Literaturgefluester

2021-10-26

Revolver Christi

Obwohl noch fünf deutsche Bücherpreisbücher auf mich warten mache ich einen Schwenk auf die österreichische Lste und widme mich da den Debuts ,nämlich Anna Albinus achtundsiebz Seiten starke Novelle „Revolver Christ“, weil sich das Print leicht in der Badewanne lesen ließ und es am 20. a die Debutpreis-Lesung in der AK-Bibliothek gab, wo die drei Bücher vorgestellt wurde und die 1986 in Mainz geborene und in Wien lebende Theolgin war mir bisher unbekannt. Ich habe auch von ihrem Büchlein noch nie etwas gehört.

I der „edition foto TAPETA“ ist es erschienen und fällt erstens durch ihren bedächtigen altmodischen Stil auf und zweitens durch die Idee die Kirchengeschichte in eine Art mystischen Krimi zu verwandeln, auf.

Sonst bin ich als Atheistin eher ratlos geblieben und habe die meisten theologischen Zusammenhänge und Anspielungen wahrscheinlich nicht verstanden. Es geht aber um Gewalt und wahrscheinlich auch darum aufzuzeigen, daß die nicht nur im Islam zu finden ist, sondern auch die Kreuzzüge, der dreißigjährige Krieg, etcetera, gewalttätig waren und um einen angeblichen Revolver Christi, eine Reliquie, die in einer Kathedrale ausgestellt ist, wohin es regelmäßige Wallfahrten gibt.

Das ist einmal ein Elektriker erschoßen worden und nun passiert es wieder. Eine Johanna Wächter erscheint mit einem zweiten Revolver in der Kathedrale, wird festgenommen, der Kulturverein routiert, weiß nicht, was er mit der Wallfahrt anstellen soll? Ein Kommissar soll aufklären, gerät aber selbst in die Geschichte hinein, hat er doch eine Frau, die ihre Mutter früh verloren hat und eine Tochter, sowie ein Haus auf Kreta, das auch eine Rolle spielt.

Johanna Wächter, eine Rechtsanwaltangestellte wird entlassen und taucht mit Briefen, die ihr Großvater seinem Schwiegervater geschrieben hat, bei ihm auf. Sie trägt einen langen weiten Mantel und in diesem geht sie auch der Tochter Mara nach. Dann wird sie tot aufgefunden. Der Kommissar deponiert die Briefe beim Pfarrer, seine Frau erkrankt, er gerät in Erschöpfungszustände und die Tochter übernachtet heimlich im Haus des verstorbenen Großvaters, geheimnisvolle Fotos gibt es auch. Dann fährt die Familie nach Kreta, wo es ebenfalls eine Schießerei gibt und der Kommissar von einem alten Mann, weil er deutsch spricht, beschimpft wird.

Geheimnisvoll und dennoch erstaunlich wenig spannend geladen. Zumindest gibt es keine richtige Krimihandlung und auch keine wirkliche Aufklärung. Stattdessen geht der Versuch einer Theologin, die Kirchengeschichte, in einen Krimi zu verpackend fast anachronistisch langsam vor sich.

„Anna Albinus nimmt in ihrem klassischen, eleganten Erzählton unmerklich Anlauf, als wäre nichts, und unversehens findet man sich in einer anderen Welt. Christus? Es gibt Tote und einen Kommissar, und doch hat die Novelle wenig von einer Crime Story. Sie streift wie selbstverständlich allerlei ernsten Stoff: das Spektakel der Kirchen, die Inszenierung des Musealen; das Existentielle im Glauben mancher, die glauben wollen, die Zereißprobe zwischen Gewalt und Glauben. Oder vielleicht ist das alles doch nicht so ernst gemeint“, steht am Kappentext und hilft auch nicht wirklich weiter.

Interessant, daß das dünne Büchlein auf die öst Debutpreislistet gekommen it und ich bin jetzt auf die Preisverleihung, beziehungsweise auf die beiden anderen Debuts, von denen ich ebenfalls noch nicht sehr viel gehört habe, gespannt.

2020-07-31

Frühling der Barbaren

Jetzt geht es wieder zum Backlistbuchpreislesen, dem letzen wahrscheinlich, bevor es ab achtzehnten August zum richtigen „Buchpreisbloggen“ kommt, nämlich zum Jahr 2013, dem Jahr wo zwar nicht alles begann, ich mir aber zum ersten Mal überlegte, ob mich das nicht doch reizen könnte und ich das Leseprobenbüchlein besprochen habe.

Den 1976 in der Schweiz geborene Jonas Lüscher, der mit „Frühling der Barbaren“ auf der Longlist stand, habe ich damals nicht gekannt und die Perfektionistin in mir bemängelt auch, daß er eigentlich nicht darauf stehen hätte dürfen, ist das Buch doch eindeutig als „Novelle“ gekennzeichnet und wurde auch als solche geschrieben.

Sie stand trotzdem auf der Liste, die den besten deutschsprachigen Roman sucht und ich betone noch, daß Jonas Lüscher mit seinem Roman „Kraft“ 2017 nochmals auf der DBp-Liste gestanden ist und auf die Longlist des Bloggerdebuts kam, denn dann war es ja der erste Roman, also eigenlich ganz schön verrückt oder ein Hinweis darauf, wie sinnlos diese Gattungsbezeichnungen vielleicht sind.

Den Essayband „Ins Erzählen flüchten“ habe ich Anfang März gelesen und die Novelle, die sich in einem wahrscheinlich gewollt altmodischen Tonfall, sowohl der Finanzkrise, als sich auch dem arabischen Frühling annimmt, wurde überall hoch gelobt.

Man kommt in das hundertzwanzig Seiten starke Buch, zuminstest ist mir das passiert, nur schwer hinein, irritiert am Anfang doch der altmodische Tonfall, dann wird es aber packend und ich schließe mich den Kritikern an, eine köstliche Geschiche, die ja ein wenig an die Dystopie, die wir hier erleben, wo ein Virus die Wirtschaft zum Zusammenkrachen bringt, alle Masken tragen und im Frühling das Klopapier ausverkauft war, erinnert, obwohl das Buch ja schon früher geschrieben ist.

Ich habe ja nicht Literarurwissenschaft studiert, daß die Novellen früher, und ich nenne meine Sachen, der Länge wegen, auch manchmal so, obwohl sie nach den strengen wissenschaftlichen Kriterien wahrscheinlich keine sind, oft mit einem Erzähler beginnen, weiß ich aus den „Radiogeschichten“ und oft er erzählt der dann eine Geschichte, die ihm von einem, den er irgendwo kennenlernte, erzählt wurde.

in diesem Fall ist es der Schweizer Geschäftsmann Preising, das heißt, er ist ein reicher Erbe, offiziell Vorstand seiner Firma, die ihm längst von einem Bosnier aus der Hand genommen wurde, der ihm, wie die Geschichte beginnt, auf Urlaub nach Tunesien geschickt hat.

Jetzt befindet Preising sich in der Psychiatrie und erzählt dem Mitpatienten seine Geschichte, wie er da mit dem von der Haushälterin gepackten Koffer, in der sich lauter helle Wüstensachen befinden, zum Fugzeug chauffiert wird, selbst hat er kein Auto. In Tunesien erwarten ihn Geschäftsfreunde, einer will ihm mit einer seiner sechs Töchter verheiraten und zu krummen Sachen überreden. Er entkommt und ffährt mit der Tochter eines anderen in ein Wüstenressort, das bezeichneterweise „Tousands and one night“ heißt und nach der Phantasie aus Werbeprospekten nachempfunden wurde. Dort soll eine Hochzeit reicher britischer Finanzleute stattfinden. Preising freundet sich mit der Mutter des Bräutigams an und fährt am Vortag mit dem Vater auf Wüstenbesichtigung. Das wird ähnlich makaber geschildert, wie vorher die Kamele, die einen Bus zum Umstürzen brachten. Der Kameltreiber ist bankrott. Für Preising wäre es ein Knacks ihm das verlorene Geld zu geben, er überlegt und überlegt, tut es dann nicht.

Und während die Hochzeit stilvoll von statten geht, krachen in England, die Banken zusammen und die jungen Leute haben nichts mehr, um ihre Rechnung zu bezahlen, denn ihre Konten sind gesperrt. So läßt Saida, die Hotelmanagerin, das frugale Frühstückbuffet abräumen, nur Preising hat seinen Extratisch. Es kommt zu Plünderungen. Der Kärntner Hotelkoch ist mit dem Schlüßel zur Speisekammer abgetaucht. So beschließen die betrunkenen Engländer ein Kamel zu braten. Das führt zu einem Wüstenlbrand und überstürzter Flucht und der letzte Satz des Buch auf die Frage des Erzählers, was Preising damit beweisen wollte, lautet „Du stellst schon wieder die falsche Frage“ und am Buchrücken steht „Eine Entdeckung, weil es ein so komplexes Thema, wie die Finanzkrise in einer schmalen ökonomischen Novelle bündelt, deren Schauplätze nicht besser gewählt sein könnten: eine psychiatrische Anstalt und die Wüste“, „Der Spiegel“, „Treffend beoabachtet, altmodisch und zugleich modern erzählt, urkhmisch und kühn“, „Die Welt“ und „Ein absolut brillantes Buch. Für mich ist Jonas Lüscher die große Endeckung in diesem Jahr“, Ijoma Mangold, „Die Zeit“.

2017-04-02

Mexikanische Novelle

Filed under: Bücher — jancak @ 21:00
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Von Bodo Kirchhoff, der mit dem Novelle genannten Roman „Widerfahrnis“, den letzten deutschen Buchpreis gewonnen hat, habe ich mir einmal, des Titels wegen, den 2002 erschienenen „Schundroman“ zum Geburtstag  von Judith Gruber-Ritzy schenken lassen und mich sogar ein bißchen dafür geniert, er hat mir aber, so weit ich mich erinnern kann, ganz gut gefallen.

Das Buchpreisbuch habe ich sehr künstlich und konstruiert, wenn auch sehr kunstvoll ausgearbeitet gefunden und es wäre nicht meine Wahl gewesen und jetzt hat der 1948 geborene und in Frankfurt lebende Autor, seine 1984 erschienene „Mexikanische Novelle“ noch einmal neu umgearbeitet, herausgebracht und mein bei „Widerfahrnis“ gemachter Eindruck hat sich bestätigt und es stimmt auch wohl, was am Buchrücken steht, „daß jedes Wort sitzt und Bodo Kirchhoff ein Meister seines Handwerks ist“, dennoch diese Novelle hat mir noch weniger gefallen, als „Widerfahrnis“ und das liegt wohl am Sujet und der Handlung, die meiner Meinung nach kein Klischee ausläßt, sondern mit allem Bösen, wenn auch wahrscheinlich meisterhaft spielt und es ist wahrscheinlich wieder eine Altherrenphantasie, die hier ausgelebt wird und nichts, gar nichts, was man sich nur ausdenken kann, ausläßt.

Eine Altherrenschichte, also, obwohl vor dreißig Jahren, war Bodo Kirchhoff noch gar nicht so alt und sein Held, der namenlose Journalist, der nach Amerika fliegt, um dort eine Reportage über einen Kampfpiloten zu verfassen, ist wohl auch so um die vierzig.

Er soll, als die Reise beendet ist, mit den anderen Journalisten, offenbar war es ein Gruppenflug, wieder zurückfliegen. Er läßt aber seine Freundin allein in das Flugzeug steigen und fährt über die mexikanische Grenze. Dort mietet er sich in ein Hotel mit Pool ein und lernt an diesen, eine Schöne, Baby Ophelia, die Schwester des Hotelbesitzers kennen, die ihn einlädt, sie in Aclatan, das ist eine Küstenstadt, wo sie mit ihrer Mutter wohnt und offenbar auch als Journalistin, was von ihm ein wenig angezweifelt wird, zu besuchen.

Er soll sich da in ein Hotel einmieten und sie  in zwei Tagen in einem Cafe treffen, dann wird sie mit ihm in sein Zimmer gehen und mit ihm schlafen.

Das passiert auch, es taucht dann nur noch der Leutnant Ritzi, das ist der, über den er das Portrait schreiben soll, auf und weil in der Stadt gerade ein Fest gefeiert wird, bekommt er kein Hotelzimmer, so daß er sich bei dem Ich-Erzähler einquartiert und spazieren geht, wenn die schöne Ophelia am Nachmittag das Zimmer betritt.

Es gibt zwei sowohl sehr präzis beschriebene, wenn auch sehr sexistische Szenen. Die eine ist die, von dem Jungen, der am Klo des Cafes, in der er sich im Ophelia trifft, die Herren bedient. Er wischt ihnen die Flecken aus den Hosen und putzt die Schuhe. Die andere ist die, wie der Leutnant in das Hotelzimmer kommt, wo der Erzähler mit der nackten Ophelia im Bett liegt und die sich in das Laken einwickelt, um ihre Scham zu bedecken.

Schön beschrieben, nur nicht mein Geschmack.

Es kommt auch noch eine geheimnisvolle Krankheit vor, die beide Herren packt und Emiliano, Ophelias Bruder, taucht auch h auf und verlangt von dem Erzähler, daß er die Schwester, wenn er sie schon fickt, gefälligst heiraten soll.

Der ist aber ein Unsympathler und verspricht es zwar, hat aber vor sich zu drücken und unter dem Vorwand, daß er beruflich zurück muß, wahrscheinlich nicht wiederzukommen. Er geht auch von Ophelia weg in ein Bordell oder läßt sich in einer Bar in ein diesbezügliches Zimmer führen. Dann kehrt er in sein Hotel zurück und findet Ritzi in seinem Blut und in der Hand hält er den zerfetzten Geldschein, den der Ich-Erzähler von Emiliano bekommen hat und damit, um die Handlung noch auf die kitschige Spitze zu treiben, auch noch die Prostiutierte bezahlte.

Es kommt, wie es kommen muß oder auch nicht, weil viel zu übertrieben und absolut unrealistisch. Er wird verhaftet und verhört. Baby Ophelia und Emiliano leugnen ihn zu kennen und in seiner Gefängniszelle trifft er auch noch den kleinen Roul, das ist der Junge von der Herrentoilette, der schon vorher wegen Drogenhandel verhaftet wurde und verfällt in seinen Armen.

Es tut mir leid, auch wenn die Novelle kunstvoll geschrieben ist, ist mir zuviel an Männerklischee darin, aber vielleicht bin ich nicht die richtige Adressatin für das Buch.

In Zeiten, wie diesen, wo die Amerikaner die Grenze zu Mexiko dicht machen und schon längst ansäßige Familien wieder zurückschicken, hätte ich mir bei einer Neubearbeitung eigentlich schon erwartet, daß diese Probleme aufgenommen werden, statt die Phantasien und Erlebnisse zu beschreiben, in die ein weißer Mittelschichtmann offenbar automatisch kommt, wenn er an einem Pool eines mexikanischen Abbruchhotel ein schönes Mädchen mit langen Haaren sitzen sieht.

2016-10-16

Gemischter Satz

Jetzt gehts ans österreichische Buchpreis-Lesen, nach dem ich mit dem deutschen fast fertig bin und achtzehn Longlistbücher und fünf der Shortlist gelesen habe, damit lasse ich es vorläufig stehen, wer den dBp bekommt, werden wir Montagabend wissen und mache mit Buch zwei der österreichischen Liste weiter, ein Longlistbuch, entgegen meiner Vorsätze mache ich in der Reihenfolge des Eingetroffensseins weiter, lese Shortlist auf Longist, dann nochmal Shortlist und höre vorläufig bei Buch fünf wieder bei der Longlist auf.

Dreimal Longlist, zweimal Shortlist also und der Rest bleibt vielleicht ein Geheimnis, vielleicht auch nicht. Wir werden es sehen.

Jetzt geht es aber sehr poetisch weiter, mit einem kleinen dünnen Büchlein „Novelle“ steht am Cover“ und „Gemischter Satz“ von Daniela Emmiger, die 1975 in Oberösterreich  geboren wurde und von der schon seit einigen Jahren ein „Ritterbuch“ in meinen Regalen steht.

Sonst weiß ich nicht sehr viel über die Autorin und habe sie, soviel ich weiß auch noch auf keiner Lesung gehört.

Ein zweigeteiltes leichtverschobenes Hirn ist noch am Cover des Buches aus dem „Czernin-Verlag“, gepaart mit ein paar fünfblättrigen Kleestückchen zu sehen und wir wissen schon alles oder auch nichts.

So viel sei verraten, es geht um die Liebe, um, die von Agatha zu ihrer Nummer sieben, acht oder neun und die ist, verrät der Klappentext, ein Betriebs- oder „Liebesunfall bei dem alle Bteiligten mehr oder weniger heil davon kommen“, um es poetischer auszudrücken und dann steht noch darunter,  daß „Gemischter Satz ein literarisches Kunststück ist, in der die Autorin, die Erzähltradition mit unerhörer Feinheit verbindet und ganz nebenbei die großen Fragen nach der Wahrheit, der Liebe und der Vergänglichkeit streut.“

Und das ist wahr, man könnte aber auch sagen, da spricht oder erzählt eine Quasseltante uns von einer Agathe, die mit allen Wassern, Poetiken und Erzähltraditionen gewaschen ist, schwankt zwischen Publikumsbeschimpfung und Feuchtgebieten hin und her und beginnt ganz lapidar mit der Definition des „Gemischen Satzes: bezeichnet einen Wein, der sich aus unterschiedlichen Rebsorten aus einem Weingarten zusammensetzt“, kommt dann bald auch zu Elfriede Jelinek: „Wer sich traut vor einem Misthaufen laut die Wahrheit zu sagen, der heißt entweder Jelinek oder aber der ist verrückt oder lebensmüde oder beides.“

Stendhal wird zitiert: „Marie-Henry Beyle (23. Januar 1783 – 23. März 1843) besser bekannt unter seinem Pseudonym Stendhal war ein französischer Schiftsteller, Militär und Politiker. Sein 1822 erschienenes essayistisch philosophisches Werk  De L` amour, eine Physiologie der Liebe, hat sich in den ersten zehn Jahren nur siebzehnmal verkauft.“

Es gibt einen Prolog und die Geschichte von Agatha und ihrem Liebesunfall mit der Nummer sieben, die sich daraufhin „metaphorisch die Brüste abschneidet“ und sich in das Gästezimmer ihrer Eltern flüchtet, dort Prosecco trinkt, schließlich eine Ausbildung zur Köchin macht, das Gulasch mit ein kleinStückchen Bitterschokolade würzt und erkennt, daß  nur ein solches besser wird, in dem man es aufwärmt.

So kommt es zu einer Nummer acht und einer schnellen Hochzeit in Las Vegas, der Nummer sieben ist sie auch nach Berlin nachgereist. Briefe werden geschrieben und beantwortet, die Eltern und die Schwester machen sich Sorgen, um sie, und wollen sie bei „Liebesgeschichten und Heiratssachen“ anmelden oder „mit Richard Lugner nach Sri Lanka“ schicken, bis sie schließlich den Jahreswechsel allein verbringt, ihren „gemischten Satz“ alleine trinkt,  sich auch die Brüste wieder wachsen läßt, weil sie sich nicht mehr verändern und verbiegen lassen wird.

Denn „Vielleicht bestand die Herausforderung des Lebens genau darin, sich mit dem abzufinden, wer und wie man war, sich in seiner speziellen Art und Weise zu begreifen, zu akzeptieren und schließlich auch zu akzeptieren, dass ein anderer war, wie er war und weder eine Agatha noch eine Nummer acht, das Recht hatten, sich gegenseitig zu ändern. Sie blätterte zur letzen Seite des Scheidungsvertrags und setzte zur Unterschrift an.  das Scheiden tat nicht mehr weh. Es war ganz einfach: Das Leben war gut“.

So endet Daniela Emmingers Novelle von der Liebe und den gemischten Sätzen auf Seite 112.

Eine sehr poetische Geschichte, nicht immer leicht zu verstehe, auch  gänhzlich ohne Plot und wenn man so will, vielleicht auch ohne den Sinn, der der Realistin an der Literatur so wichtig ist.

Ein l`art pour l`art und ein Spiel mit den verschiedensten literarischen Stilen, das ohne den österreichischen Buchpreis und der österreichischen langen Liste höchstwahrscheinlich an mir vorbeigegangen wäre.

So habe ich eine interessante Autorin kennengelernt, die die österreichische Gegenwartsliteratur auf eine sehr interessante Art, manchmal sanft und leise, manchmal aus sehr aggressiv und herausfordernd durcheinandermischt, wofür ich dem „Czernin Verlag“ sehr dankbar bin und jetzt nur noch „Leben für Anfänger“ lesen sollte.

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