Literaturgefluester

2020-11-18

Über allem und nichts

Jetzt kommt das erste Buch, das auf der Debut-Schiene des österreichischen Bchpreises steht.

Gunther Neumanns „Über allem und nichts“, von dem ich schon auf der Debutschiene der O-Töne hörte und zur Debutlesung in der Arbeiterkammer-Bibliothek habe ich mich ja auch schon gezoomt.

Gunther Neumann scheint ein älterer Debutant zu sein. Einer, der nach einer erfolgreichen Berufslaufaufsbahn in der Pension literarisch zu schreiben begonnen hat.

Geburtsdatum habe ich keines gefunden, konnte hier also nicht genauer recherchieren.

Es ist aber auch egal, denn es ist ein Buch das von der globalisierten Lebenswelt, die Gunther Neumann wohl in seiner Berufswelt gekannt hat, berichtet und die, und das ist auch sehr interessant, jetzt ein bißchen vorbei sein dürfte oder am Wendepunkt steht.

Günther Neumann deutet da einiges an, obwohl das Buch schon im Frühling erschienen ist und hat als Heldin eine etwas untypische Frau erwählt und schildert sie in allen ihren Schwierigkeiten und Problematiken, die man in dieser Welt nun einmal hat, um seinen Träumen irgendwie wenigstens im Ansatz näherzukommen.

Da ist also Clara, die schon als Kind sehr untypisch war, die Anführerin spielte, die schwächeren Kindern ihren Ritualen auslieferte, sie auf Ameisen legen ließ, etcetera.

Die Großmutter stammte aus der Vojvodina, sprach immer hochdeutsch und verleugnete immer ihr Serbisch undungarisch. Clara liebte das Wasser und wollte Pilotin werden. Das war für eine Frau in den Achtziger- und Neunzigerjahren und wohl auch jetzt nicht sehr einfach. Zuerst also Stewardesse oder Flubgebleiterin, wie das heute heißt. Einen Robert gab es auch und eine Schwester. Dann einen Privatpilotenschein, bevor sie es als Co-Pilotin auf einer Billigairline schaffte und ewig auf ihren Pilotenkurs warten mußte.

Es gibt zwei Männer, Gabriel, den Piloten, bei dem sie lange lebt und ihm was jetzt wieder ein bißchen untpisch oder doppelt umgedreht ist, die Hemden bügelte, bevor sie ihm anzeigte und seine Papiere verbrannte, um von ihm loszukommen und Matthias, den Juristen.

Zu Beginn des Buches, das immer wieder in Rückblenden geschrieben ist, fliegt Clara nach Sri Lanka, um dort einen Urlaub zu verbringen. Sie mietet sich ein Motorrad, um auf der insel herumzufahren, was auch ein wenig schwierig ist, bis ihr derVermieter herausrückt. Macht dort einige Begegnungen mit einer sizilianischen Krankenschwester, beispielsweise, die zwar im Op steht, aber traumaisierten Mädchen nach ihrer Vergewaltigung trotzdem seelisch helfen muß und einen Tamilien der sie zum Essen einlädt und dann eine Gegenleistung von ihr will.

Am Schluß kommt sie nach Madrid zurück, wo sie eine Wohnung hat, der Kapitänkurs ist genehmigt. Die Fluglinie aber pleite gegangen, so daß sie sich nach etwas anderem umsehen muß und hoffnungsvoll zu einem Vorstellungsgespräch reist.

Ein interessantes Buch in dem man in die weite Welt eintauchen und auch sehen kann, wie weit wir auch schon vor Corona überwacht wurden, zumindest bei den Piloten war das so, die dauernd Blut- und andere Tests machen mußten, aber auch mehr von der Welt, ihren Unruhen und Ungerechtigkeiten gesehen haben, als Eva Normalverbraucherin, die das alles nur aus Büchern kennt.

Und noch etwas ist interessat, hat doch Gunther Neumann seinem so modernen Buch, immer wieder Blaise Pascal-Zitate, dem französischen Mathematiker, der 1662 gestorben, ist, vor die einzelnen Kapitel gestellt.

2020-11-14

Putzt euch, tanzt lacht

Buch acht des österreichischen Buchpreises und das letzte Shortlistbbuch, diese Woche ist, währhend unter normalen Umständen die „Buch-Wien“ stattfinden würde, ja dem Öst und der österreichischen Literatur gewidmet mit dem ich jetzt bald fertig bin und das Buch der 1967 in Linz geborenen und Wirtstochter in Eferding, wie sie immer sagt, wäre ja mein dritter Buchpreis-Tip gewesen, im nachhinein würde ich es parallel mit Xaver Bayer reihen und dem wahrscheinlich doch den Vortritt geben, denn irgendwie ist Karin Peschka, deren Bücher ich von Anfang an verfolgte, nicht ganz so einfach zu verstehen.

Interessant ist, daß sie immer wieder Motive ihrer Bücher aufnimmt und miteinander vermischt, so kann man wahrscheinlich den „Watschenmann“ ihr Debut mit den Erzählungen von „Autolyse Wien“ vergleichen und die „FanniPold“ treffen wir ja schon sehr deutlich in dem neuen Buch wieder, das im Frühling erschienen ist, in Leipzig präsentiert werden sollte, als das dann abgesagt wurde, hat Karin Peschka einen Videokanal gegründet, wo man die Bücher, die dort präsentiert werden sollten, vorstellen könnte und hat aus dem neuen Roman gelesen, bei der „Schreibart-Reihe“ in der „Gesellschaft“ ist sie auch gewesen, so habe ich relativ früh von dem Buch erfahren und finde es sehr spannend, wenn ich auch, liebe oder lieber A. Yanga tatsächlich nicht alles verstanden haben und die zeitlichen Sprünge mich auch verwirrten.

Dabei ist eigentlich alles klar, vielleicht sogar klarer, als bei „FanniPold“, das ich auch nicht so ganz verstanden habe. Die Fanni, die Supermarktkassiererin aus Ried, glaube ich, ist jetzt siebenundfünfzig, hat Panikattacken und will zu einer Therapestunde. Sie fährt aber weiter, ins Pinzgau, denn da gibt es eine Hütte auf einer Alm, die ihr und ihrer Jugendliebe Ernst gehört, zu der will sie hin. Trifft vorher den Ernst, die Hütte ist aber nicht so ganz bewohntbar, Fanni macht sich trotzdem auf, wird dann eingeschneit, kommt nach Wien zu einer praktischen Ärztin nammens Tippi, ja, liebe Kritiker, Karin Peschka ist auch eine, die es mit den sprechenden Namen hat und hier viel varieert und ein bißchen in der Zukunft scheint das Buch auch zu spielen. Jedenfalls gibt es schon Mikrochips mit denen man sich nur Zutritt oder nur bezahlen kann, aber vielleicht bin ich hinten nach, das heißt dann „Accursia“, weil so eine Frau in einem Rastaus hieß, die der Angestellte holen muß, wenn jemand doch mit Geld bezahlen muß, aber ich schweife ab.

Fanni, die sich auch manchmal Sina nennt, bleibt als eine Zeit in Wien, dann fährt sie in die Vogesen und arbeitet dort schwarz als Kellnerin, das Buch wird auch irgendwie als Roadmovie angepreist, nach Italien und Kroatien kommt sie auch. Sie trifft überall Menschen, die auch interessante namen haben. So heißt eine Frau Berlin, einen Marek, der irgendwie behindert ist, sich aber mit Rimbaud beschäftigt, so auch der Titel, der sich auf eine diesbezügliche Gedichtzeile bezieht, gibt es auch und einen Velten. Das hat mich am Anfang des Buches leicht verwirrt, denn Karin Peschka springt zeitlich hin und her und am Ende oder auch schon am Anfang treffen sich alle in der Hütte, um eine art Alters-WG zu gründen und Fanni hat sich endgültigvon ihrem Berhard getrennt, der ihr aber gar nicht böse ist, weil er schon eine neue Liebe gefunden hat.

Motive aus „Fannipold“ tauchen immer wieder auf und werden in die Geschichte verwebt und nach oder neu erzählt, so zum Beispiel die Geschirrhändlerin in derja die frühere Fanni gearbeitet hat.

Interessant so in das Schreibleben der Karin Peschka einzudringen und wiederum sehr spannend die Frage, was und wann ich wieder von ihr hören oder lesen werden und, ob ich sie auch mal wieder, beispielsweise bei einer Lesung, treffen werde.

2020-11-04

Geschichten mit Marianne

Jetzt komme ich schon oder erst, ich habe ja vorher fast die ganze deutsche Buchpreisliste gelesen zu Buch vier des öst Bp und damit auch schon zum dritten Shortlistbuch, denn das der Helena Adler und der Cornelia Travnicek ist auch darauf und es ist ein Buch das ich, auf einer der wenigen Lesungen auf denen ich Corona bedingt in diesem Jahr war, präsentiert wurde und das ganz groß, diese zwanzig Horrorgeschichten, die immer vom Erzähler und seinen Erlebnissen mit besagter Marianne handeln, denn damals war ja Jochen Jung dabei, es gab ein tolles Käsebuffet durch das man sich zum Wein drängen mußte und das ist, glaube ich, an dem Tag passiert, wo Leipzig schon abgesagt wurde, Xaver Bayer hustete und schnupfte am Podium, griff sich in die Nase, grinste dabei und sagte“Das ist nicht Corona!“, war es wahrscheinlich auch nicht.

Der Horrorzusammenhang wurde damit aber sicherlich erhöht und jetzt also auch das Buch und durch diese Geschichtensammlung, wo die erste wohl, um die Absurdität zu erhöhen, gleich mit dem Tod der Marianne beginnt. Die Geschichte haben keine Titel, nur römische Zahlen und da bereitet Marianne ihrem Liebsten in der Nobelwohnung ihrer Eltern, ein wunderbares Menu mit zig Gängen, Weinen, Zgarren, etecetera, während unten in der Fußgängerzone von Terroristen Menschen erschossen werden. Der Erzähler schaut eine Weile während Marinanne kocht zu, dann essen sie und schließlich holen sie die Jagdgewehre der Eltern aus dem Schrank und schießen hinunter, wobei Marianne erschoßen wird.

Das war es, könnte man nun denken. Es geht aber munter weiter, nämlich in der nächsten Geschiche zu einem Horrorzirkus. Da werden die Zuschauer auf die Bühne geholt und beschoßen oder sonstig gequält, die Letzte ist Marianne, die wird in einem Sessel durch die Mangege gehievt verschwindet dann und kommt nicht mehr zurück oder zumindestens eine Weile nicht, denn in Geschichte drei, die ich schon gehört habe, fährt der Erzähler tagelang mit dem Lift in dem Haus, das eigentlich nur elf Stockwerke hat, um nie anzukommen, während er in Geschichte vier mit Marianne zu einen Perchtenlauf geht, wo die Perchten alle wild angreifen. Um zu flüchten, verkleidet sich das Paar dann selbst als solche und muß munter mitspielen. Am Ende liegt der Erzähler benommen vor dem Supermarkt, während er in der nächsten Story, wie weiland Kafkas Käfer, in dem Floating-Institut, das er mit Marianne besucht, zusammenschrumpft.

Die Marianne, die äußerst wohlhabend scheint, hat sie doch die verschiedensten Wohnungen und Wochenendhäuser, liebt es auch ihren Liebsten herumzukommandieren und zu Spielen zu verleiten, bei denen er meistens verliert, was ja auch eine interessante Variante ist, so schickt sie ihn in ein verfallenes Schloß um nach Kafkas „Schloß“ zusuchen, er darf dabei kein Licht aufdrehen. Sie gibt ihm telefonische Anweisungen und als vor dem Bücherregal steht, will sie auf einmal ein anderes Buch. Sie spielen auch das Zitatespiel, wo sie sich mit den verschiedensten Zitaten bekämpfen oder er muß in ein Fußballstadion gehen,wo es, wie in einem Gefängnis aussieht, um nach ihr zu suchen.

Ruhiger geht es in der Geschichte zu, wo er allein in ihrem Wochenendhäuschen sitzt und einem Falken,der tot vom Fenster hinuntergefallen in der Wiese liegt, zu begraben, dabei eine Schatzkiste findet in der mehrere Pistolen und das Emblem „Unsere Ehre ist Treue“ findet, das gibt auch Anlaß zu verschiedenen Assoziationen und ähnlich gespenstig wie beim „Perchtenlauf“, geht es in der nächsten Geschichte zu. Er und Marianne wollen eine Maus im Wald aussetzen, da liegt zuerst knöchel- dann kniehoher Schnee, es findet auch eine Treibjagd statt. Geht das bei Schnee überhaupt? Die ist zwar angeblich schon fertig, das Schießen geht aber lustig weiter. Blut ist auf den Schnee zu sehen. Die Beiden flüchten sich in einen Hochstand und erkennen, sie sind die Gejagten.

Dann geht es auf eine Fahrt durch den Wald, wo die Rehe und die Kröten wechseln und etwas unlogisch, die Geschichte, wo die Beiden ins Weltmuseum gehen und weil es dort so fad ist, durch den Notausgang flüchten. Dort setzen sie sich auf Boden, Marianne erzählt ihm, wie sie einmal von einem Lover in Rom blau und grün geschlagen wurde. Dann kommt die Aufseherin und holt die Beiden, weil sie nicht durch den Notausgang durften und sie kommen nur, ,weil die glaubt, daß sie sich ein Schäferstündchen machen wollten.

Die Geschichte von den Drohnen, wo Marianne im Kambodscha sitzt und Getränke bestellt, während er ihr das erzählt, kannte ich schon. Auch hier kann man auf die Beziehungsproblematik schließen, weil er ja am Schluß ganz zufrieden mit den Drohnen ist.

Dann gehen sie in einen Swingerclub und denken sich dort mögliche Selbstmordarten aus und in Geschichte fünfzehn wird es gänzlich sadomasochistisch. Da wird er von Marianne gequält und mißhandelt bis zum Zusammenbruch und er wundert sich nur, daß er ersich das gefallen läßt, was vielleicht auch zu denken gibt.

Interessant fand ich die Geschichte, wo die Zwei auf den Flohmarkt gehen, um ahnungslosen Verkäufer rare Originalle, einen echten Beuys und kostbare Vasen, um ein paar Euro abzuluchsen. Dann gehen sie nach Hause, zerreißen und zerstören sie bei einem Gläschen guten Wein. Dazu passt die dystopische Geschichte, die Xaver Bayer auch im Literaturhaus gelesen hat und die in Zeiten der doppelten Ausgangssperre, erstens während des Virus, Zweites des Terrorüberfalls, um die Polizeiarbeit nicht zu behindern, wahrscheinlich noch mehr Bedeutung, als damals im März, hat, wo man sich das alles noch nicht vorstellen konnte. Xaver Bayer konnte aber oder sich was Bizarres ausdenken und dann ist die Marianne plötzlich achtzig und ist nach einem Schlaganfall in ein Heim für betreutes Wohnen umgegezogen. Eine Geschichte, wo sie ihn in den Keller schickt, um Einmachgläser fürdie Marmelade, die sie gerade kocht, zu besorgen, den er dann nicht findet gibt es auch und eine, wo er sich in der Wohnung verwirrt, dann aber noch rechtzeitig in der küche auftaucht, ist als das Omlette fertig ist.

Birzarr, bizarr, könnte man sagen und Xaver Bayer hat einen eigenartigen Humor, wie auch Clemensj. Setz, der ja im Vorjahr im Öst stand, den er excellent ausdrücken scheint, in Zeiten, wie diesen wahrscheinlich besonders spannend, ob er damit den Öst gewinnen wird, oder doch die Monika Helfer oder die Karin Peschka, mal sehen ich bin wieder gespannt!

2020-10-29

Mutter

Nun kommt schon Buch drei der österreichischen Buchpreisliste, obwohl ich noch zwei der deutschen zu lesen habe, aber die“Chronik eines Abschieds“ der in Karpfenberg geborenen Melitta Breznik, die vom Beruf Ärztin ist und wenn ich mich nicht irre auch einmal die Partnerin Norbert Gstreins war, der ein Buch über sie geschrieben hat, ist ein Printbuch und da ich gelegentlich auch mal in die Badewanne gehen will, ahabe ich es zwischen den Netgalley Exemplare, die jetzt auf mich warten, schnell eingeschoben.

Abschiede, Tod der Mutter, des Vater, Bücher über das Sterben der eigenen Eltern werden ja ofter von Schriftstellern geschrieben, die damit die Trauerarbeit bewältigen, ich habe mich nach dem Tod meines Vaters, den ich ja auch einige Jahre nach dem Tod meiner Mutter betreut habe, schreibend damit beschäfigt. Elfriede Haslehner hat über den Tod ihrer Mutter geschrieben und mir das Manuskript, glaube ich, zu einem meiner Geburtstage gebracht, Julian Schutting und und- glaube ich, daß es auch sehr wichtig ist, sich mit dem Tod und dem Abschiednehmen, das ja jeden einmal betrifft, vor allem in Zeiten, wie diesen, wo alles so durcheinadergeht, Operationen aufgeschoben werden um Covid 19- Betten freizuhalten und man seine Anghörigen in der Sterbphase oft nicht besuchen darf, zu beschäftigen.

Ich habe, das, glaube ich, auch sehr intesiv gemacht, habe ich ja auch in der Zeit, wo ich meinen Vater betreute im Geratriezuentrum am Wienerwald Pflegehelferinnen in Pschologie unterrichtet, wo auch Sterbeseminare enthalten waren.

Melitta Breznik von der ich schon „Figuren“ gelesen habe, tut das sehr knapp in vierzig Kapitel mit einem Vor- und einem Nachwort, die oft mit dem Wort „Mutter“ beginnen. Im Oktober ruft die an, sagt, es geht ihr nicht gut, sie ist vor kurzem in eine seniorengerechte Wohnung gezogen, Melitta Breznik recherchiert gerade an einem Buch, hat ein freies Jahr will sich aber um eine Stelle in der Psychiatrie in der Schweiz, wo sie lebt, bewerben, so ruft sie den Bruder an, der in der Nähe der Mutter lebt, weil sie aus Erfahrung weiß, daß es der Mutter nach Anfällen oft schnell wieder besser geht.

Diesmal aber nicht, der Bauch ist geschwollen, dieMutter erbricht, kann nichts mehr essen, ein Krebs wird diagnostiziert.Bei meiner Mutter war das, als ich zu Oster 1991 von einer Japanreise zurückgekommen bin, ebenso.

Bei Melttta Brezniks Mutter dauert das Sterben länger, die Tochter übernimmt die Pflege. Die Mutter verlangt das auch von ihr, will niemanden anderen, als sie für die Körperpflege haben, Melitta Breznik fühlt sich oft überfordert dabei, berät sich mit befreundeten Ärzten ist erstaunt, daß die Mutter zu den Kirchenglocken, die zu hören sind, das „Vater unser“ betet, sie ist im Alter wieder zur Religiositöt zurückgekommen, bei meiner Nutter war das ebenso.

Der junge Pfarrer besucht die Mutter, läßt für sie extra die Kirchenglocken läuten, Weihnachten naht allmählich, Melitta Breznik ist es jedoch gelungen, eine Pflegehelferin zur Unterstüzung zu engagieren. Sie geht in ihre Kindheit zurück, denkt an den trinkenden Vater von dem sich die Mutter scheiden ließ, einen Selbstmordversuch gab es auch und als Melitta Breznik noch zu Schule ging, hat die Mutter sie zur Abtreibung gezwungen.

Jetzt wäre das Kind schon erwachsen, Melitta Breznik hat keine Kinder, ihr Bruder, der sie bei der Pflege unterstützt, glaube ich, schon, die Haushaltshilfe kommt und verabschiedet sich von der Mutter und einer der letzten Sätze laute „Aufgewacht um halb vier am 1. Dezember – Mutter ist fortgereist für immer.“

Ein sehr eindrückliches Buch, das helfen kann mit den eigenen Schmerzerfahrungen fertig zu werden, aber auch anderen sich mit dem Tod auseinanderzusetzen, ob es der Mutter wirklich recht wäre, daß andere Leute über ihre Intimitäten lesen, darüber läßt sich diskutieren und auch über die Frage, wieviel man bei solchen Bücher verfremden muß und ob das, was dann herausskommt, noch authentisch sein kann.

Auch darüber, ob es ein Roman ist, wie es natürlich bezeichnet wird, „Chronik deines Abschiedes“ der Untertitel passt natürlich besser. Ich würde es wieder als Memoir bezeichnen und auf der Orf oder Ö1- Bestenliste ist es im Frühjahr, glaube ich, auch gestanden. Auf die Shortlist des Öst ist nicht gekommen und jetzt geht es wieder zurück nach Deutschland, aber da, glaube ich, auch um das Abschiednehmen, bevor es mit der Öst weiter geht, wo der Preis ja am neunten November, meinem siebenundsechzigsten Geburtstag, verliehen wird.

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