Literaturgefluester

2018-11-05

Dritte österreichische Buchpreisverleihung

Seit 2016 haben auch wir einen österreichischen Buchpreis mit einer eigene Debutschiene und der wurde heute sozusagen statt der Eröffnung der Lesewoche, die es, glaube ich, in dieser Form nicht mehr gibt, im Casino Schwarzenberg vergeben.

Ich bin ja was das öst Buchpreislesen betrifft, besser als beim deutschen, denn bei diesen warten noch vier Bücher auf mich und zwei, das sie zu mir kommen. Beim Öst habe ich einschließlich der Debuts alle bis auf zwei und davon alle bis auf eines gelesen und das ist, wie es so kommen muß, ausgerechnet das Buchpreisbuch und das der Debutpreisträgerin werde ich wie im Vorjahr vielleicht gar nicht lesen.

Aber morgen fange ich mit dem Buchpreisbuch an und am Wochenende habe ich die letzten öst Bücher gelesen, eines von der Shortlist und ein Debut, wo die Besprechung morgen, beziehungsweise übermorgen erscheinen wird und da war ich mir eigentlich fast sicher, das wären die Preisbücher, aber ich bin schlecht im schätzen.

Das ist nichts Neues, ich treffe es nie. Man kann wahrscheinlich auch sagen, die gruppendynamischen Effekte der Juryentscheinung sind nicht wirklich vorzauszusehen. Also wieder eine Überraschung und anders als beim dBp bin ich beim Öst auch einverstanden, obwohl ich das Buch, noch nicht gelesen habe.

Aber schön der Reihe nach, damit es nicht zu unverständlich wird.

Bernhard Fetz vom Literaturmuseum, Konstanz Fliedl, Jens Jessen, Evelyne Polt-Heinzl vom Literaturhaus und Bettina Wagner von der Seeseiten-Buchhandlung waren in der Jury und Dorothee Hartinger und Philipp Hauß haben wieder durchs Programm geführt.

Im letzten Jahr kamen sie, glaube ich, aus der Vorstellung vom „Torquato Tasso“ aus dem Burgtheater, diesmal haben sie Thomas Bernhard zitiert, dessen „Es ist ist alles lächerlich, wenn man an den Tod denkt!“, gesprochen anläßlich einer Preisverleihung als Dankesrede, natürlich treffen als Programmpunkt passt, dann stellte Philliph Hauß noch fest, daß die nomierten Bücher alle zwei Themen behandlen würden „Heimat und Krankheit, also könne man ein „Heimat macht krank, daraus schließen und dann stellte er die Jury und die Stifter nämlich Benedikt Föger vom Hauptverband, Renate Anderl von der AK und Minister Gernot Blümel vor und befragte sie übers Lesen.

Dann kamen die Kurzlesungen und die Vorstellungen selbst, zuerst wurden die Debutanten aber nicht in alphabetischer Reihenfolge, sondern mit Marie Gamilschegg beginnend, vorgestellt „and the winner is Marie Gamilschegg“, die sagte etwas überrascht, sie hätte keine Preisrede vorbereitet, konnte die an sie gestellte Frage aber doch beantworten und dann ging es weiter mit den Shortlistnomiierten und da rätselte ich schon seit Tage, wer das wohl der Gewinner wäre?

Josef Winkler natürlich, obwohl mir die „Büglerin“ am besten gefallen hat, dann habe ich aber am Samstag und am Sonntag das Buch gelesen, das zum wiederholten Male in schöner Sprache dwen gleichen Inhalt hatte und dachte mir, da werden die Buchhändler wohl etwas dagegen habe, da sich das Buch vielleicht nicht sehr verkauft. Also doch vielleicht der Steinfest oder die Flasar, auf die auch Alfred tippte, den Jäger ließ ich aus, den Wisser, ich weiß nicht recht, aber dann stand er an erster Stelle und Josef Winkler in der Mitte and the Winner is….

Gratulation, gratulation. Er hat mir ja auch das Buch beziehungsweise das PDF verschafft, weil das von „Jung und JungQ an mich abschickte, offenbar verlorengegangen und einmal beim „Alpha“, als es auch hieß „and the winner is….“, habe ich an ihn gedacht, aber ann war es Eva Menasse, die aber den Öst schon im letzten Jahr  bekonnen hat.

Also ist „Königin der Berge“, das Preisbuch und ich frage mich, ob es sich besser als das des Winklers verkaufen lassen wird?

Wohl nicht wirklich, würde ich unken, gönne ihm aber seinen Preis, da ich seine Karriere beziehungsweise seinen literarischen Aufstieg schon ganz von Anfang an verfolgte, nämlich, als er, glaube ich, in einer fröhlichen Wohnzimmerlesung im Amerlinghaus sein bei „Ritter“ erschienes Buch vorstellte, das mir erstaunlich realistisch schien, so daß ich mich etwas überschätzend dachte: „Wenn er es schafft, müßte ich ja auch ein Buch dort unterbringen können!

„Welch ein Iirrtum Würde wieder Ernst Jandl sagen. Dann kam der „Bachmannpreis“, die „Alpha- Nominierung“, die Musa-Lesungen, der Wechsel von „Klever“ zu  „Jung“ und jetzt der dritte österreichische Buchpreis und bei der Verleihung kamen die Dankesreden und die Musik stammte, das habe ich jetzt fast vergessen von „Federspiel“.

Ein Buffet gab es auch und Gespräche, mit denen, die mit mir reden wollten, wie beispielsweise Robert Huez vom Literaturhaus, Christian Jahl von der Hauptbücher oder Ines Varga vom Kulturamt der Stadt Wien, die im MUSA immer den Wein ausschenkt, neben der ich gesessen bin, Robert Stocker vom Bund, dem ich vom „Ohrenschmaus“ erzählte und jetzt geht es zuerst weiter mit der einer europäischen Literaturpreisverleihung und dann mit der „Buch-Wien“, wo ich mich ja auch ein bißchen präsentieren werde.

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2018-09-21

All die Nacht über uns

Jetzt kommt das sechste beziehungsweise erste Buch der öst Buchpreisliste, nämlich Gerhard Jägers „All die Nacht über uns“, aus dem „Picus-Verlag“, wo mir bisher, sowohl Buch, als Autor völlig unbekannt war.

Ja man erlebt mit den Buchpreislisten immer wieder seine Überraschungen, so war ja auch vor zwei Jahren Peter Waterhouse „Die Auswandernden“ für mich eine Überraschung und das zweite Buch des 1966 in Dornbirn geborenen, hat auch ein ähnlich aktuelles Thema, wenn es vielleicht auch manchmal etwas kitscheriger, als die Poesie des Peter Waterhouse ist.

Geht es dabei doch, wie im Klappentext steht, um die „Chronik einer Nacht“, in der ein Soldat von neunzehn Uhr bis sechs Uhr früh allein auf einem Turm an der Grenze steht, sein Vaterland allein, obwohl das gegen die Vorschrift ist, gegen die bösen Eindringliche aus dem Osten oder von wo auch immer bewacht, dabei raucht, sich betrinkt, mit dem Gewehr, der „einzigen Braut“, die ihm geblieben ist, mehr oder weniger sinnlos herumballert und dabei über sein Leben resumiert.

Stimmt nicht ganz, poetisch ist diese Chronik auch, geht es doch dabei um Vögel, um den Mond und, um das Brunftgeschrei der Hirsche, das der junge Wehrdienstpflichtige, der ihm einmal begleitete, für eine Bedrohung hält und durch die Gegend robbt.

Manchmal scheint sich auch die Phantsisie mit der Wirklichkeit zu vermischen, wenn die Nacht lang ist und der namenlos gebliebene Soldat stundenweise durch sein Leben geht. Denn er hat sehr viel erlebt, der noch im Haus seiner immer betenden Mutter und seines Vaters, der jetzt auch neue Schlößer an der Haustür angebracht hat, um sich vor den fremden Eindringlichen zu schützen, lebt. Es gibt auch eine Großmutter, die als junges Mädchen nach dem Krieg selber aus Hinterpommern hergeflüchtet ist, die hat, obwohl fikitiv, wie Gerhard Jäger in seinem Nachwort schreibt, ein reales Vorbild einer geflüchteten Frau, der das Buch gewidmet ist und die Großmutter hat den Soldaten auch ihr Tagebuch, in dem die Fluchterlebnisse und die Briefe, die sie an ihre Toten schrieb, aufgezeichnet sind, überlassen, das er auf seinem Wachposten durchliest und dabei gehen ihm die eigenen Erlebnisse durch den Kopf.

Die erste Einführung in die Liebe durch eine Prostiutierte, die von ihm dafür einen Sonderpreis verlangte, die erste Bebegnung mit seiner Frau von der er einen Sohn hatte, dessen Bild er auch in seinem Rucksack mit sich führt und es  an der Grenze kurzfristig verliert.

Er hat auch den Sohn und die Frau verloren und in seinen Phantasien tauchen auch immer die Szenen von den Polizisten auf, die zu ihm kamen und ihm vom Tod der Frau erzählen.

Das Kind ist im Swimmingpool ertrunken, die Frau hat darauf im Streit das Haus verlassen, sich ins Auto gesetzt und ein Flüchtlingheim gibt es auch in dem Dorf und die Vergewaltigung einer Kellnerin, worauf dann alle mit Fackeln auf das ehemalige Hotel zustürzen um ihre „Heimat zu verteidigen“ und der Soldat steht unter ihnen, schreit hypnotisiert mit,  wirft auch seine Fackel und schämt sich dann, als er naß nach Hause kommt und ihm die entsetzt schauende Großmutter dabei erwischt.

Sehr eindringlich und wie erwähnt manchmal auch ein wenig kitschig, hat Gerhard Jäger diese „Chronik der Nacht“ geschrieben. Ein Mann jenseits des Zaunes, den der Soldat „Bäcker“ nennt, taucht auch noch auf und der Soldat denkt an seinen Schießbefehl und die Meldung, die er machen müßte und dann doch nicht macht und denkt auch an eine Begegnung mit einem flüchtlingskind das er einmal hatte, das mit einem Auto spielte und ihn genauso, wie sein Sohn „Babab“ und „ta“ nannte.

Viel zu viel für eine einzige Nacht wahrscheinlich wieder, aber sehr eindrucksvoll erzählt  und daher ein Buch, das in Zeiten wie diesen, wo in Chemnitz und anderswo auch gerade die Heimat verteidigt wird, erinnern kann, daß sich die Flüchtlingsschicksale wiederholen, daß kein Mensch illegal ist und  Schießbefehle zur Grenzverteidigung hier und dort nicht gerechtfertigt sind, so daß ich sehr froh darüber bin, daß das Buch, das sonst wahrscheinlich an mir vorbeigegangen ist, auf  die österreichische Buchpreisliste kam und bin nun sehr gespannt ob es auf die Shortlist kommt.

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