Literaturgefluester

2019-03-09

Ein schräger Blick auf Nürnberg

Filed under: Bücher — jancak @ 00:01
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Ich muß sagen vor diesem Buch habe ich mich ein wenig gefürchtet, denn, wie soll ich ein Buch über Nürnberg rezensieren, wenn ich in dieser Stadt, glaube ich, überhaupt noch nicht war und nur einmal im Jahr daran vorüberfahre, wenn wir auf der Autobahn nach Leipzig fahren?

Ja, wenn es der „Schräge Blick auf Wien“ gewesen wäre, in dem Margit Heumann ja auch noch lebt und vorher ein solches Buch geschrieben hat, da kenne ich mich aus, bin zu Hause, habe mich durch die „HolzbaumReihe gelesen und renne auch viel in der Stadt herum, aber so?

Dann kam noch die Idee, das Buch mitzunehmen, wenn ich am Zwanzigsten nach Leipzig fahre, da lese ich ja immer deutsche Bücher, aber Margit Heumann ist ja eine geborene Vorarlbergerin und in Leipzig über Nürnberg lesen, ist wahrscheinlich auch nicht das Richtige.

Also bin ich beim Leselistenplan geblieben und denke, es war eine gute Wahl, obwohl auch nicht so viel passiert wäre, wenn ich es anders rum gemacht habe, denn Margit Heumanns „Schräger Blick auf Nürnberg“ ist kein Stadtführer, sondern, wie soll ich sagen, höchstwahrscheinlich ein Memoir.

Ein Stück Lebensgeschichte der befreundeten Autorenkollegin, die ich regelmäßig in der „Alten Schmiede“ oder auch an anderen literarischen Orten sehe und auf die ich, glaube ich, über Thomas Wollingers „Texthobel-Lesung“ aufmerksam wurde.

Wie ich dann in persönlichen Kontakt zu ihr gekommen bin, kann ich gar nicht so genau sagen. Ich treffe sie jedenfalls auf literarischen Veranstaltungen, sie hat mir ihr „Schundheftchen“ zugesteckt, das ich vor unserer Bodenseeradtour gelesen habe, mich dann auf die Schundheftparty eingeladen und ein dickeres Buch habe ich auch von ihr gelesen.

Sie hat einmal bei einem meiner Geburtstagsfeste gelesen, war einmal bei unserer Schreibgruppe, als es die noch gab und mit iher „Edition scribere & legere“, in der ihr neues Buch erschienens ist, war sie bei der Buchmesse im MQ und bei der „Anderen Buchmesse“ im Bezirksamt Döbling vor zwei Wochen, jetzt also der „Schräge Blick auf Nürnberg“, der geborenen Vorarlbergerin, die offenpaar zwei Wohnsitze hat, von Wien nach Nürnberg pendelt und zurück und vorher hat sie, glaube ich, Pferde gezüchtet.

Das entsprechende Grundstück, weil in Pension gegangen, verkauft und dann nach einem neuen zweiten Wohnort gesucht und sich zwischen Hamburg und Nürnberg, den  Wohnsitzen ihrer zwei Töchter für das letztere entschiedcen.

Ihr Mann ist, glaube ich, ein Nürnberger und das Buch, kann ich gleich verraten, kann ich sehr empfehlen, denn man erfährt viel über Margit Heumann und auch einiges über Nürnberg, was einevielleicht veranlaßen könnte, für ein Wochenende in diese Stadt zu fahren, sich den berühmten Weihnachtsmarkt, etcetera anzuschauen und Detail am Rande die Kapitelgestaltung ist sehr originell.

Denn da gibt es einige Rubriken, die in nicht chronologischer Reihenfolge von Margit Heumanns Nürnberg erzählen, die „So schauts aus in Nürnberg“, „So gehts zu inNürnberg“, „So kams dazu und warum“ und „So läufts mit der Verstädterung“, heißen, davor ist jeweils noch ein markiger Satz in Nürnbergerisch geschrieben, denn Dialekte gibt es auch und Dialoge zwischen dem „man“ oder „ich“ und dem „Superweisen“, womit der Ehemann und der „Halbweisen“, der Tochter wahrscheinlich, gemeint ist und somit war meine Angst vor dem Buch aufgelöst, denn es ist sehr sehr langsam in das Medias Res hineingegangen und fing mit einem Gespräch zwischen „Er“ und „Sie“, was „Schräg“ eigentlich“ bedeutet an.

Dann wurde es, merke ich an, ein wenig schwierig, denn es begann mit einer Friedhofsbeschreibung und ich dachte „No ja“, bevor dann sehr genau erkärt wurde, wie es zu dem zweiten Wohnsitz kam.

Die Verkehrslage und die Straßenbezeichnungen werden noch erklärt und dann geht es schon auf Wohnungssuche. Man muß einige besichtigen, bevor die Traumwohnung im fünften Stock mit totaler Aussicht auf die Stadt gefunden wird, die muß zwar noch revnoviert werden und hat auch kein Gästeklo, aber die Handwerker werden bald gefunden. Das war manchmal etwas chaotisch, manchmal leicht und problemlos Die Nachbarn mussten besänftigt werden, eine Ferienwohnung gemietet und dazwischen kann man sich auch schon ein bißchen die neue Heimatstadt anschauen, die auch „Puppenstadt“ genannt wird. Da gibt es ein Spielzeugmuseum, eine Burg, einen Handwerkshof und eine nationalsozialistische Vergangenheit, mit den Nürnberger Gesetzen und den Partteitagen gibt es natürlich auch.

Der Begriff „Heimat“ wird diskutiert und das tut Margit Heumann mit dem für sie typischen markaten direkten und auch ein wenig spättischen Ton und dann gibt es natürlich den berühmten Christkindlmark mit den Lebkuchen, dessen Eröffnung offenbar auch im Fernsehen übertragen wird.

Das sieht man sich am besten im Wien an und ist dann enttäuscht, daß, wenn man am Ort ist, alles überfüllt ist und kommt man auf die Idee ihn am Heiligen Abend zu besuchen, ist das Essen aus und man bekommt vielleicht noch gerade ein schrumpeliges Röstbratwürstchen, aber  kein Brötchen dazu mehr.

Macht ja nichts, der Kühlschrank in der inzwischen fertigen Wohnung ist gut gefüllt und für den Fünfundzwanzigsten haben sich die Töchter ohnehin einen Restaurantbesuch gewünscht. Das wurde vorher begutachtet, die Speisekarte durchgesehen und ein Tisch bestellt. Nur leider hat man übersehen, daß es bis vierzehn Uhr nur Frühstück und nicht die schon goutierten Mittagsmenu gibt.

Aber macht auch nichts,mit pochierten Eiern wird man nicht verhungern und das ist wohl das schräge an dem Buch, in dem man einiges über Margit Heumanns Zweit-oder Erstwohnsitz und einiges über die Stadt erfährt, in der ich noch nie war, aber vielleicht an den Mann auf dem Vogel, der vor dem Spielzeugmuseum steht und der auch das Cover ziert, denke werden, wenn ich demnächst auf der Autobahn an der Stadt vorbeibrausen werde und damit das alles nicht so trocken bleibt, kann man sich ja auch noch You Tube Video ansehen, um einen weiteren Eindruck von Nürnberg zu bekommen.

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