Literaturgefluester

2017-11-03

Kirchberg

Es ist ein verwirrendes Buch, der zweite Roman der 1977 geborenen Verena Boos und eines, von dem ich nicht sicher bin, ob ich es ganz verstanden habe. Hat es doch mehrere Ebene und es werden in verschiedenen Jahrzehntenten, beginnend von 1974 bis in das in die Zukunft gehende 2024, drei verschiedene Geschichten erzählt.

Zentrum ist das schwäbische Dorf Kirchberg, in das kehrt vermutlich 2016 oder vielleicht schon früher Hanna nach einem Schlaganfall, den sie nach einem Hirntumor hatte, auch das erscheint mir verwirrend, zurück.

Sie ist sprachlos, halbseitig gelähmt, stand kurz vor ihrer Habilition, die sie jetzt nicht mehr durchführen kann. Wollte eigentlich nach Amerika, ist jetzt ein Sozialfall, Frührente oder Hartz IV, sagt die Sozialarbeiterin. so bricht sie ihre Therapien ab, verläßt die WG in der sie mit Jessie wohnte und kehrt in das ehemalige Schulhaus zurück, in dem sie mit ihren Großeltern, Erich und Katharina aufgewachsen ist.

1974 ist sie geboren, da war ihre Mutter Maria am Buchanfang gibt es eine Tafel mit den Namen und den Geburtsdaten der drei handelnden Familien, zweiundzwanzig und sie ist in die Stadt München geflohen, war dort Krankenschester und sagt niemand wer der Vater ihres Kindes ist. Sie gibt es auch zur Adoption frei und fängt als Stewardesse bei der Lufthansa an. Erich und Katharina setzten die Adoption durch, die Mutter kommt später auf Besuch, bleibt fremd und bringt Barbiepuppen mit.

Hanna schläft im ehemaligen Schulzimmer in einem Schlafsack, beginnt langsam ins Leben zurückzufinden, versucht wieder einkaufen zu gehen und wird von Sabrina der Nachbarin und Patrizio, dem Jugendfreund,  Sohn einer italienischen Familie, die im Dorf eine Pizzeria hatte, versorgt.

Es gibt einige rührende Szenen, so läutet, die ein wenig ältere Sabrina an, lädt Hanna, die sich nicht helfen lassen wil,l zum Essen ein. Die fünfjährige Lisa erkundigt sich nach der komischen Frau, hat Angst, daß es ihr selbst so gehen könnte, bringt dann selbstgemalte Karten, die hanna ans Essen erinnern sollen. Sie geht auch mit ihr einkaufen auf den markt, Patrizio besorgt ihr Kleider und mietet sich  im Schulhaus ein, um einen Comic zu zeichnen oder um Hanna zu betreuen. Es gibt auch eine Daphe, die einen Raum mietet und Hanna das Haus reparieren hilft.

Dazwischen geht die Sprachlose in den Dekadenschritten ihr Leben durch. Es gab eine Beziehung zu einen Leo, Italien und Amerikaaufenthalte, die Frage wer ihr Vater ist, wird  gestellt und die Geschichte, der drei Familien, die der Hubers, Sabrinas Schwiegervater Ludwig ist eine Pflegefall,  wird von einer Rumänin betreut und war ein Konkurrent von Großvater Erich und die der Braglacias, den italienischen Einwanderern.

Vom Krieg und der Nachkriegsgeneration wird erzählt und vom Tod der neunzigjährigen Katharina, die allein sterben mußte, weil Hanna in dieser Zeit in Berlin war und ihrer Habilitation nachjagte.

Noch eine rührende Szene in dieser Vielschichtigkeit. Hanna ist ja nach Kirchberg geflohen, hat ihre Arzttermine vernachläßigt, so läßt Jessie nach ihr suchen. Ruft sie an, aber Hanna kann ihr Handiy nicht bedienen und auf die Idee Postkarten aus dem Briefkasten zu nehmen, kommt sie nicht. So läutet eines Tages die Polizei bei ihr, zieht aber wieder ab, denn sie wird ja von Sabrina und Patrizio versorgt.

Das Buch ist in sechs Kapitel in je zehn Jahresabschnitten gegliedert in denen Hanna durch ihr geht.

Im letzten, 2024 ist sie dann gestorben. Patrizio hat das Haus gekauft und feiert dort Weihnachten mit seiner alten Mutterr und ich bleibe etwas ratlos zurück, weil ich nicht sicher bin, ob ich die Geschichten, die das Buch erzählen wollte, alle verstanden habe und mir der Inhalt in seiner Fülle und der wechselnden Erzählweise auch sehr  verwirrend schien und ich wahrscheinich mit einem  Handlungsstrang, dem der Wiedereingliederung nach dem Schlaganfall, beispielsweise, zufriedener gewesen wäre.

Aber das Leben ist vielschichtig und wenn es ans Sterben geht, geht man wahrscheinlich sein ganzes Leben durch und versucht auch die Geheimnisse aufzulösen, die einem bisher verschlossen blieben.

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2017-10-29

Zehn unbekümmerte Anarchistinnen

Filed under: Bücher — jancak @ 00:49
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Jetzt kommt nach all den österreichischen Neuerscheinungen und Buchpreislesen ein Buch aus dem wahrscheinlich kleinen oder feinen Schweizer „Limmat Verlag“, der mich Anfang September, als ich gerade den deutschen Buchpreis gelesen habe und durch meine Besprechung von „Katie“ aufgefallen bin, angeschreiben hat und mir die Fahnen und eine Menge Informationsmaterial über Daniel de Roulets „Zehn unbekümmerte Anarchistinnen“ geschickt hat.

Der 1944 in Genf geborene Architekt Daniel de Roulet scheint ein „Lmmat-Hausautor“ zu sein, hat er doch schon zehn Bücher dort veröffentlicht.

Jetzt ist das Buch erschienen und ich denke es ist auch ein kleiner feiner Bericht über das, was vielleicht abseits des Literaturbetriebs so passiert und es dem Zufall, dem Anschreiben des Verlags, der Literaturagentur oder die offenen Bücherschränke braucht, um es zu entdecken.

Die zehn unbekümmerten Anarchistinnen, sind zehn Schweizer Frauen, die in einem kleinen schweizer Uhrwerker-Dörfchen aufgewachsen sind und Ende des neunzehnten Jahrhunderts nach Südamerika auswanderten.

Ob wahr oder Fiktion habe ich nicht ganz herausgefunden. Im Klappentext steht etwas von „Auf der Basis historischer Dokumente und mit Hilfe seiner Imignation erzählt Daniel de Roulet das Schicksal von zehn Frauen, die in einer Zeit, die ihnen nichts zu bieten hat, die Freiheit suchten.“

Am Cover ist eine alte Fotografie abgebildet, die wahrscheinlich so einen Vorraum zu einem Auswanderungsschiff oder schon eine diesbezügliche Ankunftshalle zeigt, Frauen Mädchen, Kinder sitzen da auf Bänken und schauen eher frustriert vor sich hin oder in die sie fotografierende Kamera.

Und das Dorf-, in dem die zehn Frauen, erzählt wird der Bericht von einer Valentine, die sich tapfer weigerte sich in Patagonien Tina nennen zu lassen, die zu Anfang des Buches von ihrer Schwester gefragt wird, wo das Weiß hinkommt, wenn der Schnee schmilzt?, eine Frage, die im ganzen Buch nicht beantwortet wird, -ist ein besonderes, hat es doch einmal Bakunin beherbergit, es ist zu einem Aufstand gekommen. Wahrscheinlich der Anfang der Anarchie oder der Beginn der tapferen Frauen sich zu wehren und für sich die Freiheit zu suchen.

Zuerst lernen sie aber alle das Uhrmacherhandwerk., Daniel de Rout zählt hier die verschiedenen Berufe auf, die es da mal gegeben hat. Die Frauen sind in den unteren Ränge geblieben und so brechen sie auf. Kaufen sich jede ein 2Zwiebelchen, das ist eine Schweizer Präzensionsuhr und fahren in das gelobte Land.

Zwei von ihnen sind schon vorausgegangen und umgekommen und das Buch ist auch nach den „zehn kleinen Negerlein, jawohl, das steht so drinnen, obwohl es auch „Negerinnen“ oder „Zwiebelchen“ beziehungsweise „Anarchistinnen“ heißen könnte, aufgebaut und von jener Valentine 1919, als alles schon zu Ende war, in Monteviedo in zehn Kapitel aufgeschrieben.

Die anderen acht buchen eine Schiffspassagage nach Patagonien, über eine andere Auswanderung habe ich ja erst vor kurzen gelesen und auch über andere Schiffskatastrophen. Eine der Frauen, ich habe vergessen, sie haben Kinder, aber keine Männer mit, stirbt an Bord während einer Geburt, die anderen kommen an und sollen vom Gouverneur eigentlich als Soldatenbräute vergeben werden. Da weigern sie sich, verlangen für sich selber Land und bauen sowohl eine Uhrwerkstatt, als auch eine Bäckerei auf.

Trotzdem übersiedeln sechs von ihnen dann auf eine Robinson ähnliche Insel, um dort die Anachie zu leben, was auch irgendwie nicht möglich ist. Seltsame Begegnungen mit seltsamen Typen werden geschildert, ein Freitag schließt sich ihnen anl.

Lison wird erdrosselt, ihr „Zwiebelchen“ verschwindet, wie die der beiden Lesberinnen und taucht dann wieder auf, beziehungsweise muß es mit Hilfe von Dynamitstangen zurückerobert werden.

Dazwischen kommen immer wieder Briefe von einem Benjamin, der ihnen von der Revolution am Festland erzählt. Weil die Zustände auf der paradisischen Insel aber schließlich doch unerträglich sind, verlassen die restlichen Frauen sie wieder und übersiedeln nach Argentinien. Hier werden sie verhaftet und verhört. Eine von ihnen stirbt an Cholera, die tapfere Mathilde bei einer Bäckerdemonstration und Valentine läßt sich nach Monteviedo bringen, um 1919 alles aufzuschreiben.

Ein kleines feines und auch sehr poetisches Buch aus der Anarchistenszene des neunzehnten Jahrhunderts, nach all dem politisch aktuellen über Patrioten und Flüchtlingsschicksale, der Neuzeit, das ich jetzt gelesen habe.

Interessant und eindrucksvoll, aber die Gegenwart ist wahrscheinlich packender und erfordert mehr Aufmersamkeit, obwohl es sicher gut ist, sich immer wieder an die Vergangenheit zu erinnern und sich literarisch mi ihr zu beschäftigen.

2017-10-28

Patrioten

Nachdem ich mit dem österreichischen Buchpreislesen und den zwei Büchern der Debutshortlist fertig bin, bleibe ich weiter in Österreich und nach den „Reibungsverlusten“ weiter in der Politik, denn Eva Rossman, mit der ich 2000, glaube ich, gemeinsam beim Poetenfest in Raab gelesen habe, ich aus meinem ersten Indie „Wiener Verhältnisse“, sie aus ihrem ersten Mira Valensky-Krimi „Wahlkampf“, hat ein neuerliches Buch geschrieben.

Allerdings keinen Krimi mit der Mira und der Vesna aber wieder ein aktuellen Thema, das mich ja seit der van der Bellen Wahl und seit sich mein Kritiker ja auch als Pedgida Fan entpuppte, sehr beschäftigt.

„Patrioten“ heißt zu Wahl passend das Buch, hat einen schwarzen Umschalg mit geheimnissvollen Zeichen und ist, ich weiß nicht so recht, ist es eine Enttäuschung?

Natürlich nicht, denn es hat ja wieder, nachdem bei der Frankfurter Buchmesse, ja auch der Messeschef hilflos zwischen dem „Antaios-Chef“ getanden ist und von der Menge mit „Wir alle hassen Antifa!“ niederbebrüllt wurden, worauf die Identitären jubelten, daß sie  die Linken auf der Messe besiegt hätten, ein sehr aktuelles Thema und eines das mich sehr interessiert.

Auf das Buch wurde ich von einer literaturbegeisterten Dame, ich glaube, bei der „Perutz-Rreisverleihung“ aufmerksam gemacht, dann habe ich ein Interview von Eva Rossmann mit Günther Kaindsldorfer in der Hauptbücherei gehört und erfahren, dieses Buch hat nichts mit Mira Valensky zu tun, denn Eva Rossmann wollte die nicht in diesem Fall ermitteln lassen. Es scheint, habe ich, aber gedacht, doch eine Art Krimi zu sein, denn der Vorsitzende der Patriotischen Sozialen wird an ein Kreuz genagelt.

Das klingt spannend, wie ein Krimi und ist von der identitären und Pegida-Wirklichkeit weit entfert und da fällt mir ein, ich habe ja auch vor einem Jahr im Literaturhaus auf einer Veranstaltung gelesen, wo Eva Rossmann dabei war und morderierte. Damals ist es auch um Flucht und Vertreibung gegangen und darin geht es in dem Buch ja auch.

Der Chef der fiktiven Patriotisch Sozialen Partei wird also ans Kreuz genagelt und keine Mira kommt um zu ermitteln, schickt ihre Putzfrau Vesna auch nicht in die Kirche, wo die Füchtlingsfrau Sina, deren Mann verschwindet, Unterschlupf fand. Sie lernt dort auch nicht die zweiundachtzigjährige Lotte Klein kennen, die Sina betreut und folgt der nicht nach Brüssel, wo zwar kein Schwein herumläuft, aber fast ein Terroranschlag passiert.

Das wäre wahrscheinlich interessant und spannend gewesen. So war es, fürchte ich, sehr fad und langweilig und ich habe mich durch die fast dreihundertsechzig Seiten gequält und bei Seite fünfzig war ich dann wahrscheinlich schon so weit, zu sagen „Da passiert ja nichts und worum geht es da eigentlich?“

Detail am Rande. Alfred hat das Buch zweimal gekauft und eines seiner Mutter geschenkt. Keine Ahnung ob die das noch liest? Daß es ihr, der passionierten Krimileserin gefällt, kann ich mir nicht vorstellen und frage mich auch, warum Eva Rossmanmm, wenn sie schon ein so  zeitakteulles Thema wählte, dann auskneift und um den Brei herumschreibt?

Ist es Angst vor den Patrioten oder einer Klage, die die ja sehr gerne androhen? Recherchiert ist es, die ich mich in diesem Gebiet ja auch ein wenig auskenne, sehr gut.

Also nicht Mira Valensky und ihre Putzfrau Vesna, die inzwischen ihre Freundin ist, recherchieren, sondern die dreiundachtzigjähre Lotte Klein, die früher Chefsekretärin war, Witwe eines berühmten Fernsehsprechers, Großmutter von David, der auch Reportagen schreiben will und die betreut, weil sehr katholisch, in ihrer Pfarre eine syrische Flüchtlingsfrau namens Sina und Julius Sessler, der Chef der Patriotisch Sozialen wird ans Kreuz genagel. So weit so gut und das wissen wir jetzt schon.

Was dann passiert, ist langweilig, das habe ich auch schon geschrieben. Denn es wird geredet und gedacht.Einander auch manchmal ein wenig beleidigt und in die Vergangenheit zurückgeschwenkt und dazwischen passieren durchaus krimiähnliche haarsträubende Dinge und vor allem tauchen auch immer wieder, auch ein sehr aktuelles Thema, Hasspostings auf, die von einem ES angeführt werden.

Rami, Sinas Mann verschwindet und die bittet Lotte um Hilfe. Die hat auch einen Verehrer, nämlich einen zweiundneuzigjährigen ehemaligen Widerstandskämpfer und Rechtsanwalt, namens Richard Pribil, der Lotte kennenlernt, als sie ihm in sein Fahrrad rennt. Alles vielleicht auch nicht sehr realistisch und nicht sehr spannend. David und Frau Klein, so wird sie auch immer wieder genannt, sollen herausfinden was passierte. Sina ruft auf seinen Computer ihren Vater in Damaskus an. Dann kommt die Polizei auf ihre Spur und verdächtigt den verschwundenen Rami ein Terrorist gewesen zu sein. Seine DNA und die einiger ander Flüchtlinge, die ebenfalls verschwunden sind, taucht bei dem Kreuz auf. Sina kommt in Untersuchungshaft und Lotte Klein macht sich bei einem Fernsehjubläum an den neuen Chef der Patrioten heran. Sie versucht auch bei der Polizei zu ermitteln, beziehungsweise tut das Richards alter Freund, der früher Polizeipräsident war und David geht als Prakikant nach Brüssel. Das will er zwar nicht wirklich oder doch. aber nicht in Anzug und Krawatte. So kauft ihm die Oma eine schwarze Jeans und eine Jennifer taucht auf, die beim Fensehen, die Besucher empfängt. Die ist achtzehn und ist von einem in Wien geborenen türkischen Medizinstudenten, der dann ebenfalls verschwindet, schwanger. Das entsetzt ihren Vater, denn der, ein arbeitsloser Baupoliert ist ja patrotisch. Dann ist er aber wieder ein Kommandant und bildet am Semmering arabische junge Männer aus. Das beobachtet Jennifer hinter einem Baum verborgen und ruft Lotte an, um ihr das mitzuteilen, die sich inzwischen in Brüssel befindet und da taucht dann plötzlich Rami in einem Sitzungssaal auf, der in jenem Ausbildungslager war. Es kommt fast zu einem terroristischen Anschlag und am Ende klärt sich alles auf oder auch nicht. Julius Sessler hat offenbar auf eine sehr spekuläre Art und Weise Selbstmord begangen, um seinem Krebstot zu entgehen und ich frage mich, was habe ich aus der Lektüre des Buches gelernt und was weiß ich jetzt mehr als vorher?

Daß die Frankfurter Buchmesse den Protesten gegen die rechten Stände eher hilflos gegenübergestanden ist, habe ich schon früher gewußt und daß „Mulitkulti“ angeblich gescheitert ist, höre ich, wenn ich mir die Videos der Identitären ansehe, glaube es aber noch immer nicht.

„Natonalismus, Terror, Hass, die Angst geht um in Europa – der Spannungsroman über Europa am Scheungsweg“, steht am schwarzen Buchrücken. Aber ich habe das Buch,  wie schon geschrieben, sehr langweilig gefunden. Obwohl die Fakten, soweit ich es beurteilen kann, stimmen und der Hintergrund gut recherchiert zu sein scheint.

„Natürlich sind die handelnden Personen rein fiktiv. Viele der Zitate sind allerdings der Wirklichkeit entnommen. Man kann sie auf Facebook, in Presseaussendungen und Medienberichte finden“, schreibt Eva Rossmann auf der letzten Seite vor der Danksagung.

Und ich freue mich von ihr im nächsten Jahr vielleicht ein spannenderes Buch über ein vielleicht nicht so brissantes Thema zu finden und bin jetzt gespannt, was die passionierten Mira Valensky Leser dazu sagen?

Und wie schon geschrieben, ich denke mir, daß man auch aus diesem Thema ein spannendes Buch schreiben hätte können und finde es sehr schade, daß sich Eva Rossmann das offensichtlich nicht zutraute.

Das auf das Kreuz nageln, was ich  auch ein wenig kitschig finde, hätte sie dabei ja weglassen können. Eine Demonstration auf einer Buchmesse mit einem verschwundnenen Linken, Flüchtling oder Messedirektor hätte vielleicht schon genügt.

2017-10-08

Wer hier schlief

Weiter geht es mit der österreichischen Literatur. Es gibt aber zwischen dem deutschen, da habe ich ja siebzehn Bücher geschafft und dem österreichischen Buchpreislesen eine kleine Pause, beziehungsweise gibt es jetzt zwei österreichische Neuerscheinungen, die es es nicht auf die Listent schafften.

Beim Ersten bleiben wir zumindestens, was den Verlag betrifft in Deutschland, denn Isabella Straubs zweiter Roman „Wer hier schlief“, ist bei „Blumenbar“ erschienen und ich kenne die 1968 geborene, seit sie den FM4 Preis gewonnen hat.

Dann kam ihr erster Roman „Das Fest des Windrads“ , das hat sie bei einem der Literaturhausfeste vorgestellt. Ich hätte es, glaube ich, auch bei „Thalia“ um zehn Euro kaufen können, habe es aber liegenlassen und fange mit dem Straub lesen also erst mit „Wer hier schlief“ an und das war ein Erlebnis, nämlich ein sehr frischer Ton, mit der diese Aussteigergeschichte wiederum sehr ironisch, aber nicht so abgehoben, sondern eher leicht zu lesen, geschrieben ist.

Da geht es um Philipp Kuhn und der spaziert in Wien herum. Das heißt, ich denke, es ist Wien, wird auch so erwähnt, aber viele Straßennamen sind, glaube ich, erfunden, während es das Museumsquartier und das Kindermuseum, etcetera gibt.

Und für Philipp Kuhn fängt es eigentlich sehr euphorisch an. Er hat seine Freundin Vera in deren Sicherheitstürenfirma, er gearbeitet hat und mit der er auch in einer Villa lebte, verlassen, um mit Miriam zusammenzuziehen. In deren Wohnung hat er schon seinen Laptop und seine Sparbücher deponiert, denn mit ihr will er eine Firma aufmachen. Jetzt trägt er nur den Adam, ich glaube ein Kopie des Bildes von Rudolf Hausner im Arm, um sich mit ihr zu treffen.

Wegen einer Demonstration verpasst er sie aber, kann sie am Handy nicht erreichen und als er bei ihr klingelt, öffnet eine fremde Frau. Er geht in das Hotel, wo sie als Rezeptionistin arbeitet, aber dort erscheint die Polizei, Miriam scheint irgendetwas veruntreut zu haben, während er noch auf sie wartet, kommt er ins Gespärch mit einem alten Mann, der ihm Locum anbietet und ihm erzählt, daß er sehr oft in das Hotel kommt, um Leute zu beobachten, etcetera.

Ach ja, das habe ich vergessen, Philipp ist nicht ganz gesund, er leidet an Reflux, muß Tabletten nehmen und Diät halten. Er hat aber kein Rezept mehr, so bekommt er einen Anfall und in ein Krankenhaus und vorher oder nachher besucht er seine Mutter um bei ihr zu übernachten, denn er hat ja jetzt keine Wohnung mehr.

Die ist aber eine seltsame Frau, die mit ihrer Nachbarin befreundet ist, hat in seinem ehemaligen Zimmer längst einen Untermieter einquartiert und will von ihm nichts wissen. Seine Schwester Andrea, die in Amerika lebt, ist auch nicht sehr hilfreich, obwohl sie regelmäßig anruft, so bleibt ihm nichts anderes über, als im Fitneßstudio, wo er eine Jahreskarte hat zu übernachten. Das geht aber nicht unbegrenzt, denn das ist ja verboten. Er lernt in der Ruhekammer aber Tamara kennen und die bringt ihn in einer seltsame Wohngemeinschaft oder Hausbesetzterszene unter, die sich in Altersheimen einquartiert, dort die leerstehenden Wohnungen renoviert und während dieser Zeit dort wohnt und für den Abend organisieren sie einen Dienst, die die öffentlichen Buffets abklappern und die Buffets abräumen.

Man sieht Isabella Straub räumt ganz schön mit dem Kapitalismus ab und das ist auch etwas, das ich selber früher manchmal machte und auch darüber geschrieben hat.

Ein ehemaliger Arbeitskollege taucht auf, verspricht daß Philipp ein paar Nächte bei ihm schlafen kann, als er aber dort läutet, macht ihm keiner auf. Er erzählt ihm aber, daß Miram offenbar auch Betriebsspionage betrieben hat und die Polizei ermittelt.

So bleibt Philipp nichts anderes über, als bei dieser Hausrenovierungssekte mitzumachen. Er besucht aber den alten Herrn, der auch sehr karank ist, in seiner Wohnung. Der führt ihn in ein Erinnerungskabinett und serviert ihm ein Gesundheitselexier, obwohl Philipph ja keinen Alkohol trinken darf. Später trifft er ihn  im Krankenhaus, wo er seine, inzwischen dort eingelieferte Mutter besuchen will, wieder.

Auch da kommt es zu grotesken Szenen, denn die Patienten werden ständig verlegt und Philipp, der während er auf seine Mutter wartet, die Geburtstation besucht, klaut dort einen Blumenstrauß, weil ihm ja inzwischen auch das Geld ausgegangen ist. Aber den bekommt dann der alte Herr Solak und nicht seine Mutter, weil die sich  inzwischen ohnehin mit ihrem Untermieter, beziehungweise den Chefarzt, für den sie sich von ihrer Nachbarin schminken läß,t vergnügt.

Der alte Mann stribt. Philipp zieht in seine Wohnung und am Ende geht er mit seinem „Adam“ zu einer Vernissage, wo auch die Hausners ausgestellt sind, sperrt sich dort am Klo ein und legt sich schließlich mit seinem Bild vor das Original.

„Es wurde ganz leicht, sein Körper löste sich vom Boden, wog nichts mehr, schwebte jetzt, das fühlte er ganz klar und es überrasche ihn nicht.

Als ein milchiger Himmel das Ende der Nacht ankündigte, schlief er ein“.

Ein eindrucksvolles Buch, das mir sehr gut gefallen hat. Schade daß es nicht auf eine der LLs gekommen ist. Es macht aber auch nichts wirklich, denn man kann es ja trotzdem lesen und soll das meiner Meinung nach, auch tun.

2017-08-22

Erich Wyss übt den freien Fall

Jetzt kommt der zweite Teil von Tim Krohns „Menschliche Regungen-Projekt“. Da habe ich ja im Frühjahr „Herr Brechbühl sucht eine Katze“ gelesen und das Projekt ist zusammengekommen, weil der 1965 geborene Schweizer Autor Geld für ein Badezimmer für seine Mutter brauchte.

So hat er ein Enzyklädodie der Gefühle gesammelt und ein Crowdfunding gestartet. Wenn man dafür spendete, konnte man sich ein Gefühl aussuchen,drei Worte dazu beisteuern und Tim Krohn hat dazu ein Kapitel seiner Romanseri,e die in einem Zürcher Gemeinschaftshaus spie,lt geschrieben.

Ein bißchen ähnlich, wie mein „Besser spät als nie Projekt“, aber das ist ja erst im Mai und Juni entstanden und dem Buch merkt man vielleicht auch das Bemühen an aus dem Gefühlskapiteln einen Roman zu machen an. Die entsprechenden Überhöhungen und Übertreibungen sind auch darin zu finden.

Die Personen sind die gleichen. Es beginnt aber mit einem neuen Hausmeister namens Paul Lutz.Der wird bald wieder entlassen, weil er einen Baum zur falschen Zeit zersägt und auch, weil er sich weigerte, der Hausverwaltung, die entsprechendenInformationen über die Mieter oder sind es Eigentümer zu liefern.

Vielleicht auch, weil sich keine passenden Gefühle mehr für ihn fanden. Sonst treffen wir aber Bekannte und der Titelgeber Erich Wyss, der mürrische alte Mann ist immer noch in die Gaunerei seines Enkels Augustin verstrickt. Da wurde ja für eine Seniorenresidenz in Ungarn gesammelt. Das Geld ist verschwunden und der Großvater soll dafür gerade stehen. Gerda Wyss mischt sich ein, versucht zu vermitteln, ruft fast alle Beteiligte an. Dann feiert sie mit ihrem Erich und auch Hubert Brechbühl, glaube ich, ihren Geburtstag, geht schlafen und wacht nicht mehr auf.

Eine Katastrophe für den alten Erich mit dem sie ja fünfzig Jahre verheiratet war. Der sohn Sepp kommt zur Beerdigung, mäkelt an allem herum, will an allem sparen, um Geld für seinen Sohn zu haben und  den Vater sogar entmüdigen lassen, als der ihm nach einiger Zeit hinausschmeißt.

Hubert Brechbühl hat Schweißfüße, spielt Tuba und beginnt sehr vorsichtiig eine Beziehung zu der esoterischen Ex-Krankenschwester Edith Samyra und die will  nach Nepal fliegen, um der ermordeten Königsfamilie zu huldigen und da kommen wir zu einem Zeitband, das den Roman umhüllt. Nämlich nine elefen, das ist zwar schon lange her, aber vielleicht hat Tim Krohn solange an seinem Buch geschrieben. Jetzt stürzen aber die Türme und alle Hausbewohner sind betroffen.

Edith-Samyra sitzt in Panik am Flughafen von Istanbul und weigert sich in ein Flugzeug zu steigen. Hubert soll  sie abholen. So reist der über Wien, Budapest, Bukarest dorthin und Salina, die  Schauspielerin, die ja gleichzeitig die Mutter Courage, als auch in einem Film eines überspannten Regisseurs spielt, wird davon bei den Proben überrascht.

Julia Sommer, die Mutter der unöglichen und schrecklich ungezogenen Mona, sind Kinder wirklich so und reden sie mit zweihalb wirklich schon so viel, hat sich als Lektorin selbständig gemacht. Ist jetzt ständig in Geldnöten und Drehbuch für einen Film will sie auch schreiben und dann gibt es noch das sexaktive Paar Costas, die schreiben auch die Texte für einen Sexfilm und wollen ihn vermarkten. Das Studentenpaar Petzi und Pit gibt es ebenfalls. Die leben sich auseinander und kommen wieder zusammen. Pit gibt sein Philosophiestudium auf und möchte nun Medizin studieren.

Es gibt einen reichen Sammler und noch ein paar andere mehr oder weniger spinnige Figuren. Weihnachten wird gefeiert, beziehungsweise vom Kindergärtner umbenannt, weli es ja Fest der Liebe und nicht mehr Christkind heißen darf. Mona soll aber einen Engel spielen. Das wird durch eine Grippeepidemie verpatzt, weil sich dann die Menschen, weil ja Virenschleudern nicht mehr umarmen dürfen und so weiter und so fort.

Maan sieht, Tim Krohn macht sich gehörig über unser Gesellschaft lustig und es ist,was mir ja sehr angenehm sein sollgte, ein realistischer Roman oder der Versuch aus dem menschlichen Regungen einen solchen zu machen.

Da passiert ja nichts literarischen oder das ist mir viel zu wenig abgehoben, könnten die Kritiker jetzt schreien. Vielleicht ist das buch deshalb nicht auf die LL gekommen. Aber bei einer Serie ist das  auch schwierig oder vielleicht sind die gar nicht zugelassen und ich kann mich jetzt auf den dritten Teil freuen und dazwischen natülich etwas andereres lesen. Auswahl gibt es ja genug.

2017-08-19

Nach uns die Pinguine

Filed under: Bücher — jancak @ 00:34
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„Der bizarrste und ungewöhnlichte Krimi des Jahres!“, steht auf der „Verlagsbeschreibung“  und am Buchrücken kann man lesen „Hannes Steins skuriller Weltuntergangskrimi ist ein philosophisch-postapokalytptisches Vergnügen“.

Das vom „Weltuntergangskrimi“ ist auch auf dem Cover zu lesen. das ist hellblau mit roter Titelschrift und ein paar Wolken oder sind es Eisschollen beziehungsweise Erdteile, sind auch drauf zu sehen und aus dem Buch stolziert stolz und aufrecht ein Pinguin heraus.

Vorweg, mit Pinguinen hat das Ganze sehr wenig zu tun oder doch ein bißchen. Es gibt sie wahrscheinlich auf den Falklandinseln und sie sollen nach dem Plan des  Mörders auch die Menschheit überleben.

Aber die gibt es eigentlich auch nicht mehr oder nur in Restfragmenten, zu kleinen Teilen auf der Erde verstreut, in San Francisco, Shanghai, in Israel, vielleicht auch in Afrika und natürlich auf den Falklandinseln, dem Orte des Geschehens, denn es ist, glaube ich, auch ein Zukunftsroman.

Der dritte Weltkrieg „oder die betrüblichen Ereignisse über die wir ungern reden“, wie mehrmals in dem Buch zu lesen steht, haben stattgefunden.

Vielleicht durch den Präsdienten mit der komischen Frisur, wie auch im Klappentext angedeutet wird und der hat es ja in der Realität auch geschafft, daß ein Sinclair Lewis Roman wiederaufgelegt wurde.

Bei „Galiani“ hat es der 1975 in München geborene  und in Salzburg aufgewachsene,  Hannes Stein, der 2007 in die USA ausgewandert ist und mir 2013 mit „Der Komet“ ein wahrscheinlich ebenso skurriles Buch in dem der erste Weltkrieg nicht stattgefunden hat, aufgefallen, geschafft, den angeblich bizarsten Krimi des Jahres zu schreiben und ich muß gestehen, daß meine ja an sich sehr humorlose und an der Realität klebende Leseseeele manchmal ein wenig ratlos war und versuchte in dem Buch eine Erstthaftigkeit hineinzulegen, die es vielleicht gar nicht hat oder doch vielleicht?

Ich weiß es wahrscheinlich nicht, ob das, was ich da gelesen habe, hochphilosophisch ist oder die pure Spiellust des Autors? Ist ja gern versucht, alles hochpolitisch zu deuten. Kann es aber vielleicht auch ganz einfach sehen?

Also, der dritte Weltkrieg ist ausgebrochen und auch eine Seuche, die die nordkoreanischen Diktatoren der Welt bescherten. Man sieht, den bizarren Humor des Autors und an den schon zitierten Stellen haben ein paar tausend Menschen überlebt.

Auf den Falklandinseln, glaube ich, achttausend und die leben als Untertaten ihrer Mayestät, die es dann ja wahrscheinlich auch nicht mehr gibt, very britisch unter ihrem leutseligen Gouveneur weite, gehen ins Pub, trinken Tee, essen Fish und Chips und dieses schöne Szenario ist es, in dem nun ein Mord passiert.

Kurz vor Weihnachten  wird der leutselige und schon sehr krebskranke Gouverneur mit einer Churchillbüste in seinem von innen verschlossenen Zimmer erschlagen wird und Joshua Feldenkrai,s der Ich-Erzähler und Radioreporter der Insel fragt sich, was der Sinn dieser Aktion ist?

Der hat auch ein ungewöhnliches Schicksal, ist nämlich Jude, Amerikaner,  homosexuell und Mormone und diese letzte Tatsache war es, die seine  Mutter veranlaßte, ihn vor der Katastrophe auf das Kreuzfahrtschiff Serendipity zu setzen, das dann vor den Falklandinsel landete.

Wenn man dort gebraucht wurde, konnte man das Schiff verlassen und bekam eine Arbeitserlaubnis, wie Joshua, da sich dessen Vorgänger umgebracht hat. Die anderern harren noch heute in dem jetzt Flüchtlingsschiff genannten Kreuzer aus und spielen dort high Armerika.

Joshua will den Fall  aufklären und beginnt zu recherchieren. So geht er  in das Pub, unterhält sich mit einem alten Säufer, den die  Sekretärin des Gouverneurs in der Mordnacht um das Haus schleichen sah.

Es gibt auch zwei Polizisten, die zwar nicht Dick und Doof heißen, sie verhalten sich aber trotzdem so und das Ganze liest sich durchaus spannend, weil man ja erst in die Ereignisse, über die so ungern gesprochen wird, hineinkommen muß und während das mehr oder weniger mühsam gelingt, hat Joshua schon die Erleuchtung und weiß, was das Ganze bedeuten soll.

Ein Gespräch zweier Soldaten in dem Pub über KCN und  Bidu Cola, bringt ihn auf die Spur. Er verliert sie aber wieder und der Säufer namens George Blair, der inzwischen auch verhört wurde, erzählt, er hätte, während er um das Haus schlich, auch  den Generalleutnant der Streitwaffe dort gesehen.

So fährt Joshua zum Stützpunkt, aber der ist verschwunden und wird dann tot in einer Mehrzweckhalle aufgefunden. Vor ihm kniet der pakistanische Oberarzt der Insel, in dem der homoseuxelle und nur Kamillenteee trinkende Mormone  still und heimlich verliebt ist und untersucht den Toten.

Denn beide wurden an den Tatort gerufen und dan kommen auch schon die Polizisten und verhaften zuerst den Arzt. Joshua wird das später auch, zuerst kann er seine Erleuchtung aber auf Band aufnehmen, so daß sie später im Radio gesendet wird.

Die Nacht wird im Gefängnis gebracht und am Morgen kommt der Säufer mit der Axt und dem Volk und führt die beiden im Triumph zu dem Gouverneurshaus, wo schon  der Mörder in seinem Büro sitzt.

Joshua sagt ihm auf der Stelle alles zu. Der lebensmüde Mörder hat auch das Restvollk am Weihnachtsabend mit einem Freitrunk aus Zyankali und Cola ermorden wollen, so daß nach ihm die Pinguine an die Macht der menschenleeren Insel gekommen wären.

Der Mörder kann nun nur, um der Verhaftung zu entgehen, durch die Mienenfelder, die die Argentinier einmal angelegt haben, rennen und während er in hunderttausend kleine Teile zerfällt, kommt die Rettung mit einem israelischen Schiff. Nämlich der neue Gouverneur, der aus Furcht vor den Arabaern die letzten Jahren in israelischen Höhlen überlebte, bis er das Falklandradio hörte und wußte dort muß er hin, da er ja die Berufung schon vor der Katastrophe in der Tasche hatte. So geschieht das auch und das Leben geht weiter, denn er hat auch eine Frau und die ist, o Wunder, schwanger.

Die Erste, der das nach der Katastrophe passierte.

Und so haben die Pinguine noch etwas Zeit, bis sie an die Weltherrschaft kommen  und wir haben den angeblich bizarrsten Krimi der Saison gelesen, der uns nach all dem Klamauk, vielleicht darüber nachdenken läßt, wie wir es in dieser Welt mit ihren Flüchtlingskathastrophen, der IS und können nur hoffen, daß  der Präsidenten mit den starken Sprüchen und der komischen Frisur nicht gerade dabei ist uns ins den dritten Weltkrieg zu manövrien.

Hannes Stein scheint dieser Ansicht zu sein, schreibt er doch in seiner ebenfalls etwas bizarren Danksagung, daß in dem Buch alles von den blöden Poilzisten bis zum schlechtesten Chor der Welt bis auf den Weltuntergang, erstunken und erlogen ist.

2017-08-16

Butterbrot und Liebe

Filed under: Bücher — jancak @ 00:12
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Nach dem Berlin der Zwanzigerjahre geht es gleich in die moderne deutsche Hauptstadt. Die 1965  geborene Susanne Friedrich und „Literaturtest“ machen es möglich und so ist vor dem „Buchpreislesen“ und  noch vorhandenen Sperrfristen wieder ein bißchen ChickLit, beziehungsweise Liebe angesagt.

Denn da ist Hannah, eine erfolgreiche Geschäftsfrau und hart im Nehmen und im Geben, denn zu Beginn des Buches brüllt sie gleich einmal die Crew ihrer wahrcheinlichen Marketingfirma zusammen, so genau wird das nicht berschrieben, um was es in ihrem erfolgreichen Unternehmen geht, jetzt klappt aber einmal nichts und so darf Niklas ein Mitarbeiter nicht mit seiner Frau seine Hochzeit feiern und als der Haussegen schiefsteht, kommt der „Gutelaunebär“ und schreit fröhlich „Butterbrot und Liebe!“, durch den Raum.

Das ist Christoph und ein Bekannter von Tamara einer anderen Mitarbeiterin und die hat ihn, der mit Freunden ein  Cafe und Cateringunternehmen führt, beauftragt, zu Mittag in einem Korb die Broten und die Kuchen in die Firma zu bringen und die sind wunderbar, nämlich mit Liebe gemacht und verpackt und so schmilzt Hannah auch gleich beim Anblick Christophs und seinen Brotaufstrichen weg.

Aber das geht doch nicht, denn sie ist erstens ein gebranntes Kind und zweiten ist er zwölf Jahre jünger.

So gibt sie ihm den Laufpaß und zeigt Abwehrhaltung.

„Eiskönigin!“, nennt Ellie, das ist die dritte im Bunde von „Butterbrot und Liebe“ sie, der zweite ist Atila, der Freund, der von Christophs Mutter mitaufgezogen worde, als seine Mutter starb und jetzt kochen alle, denn  „Genieße die kleinen Dinge des Lebens – sie machen das Leben großartig!“, ist Susanne Friedrichs Leitspruch, die als Kind deutscher Eltern in Indien geboren wurde und kümmenr sich um Christoph, um ihn  mit seiner „Eiskönigin“ zusammenzubringen.

Das ist, wie man sich vorstellen kann, nicht so leicht und braucht fast dreihundert Seiten bis zum Happyend, denn Hannah, die unnahbare Karrierefrau, hat ihre Traumen hinter sich, nämlich die Mutter und den Bruder durch Selbstmord verloren. So bleibt ihr als einziger Rückzugspunkt ihr Vater, der sich damals, nach dem Drama, auch zurückhzug, seine Firma verkaufte und in der Heide einen Bauernhof renovierte.

Dort fährt Hannah am Wochenende hin, um ihn zu besuchen. Er koch dann für sie und Christiphs Mutter kocht für ihren Sohn und Atila und auch Ellie, das ist eine alleinerziehende Afrikanerin, die mit Atila und Christoph, den Laden schupft sehr streng ist und wunderbare Kuchen bäckt, wird von ihrer Mutter bekocht und außerdem wird sie von Hassan, dem Vater ihres Kindes bedroht,  aufgelauert und niedergeschlagen, weil der nicht wil, daß sein Kind von einer „Schlampe“ erzogen wird.

Ich lass mir von dir Nazi gar nichts sagen!“ sagt der, zu Nachbar Kunze, als der ihn beschützend eingreift, worauf der berlinernt antwortet.

„Jetzt pass mal uff,  Früchtchen! Komm mir nicht mit der Nazischeiße! Läuft bei mir nicht, kapiert! Mein Großvater war Kommunist und is im Lager jestorben, also spar dir die Scheiße für irgendeinen Vollidioten, aber komm mir nicht so!“

Man sieht, Susanne Friedrich hat sehr aktuelle Themen und führt uns in das brandtaktuelle Berlin, mit seinen Cateringunternehmen, die von Studenten und aktiven Rentnern betrieben werden, den traumatisierten Karrierefrauen, etcetera.

Aber natürlich es kommt zum Happyend und eigentlich ist die Handlung sehr einfach, wenn sie auch nicht immer ganz logisch ist, wenn Christoph beispielsweise im betrunkenen Zustadn, nach einem guten Essen, von seiner Mutter zu Hannahs Vater entführt wird und der ihm dann ein Traumauto gibt, mit dem er durch Frankreich zu Hannah fahren soll.

Interessant sind aber wirklich die kleinen Dinge, auf die Susanne Friedrich großen Wert zu legen scheint. Ein gutes Essen beispielsweise, so sitzen sie alle, wenn das Herz weh tut, vor einer großen Schüßel Carbonara und die strenge Ellie gibt Christph ihre Traumpralinen für Hannah mit einem Zettelchen „Sei froh, dass es in deinem Leben jemanden gibt, der dir das Leben versüßt. Die Mehrheit muß sich mit Schokolade begnügen!“, zur Bekehrung mit.

Aber natürlich die Entscheidung muß man selber treffen. Die anderen, der Vater, die Mutter, die Freunde, können, wie im Buchrückentext steht, nur zu helfen versuchen.

Hannah muß  selbstzurückkommen und nach ihrem Christoph suchen, was sie, wie ich verraten kann, nach zweihundertneunzig Seiten auch tut.

Ein spannendes Buch, das ich sehr empfehlen kann. Eines das, was ich ein wenig schade finde, nicht auf der LL-List gestanden ist, obwohl es die Leute wahrscheinlich lieber, als das Komplizierte, Schwierige lesen, aber das sind wir noch nicht so weit, daß wir auch Unterhaltungsromane oder sogar Selbstgemachtes auf diese Listen stellen.

Vielleicht kommt es  einmal dazu. Inzwischen können wir  aber auch das andere lesen, weil man sich seinen Lesestoff ja selber aussuchen kann.

2017-08-04

Sieben Nächte

Jetzt kommt offenbar das neue Kultbuch der Saison und eines das in den letzten Tagen ständig in den Blogs und Booktube Videos auftauchte und inzwischen auch schon auf der „Longlist des Bloggerdebutspreis“ gelandet ist.

Vielleicht kommt es auch noch auf die Longlist des dBp und mit etwas Verspätung ist „Sieben Nächte“ des 1988 in Berlin geborenen Simon Strauß auch zu mir gekommen.

Und ich kann sagen, das kleine dünne Büchlein mit dem traurigen Männergesich am Covert hat wirklich eine starke Sprache und scheint den Nöten der gerade Dreißigjährigen, die, die der trauigen Freiheit des Prekatriats gegenüber oder gegenunterstehen mit einem Faustischen-Bekenntnis und den sieben Todsünden, die man offenbar begehen muß, um dieser Tristesse zu entkommen gegenüberzutreten.

„Was für ein leidenschaftliches, angstfreies, traditionstrunkenes, zukunftsgieriges Kampfbuch gegen die Abgeklärtheit, gegen die Müdigkeit der in-Spuren-Geher. Ein Pamphlet für die Offenheit der Herzen“, schreibt der literarische Quartett Guro Volker Weidermann am Rücken des bei „Blumenbar“ erschienenen Büchleins, was ich ein wenig übertrieben und auch nicht ganz eingehalten finde.

Die starke Sprache und die stille oder laute Verzweiflung des noch nicht Dreißigjährigen, wie ich es mir interpretieren würde, hat mich aber auch beeindruckt.

Das sitzt einer „Vor dem Anfang“ und schreibt gegen die Angst. Der tut das dann auch in den folgenden sieben Nächten, wo die sieben Todsünden beschrieben werden und er tut das, jetzt schreibe ich das, glaube ich, schon zum dritten Mal, sehr stark:

„Das hier schreibe ich aus Angst. Aus Angst vor dem fließenden Übergang. Davor nicht gemerkt zu haben, erwachsen geworden zu sein. Ohne Initiation, ohne Reifeprüfung einfach durchgerutscht  bis zur Dreißig“

Und so weiter und so fort, die Handlung ist dagegen schnell erzählt und haben mir schon die Blogger und Booktuber verraten.

Dem gerade noch oder schon Dreißigjährigen, der die besten Chancen und Angst vor der Verbürgerlichung hat, kommt ein  Bekannter, nein kein Pudel, entgegen und macht ihm das Angebot sieben Nächte lang je eine Todsünde zu begehen.

Die werden kapitelweise beschrieben. Im Buch steht dann beispielsweise “ I Superbia“ und weiter hinten im sogernannten Glossar „Superbia-Hochmut Das Hochhaus 07. September“ und von diesem Hochhaus springt der Hochmütige sogann oder läßt sich davon abseilen. Bevor er das tut, läßt er aber wieder seine sprachgewaltigen Pamphlete aus:

„Wie mich diese Welt braucht. Wie sehr sie mich nötig hat. Jetzt. Heute. Hier. Nicht morgen. Nicht irgendwann, sondern  jetzt“.

In der zweiten Nacht oder Sünde geht es  um die „Völlerei“. Da sitzt er dann vor dem Restaurant, damit ihn alle sehen können und läßt sich in Zeiten, wo das ja verpönt ist, die Fleischberge kommen , während er den Bettlern, die höflich auf ihn zugehen, ohne nachzusehen erklärt, gerarade kein Kleingeld zu haben.

Das nächste ist die „Faulheit“, da bleibt er zu Hause und telefoniert mit einem Marketinginstitut und ich denke, das wäre für mich Erstens keine Sünde und Zweites würde es mich wundern, daß der Marktforscher in der Nacht anruft.

Dann gehts zum Thema „Habgier“ auf die „Trabrennbahn“, er setzt zwei Euro gewinnt zweiundvierzig und ärgert sich, beobachtet dabei einen Familienvater, er nennt ihn, glaube ich, leicht verächtlich „Superdaddy“, der seinem Kind, auch in der Nacht?, Nutella Crepes besorgt.

Man sieht, ich bin etwas verwundert, weil der Inhalt nicht so ganz hält, was er verspricht, da sich die Sünden, wenn sie überhaupt welche sind, eher im Kopf, also in der verpönten „Tell statt show-Zone“ abspielen.

Und dann gibts es noch den „Neid“ und die „Wolllust“, die Todsünde „Neid“ wird in der Universitätsbibliothek, die „Wolllust“ auf derm Maskenball betrieben und der Jähzorn spielt sich während einer „Autofahrt“ ab.

Da kommt ein Asylwerber vor, der sich darüber ärgert, daß er seine Qualifikation trotz Traumatisierung erst nachweisen muß und das das wütend machen kann, ist ja leider auch in manchen rechten Publikationen zu lesen, während dem Helden der Geschichten, der schreibende Erzähler „Vor dem Ende“ von seinem Bekannten zur „Bestandenen Reifeprüfung“ gratuliert wird und ich bleibe bei dem neuen „Kultbuch“etwas verwirrt zurück.

Denn wäre es wahrscheinlich spannender, den Helden wirklich beim „Maskenball“ mit einer Schönen vögeln und sein Geld verspielen zu lassen, etcetera, bevor er dann nach Studienabschluß bav heiratet und seine Kinder zeugt.

Aber das hatten wir schon merhmals und wäre nicht so originell und ich kann gestehen, bei mir selber wieder „Neidgefühle“ entdeckt zu haben, als ich bei den „Amazon-Kritiken“, die auch nicht alle so euphorisch sind, entdeckte, daß es sich  bei Simon Strauss, um den Sohn des berühmten Botho handeln könnte und habe etwas neidig „Aha!“ und „Da sieht mans wieder!“, gedacht, da war es auch noch  nicht Nacht und bei den anderen Sündenarten wäre ich wahrscheinlich resistenter.

Die „Faulheit“ würde ich als „Müßigang“ oder „Entspannung“ sogar eher zu den Tugenden rechnen.

Enen Satz kann ich am Schluß noch anfügen, er stammt aus Kapitel I „Auf der Rolltreppe (und nur da) stehe ich immer rechts“.

Später habe ich dann nicht mehr so schöne Sätze gefunden, aber vielleicht war ich da die Sprachgewalt schon gewohnt und habe sie nicht mehr so wahrgenommen.

2017-07-14

Sisis Vermächtnis

Der „Picus-Verlag“ hat ein Sommerbuch auf den Markt geworfen, in  dem es vielleicht für die Touristen oder für alle „Kaisertreue“, die es noch geben sollte, um ein Vermächtnis der Kaiserin Elisabeth geht.

Und da gibt es gleich einen Doktor Joseph Kaiser, das ist ein dreißigjähriger Jurist, ein schöner junger Mann und ein bißchen ein Muttersöhnchen, der kaisertreuen ehemaligen Gräfin Theodora und der tritt eine Stelle als Direktor einer österreichischen Kulturstiftung an.

Die gibt es, wie im Anhang steht nicht wirklich, so wie auch alle Personen und die Handlung erfunden ist.

Aber die Kaiserin Sisi mit den langen Haaren gab es wirklich. Von ihr zehrt, wie man sieht, nicht nur der Tourismus, sondern auch die Buchbranche und die war, wie ebenfalls im Anhang steht, 1875 zwei Monate in einem normannischen Fischerdörfchen und hat dort, wie eine Hofdame angeblich ausstreute, angeblich ein Kind zur Welt gebracht.

Das ist natürlich nur erfunden. Aber seit damals fließt jährlich ein Scheck von der Stiftung in das Dörchen, das eine schöne junge Tierärztin mit dem Namen Elisabeth hat und in einem Leuchtturm lebt.

Dort gab es einen Bürgermeisterwechsel. Ein junger Sozialist hat da den alten Arnoul verdrängt und der schreibt gleich einmal einen Brief an die Stiftung, um eine Erhöhung des Schecks einzufordern und das führt zu Komplikationen und zu der „amüsanten, schwungvollen,  überraschenden Handlung“, wie im Klappentext steht.

Denn Joseph Kaiser reist nun nach Beauport, lernt dort Elisabeth kennen und verliebt sich unsterblich in sie.

Zuerst wird ihm aber eine Komödie vorgespielt. Der ehemalige Bügermeister spielt Elisabeths Ur- oder Ururgroßvater, der zwar schon 1953 gestorben ist, aber jetzt als über Hundertjähriger aufersteht, denn an ihn,  den Retter der Kaiserin während eines Badeunfalls, ist die Zahlung ja gegangen.

Joseph ist zuerst befriedigt, telefoniert der Sekretärin, sie kann den Scheck ausstellen. Dann kommt er aber darauf, es war alles Betrug, denn sogar der Vater Elisabeths ist vor kurzem gestorben.,

Also kein Scheck und eine Nachricht an die Nationalbank, daß die Überweisung eingestellt wird. Noch bevor Rückforderungen an das Dörchen geht, gibt es dort aber eine Krisensitzung und Joseph wird informiert, er hat sich selbst, das heißt, seine Stiftung aufgelöst, dem Steuerzahler zwar viel Geld erspart, wird aber nun nie und nimmer mehr im öffentlichen Dienst eine Stelle finden.

Ein kleines goldenes Schlüsselchen, das Elisabeth, dem Geliebten schenkt, hilft weiter, denn die kaisertreue Mutter und ein Freund Josephs dringen in das Hofkammerdepot ein, wo der Schreibtisch des ehemaligen Stiftungsdirektors, der all das veranlaßt hat, steht und dort finden sie ein paar Briefe, wo drinnen steht, Elisabeth ist die Erbin und der Staat muß an sie ein paar Milliarden zahlen….

Es passieren noch die üblichen Verwirrungen und Verwicklungen bis zum Happyend und man hat, wie Adele Neuhauser am Buchrücken schreibt, einen sehr packenden Roman gelesen, den die beiden Autoren, Ulrike und Manfred Jacobs, eine Psychologin und ein Jurist schwungvoll geschrieben haben.

Kein Klischee wird ausgelassen und man wird ein paar Mal an die Wien Cartoons des „Holzbaum-Verlags“ erinnert.

Manche Details der Wienerischen Sprache erscheinen mir dabei ein wenig langatmig. Aber ich  bin wahrscheinlich auch nicht die richtige Adressantin für einen Sisi Roman.

Kaisertreu bin ich ebenfalls nicht, aber schmunzeln läßt es sich schon ein bißchen, wie es zugehen soll in Wien, wo der Bundeskanzler von seiner kaisertreuen Gattin dirigiert wird, Handküsse passieren und am Ende die neue Elisabeth von dem Geld des österreichischen Staates in der Normandie ein Therapieheim für autistische Kinder aufmacht, dem ihr Joseph, als Jurist vorstehen wird.

Wien und die Kaiserin Elisabeth ziehen immer und ich habe im ersten Moment auch gedacht, ich lese jetzt einen Sisi- Roman.

Aber nein, es geht um eine leicht lockere Liebesgeschichte mit allen Wien- und Österreichklischees, wie es die Touriten wahrscheinlich lieben oder lesen sollen und auch eine waschechte Wienerin mit dem sozialistischen Vater und der böhmischen Großmutter, die von kaisertreu und Wien-Kischee weit entfernt ist, aber sich am Beginn ihrer Sommerfrische in einer Sommerakademie mit „Gott, Kaiser und Vaterland“ und der Rolle die die jüdischen Soldaten dabei spielten, beschäftigte,  zum Schmunzeln brachte.

2017-04-30

Realitätsgewitter

Filed under: Bücher — jancak @ 00:48
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Jetzt kommt ein Buch, von dem ich vor ein paar Monaten in „Ex Libris“ gehört habe, das ich ja gar nicht so oft konsumiere.

Das Buch, der mir unbekannten Autorin Julia Zange namens „Realitätsgewitter„, das im vorigen November erschienen ist und von dem der Moderator sagte, die Eltern hätten die Autorin daraufhin geklagt oder eine einstweilige Verfügung verlangt.

Das ist interessant und macht neugierig, also habe ich mir das Buch gestellt, das nur hundertfünfzig Seiten stark ist und am Cover ein sehr eindringliches Bild einer schwarzen Katze mit gelben Augen trägt. Das macht auch neugierig.

Am Buchrücken, hat dann Maxim Biller, der gestrenge Kritiker, der inzwischen aus dem literarischen Quartett ausgestiegen ist um wieder mehr zu schreiben geschrieben: „Das kann nur Julia Zange:Alle zehn Jahre ein Buch schreiben, das man nicht mehr vergisst!“

Das macht noch mehr neugierig also goolge ich nach und erfahre bei „Wikipedia“, daß die Autorin, eine trotzig dreinschauende blonde junge Frau, entweder 1983 oder 1987 geboren ist, 2006 den renommieren „Open Mike“ gewonnen hat. 2008 den Roman „Die Anstalt der besseren Mädchen“ bei „Suhrkamp“ herausgegeben hat und als Schauspielerin in Berlin lebt.

In der Biografie, die im Buch enthalten ist, steht keine Altersangabe und zusätzlich zu dem schon Erwähnten, steht noch, daß sie  als Redakteurin tätig ist.

Interessant, interessant. Der Klappentext verrät, „daß ‚Marla alles super hingekriegt hätte, die Vorlesewettbewerbe, das Abi und vor allem das richtige Lächeln an den richtigen Stellen. Dann ist sie in die Großstadt gezogen und fühlt sich verloren, bis sie, um ihrer Einsamkeit zu entkommen, sich in ihre Heimat zurück und ans Meer begibt, wo sie sich dann selber findet.“

Das von dem „Erwachsenenwerden und dem sich Selberfinden“, steht auch noch einmal am Buchrücken und irgendwo habe ich noch etwas von sehr vielen Facebookfreunden gelesen.

In den fünfzehn Kapiteln des Buches wird dann gar nicht soviel Vorgeschichte erzäöhlt, sondern man wird gleich hineingeworfen in das Leben, der jungen Frau, die zu Weihnachten allein in ihrer WG ist. Die finnische Mitbewohnerin ist nach Hause gefahren. MarlasEltern sind in Indien,  SMSen, daß es keinen Weihnachtsbaum und keine Weihnachtsgans dort gibt und kündigen ihr später noch den Scheck, weil sie jetzt alt genug ist, für sich selbst zu sorgen.

Sie hat aber ihr Philosophiestudium abgebrochen und kein Geld, aber viele Freunden, einen Ben, einen  Dylan, einen Lorenz, die sie zum Teil schon von ihrer Schulzeit kennt, zum Teil  kennenlernt, während sie durch das Berliner Leben taumelt.

Da sie Geld braucht, sucht sie eine Stellung, so geht sie in ein Geschäft hinein, das eine Aushilfe sucht. Aber dafür ist sie nicht passend genug angezogen und man braucht, als Aushilfe in einer Boutique offenbar auch ein abgeschlossenes Studium und andere Sprachkenntnisse, als Englisch und ein bißchen Französisch. Also wird nichts aus dem Job.

Englisch wird in dem Buch aber ohnehin sehr viel geredet, ist Marla doch total global vernetzt und die Freunde die sie in den Bars und Lokalen trifft, kommen oft auf dem Ausland.

Ein Holger verschafft ihr dann, sie hat inzwischen eine Zara-Klamottentüte zurückgetragen und mit den fünfundzwanzig Euro, die sie dafür bekommen hat, Lebensmittel eingekauft, einen Job als Redakteurin in einem Modemagazin. So reist sie herum und geht zu Pressekonferzenen, interviewt Star und seltsame Typen, die ein „Forever life“ Konzept entwerfen und mißbilligend auf sie schauen, wenn sie sich zwei Stück Zucker in ihren Cappucino kippt und sich ein Tomaten Mozarella Ciabatta bestellt.

Dann wird die Oma neunzig und sie fährt nach Haus. Die Eltern hatten mal eine Fabrik, die der Großvater, der schon vierundneunzig ist, gegründet hat. Jetzt  arbeitet der Vater in einem Center für Medical Research und die Mutter hat in dem Haus, wo sie wohnen eine Praxis als Lebensberaterin.

Als Marla dorthin kommt, empfängt sie nur die ihr unbekannte Haushaltshilfe. Später kommt die Mutter, sagt zuerst „Marla mein Schatz, ich hab dich vermißt. Du siehst gut aus,-viel erwachsener!“

Dann „Ich kann inhaltlich nicht mit dir reden, Marla. Wenn du etwas Tiefergehendes mit mir besprechen möchtest, können wir das gerne mit einem Psychologen oder Mediator machen“

Dann wieder „Natürlich, ich liebe dich mehr als mein Leben, Marla“ und schließlich:

„Ich schlage vor, du übernachtest bei deinen Großeltern oder fährst wieder zurück in dein Drecksloch. Ansonsten werde ich nämlich dieses Haus verlassen!“

Marla geht in ihr ehemaliges Zimmer, die Mutter in ein Hotel, was ihr der Vater, der vor dem Fernseher sitzt, mitteilt, als sie in der Nacht von Schreien, die sie im Garten hört, aufwacht.

Jetzt verläßt sie mit der geklauten Kreditkarte des Vaters das Haus und fährt nach Sylt. Am Bahnhof kauft sie sich noch die ersten Zigaretten ihres Lebens und ein Feuerzeug mit einer Katze. In der Villa der Eltern hing auch ein Katzenbild, das die Kinder einmal den Eltern schenkten, die Mutter aber daran etwas auszusetzen hatte.

In Sylt bekommt sie in einem Hotel, das in einem Hochhaus liegt, ein Zimmer für vier Tage, trifft einen Ole, den sie über eine Kontaktbörse kennenlernte, fährt mit einem Elektrorad den Strand entlang und dann wieder nach Berlin zurück, wo die Mitbewohnerin sie empfängt und sie schließlich zum Essen ruft.

Wie das mit der Selbstfindung und dem Erwachsenwerden ist, habe ich nicht ganz mitbekommen, wie mir überhaupt der Klappentext etwas konstruiert erschien und ich das Buch auch nicht als Roman, sondern, zugegeben als, scharf und pointiert geschriebene Episoden interpretieren würde.

Einen Roman müßte man erst darauf komponieren, würde die Kritikerin in mir sagen und dazu fällt mir auch noch auf, daß das Buch, das zu Weihnachten beginnt und bis zum Sommer 2016 handelt, der Brexit und der Anschlag von Nizza wird erwähnt und immer wieder taucht das Portrait von Andela Merkel auf, wenn es schon im November erschienen ist, sehr schnell geschrieben worden ist.

Der Titel „Realtitätsgewitter“ deutet wohl auf die Überforderung der jungen Frau hin und da habe ich ja schon einige diesbezügliche Romane gelesen, die die Überforderung der jungen Leute von heute zeigen, aber damals vor hundert oder achtzig Jahren, ist es wahrscheinlich auch nicht viel besser gewesen.

Wenn die Eltern von Frau Zange klagten, müßten sie sich wohl betroffen und angesprochen gefühlt haben, in diesem Fall wäre wohl wirklich ein Gespräch mit oder auch ohne Psychologen und Mediator zu empfehlen.

Ansonsten kann ich nur sagen, daß mir die Autorin bisher unbekannt war, daß ich die Episoden scharf und pointiert geschrieben empfunden habe und sie wohl auch sehr viel von der Überfordertheit ausdrücken, denen die jungen Leute heute wohl ausgesetzt sind und was man vielleicht auch lesen will.

Ansonsten ist es dieser Marla, trotz ihrer harten oder neurotischen Eltern, eigentlich nicht so schlecht gegangen. Der Job war ja da und die Freunde, wenn vielleicht auch oberflächlich auch und ob sie sich nach vier Tagen Sylt wohl wirklich gefunden und erwachsen ins Leben zurückgekeht ist, erscheint mir fraglich.

Wär schön wenn das so einfach wäre und wer hat das einmal zu mir gesagt, ein Roman ist etwas ganz anders und braucht wohl auch mehr, als vier Monate, um zu entstehen.Er muß auch berühren und etwas Neues, noch nie dagewesenes beinhalten?

Nun berührt haben mich die pointiert beschriebenen Szenen schon. Neu ist der Inhalt wahrscheinlich nicht und in Berlin, Wien und woanders, werden wahrscheinlich noch viel mehr entwurzelte junge Leute herumlaufen, die per Facebook kommunizieren, moderne Klamotten haben und sich mit ihren Eltern nicht verstehen.

Interessant ist vielleicht auch noch die „Amazon-Bewertung“, die ich ja sehr gerne zu Rate ziehe. Von ein bis fünf Stern ist da alles zu finden und zu den pointierten Bildern, mit denen auch das moderne Szene Berlin beschrieben wird, durch das Marla torkelt, fällt mir noch das „Mimikry-Spiel des Lebens-Buch“ ein, das ja auch bei „Aufbau oder zu der Verlagsgruppe gehörendenen Verlag“ erschienen ist und das in einem Sommer in diversen Künstlerwohnungen entstanden ist, die vielleicht denen gleichen, durch die Marla zieht und literarische Anspielungen kommen in dem Buch auch einige vor, scheint Marla oder ihrer Autorin ja sehr belesen.

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