Literaturgefluester

2022-07-27

Vater

Filed under: Bücher — jancak @ 03:52
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Jetzt kommt das zweite Miljenko Jergovic Buch, ein Memoir, Roman würde ich es nicht nennen, übersetzt von Brigitte Döbert, 2015 erschienen und daraus habe ich den Autor schon bei der „Literatur und Wein“ kennengelernt und das war mein erster Kontakt zu ihm. Später habe ich mir dann die „Ruth Tannenbaum“ mit einem Geeburtstagsgutschein gekauft und es schließt sich beinahe nahtlos an Adriana Altaris „Tito Brille“ an.

Miljenko Jergovic wuurde 1966 in Sarajewo geboren und lebt jetzt in Zagreb und das Buch beginnt auch mit dem Tod seines Vaters und ist eine Auseinandersetzung mit ihm, der, ein berühmter Arzt, auch sehr abwesend war.

Die Mutter also eine „Alleinernährende“, wie das wohl auf Kroatisch heißt oder von Brigitte Döbert so übersetzt wurde.

Der Vater kam wöchentlich, glaube ich, auf Besuch und hat die Alimente ausgeteilt. Er hat sich auch um den Sohn gekümmert, hat ihn sozusagen ins Krankenhaus in die Totenkammer mitgenommen und ihm die Leichen gezeigt.

Ein Kapitel widmet sich dem Arzt-Patientverhältnis im sozialistischen Jugoslawien. Die Ärzte sind die Götter, die Patienten die Untertanen und bekommen die Diagnosen nicht wirklich mitgeteilt.

Das war in den Sechzigerjahren in Wien glaube ich ,auch nicht viel anders und Vater und Sohn haben sich nach Ausbruch des Krieges getrennt, denn da ist der Sohn nach Zagreb gegangen. Der Vater, der 1928 in Sarajevo geboren wurde, ist dort geblieben.

Das war aber auch nicht so einfach kroatischer Staatsbürger zu werden, obwohl die Familie kroatische Wurzeln hatte. Dazu hat er sich erst taufen lassen müssen, was er eigentlich nicht wollte, schließlich aber doch tat.

Das Buch ist also auch eine Auseinandersetzung mit der politischen Situation während des Krieges und der Vater hat sich später wieder verheiratet und der Sohn ist nach seinen Tod und das finde ich sehr interessant, wenn ich es auch nicht ganz verstehe, nicht zum Begräbnis des Vaters gekommen, weil er die neue Frau nicht kennenlernen wollte.

2022-07-21

Ruth Tannenbaum

Was nehme ich mit in der Lesetasche, wenn ich nach Kroatien fahre, habe ich mich schon ein paar Wochen früher gefragt und da in meine Leselisten nachgeschaut und da gibts ein Buch, das ich eigentlich erst im nächsten Jahr lesen wollte. Ich habe es mir aber schon vor ein paar Jahren von dem Gutschein gekauft, den ich von der Anna zum Geburtstag geschenkt bekommen habe und den Namen beziehungsweise den Autor selbst habe ich einmal bei der „Literatur und Wein“ kennengelern.t Da hat er aus seinem „Vater“ gelesen. Das Buch habe ich im Vorjahr beim Solo-Osterspaziergang im Seedosen-Schrank gefunden und nach „Ruth Tannenbaum“ habe ich gegriffen, weil es beim „Thalia“ auf dem Bücherstapel gelegen ist und der1966 in Sarajewo geborene und in Zagreb lebende Miljenko Jergoich hat den Roman zwischen August 2005 und Juni 2006 sowohl in Sarajevo, Konavle und Zagreb geschrieben und hat auch angemerkt, warum es da tat. Denn da hat es in Zagreb eine Kinderschauspielerin namens Lea Deutsch gegeben, die 1927 geboren wurde und 1943 auf den Transport nach Auschwitz umgekommen ist.

Sie wurde die kroatische Shirley Temple genannt. Miljenko Jergowic nennt sie Ruth Tannebaum und das die Aufarbeitung, der, wie am Buchrücken steht „Finsteren Kapitel der jugoslawischen Geschichte“ auf eine sehr satirische Art, die man vielleicht fast zuviel empfinden könnte.

Denn da gibt es den Salomon Tannenbaum, Ruths Vater, Moni genannt, der Zeit seines Lebens leugnet, ein Jude zu sein und als die Monarchie abgeschafft wurde mit dem Ausruf „Moni kommt zum österreichischen Kaiser!“,sein Stammlokal betrat, worauf er verprügelt wurde. Er heiratet spät eine Ivka Singer, weil deren Vater Abraham sie zuerst keinen Freier geben wollte. In dem Haus, wo die Tannenbaum leben, wohnt auch eine Amalija Morinj, deren Sohn Antun stirbt, was sie nicht verkraftet, sondern einen Wahn entwickelt, wo sie den ganzen Tag Babyfläschen bereitet und wickelt, so daß ihrem Mann Radoslav, einen Weichensteller, nichts anderes überbleibt, als die Tannenbaum zu bitten, Amalija doch auf die kleine Ruth aufpassen zu lassen. Die tun das auch widerwilig und so verabschiedet sich Ivka zweimal in der Woche von ihren Liebling mit den Worten „Ruth verträgt Gerschl mit Bohnen nicht. Kochen Sie ihr auf keinen Fall Gerschl mit Bohnen. In Novi Sad bekam Riki, die Tochter von Rabbi Baruch Alkalai eine Darmverschlingung von Gerstl mit Bohnen. Der Vater beging Selbstmord, die Mutter verschied, und das wegen Gerschl, Bitten Sie für uns bei Ihrem Gott, Amalija, füttern Sie Ruth nicht mit Gerschl und schinpfen Sie ruhig mit Tuth, wenn sie patizg wird.“

Es gibt noch ein Zitat, das regelmäßig vorkommt „Gott hat dir soviel Verstand in die Birne gegeben, wie dem Bettler Safran in den Brei! und so geht es durch das Buch, beziehungsweise durch den kroatischen Faschismus.

Ruth, deren schauspierlischen Talent sehr bald von Amalija entdeckt wurde, wurde bei einem Casting ausgewählt und Wien war damals das große Vorbild des Zagreber Theaers. Ale wollen dorthin und ans Burgtheater und als Adolf Hitler schon an die Macht gekommen ist, wollen die dortiigen Autorinnen und Schauspierinnen zu ihm und so kommt es von einer grotesken Situation zur anderen und nur nebenbei merkt man was da in der Welt passierte.

Österreich wurde angeschlossen und so konnte das geplante Gastspiel nicht oder nur mit Schwierigkeiten stattfinden und die kleine Ruth mit den großen Augen wird durchaus als arrogant und negativ dargesgellt.

So wird vom Theater weil sie ja minderjährig ist, ein jüdisches Fräjulein beauftragt sie immer nach Hause zu begleiten. Der Vater Moni ärgert sich darüber und einmal bringt sie Ruth erst sehr spät nach Haus, weil die partout nicht weggehen wollte und da wird Klara Diamantstein von Moni georfeigt und mißhandelt.

Der wird das dann nochmals, als die Ustasta kommt, um ihn abzuholen und begibt sich singend auf seine letzten Weg. Die Mutter Ivka bleibt verstört zurück. Ihr Vater ist inzwischen auch schon gestorben und hat es schwer, die Tochter abzuhalten ohne Stern, was sie damals mußte, aus dem Haus zu gehen und dann kommt es wie es kommen muß. Die kleine Ruth geht doch hinaus und spielt sich in die Rolle einer Amerikanerin, die Hitler besucht, um die Welt zu retten. Wird dabei von ihren Schergen beobachtet und kommt, wie es auch der echten Lea Deutsch, die vermutlich eine angenehmere Zeitgnossin war, auf dem Weg nach Auschwitz um oder kommt nicht einmal soweit.

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