Literaturgefluester

2020-11-13

Die Bagage

Buch sieben des österreichischen Buchpreises der ja inzwischen an Xaver Bayers Geschichtenband vergeben wurde und das vierte Shortlistbuch Monika Helfers, der Frau von Michael Köhlmaier, die 1947 in Vorarlberg geboren wurde „Die Bagage“, das im Frühlichg erschienen ist, sehr und postiv beschrieben wurde und von dem ich eigentlich dachte, daß es den Öst gewinnen könnte, weil ich es ja mit den bekannten Namen habe, mein zweiter Tip war der Bayer und ich muß sagen, es ist ein wirklich gutes Buch.

Bei der Familiengeschichte, der Monika Helfer von der ich auch „Schau mich an wenn ich mit dir rede“ gelesen habe, weil es auf der deutschen Buchpreisliste stand, bin ich mir nicht so sicher oder sagen wir einmal, es ist kein Roman, obwohl das natürlich wieder draufsteht.

Es ist ein Memoir oder eine Framiliengeschichte. Eine Familiengeschichte natürlich, wo Monika Helfer ganz offen von ihrer Großmutter Maria, der schönen, erzählt, die mit einem Josef verheiratet war, der1914 in den großen Krieg mußte. Der Postadjunk brachte die Einberufung. Der Bürgermeister war der Freund. Der mußte dem Josef versprochen auf den die Frau gut aufzupassen. Vier Kinder waren schon da und die Maria, die schöne Frau, wie mehrmals betont wurde, geht mit dem Bürgermeister auf einen Kirtag. Dort lernt sie den deutschen Georg aus Hannover mit den roten Haaren, kennen und, daß die kleine Grete, Monika Helfers Mutter, 1915, glaube ich, wie meine Mutter Rosa, von ihm ist oder sein könnte, ist das Familiengeheimnis, das gleich von Anfang an gespoilert wird und Bagage heißt das Buch, weil so ja die armen Leute genannt werden und das Buch ist auch Monika Helfers „Bagage“ gewidmet.

Der Vater hat dann, als er vom Krieg zurückkam, nie mit der kleinen Margarethe gesprochen. Es sind aber noch zwei weitere Kinder geboren worden, bevor Maria gestorben ist. Monika Helfers Mutter ist auch jung gestorben. Sie ist dann mit ihren Schwestern bei der Tante Kathe aufgewachsen und ist, wie sie am Schluß des Buches schreibt nun selbst eine alte Frau, die einige Kinder hat, die noch alle leben.

Alle bis auf Paula Köhlmeier, die sehr jung einen Unfall hatte und sonst wahrscheinlich eine inzwischen sehr bekannte Dichterin wäre. Ihr Buch „Maramba“ habe ich im Schrank gefunden und Monika Helfer hat meine Rezension darüber gelesen.

„Ich bin die Mama von Paula!“, hat sie geschrieben und dieser Satz „Ich bin die Mama von-„, kommt auch in dem Buch vor. Wie einige sehr schöne Monika Helfer Sätze, so sagte die Großmutter immer zu der Tochter, wenn sie sie mahnen wollte „Schau mir tief ins Augeninnere!“

Eine schöne Formulierungund, daß der Lorenz der zweitälteste Sohn, glaube ich, immer „Nach der Schreibe“ sprach, wurde auch erwähnt und Monika Helfer hat noch, sollte ich hinzufügen, das Buch in zwei Perspektiven geschrieben.

Die Erste vom Leben der Maria während des ersten Weltkriegs und danach, der Bürgermeister der den Speck und den Käse bringt, will auch einmal mit Maria vögeln, wenn sie es schon mit dem Georg tat.

Sie lehnt das ab und läßt sich von dem Sohn Lorenz sogar mit einem Gewehr bewachen. Der Pfarrer kommt, als sie schon schwanger ist und montiert das Kreuz von dem Haus ab und der Bürgermeister erzählt dem Josef als der vom Krieg zurückkommt, das Kind ist von ihm und dazwischen erzählt Monika Helfer von ihrer Tante Kathe, ihrer Tochter Paula und so weiter und so fort.

Eine berührende Geschichte natürlich. Im „Wikipedia“ habe ich gelesen, daß Familiengeschichten Monika Helfers Sepzialität ist und eine berühmte Dichterin und berühmte Dichtersgattin, die viele Preise bekommen hat und hoch gelobt wurde, den Öst nicht und da denke ich inzwischen nach den sieben gelesenen Büchern, der Bayer war doch die bessere Wahl aber ich könnte mich noch irren, denn die Karin Peschka, das fünfte Shortlistbuch habe ich noch nicht gelesen.

2017-10-06

Schau mich an, wenn ich mit dir rede

Buch sechzehn des dBp, ein Longlistbuch und wir bleiben in Österreich und sind  beziehungsweise dort angekommen, Monika Helfers kleiner feiner Roman über die Patchworkfamilie oder ist es eine Episodensammlung, das, was sich die 1947 im Bregenzerwald geborene Frau von Michael Köhlmeier und Mutter der früh verunglückten Paula, so ausdenkt, wenn sie eine Frau in der U-Bahn sitzen und mit ihrer Tochter schimpfen hört.

Ich denke, es ist eine Episodensammlung und das Besondere an der Geschichte ist, daß es über die reine Patchworksammlung, wie sie etwa Ruth Cerha oder Elfriede Hammerl schreiben, hinausgeht, aber auch etwas, das man nicht gleich bemerkt.

Ich habe es jedenfalls nicht sofort und bin nach Robert Menasses „Hauptstadt“ auch nicht sofort in das Buch hineingekommen und habe mir bei der ersten Geschichte nur gedacht „Hey, was soll das und das ist jetzt jener platter Realismus, wie ich ihn ja angeblich immer schreibe und wie es dem Obdachlosen damals in der „Augustin Schreibwerkstatt“ auch nicht gefallen hat!“

Ist es nicht, aber das habe ich erst bei der zweiten Lesetrache gemerkt und Mariki Fallwickl, die offizielle Bücherbloggerin, hat es vielleicht auch zu wenig überhöht gefunden. Es sind aber kleine feine Geschichten, die sich Monika Helfer da ausdachte und sie haben mit der simplen Patchhcworkrealität, wie sie jetzt ja so viele Kinder erleben, gar nicht so viel zu tun und das Buch hat, denke ich, auch mit den Beschreibungen am Büchrücken und am Klappentext nicht so viel zu tun, jedenfalls würde ich es anders interpretieren.

Da fährt also eine Frau, ich denke, es ist die Erzählerin in der U-Bahn, beobachte,t wie eine Frau vor ihrem Kind über dessen Vater schimpft, bei dem die Kleine offenbart jetzt wohnt und dann denkt sie sich in den folgenden vierunddreißig Kapiteln Geschichten und zuerst einmal Namen für ihre Personen aus.

Die Kleine könnte Genoveva, Vev genannt, heißen, die Mutter Sonja, der Vater Milan und die Mutter wird als drogensüchtige, von einem Sozialarbeiter betreute Frau, die auch in einer Klinik war, beschrieben, was ich, die ich ja öfter solche Geschichten höre, nicht so ganz realitätsgerecht beschrieben fand.

Es geht aber gleich weiter und geht dann wirklich in die Phantasie und da wird es wirklich schöne heile Welt-Geschichte, die dann gar nicht kitschig ist.

Sonja geht nämlich nach der  Begegnung mit ihrer Tochter, die beim Vater und dessen neuer Frau Nati, einer Krankenschwester und deren zwei Töchtern lebt, auf den Karlsplatz, für die Nichtwiener, das ist ein Drogenumsatzplatz oder war zumindestens mal einer und  trifft dort, the Dude, den Weltretter, der eigentlich Eric heißt, der nimmt sie mit in seine Wohnung, putzt das Bad, gibt ihr Geld für schöne Kleider, etcetera. Das alles wird nach und nach in den kleinen Geschichten erzählt.

Milan ist vielleicht auch ein wenig unrealistisch, denn er arbeitet nichts und lebt vom Geld, das ihm seine Mutter zusteckt. Nati oder Natalie, ist die einzige, die arbeitet und die hat sich auch eine Traumwelt, nämlich „Natis schöne Welt“ oder so ausgedacht und da kommen  bei einer Krankenschwester natürlich die Ärzte vor.

Nati trifft sich in der Mittagspause öfter mit ihrer Freundin Eva in der Kantine, die zwar eigentlich nicht im Krankenhaus arbeitet, aber Nati hat ihr den Zutritt  verschafft und eines Mittags landet Nati im Zimmer vom Oberarzt Doktor Traxler, im sechstten Stoc, beziehungsweise auf seiner Liege, sie will nämlich noch ein Kind. Milan nicht, so will sie ihm eines unterschieben, während Milan inzwischen zu der Trafikantin geht, den Vev hat  bei dem letzten Besuch bei ihrer Mutter den Hund Nemo, das heißt Niemand, mitgenommen, der eigentlich Eric, genannt, the Dude, gehört.

Milan bringt ihn zu der Traffikantin, die auf ihn aufpassen soll, fängt mit ihr ein Verhältnis an und kümmert sich dann nicht mehr um den Hund, so daß ihn die Trafikantin zu sich mit nimmt und schließlich kommt ein Brief von the Dude, der die ganze Familie, Milan, Nati und die Kinder zu sich und Sonja in ihre neue große Wohnung, die er sich irgendwie ergaunert hat, zum Essen einlädt und die Wohnung ist so groß, daß sie für alle Platz hat.

So überlegt Vev, wenn sie dorthin geht, den Hund mitzunehmen, Nati geht wieder in Dr. Traxler Sprechzimmer und macht mit ihm Schluß und nur Milan überlegt abzuhauen und auszuwandern.

Ein schöne Traumgeschichte von der schönen heilen oder auch nicht so heilen Familienwelt, denn Milan wird in dieser von der Lehrerin in die Schule gebeten um über Vevs Aufsatz zu sprechen, in dem sie über ein Problem schreiben sollte, aber offensichtlich nur eines erfunden hat, was die Lehrerin, die ja über die Probleme der Kinder Bescheid wissen woll oder muß, erboste, so daß sie Themenverfehlung darunter schrieb.

So geht es auch und das ist, denke ich, Monika Helfer meisterhaft gelungen, obwohl ich mir ganz ehrlich, auch nur einen ganz gewöhnlichen Patchworkroman erwartet habe.

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