Literaturgefluester

2020-06-11

Aufruhr

Filed under: Bücher — jancak @ 00:03
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Jetzt kommt ein Buch, das auf der österreichischen, als auch auf der deutschen Buchpreisliste stehen könnte, das neue Buch des 1941 in Kapfenberg geborenen Michael Scharangs, von dem ich 1973, als ich mich nach meiner Matura für Literatur zu interessieren begann, etwas hörte, weil da gerade sein Roman „Charly Tractor“ erschienen ist.

Den habe ich nicht glesen, wohl aber das „Jüngste Gericht des Michelangelo Spatz“ und die „Komödie des Alters“. ein paar andere der Schrang-Bücher, der als ein sehr politischer Autor gilt, habe ich in meinen Regalen stehen und von dem neuen Buch, habe ich im Morgenjournal vor ein paar Wochen gehört und mir gedacht, daß es wahrscheinlich zu Zeiten wie diesen, wo alles ja auch nicht normal sondern in „Aufruhr“ ist, passen könnte und dazu passt auch schon der erste Satz, der eigentlich auch ein Aufruhr sein könnte, denn Miael Scharang spoilert hier, was ich ja inzwischen gerlernt habe, daß man das nicht darf, seinen Roman, lautet der doch „Diese Geschichte begann in New York, fand ihre Fortsetzung in Wien und endet damit, dass die österreichische Regierung ins Ausland flüchtet“

Das macht neugierig, weckt bestimmte Assoziationen, so habe ich, da ich ja in Zeiten, wie diesen auch ein wenig in Aufruhr bin und Klarheit brauchte, es bestellt und ich muß sagen, es hat mich eher verwirrt, denn Michael Scharang ist einer, der in seinem neuen Buch von hundersten wahrscheinlich in Millionste kommt und wahrscheinlich an seiner Farce, wie er die Welt beschreibt, großen Spaß hatte. Ich bin aber, fürchte ich, nicht ganz mitgekommen und wurde von den Buch, da ich ja alles immer ganz genau zusammenfassen will, auch überfordert.

Dabei beginnt es eigentlich ganz einfach in New York in Freddys Bar, das Maximilian Spatz, der Sohn jenes Michelangelo Spatz, dem Scharang ja auch ein Buch gewidmet hat, das ich vor 2008 gelesen, also hier noch nicht besprochen habe, aber, wie ich mich erinnen kann, vielleicht auch ein wenig verwirrt war, sich vor seinem Dienst, er ist Psychiater, besucht und dabei einen Mord beobachtet.

Das wird sehr ausführlich erzählt und stimmt eigentlich mit der Beschreibung des Klappentextes nicht überein, denn der setzt erst viel später ein, steht da doch etwas, daß der Psychiater ein Jahr bezahlten Urlaub bekommt und sich in diesem nach Wien begibt, aber vorher geht er noch zu der Familie einer Patientin und spricht mit ihren Kindern.

Er trinkt auch sehr viel, dann geht er zu einer Sitzung und erfährt dort, er wird für ein Jahr freigestellt und fliegt nach Wien. Seltsam auch, daß er dabei allen erzählt, er würde ganz andere Berufe haben. Er bekommt auch vom Zollbeamten gleich ein Jahresvisum und eine Arbeitserlaubniss, freundet sich dann mit dem Taxifahrer an, der ihn in die Grünangergasse bringt, wo er eine große und vornehme Wophnung hat, die von einer neunzigjährigen Haushälterin der Frau Ehrenreich in Stand gehalten wird. In deren Nichte, Anna Berg verliebt er sich, die ist Verkäuferin in einen Warenhaus auf der Mariahilferstraße und Betriebrätin.

Vorher macht er aber noch einige skurile Bekanntschaften in Wien, wo er sich neu einkleidet, sich zum Beispiel einen Mantel über tausend Euro kauft und die Farce beginnt.

Denn um Anna näher zu kommen, bewirbt er sich in deren Kaufhaus, als Schaufensterdekorateur, macht dann Schaufensterpuppen aus Elfantenknochen und redet dem Geschäftsführer ein, er müße alle Waren um neunzig Prozent verbilligt verkaufen. Der macht daraus, auch irgendwie skurill, ein großes Geschäft. Trotzdem will er den Angestellten den Lohn kürzen und den Streik verbieten. Spatz und sein Freund Montefiori, der Biologe, der ihm die Elefantenknochen besorgte, man sieht Scharang hat es auch mit den sprechenden Namen, führen dann im Schaufenster Stummfilmszenen auf, plant mit seinen anderen Freunden, den skurillen Gestalten, die er an seinem ersten Tag in Wien kennenlernte, aber die Revolution, die damit endet, daß die Streikbewegungen, in große Feiern übergehen, die Polizei greift nicht ein, aber wohl das Militär, angefeuert von einem Patientin Spatz, der auch anach Wien kommt, die Regierung geht dann wie beschreiben für drei Monate ins Ausland und Spatz mit seinen Freunden sowie mit seiner Exfrau, die auch noch eine Rolle spielt, nach New York gesagt, wie gsagt, eine Farce, gigatisch und überschwenglich, ich mußt gestehen, am Schluß bin ich nicht mehr mitgekommen, habe vieles überlesen und bleibe etwas ratlos zurück, denke aber, das Schreiben hat dem sehr politischen Michael Scharang großen Spaß gemacht und ein solches Buch ist in Zeiten, wie diesen, wo wir ja wieder zu unserer Normalität zurückfinden müßen und vor der größten Arbeitslosigkeit seit 1945 stehten, interessant, weiß aber nicht, wieviele Leute sich in Zeiten, wie diesen auch die Zeit nehmen werden, es zu lesen und, daß dann vielleicht auch noch lustig finden.

2019-02-12

Als die Nacht begann

Nach dem November 1918 kam der zwölfte Februar 1934 und nach dem Februar 2018 habe ich im Schrank ein kleines in schwarz weiß gehaltenes Büchlein gefunden, ein Comic-Heftchen von Thomas Fatzinek von „Bahoe Books“, die Walter Famler bei der „Literatur im Herbst“ 2017 besonders hingewiesen hat und dank des Fundes, kann ich am heutigen zwölften Februar, wo ja nicht nur Thomas Bernhard gerstorben ist, aktuell sein und auf ein weiteres Stück Geschichte eingehen.

Es beginnt mit der Geburt des kleines Oskars im Oktober 1911, da war meine Jancak-Oma gerade mit meinem Vater schwanger, der kleine Oskar auch ein Arbeiterkind,wurde in der Brigittenau geboren, der Vater war Arbeiter, die „Mutter hatte es auch nicht leicht mit ihren drei Kindern“ und von der Republiksgründung im November 1918 hat der kleine Oskar, wie wohl auch meine damals drei und sechsjährigen Eltern nicht viel mitbekommen, dafür mehr vom 15. Juli 1927, wo ein „Heimwehrfaschist zwei Arbeiter ermordete und freigesprochen wurde“.

Da kam es zu einem Protest, bei dem „fünfundachtzig Menschen“ getötet wurden.

Am „19. Mai 1930 gelobten die Heimwehren mit dem Kornburger Eid öffentlich ein faschistischen Regime zu errichten“, während Oskar eine Stelle bei den Wiener Verkehrsbetrieben bekam, also wahrscheinlich Schaffner wurde, mit den Eltern in den berühmten „Karl Marx Hof“ ein Paradebeispiel des sozialistischen Wohnbaus des roten Wiens, zog und dort auch eine Freundin, die Emma, fand.

Er war bei der sozialistischen Arbeiterjugend und dem republikanischen Schutzbund, sie bei der KPÖ und 1933 kam Hitler in Deutschland an die Macht. Bundeskanzler Dollfuß führte in Österreich die Zensur ein und verbot „Schutzbund und KPÖ“. Der Maiaufmarsch wurde untersagt, Emil Fey Vizekanzler und ließ im Jänner 1934 die „Räume der Arbeiterbewegungen“ untersuchen.

„Anfang Februar besetzte die Heimwehr Innsbruck und übernahm die Landesregierung und als sie das auch in Linz tun wollte, begann man sich dort zu wehren, während Oskar am zwölften Februar, wie gewohnt mit seiner Emma zur Arbeit ging, wo schon der Generalstreik angesagt war. Der stellvertretende Schutzbundführer, aber keine Waffen hatte und Oskar mit dem Fahrrad zurück zum Karl Marx Hof fuhr, dort ging es dann los. Es kam zu einer „langen Nacht“ und „einem bösen Erwachen“.

Der Widerstand wurde gebrochen, Oskar mußte flüchten, ging bei der Tschechoslowakei über die Grezne, kam in die Sowetunion und später hat er in „Spanien gegen die Faschischten gekäpmft“.

„Aber das ist eine andere Geschichte“, so endet das Comicheftchen des 1965 in Linz geborenen Comicautors und Illustrators, der bei „Bahoe“ 2018 auch ein Buch über die „Annexion Österreichs an das dritte Reich“ und noch einiges andere herausgegeben hat.

Das müßte ich erst noch finden, bin aber Abend mit der KPÖ und der Bezirksvorsteherin ins „Filmcasino Margareten“ gegangen um mir den 1984 entstandenen Film, die „Kameraden des Koloman Wallisch“ anzusehen, zu dem Michael Scharang sowohl das Drehbuch schrieb, als auch Regier führte, der ja den Aufstand in der Steiermark anführte und am 19. Februar in Leoben hingerichtet wurde.

Seine Frau Paula hat das Buch  „Ein Held stirbt“ darüber geschrieben, das meine Eltern in ihrem Bücherschrank hatten. Leider habe ich es, glaube ich, schon 2007 gelesen, so daß ich nicht darauf verlinken kann.

,Der Film im übervollen Filmcasino, war in Zeiten, wo wir, wenn wir nicht sehr aufpassen, vielleicht wieder in Bürgerkriegsähnliche Zustände hineinschlittern könnten, wie ich ja mit meiner Diskussion mit dem Uli merken kann, war sehr interessant. Ich habe ihn noch nie gesehen, obwohl die Tonqualität sehr schlecht war. Es gibt nur Michael Scharangs Privatkopie und der ORF, der den Film digitalisiert hat, scheint ihn weder herzugeben, noch ihn im Fernsehen zu zeigen, was in Zeiten, wie diesen ja ganz besonders wichtig wäre.

Thomas Fatzineks Comic ist wahrscheinlich besonderes jüngeren Menschen, die in diesen Teil der Geschichte eintauchen wollen, sehr zu empfehlen, weil man da sehr schön in die Vergangenheit vor fünfundachtzig Jahren hineintauchen kann.

 

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