Literaturgefluester

2019-01-30

Vor dem Erscheinen

In der „Alten Schmiede“ hat Kurt Neumann, der ja seit Herbst nicht mehr das literarische Quartier leitet, aber noch Veranstaltungen macht, eine neue Reihe eingeführt, wo er und das ist sehr sehr interessant und kann ich nur ganz ohne Werbung sehr empfehlen, jeweils einen Autor sein noch nicht erschienenes Buch vorstellen läßt.

Das gab es schon einmal mit Franzobels „Floß der Medusa“, diesmal ist aber fast ein ganzes Symposium daraus geworden. Jedenfalls haben die „Gesellschaftsräume der Literatur“ mit Marlene Streeruwitz schon um fünf angefangen und die ersten beiden Reihen waren für ein Literaturwissenschaftlerteam reserviert und die gesellschaftlichen Räume sind, glaube ich, auch für Marlene Streruwitz reserviert, ist sie ja eine politische gesellschaftspolitische Autorin, die sich kein Blatt vorm Mund nimmt und auch schon eine Reihe von Wahlkampfromane geschrieben hat, die sie auf ihrer Website veröffentlicht.

Der neue Roman soll „Flammenwand“ heißen, im Mai bei „Fischer“ erscheinen und die Vorpräsentation wurde, wie schon erwähnt literatur- und politikwissenschaftlich sehr genau eingeleitet.

Zuerst hat es aber mit den Lesererfahrungen der Kindheit begonnen und da hat sich die 1950 geborene den 1949 geborenen Sprachlehrer und Freund Kurt Freimüller eingeladen, der auch ein Vielleser ist, wie Kurt <neumann einleitete und der hat ein katholisches Kinderbuch mitgebracht, das auch Marlene Streeuwitz in ihrer Jugend gelesen hat, wo es, um arme fromme Knaben, die von bösen Türken ausgebeutet werden geht und um fromme Mädchen,  die mit einem oder für ein Röslein für den lieben Gott sterben.

Arg oder eigentlich schon fast lustig und mir dem sozialistischen Arbeiterkind, das  mit Vera Ferra Mikura aufgewachsen ist, eher unverständlich, aber so war wahrscheinlich die Kindheit auf dem Land und dann ging es weiter mit Konstanze Fliedl, der Professorin für Literatur, die gleich mit der literarischen Modernen weitermachte, dabei Hofmannsthal, Ödon von Horwath, Kraus und Doderer erwähnte und den letzten beiden oder auch dem ersten scheint Marlene Streeruwitz die kritische sehr kritisch gegenüberzustehen. Dann wurde es politisch, es kamen nämlich zwei Politwissenschaftler und denen hat Marlene Streerwitz offenbar ein Protokoll oder ein Tagebuch geschickt, wo sie genau die politischen Ereignisse des Jahres 2018, also da, wo die neue Regierung die Mindessicherung einsparen und den syrischen Flüchtlingen, die Lehrstellen, etcetera verweigern will, aufnotierte und das irgendwie in Fußnoten oder sonstwie in ihren Roman einbauen will.

Die vierte Strecke war dann wieder der Literaturwissenschaft gewidmet und da zog Mandy Dröscher Teille einen Bogen sämtlicher Frauengestalten der Marlene Streerwitz und stellte Verbindungen zu ihnen her, die neue ist eine zweiundfünzigjährige Lehrerin namens Adele, die in ein Sabbatical geht, dabei nach Stockholm fährt und dort den winter kennenlernt, wie Marlene Streerwitz beziehungsweise die Literaturwissenschaftler schon verraten haben.

Dann gab es eine Pause und dann ist es in den Keller gegangen, das heißt vorher konnte man dem Lektor Roland Spar und Daniela Strigl, die offenbar von Bremen schon wieder zurück ist, sagen was man noch diskutiert haben wollte, denn es gab dann eine Lesung und noch ein Gespräch aus oder über den Roman, wo sich aber, was eigentlich sehr schade ist, das Publikum nicht direkt beteiligen konnte.

Eigentlich sehr schade, denn Marlene Streerwitz ist ja eine begnadete Rednerin und hat viele Ideen, wo ich ihr gerne auch bei einigen widersprochen hätte, aber ich bin ja nicht so sprachgewandt und hätte wahrscheinlich auch keine Chance gehabt bei ihr durchzukommen. Denn die Veranstaltung über ein Buch mit dem Lektor und der Autorin ein viertel Jahr vor dem Erscheinen zu reden, ist ja sehr spannend und auch sehr ungewöhnlich, wenn ich an die Sperrfristen und die Spoilerdiskussionen denken und Marlene Streeruwitz eröffnete die Diskussion auch gleich in dem sie die Veranstaltung mit einem noch nicht eingefrorenen Steak oder Hendl verglich, denn wenn es erst in die Buchpreise geht, meinte sie ist es zu spät und man kann an dem Text nichts mehr ändern.

Man kann das zumindest was die E-Bookschiene betrifft, glaube ich, schon, bei Blogromanen kann man das auch und spannend ist auch die Frage, ob das Buch, wenn es dann erschienen ist, auf der öst oder dBp Liste stehen wird oder vielleicht gar den österreichischen wenn schon nicht den deutschen Buchpreis bekommt, nominiert wird es sicher werden, wenn sich Marlene Streeruwitz, die sich ja schon vorher sehr kritisch draüber äußerte, nicht verweigert, bestimmt und spannend ist ja auch, daß ich  fast ein ähnliches Projekt hinter mir haben, nämlich die politischen Ereignisse von 2017 in der „Unsichtbaren Frau“ verarbeitet und da habe ich ja auch einige Male noch vor dem Erscheinen und natürlich mit viel kleineren Publikum und mit viel weniger Aufwand daraus gelesen. Mir ist also das noch nicht eingefrorene Lesen vertrauter als das andere und in dem Roman geht es was ja auch vielleicht ein Parallele zu meiner Amanda ist, auch um Stockholm und auch um eine Lehrerin für Deutsch als fremdsprache.

Ansonsten scheint es auch noch um vieles andere zu gehen, um Liebesverweigerungen, einen plötzlich auftauchenden Hermelin, ein Mann, der eine Frau nicht anruft oder vielleicht betrügt, um mehrmals wiederholte Sequenzen und wenn ich es richtig verstanden habe, vielleicht auch um eine Psychose.

Das versteht die Psychologin vielleicht so oder würde es so interpretieren, Marlene Streuwitz hat da eher von den Kränkungen der Frau gesprochen und jene Adele scheint, obwohl sie alle Chanzen hatte und im materiellen Wohlstand lebt, sehr gekränkt und da denke ich, die ich mir ja manchmal die Vedeos der Rechten anhöre, die ja  lautstark verkünden,  daßeine Frau nicht mehr alleine auf die Straße gehen kann, ohne gleich vergewaltigt zu werden und die sich ja auch über das dritte Geschlecht oder, daß die Stadt Hannover eine gendergerechte Sprache in den Ämtern einführen will, sehr mokieren, daß wir sehr aufpassen müßen, da nicht einen großen Rückschritt zu erleben.

Aber marlene Streeruwitz ist ja sehr emanzipiert und was die Austriazismen in ihren Büchern und wahrscheinlich auch ihre Arbeit mit den Lektoren betrifft sehr priveliegiert, ihre Frauengestalten haben sich schon sehr weiterentwickelt, sind vielleicht auch nicht so glücklich geworden und wenn ich es wieder richtig veranstanden habe, hat Marlene Streeruwitz auch von einer Schreibkrise gesprochen, in die sie gefallen ist, wo sie eigentlich nicht mehr schreiben wollte, das aber doch getan hat und im Mai wird das Buch, das sich vielleicht durch die  Diskussion noch ein bißchen verändert hat, erscheinen und das ist sehr interessant, wenn es auf die buchpreisliste kommt, werde ich es vielleicht lesen und dann bestimmt an den Diskussionsabend zurückdenken, der einen wirklich den Literaturbetrieb hautnah erleben ließ und das ist mir, die ich ja meine Schreibprozesse auch immer veröffentliche und die daran interessierten hautnah mitnaschen lassen, eigentlich auch sehr vertraut.

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2017-05-27

Yseut

Jetzt kommt das dritte Geburtstagsbuch von meiner Leseliste, nämlich Marene Streeruwitz „Yseut“, die, wie man dem Buchrücken entnehmen kann, ihre Autobiografie in Form eines Abenteuerromans in siebenunddreißig Kapiteln erzählt.

Ja, die 1950 Geborene liebt es mit den Genren zu spielen und sich auch einmal in die Trivialliteratur zu begeben und sie verblüffte mich auch, daß sie, als ich das Buch ja für Stephan Teichgräbers „Centrope-Workshop“ analysieren wollte, schon auf Seite elf mit dem „Präfix“ kommt.

Sie ist aber eine, die wenige Metaphern verwendet, ihre oft sehr kurzen Sätze immer wieder abhackt und unvollendet läßt und dann gibt es auch immer wieder die so typischen Strreruwitz -Phasen:“Yseut hat dann…“. zum Beispiel oder „Yseut mußte lachen.“

Ich habe dank der offenen Bücherschränke beziehungsweise den Geburtstagsgeschenken schon sehr viel von Marlene Streeruwitz gelesen, war auch bei einigen ihrer Veranstaltungen und da fällt sie durch ihre starke Gesellschaftskritik auf.

Sie fährt gegen die Gewalt der Männer  und der Gesellschaft ins Feld, macht sich über alles lustig und hat eine sehr starke Sprache mit sicher einigen Übertreibungen dabei.

Ich habe nicht so ganz problemlos zu Marlene Streeruwitz gefunden, habe einiges von ihr, beispielsweise „Die Schmerzmacherin“ glaube ich, auch recht schwierig zu lesen gefunden.

Bei „Yseut“ war das nicht so, da habe ich diesen „Abenteuerroman trozt seiner wahrscheinlich gewollt und konstruierten trivialen Handlung und der eher einfachen Sprache, die auch von den „Amazon-Rezensenten“ prompt bemerkt und bekritelt wird, sehr spannend gefunden und das Buch auch gern gelesen.

„Verschlungen!“, würden die Blogger wahrscheinlich sagen und was mir dabei auffiel, ist die Passivität womit sie ihre Protagonistin beschreibt. Ist doch die Yseut eine, die alles mit sich machen läßt, mit den Männern wahllos ins Bett geht, mit ihnen von einem Abenteuer zum anderen taumelt, was mich bei einer so kritischen Person, wie es Marlene Streruwitz sicher ist, ein wenig wunderte.

Aber wahrscheinlich war das so in den fünziger und sechziger Jahren, in denen sowohl Yseut, als auch Marlene Streeruwitz aufgewachsen ist. Interessant ist auch, daß Yseut in dem Buch als „alte Frau“ beschrieben wird, aber so verhält sich sich gar nicht. Sie verhält sich eher, wie eine junge, die sich durch das Leben und durch die Betten treiben läßt.

Yseut ist also im Nachkriegs-Wien aufgewachsen. Die Mutter war berufstätig, der Vater Frühpensionist und mußte von ihr mitversorgt werden. Es gibt zwei Großmütter. Großmutter Münster und Großmutter oder Oma Köbrunner werden sie genannt, was auch typisch Streeruwitz ist.

Das Buch wird in in zwei Handlungssträngen erzählt. Es gibt Kapitel mit Überschriten, wie „Wie es kam, dass Yseut nach Kalifornien ging und Feministin wurde“, beispielsweise, in dem Yseuts bisheriges Leben erzählt wird.

Yseut ist die alt oder mitteldeutsche Form von Isolde und Yseut wird  abwechselnd Isabella, Yseut falsch oder richtig ausgesprochen, Isi oder Isilein genannt. Ein Buch aus dem Bücherschrank des Vaters kommt vor, daß Yseut, als Kind lesen durfte und ihre Verehrung für Lord Byron.

Yseut besucht zu erst das „Sacre Cour“, dann die öffentliche Volksschule, als sich die Mutter, die Privatschule nicht mehr leisten kann, studiert Linguistik, heiratet früh und geht mit ihrem Mann Ed nach Amerika. Dort wird sie Bigamistin, bekommt von einem anderen Mann ihren Sohn Gogo, kehrt nach Wien zurück, geht dann als Schauspielerin nach Frankfurt, erlebt die wilden und die weniger wilden Zeiten, bis zu dem Überwachungsstaat in dem das Buch, es dürfte sich, um eine nahe Zukunft handeln, denn das Geld ist schon abgeschafft, spielt und da in dem zweiten Handlungsstrang reist Yseut auf den Spuren Byrons nach Italien, mietet sich dort in eine alte Villa ein, wo das Zimmermädchen knickst und Rüschen trägt. Eine Contessa, die Besitzerin im Salon sitzt und als Yseut nach einem Restaurant fragt, ihr gleich die Gesellschaft eines alten Mayors, der offenbar eine Kehlkopfoperation hinter sich hat, vermittelt.

Hinter Yseuts Brokatbett halten sich grüne Wanzen auf, vor denen Yseut sich ekelt. Sie wickelt sie in Handtücher und hält sie, während sie mit dem Mayor in das Restaurant fährt mit ausgespreitzten Fingern aus dem Autofenster.

„Grüne Wanzen gibt es nicht!“, hat Stephan Teichgräber bei der Analyse zu mir gesagt. Richtig wahrscheinlich und es gibt noch vieles anderes nicht, was in dem Buch vorkommt. Denn Yseut gerät gleich in einen ganzen Trubel von Trivialitäten. Die Mafia, die Geheimpolizei und jugendliche Gewalttäter tauchen auf und Yseutt, das habe ich jetzt vergessen, die eine Pistole mit sich trägt, wird gleich am nächsten Tag von der Polizei verhört, weil sie einen falschen Namen angegeben hat, sie nannte sich „Isabella“, aber das ist ja die französische oder was auch immer Form von Isolde und hatte die Waffe trotz Waffenschein nach Italien geschmuggelt, aber die hat ihr der Mayor ohnehin schon  abgenommen.

Ein geheimnisvolles Altersheim kommt vor, wo die Insassen in Sechzigerjahrekleider fröhliche Feste feiern und vor der Villa gibt es ein Barockkonzert, während Yseut von einer Flüchtlingsfrau nach Lebensmittel gefragt wird, die sie dann gemeinsam mit der Contessa in eine Fattoria schmuggelt, wo sich einige Flüchtlingskinder versteckt haben.

Sehr aktuell also Marlene Streeurwitz Autobiografie und sehr amüsant zu lesen, denn man merkt den Spaß, den die Autorin hat, wahrscheinlich alle an der Nase herumzuführen und die Literaturkritiker zu verwirren.

Denn Marlene Streeruwitz darf wahrscheinlich allles schreiben, auch Austrozismen und wird bei „Fischer“ verlegt, die Leser haben aber vermutlich ihre Schwierigkeiten, denn ein wirklicher Trivialroman ist es ja nicht, sondern eine Gesellschaftskritik, eine Art Autobiografie oder was auch immer und so ganz trival scheint auch die Sprache nicht zu sein, kommen ja immer wieder Anspielungen und Verknüpfungen vor, bei denen man scharf mitdenken muß, um zu verstehen und sich auch nicht in die Irre führen zu lassen.

2017-01-10

So wird das Leben

Als es klar war, daß die Bundespräsdientenwahl vom 22. Mai wiederholt werden mußte, hat die politsch engagierte Autorin Marlene Streeruwitz ihren dritten Wahlkampfroman geschrieben, wo sie vom 4. 8. bis zum 1. 2. 2016 jeden Donnerstag ein Kapitel auf ihrer Website einstellte und das noch immer jeweils einer Person oder einem Personenkreis gewidmet hat.

„Allen Kindern“ beispielsweise, „die weltweit in Kriegen leben müssen“ oder „Sohair-al Bata`a, die 2013 mit 13 Jahren an den Folgen eines von ihrem Vater erzwungenen Genitalvetrstümmelung starb“, etcera.

Von ersten beiden Romanen, die wahrscheinlich den Nationalratswahlen vor oder schwarz-blau gewidmet waren, habe ich, glaube ich, auch ein bißchen mitgelesen und jetzt bin ich mitten in den Roman hineingekommen, auf der Seite von „Lit 21- dem literarischen Megablog“ bin ich, glaube ich, daraufgestoßen und habe mir gestern in Folge meines „Wahlkampfromanes“ – „Vor dem Frühstück kennt dich keiner“, wo ich jetzt war eine Handlung habe und die vormals achtundvierzig Seiten auch schon auf sechsundvierzig beziehungsweise 21 654 Wort schrumpfte, mir das Ganze aber wiedermal, als viel zu flach, unfertig, eindimensional, nicht so gut gelungen, etcetera, erschien, gestern die Kapitel ausgedruckt und jetzt sozusagen als Rechercheliteratur gelesen.

Vorher bin ich die einzelnen Kapiteln, die von einer Vroni handeln, die in Wien auf die Wohnung eines Onkels aufpassen sol lund dabei in wilde Turbulenzen gerät, nur überflogen. Sie erschienen mir auch irgendwie eindimenisonal und vielleicht nicht ganz so ausgebaut, wie die veröffentlichten Streeruwitz Romane von denen ich ja einige gelesen habe und mir auch „Ysut“, den letzten, zum Geburtstag wünschte.

Die Wahlkampfromane erscheinen nur im Internat und auch das ist interessant, daß die großen österreichischen Autorinnen, wie Elfriede Jelinek und Marlene Streeruwitz das gern tun. Und das Lesen des Kurzromanes, die einzelnen Kaptieln sind jeweils nur etwa ein bis zwei Seiten lang, waren auch sehr lehrreich, denn sie haben mir, glaube ich, geholfen, erstens meine schon halbfertige Handlung fertig zu konzipieren und zweitens hoffe ich auch dazu, mehr zu mir und meinem Schreiben zu stehen, denn auch ich schreibe eher lineal, realistisch, gesellschaftskritisch und stelle meine Werke im Internet vor.

Und wenn man von vorn nach hinten liest, dann bekommt man auch die Handlung und das Romankonzept mit und der so typische unverwechselbare Streeruwitz Stil „Vroni war dann viel zu früh dran. Im Cafe Leopold waren spätnachmittäglich alle Tische leer“, beispielsweise.

Da ist also die Vroni, eine Geschichtsstudentin aus Graz, die auf die Wohnung ihres Onkel Franz, der auf Reha ist, aufpassen muß und wo sie sich wundert, daß der alte Herr, die Türen dreimal verschließt und ihr genau aufträgt, daß sie alles gut abschließen soll.

Sie kapiert auch gleich warum, denn da hämmert es an ihrer Tür, es ist der Nachbar Chrobath, ein zuckerkranker alter Herr, der in seiner Wohnung einen brauen Wasserfleck bemerkt haben will und nun Onkel Franz beschuldigt, daß er von seiner Wohnung herkommen soll.

Er beschimpft den Onkel auch als „schwule Schwuchtel“ und kriecht auf dem Boden des Klos herum, um den Wasserfleck zu orten, da läutet es plötzlich noch einmal und es steht ein junger Mann mit einer Zorromaske davor und schlägt den Nachbarn nieder.

„Nicht mich ihr Deppen, das war doch für den Kanindlinger gedacht!“, schreit der und Vroni, die ihm helfen wollte, muß ins AKH, um sich ihre geprellte Hand verarzten zu lassen.

Das wird von einer jungen Ärztin erledigt, die ihr zwar ein paar „Parkemed“ gibt, die anderen Medikamente, soll sie sich vom Hausarzt verschreiben lassen. Der ist aber in Graz und so braucht Vroni ihren Bruder Toni, den Medizinstudenten, der ihr schwarz, die Pulvern besorgt, denn „Bei der Mafia kann es nicht schlimmer sein. So viel zu unserem tollen Gesundheitssystem!“

Ja, Marlene Streeruwitz legt den Finger auf die sozialen Wunden und Vroni hat inzwischen erkannt, daß sie den mit der Zorromaske vom Hörsaal kennt. Da stehe ich ein bißchen an, denn eigentlich hätte ich gedacht, daß Vroni in Graz studiert, der Schläger aber in Wien, nun gut.

Vroni lernt nun noch ein paar andere Nachbarn kennen, die Frau Doktor Fischer zum Beispiel mit ihrer Tochter Mia und die Frau Prokesch, die zwei Flüchtlinge betreut. Sie bekommt wegen des Schlages auch das „Stockholmsyndrom“ und der Nachbar muß deshalb oder wegen seines Zuckers auch ins Krankenhaus. Zwei Zivildiener bringen ihm zurück. Da tauchen plötzlich vier stramme Burschenschaftler auf, entführen den Rollstuhl und bringen den Alten in einer Art Porzession in seine Wohnung. Dann demolieren sie allerding den Rollstruhl, so daß der Zivi Markus, Vroni, um Hilfe ersuchen muß, weil sie ihre Zeugenaussage brauchen, weil sie sonst selbst für den beschädigten Rollstuhl aufkommen müßen.

Es taucht noch eine Journalistin, die Kristi, auf, die erzählt, daß sie eine Schriftstellerin interviewte, die einen „Wahlkampfroman“ schreibt, sie aber das Interview nicht in ihrer Zeitung bringen durfte. Ja und um die Wahl geht es auch. Der blaue Kanditat heißt Höflein und der Herr Dr. Chrombath und seine Burschenschaftler feierten, daß im Radio gerade die Wahlverschiebung bekanntgegeben wurde.Sehr gut, sehr gut, da bleibt den Blauen noch mehr zum Gewinnen Zeit.

Kristi versucht sich inzwischen a la Tom Turbo, als Detektivin und bekommt heauas, daß der resche fesche Student Sven Mitterer heißt, der sich dann noch, was vielleicht ein wenig übertrieben ist, als Transgender entpuppt.

Aber schön langsam, vorerst überlegt sich Vroni, ob sie nicht doch eine Anzeige machen soll. Fürchtet sich aber vor der Polzei, beziehunsweise deren freiheitlichen Gewerkschaft. Sie geht aber in die Höhle des Löwens, beziehungsweise in das Burschenschaftslokal, wo gerade Herr Höflein auftritt und eine brennende Rede hält und damit Sven, Vroni nicht erkennt, schneidet sie sich noch die Haare ab, beziehungsweise bekommt sie eine trendige blondgefärbte Punkfigur von ihren Freundinnen verpasst.

Die Realität holt sie auch immer ein. So muß nach Klagenfurt, weil dort die Großmutter stürzte und ins Krankenhaus mußte und wieder gibt es eine absurde Szene. Die Großmutter wird nämlich von der Polizei nach Haus gebracht. Denn dann mußen die Patienten, beziehungsweise die Angehörigen den Transport zahlen. Denn Kärtnen ist ja wegen der „Hypo Alpe Adria Affaire“ bankrott und die resche Tante Roswitha gibt Vroni telefonische Anweisungen, ja nicht die Tür aufzumachen.

Sehr bizarr und vielleicht übertrieben, vielleicht auch nicht. Marlene Streeuwitz legt jedenfalls den Finger auf die Wunden, erzeugt von Woche zu Woche eine spannende Handung, in die dann die gesammt Sozialkritik von den Schwierigkeiten unserer globalen Gesellschaft enthalten ist.

Zum Schluß klärt sich alles auf und Onkel Franz kommt wieder zurück und da haben wir den ersten Dezember:

„Alle trinken Kaffee. Die Vroni lächelt. „Es ist alles so anstrengend“ fügt sie hinzu. Der Markus nickte.“ Ich glaube, ich weiß , was du meinst.“ Vronis Handy läutet“

Ja, einen türkischen Freund, der auf Grund der politischen Unruhen nach Chicago flüchten mußte und Vroni nun nicht weiß, wie sie sich zwischen ihm und Markus entscheiden soll, gibt es auch.

Donald Trump hat die Wahl gewonnen und wie, wir inzwischen wissen, im Roman aber nicht steht, Alexander va der Bellen hat am darauffolgenden Sonntag, die Wahl gewonnen und wenn es heuer oder nächstes Jahr eine Nationalratswahl geben wird, können wir vielleicht einen vierten Wahlroman im Netz lesen und ich werde jetzt auch an meinem Roman weiterschreiben.

Die Handlung meiner drei Stränge habe ich, wie schon etwähnt jetzt ja.  Noch ein weiteres Mal alles druchkorrigieren, damit das mit der Felizitas Fee und Dorotheas Vergangenheit richtig sitzt, muß ich auch noch und ein bißchen selbstbewußter hat mich das lineare sozialkritische Schreiben der Marlene Streruwitz gemacht, auf dessen wahrscheinlich künsterlischer ausgearbeiteten Roman „Yseut“ ich mich auch schon freue.

Und was mich wieder vielleicht ein bißchen erstaunte war, daß der „Wahlkampfroman“ eigentlich von so viel anderem, als von dem Wahlkampf der beiden Kanditaten Norbert Hofer und Alexander van der Bellen handelte.

2016-10-03

Von Marlene Streeruwitz-Vorlesung zum Dicht-Fest-Fragment

Mit dem Veranstaltungsdilemma geht es lustig weiter, denn am Wochenende hat mir E.A.Richter ein Mail geschickt und mich zu seiner „Dicht-Fest-Lesung“ in der“Alten Schmiede“ eingeladen, die hatte ich im Programm zwar dick angestrichen, aber doch geplant ins „Literaturmuseum“ zu gehen um mir Marlene Streeruwitz Vorlesung zur österreichischen Literatur mit dem schönen Titel „Frozen“ anzuhören.

Ich bin ja kein wirklicher Streeruwitz-Fan und verstehe auch nicht alle ihrer komplizierten Schlußfolgerungen, habe aber, dem „Wortschatz“ am Margaretenplatz sei Dank schon einige ihrer Bücher gelesen, war bei einigen ihrer Veranstaltungen, im vorigen Sommer gab es zwei Geburtstagsbücher von ihr und jetzt zu der sehr komplizierten politischen Situation in der wir momentatn Leben, wieder einen „Wahlroman“ auf ihrer Seite, wo man jeden Donnerstag ein Kapitel lesen kann.

Sie hat auch ein neues Buch geschrieben, diesmal eines, das nicht auf der LL steht, weder auf der deutschen noch auf der österreichischen, das also fast an mir vorbei gegangen wäre, wenn es nicht gestern in „Ex Libris“ vorgestellt worden wäre und bei der „Vorlesung“ hat sie auch ein Kapitel daraus gelesen.

Der heutige Tag war bezüglich meiner Praxis sehr intensiv und dann bin ich auch noch aufgestanden und habe gedacht, ich muß jetzt die Lesung für mein literarisches Geburtstagsfest, es ist der dreiundsechzigste, organisieren und die Lesenden einladen.

Lidio Mosca Bustamente hat mich ja schon vor ein paar Wochen in der „Alten Schmiede“ deshalb angesprochen und gesagt, daß er gerne lesen will, er fährt allerdings Anfang Oktober zu einer Lesung nach New York, was mich ein wenig berunruhigt hat, daß ich ihn dann während meiner Planungs-und Aussendungsphase nicht erreichen kann.

Ich konnte aber, denn er fliegt erst übermorgen und die Ruth habe ich schon bei der „Poet Night“ angefragt, sie kann aber am 11. 11. nicht, denn da hat ihre Enkeltochter in Linz Maturaball und die Hilde Schmölzer, die auch sehr gerne bei mir liest, hat eine „Lesetheaterprobe“.

Also blieben noch Doris Kloimstein, die schon sehr lange nicht mehr bei mir gelesen hat, Gloria G.und der liebe Rudi übrig und den habe ich am Abend dann auch in der „Alten Schmiede“ gesehen, aber langsam und schön der Reihe nach, damit meine Kritiker nicht wieder mahnen, ich würde nur „unverständliches Zeug“ bloggen.

Die 1950 in Baden geborene Marlene Streeruwitz ist aber auch sehr kompliziert und nicht besonders leicht zu verstehen und sie erwähnte in ihre Einleitung auch, sie würde mit dem Alter immer radikaler werden.

Ihr Vortrag bezog sich dann auf die katholische Kirche und ihre stregen Riten, sowie auf den Eventcharakter, den beispielsweise die Disney Filme haben und einer heißt „Frozen“ und bezieht sich auf Andersen „Eiskönigin“ und Marlene Streeruwitz bezog das auf das österreichische Klima, das ja auch schon sehr durchfroren ist.

Das politische ist es allenthalben, beim literarischen weiß ich nicht so recht, Marlene Streeruwitz forderte jedenfalls einen demokratischen Roman und das finde ich ein wenig schwierig, diese Kriterien bei der momentanten Gegenwartsliterautur zu überpüfen.

Der Vortrag war jedenfalls sehr interessant, dann gab es noch eine längere Diskussion, wo diesmal jeder Fragen stellen konnte und dann ein Kapitel aus dem neuen Roman „Yseut“, den ich auch sehr interessant finde und gerne lesen würde, wenn ich nicht schon eine so elendlange Leseliste haben würde. Aber vielleicht kommt er einmal zu mir.

Yseut heißt jedenfalls Isolde und die Heldin wurde von ihrem Vater so genannt, die Mutter hätte ja lieber eine kleine Eleonore gehabt und die kleine Yseut scheint auch eine sehr selbstbewußte Person zu sein, die einen interessanten Vater hat, der ihr ein rotgoldenes Buch zu lesen gibt und der Roman spielt, habe ich gestern in „Ex Libris“ gerade noch gehört, bevor wir bei der Sophienalpe aus dem Auto ausstiegen, um zur Mostalm zu wandern, in einer Zukunft, wo es kein Geld mehr gibt und alle überwacht werden.

Yseut reist aber trotzdem nach Italien, allerdings nicht in dem vorgelesenen Kapitel und, als die Veranstaltung aus war, hatte ich schon beschlossen, zum „Dicht Fest“ in die „Alte Schmiede“ ein Glas Wein trinken zu gehen, denn das gibt es ja dort nach dieser Veranstaltung und wer sich jetzt darüber aufregt, dem weise ich darauf hin, daß ich bei der letzten „Dicht -Fest -Veranstaltung“, Anfang des Jahres nur am Anfang, sozusagen zum Aufwärmen war, weil ich mich nachher mit dem Alfred, der Anna und dem Anna in einem Restaurant getroffen habe und das Glas Wein versäumte.

Das holte ich also hiermit nach und Konstantin Kaiser, der mich auch schon vor längerer Zeit zu dieser Veranstaltung eingeladen hat, habe ich auch noch gehört, einen Teil seiner Kindheitserinnerungen jedenfalls, die mich in ihrer Intensität, sie handeltn von toten Katzen, die eingefrogen bei den Mistkübeln liegen, sehr beeindruckt haben.

E.. A. Richter hat zufälligerweise, als letzter gelesen, also habe ich sein Manuskript „Dating Project“ auch noch gehört und dann gab es das Glas Wein und Knabbereien und ein Gespräch mit dem lieben Rudi,  Sonja Frank war da und hat mir eine Einladung zu ihren Veranstaltungen gegeben, Ilse Kilic, die neue Verza Canetti Preisträgerin, Gustav Ernst, Robert Schindel und Ralph Klever, der mir freundlicherweise die Anthologie zur Literaturvermittlungsenquette „Zwischen Schreiben und Lesen“ zur Verfügung stellte.

Die Lesungen von  Birgit Müller-Wieland, Waltraud Haas, Monika Vasik und Richard Wall habe ich zwar versäumt, aber letzteren habe ich ja vor kurzem in der „Gesellschaft für Literatur“ gehört und man kann ja auch nicht überall gleichzeitig sein und für morgen, das kann ich gleich anmerken, gibt es auch Terminkollisissionen, nämlich Evelyn Grill in der „Gesellschaft“ und Peter Henisch in der „Alten Schmiede.

2015-07-12

Die Reise einer jungen Anarchistin in Griechenland

Filed under: Bücher — jancak @ 00:56
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Nun kommt das Buch, das angeblich auf der Shortlist des dBP stand, von Nelia Fehn, der jüngsten Autorin, die jemals auf diese Liste kam.

„Nelia Fehn“, steht am Klappentext „geboren 1993 in Wien, lebt abwechselnd in Österreich und Griechenland. sie ist die Tochter der verstorbenen Schristellerin Dora Fehn. „Die Reise einer jungen Anarchistin in Griechenland“ ist ihr erster Roman.

Um Verwirrungen zuvorzukommen, „Marlene Strreuwitz“ steht auch noch darunter und das Bild weiter oben von der jungen Frau mit dem Fotoapparat in der Hand, könnte auch die junge Streerwuwitz sein.

Das weiß ich nicht so genau, die typischen Streeruwitz Sätze, wie „Auf der Bank mußte ich dann doch weinen“ oder „Dann war ich doch sehr froh im Freien geblieben zu sein“, werden die Autorin aber verraten und Marlene Streewuwitz im Doppelpack hat es in der „Alten Schmiede“ vor kurzer Zeit auch gegeben. Da erschien mir die Autorin, als sie über ihre beiden Romane erzählte, sehr revolutionär und anachistisch, das Buch, das ich jetzt gelesen habe, Nelia Fehn unterscheidet im Vorgängerroman, der dann auf die Longlist kam, sehr genau zwischen „Buch“ und „Roman“, ich eher weniger, liest sich vielleicht noch ein wenig leichter und schneller als die „Nachkommen“.

Kritiker könnten es auch leicht als Groschen oder ChickLit, ein sehr anarchistischer halt, abtun, aber das würde ich mal vermuten, hat die Autorin auch beabsichtigt, die ja in „Lisas Liebe“ auch etwas Ähnliches versuchte.

Am Buchrücken steht etwas von „Eigentlich wollte Nelia sich Gedanken machen, wie ihr eigenes Leben nach der Matura nun weitergehen sollte. Aber dann wird die Reise durch Griechenland nach Athen zu ihrem Geliebten Marios eine abenteuerliche Irrfahrt durch eine zusammenbrechende Welt. Nelia will, dass alle wissen, was das heißt: mit den Folgen der Eurokrise zu leben“.

Es liest sich dann etwas weniger dramatischer oder mehr nach Suspense und Chicklithandlung aufgeplottet, denn eine sexuelle Belästigung und ein Unwetter haben ja nicht sehr viel mit der Krise zu tun.

Da ist also die Neunzehnhährige Nelia, die nach dem frühen Tod der Mutter, bei den Großeltern in Kaisersbad, ist Baden damit gemeint?, lebt und dort die Matura machte.

Sie hat zwei ältere Halbgeschwister, Georg, der in London lebt und Sidi, die auf einer griechischen Insel verheiratet mit einem Macho-Griechen, einen Verganressort führt Nelia ist ja auch Vegetarierin, leicht eßgestört und nach der Matura offenbar zu Sidi aufgebrochen. Dort hat sie Marios, einer der Verwandten von Sidis Ehemann kennengelernt und mit dem will sie sich in Athen bei einer Domastrion treffen.

Ein anderer Verwandter, in dem griechischen Dorf sind alle verwandt oder verschwägert, namens Evangelos soll sie zur Fähre bringen. Der versucht sie aber zu küssen. Nelia flieht entsetzt und versäumt das Schiff.

So beginnt das Buch. Nelia steht da am Hafen und ihr Rucksack fährt mit dem Schiff davon.

Sie geht zurück in den Ort, mietet sich auf Sidis Kosten in ein nobles Hotel ein und kann dort nicht schlafen, weil sich zwei Männer am Balkon miteinander vergnügen, so daß sie sich nur mit dem Schrei „Its“a mouse!“ retten kann.

Ein wenig kitschig würde ich sage, oder so eine typische Streeruwitz-Attacke.

Am morgen geht es nach dem Frühstück Richtung Hafen zum nächsten Fähre. Logisch würde man denken, zurück, ist aber nicht so einfach, es muß ja durch Griechenland gereist werden.

Also überlegt Nelia, ob die achtunddreißig Euro dafür nicht zu teuer sind, da sie  nur mehr zweihundertzwanzig Euro im Täschchen hat. Rettung naht auch gleich durch einen Griechen, der ihr einen Segelturn mit Stelios und Stephanous schmackhaft machen will.

Nun könnte man denken, ein so prüdes Mädchen, daß wegen einem Kuß eine Fähre versäumt, geht nicht mit zwei unbekannten Männer auf ein Segelboot. Weitgefehlt, obwohl die Vergewaltigungsphantasien natürlich da sind, doch dann  passiert nichts weiter, als, daß die Beiden zuerst etwas schmuggeln, dann in Seenot geraten und zwischenlanden müßen. Nelia macht sich wieder davon, gerät in einen Sturm und in ein von Deutschen Regisseuren und anderen Künstlertypen gemietetes Haus, wo sie mit ihren Frauen den Sommer verbringen, sich von einem Griechen  bekochen lassen, saufen und eine Leihmutter namens Despina, die das Kind aber abtreiben lassen will, gibt es auch.

Die bringt Nelia am nächsten Morgen zur nächsten Fähre, die geht nach Santarin und hat einen Maschinenschaden. Alle geraten in Aufregung, denn Skandal und das, was offenbar derzeit in Griechenland üblich ist und früher in der DDR so war, die Schwimmwesten wurden verkauft, damit sich ein Reicher ein Haus auf einer Insel bauen kann und die, die dann untergehen, sind ihm egal.

Es geht aber niemand unter, das Schiff kommt an, Despina führt Nelia noch in das Häuschen ihrer Tante und dann geht es auf die Fähre nach Athen und dort angekommen, gerät sie zuerst in eine Polizeisperre, denn es gibt ja um den Syntagma-Platz ständig Demonstrationen und, das habe ich vergessen, es gab in der Zwischenzeit keinen Telefonkontakt zu Marios mit dem sich Nelia ja treffen wollte.

Jetzt sucht sie nach ihm, gerät in die Demo, wird mit Tränengas besprüht, verliert ihr Handy, auf eine Polizeistation gebracht, Aphroditi, eine Menschenrechtsbeauftragte der Syriza-Partei kümmert sich um sie, vermittelt sie an Kiki, ihre Freundin und gemeinsam suchen sie nach Marios, bekommen heraus, daß er auf der anderen Demonstration vor ein paar Tagen, von der Polizei verletzt wurde, mehrere komplizierte Knochenbrüche, die operiert werden müßen. Er ist aber schon über Neunundzwanzig und war trotz seines Studiums zwei Jahre arbeitslos, also nicht mehr sozialversichert und in ein öffentliches Spital kann er, weil er auf der Polizeiliste steht, auch nicht.

Nelia findet ihnschließlich, er liegt in einer Privatwohnung,  wird von einem Privatspital versorgt und verbringt offenbar noch einige schöne Tage mit ihm, bevor sie wieder nach Wien beziehungsweise, Kaiserbad zurückkehren und dort ihren Shortlistroman schreiben wird, mit dem sie den DBp doch nicht gewinnt und also die Operation für Marios nicht bezahlen können wird.

Aber das ist eine andere Geschichte, ein anderer Roman und in Athen und in Griechenland sieht es jetzt nach der Abstimmung und den Bankenkontrollen wahrscheinlich schon wieder ganz anders aus.

Petros Markaris kann ich noch erinnern hat auch über die Griechenlandkrise geschrieben und auf der „Buch-Wien“ darüber berichtet, aber das ist noch einige Jahre länger her.

2015-07-10

Nachkommen

Jetzt geht es weiter mit dem „Longlistenlesen“, nämlich mit Marlene Streeruwitz „Nachkommen“, die voriges Jahr auf der Longlist stand und einen Roman über eine Zwanzigjährige geschrieben hat, die mit ihren Roman „Die Reise einer jungen Anarchistin in Griechenland“ auf die Shortlist gekommen ist.

Marlene Streeruwitz ist mit der „Schmerzmacherin“ 2011 darauf gekommen.

Ich habe mir beide Bücher zum Geburtstag gewünscht, da mich ja die Griechenland-Krise interessiert und durch die offenen Bücherschränke oder andere Gelegenheiten habe ich in den letzten Jahren sehr viel Streeruwitz gelesen und bin allmählich in ihren Stil hineingekommen.

Auf der „Buch-Wien“ und auch in der „Alten Schmiede“ habe ich sie lesen gehört und mir die Frage gestellt, mit welchen Buch ich jetzt beginnen soll?

Mit dem Roman oder mit der Shortlistverleihung? Wahrscheinlich doch mit dem Roman, weil es den zuerst gegeben hat und ich habe die beiden Bücher auch in meine Sommerfrische mitgenommen, weil ich auch über Griechenland und die Griechenlandkrise an Hand der Studentin Eleni, der Freundin der Sandra Winter schreiben will.

Dann hatte ich in der ersten Sommerfrischenwoche aber nicht sehr viel Gelegenheit dazu, denn da war ja das „Germanisten-Porno“, O-Ton Nora Gomringer über das Bachmannlesen und so habe ich, als ich mit John Knittels „Das Verhängnis“ fertig wurde, mit den „Nachkommen“ angefangen.

Wahrscheinlich wäre es umgekehrt doch besser gewesen, aber das Buch passt wieder gut zum Longlistenlesen, mit dem ich jetzt ja auch angefangen habe.

Also sind die „Nachkommen“, jetzt gelesen und ich sage, es war eines der leichtestens Streeuwitz-Bücher, denn die ist ja manchmal sehr kompliziert und nicht leicht nachzuvollziehen, aber hier erschien mir alles sehr vertraut, vielleicht, weil ich mich schon länger mit dem Literaturbetrieb beschäftige und da auch irgendwie daneben stehe, obwohl Nelia Fehn tut das eigentlich nicht.

Die ist eine Halbwaise, zwanzig Jahre, glaube ich, gerade die Matura gemacht und danach ist sie offenbar nach Griechenland gefahren, hat da aus ihrem Tagebuch den Roman gemacht, mit dem sie gleich auf die Shortlist gekommen ist.

Ein bißchen unrealistisch wahrscheinlich, aber die „Nachkommen“ beginnen an dem Tag, da sie nach Frankfurt zu der Preisverleihung fliegen muß, wenn man nicht hinkommt, bekommt man das Geld nicht, steht in dem Buch, habe ich so gehört, die Herren vom Börsenverein haben das das letzte Jahr bei der Preisverleihung abgestritten.

Nelia will aber hin, denn sie braucht das Geld für ihren Freund Marios, der in Athen oder sonstwo auf einer Demonstration von der Polizei verletzt wurde und für die Operation in der Privatklink Döbling würde sie sechzigtausend Euro brauchen.

Der Preis ist aber nur fünfzigtausend und es ist auch nicht so leicht von Wien oder Kaiserbad oder, wo das Buch beginnt, wegzukommen, denn der Großvater ist gestorben und hat an diesem Tag das Begräbnis.

Sie fliegt aber trotzdem, trifft in Frankfurt ihren Verleger, das ist ein etwas windiger geiziger Mann, der sie auszunützen scheint und fährt in das Hotel, das der Börseverein für die Nacht nach der Preisverleihung für sie gebucht hat. Danach muß sie auf Verlegerkosten, der ihr noch keinen Vorschuß bezahlt hat, umziehen, weil sie auf der Messe Termine, Interwiews, etc hat, der quartiert sie in eine windige Pension ein, wo sie die Farbe des Kastens nicht ertragen kann.

Es ist auch kalt in Frankfurt, sie hat keinen Mantel, offenbar auch nicht viel Geld und so zieht sie herum, denn es gibt auch noch einen Vater in Frankfurt, zu dem sie bisher keinen Kontakt hatte. Er hat nur die Alimente bezahlt, um alles andere hat sich der Großvater gekümmert, hat sie die Matura machen lassen, mit achtzehn hat der Vater zu zahlen aufgehört. Jetzt meldet er sich und will Nelia oder Cornelia treffen.

Sie hat auch Probleme mit ihrer Ernährung, ist sie nämlich Vergetarierin und ein bißchen Messie dürfte sie auch sein, so sammelt sie auf den Empfängen oder, wo sie sich befindet, die Gurkenscheiben und die Baguettestückchen ein, holt sich aus einem Supermarktabfallcontainer das Obst heraus und wird dabei beobachtet.

Ein bißchen trist das Bild, das Marlene Streeruwitz da zeichnet, auf der anderen Seite wird sie überall erkannt und auf den Preis, den sie natürlich nicht bekommt, wie  auch die Streeruwitz zweimal nicht, angesprochen.

Sie muß Interviews geben, auf die Messe gehen und sich dort von der Security untersuchen lassen.

Der „Suhrkamp-Verlag“ und sein Rechtsstreit kommt auch darin vor und, ich glaube, eine enttäuschte Nichtgewinnerin, zwei Jahre später soll das ja Clemens Meyer passiert sein, daß er enttäuscht,  die heiligen Hallen des Römers verlassen hat.

Der Titel „Nachkommen“, bezieht sich wohl darauf, daß Nelia ständig über ihre „Mami“, die hieß, Dora Fehn und war auch eine berühmte Schriftstellerin resumiert, ihrer bürgerliche Familie mütterlichseits, es gibt auch eine Schwester, die in Griechenland leben dürfte und der unbekannte Vater spielen natürlich eine Rolle, der auch seine Familie, Freundinnen, Kinder etc hat.

Es kommt zu einem Treffen, sie läuft dann davon, besucht ihn wieder in seiner Villa, in der gerade ein Empfang stattfindet und das letzte Kapitel spielet in einem Museum, in London wahrscheinlich, wenn ich das richtig verstanden habe, denn Nelia ist von Frankfurt wieder abgereist und betrachtet hier ein berühmtes Bild mit einer „Griselda“.

Marlene Streeruwitz hat da während ihrer Lesung in der „Alten Schmiede“ einiges erklärt.

En spannendes Buch und eine verständliche Streeruwitz würde ich sagen, die politischen Themen sind mir vertraut, wie auch der Literaturbetrieb, der wahrscheinlich im realen Frankfurt nicht so schäbig ist, wie ihn die Streewuwitzt schildert und ich schreibe  auch oft darüber und die Frankfurter Buchmesse habe ich auch in zwei Büchern ein  beschrieben, in der „Mimi“ wo der Johannes Staudinger auch auf der Shortlist steht und in der „Heimsuchung“ kommt Frankfurt ebenfalls vor.

Spannend also das Loglistenlesen 2015 damit zu beginnen und als nächstes oder übernächstes kommt die junge Anarchistin dran.

2015-03-05

Marlene Streeruwitz im Doppelpack

Filed under: Uncategorized — jancak @ 21:54
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Heute hätte man, wenn man wollte, Marlene Streeruwitz gleich zweimal in der „Alten Schmiede“ hören können.

Das heißt auch nicht wirklich, denn die Lesung aus den „Nachkommen“ fand im Rahmen der „AG-Germanistik“ also für Schüler und Schülerinnen, moderiert von Martin Kubacek, um sechzehn Uhr dreißig im Keller statt, früher stand bei diesen Veranstaltungen, „Restplätze für das allgemeine Publikum“ dabei, jetzt „Geschlossene Veranstaltung mit Übertragung in den Schmiederaum“ und ich bin nur einmal, vor zig Jahren, noch im alten Parterrequarter zu so einer Vernastaltung zu einem O. P. Zier-Buch gegangen, sonst habe ich das immer ausgeklammert, weil ich ja keine Schülerin bin und heute hatte ich auch noch den klinischen Mittag vor.

Aber thematisch hätte es ganz gut gepasst, denn um neunzehn Uhr gabs moderiert von Angelika Reitzer, die Lesung aus dem zweiten Buch, den Roman aus dem Roman „Die Reise einer jungen Anarchistin in Griechenland“ und ich habe mir ja beide Bücher zum Geburtstag schenken lassen und noch nicht gelesen.

Aber als ich das geschnallt hatte, daß ich das verbinden könnte, auswendig weiß ich die Programme auch nicht und im Kalender hatte ich nur den Abend eingetragen und da noch überlegt, ob ich nicht auch ins Literaturhaus gehen sollte, wo Bernhard Strobel seinen dritten Erzähband vorstellte, mit dem er allerdings schon im „MUSA“ war, hatte ich, auch bedingt durch meine gestrigen Terminkollusionen zwei Nachmittagsstunden auf meinen Kalender stehen und aus der Traum oder nur eine Lesung.

Dafür ist inzwischen mein Romankonzept ein wenig weiter angewachsen.

So hat Marlene Schachingers Aufruf zu mehr Mut zum Fabulieren „Es muß nicht immer alles realistisch sein!“, mich dazu veranlaßt, die Problem zu lösen, ob die Selma sich nun wirklich in eine Burka verhüllt nach Damaskus verschicken läßt, eine junge Frau, die Zahnärztin werden will und in Wien mit einer geschiedenen Mutter aufwächst, ist vielleicht nicht so naiv, sie könnte also auch in Janusz Flüchtlingsheim ausweichen und vorher hatte ich schon gedacht, sie nimmt auf ihre Flucht ein Handy, fünfhundert Euro und den Paß ihrer Cousine mit, um wieder zurückzukönnen. Jetzt wird sie den Paß einer neunzehnjährigen Fatma Challakhi finden, als sie mit ihrer Reisetasche in die Moschee marschiert und die ist eine junge Frau, die in Damaskus auf eine deutsche Schule gegangen ist, unbegleitet nach Wien geflohen ist und da jetzt in dem Flüchtlingsheim lebt, von der Fritzi in die Bibliottherapiegruppe gebracht wird und vielleicht auch noch mit Kopftuch im Rahmen eines Sonderprojekts im Innenministerium ehrenamtlich putzen darf.

Das habe ich am Abend, ich gestehe es, während der Streeruwitz-Lesung immer abwechselnd vom lila mit den Lesungsnotizen in mein schwarzes Büchlein notiert und vielleicht hat mich der Streeruwitzsche-Anarchismus dazu veranlaßt, so zu fabulieren, denn die bregann die Lesung, die erstaunlicherweise gar nicht so besonders besucht war ,mit einem Gespräch mit Angelika Reitzer und beantwortete ihre Frage nach der Anachie, daß sie sich mehr Radikalität bei Demonstrationen und mehr Widerstand gegen die Polizeigewalt wünscht und ich hatte eine Frage, die ich der Streeruwitz schon bei der letzten „Buch-Wien“, wo sie auch ihre Bücher vorgestellt hat, stellen hätte wollen, nämlich die sehr banale, welches Buch man zuerst lesen soll?

Da hätte ich ja fast an die „Nachkommen“ gedacht, denn die sind zuerst erschienen, aber logischer ist es umgekehrt, denn da fährt eine junge Frau, Nelia Fehn, deren Mutter vor fünf Jahren gestorben ist, durch das heutige Griechenland bzw., will sie von Kreta nach Athen, um dort auf eine Demonstration gegen die, wie Marlene Streeruwitz es nannte „sogenannte Wirtschaftskrise“ zu gehen und auf dieser wird offenbar ihr Freund Marios verletzt und weil er schon über neunundzwanzig ist und zwei Jahre arbeitslos hat er keine Sozialversicherung. So schreibt sie aus ihren Tagebuchaufzeichnungen einen Roman, kommt damit prompt auf die Shortlist des dBp, die Streeruwitz ist mit „Nachkommen“ auf die Longlist gekommen, reist  in diesem Roman nach Frankfurt und erlebt dort das Showbusiness des Literaturbetriebs.

Die Streeruwitz hat sich nach dem Gespräch mit Angelika Reitzer, wo sie meinte, daß wir alle eine kleine Umschuldung betrieben, die wir Liebe nennen, quer durch das Buch gelesen und wurde am Schluß von einer Dame gefragt, ob die Nelia in dem Buch die Männer als Aliens erlebe, sie werden als sehr gewalttätig und ständig fickend und die junge Frau in ihrem Hotelzimmer dadurch belästigend geschildert, was Marlene Streeruwitz sehr lange, ausführlich und wahrscheinlich auch verärgert, beantwortete, aber wenn ich das richtig verstanden habe, hat die junge Frau im Buch, die literarische Figur, den Shortlistroman ja nur geschrieben, um an Geld für eine Operation für ihren Geliebten zu kommen, wenn das nicht der wahre Altruismus ist?

Es kommt dann noch etwas anderes, wahrscheinlich in den „Nachkommen“ vor, das sogenannte „Griseldis-Thema“, das ist ein Bild in einer Nationalgalerie vor dem Nelia Fehn steht und da muß eine Bauerntochter, die von einem Fürsten geheiratet wird, einige Qualen oder Folterungen bestehen, um ihre Tugend zu beweisen.

Ja die Streeruwitz ist sehr radikal und hat auch eine sehr starke Art sich auszudrücken und ich habe mich inzwischen,  dank der offenen Bücherschränke ziemlich durch ihr Werk gelesen.

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