Literaturgefluester

2019-03-31

Zustandsbericht

Wieso gibt es hier so viele Buchbesprechungen und seit drei Wochen keine Veranstaltungsberichte mehr?, mag vielleicht ein nicht so regelmäßiger Besucher fragen.

Richtig, da war ja der Sturz vor drei Wochen vom Weg von der Rudolfshöhe in Richtung Ochsenburg, der Hubschrauberflug ins Universitätsklinikum St. Pölten, der Gips, der inzwischen mehrmals ausgewechselt wurde und jetzt durch einen leichtere Umhüllung aus Plastik ersetzt wurde.

In den drei Tagen Krankenhaus lesen lesen lesen. Es kamen da ja auch zwei Besucher, die mir, Achtung nicht gedendert, neuen Lesestoff brachten, dann war auch noch die gesellschaftsrelevante Lektür vom Frauentag da, die ich später, bis ich zu den Frühjahrsneuerscheinungen kam, aufgelesen habe. Leipzig wiedermal im Zimmer und nicht live vor Ort, zwischen meinen Praxisstunden, denn die habe ich gleich am nächsten Tag, als ich vom Krankenhaus zurückgekommen bin, gemacht.

Sonst nicht sehr viel. Krückenlos durch die Praxis-Wohnung, das liegt ja gleich gegenüber, nur in der Reinprechtsdorferstraße hatte ich eine extra Praxis und vorher in der Gumpndorferstraße, von wo wir dann jeweils nach St. Pölten gependelt sind, gehumpelt.

Einmal war ich  mit dem Filmcasino bei der „Rocky Horror Picture Show“, weil wir da schon Karten hatten und das Kino ja keine fünf Minuten von der Krongasse entfernt liegt.

Ansonsten lesen lesen, kein Leipzig, keine „Lyrik im März“ und keine andere der schon geplanten und sicher schön gewesenen Veranstaltungen.

Inzwischen bin ich etwas mobiler und kann, der Gips soll ja nach Ostern hinunterkommen, mir vorstellen, es nächste Woche probeweise mal mit dem Literaturhaus Krems versuchen, es naht ja wieder „Literatur und Wein“, wo der Alfred wieder, diesmal nach einigen Zögern Karten bestellt hat, die Samstägige Wanderung lasse ich aus und kann mich stattdessen ja an die Donau setzen, wenn ich es so weit schaffe, wie es mit Göttweig, das ja auf einen Berg liegt, wird, werden wir sehen und dazwischen lesen lesen lesen, was ja nichts macht, denn ich Frühjahrsneuerscheinungsleseliste ist ja sehr lang, obwohl ich mich da ja immer zurückzunehmen versuche und es nicht schaffe, denn meine Neugier auf all das Geschriebene ist ja sehr groß.

Ein wenig langweilig?, werden vielleicht meine regelmäßigen oder auch unregelmäßigen Leser fragen.

Wahrscheinlich schon, sechs Wochen lang nur in der Wohnung herumzuhumpeln, am Wochenende weil es jetzt schon sehr frühlingshaft ist, auf der Terrasse im Nachthemd die Calamari und die Sardinen essen, die der Alfred immer so getreulich vom Naschmarkt holt.

Am Freitag nach St. Pölten fahren und den Gips wechseln lassen. Da muß man, das kann ich gleich lobend erwähnen, eigentlich nie sehr lange warten, was im AKH sicher anders wäre und am letzten Freitag bin ich dann schon in Harland, wo unsere Wohnung im ersten Stock liegt, herumgegangen.

Die „Magdalena Kirchberg“ korrigeren, das ist gut, denn die sollte  schon bald fertig werden und sonst nicht sehr viel, außer den ungefähr zwanzig Stunden, die ich so  pro Woche habe.

Nicht sehr viel also und wahrscheinlich wirklich langweilig, wenn es nicht, die politischen Ereignisse und den lieben Uli gäbe, der ja nach Frau Haidegger und You Sophie mein dritter Kritiker wäre, der sich über mein fehlerhaftes Bloggen und meinen Anspruch es trotzdem im Literaturbetrieb zu etwas zu bringen, aufregt und der sich in Zeiten, wie diesen noch als aufrechter Rechter erweist, der auf alles, was ihm nicht passt und das ist sehr viel, wie eine Armee von Rohrspatzen vor sich hinschimpft.

Hat doch die sogenannte Flüchtlingskrise ja seit 2015, die Welt verändert, die Rechten, wollen alle, die  ihrer Meinung nach „Noch nicht aufgewacht sind“ und den sogenannten „großen Austausch nicht als Bedrohung“, sondern vielleicht immer noch als Bereicherung sehen, aufwecken und benützen viele Beispiele dazu, was nicht passt,  die Linken, Grünen und die Sozialisten zu beschimpfen, beispielsweise, wenn sie statt Weihnachtskarten, „Wintergrüße“ versenden, um niemanden zu kränken oder was vielleicht wirklich ein bißchen bizzar ist, das Tragen von Indianderkostümen bei den Kinderfaschingsbällen verbieten wollen.

„Die Lehrerinnen sollen auch aus den Schulen!“, weil sie sich ja angeblich oder tatsächlich gegen das Mobbing der zugewanderten Kinder, die diese auf die sogenannten „Bio-Deutschen“ ausüben, durchsetzen können und wenn ich das als „frauenfeindlich“ betrachte und auch das Gendern und die neue Bundeshymne möchte, gerät der Uli in Rage und belehrt mich per Mail:

„Ich solle doch aufhören schlechten Journalismus zu betreiben!“

Aber den betreibe ich gar nicht, weder guten noch schlechten, sondern begnüge mich auf meinen höchstpersönlichen Tagebuch in dem ich die Welt über mein literarisches und bezüglich Sturz, beispielsweise auch privates Leben unterrichte, auch auf meine politischen Ansichten hinzuweise.

So berichte ich beispielsweise über die Donnerstagsdemonstrationen, gut die fallen, der Uli kann sich freuen, in der nächsten Zeit aus, da geht dann nur noch der Alfred mit der „Auge-Fahne“, weil er ja grüner Gewerkschaftler und Betriebsrat an der WU ist, hin und hat den, laut Martin Sellner, dem Chef der Identitären, größten Triumpf gegen die Antifaschisten, die dort angeblich aufmarscheren, nämlich, weil der ein „Großes Austausch- Transparent“, hißte, während die Donnerstagsdemonstranten vorbeimarschierten, gar nicht bemerkt und das er das tat, hat seinen guten Grund, ist er doch bezüglich der rechtsextremen Anschläge auf  zwei Moscheen in Neuseeland und eine Spende des  Attentatäters, ins Visier der Öffentlichkeit geraten und darüber, lieber Uli, kann man schreiben und seine Meinung äußern!

Man kann auch für den Rücktritt von Minister Kickl unterschreiben, wenn man der Meinung ist, einen anderen Innenminister zu wollen. Erstaunlich vielleicht, wenn man dann auf einer SPÖ-Seite landet und gleich aufgefordert wird, in die Partei einzutreten, obwohl ja die GAV bzw. die IG- Autoren zur Unterschrift aufgefordert haben und weiter Pech vielleicht, wenn dann gepostet wird: „Das es fein ist, jetzt eine solche Unterschriftenliste zu haben, weil man dann, wenn, es so weit wäre, die Leute gleich….., etcetera, etcetera, -abholen könnte!“

Ein Schelm, wer da an „Finsterwalde“, denkt oder nein, das ist ja ein Krimi oder ein Jugendroman,  spielt in Deutschland und wurde vom Uli, als absurd beurteilt.

Mit dem werde ich mich also vielleicht weiter streiten, ob ich meine politischen Ansichten äußern darf oder mich auf das bloße Buch besprechen begnügen soll, aber da habe ich ja auch noch einiges sehr kritisches, wie beispielsweise das neue Buch von Robert Misik, das sich genau mit diesem Thema beschäftigt, auf meiner Leseliste und der Uli äußert sich auch immer sehr politisch und betrachtet es als sein gutes Recht beispielsweise Sarah Wiener, als „verwirrte Person“ zu beschimpfen und sie an den Herd, beiehungsweise an den „Kaiserschmarrn“ zurückzuschicken, obwohl sie, weil sie ja ein Buch über Bienen geschrieben hat, nichts anderes tat, als zu meinen, daß man von den Bienen das menschliche Verhalten gut ableiten oder beobachten kann.

Kann man, lieber Uli, auch wenn die Wächterbienen, die bösen Eindringliche abwehren, das wollen Sie ja auch und können in diesem Sinn der Grünpolitikerin dankbar sein, wenn sie da auf ihrer Welle schwimmt  und das menschliches Verhalten bestätigt obwohl sie es wahrscheinlich auf der anderen Seite wieder verändern will.

So weit, so gut, es ist, wie es, der „Brexit“ in England scheint gescheitert oder wird möglicherweise sehr ungeordnet passieren, weil sich die Leute auch da nicht mit ihren eigenen Abstimmungen zufriedengeben können. Der Rechtspopulismus wächst an, der Uli schreibt und schimpft darüber und ich werde ihm zwischen meinen Stunden und meinen oft sehr politischen Büchern auch weiter antworten und mir vom Alfred erzählen lassen, was auf den Donnerstagsdemos so passiert, bis ich wieder selber mitgehen kann.

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