andere Wurst und auch ein Gläschen Wein, so daß ich ziemlich gestärkt und dennoch pünktlich in die „Gesellschaft für Lliteratur“ kam, die diesmal viel leerer als gestern war, obwohl es schon sieben vorbei war.

Kurt Neumann und einer der „Alten Schmiede- Assistenten“ waren  aber da, denn es ist ja eine „Alte Schmiede-Veranstaltung“, Karin Peschka, Ljuba Anautovic, Susanne Ayoub, Christl Greller und noch einige andere und außer Michael Hammerschmid trat auch noch der 1952 in Salfelden geborene Ludwig Hartinger auf, der Lektor bei „Wieser“ war, auch auf Slowenisch schreibt und sehr feine eher kurze tagebuchartige Gedichte hatte, die wie Manfred Müller in seiner Einleitung betonte, ganz erstaunlich zuMichael Hammerschmids „Schlaraffenbauch“ passten.

Den „Hammer 96“, der der „Poliversale“ gewidmet ist, gibt es übrigens auch.

2017-04-24

Lyrikfestival dichterloh

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 22:38
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Dichterloh, das Lyrikkurzfestival in der „Alten Schmiede“, von Michael Hammerschmid kuratiert, das sich mit der „Polyversale“ abwechselt, gibt es jetzt zum zweiten Mal.

Dann gibt es ja noch die „DichtFeste“ im literarischen Quartier, die von Christine Huber kuratiert werden und so kann man in Wien eigentlich ganz schön in Sachen Lyrik auftanken, Neues kennenlernen und das Festival, das heute  begonnen hat und sich über die ganze Woche hinüberziehen wird, war auch gut besucht.

Margit Heumann, Petra Ganglbauer, saßen hinter mir und wollten von mir wissen, wie es mir den ginge. Christl Greller, die unermüdliche, ist weiter hinten gesessen und und und…

Michael Hammerschmid hat dann auch eingeleitet von der Bedeutung der Lyrik gesprochen, welchen Wert sie habe und wie sehr, die Sprache einen oder eine über die Mittelmäßigkeit erheben kann und hat dann Ferdinand Schmatz den Sprachkunstleiter vorgestellt, der mit einem Essay begonnen hat.

„Weiter bauen“ hat der geheißen und mit Ernst Jandl begonnen.

„Um ein Gedicht zu beginnen habe ich…., habe ich nicht“, hat der einmal gesagt oder geschrieben und Gottfried Benn meinte, daß „das Gedicht oft fertig wäre, ehe der Dichter das weiß.“

Schöne Sätze und sehr lyrisch ausgedrückt, oftmals wiederholt und ein eigenes, ein Schmatz Zitat ist auch vorgekommen, dann wurden noch einige andere Dichter zitiert, bevor es mit dem ersten bei „Droschl“ erschienenen Lyrikband „Impressum langsames Licht“, der 1946 in der slowakei geborenen und in Zürich lebenden Ilma Rakusa weiterging, der wie Michael Hammerschmid einleitete, in den verschiedensten Städten Prag, Odessa, Berlin und in der persischen Wüste spielt und in sieben Teilen untergegliedert ist und sehr poetisch füge ich hinzu, nicht experimentell, sondern ein angenehm sanftes Sprachbad mit sehr schönen Wendungen und dann kamen die beiden Oberösterreicher Hans Echhorn und Erwin Einzinger, die zusammen ein Langgedicht geschrieben haben, das „Herbstsonate“ heißt und in der „Edition Sommerfrische“ erschienen ist, was ein wirklich schöner Name, für einen Verlag ist, wie ich gleich anmerken möchte.

Sie haben es auch zusammen vorgelesen und dazu erwähnt, daß sie oft gar nicht mehr wüßten, welche Zeilen von wem geschrieben worden wären und, daß das Dichten sehr viel Spaß gemacht hätte.

Das Resultat war dann sehr prosaisch und gar nicht so poetisch, aber Michael Hammerschmid merkte in seiner Verabschiedung auch an, daß man sehen könne, wie unterschiedlich und vielfältig Lyrik sei.

Am Mittwoch, Donnerstag und Freitag geht es weiter, an den ersten beiden Tagen in der „Alten Schmiede“, dann im „Institut für sprachkunst“, weil das auch ein paar Studenten zu Wort kommen werden und Michael Hammerschmid forderte zum Wiederkommen und auch zum Bücherkaufen und Selberlesen auf.

Aber da habe ich schon andere Programmpunkte in meinen Terminkalender vorgemerkt, die vielleicht ein wenig weniger lyrischer sind, was aber insofern nicht viel macht, da mir heute Bernd Schuchter, den neuen Lyrikband von Cornelia Travnicek „Parablüh“ geschickt hat, in dem sie sich mit Sylvia Plath beschäftigt, beziehungsweise mit ihr Monologe führt.

2016-06-17

Verwundung, Sprache, Evidenz am zehnten Dichterabend

Es war ja schon der zehnte Abend der „Poliversale 2016“,  wie Michael Hammerschmid am Donnerstag in der „Alten Schmiede“ erklärte und diesmal wurden zwei wirklich sehr verschiedene Dichterinnen, in einem sehr vollen Schmiederaum präsentiert, von denen ich Christine Huber, die „Dicht-Fest-Organisatiorin“ und ehemalige GAV-Generalsekretärin, schon kannte, beziehungsweise ihren bei der „Ediotn Art und Science“ erschienenen Band „Sand im Gegenschuß“ schon im „MUSA“ hörte.

Die 1963 in Wien geborene Christine Huber ist ja für mich die experimentelle Dichterin, die, wie  wieder Michael Hammerschmid erklärte, mit der Sprache spielt, jongliert, ihr entschlüpft, sich alle Wege offen läßt und sich besonders darüber freute, daß Michael Hammerschmied, im Programmheft schrieb, „daß sie zeigt wie sehr   Sprache unser Denken und Vorstellung lenkt“.

Es gibt auch acht Graphiken in dem Band, die eigentlich Gedichte sind oder Überschriften und kein Inhaltsverzeichnis, aber über die Graphiken, kann man den verstehen. meinte Christine Huber und dann ging es bei  1970 geborenen und in Südtirol auf einem Bauerhof lebenden Roberta Dapunt, die in Italienisch und Ladinisch schreibt, weg von der konkreten Poesie, in die Natur,  die Landschaft und die Religion.

Um Poesie geht es in dem bei „Folio“ erschienen Band „Dies Mehr als Paradies“, der schon 2008 auf Italienisch erschien und von einem Übersetzerkollektiv auf Deutsch übertragen wurde, auch.

Roberta Dapunt, las glaube ich zwölf Gedichte, einige davon mehrsprachig, daß sie von der Trauer handeln, hat Michael Hammerschmid schon vorher erklärte, der dann etwas sprachlos wurde und nicht recht wußte, was er Roberta Dapunt zu ihren starken Texten fragen sollte?

So daß sie  erklärte, daß sie seit zwanzig Jahren in einem stark religiös motivierten Haus wohnt, in dem nichts verändert wurde und sie das Ladinische, ihre Muttersprache in sich trägt, wenn sie Italinisch schreibt, so daß sie ihren ganz eigenen Sprachstil hat und sich natürlich auch über ihre Poesie und das Schreiben freut.

Also wieder zwei sehr interessante Dichterinnen und der Kontrast vom Experimentellen zu der Natur und der ursprünglichen Frömmigkeit ist ein nicht zu überbietenter, hatte aber seinen Reiz.

2015-06-30

Dichterloh

Zum Saisonsschluß gibt es in der „Alten Schmiede“ ein von Michael Hammerschmid, der voriges Jahr die „Poliversale“ machte, organisiertes Lyrikfestival, dreizehn Lyrikblöcke, die am nächsten Montag mit einem „Dichtfest“ enden und begonnen hat es am Montag mit einer Stunde der literarischen Erleuchtung, Marcel Beyer, der ja erst vor kurzem auf einem Lyrikfestival in Frankfurt war, stellte zum zehnten Todestag, Thomas Klings Lyrik vor und erzählte ein bißchen was aus dem Leben des 1957 geborenen Dichters, der glaube ich, auch ein Jandl-Preisträger war, das heißt eigentlich erzählte er etwas über die Gedichte und begann damit, daß er erklärte, daß er sich bei der Auswahl schwert getan hätte.

Denn bei den früh erschienen Gedichten, hätte er noch die Stimme des Autors im Ohr, die ihm beim Vortragen gehindert hätte, so hat er sich dafür entschieden, die späteren, die teilweise posthum erschienen sind, auszuwählen und da ging es viel über Märchen oder über ein Gedicht, daß der „Neuntöter“ heißt und das scheint auf ein Kunstmädchen von Clemens von Brentano zurückzugehen, in dem zwei Kinder in Tiere verwandelt werden.

Tiere spielen in den Gedichten überhaupt eine große Rolle, ebenso wie der Tod, denn Thomas Kling, ist an Lungenkrebs verstorben und hat früh seine Stimme verloren, so gibt es ein Gedicht nach einem Schlagertext aus den Neunzehnhundertdreißigerjahren „Mein Bruder macht beim Tonfilm die Geräusche“ auf das der Dichter dann seine eigene Stimme bezog.

So kommentierte Marcel Beyer die Lesung und das war sehr interessant, denn eigentlich kann ich mich nicht sehr daran erinnern, den Dichter live erlebt zu haben.

Er war aber ein Friederike Mayröcker Fan oder sie einer von ihm, auf jedenfall hätte sie zu der Lesung kommen sollen, dürfte aber, wie Marcel Beyer erklärte, in Graz in einem Spital liegen, es waren aber andere Prominente da.

Robert Huez vom Literaturhaus, Gerhard Jaschke von der GAV, Christine Huber, die das „Dichtfest“ organisiert, Alexander Nitzberg und der hat mit Thomas Kling einmal eine CD von russischen Surrealisten in einem Düsseldorfer Tonstudio aufgenommen und erzählte, daß der Tonmeister keine Ahnung von Thomas Klings Lyrik hatte, was diesen ärgerte, so daß die Stimmung zwischen ihnen getrübt war und der Dichter mit der Bemerkung „Schauen Sie über mich im Brockhaus nach!“, das Studio verlassen hat.

Diesmal waren aber  Experten anwesend und auch die Autogrammsammlerin, die immer kommt, wenn auswärtige Autoren auftreten, die wollte dann von Marie Therese Kerschbaumer, die in den nächsten Tagen liest, ein Autogramm, was dieser aber nicht sehr goutierte und weil die Diskussion in der ersten Runde sehr lang und anregend war, war die Pause, was mir sehr angenehm war, eher kurz, denn um acht, trat der in Japan geborene und in Boston lebende Henri Cole, Sohn eines Amerikaners und einer französischen Mutter auf, der von Hans Raimund übersetzt wurde und dessen acht Gedichtbände zwar schon auf Italienisch und Spanisch, aber noch nicht auf Deutsch übersetzt sind.

Hans Raimund hat jetzt aus drei Bänden übersetzt und fünfzehn Verlage angefragt, die österreichischen haben gleich abgewunken, die deutschen haben gesagt, „Kommen Sie 2020 wieder!“

So war es ein Novum, den 1956 Geborenen zu hören, den Hans Raimund kennenlernte, als er in einem  College ein Stipendium hatte, da hat er einen Gedichtband gefunden und übersetzt und er erzählte, daß. wie bei Thomas Kling Tiere bei Henri Cole eine große Rolle spielen, daß ihm Sprache sehr wichtig ist, er war leicht zu übersetzten war.

Der Autor erzählte dann sehr viel über seine Gedichte und  erklärte, wie sie entstanden wären und hatte ebenfalls eine außerordentliche Art des Vorttrages, die später von einer Dame sehr gelobt wurde. Mir hat aber Hans Raimunds ruhigerer Vortragston, der die Gedichte auf Deutsch las und der ja meinen Blog nicht mag, ebenfalls sehr gut gefallen und würde die Gedichte weniger experimentell, aber für sehr interessant in der Metaphernauswahl halten.

Zuerst kamen welche, die sich auf die kürzlich verstorbenen Eltern bezogen, dann sehr viele Sommergedichte, wie der Autor erwähnte, die am Strand spielen, wo  junge Haifische liegen und „Mowen haben schon die Augen zerfressen“, Schwarze Bären im Apfelbaum kommen ebenfalls vor, sehr seltsame Metaphern also, für uns vielleicht etwas ungewöhnlich, sie wurden bei der Diskussion aber sehr gelobt und über die Probleme bei der Übersetzung wurde auch gesprochen.

Die begeisterte Dame unterbrach dann mit ihren Signierwünschen. Morgen und am Donnerstag geht es dann mit Marcel Beyer, Angela  Krauss, Luljeta Lileshanaku, Hans Raimund, Eugenijus Alisanka, Erwin Einziger, Nagja Küchenmeister und Marie Therese Kerschbaumer weiter, aber da werde ich schon in in der Sommerfrische sein und erst zum „Dichtfest“ wiederkommen.

Wer aber Christine Lavants Lyrik mag und in Österreich wohnt, sind diese Woche die „Gedanken für den Tag“ und die „Tonspuren“ in Ö1 zu empfehlen, hat ja die berühmte Kärtnerin am vierten Juli ihren hundertsten Geburtstag.

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