Literaturgefluester

2019-05-15

Sebastian Ferien im Kanzleramt

Jetzt kommt passend zum Vortrag im Literaturmuseum ein satirischer Roman, könnte ich so schreiben, aber den habe ich ja schon auf meinen Bücherchristbaum liegen gehabt und mir vom Alfred bei der letzten Kleinverlagsmesse im Museumsquartier kaufen lassen und erst jetzt gelesen, weil ich vorher soviel Neuerscheinungen „abzuarbeiten“ hatte, dabei ist Michael Ziegelwagners zweiter Roman ja auch erst im Vorjahr erschienen.

Bei dem ersten, der dann auf die Longlist von 2014 gekommen ist, war ich im Literaturhaus bei der Präsentation und da sagte mir der Name des 1983 in St. Pölten geborene, der Redakteur des Frankfurter Satiremagazins „Titanic“ gearbeitet hat, noch nichts und nun ein Roman über die österreichische Regierungsbildung und den Aufstieg des Sebastian Kurz zum Bundeskanzlers.

Das kann ja, da es in meiner „Unsichtbaren Frau“ auch darum geht und dort auch ein „Minister Basti“ vorkommt, nur spannend sein und ein „must to read“ und ist es ja auch spannend zu sehen, wie die anderen, solche Themen verarbeiten.

„Das Schuljahr beginnt! Sebastian ist neu in der Klasse, startet aber gleich voll durch. Mit seinen zwei besten Freunden will er viel verändern. Alte Schustrukturen hinter sich lassen und das Lehrpersonal in eine erfolgreiche Zukunft führen. Michael <ziegelwagner verbindet Enid Blyton mit österreichischer Innenpolitik. Aber: Droht am Ende doch Zoff mit den Lehrern?“, steht am Buchrücken und darunter ist noch angeführt, daß die Illustrationen von Leo Riegel stammen und die sieht man gleich am Cover.

Ein lächelnder Sebasti mit roten Wangen und den großen Ohren, die beiden anderen abgebildeten Personen könnten Elisabeth Köstinger und Reinhold Mitterlehner ähnlich sehen.

Da ich mit den Namen, wie Karoline Edelstaberl als Hilfslehrerin und  Direktor Albux Vandebore meine Schwierigkeiten hatte, das sind die, die ich noch eindeutig zuordnen konnte, frage ich mich, wie es den deutschen Lesern geht, die sich mit der österreichischen Bundesregierung vielleicht  nicht so auskennen?

Die Geschichte ist aber sehr einfach erzählt und hat mit der Bildung der österreichischen Bundesregierung vielleicht gar nicht so viel zu tun, wie das Cover mit dem Ballhausplatzbild suggerieren könnten. Genau genommen ist auch der Titel falsch, denn der Sebastian der da mit seinem Trolley zum Schloß Ballhausplatz mit der U-Bahn gefahren kommt, um dort in die Oberprima einzutreten, macht ja keine Ferien, sondern wird als Schüler ins Nobelinternat aufgenommen, wie ihm der hilfreiche Hausmeister, der sich um den Schlotternden und Zitternden annimmt, gleich freundlich erklärt. Dann kommt er in die Klasse, wo Professor Koffner von ihm gleich was über die Logarithmen hören will und der Junge stottert oder redet sich herum: „Ein wichtiges Thema, Logarithmieren, danke für diese Frage. Wenn Sie mir kurz erlauben, Herr Professor, ein bisschen auszuholen.. ein Satz nur zur Klarstellung, denn da werden….“

Mit diesem Talent muß man Klassensprecher werden und der junge antiautoritäre Musikprofessor Dr. Samstag, der vielleicht an Wolfgang Schüssel erinnern soll, der kurz die Klasse von Professor  Koffner übernimmt, hilft ihm dazu und springt danach singend aus dem Fenster.

Dann steht „Ende“ auf der Seite Mitten im Buch und danach geht es mit einem Sebastian, der traurig am Weihnachtsabend vor dem leeren Keksteller sitzt, weil seine Eltern kein Geld für die U- Bahnfahrt nach Hause haben und nur einen Brief schreiben „Wir können dir dieses Jahr zu Weihnachten nichts geben. Keine Playstation zum Spielen, keine Pakete zum Auspacken, keine Schokoschirme für den Christbaum. Wir haben nichts. Wir können dich nur bitten: Glaub an dieses Österreich..!“

Das ist auch von irgendwo gestohlen und passt nicht in den zeitlichen Rahmen. Was aber nichts macht, denn es kommt gleich der Hausmeister in verwandelter Gestalt. Den habe ich nicht  zuordnen können, was auch nichts macht, weil er sich gleich in den Pfeife rauchenden Direktor Alex van der Sowieso verwandelt und den Jungen auf das Dach bringt, wo die drei Berte, die Burschenschaftler der Schule, das fliegende Klassenzimmer in veränderter Form aufführen und Phrasen werden in dem Buch natürlich auch sehr viele gedrocschen.

Ein paar Beispiel gefällig?

„Wir brauchen Ziffernoten – Genau! Die verbale Beurteilung führt nur zu Verweichlung und Indifferenz!“

„Sanktionen für Schulschwänzer“ – „Flexi- Schule! Mit Ausdehnungsmöglichkeiten bis zu zwölf Stunden!“ – „Kopftuchverbot“.

Das sind wir aber schon bei der Wahlversammlung unter dem Marillenbaum. Denn Sebastian soll ja auch noch Schulsprecher werden. Der Direktor hat ihm das vermittelt, denn der hat ja bei seiner Wahl versprochen, nie und niemals einen blauen Bundeskanzler anzugeloben. Also bitte, bitte, lieber Sebastian, hilf mir aus der Klemme!“

Der tut das natürlich gerne, obwohl er eigentlich niemals Schlusprecher, sondern immer nur ein ganz normaler Schüler sein wollte und am Ende sehen wir ihn bei der Anglobung oder heißen Rede am Podest vor der vollen Klasse, am Fenster steht „Geil, Geil, Geil !“ geschrieben und richtig, ein  „Velociped“, als Wahlhilfe hat es natürlich auch gegeben.

Köstlich kann ich da nur schreiben, wieder was gelernt, wie man satirische Romane verfaßt und nur eines ist wirklich schade, wie die „Literaturgeflüsterin“ immer schreibt, daß der „Milena- Frauenverlag“ jetzt auch Männer verlegt. Das ist meine Meinung, darum komme ich nicht herum!

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2017-07-26

Selmas Zeichen

Weiter geht es mit Amaryllis Sommerers Psychothriller oder eigentlich zurück, zu ihrem 2008 erschienenen Debut mit dem sie für den „Glauser“ nominiert war und irgendwo habe ich gelesen, die Autorin hätte ihren eigenen unverwechselbaren Stil.

Stimmt denn ein Krimi ist das Psychogramm einer krankhaften Leidenschaft oder die Schilderung einer Stalker Beziehung eigentlich nicht.

Mehr ein Psychogramm einer außerordentlichen Seelenlandschaft aber da erscheint mir einiges zu lang und auch nicht glaubhaft und Krimi hätte es werden können, wenn die Frau ihren Stalker, nachdem die Polizei und auch die Frauenberatung sie in Stich läßt, nicht mehr aushält und zum Messer oder zur Pistole greift aber so ist es ein eher langatmiger Wahnsinnstrip geworden.

Der durchaus spannend begann, diesmal hat mir die erste Hälfte gefallen, während ich den Rest gekürzt oder weggelassen hätte.

Da ist also Selma, eine Ärztin Ende Dreißig und die zieht in ihre erste Praxis ein. Alles happy also, eine Traumwohnung, Freund gibt es auch und eine Sprechstundenhilfe mit der sie nach dem ersten Arbeitstag eine Flasche Sekt leert, aber der Hausbesitzerenkel, agiert ein wenig seltsam.

Denn erst spielt er Basketball, dann legt er Selma in der er seine Liebe und ihre Zeichen erkennt, das Buch ist immer in abwechselnden Perspektiven  geschrieben, Blumen vor die Tür, besteigt auch ihr Auto und Selma will Martin, ihrem Freund davon erzählen, als er ihr Unterwänsche statt der Blumen bringt. Der nimmt sie nicht ernst, später spricht sie mit dem Täter, verbittet sich die Geschenke, geht zur Polizei, als an ihrer Tür ein Spruch gesprayt wird. Aber als die endlich doch den Fall aufnimmt, ist die Schrift weg und Freund Martin geht ins Ausland und läßt sie allein. Die „himmelblaue“ Beraterin von der Frauenstelle, gibt zwar Tips, weigert sich aber mit Selma den Täter aufzuzusuchen.“

Bis dahin war es zwar kein Krimi, aber außerst spannend, das heißt doch vielleicht einer, denn das Ganze ist nicht chronologisch erzählt, sondern beginnt in einem Eissalon, als Selma schon gebrochen ist, und Krimi Elemente gibt es auch, so hat der Täter offenbar auch die Vormitterinnen ermordet und  den Großvater umgebracht. Ins Bordell geht er auch, also weg von dem Psychogramm, das ich durchaus dicht und spannend fand und dann überschlägt es sich leider und wo waren da die glättenden und streichenden Lektoren, von denen man doch sonst immer soviel hört?

Martin kommt zurück, Selma geht mit einer Freundin auf eine Reise, die Beraterin rät Martin soll zu Selma ziehen, damit sie einen Zeugen hat. Der Täter versucht sich dann umzubringen, kommt in die Klinik und Selma verffällt nach und nach. Verliert ihre Praxis, fängt zu trinken kann, verfolgt dann den Täter und am Schluß will der nichts mehr von ihr und sie landet in einem Krankenhaus.

Das Thema Stalking ist, glaube ich, durchaus ein  interessantes. Auch wenn ich nicht glaube, daß jeder Täter gleich ein Wahnsinniger ist und hier manches vielleicht auch übertrieben geschildert wird. Im Leben, wie in dem Buch und die hoffnungslose Idealstin in mir würde auch hier raten, sich mit dem Thema auseinanderzusetzten, mit dem Stalker zu reden, dann braucht man nicht wahnsinnig werden und das ganze nimmt vielleicht doch ein gutes Ende.

So habe ich mich beim Lesen mit dem zweiten Teil sehr gequält und habe jetz noch „Ulrich und seine Täte“ auf meiner Leseliste und bin gespannt, was da auf mich zukommen wird.Aber da wird es noch eine Weile dauern, bis ich zum Lesen komme, denn allmählich trudeln ja erst die Herbstneuerscheinungen ein.

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