Literaturgefluester

2017-05-14

Mit Martin Walser unterwegs am Bodensee

Filed under: Bücher — jancak @ 00:28
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Auch wenn man keine besondere Literaturexpertin ist, kommt man wahrscheinlich um Martin Walser nicht herum, wenn man auf einer Radreise um den Bodensee „Literatur vor Ort“, in die Fahrradtaschen packen will und so ist mir neben Arno Geiger und Michael Köhlmeier, Erika Kronabitter ist dann ja fast zufällig noch dazu gekommen, auch Martin Walser, von dem ich „Augenblick der Liebe“ auf meiner Leseliste hatte, eingefallen, da der ja 1927 am Bodensee geboren wurde und dort auch noch heute lebt.

Daß der dann vor kurzem noch seinen neunzigsten Geburtstag feierte, ist noch ein besonderer Zufall und wahrscheinlich auch, daß wir in dem Weingut vor Meersburg auf das der Alfred durch seine Führer aufmerksam wurde, bei der Verkostung, ein Büchlein zur Region „Nirgend wär ich lieber hier – Mit Martin Walser unterwegs asm Bodensee“ von den zwei Walser Spezialisten Lorenz L Göser und Elmar Ö . Kuhn, 2016 herausgegeben, gefunden habe und es mir auch kaufen ließ.

Beide Herausgeber wurden in Kressbronn geboren und haben in dem Büchlein, die Orte zusammengesucht, die in den Walser-Romanen vorkommen, Bilder dazugegeben und das Ganze mit Stellen aus einigen seiner Bücher zitiert.

Ich habe das Buch, das ist vielleicht auch ein Detail am Rande, nicht am Bodensee, sondern auf unserer Schifffahrt nach Stein am Rhein gelesen, mir dazu aber die Bodenseelandkarte aufgeschlagen und so kann ich das Büchlein allen, die sich für Literatur oder auch für Martin Walser interessieren, auf einer Bodenseereise sehr empfehlen.

Für Walser-Experten eignet es sich wahrscheinlich ganz besonders, denn wenn man nicht alle Romane gelesen oder in Kopf hat, fällt es einem wahrscheinlich nicht sehr leicht, sich bei den natürlich nur kurzen Textauszügen auszukennen. Es kann und soll aber wahrschehinlich anregen, mehr und intensiver Walser zu lesen und dazu ist das Buch auch sehr geeignet.

Ich habe es  gelesen, als ich mit dem 2004 erschienenen „Augenblick der Liebe“, das ja  auch am Bodensee spielt, fast fertig war.

Das Buch kommt hier aber nicht vor, wohl aber der Vorgänger „Das Schwanenhaus“, dann auch die „Tagebücher“ „Ein fliehendes Pferd“, „Der springenden Brunnen“, den ich  ein paar Tage später, in Feldkrich im dortigen Bücherschrank gefunden habe, aber gar nicht mehr weiß, ob ich es schon gelesen habe oder nicht, es also, wenn ich nicht schon so viele Bücher hätte, wahrscheinlich wieder lesen solle

Martin Walser ist ja ein Vielschreiber und er scheint sich gern und viel auf den Bodensee zu beziehen und so ist das Buch, das ein Vorwort von Lorenz Göser hat, auch in die verschiedenen Orte eingeteilt und am besten nimmt man es auf seine Bodenseereise mit und liest sich an den entsprechenden Orten in die entsprechenden Werke ein.

Ich habe das in dem Landgasthaus in Sipplingen getan. Da wird das „Schewanenhaus“ zitiert und hier kommt das Sipplinger Kirchlein vor und natürlich kann man wahrscheinlich auch durch Überlingen oder Nußdorf gehen,  wo der Dichter ja wohnen soll.

Wir sind ein paar Stunden in Überlingen spazierengegangen und da ist es ja ganz interessant, sich vorzustellen, daß einem Martin Walser begegnen könnte, wie er vielleicht zum Zahnarzt geht und dabei nach hübschen jungen Frauen Ausschau hält oder sich ausdenkt, wie er das in seinem nächsten Buch beschreiben könnte.

In dem Buch wird bei „Überlingen“ die „Seelenarbeit“, die „Tagebücher“ und das „Fliehende Pferd“ zitiert und ein eigenes Kapitel, das den Ort Überlingen behandelt gibt es  auch.

Es gibt ein Glossar, wo man die entsprechenden Orte nachschlagen kann, auch eine Bodenseekarte, wenn man keine eigene bei sich hat und am Schluß gibt es  ein Foto von Martin Walser, wo er vom See wegspazigert und man dann vom „S Wasserburger Johr – wia`n as amol gsi isch“ aus den „Heilige Brocken, Aufsätze, Prosa, Gedichte, aus 1986“, lesen kann, wenn man den Dialekt versteht.

2017-05-13

Der Augenblick der Liebe

Filed under: Bücher — jancak @ 00:36
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Es ist ja vielleicht ein naheliegender Einfall ein Buch von Martin Walser mitzunehmen, wenn man um den Bodensee radeln will, ist der doch 1927 in Wasserburg geboren und so habe ich mir „Der Augenblick der Liebe“ auf meine Reise einepackt, weil ich das Buch auf meiner Leseliste stehen hatte und wohl einmal im Schrank gefunden habe.

Ich habe zwar auch einmal einen „Walser“ aus der Abverkaufkiste einer der damals noch auf der Wiedner Haptstraße existierenden Buchhandlungen gezogen, das wird aber „Das Schwanenhaus“ gewesen sein, weil in dem jetzt gelesenen Buch, die erste Seite, in der wohl eine Widmung gestanden ist, herausgeschnitten wurde und so mußte ich erst nachgooglen, das „Der Augenblick der Liebe“ 2004 erschienen ist und der erste Walser-Roman ist, der schon bei „Rohwohlt“ erschien, da er sich wohl nach dem „Tod eines Kritikers“ von „Suhrkamp“ trennte.

Genauer kann man das wahrscheinlich in dem „Spiegel-Sonderheft“ nachlesen, das zum neunzigsten Geburtstag des Dichters erschienen ist, und das mir die Ruth freundlicherweise zur Verfügung stellte, nachdem sie mitbekam, daß ich mich auf unserer Reise für den großen deutschen Dichter interessierte, obwohl so eine Walser Spezialistin bin ich eigentlich nicht.

Aber den „Tod eines Kritikers“ habe ich gelesen, „Messners Gedanken“, „Ein liebender Mann“ und dann noch seine „Sonntagsrede“, ein paar andere Bücher, über die ich noch nicht bloggte, höchstwahrscheinlich auch und interessant ist  daß „Im Augenblick der Liebe“ derselbe Held vorkommt, der auch der Protagonist vom „Schwanenhaus“ nämlich Gottlieb Zürn oder Wendelin Krall, wie er sich auch nennt und das Sujet ist wieder das Klischee, alter Mann verliebt sich in junge Frau oder auch nicht.

Das ist ja das berühmter Walser Klischee, das der das in den letzten Jahren immer wieder schreibt, ich habe  nur den Goethe Roman gelesen,  in diesen Buch, das „Schwanenhaus“ muß ich erst lesen, kommt es aber auch sehr stark vor.

Das Buch hat vier Teile, „Kommen und Gehen“, „Zusammenfinden“, „Auseinanderkommen“, „Kehre“ und eigentlich ist die Handlung sehr schnell erzählt.

Gottlieb Zürn ist ein Ex-Makler und Privatgelehrter, der mit seiner Frau Anna, einer erfolgreichen Immobilienmaklerin, von der er auch zu leben scheint, am Bodensee lebt und  bekommt eines Tages Besuch von einer jungen Doktorantin aus Amerika, die ihre Disseration über den französischen Philosophen La Mettrie schreibt, über den Zürn auch forschte.

Sie bringt ihm eine Sonnenblume mit. Er verliebt sich in sie, reist ihr nach nach Amerika, um dort ein Referat bei einem Kongreß zu halten, dort verliert er aber seine Stimme. So reist er wieder zurück zu Frau und Töchtern, da überfällt ihn aber die Sehnsucht nach der Geliebten. So bucht er fast wieder einen Flug, bekommt aber vorher die Nachricht, daß sie schon geheiratet hat.

So weit, so what und ein Unglück für den alten Helden und ein ganzes Kapitel über den mir bisher unbekannten Philosophen gibt es in dem Buch auch.

Ein Buch, das das Klischee bestätigen könnte, aber ich bin keine Walser-Spezialistin, habe nicht wirklich viel von ihm gelesen und bin jetzt während unserer Reise, sozusagen in das Buch, das ich in Friedrichshafen zu lesen begonnen habe, hineingefallen, denn der Ort Langenargen, durch den wir an diesen Tag geradelt sind, kommt darin vor und in Überlingen, wo Martin Walser laut dem Buch ja leben soll, in anderen Beschreibungen, wird der Ort Nußdorf genannt, sind wir sogar spazierengegangen.

Das war also sehr interessant, obwohl ich Martin Walsers Bodensee Bezüge  ja  noch in einem anderen Buch viel näher gekommen sind.

So ist mir das Klischee von dem Begehren eines alternden Mannes nach einer jungen Frau und das sich vielleicht darüber lutstig machen in sehr schönen und sehr komplizierten Worten, mit sehr schönen und sehr komplizierten Anspielungen, hängen geblieben und da ich dann noch viel später, als wir schon in Feldkirch waren, noch den  „Springenden Brunnen“, den ich möglicherweise schon gelesen habe, im Bücherschrank gefunden habe, kann ich diesen Klischee dann vielleicht auch noch nachgehen oder  die „Spiegel-Rezensionen“ nachlesen, die auch den politischen Walser, den Essayisten und viele andere seiner Facetten zeigen, die er höchstwahrscheinlich auch noch hat.

2016-01-25

Josef Winklers Abschiede

Der 1953 in Kamering geborene Josef Winkler, der 2008 den „Büchner-Preis bekommen“ hat, hat ein neues Buch geschrieben, beziehungsweise herausgegeben „Abschied von Vater und Mutter“, das offenbar die Texte „Roppongi- Requiem für einen Vater“ 2007  und „Mutter und der Bleistift“ 2013 erschienen, vereinigt, das heute von Angelika Reitzer kommentiert und moderiert in der „Alten Schmiede“ vorgestellt wurde.

Vorher hat es noch eine „Stunde der literarischen Erleuchtung“ gegegeben, wo Andrea Grill und Alexandra Millners Albert Drachs „Vogeltexte“ vorstellten, da hatte ich leider eine Stunde, denn das wäre sicher auch sehr interessant gewesen, habe ich ja schon einmal eine „Literarische Erleuchtung“ über Albert Drach versäumt und Alexandra Millner hat ja glaube ich auch bei dem „Josef Winkler Symposium“ vor zwei Jahren mitgewirkt, wo glaube ich, auch der Text „Mutter und der Bleistift vorgestellt wurde.

Der diesbezüglich erschienene Symposiumbericht lag am Büchertisch, auch, die neuen und die alten Bücher und auch ein Buch Josef Winkler und Karl May, den der hat, glaube ich, den großen Kärtner Bauernsohn das Lesen beigebracht.

Ich habe übrigens vor kurzem auch ein Winkler-Buch in einem der Schränke gefunden, nämlich „Leichnam seine Familie belauernd“, das ich leider nur gerade nicht finden kann, habe ich doch heute meine Bücherstöße umgeräumt um Margot Kollers „Im Paradies der Bücher“ zu finden, damit ich es mitnehmen kann, wenn wir am Wochenende nach Salzburg fahren, was aber ohnehin nichts macht, weil ich zum Lesen des Winkler Buches derzeit ohnehin nicht komme und die Lesung war sehr sehr interessant, ist Josef Winkler ja einer, der über sein eigenes Leben schreibt und wie er selber sagte, vierzig Jahre nichts anderes als das in immer anderen Varianten und Wiederholungen getan hat.

Das erste waren die drei Kärntner Heimatromane „Menschenkind“ „Ackermann von Kärnen“ und „Muttersprache“ wie sie glaube ich auch „Das  wilde Kärnten“ genannt werden, dann kamen die Reiseberichte über Indien und Rom aber immer wieder die Auseinandersethzung mit dem Vater und der Mutter.

Zum Vater hat er ein schwieriges Verhältnis gehabt, der hat ihn offenbar erst später an und aufgenommen und ihm auch verboten zu seinem Begräbnis zu gehen und die Mutter ist schon als junge Frau verstummt, nachdem im zweiten Weltkrieg, ihr dritter Bruder Adam, gefallen ist.

Die Mutter soll sich auch wie Angelika Reitzer in ihrer Einleitung erwähnte, darüber beschwert haben, daß der Sohn soviel über sie und die Familie geschrieben hat.

Was ich verstehen kann, daß das für eine Kärntner Bauernfamilie nicht einfach war, einen Sohn zu haben, der berühmt damit wurde, daß er über seine Kärntner Kindheit schreibt und das ist in dem sogenannten „Mutterrequiem wo Ilse Aichingers Texte immer wieder mit dem Leichnam des toten Adams, dem Großvaters, dem Apfelbaum, dem Nußbaum und den Heiligenbildner im Schlafzimmer vernetzt werden, hervorragend gelungen.

Angelika Reitzer hat sich nach der Lesung auch nach der Bewandnis der Aichinger Texte erkundigt und Josef Winkler hat  geantwortet, daß er zum neunzigsten Geburtstag der Dichterin einen Text über sie schreiben sollte, es war aber wenig Zeit dazu, denn er war ja im Sommer in Indien, da hat er „Kleist, Moos, Fasane“ mitgenommen,  dort den Text gelesen, beziehungsweise in seine Muttergeschichte verwebt.

Josef Winkler war in dem Gesrpäch überhaupt erstaunlich offen und erzählte von seiner Bezeihung zu seinem Vater und seiner Mutter, über den Vater konnte er sehr viel schreiben und hat das auch getan. Die Mutter hat ihn mit ihrer Sprachlosigkeit offenbar angesteckt und er konnte, als er zu schreiben anfing auch Thomas Bernhard in der Furcht, daß er dann so schreiben würde, nicht lesen.

Nach seinen ersten drei Romanen hatte er auch eine Verstummungsphase, dann ist er nach Kärtnen zu seinem Vater zurückgegangen und hat in der Auseinandersetzung mit ihm, seine Sprache widergefunden und so schreibt er vierzig Jahre „den gleichen Stuss“ wie er es selber nannte und bewundere seine Kollegen, die so einfach eine Geschichte mit Plot und Handlung hinunterschreiben können, was ihm nicht gelinge und das finde ich sehr interessant und sehr ehrlich und habe, die ich damit ja irgendwie in der Mitte stehe, auch eine Auseinandersetzung mit meiner damaligen Kritikerin JuSophie gehabt, die meinte, daß nichts schwerer wäre, als Personen zu erfinden und, daß man von dem eigenen Ich wegkommen soll.

Die Literaturgeschichte lehrt, glaube ich, sehr gut, daß man das nicht muß, beziehungsweise nicht alle, es gibt eine Vielzahl von Autoren, die von ihrer Biografie leben und die wiederholen sich damit wahrscheinlich auch, wie es jetzt vielleicht gerade Robert Walser mit seinem neuen Roman „Ein sterbender Mann“ passierte, den ich zwar nicht gelesen habe, wohl aber Tobias Nazemis „Brief an Martin“, der in dem neuen Selbstbewußtsein der Bücherblogger meinte, von den ewig gleichen Romanen enttäuscht worden zu sein.

Das kann man Josef Winkler vielleicht auch vorwerfen und der Leser muß wohl entscheiden, ob er eine spannende Geschichte mit einem erfundenen Plot haben will oder die Autobiografie eines Autors, der sein Leben lang Dasselbe  in wechselnden Variationen schreibt?

Ich finde beides wichtig, lese beides, interessiere mich auch dafür, wenn sich  Autoren oder Autorinnen mit ihrem Krankheiten, etcertera beschäftigen und bin auch nicht so ungeduldig Bücher wegzuwerfen, beziehungsweise würde ich es sehr anmaßend finden, einen Autor zu sagen, daß er vor zwanzig Jahren zu schreiben aufhören hätte sollen! Finde es aber spannend, daß Josef Winkler sein Kreisen, um seine Kindheit, selbst als „denselben Stuss“ bezeichnet hat  und wahrscheinlich sollte ich mehr Josef Winkler lesen.

„Leichnam seine Familie belauernd“ wartet noch auf mich und ich, die ich ja auch sehr viel über mich und die Kränkung nicht und nicht in den Literaturbetrieb hineinzukommen, schreibe, kann fröhlich vermelden, daß dies bald der 2500 Artikel ist, in dem ich über Veranstaltungen, Bücher oder mein Schreiben berichte.

Es ist, glaube ich, der 2498, weil die Besprechung von Dimitri Verhulsts „Die letzte Liebe meiner Mutter“ für Mittwoch geplant ist und es von Pavel Kohouts „Henkerin“ erst einen Entwurf gibt, weil ich das Buch in Harland noch nicht ganz gelesen habe, also „auch sehr viel Stuss“, den ich schreiben muß und immer wieder schreibe, wie wahrscheinlich auch Josef Winkler weiterschreiben wird und gleich von einer Idee erzählte, die ihn beschäftigt.

Angelika Reitzer fragte dann auch nach den neuen Plänen und er meinte, daß er wieder eine Sammlung von Skizzen  herausgegeben wird, weil man ja alle paar Jahre einen neuen Text veröffentlichen soll und erwähnte einen mexikanischen Autor, der nur zwei Bücher veröffentlichte und danach erklärte, daß ihm das Schreiben nicht mehr interessieren würde.

Jerome David Salinger und Harper Lee haben es, glaube ich, ähnlich gemacht, andere, wie Josef Winkler, Martin Walser und auch ich müßen schreiben, wenn sie vielleicht auch schon ein wenig ausgeschrieben sind, aber „Man schreibt immer denselben Roman, ein Leben lang“, ist auch das Vorwort von einen meiner Bücher.

2015-03-27

Ein liebender Mann

Filed under: Bücher — jancak @ 00:03
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1821 lernte der über siebzigjährige Goethe in Marienbad, die siebzehnjährige Ulrike von Levetzow kennen, der er 1823 einen Heiratsantrag machte, der aber abgewiesen wurde, so daß er daraufhin die „Marienbader-Elegien“ schrieb, 1832 in Weimar starb, Ulrike von Levetzow ist unverheiratet geblieben und hat, wie ich „Wikipedia“ entnahm, ihr Leben lang dementiert ein Liebesverhältnis, sondern nur eine väterliche Beziehung zu dem alten Geheimrat gehabt zu haben, trotzdem ist sie als Goethes letzte Liebe in die Geschichte eingegangen und der 1927 in Wasserburg geborene Martin Walser, hat 2009  den Roman „Ein liebender Mann“ darüber geschrieben, der als verbilligtes Taschenbuch über den „Thalia-Abverkaufstoß“ zu mir gekommen ist, angelesen habe ich ihn ihn aber schon 2009, denn damals hat die FAZ einen Teil des Romanes im Internet veröffentlicht und allgemein kann es als sehr interessant empfinden, was einem ebenfalls nicht mehr jungen Mann über die letzte Liebe des alten Geheimrates eingefallen ist.

Das Buch ist in drei Teile gegliedert, der erste spielt, 1823 in Marienbad, da ist Goethe mit seinem Diener Stadelmann, der sich ein Geschäft darausmacht, Goethes Haare zu verkaufen und dem Schreiber John auf Kur, sein Freund und Dienstgeber, Großerzog Carl August  bzw. Chef steht irgendwo, Martin Walser bedient sich durchaus einer modernen Ausdrucksweise, ist ebenfalls anwesen und Frau von Levetzow mit ihren drei Töchtern, Ulrike, Amilie und Berta, neunzehn, sechzehn und fünzehn Jahre alt.

Goethe geht mit der „Contresse Ulrike“, wie die, in einem Straßburger Internat Erzogene, genannt wird, weil sie so kritische Fragen stellt, spazieren und auf Abendgesellschaften, da tanzt er mit ihr. Es ist aber üblich, daß die Tänze abgelöst werden können, so tritt ein Herr de Ror auf, ein halbgriechischer oder halbtürkischer Gewürzwarenhändler von dem man keinen Vornamen weiß und Goethe erglüht in Eifersucht.

Sein Alter macht ihn auch zu schaffen, er ist drei-, bald vierzundsiebzig, also fünfundfünfzig Jahre älter, während sich sein Hausarzt ein Mann von fünfzig Jaren mit einer dreißig Jahre jüngeren Frau verlobt.

Das mag noch angehen, aber fünfundfünfzig? Trotzdem geht das Leben weiter. Nach dem Eifersuchtsanfall, wo Goethe sich beleidigt in sein Gasthauszimmer zurückzieht, kommt es zu einem Kostümball und da verkleidet er sich als Werther, Ulrike als Lotte und sie gewinnen auch noch den ersten Preis, nur als sie zwischendurch spazieren gehen, stürzt der alte Mann, muß vom Hausarzt versorgt werden, entschließt sich aber trotzdem, den Herzog als Heiratsvermittler zu Frau von Levettow zu schicken.

Das wird, wie in „Wikipedia“ steht abgewiesen, in dem Buch wird das etwas unverbindlicher ausgedrückt. Die Familie reist nach Karlsbad ab. Goethe reist nach und geht sogar vier Stunden mit Ulrike spazieren, wobei es zu einer „Du -Zone“ kommt.

Es werden auch Küße getauscht und weil die Levetzowschen Töchter, Frauen des neunzehnten Jahrhunderts sind, bedienen sie sich und das finde ich genauso köstlich, wie die „Contresse Ulrike“, einer Art Kürzelsprache und sagen“Swswnn“, wenn sie „So weit sind wir noch nicht“ meinen und „ab“ „Aber bald“.

Das sind schon Floskeln, die Goethe und Ulrike während des Spaziergangs austauschen, sie schickt ihm ein Band, das sie als Lotte trug, er raubt ihr einen Handschuh und im dritten Teil ist sie wieder im Internat, dort hat sie angeblich nur Schiller und nicht Goethe gelesen, wie die vorlaute Schwester, dem Geheimrat in Marienbad verriet. Goethe in Weimar, im Hause seines Sohnes August und seiner Schwiegertochter Ottilie, die auch etwas gegen die Liebe des „Lustgreises“ und wahrscheinlich gegen eine Heirat haben.

So schreibt Goethe  die „Marienbadner-Elegien“, die er im Roman Ulrike zukommen läßt, in Wirklichkeit scheint das nicht geschehen zu sein. Walser läßt Goethe auch Briefe an Ulrike schreiben, beziehungsweise übt er sich in der Kunst des Briefromanes und da schildert er die Überwachungen, beziehunsweise die Beschimpfungen seiner Schwiegertochter, die Ulrike eine „Ehrgeizhure“ nennt. Das läßt Walser Goethe tatsächlich an seine Geliebte schreiben, was mir als nicht sehr realistisch scheint. Er schreibt auch von seinen Befürchtungen, daß sie die Briefe nicht erhalten wird, weil Ottilie, den Postmeister besticht und sie abfangen lassen wird.

Es werden auch Goethes weitere Eifersuchtsanfälle, abwechselnd mit seinem Herzrasen geschildert, das er bekommt, als er einen Brief von Ulrike empfängt, die ihm einen Besuch von Herrn de Ror, der, wie inzwischen herauskommt, Juan heißt, erzählt und von Schmuckstücken, die ihr, die bisher immer ungeschmückt war, von dem Händler zur Verfügung gestellt bekommt.

Dazwischen wird sein Leid, auch in dem Romanversuch „Ein liebender Mann“ geschildert und auf der letzten Seite läßt Walser Ulrikes Kammerfrau erzählen, daß sie am zwölften November 1899, einen Tag vor ihrem Tod, seine Briefe verbrennen ließ.

Eine interessante literarische Deutung eines anderen großen Dichters und alten Mannes über die vermutlich letzte Liebe Goethes.

Und für Johann Wolfgang Goethe hat sich der Vielschreiber, der einen beachtlichen Werkkatalog aufzuweisen hat, von dem ich einiges gelesen  habe, glaube ich, auch in anderen Werken interessiert, so habe ich das Surhkjamp-Taschenbüchlein „In Goethes Hand“, noch auf meiner Leseliste.

Interessant, interessant, ob es jetzt so war oder nicht, in Walsers Phantasie hat es sich so abgespielt und mir hat vor allem der moderne Ton, in den er die Geschichte packt, sehr gefallen, so sprechen Ulrike und Goethe ganz am Anfang auch über Literatur, Byron und Scott sind gerade in  und sie unterhalten sich über „Satzhoheiten“ und „unvorgreifliche Voschläge“, das ist die „höflichste Art sich etwas dringend zu wünschen“, sagt Ulrike, während Goethe, den Ulrike Exzellenz nennt, von einer „Art Befehl“, spricht.

Seine Farbenlehre kommt vor und so sieht er auch Ulrikes Augenfarbe von blau in grün wechseln und über seine Minerialiensammlung wird auch berichtet.

Sehr interessant also, Goethe über Martin Walser näher kennenzulernen, ich kann mich aber an die Worte meiner Lehrerinnen erinnern, da weiß ich  nicht mehr so genau, ob es die Frau Linser in der Haptschule oder die Frau Professor Friedl in der Straßergasse war, die, als sie über die Liebe des alten Goethe zu einem jungen Mädchen und seinen Heiratsantrag, berichtete, meinte, daß ihre Eltern bzw.  Mutter so vernünftig waren, ihn abzulehen.

Nach der Lektüre des Buches denke ich fast ein wenig aufmüpferisch, die junge Frau wäre gut versorgt gewesen, hätte mit dem alten Herrn über Literatur diskutieren können und wäre bald Witwe geworden, vielleicht hätte sie ihn ein bißchen pflegen müßen, Personal wäre aber im Haus gewesen, was ist also dabei?

Die Welt natürlich, die Klatschmäuler und wahrscheinlich die Familie Goehte Junior und darüber hat auch Gerhard Hauptmann ein Drama geschrieben und ich habe in meiner Sturm und Drang Phase, die „Leiden des jungen Werthers“ und noch andere Goethe-Lektüre gelesen. Ein Gedichtausgabe, habe ich einmal zu Weihnachten von meinen Eltern bekommen, mit der Frau Professor Friedl haben wir ein Jahr den „Faust“ studiert, was ich zuerst für einen Witz gehalten habe und heute etwas übertriebenfinde.

Ein Buch der Ottilie von Goethe, wahrscheinlich sind es Gedichte oder ein Tagebuch, habe ich mir einmal antiquarisch gekauft und sogar einmal eine Erzählung über den „Torquato Tasso“ geschrieben, der mich in meiner „Sturm und Drang-Phase sehr beeindruckt hat.

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