Literaturgefluester

2019-01-20

Und essen werden wir die Katze

Ein Buch mit „Geschichten über Sicherheit und Unsicherheit, Kindheiten und Biografien, Fluchten und Neuanfänge mit Illustrationen und Collagen“, der 1980 in Bludenz geborenen Nadine Kegele, die ich glaube ich, am Volksstimmefest kennenlernte, bei Angelika Reitzers lyrischen „Textvorstellungen“ gelesen, in Klagenburt den „Publikumspreis“ gewonnen hat und die nach einem Roman und einem Erzählband, Maxis Wanders „Guten morgen du Schöne“ neugeschrieben hat und sich jetzt sehr lyrisch und auch sehr gestalterisch mit dem Thema Flucht auseinandersetzt, was in Zeiten, wo Patrioten und Identitären sich darin überbieten, einem Gewaltakt nach dem anderen aufzuzählen, um  in Deutschland etwas zu verändern, was  in Österreich schon so sein könnte. Auch davon erzählt das bunte Buch in dem sich  Collagen mit Interviews und  Erzählungen abwechseln und das auch auf der letzten „Buch-Wien“ vorgestellt wurde.

Nadine Kegele dankt im Anhang „Allen Kindern aus dem Sommer 2016“, da hat sie vielleicht Deutsch unterrichtet, woraus vielleicht eine der Geschichten entstanden ist und „Allen Interviewten – denen ich wünsche, dass sie in Österreich eine neue Heimat finden können und diese Heimat sie gut behandelt“, was ja etwas ist, was sich die Patrioten vielleicht nicht so wünschen und deshalb würde ich ihnen und allen, die vielleicht Angst den Veränderungen haben, das Lesen des Buches sehr empfehlen, das in „Schweinebraten, Freiheit“ schon mit einem Collagenteil beginnt.

In „Kopfweh aus Kuwait“ geht es um ein Interview, da erzählt ein „Bidun“, wie es ihm in Österreich geht und wie er hierhergekommen ist, während es, wenn ich es richtig verstanden haben, in „Syrien ist heimlich in Polen verliebt“ um einen Deutschkurs geht, wo sich die Schülter Ländernamen ausdenken und damit mit ihrer Lehrerin kommunizieren.

In „Schmetterling und Holz“ werden die Erfahrungen einer afghanischen Frau und eines afghanischen Mannes untereinander gestellt, so daß man ihre Schicksale, Ansichten und Lebensläufe schön miteinander vergleichen und viellecht auch besser verstehen kann.

Dann folgen wieder Collagen und musikalisch wird es in „Flügeln die mir wuchsen, weil ich fiel (keine kammermusik mehr). Es werden gleich Anweisungen gegeben, wie man „den folgenden Text“ lesen soll und am Schluß werden die Texte zitiert, die dabei verwendet wurden.

In „Wolfen“, eine Geschichte, die ich sehr berührend fand, geht es um eine alte Frau, die sich einen <hund zugelegt hat.

Sie wohnt bei einem „Lidl“ und neben einem Asylheim, steht den ganzen Tag am Gitter vor ihrem Fenster und schaut hinaus. Sie hat noch eine Freunin, die Anni, die offenbar etwas lieberaler denkt, aber die kann nur mehr telefonieren und sie wegen ihrer Hüften nicht mehr besuchen, so daß ihr nur die Fernsehnachrichten und die Angst vor den Fremden bleibt.

Weiter gehts mit Collagen, von denen die erste das Titelbild darstellt und von denen ich einige zitieren möchte:

„Liebe ist emotionale Mindestsicherung ist finanzielle Katasthrope und sagt Mutter kein Almosen“ oder „Aber ich für meinen Teil kann an Solidarität nichts  Schlechtes finden“ oder „Liebe Mutter hat ein Badeanzug eigentlich auch etwas mit einem Kopftuch zu tun?“

Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Es kommt aber noch eine Geschichte von einem Bauarbeiter, der sich auch, wie die alte Frau in der vorigen Geschichte, an des neuen Kanzlers Aussehen orientiert und sich für Margritte und andere Maler interessiert.

Ein sehr interessantes Buch, weil es zeigt, daß man sich mit dem Thema Flucht und Migration auch ganz anders, nämlich künstlerisch entspannter, annähern kann und das vielleicht nach dem Lesen eine andere neue Sichtweise auf das momentan sehr aufgeheitzten Thema geben kann.

 

 

2017-12-11

Writers Retreat und Wilde Worte

Richard Weihs

Richard Weihs

Nadine Kegele

Nadine Kegele

Ich interessiere mich ja für jede Form des Schreibens, bin so auf das „Writersstudio“ gestoßen, wo ich ziemlich regelmäßig zu den Schnupperworkshops gehe, da kann man dann immer etwas gewinnen, einen Gutschein, für die Schreibnacht vielleicht oder das „Writersreatreat“, das ich gerne einmal machen wollte, aber nicht gewonnen habe. Ich glaube, man hätte auch schon ein anderes Seminar dafür haben müßen, deshalb habe ich vielleicht etwas anderes angekreuzt.

Dann kam der „Nano-Marathon“, wo es sozusagen zwei Wochen lang so ein Retreat gab, man konnte ein Foto davon auf Facebook stellen und einen Gutschein für ein Retreat gewinnen. Ich habe gebloggt und den Gutschein bekommen und heute war es so weit.

Irene Steindl hat mir schon gestern ein Mail geschickt, daß ich mir bequeme Schreibkleidung und mehrere Projekte mitnehmen soll, ich habe aber nur eines, die „Unsichtbare Frau“ korrigieren, die ich ein bißchen für den Nano geschummelt habe, denn ich habe die fünfzigtausend Worte diesmal nicht in einem Monat sondern wahrscheinlich in zwei geschrieben, wurde aber fertig und habe das Wochenende in Harland getrödelt, so daß ich nicht zum Korrigieren kam, weil ich wahrscheinlich dachte, ich fange das dann auf der „urbanen Insel“ an.

Ich habe mich für diese Schreibtage  immer schon interessiert und auch versucht sie mir selber zu machen. Das Schreiben in der Gruppe ist aber anders, obwohl ich inzwischen auch alleine schreiben kann und das „one day writerretreat“, ist anders als der Marathon, man sollte das auch nicht glauben.

Nadine Kegele

Nadine Kegele

Nadine Kegele

Nadine Kegele

Es ist von neun bis fünf und beginnt mit einem Frühstück, man muß sich anmelden und normalerweise füfnzig oder siebzig Euro dafür zahlen, dafür bekommt mab ein Skriptum und die Teilnehmerzahl ist auch sehr klein. Sechs Frauen und ein Man. Man saß im Kreis in der Lounge, gab ein Blitzlicht ab und verlas dann die Regeln, daß man nicht im Hof rauchen darf, den Schreibplatz wechseln soll und eben an mehreren Projekten arbeiten.

Man bekam auch einen Schreibpartner und mit dem hat man dann sein Ziel besprochen, meine Partnerin war eine Üpsychologin, die ich, glaube ich, schon bei den Schnupperseminaren gesehen habe. Die anderen Teilnehmer waren mir eher unbekannt, obwohl sie, glaube ich, alle einen Gutschein hatten.

Eine hat schon einen Preis bekommen, eine andere sechs Bücher vor sich liegen, die dritte suchte einen Verlag und wünschte sich dafür ein Coaching und der Mann in der Runde hat an seinem Roman gearbeitet, wo er schon vierhundert Seiten hat.

Ich bin dann mein graues Buch durchgegangen und habe zu korrigieren angefangen, das erste Drittel ist ja schon ziemlich fertig, weil das habe ich  schon mehrmals korrigiert und ich fühlte mich auch ein bißchen krank, so daß ich öfter die Augen schloß, zu Mittag mich noch einmal am Frühstückbuffet bediente, dann waren die anderen schon weg, man sollte ja, glaube ich, gemeinsam auf eigene Kosten Mittagessen gehen. Ich habe die Zeit ein bißchen vor mich hingedöst und die Psychologin, die an ihrer Websseite schrieb und an einem ein Sachbuch über „Traumatherapie“ arbeitet, wollte mir Feedback geben.

Nadine Kegele

Nadine Kegele

Nadine Kegele

Nadine Kegele

Ich glaube, sie war ein bißchen neugierig von meiner „Unsichtbaren Frau“ zu hören. Aber gut, immer zu, ich las die erste Basti Quasti Szene und hatte dazu auch eine Frage, ob ich das so lasssen kann, daß der Minister nichts sagt und nicht die Polizei holt, auf die Psychiatrie kommtm etcetera.

Sie meinte ich solle es so lassen und ich habe am Nachmittag weiterkorrigiert, neun Szenen, dreißig Seiten, also ein knappes Drittel und der Rest wird dann zu Weihnachten drankommen und das „Writerretreat“ ist toll.

Es giab zu Miittag und am Nnachmittag immer Runden, wo man mit seinem Partner den Fortschritt brsprach und dann um halb fünf eine Abschlußrunde.

Kekse und Tee gab es auch und wieder viel Applaus, obwohl ich diesmal sehr verhalten war, bin aber mit mir zufrieden und habe außer an den Schupperworshops auch schon mal an einem Schreibcafe mit Joga teilgenommen und an einer „Schreibfabrik“, von der ich gar nicht mehr weiß, ob es das noch gibt. Und wer es wissen will, es hingen noch viele Schreibmarathonfiguren an der Wand, manche sind über den Anfang nicht hinausgeklommen, mache waren schon am Ende, ich habe meine aber schon am fünften November mitgenommen und hier gepostet.

Am Abend hätte ich sowohl in die „Alte Schmiede“ zu Laura Freudenthaler und Anna Elisabeth Mayer gehem können, war aber bei Richard Weihs im Amerlinghaus, weil dort der Alfred lieber hingeht, obwohl ich Nadine Kegeles „Leben muß man unfrisiert“ schon gelesen habe und auch in Leipzig aus dem Buch hörte.

Diese Lesung war aber anders, hatte Nadine Kegele, sie doch als szenische Lesung angekündigt, so daß sie in die verschiedensten Rolle schlüpfte und eine vierzig Minuten Performance aus ihrem Buch bot.

Nadine Kegele

Nadine Kegele

Nadine Kegele

Nadine Kegele

Margit Heumann war da, ihr habe ich das „Bibliotheksgespenst“ für die Leserunde übergeben, bis ich merkte, das Buch gehört  auchRichard Weihs, weil  der hat mir statt einem Gedicht.den Brschreibungstext geliefert und bei den „Wunschgedichten“. ich hatte mir zwei Zetteln genommen, war ich zuerst ganz brav und wünschte mir was vom Winterbeginnn. Dann habe ichumdisponiert und schrieb „Unsichtbare Frau“ auf dem Zettel, Tarnkappe, Schäfchen und schwarz blau und bin jetzt sehr gespannt, was herauskommt und ob ich das Gedicht für mein Buch brauchen kann.

Einen Orangenpunsch haben wir dann mit Margit Heumann, im Hof des Amerlinghauses auch getrunken.

2017-04-01

Lieben muss man unfrisiert

Vor  vierzig Jahren hat die in Wien geborene und in der DDR gestorbene Maxie Wander ihren Interviewband „Guten Morgen, du Schöne geschrieben“, der prägend für den Feminismus war und sehr viel vom Leben der Durchschnittsfrau, ihren Gefühlen und Verletzlichkeiten in die Öffentlichkeit brachte.

Ein Buch, das ich wahrscheinlich im „Arbeitskreis schreibender Frauen“ kennenlernte und gelesen habe und das heute wahrscheinlich ziemlich vergessen ist.

Die 1989 geborene Nadine Kegele, die ich, glaube ich, beim „Linken Wort“ kennenlernte und die inzwischen Karriere machte hat in ihrem dritten bei „Kremayr& Scheriau“ erschienen Buch daran gedacht und genau, wie Maxie Wander, ab 2015 Interviewes mit Frauen über ihr Leben ihre Verletzlichkeit und die Gewalt, die sie erlebten, geführt.

„Lieben muss man unfrisiert“ heißt der Band, ein Zitat einer der Frauen, wie Nadine Kegele in Leipzig im „Österreich-Cafe“ Roman Kollmer, der sie  interviewete, erklärte und der, die Gewalt, die Frauen auch heute noch erleben, gar nicht glauben konnte und es ist sicherlich sehr spannend, sich durch die Veränderungen zu lesen, die es inzwischen gegeben hat oder auch nicht, denn vor fast zwei Jahren hat es ja einen Aufschrei gegeben, als Ronja von Rönne „Der Feminismus kotzt mich an!“ oder so polemisierte.

Was ist davon geblieben und wie emanzipiert ist die Frau heute in den neoliberalen Zeiten und war es vielleicht in der DDR doch ein bißchen anders könnte man so meinen oder fragen?

Also „Lieben muss man unfrisiert – Protokolle nach Tonband“, wie gleich unter dem Titel steht und vorher gibt es noch ein fiktives Interview, das Nadine Kegele mit der 1977 gestorbenen Elfriede Brunner führte, wo sie versucht Vergleiche zwischen ihr und sich zu ziehen. Beide haben, glaube ich, kein Abitur beziehungsweise Matura, beide waren Sekretärinnen, beide haben Karriere gemacht und beide haben Frauen interviewt, beziehungsweise sich für das Leben der Frau und ihre Emanzipation sehr eingesetzt.

Nadine Kegele hat das in Leipzig Roman Kollmer gegenüber sehr engagiert getan und hat auch einige Stellen in ihrem Interview umgeschrieben.

Aus der Frau einen Mann gemacht, um zu zeigen, wie absurd das klingt, wenn dem plötzlich, die Gynäkologin Oliver auf den Po klopft.

Kein Wunder also, wenn eine so engagierte Frau wie Marlene Streeruwitz das Vorwort geschrieben hat und dann geht gleich los mit den achtzehn Interviews, da hat sich Nadine Kegele, glaube ich, an die Vorlage gehalten und  auch versucht beim Alter der Interviewpartnerinnen genau zu sein.

Die erste Frau ist  „Michaela, 48, Reinigungsfachkraft“, die aus Serbien kommt und wahrscheinlich so frech und rotzig, wie auch Maxie Wanders Interviepartnerinnen, von ihrem Leben als Putzfrau erzählt und davon, daß den Frauen, das Putzen wahrscheinlich näher, als den Männern ist und sie es mit der Sauberkeit genauer, als sie nehmen.

„Fanny, 92, Konturistin“, ist Nadine Kegeles Nachbarin, von der sie auch in Leipzig erzählte. Mir der hat sie, glaube ich, ihre Interviews begonnen und die alte Dame hat zu sprechen angefangen, als sie das Mikrophon gesehen hat und drei Stunden später oder so damit aufgehört und dazwischen mußte sie ihrer Interviewerin noch erklären, was DDT ist, weil man dieses Spritzmittel heute offenbar nicht mehr kennt.

Und in allen Interviews geht es um die Weiblichkeit, die Verletzlichkeit der Frau, die Aufklärung, das sich wehren oder unterdrückt werden, etcetera.

Die Filmemacherin Ona, kommt aus Polen, lebte und arbeitete offenbar viel in Spanien und ist die, die ihre Erlebnisse beim Gynäkologen erzählt, beziehungsweise die im Bus, wenn man plötzlich eine Hand auf die Schenkel gelegt bekommt und sich nicht wehren kann. Sie hatte aber einen aufgeklärten Vater, der der Mutter immer Blumen zum Frauentag schenkte und ihr welche als sie die erste Regel bekam und sie war auch die erste in ihrer Klasse die einen BH trug.

„Ich kenne Catwalk, Cat Lady kenne ich nicht“, sagt „Ingrid, 60, Architektin, die, obwohl in einer bürgerlichen Familie aufgewachsen, wo schon die Mutter studieren durfte, ähnliche Erfahrunge, wie ich hat. Jedenfalls erwähnt sie oft Johanna Dohnal, mit ihrem Frauenstaatssekretariat, die später die erste Frauenministerin wurde, erwähnt die Skulpturen am „Vorwärts-Haus“ und am ehemaligen „Staffa-Gebäude“ auf der  Mariahilferstraße und  die Architektin Margarete Schütte-Lihotzky mit ihrer Frankfurter-Küche, als ihr großes Vorbild, deretwegen, sie zur Architektin wurde.

Rosa und Greta scheinen aus Berlin zu kommen und „Rosas, 27, Autorin“ Ansichten über das Schreiben sind besonders interessant.

Eine so junge Frau und schon Autorin, die gelegentlich vom Staat für ihre Arbeit finanziert wird, aber keine Garantien auf Förderung hat, sich vorher aber von Praktikum zum Praktikum weiterhantelte, was wohl auch nicht aussichtsreicher war.

Nur bekommen nicht alle Autoren Förderungen, manche müssen sich mit dem Hobbyautorstatus herumstreiten und „Autorin“ sagt Rosa „ist ein Beruf, der nicht als Beruf anerkannt ist. Eines der Probleme beim Schreiben ist, dass die Leute denken, das könne jeder, sie könnten das ebenfalls, Aufsätze in der Schule hätten sie ja auch geschrieben.“

Das ist ein Argument, das ich auch schon öfter hörte und bei dem ich bekannterweise anderer Ansicht bin, denn ich denke ja, ein jeder, der es will, soll es tun und tue es ja auch, aber interessant, daß eine so junge Frau schon so selbstbewußt ist und sich in den Ringkampf des Literaturbetriebs hineinwirft, der ja, wie ich glaube, mindestens so hart wie vor vierzig Jahren, vielleicht sogar in Zeiten des Prekariats noch härter ist.

Sehr schön die Geschichte von der Lesung von Wilhelm Genazino auf der sie  einmal war. Nachher stand sie neben ihm am Getränkebuffet und griff gleichzeitig mit ihm nach einem Glas. Er sagte „Prost!“, sie auch, als sich das dann wiederholte ist sie von der Veranstaltung davongelaufen.

Und „Greta, 42, Bibliothekarin“ ist eine Frau neben der Mauer aufgewachsen, die sie später auch vermißte, weil ihr ein Teil ihrer Lebensrealität entschwand,  mit einer Vielzahl von Problemen, in Zeiten aufgewachsen, wo die Frauenemanzipation zumindestens in Liedern selbstverständlich war und das Gärtnerkind ganz selbstverständlich neben dem Arztkind auf der Schulbank saß. Die Ungleichheiten sind ihr dann erst später aufgefallen, haben sie eingeschränkt und geprägt.

Das Elternhaus war nicht gut, so daß sie Ängst, Depressionen und auch ein Übergewicht entwickelte, daß sie dann insbesondere auf Flugzeugsitzen einschränkte und weil alle auf sie schauen, diskriminierten.

„Hillary, 16 und Barbara, 17, Schülerinnen“, sind Nadine Kegeles jüngste Gesprächspartnerinnen, scheinen aus Ghana, beziehungsweise aus Serbien zu kommen und plaudern locker über Snapchat und die Mühe einer Mutterschaft vor sich hin.

Die Scheidungsanwältin „Ruth, 45“ scheine ich zu kenne oder gibt es eine andere mit diesen Namen, die sehr berühmt in der Wiener Szene ist. Sie hat von Robert zwei Kinder, sich dann geoutet und ist von ihrer Freundin Adriana inzwischen wieder getrennt. Die Kinder gleich und mit gleichen Rechten zu erziehen hat sie versucht und sie schildert aus ihrer Praxis auch die Schwierigkeiten und Unterschiede beim Scheidungsrecht.

Dann kommt die Transfrau „Helen, 45, Informatikerin“, die sich als als „femmesexuell“ bezeichnet und „Ist okay, wie du bist!“, als ihr Motto nimmt.

Das „Kind aus dem Käfig“ – „Nehir, 28, juristische Mitarbeiterin, ist Türkin und sowohl in einer Hausmeisterwohnung, als auch auf dem Fußballplatz im Park aufgewachsen, obwohl sie als Mädchen nicht Fußball spielen durfte und sie sich trotzdem zur Feministin entwickelt hat.

Und die „Prinzessin mit Cape“ – „Esther, 49, Tänzerin“, ist besonders vielseitig, nämlich Spastikerin und auch eine Zeitlang als „Drag  King“ unterwegs und ebenfalls sehr kämpferisch und selbstbewußt, so führt sie Nadine Kegele auch in die „Behindertensprache“ ein und erklärt ihr, was ein „Rehabler“,  ein „Geher“ und ein „Roller“ ist.

„Nora, 35, Sozialarbeiterin“ hat ein Kind mit Klumpfuß und die Wohnungslosenhilfe gearbeitet.

Dann gibt es noch eine Lesbierin, eine Transenfrau und eine mit Fluchterfahrungen und und….

Nadine Kegele hat „Nach dem Vorbild von Maxie Wanders Kultbuch“, wie auf dem Buchrücken steht, „Literarische Portrait voll Weisheit und Witz“ geschaffen, die das gesamte Spektrum der Frauenwelt umfassen, weil man, wie Maxie Wander einmal sagte „Über alles reden können muß“, deshalb „Ich sage es hier auf Tonbald,damit alle mich hören können“, ist das Zitat, das großauf den roten Seiten vorn und hinten steht und das Buch sozusagen umfassen.

Ein bißchen schwierig war für mich noch, daß ich nicht immer zuordnen konnte, ob es sich jetzt um eine deutsche oder österreichische Gesprächspartnerin handelte, wenn von „Abitur“, „Kita“, gesprochen und geschrieben wurde.

Aber eigentlich ist das auch eigtal, denn das Frauenleben ist ja länderübergreifen und es ist auch sicher interessant Nadine Kegels Portraits der Zeitausendfünfzehnerjahre mit den vierzig Jahre vorher entstandenen zu vergleichen und etwaige gesellschaftspolitische Unterschiede zu analysieren.

2015-12-18

Bei Schlechtwetter bleiben Eidechsen zu Hause

Nadine Kegeles Debutroman, den ich auf der vorvorigen „Buch-Wien“ beim Bücherquiz gewonnen habe, beginnt schon einmal erschreckend brutal:

„Zum Glück gibt es genügend Tierärzte, die gesunde Hunde einschläfern!“

„Hoffentlich nicht! „, könnte man denken und merkt schon, das ist ein sehr kraftvoller Roman, der 1980 in Bludenz geborenen Autorin  ist, die ich im Zuge des Volksstimmefestes kennenlernte, dann bei einer „Textvorstellung“ mit Angelika Reitzer war, den Erzählband „Annalieder“ gerne gelesen hätte, jetzt aber den Roman, aus dem die Autorin schon ein Stück 2013 in Klagenfurt gelesen hat und damit den Publikumspreis gewonnen hat.

Bei der Jury, die Diskussion habe ich mir jetzt ein bißchen angehört, ist er dagegen nicht so gut angekommen, wie bei dn Nadine Kegeles Fans und das kann ich ein bißchen nachvollziehen, denn es ist auch sehr verwirrend, was da auf verschiedenen Ebenen erzählt wird.

Der Klappentext spricht von der seltenen Gabe „Poesie und Komik“ miteinander zu verknüpfen, aber komisch habe ich den Text eigentlich nicht gefunden, eher wortgewaltig, metaphernreich, Tiere kommen in den verschiedensten Formen vor und es ist auch wahrscheinlich nicht alles realistisch, was da erzählt wird.

Es geht um Nora, eine Protagonistin, die vielleicht Ähnlichkeiten mit der Autorin hat, es geht ihr aber nicht gut und sie hat, salopp gesagt, einen Minderwertigkeitskomplex, hat sie ja nicht studiert, ist keine Akademikerin, nicht aus reichen Haus, wie ihre Freundinnen Vera, Ruth und die Füchsin, sondern hat offenbar eine schlechte Kindheit hinter sich und Probleme mit ihrer Mutter, die sechundfünfzig Jahre alt, im Koma liegt.

Die geht Nora im Spital besuchen, wie, um sich zu überzeugen, ob sie schon endlich gestorben ist?

„Schätzchen!“, sagt dann die Krankenschwester mit dem großen Busen und es passt wieder nicht und der Hund, der eingeschläfert wurde oder werden sollte, gehörte offenbar der Mutter.

Dann gibt es eine zweite Erzählebene, in abwechselnden Kapiteln wird von Nora und von einer Erika erzählt, die vielleicht Noras Mutter ist. Ganz klar kommt das, wie vieles in dem hochpoetischen Roman nicht heraus, weil die Tochter dieser Erika, sie ist eine Kellnerin, die von verschiedenen Männern Kindern bekam, mit ihnen nicht zurecht kommt, ihre Schreibabies dann in die Toilette legt, damit sie sie nicht mehr hören muß, kein Geld hat und von den Männern ausgenützt wird, heißt auch Erika, wie sie, Rika genannt und nicht Nora, es könnte aber trotzdem hinkommen.

Diese Erika lebt also ihr armes Frauenleben der Sechziger und Siebzigerjahre bis sie ins Koma fällt und Nora leidet  unter ihren drei priveligierteren Freundinnen, Vera ist die Tochter eines Sektimperiums, die Füchsin ist Jogalehrerin, Ruth Religionslehrerin und Lesbe und möchte ein Kind, gleich welchen Geschlechts, nur Mädchen oder Bub sollte es nicht sein, man sieht es ist sehr kompliziert!

Nora ist Telefonistin in der Mahnabteilung einer Stromfirma, wird dann aber entlassen und hat kein Geld, sie hat aber einen Freund, den Anton, einen Architekten, der schon eine Tochter namens Maresa hat und sie mitnimmt als er mit Nora nach Roma fährt, dann verläßt er Nora, die dann alleine nach Rom fährt.

Dazwischen hütet sie noch Veras Katze, die nach Brasilien fährt und ihre Nachbarin, eine alte Jüdin und Holocaustopfer nahmens Sarah Tänzer, die sie betreut, beziehungsweise mit ihr auf den Friedhof fährt, hat einen Hund namens Moby, die Füchsin füttert Blutegeln und die Eidechsenmetapher, beziehungsweise der Romantitel bezieht sich auf die Romfahrt mit Anton und Maresa, denn dort beobachet Nora solche.

Am Ende ist sie im Krankenhaus, denn dort hat die Füchsin inzwischen ein Kind geboren, wobei es allerdings Komplikationen gab und Nora geht dann in das Zimmer ihrer Mutter, findet sie aber nicht mehr, nur die Schwester kommt ihr am Gang entgegen und sagt „Wir haben Sie schon gesucht, Schätzchen, geht es Ihnen gut?“

Sehr verwirrend also, nicht nur für die Bachmannjuroren, die allerdings, glaube ich , einen etwas anderen Text hatten, denn da kommt eine Contessa vor, die mir entgangen wäre, auch in den Rezensionen kann man viel von der Tragik des Lebens und dem schrecklichen Schicksal, denen die Frauen ausgesetzt wären lesen. Bei einigen wird dann auf die Autrin, die ja auch im zweiten Bildungsweg studierte und zuerst eine Bürolehre machte, zurückgeknüpft und von Arbeiterschicksalen gesprochen, die in der Gegenwartsliteratur eher selten wären.

Finde ich gar nicht und ich habe die Beschreibung der Mutter eigentlich sehr stark empfunden, sie hat mich auch an mein dreimonatiges Praktikum im Hospitz Hotel in St. Anton am Arlberg, das ich 1972 in der Strassegasse machen mußte, erinnern, da ist es im Service und in der Schank wahrscheinlich ähnlich zugegangen.

Die Polarsierung zwischen arm und reich und die Minderwertigkeitsgefühle, die Nora zwischen ihren reichen Freundinnen empfindet, habe ich dagegen eher ungewöhnlich gefunden, denn meistens wird das, was mich beispielsweise sehr interessiert, in der Gegenwartsliteratur eher nicht thematisiert.

Ansonsten geht es um die Problematik, die moderne Frauen haben können, Kinderwunsch, Verlassenwerden, alternative Lebensweisen, da habe ich ja vor kurzem  erst einen preisgekrönten Roman gelesen, in dem das auch beschrieben wird.

Die vielen Tiere sind sehr auffällig und Nadine Kegele springt von einer Metapher mit einer wortgewaltigen Poetik in die andere, spannend einerseits und hochkomplex, andereres habe ich dagegen noch nicht so ausgereift und eher unfertig gefunden und bin gespannt, was ich noch von der Autorin hören werde, die ich ja gelegentlich bei Veranstaltung sehe und die mir einmal auch ein sehr liebes Mail bezüglich meines „Kevin-Textes“ geschrieben hat, den ich ja am Volksstimmefest gelesen habe

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