Literaturgefluester

2019-09-22

In den kommenden Nächten

Jetzt kommt eine kleine Pause beim Buchpreislesen, denn Irmgard Fuchs Debutroman „In den kommenden Nchten“, steht weder auf der deutschen noch der österreichischen Liste, er passt aber thematisch ganz gut zu der Frauenschiene der österreichischen Gegenwartsliteratur, die ich in der letzten Zeit gelesen habe und da die Autorin, von der ich schon einen Erzählband gelesen habe und die ich, glaube ich, seit der ersten Studentenlesung des“ Instituts für Sprachkunst“ im Literaturhaus kenne, 1984 geboren wurde, also Mitte Dreißig ist, geht es hier nicht, um eine Midlifekrise sondern in sehr märchenhafter poetischer Weise geschildert, wahrscheinlich, um eine Sinnkrise oder ein Burnout.

Auf jeden Fall wirkt das Buch schon rein optisch sehr ästhetisch. Das ist Erstens den meistens sehr schönen Covers der „Kremayr& Scheriau- Literaturschiene“ geschildert und dann sieht man, wenn man das Buch aufschlägt schon für einen Roman vielleicht sehr ungewöhnlich, lauter sehr kurze Kapitel, die oft mit Gedichten und Dialogen zwischengeschaltet sind und die Kapitel tragen Überschriften, wie „Sonntag vor nicht ganz dreißig Jahren“ oder „Mittwoch“, etcetera und gleiten so durch das Leben von Doro Grimm, Anfang Dreißig, die eigentlich ein schönes Leben hätte, einen Beruf, einen Freund, eine Wohnung, etcetera.

Trotzdem haut sie von einem Tag auf den anderen alles hin, das heißt sie macht, sie ist technische Zeichnerin, das Projekt ihres Chefs, ein Männerwohnheim, der es ihr überlassen hat, weil er sich bezeichneter Weise, in einem Burnout befindet, fertig, dann packt sie ihre Reisetaschen und formuliert Briefe an ihren Freund Elmar, die sie aber nicht fertig bringt, weil er zwischendurch von einer Migräne geplagt, erscheint und nach einer Tablette verlangt.

So will sie ohne Abschied mit den Taschen die Wohnung verlassen, was auch nicht klappt und, als sie sagen will, sie hätte von einer Frau, die auf Weltreise geht, eine Wohnung gemietet, glaubt er, sie würde auf Weltreise gehen und wird noch wütender.

Sie bleibt bei der Geschichte, zieht in die wohnung, wo die Vormieterin alles, sogar die schmutzigen Unterhosen und die Nudeln am Herd zurückgelassen  hat, was ein wenig  ungewöhnlich wird und formuliert  SMSs an elmar, die sie aber nicht absendet.

Sonst beobachtet sie ein Paar, das ihr gegenüber wohnt. Sie nennt sie Maro und Kuki und führt mit ihnen imaginierte Gespräche. Andere Kapitel gehen in ihre Kindheit zurück, sie ist bei ihrer sehr jungen Mutter und ihren Großeltern aufgewachsen. Die Märchen, die ihr die Mutter vorgelesen hat kommen vor und auch Vögel.

So gibt es in der gemieteten Wohnung eine Vogeltapete und sie kauft auch für die Vögel, die an ihr Fenster fliegen Hirse.

Sonst ist sie ziemlich ratos und weiß nicht, was sie sich zum Essen kaufen soll, hat das Elmar doch für sie bisher besorgt und von einer Hitzewelle wird die Stadt auch getroffen.

Im  vierten Teil ist dann hauptsächlich davon die Rede, Menschen sterben,  Regen wird im Radio angekündigt, kommt aber nie, der Strom fällt aus, etcetera, es macht auch den Eindruck als wäre Maro in der gegenüberliegenden Wohnung schon verstorben. Dann regt er sich wieder und es kommen Leute, um die Wohnung zu besichtigen. Sie geht auch hinüber und sieht dann in ihrer Wohnung einen Mann, der sich als Elmar entpuppt. Er, der sich bisher nicht bei ihr gemeldet hat, kommt doch zu ihr und macht sich, um sie Sorgen.

„Komm, wir fahren nach Hause, sagt Elmar zu dir und fasst dich an der Hand. doch da begreifst du: Du willst nicht. Du kannst nicht. Es hat ja noch nicht einmal angefangen.“

Dann kommt der letzte und fünfte Teil, der nur aus einem einzigen Satz, nämlich“Ich bin Doro Grimm“ und die Leserin bleibt etwas ratlos zurück und muß sich das Weitere denken. Die poetische Sprache aber bleibt im Kopf und auch die schönen Zeichnungen im Pflanzendesign, die die Teile voneinander abgrenzen.

Die Psychologin würde sagen, sie hat das Protokoll eines Burnouts gelesen, was Iris Grimm, der Zusammenhang mit dem Märchenbuch scheint gewollt, eigentlich will und, wie ihr Leben in dem Chaos einer in der Hitze zerfließenden Stadt, wo ihr Geld und die gemietete Wohnung gerade für sechs Monate reicht, ist auch nicht ganz klar.

Der Buchrückentext „Was, wenn der Alltag nicht mehr zu ertragen ist? Ein Roman über einen Ausbruch: Märchenhaft und von beklemmender Schönheit“, hilft auch nicht wirklich weiter.

Ebenso ist mir der Titel nicht ganz klar, obwohl die Nächte in den Kapitelüberschriften immer wieder vorkommen und auch der vierte Teil, der von der Hitzewelle, so heißt.

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2017-05-06

Knallmasse

Nun kommt noch ein Buch aus dem kleinen feinen besonderen „Hommunculus-Verlag“ und eines, das nach Art und Ausstattung eher zu Philiph Krömers „Ymir“, als zu den „Bloggerleseerfahrungen“ passt.

Nämlich die, wie am Buchrücken  steht, vom Autor vollständig überarbeitete Neuausgabe, des schon 1993 erschienenen kosmischen Märchen „Knallmasse“, des 1953 in Erfurt geborenen Ulrich Holbein, den ich im ersten Augenblick mit Wolfgang Hohlbein verwechselt habe.

Aber da scheint es keinen Zusammenhang zu geben, obwohl, die Art des Schreibens vielleicht gar nicht so verschieden ist.

Oder doch natürlich,  selbverständlich, denn der „Weltliebhaber“ und „Ökodandy“, wie in der Biografie  zu lesen ist, scheint den Fotos nach, die von ihm imNetzt zu finden  sind, ein schräger Vogel oder sehr alternativer Typ zu sein.

Von der Geschichte weiß ich das, die ich ja keine besonders Science Fiction Liebhaberin und Kennerin bin und mich bei den verschiedenen Unterformen dieses Genres auch nicht auskenne, nicht so genau.

Denn auf den ersten Blick könnte man Buch fast für ein Jugend- oder Kinderbuch halten und sagen, daß, die darin geschilderten Inhalte, auch wenn sie etwas kompliziert geschrieben und verwirrend aufgebaut wurden, gar nicht so ungewöhnlich sind.

Wenn aber Jörg Drews auf den Buchrücken „Toll technizistisch geht es zu in dieser Mischung aus romantischen Märchen und verjuxter Sciecne und Fantasy-Fiction“, schreibt, kann und wird das nicht stimmen. Noch dazu, wenn ein so kleiner  spezieller „Indie-Verlag“, das Buch herausgebracht hat.

Trotzdem würde ich sagen, die Illustrationen, die auch von Ulrich Holbein stammen, sind das Besondere an dem Buch und sie sind genauso künstlerisch ungewöhnlich, wie die bei „Ymir“.

Der Inhalt, na ja, das habe ich vielleicht schon so ähnlich in einem anderen Jugendbuch gelesen, wenn ich mir auch vorstellen kann, daß Ulrich Holbein, dabei genauso lang und kompliziert herumgetüffelt hat, wie Arno Schmidt bei seinen Werken.

Es beginnt aber wie in einen Science-Fiction-Film. Knallmasse ist ein Roboter und ein Zentralschulpflichtiger im Staate Dezibel, wo alles laut und hart ist und dröhnt und dasLand von der Frau Dr. Dr. Dr. Dr Druckmüller regiert wird, die nie jemals gesehen wurde, aber stündlich „Guten Morgen!“, wünscht und ihrem Volk, ähnlich wie bei „1984“, die Grundregeln erklärt.

Mit dem Omnibus muß der Zentrallschulpflichtige in die Zentralschule, eingepfercht zwischen hundert anderen Robotern, die Namen, wie Quarzschemel, Breitsockel, Randfutter, etcetera haben und ständig „Ich liebe Blindenschrift!“, „Mein Lieblingsfach ist Biologie!“ und ähnliches herunterleiern.

Dann geht es in den Unterricht von Frau Dr. Schallreiter, Frau Dr. Kackflasche, und Frau Dr. Druckbeuter, richtig, die Namen weisen wahrscheinlich auf kein Kinderbuch hin, die ihren Schülern, beziehungsweise das System des Staates Dezebel erklären.

In der ersten Stunde namens „Weltgeschichte“ passiert das. Dann werden die Nachfahren der ausgestorbenen Menschheit die „Wulminetten“, die vom Weltall eigefangen wurden, als  Schauobjekte den Schülern vorgestellt. In der dritten Stunde geht es um Körperertüchtigung der harten Roboter und da passiert Knallmasse ein Mißgeschick. Er entwickelt plötzlich Gefühle für das Weiche, Runde, das in dem Staat verachtet wird und soll deshalb verschrottet werden.

Inzwischen entweichen auch noch die beiden „Wulminetten“, namens Wurlipello und Wammarilli, die auch noch ein nicht ausgebbrütetes Ei in sich trägt  und  entfliehen mit Knallmasse, der aber blind und auch von einem Kraftschlauch abhäng ist, in das „kunterbunte Weltall“.

Das macht den zweiten Teil des Buches aus, und während der erste noch einigermaßen klar und durchschaubar war, wird es nun vollend verwirrend, denn Knallmasse muß lernen, sich zu ernähren, wenn es keinen Kraftstecker gibt.

Er kann aber keine Bananaen behalten, weil sein Mund eine Sackgasse ist, er braucht auch ein Auge, so brechen sie, mit einem alten Zwillingspaar, das sie inzwischen gefunden haben, in eine Brillenfabrik auf.

Verschiedene Verzehrspiegeln erschweren das Unterfangen. Kanallmasse bekommt auch noch Besuch von seinem Freund Kotzbirne, er hat auch den Kopf von Frau Dr. Stuhlmenge, die auf der Jagd nach neuen Schauobjekten im Weltall war, als Geißel gefangen genommen.

Im Traum taucht auch noch die Frau Dr. Dr. Dr. Dr. Druckmüller auf und will die beiden zurückholen.Knallmasse aber widersteht und bleibt, muß noch einige Abenteuer erleben, bevor er auf die „Stundeninsel“ gelangt, das ist die, wo es früher Uhren gab, und dort zu einem blühenden Denkmal werden darf.

Wie schon erwähnt, bin ich vielleicht nicht die richtige Interessentin für das Buch, habe es, da ich mir nicht sicher war, ob das jetzt etwas Trivales oder sehr kompliziert Konstruiertes ist, vielleicht auch zu ungeduldig und schnell gelesen.

Die Illustrationen haben mir aber gefallen  und ich finde es auch spannen durch den „Hommunculus-Verlag“ oder eigentlich durch das „Debutpreislesen“ einen interessanten Autor kennengelernt zu haben, der sonst vielleicht an mir vorbeigegangen wäre.

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