Literaturgefluester

2018-04-07

Sonnenkönige

Filed under: Bücher — jancak @ 00:34
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Nun kommt wieder ein Buch aus der literarischen Schiene des „Kremayr & Scheriau-Verlags“, kein Debut, denn es ist schon das dritte Buch, das die 1985 in Linz geborene Marianne Jungmairer dort verlegt hat.

„Wow!“, könnte man sagen und  die junge Autorin ist auch schon viel herumgekommen in der Welt und in Berlin dürfte sie auch eine Zeit gelebt haben, zuminsdest spielt ein großer Teil des Buches dort, das, wie der Klappentext beschreibt „Eine neue litarische Facette aufzeigtt und in eine bunte Welt der Illusionen und Träume eintaucht. Zwischen Zuständen des Rauschs und den Rhythmen elektronischer Musik dringen auch die leisen Tönen durch, jene der Verlorenen, die nach ihrer Mitte suchen.“

Das gilt zum Teil auch für das Buch, das ich davor gelesen habe, obwohl es 1984 spielt, zu einer Zeit, in der Marianne Jungmaier noch nicht geboren war und ich habe die euphorischen Beschreibungen der Klappentexter bei beiden Bücher nicht ganz nachvollziehen können und würde meinen, daß man den Inhalt auch viel einfacher beschreiben könnte.

Da ist einmal Aidan, der in Berlin in einer WG mit Sam, Cherry und Hannah lebt. Sam und Cherry sind zwei Amerikanerinnen. Hannah ist seine Freundin und er ist freiberuflicher Redeakteur bei einer Zeitung. Hannah arbeitet dort auch und die prekär Beschäftigten verbringen ihre Nächte sowohl auf Drogenparties, als auch auf solchen, wo wenn ich es recht verstanden habe, Sadomaso betrieben wird.

Trotzdem steigt Aidan, der noch ein anderes Hobby hat, nämlich in seinem Keller sehr zum Mißfallen von Hannah gerne Drachen baut, beruflich auf und soll festangestellt werden.

Das ist für mich eine der berührendsten Stellen in dem Buch, wenn Aidan zu seiner Chefin Susanne sagt „Meinst du beginn ich, meinst du als Online-Redakteur? Mit Vertrag? Mit Urlaub und Krankenversicherung?“

Hannah, die auch schon auf so was hoffte, bekommt das nicht gut und das treibt die beiden, obwohl sie sich noch ein Drachentatoo stechen lassen, auseinander.

Denn da ist schon bei einer dieser wilden Parties ein Bill mit einem Raumanzug aufgetaucht und in den hat Aidan sich knallhart verliebt, obwohl er auch mit seiner Tätowiererin, denn man lebt in diesen prekären Kreisen in offenen Beziehungen, obwohl man das dann nicht gut aushält, etwas angefangen hat und der viel kürzerer zweite Teil des Buchs spielt in Amerika, denn es war ja der Traum des „Getriebenen“, wie auch im Klappentext steht, mit seinem Drachen dorthin zu einem Festival zu reisen und ihn dort verbrennen.

Da kann man sich auch nach der Sinnhaftigkeit des Lebens fragen und vielleicht war das auch Marianne Jungmayers Bestreben, das aufzuzeigen und in Frage zu stellen? Ihr neuer Anteil an der Literatur und sie tut das ohne jeden Zweifel mit einer sehr jungen flotten Sprache, von der ich, die fast Fünfundsechzigjährige, vieles nicht gleich verstanden habe.

Chrerry, Sam und Aidan reisen also nach Amerika zu Bill. Ein Teil des Drachen kommt dort nicht an und muß erst wieder nachgebaut werden.  Aber dann kann Aidan seinen Drachen  den Festivalteilnehmern schenken. Er wird von Bill, Cherry und Sam auch getauft, bekommt einen neuen Namen und das Leben geht weiter oder bekommt wahrscheinlich eine neue Form und einen neuen Sinn.

„Ein Roman über dieLiebe, die Freiheit, das Leben, voll schillender Farben, Magie und Musik“, steht am Buchrücken.

„Aha!“, kann ich nur sagen und fragend anmerken, daß ich den Sinn des Titels des Buches nicht verstanden habe und vielleicht auch kein so besonderer Fan von Marinanne Jungmaier bin.

2016-07-31

Sommernomaden

Filed under: Bücher — jancak @ 09:16
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Jetzt kommt ein Sommerbuch, zehn Stories von Marianne Jungmaier, die ja das „Saiko-Reisestipendium“ bekommen hat, die einen hinführen an die Orte dieser Welt und dennoch eigentlich viel weniger von den Städten oder Ländern, als von Lebensgefühlen und Beziehungen und, das alles in einer sehr poetisch schönen Sprache, die von vielen englischen Ausdrücken untersetzt ist, erzählen.

Ja, Marianne Jungmaier, 1985 geboren ist ein Kind der Achtzigerjahre aufgewachsen in den Neunzigern, „wo Bill Clinton Präsdient war, Dolly geklont wurde und der Disc- den Walk man ablöste“.

So reißt es die in Linz geborene herum, deren Debutroman ich im letzten Herbst gelesen habe und die ich auch einmal on der „Alten Schmiede“ hörte, sie reist herum und schreibt Briefe oder Mails, wie das  heutzugtage heißt aus allen Gegenden, die sie dann beispielsweise mit Erika Kronabitter bei den „Wilden Worten“, las.

In Indien erfährt man von ihrem Großvater, der aus Kroatien flüchten mußte und von Miro, der kein spanischer Maler ist, sondern Miriolsav heißt, ebenfalls aus Kroatien kommt und in Indien so eine Art Hostel zu betreiben scheint.

Ihn hat Marianne Jungmaier beziehungsweise die Ich-Erzählerin „im Reiseführer für Fremde, dem ungeschriebenen Atlas der Unbekannten, die man einmal Freunde nennen wird“, gefunden.

Sie wird ihn wieder verlieren, denn das Leben und die Reisen der Sommernomadin geht ja weiter und sie wird ihn auch so niemals wiedertreffen „weil wir nicht gleich bleiben. Weil die Person, deren Reiseführer wir lesen, eine andere sein wird, schon im nächsten Moment.“

Wunderschön poetisch ausgedrückt und schon geht es weiter nach Venedig oder an den Banhof von Linz, wo sie „Eli mit den braunen Lederschuhen, den dunkelgrünen Wollsocken und einer Plastikmargarite im kurzen blonden Haar „trifft, mit der sie in Vededig ihren Geburtstag feiern wird.

Die schenkt ihr schon in Salzburg ein blaues Kleid und sie wird sie, die „so viel Verständnis für Neurosen hat“, auch verlieren, „denn  sie kann nur dann ich sein, wenn sie alleine ist“, sie wird sie aber auch wiederfinden, denn der Geburtstag ist noch lang und sie wird ihre Küße auch elf Monate, bis zu Elis Geburtstag in „Stanniolpapier“ aufbewahren.

Nach Beldgrad in eine Stadt „in die man vor und während des Krieges offenbar nicht reiste“, ich war 1998 vor dem Kosovkrieg mit Anna und dem Alfred da um meine Tante Dora zu besuchen, geht es offenbar zu einer Lesung oder eine Kulturveranstaltung, dennnoch teilt sie mit Sergio, das Schlafsofa in ihrer Gastwohnung und denkt wieder an ihren Großpapa, der  von dort flüchtete und danach nach Norwegen ging, um dort eine neue Familie zu gründen.

In Berlin und London trifft sie sich  mit Mitgliedern ihrer „Reisefamilie“, die sie in Indien kennenlernte, besucht mit ihnen Nachtlokale, wo man  der Drogen wegen, die man später konsumieren wird, besser vorher den Weg am Handy markiert, hat mit ihnen Sex und man sieht, wie die Geschichten zusammenhängen und das Leben und die Beziehungen einer modernen Reisenomadin aussehen kann, während sie nach Island, eine sehr starke Geschichte, offenbar mit ihrer Mutter reist, mit der sie Schwierigkeiten hat.

Sehr zart werden die Differenzen, das Ausweichen und das Nichtaushalten von Nähe angedeutet, die nur „sie“ genannte Reisepartnerin zahlt für sie, was der Erzählerin Schwierigkeiten macht, denn „wo bleibt da der Ausgleich des Gebens und Nemens?“

In „Die Heimat der Kolibris“ geht es nach Brasilien, das Land der Zukunft, wie Stefan Zweig vor über siebzig Jahren schrieb.

Marianne Jungmaier wird es anders erlebt haben, geht es doch mit einer Nachbarin, der deutschen Wiebke oder Wi zu einer Caroline, die sie im Flugzeugt kennenlernte und die ihr auffiel, weil sie dort die Decken einsammelte, dann erzählte sie ihr, daß sie einer Religion angehöre, die ihre Feste mit einer drogenähnlichen Substanz zelebriert. Zu so einer Zeremonie, wo alle weiß gekleidet sind, brechen die beiden auf und die Kolibris, die Namengeber der Geschichte, flirren ums Haus.

In Schottland geht es wieder in ein „Writer Retreat“ oder zu einem Stipendienaufenthalt, wie sich die prekären Arbeitsverhältnisse aufstrebender Jungautoren abzuspielen scheinen und zwar in ein ganz spezielles, in ein Schloß einer alten Dame namens H, das von einem Manager geleitet wird, der gleich beim Ankommen erklärt, „daß es der Ettikette entspricht, daß sich Günstlinge und Gebende nicht begegnen“.

Ja, es ist hart  das Mäzenatentum auch noch im einundzwanzigsten Jahrhundert und die Jungautoren sind wohl auf solche Begünstigungen angewiesen, so sind gerade  zwei Frauen und zwei Männer anwesend. Namen darf der Manager nicht nennen, es gibt drei Mahlzeiten am Tag, eine große Bibliothek, aber kein Internet und auch keine Möglichkeit außer halb des Parkes die Gegend zu erforschen oder einkaufen zu gehen. Denn das Schreiben ist das Wichtigste. Begegnungen mit den anderen Günstlingen gibt es also nur beim Frühstück mit der selbstgemachten Zitronenmarmelade oder abends beim drei- oder viergängigen Dinner. Da huscht dann auch manchmal die Mäzenin, begleitet von einem Gewehr vorbei und Marianne Jungmeier hat Zeit an ihren Texten zu arbeiten oder  eine makaber schöne Geschichte zu schreiben.

Es geht dann noch nach Nevada  und am Schluß nach Kerala zu einem Jogalehrernamens Steve, der mit einem Scooter fährt und mit dem sie Silvester verbringt, womit sich der Kreis wieder schließt und wir sind an den Anfang der Geschichten  zurückgekommen, die von Trennungen und Begegnungen, sich Verlieren und dem Wiederfinden, Sex, Drogen, Vegie-Momos, Cuppuccinis, Keksen, etcetera handeln und, wie nicht nur der letzte Text zeigt, nicht nur im Sommer spielen.

Der Klappentext hat noch ein Foto der sehr fotogenen jungen Frau, die vor einem Stapel alter Koffer posiert, wahrscheinlich ist sie eher mit Rucksack und Trolley losgereist, um „Ihre Geschichten aus dem Inneren der Ferne voll magischer Momente und einzigartiger Begegnungen“, wie am Buchrücken steht, zu erleben.

2016-05-03

Bleistift, Heft, Laptop und George Saiko-Reisestipendium

Im Literaturmuseum wurde am 15. April die erste Sonderausstellung, kuratiert von Angelika Reitzer und Wolfgang Straub, die zehn lebenden österreichischen Schriftstelletrn gewidmet ist, eröffnet, da war ich bei „Literatur und Wein“ in Göttweig, aber seit einiger Zeit kann man an den Tagen, an denen es eine Veranstaltung gibt, von sechs bis neun gratis ins Museum  und heute, wo das „George Saiko Reisestipendium“ an Marianne Jungmaier vergeben wurde, hat es besonders gepasst, da die Veranstaltung schon vor acht zu Ende war, also noch eine Stunde Zeit für die Ausstellung  denn ich bin natürlich erst zwanzig nach sechs in den zweiten Stock gekommen und da wäre es sehr knapp geworden, sich  die Räume von Brigitta Falkner, Hanno Millesi, Richard Obermayr, Teresa Präauer, Kathrin Röggla, Ferdinand Schmatz, Clemens J. Setz, Thomas Stangl, Gerhild Steinbuch und Anna Weidenholzer anzusehen und sich noch in die entsprechenden Bänder einzuhören.

Obwohl mir ja fast alle der genannten Autoren bekannt sind, denn das habe ich ja schon vor einem Jahr bei der Eröffnung des Literaturmuseums festgestellt, es ist eines, wo man, glaube ich, gewisse literarische Kennnisse haben muß, um sich auszukennen. Was mir, da das Museum ja höchstwahrscheinlich von Touristen und Schulklassen besucht wird, ein wenig schwierig erscheint und die Ausstellung war, als ich hinaufgekommen bin auch ziemlich leer.

Eine einzige Besucherin habe ich dann kurz gesehen und ein wenig tut es mir auch leid, nicht bei der Eröfnung gewesen zu sein, denn da hätte Angelika Reitzer das Konzept vielleicht erklärt.

Also so hinein in die Räume mit dem denkmalgeschützen historischen Regalen auf denen sich sehr viele Gegenstände, Bilder, Bücher und auch Buchattrappen tummelten.

Angefangen habe ich mit Thomas Stangls Vitrine, von dem habe ich einiges gelesen und gehört, war er ja der erste „Alpha Preisträger“, „Fried Preisträger„, glaube ich, auch und hatte Bücher auf der Longlist des DBps, was die in seiner Vitrine ausgestellten Gegenstände und Filmausschnitte darstellen sollten, habe ich nicht recht verstanden.

Anna Weidenholzer deren literarischen Aufstieg ich ja schon von Anbeginn verfolgte und „Der Winter tut den Fischen gut“ dreimal zugeschickt bekommen habe, hatte einige Buchattrappen, die interessant waren, sich vorzustellen welche Bücher sie beschäftigen, die von Angelika Reitzer waren, glaube ich auch dabei.

Und Teresa Präauers Darstellung fand ich, glaube ic,h als die interessanteste. Die zeigte ihre „Bleistiftkinder“, ein Bild von ihr, das sonst meistens fehlte, wie, glaube ich, auch, wenn ich nicht etwas übersehen hätte, der Lebenslauf und dann gab es noch einen sehr amusanten Text „Was hat Schreiben mit Zeichnen zu tun, Frau Prepichler, Mag Prammer, etcetera.

Von Hanno Millesi, den ich ja sehr gerne mag, gab es einige seiner sehr skurillen Texte, zum Beispiel, den, wo er sich in einer Wäschekiste versteckt, aber auch einen über seine Bibliothek, die er dann verrückte, zu sehen und zu hören.

Richard Obermayrs Präsentation muß ich gestehen ist mir fast entgangen und so kann ich mich, glaube ich, nur an seine zwei Bücher, der „Gefälsche Himmel“, habe ich mal gelesen und nicht verstanden und „Das Fenster“ erinnern. bei Setz war es auch eher schwierig und geheimnisvoll, den habe ich aber extra gesucht und fand ein paar Bilder, die seinen Werken zugeordnet waren.

Von Kathrin Röggla gab es einen Tisch, einen Computer ein Telefon, das ständig klingelte, „Bitte abheben!“, stand auf einen Zettel daneben, das habe ich mich nicht getrraut,  Videos, die ihre Werkbesichtigungen, beispielsweise das eines Atmomkraftwerks, wo man sie mit einem Helm sehen kann, gibt es auch.

Bei Gerhild Steinbuch, einer jungen Grazer Dramtikerin, die wie einige anderer der Ausgestellten auchden Priessnitz-Preis bekommen hat, ging es um die Schönheit und ihr Textausschnitt erinnerte mich stark an die Jelinek.

Ferdinand Schmatz wurde ausgestellt und Brigitta Falkner mit Texten aus ihren Büchern, die ich glaube ich schon mal in der alten Schmiede oder anderswo hörte.

Habe ich wen vergessen? Natürlich viele österreichische Autoren, aber niemanden der zehn von Angelika Reitzer kuratierten, so daß man wenn man diese Ausstellung verstehen und verstanden kann, einen Teil, aber nur das der österreichischen Gegenwartliteraturlandschaft kennt.

Ein paar andere kann man in den inzwischen schon über 2600 Artikeln dieses Blogs finden, ich sage ja immer, ich habe auch ein Literaturmuseum und dann ging es schon hinunter, beziehungsweise, nachdem ich ein paar der Bänder gehört habe, in den sehr leeren Vortragsraum, denn wahrscheinlich war  die  Tatsache daß es ein „Georg Saiko Stipendium“ gibt nicht so bekannt.

Der von 1892 bis 1962 lebende Schriftsteller gehört, glaube ich, auch eher zu den schwer verständlichen.

Es gab einmal ein ihm gewidmetes Symposium in der „Gesellschaft der Literatur“ und eines seiner Bücher habe ich, als ich 1975, glaube ich, in Hamburg bei dem Workcamp war, gelesen, aber nicht verstanden und ich kann mich eigentlich  gar nicht erinnern, ob es sich dabei um „Auf dem Floß oder „Der Mann im Schilf“ handelte.

Es kam dann bald ein jüngerer Mann an das bereitgestellte Pult, entschuldigte Klaus Kastberger, den Präsdienten oder Vorstand der „Saiko Gesellschaft“ und erklärte, daß der eine Stiftung hinterlassen hat, um Schriftstellern ein Reisestipendium zu ermöglichen und nachdem seine Witwe, den Nachlass an die Nationalbibliothek verkaufte, wurde es schon neun mal vergeben, beziehungsweise ist Marianne Jungmaier, eine begnadete Reisende, die in Berlin lebt, aber lange keine Wohnung hatte, die heurige Preisträgerin, die den Scheck mit den siebentausend Euro entgegennehmen durfte.

Eine Kostprobe habe ich davon ja schon im Amerlinghaus im Duett mit Erika Kronabitter gehört, jetzt las sie nach der Eröffnungsrede aus ihrem „Tortenprotokoll“, bei den acht anderen Stipendiaten hadelt es sich um Oswald Egger, Brigitta Falkner, Josef Winkler, Olga Flor, Ann Cotten, Sabine Scholl, Dimitre Dinev und Thomas Stangl und zwei davon sind ja auch in der Sonderausstellung zu sehen.

„Wenn man eine Reise tut, so kann man etwas erzählen“, hat dann noch Sebastian Fasthuber, in seiner Laudatio gemeint, daß das seine Oma immer gesagt hätte, obwohl die nie verreist wäre.

Schriftsteller tun das aber gerne, um zu recherchieren und zu schreiben und so kann man wohl gespannt sein, was Marianne Jungmaier, deren nächstes Buch schon im Juni wieder bei „Kremair &. Scheriau“ erscheint , nach ihren Reisen schreiben wird.

Ich bin ja wie wahrscheinlich bekannt nicht so besonders reisesüchtig, sondern eher ein Sommerfrischentyp, obwohl wir bei einer der Schreibgruppen ja auch das Thema Reisen hatten und ein paar Fahrrad- und andere Reisen, mit den entsprechenden Blogberichten habe ich auch schon gemacht, obwohl ich nie ein Reisestipendium in Anspruch genommen habe und auch nirgends „Writer in Residence“ war, außer daß ich mich selber einmal zur Stadtschreiberin von St. Pölten machte.

2016-01-11

Wieder zu den Wilden Worten

Richard Weihs

Richard Weihs

20160111-211803

Die neuen Jahr Veranstaltungen haben nach der Schreibgruppe am letzten Donnerstag für mich mit den „Wilden Worten“ angefangen, wo ich, glaube ich, schon länger nicht mehr war, aber gleich alte Bekannte, nämlich Erika Kronabitter die schon einmal hier gelesen hat und  Marianne Jungmaier, deren Debutroman ich vor kurzem las, die von Erika Kronabitter und Petra Ganglbauer herausgegebene Anthologie „Aus Sprache“, wo immer fünf ältere Autorinnen mit fünf jüngeren Autorinnen einen Dialog führten, vorstellten.

Ausgehend von  einem Friederike Mayröcker Zitat haben Erika Kronabitter und Marianne Jungmaier ihren  poetischen Dialog,  in Briefform geführt, denn die  1985 in Linz geborene Marianne Jungmaier scheint sich viel auf Reisen zu befinden,  ist auch jetzt aus Berlin gekommen und gleich nach Linz weitergefahren, wo das Buch morgen  nochmals vorgestellt wird.

Begonnen wurde der Dialog im Oktober 2014 zu einer Zeit, wo Friederike Kronabitter gerade ihr „Friederiken-Buch“ zum neunzigsten Geburtstag zusammen stellte und in dem Zitat, geht es ums Schreiben und, um die Demut, die FM davor, empfindet, während sich andere Schriftsteller „voll Arroganz und Stolz von dem ihrem“ sprechen.“

Die beiden Autorinnen erläuterten  ihre Sicht auf das Schreiben und wie es ihnen damit ging, dazwischen kamen immer wieder Landschaftsbeschreibungen von Marianne Jungmeier, die inzwischen Spanien, Brasilien, Amsterdam etcetera bereiste und im Jänner 2015 kam für Erika Kronabitter der politische Schock durch die Anschläge in Paris und verschiedene Meldungen über Gewalt an Frauen, die sie in dieser Zeit erfuhr.

Schlag um Schlag ging der Mailwechsel zwischen den beiden Autorinnen hin und her, „denn wenn man von wo ausgeht, weiß man nie wo man ankommen wird“, hat Richard Weihs die Veranstaltung sinngemäß eingeleitet, die heuer schon in das zwanzigste Jahr ihres Bestehens geht.

Erika Kronabitter

Erika Kronabitter

Marianne Jungmaier

Marianne Jungmaier

Nachher gab es eine Diskussion, wo der anschließend lesende Anton Mantler, die Mischung zwischen Poesie und Politik sehr lobte und sich auch von dem Mayröcker Zitat mit der Demut vor dem eigenen Schreiben sehr angetan zeigte. Ich denke dagegen, daß ein bißchen Stolz auf seine Arbeit schon sehr wichtig ist, denn wenn man immer nur in Demut verharrt, kommt man vielleicht nicht weiter und die Frau Mayröcker hat ja bereits das höchste Niveau erreicht.

Außer Erika Kronabitter und Marianne Jungmaier sind noch Petra Ganglbauer und Sophie Reyer, Patricia Brooks und Judith Nika Pfeifer, Karin Ivancsics und Katharina Tiwald, sowie Ilse Kilic und Melamar in dem Buch vertreten, also einige Autorinnen, die auch schon bei den „Wilden Worten“ gelesen haben. Sehr künstlerische aber auch sehr verfremdete Fotos, so hätte ich Petra Ganglbauer fast nicht erkannt, gibt es auch in dem Band.

Nachher las wie schon erwähnt der ehemalige Wien-Bibliothek Bibliothekar und GAV-Mitglied Anton Mantler seine Gedichte und die Wunschgedichte vom letzten Mal gab es natürlich auch und da habe ich mir gleich vorausschauend für mein „Work on Progress“, von dem ich stolz erzählen, daß es schon vier Szenen und  5276 Worte gibt, ein Gedicht zum Thema „Transgender“, das mit den Worten „Paul und Paula“ beginnt und die Worte rotes Seidenkleid, schwarze Stöckelschuhe und Schirmmütze enthält, gewünscht.

Mal sehen, vielleicht ergibt sich, wie in der „Anna“ ein Wunschgedicht als Motto und was das Schreiben an meinem Romanprojekt betrifft, kann ich sagen, es geht gut voran.

Es gibt jetzt keinen Prolog, sondern abwechselnd eine Paul beziehungsweise Paula Szene, die ersten vier spielen in einem Szenelokal namens „Villa“, dann wird Paul seine Schwester Irene besuchen, Paula über den Donaukanal joggen und dort angemacht werden und am Donnerstag singt  Paul im schwarzen Seidenkleid für Paula „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“, den berühmten Zarah Leander Hit.

So hantle ich mich von Szene zu Szene voran und es wird immer plastischer, verschiedene kleinen Szenen fallen mir ein, die ich verwenden kannte, obwohl ich, wohin es gehen wird, ob die Beiden sich bekommen werden beispielsweise oder nicht, noch immer nicht sehr klar ist.

So gesehen geht es mir ganz wie Tillmann Rammstedt, der  sein Romanprojekt „Morgen mehr“  begonnen hat und im ersten Kapitel auch darüber schreibt, daß er schon alles  weiß, „den Anfang, den Mittelteil und den Schluß es  aber doch ein Problem gibt…

Bei mir ist nicht so viel klar, einige Details aber schon und es macht Spaß sich durch die Geschichte zu hanteln, mal sehen, wie weit ich komme, und wann ich das nächste Mal anstehen werde?

Von den heutigen Wilden Worten im „Amerlinghaus“ ist noch zu sagen, daß außerdem noch Margit Heumann und Judith Gruber-Rizy, die ihr neues Buch im Februar bei „Thalia“ auf der Mariahilferstraße vorstellt, gekommen waren und Roman Ludwig Fleischer das nächste Mal bei den Wilden Worten lesen wird.

2015-10-03

Das Tortenprotokoll

„Ein Roman über das österreichische Rezept, sich die Vergangenheit und deren Schmerz mit Torten und Tascherln vom Leib“ zu halten“, steht am Buchrücken von Marianne Jungmaiers bei „Kremayr und Scheriau“ erschienenen Debutroman „Das Tortenprotokoll“, in dem die Ich-Erzählerin Friederike von ihren Eltern aus Berlin in das heimatliche Dorf geholt wird, weil die Großmutter gestorben ist.

Und die 1985 in Linz geborene Marianne Jungmaier, eine sich in einem Polstersessel räkelnde junge Frau mit rot geschminken Lippen, schwarzen Pulli, schwarzen Stiefelchen und Leggings im Leopardenmuster, die digitales Fernsehen, Filmwissenschaften und Journalismus studierte, seit 2011 freischaffende Autorin ist, lebt auch in Berlin und anderswo, wie am Klappentext zu ersehen ist.

Ich habe sie einmal bei einer Lesung in der „Alten Schmiede“ gehört, werde sie wahrscheinlich auch bei ihrer GAV-Antrittslesung am 23. Oktober hören und war vor einigen Tagen bei der Vorstellung des jungen Literaturprogramms, das es jetzt bei „Kremayr und Scheriau“ gibt.

Sie sei auf Marianne Jungmayr bei einer Lesung im Salzburger Literaturhaus aufmerksam geworden, erklärte dort, glaube ich, die Lektorin Ursula Eibel und das Buch ist, wie wahrscheinlich viele Debutromane in einer schönen, vielleicht ein wenig widersprüchigen Sprache geschrieben „Ich habe noch nie jemanden verloren, jedenfalls nicht absichtslos“ oder „Tobi, mit dem ich aufgewachsen war, der mir mehr Bruder war als meine Schwester“, wahrscheinlich hat sie auch an der „Leondinger Akademie“ studiert, auf jedenfalls wird Gustav Ernst am Schluß gedankt und beschrieben wird, wie wahrscheinlich auch in vielen Debutroman, die Kindheit und das Aufwachsen in der Provinz.

Trotzdem ist das Dorf, in dem Friederike, sie heißt so, wie ihre Großmutter, eigentlich keines aus den Achtziger und Neunzigerjahren, zumindest erinnert es mich stark an die, die ich aus den Fünfziger-und Sechzigerjahren kenne.

Da stehen die Marmeladegläster in den Kellern auf den Regalen und die Großmutter, die wieder einerseits als strenge Frau geschildert wird, die Fliegen tötete, andererseits aber der Sehnsuchtsort der kleinen Friederike war, denn bei ihren Eltern ist es noch gefühlloser zugegangen, denn die haben ihr in Friederikes Empfinden immer signalisiert, nicht erwünscht zu sein, stand den ganzen Tage in der Küche, buk Torten, kochte ein, versorgte die Hendln und das Gemüse und sie versorgte auch noch einen anderen Haushalt. Wohnte sie doch in einem Ausziehhäuschen, zwischen dem Haus von Friederikes Eltern und denen von Tobi und der war Friederikes Jugendfreund und Spielkamerad und  dessen Großvater Emil, seine Mutter war depressiv, der Vater sonst irgenwie unbrauchbar, die Großmutter versorgte. Der ist dann gestorben, als die Kinder sechs und sieben  waren und jetzt kommt Friederike heim, um am Begräbnis der Großmutter teilzunehmen, das ihre Eltern und ihre Schwester schon eifrig vorbereiten. Sich darum kümmern, wer eingeladen wird, was es zum Essen gibt. Sonst wird über Gefühle nicht geredet. So geht Friederike in das Haus der Großmutter und sucht nach dem „Tortenprotokoll“, das ist die Rezeptsammlung der Großmutter, in der sie alle Zutaten für die Apfel-und die Eierlikörtorten aufnotierte und in dem findet sie  einen Liebesbrief, in dem ein Mann in schönen Worten von seinen Gefühlen zu der Großmutter schreibt, von Gefühlen für die in der Familie nie Zeit war oder die immer über  das Essen von Torten, Mehlspeisen, Keksen ausgetragen wurden.

Vom Übergewicht ist in dem Buch eigentlich nie die Rede, immer nur von der Gefühls-und Lieblosigkeit und so beliben auch die Gefühle Friederikes zu Tobi, dem Jungenfreund irgendwie vage.

Nach dem Bebgräbnis verläßt sie jedenfalls den Ort mit Gegenständen aus ihrem Jungendzimmer, das sie in der Nacht ausräumte und dem Tortenprotokoll, das inzwischen von anderen Verwandten gesucht und nicht gefunden wurde, um nach Berlin zurück zu kehren, wo sie zwar keine Familie, aber offenbar eher eine Heimat hat und man weiß nicht recht, ob sie ihm böse ist, weil er von dem Geheimnis der Großmutter zu seinem Großvater wußte, es aber niemanden in der Familie verraten wollte und auch den Vater kann sie nicht verstehen, der nicht reagiert, als sie ihm einen der Liebesbriefe vorliest.

Denn das kann es doch nicht geben, eine Liebe zwischen einer alten Frau und einem alten Mann, die Großmutter sollte nach dem Krebstod des Großvaters gefälligst mit den drei Kindern allein zurückbleiben und deshalb hat sie sich in dieser Sprach- und Gefühllosigkeit wahrscheinlich auch für die Heimlichkeit entschieden und darauf verzichtet, mit Emil Reisen auf Reisen zu gehen und ist stattdessen jeden Tag in sein Haus hinübergegangen, um ihm und wahrscheinlich auch Tobi und seinen Eltern, die schönsten Torten, Strudeln, Kuchen zu backen.

Ja Liebe geht durch den Magen und Linz  ist nicht so weit von dem Ort entfernt, wo Thomas Bernhard seine  Schimpftiraden auf dieses böse Österreich und dessen Gefühlskälte schrieb.

Ein Roman in dessen Tradition wahrscheinlich, der mir in seiner österreichischen Art gefallen hat, obwohl es  nicht wirklich etwas Neues ist, was diese junge Frau erlebte. Man kann es wahrscheinlich in vielen Debutromanen lesen und, ob man die zwei Tortenrezepte, die in dem Buch enthalten sind, nachbacken kann, müßte  ich erst ausprobieren.

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