Literaturgefluester

2018-04-24

Zehn Seiten Lesen zum Welttag des Buches

Seit einigen Jahren wird am 23. der Welttag des Buches gefeiert, weil da in Katalonien Blumen und Rosen verteilt werden und Cervantes und Shakespeare gestorben oder geboren worden sind.

Seit einigen Jahren wird da vom österreichischen Hauptverbandein Gratisbuch verteilt, daß ich mir immer sehr begierig hole und das meistens aus Buchproben, die zu einem bestimmten Thema,  besteht, die eben Lust aufs Lesen machen sollen.

„Anfänge“ heißt der heurige Band, der mit Unterstützung der Zeitschrift „News“ von Heinz Sichrovsky herausgegeben wurde und das heurige Thema des schönen grünen Buches sind die ersten zehn Seiten von dreizehn eher jüngeren österreichischen Gegenwartsautoren beziehungsweise Autorinnen.

Ich holfe mir ja immer das Buch und lese es dann nicht, weil erstens keine Zeit, denn meine Leseliste ist ja sehr lang und dann bin ich  auch kein wirklicher Leseprobentyp, das heißt einige der Bücher: „Erlesenes Menü“, „Erlesenes Reisen“ und „Erlesenes Europa“, alle anderen nicht habe ich geschafft.

Also habe ich zuerst überlegt, daß das Büchlein wahrscheinlich weit unten auf meiner Leseliste landen wird und leider leider, wie so viele andere nie gelesen werden wird, obwohl ich es seit einigen Jahren bei der Bücherinsel ganz problemlos bekomme.

So war es auch heuer. Es war zwar eine Dame vor mir in der Buchhanlung die das Buch dann auch bekommen hat und mit einem Blick auf das Buch. beziehungsweise die Gegenwartsrome oder auch des einen Lyrikbandes von dem da als Appetizer, die ersten zehn Seiten abgebildet waren,  damit sich möglichst viele Leute in die österreichische Gegenwartsliteratur einlesen werden, habe ich aufgeatmet und erleichtert gedacht: kein Problem, das Buch kann ich besprechen und auf meine heurige Leseliste setzen, denn die meisten der Bücher habe ich schon gelesen. bezeihungsweise bei den „O-Tönen“ oder anderswo schon davon gehört.

Also los zu meiner Buchbesprechung über ein nicht gelesenes Buch, was ja auch eine sehr originelle Sache ist. Das Cover ist schön grün „Anfänge – neue österreichische Literatur steht darauf.“

Dann gibt es eine Einführung für die, die es noch nicht wissen, was der „Welttag des Buches ist, danach ein Vorwort und ein Bild von Heinz Sichrovsky, der, glaube ich, News-Redakteur“ ist.

Der erzählt, daß die österreichische Literatur sehr vielfältig ist, erwähnt vorher was ja eigentlich nicht so österreischisch ist, Frau Ava und Heinrich Heinre, kommt danach ein bißchen österreichischer, zu Peter Handke und Elfriede Jelinek und dann kommen wir schon zum Inhaltsverzeichnis, beziehungsweise zu der Aufforderung „Entdecken Sie die Anfänge – die ersten zehn Seiten der folgenden Werke.“

Ich weiß nicht, wer das macht und mir bleibt, wie schon erwähnt, gar nicht so viel zu entdecken, aber los mit einem klienen Einblick in meiner Lesestatistik oder meiner Öeseausbeutung, obwohl Nava Ebraimis, der 1978 in Tehern geborene zweiten österreichischen Debutpreisträgerin „Sechzehn Wörter“ habe ich nicht gelesen, obwohl ich es nach Bekanntgabe der österreichischen Buchpreisliste im vorigen September angefragt habe.

Dafür war ich aber bei der Debutpreisvorstellung in der Arbeiterkammer und auch bei der Preisverleihung, habe also einen kleinen Einblick bekommen und wenn ich das Buch mal finden werde, werde ich es natürlich lesen, sofern es zu mir kommen sollte.

Buch zwei ist dann der Unbekannte in der Leseprobensammlung, nämlich Christoph Linhers „Ungemach“, denn von dem 1983 in Bludenz geobrenen, der Germanistik studierte, habe ich noch nie etwas gehört und daher auch sein bei „Müry Salzmanm“ erschienenes Buch noch nicht gelesen. Also ran an die Leseprobe, damit die Neugier wächst und vielleicht habe ich Glück und ich finde es einmal. ich freue mich schon darauf und bin voll gespannt, aber eigentlich keine Leseprobeleserin, weil ich ja am liebsten gern das Ganze haben will.

Zum Glück gehts dann mit etwas Bekannten weiter, nämlich mit Irene Diviaks „Liebwies“, die auch auf der letzten Debutpreisliste gestanden ist. Da habe ich das Buch gelesen und es hat mir auch gut gefallen, so daß ich es sehr gern auf der Shortlist des „Bloggerdebutpreises“ gehabt hätte, wo es aber nicht gestanden ist.

„Chicago“ das zweite Buch der 1990 in Wien geborenen Theodora Bauer habe ich ebenfalls gelesen. Dafür steht noch das „Fell der Tante Meri“ irgendwo in meinen Regalen und warten auf das Lesen und in „Chikago“ geht es für alle, die es wissen wollen, um das Auswandern aus dem Burgenland in die USA und wieder zurück und es ist bei „Picus“ erschienen.

Marie Luise Lehners „Fliegenpilze aus Kork“, ist nicht der Debutroman, der 1995 geborenen Sprachkunststudentin und „Alpha-Preisträgerin“, deren nchstes Buch im Herbst bei „K&S“ erscheinen wird und von mir schon bestellt wurde.

Larua Freudenthaler wurde 1984 in Salzburg beboren. Ihr Debutroman „Die Königin schweigt“ wurde letzten Sommer bei den „O-Tönen“ vorgestellt und sehr gelbot. Ihr erstes Buch, das ich mir einmal von einer „Buch-Wien“ mitgebracht habe, liegt auf meinen Regalen, heißt „Der Schädel von Madeleine“ besteht aus „Paargeschichten“ und auch bei „Müry Salzmann“ erschienen.

Elias Hirschl bei „Jung und Jung“ erschiene Erfahrungen eines Zivildieners „Hunder  schwarze Nähmaschinen“ habe ich auch noch nicht gelesen, aber bei einer Lesung im Literaturhaus gehört. Gespannt auf das Buch bin ich auch und warte, daß ich es einmal finden.

Dann kommt ein Lyrikbändchen, das mir Anita Keiper vor einiger Zeit freundlicherweise zuschickte, nämlich  Mario Hladicz „Gedichte zwischen Uhr und Bett“ , für mich eine Überraschung, das  Heinz Sichrovsky für die österreichische Literatur  Entdeckung der Durchhschnittleser, auch Lyrik aussuchte und ich zitiere aus „Einem Tagebuch“:

„heute ein Tag an dem sich kaum etwas verleugnen ließ.

Die Umgebung leuchtete in den Farben die ihr zugeteilt worden waren.

Vormittag warf ein Nachbar

Erinnerungen weg in rauhen Mengen.

Bald darauf kam die Post nur aus Routine.“

Aufmerksame Leser werden sich jetzt denken, daß ich bei der Behauptung, ich hätte das Leseprobenbüchlein schon gelesen,  ein bißchen hochgestapelt habe, denn auch Sophie Rayers „Schildkrätentage“ habe ich nur bei einer Lesung in der „Alten Schmiede“ gehört und muß das Buch erst finden oder die ersten zehn Seiten lesen.

Dann kommt Cordula Simon „Der Neubauer“ und meine Leser werden genüßlich schreien: „Ätsch, Ätsch, auch noch nicht gelesen, du Angeberin! und ich antworte darauf „Stimmt, aber das Buch liegt schon in meinen Badezimmer, da  es mir „Residenz“ freundlicherweise und ganz unverlangt zusandte.Ich werde noch cirka fünf Bücher vorher lesen und dann ist es schon dran. Lesung habe ich noch keine daraus gehört, obwohl Cordula Simon glaube ich in Leipzig daraus gelesen hat und Alfred hat  das Buch auch für die Anna zum Geburtstag gekauft.

Dafür habe ich Mascha Dabics „Reibungsverluste“ gelesen, denn das Buch stand ja auf der österreichischen Debutpreisliste und es hat mir sehr gefallen. In der „Alten Schmiede“ und bei den „O-Tönen“ habe ich auch daraus gehört.

Jakob Pretterhofers „Tagwache“, die Erfahungen eines Wehrdieners habe ich auch bei den „O-Tönen“ kennengelernt. Gelesen ist es auch noch nicht. Es liegt aber in den Regalen und vorher ist es beim Literaturhaus-Flohmarkt gelegen und da habe ich es mir vor ein paar Wochen kurz nach Ostern gekauft.

Dann gibts noch Raphaela Edelbauers „Entdecker, eine Poetik“ und die ist glaube ich auch eine Sprachkunststudentin. Ich habe sie bei der letzten „Buch-Wien“ lesen gehört und mir überlegt, ob ich Ralph Klever wegen dem Buch anschnorren soll, ihn dann aber nicht gesehen und Raphalela Edelbauer hat inzwischen mit ihrem Buch in „Rauris“ gewonnen.

So durchgelesen durch das Leseprobenverzeichnung. Leser, habt ihr mitgezählt? Fünf Bücher habe ich gelesen. Zwei werde ich früher oder später lesen. Die meisten Anderen auf einer Lesung gehört und eines ist mir völlig unbekannt. Also vielleicht doch auf die Leseproben stürzen…?

Ansonsten ist dieser „Tag des Buches“ eher ziemlich an mir vorübergegangen, obwohl Ingrid J. Poljak ja schon am Samstag diesbezügliche Lose verteilte. Vor einigen Jahren gab es bei Anna Jeller zwei Blinddates mit ihren Leseexemplaren und bei einem Grätzelfest habe ich einmal auch aus meinen Büchern gelesen.

Im Vorjahr gab es eine Lesung im Hauptverband, vor zwei Jahren ein Bild von dem Buch auf meinen Blog und ein anderes Bildshooting habe ich in St. Pölten auch einmal gemacht und noch ein paar andere Welttagartikel geschrieben.

Ansonsten habe ich gestern zwei Bücher im offenen Bücherkschrank gefunden, eines wieder zurückgegeben, weil doch nicht so ganz zu meinem Bücherschema passend. Melissa Broders „Fische“ habe ich von „Ullstein“ ein zweites Mal zugeschict bekommen und jetzt kann ich mir aussuchen, ob ich es der Anna schenken oder in den Bücherschrank legen kann und Gerlinde Hofer vom „Ohrschmaus“ getroffen. Ihr „Mimis Bücher“ gegeben und mit ihr über eine mögliche Lesung daraus gesprochen, aus der ich ja schon einmal bei einer „Bücherschrank-Lesung“ gelesen habe.

So und jetzt auf in die Badewanne um bis zu meiner ersten Stunde ein Stückchen in Antonia Baums „Still leben“ weiterlesen, damit ich bald zu Cordula Simon komme.

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2018-04-14

Und am Ende stehlen wir Zitronen

Noch ein Debut, von einer mir bisher unbekannten Autorin, der 1985 in NÖ geborenen Eva Lugbauer, deren „Und am Ende stehlen wir Zitronen“ bei „Wortreich“, dem kleinen feinen Verlag erschienen ist, den ich seit vorigen Jahr in Leipzig während des Österreich-Empfangs immer besuche und es ist eines, wo ich nach dem Lesen des Klappentextes beziehungsweise der „Amazon-Rezension“ auch dachte, „Uje, uje, was habe ich mir da geben lassen, das interessiert mich nicht!“

Das soviel zu dem das man den Wert eines Buches auf der ersten Seite oder nach dreißig Sekunden Probelesen erkennen kann.

„Nein, liebe Leute vom Literaturcafe oder sonstwo, so geht das wirklich nicht, jedenfalls nicht bei mir und, ich glaube, das ist auch verallgemeinbar.

Denn noch auf der ersten Seite, dem Kapitel „Im Wasser“, mit sehr poetischen, für mich inhaltslosen Sätzen, hätte ich gedacht „Nun ja, schon wieder ein sprachrauschiges Debut, dann war ich aber gleich im Wasser und fing zu schwimmen an, obwohl ich das in der Realität gar nicht kann und das Kapitel dann auch „Stehen“ hieß.

Denn dann wird es gleich konkret: „Gänsehaufen!“, dachte ich und wir sind im Land in einem Dörfchen namens Unterfichten, sind bei Isa Erlinger, der fünfundzwanzigjährigen Kindergärtnerin, die noch nichts aus ihrem Leben gemacht hat, obwohl sie schon einen Freund namens Martin hat und die sich jetzt auf dem Polterabend einer Freundin befindet, mit ihr „Peniskekse“ verkaufen, ein Sexshop besuchen und sich auch von einem Mann anquatschen lassen soll.

Das ist nichts für sie. So geht sie an den See, will auf ihre Lieblingsbank, aber dort sitzt schon eine Frau, die sie anspricht und am nächsten Tag erfährt sie von ihrer Nachbarin, daß die mit einem Rucksack voller Steine ins Wasser gegangen ist. Die Frau hieß Hilda Haller oder Haller Hilda, wie man die Namen in Isas Provinz ausspricht.

Isa geht zu ihrem Haus „Krippenhaus“ genannt, weil dort zu Weihnachten immer ein Krippe steht, denn Hilda Haller war einmal Bühnenbildnerin und sie hatte auch eine Tochter namens Lou, die vor zehn Jahren verunglückte.

Vielleicht hat sich Hilda Haller deshalb umgebracht. Isa weiß es nicht, geht aber in einen Supermarkt, kauft sich dann Zigaretten und geht damit, weil eine Frau in dem Dörfchen ja nicht rauchen darf, weil das stinkt und unbweiblich ist, auf den Friedhof, wo der Totengräber vielleicht schon Hilde Hallers Grab ausgräbt.

Isa hat dann bald Geburtstag und das wird von ihrem „stinknormalen“ Freund, der bald heiraten und möglichst viele Kinder will, immer in einen Ritual gefeiert. Er bringt ihr den Kaffee ans Bett, bäckt Palatschinken in Herzform, nachher geht es an den See und zum Eisessen und ein Geschenk gibt es auch.

„Hoffentlich kein Ring!“, denkt Isa den ganzen Tag in Panik. Es ist aber, wer hätte das gedacht, daß der Normalo so sensibel sein kann, ein Fallschirmsprung und den hat Isa sich vielleicht auch gewünscht.

Sie lernt etwas später Hilda Hallers Nichte Zora kennen, die das Haus geerbt hat und es ausräumt. Sie freundet sich mit ihr an und die Journalistin aus Wien, erzählt ihr von Lou, die Isa seltsamerweise sehr ähnlich sieht, aber sehr ungewöhnlich war, immer frei sein und reisen wollte, also eigentlich das Gegenteil von Iisa, die ihre schönen Kleider bewundert. Zora schenkt sie ihr, lädt sie auch nach Wien ein und die Beiden gehen mit einen Schal von Lou auch auch auf ein Feuerwehrfest zum Tanzen.

Dort wird viel Schnaps getrunken und vielleicht verschwindet Isa mit ihrem Exfreund Jonas auch hinter ein Gebüsch. Sie kann sich nicht mehr ganz daran erinnern, hat auch ein schlechtes Gewissen wegen Martin und auch Angst vor Aids, will mit ihm Schluß machen, fährt für ein paar Tage zu Zora nach Wien, wo sie einen Ben, der Krankenpflege ist, kennenlernt und sich ihm als Lou, auf seine Frage, wie sie heißt, ausgibt.

„Isa. Ich meine Lou-Isa. Ich meine Louisa-Bella. Louisabealla“ – „Was?“- Du kannst Lou sagen!“

Zu Weihnachten macht Isa  mit Martin Schluß, als der ihr gerade sein Geschenk, einen Gutschein für ein gemeinsames Fotoshooting überreicht hat. Packt ihre Koffer und fährt überstürzt nach Wien und zieht in Zoras Arbeitszimmer. Als die ihr nach einen Besuch in Unterfichten erzählt, daß sie Martin schon mit einem blonden Mädchen gesehen hat, ist sie enttäuscht und auch mit Ben, dem sie erzählt hat, daß sie Schriftstellerin wäre und in Rom leben würde, klappt es nicht so ganz, denn der hat schon eine Freundin.

Zora hat auch einen Freund namens Reinhard und mit dem betrügt Isa sie, die dann so von sich entsetzt von sich ist, daß sie überstürzt nach Rom aufbricht. Der Zug kommt aber nicht einmal bis Klagenfurt, denn dann bleibt er, man weiß nicht so ganz wegen eines Selbstmörders oder eines Herzinfarkts des Zugführers auf einem Feld stehen und Isa fährt mit Lorenz, den sie im Zug kennenlernte, in seine Wohnung nach Klagenfurt.

Dazwischen gibt es immer wieder Selbstgesprche Isas, die sich da „Frau Isa“ nennt und nach Orientierungs sucht. Sehr viel Weinspritz mit Zitrone wird getrunken, der Buchtitel stammt aus Lous Notizbuch und ist eine Metapher auf das freie Leben, der erste Joint geraucht, was die brave Isa sehr entsetzt. Zora ist aber über ihren Betrug gar nicht so böse, als sie wieder zurückkommt.

Später zieht Isa in eine WG, fängt zu studieren an und schenkt sich selbst zum nächsten Geburtstag, eine Reise nach Rom.

Ein spannendes, leises, aber sehr dicht geschriebenes Buch über eine Selbstfindung, das immer wieder an die Bachmann erinnert, beziehungsweise sehr deutliche Anspielungen an sie hat. So liest Isa einen Bachmann-Text, als sie sich am Anfang mit Martin an den See begibt.

„Udine geht“, ist eine nicht zu übersehendes Motiv. Dann die Fahrt nach Rom und vielleicht auch Wunsch seine Verruchtheit durch das Rauchen auszudrücken, etwas, das man inzwischen ja nicht mehr darf und von den politisch korrekten Bloggerinnen, vielleicht angeprangert wird.

Mir hat das Buch, das am blauen Cover eine kräftig gelbe Zitrone hat, sehr gut gefallen. Eine Überraschung, den ich habe von Eva Lugbauer, glaube ich, nocht nichts gehört oder gelesen, also wieder etwas für den Debutpreis  und vielleicht begegne ich der Autorin über die am Buchrücken noch steht „Eva Lugbauer schafft einen poetischen und (aus)druckvollen, musikalisch anmutenden Debutroman, der sich großen Themen nicht verschließt und keine Angst vor lauten Antworten hat“, einmal in der „Alten Schmiede“ oder einem anderen literarischen Ort.

2018-04-08

Orchis

Jetzt kommt der phantastisch skurrile Debutroman, der 1978 bei Kirchdorf an der Krems geborenen Verena Stauffer, der von einem Orchideenforscher im neunzehnten <jahrhundert erzählt.

„Die Geschichte eines getriebenen Orchideenforschers zwischen Leidenschaft und Wahn, im Wettlauf gegen dieZeit“, steht am Buchrücken und Alfred Kolleritsch und Andreas Unterweger von den „Manuskripten“ schreiben „Penible Recherche und Emotionalität verqucken sich zu einem bellestristischen Erlebnis von selten gewordener Expressivität“.

Und, füge ich hinzu, es ist ein Roman mit starken Bildern, die besuchten Recherschearchive werden am Schluß des Buches angegeben, trotzdem ist es nicht, wie beispielsweise bei Christine Wunnike eine phantastische Nacherzählung eines tatsächlichen Geschehenens.

Der Anselm, Held und Protagonist, der Erzählung wurde, denke ich, schon von der Autorin erflunkert und es ist ein spannendes Buch, das schon im ersten Kapitel neugierig macht, als der Orchideenforscher in Madagaskar mit seinen Koffern ankommt, einem Schiff entsteigt und da von einer Schar von Kindern umringt wird, die seine Koffer ergreifen, mit ihnen davonlaufen und ihm zu einem seltsamen Ritual und Begräbnis führen.

Dazwischen und auch später im Buch kommen immer wieder Andeutungen, von der strengen Herrscherin des Landes hier, die ihre Untertanen versklavt, so kann Isaac, den Anselm etwas später kennenlernt, ihn und einen anderen Orchideenforscher auch nur kurz zu den Feldern führen, dann muß er wieder zurück und die beiden müßen alleine weiterforschen.

Anselm hat einen Kompaß und will einen „Wardischen Kasten“ aufbauen, um die Orchideen darin aufzubewahren, der englische Forscher drängt aber zum Aufbruch, dann stechen ihn die Mücken, er bekommt die Malaria oder einen anderen Schwächeanfall, so bricht Anselm alleine zu den Feldern auf, wo die Sternorchideen blüchen und ist entzückt.

Er muß aber schnell wieder zurück, hat nur ein paar der Blüten in seinem Gepäck und auf dem Schiff, wo er die Heimfahrt antritt, bekommt er dann einen Wahnsinnsanfall und sieht Orchideen auf seinen Schultern wachsen, so daß seine Eltern, als er die deutsche Heimat erreicht, sich veranlaßt sehen, ihn in eine Irrenanstalt zu überweisen.

Der Wahnsinnsanfall kann zwar auch von einer Qucksilbervergiftung kommen, da er schon als Kind seinem Vater, ebenfalls Botaniker, bei seinen Arbeiten half, klärt uns Verena Stauffer auf und kann es dann nicht lassen über die Psychatrie und ihre Methoden des neunzehnhten Jahrhundert s herzufallen. Da gibt es einen Dr. Müller und einen Professor Leitner in dessen Fänge Anselm für eine Zeitlang gerät.

Er wird aber schnell wieder gesund und durch Vermittlung seines Vaters Assistenzprofessors. Das ist zwar nicht so gut für die wissenschaftliche Reputation. Er zieht aber mit seinen Studenein in die Feldforschung und fährt dann nach London, um einen Vortrag über Orchideen zu halten. Da trifft er auch Lendy wieder mit dem er in Madagaska war. Läßt den Vortrag aber sausen, weil ihn ein anderer Forscher von dem chinesischen Frauenschuh erzählt, den er erforschen will.

So beschließt er Hals über Kopf nach China zu reisen, um ihn zuvorzukommen. Das war aber nur eine Finte, denn der Forscher hat ihn auf ein Schiff, das nach Italien fährt geschickt. Dort macht Anselm, der schon Chinesisch lernt, die Begegnung einer Dame, die ihn verführen will, mit ihr nach Bologna zu reisen. Da bleibt er aber standhaft und macht die Fahrt nach China, gerät dort in die Fänge eines anderen Mädchens, eines mit blauen Händen, weil sie Körbe oder Stoffe mit der Farbe von blauen Orchideen behandelt und Anselm, der es auch als seine Aufgabe sah, Darwin zu widerlegen, sieht sich in seiner Erüllung, als ihn „die Schmetterilinge umkreisen, bis sie schließlich landeten und auf ihm und mit ihm dem Gehäuse der Stunden entschliefen.“

Ein köstliches Buch, das eine in eine andere Welt mitnimmt, in der es nach Vanille , Zimt und Zitrone duftet und dessen Tonfall und Skurrilität mich manchmal an E. T. A. Hoffmann, den ich in meiner Studentenzeit gern gelesen habe, erinnert und das zeigt, daß jüngere Frauen auch etwas anderes, als von den drogengeschwängerten Wirklichkeiten der prekären  Dreißigjährigen, schreiben können, was ich sehr spannend finde und mir gut gefallen hat.

2017-11-01

Soviel Schwein geht auf keine Kuhhaut

Von der Schweiz geht es jetzt nach Vorarlberg zurück und von den „Unbekümmerten Anarchistinnen“ zu Margit Heumanns „Kriminellen Schmunzelgeschichten“ und davon habe ich ja schon eine gelesen und auch ein bis zweimal ein bißchen was gehört.

Denn die erste Geschichte aus dem Kurzgeschichtenband „Wo er recht hat hat er recht“, habe ich ja schon als Schundheft gelesen, im Mai nachdem mich Margit Heumann, die ich ja öfter bei literarischen Veranstaltungen sehe und die mir hier auch eifrig kommentiert, auf die „Schundheftparty“ eingeladen hat, die dann im Juni war und damals war es mir gar nicht so recht, daß ich das Heftel schon gelesen habe, denn da war ich ja in Vorbereitung auf unsere Bodenseeumrundung mit der Ruth und da hätte ich es neben Walser, Arno Geiger, Erika Kronabitter und Michael Köhlmeier eigentlich mitnehmen können, bin aber erst beim Lesen daraufgekommen, das ist ja auch Vorarlberger Literatur, obwohl Margit Heumann ja in Wien lebt und eine deutsche Mailadresse hat.

Und sie ist eine fleißige Frau, hat sie doch nicht nur das Schundheftel geschrieben, sondern ihre Emma und ihren Paul auch noch in dreizehn weiteren Geschichten auftreten, beziehungsweise ermitteln lassen und ein paar davon hat sie auch schon bei den „Wilden Worten“ angelesen.

Das finde ich dann ja immer besonders fies, wenn die Leute bei Lesungen ihre Geschichten anlesen und dann „Ätsch, Ätsch, den Rest mußt du selber lesen und das Buch dir kaufen!“, sagen.

Muß ich natürlich und tue es auch nicht, aber dieses hat mir Margit Heumann, die zusammen mit einer Schweizer Psychiaterin, deren Buch ich auch noch lesen muß, dem Rudi und der Ruth, auf meinem literarischen Geburtstagsfest, das ja bald kommt, lesen wird, mitgegeben.

Also komme ich zum Genuß der sämtlichen Geschichten und, daß die ja Kriminalelemente haben, habe ich beim Lesen bezziehungsweise den „Wilden Worten“ schon mitbekommen.

Die erste ist die, wo der Paul mit der Emma Urlaub in der Toskana in einem Campingwagen macht und die habe ich ja schon gelesen. Die zweigte hat Margit Heumann im Amerlinghaus angelesen.

„Emma herzlos“ heißt sie und ist die, wo der Paul betrunken zu der Emma in das Auto steigt und sie ihm dann aus Zorn darüber auf der Raststation stehen läßt. Die Polizei fährt ihn ihr nach und Kiminalfall gibt es hier keinen und eigentlich auch in den anderen Geschichten nicht wirklich. Hier deutet Margit Heumann, was mir ja sympathisch ist, nur dezent an. Obwohl ein paar Todesfälle gibt es hier schon. So ist der Paul einmal einen falschen Biobauer auf der Spur und der fällt dann in die Jauchegrube.

Ein anderes Mal trübt ihm seine Nase. Denn die Emma hat sich eine Knöpferziehharmonika gekauft, die nach Patschulli stinkt. Die verschwindet dann zum Glück. Aber der Paul, der auf eine Kur muß, trifft dort einen Unsympathler und der spielt dann, welche ein Zufall, auf dem gestohlenen Instrument auf.

Sehr lakonisch mit gespitzten Metaphern, Margit Heumann Spezialität, wird in „Nichts Genaues weiß man nicht“, von Pauls Karriensprung in die Kunstszene erzählt. Da ist es natürlich der Kätzin Emmas Schuld, die ihren Kater in den Kunsthimmer hinaufhieven und an eine Galeristin mit einem Sprung in der Schüßel vermitteln will. So kommt es zu einem Versicherungsbetrug und endet mit einer Ansichtskarte aus dem Kloster und bei „Emma hilflos“, die Emma-Geschichten haben immer solche Titel und sind weit weniger kriminalister, als die vom Paul. Ist das ein Klischee, ein Vorurteil oder gut beobachtet, ärgert die Emma sich über ihren alten Opel und den Problemen mit der Zentraverriegelung, die er ihr während der Frostzeit macht.

Als Tierschützer muß der Paul dann einen Löwendompteur in den Raubtierkäfig schaffen, während es die eigene Grube ist, in die der Frauenversteher, der dann gar keiner ist, fällt, als ihn eine gute Freundin mit ihren Ansichten über das richtige Essen nervt.

Manchmal sind die Geschichten etwas umständlich und langatmig erzählt, wie die, wo die Emma ihr Foto digital bearbeitet und dabei an ihre Nacktbadeerfahrungen deckt, wo ihr ihr Kleid abhanden kam und sie in einen Schlafsack eingewickelt nach Hause fahren mußte und dabei von der Polizei kontrolliert wurde oder die, wo der Paul in einen Tankstellenüberfall gerät.

Aber das steht ohnehin am Buchrücken „Der Frauenversteher Paul und seine Kätzin Emma stecken ständig in der Klemme, manchmal sogar  mit einem Bein im Gefängnis, aber wie den Kopf aus der Schlinge ziehen? Mit typisch Vorarlberger Bedächtigkeit und Rechtschaffenheit sowie der nötigen Gerissenheit kommen sie stets mit einem blauen Auge davon!“, steht da geschrieben und man könnte  sich auch über die Anhäufung der Mßgeschicke, die dem Künstlerpaar, das eigentlich recht bürgerlich ist, passieren, mokieren.

„Sowie Schwein geht auf keine Kuhhaut“, heißt ja der Titel, der in der letzten Geschichte im letzten Satz erklärt wird und denken, soviele  Zufälle gibt es  nicht und das ist stark übertrieben.

Aber ja, das lehren ja die Schreibwerkstätten, daß alles überhöht und übertrieben sein muß und würde man eine der Geschichten lesen, fäll das wahrscheinlich nicht so auf. Bei einer Geschichtensammlung wirkt das dann ein wenig künstlich und man denkt sich, das ist ja unrealistisch, das denen so viele Mgeschicke passieren und sie in soviele Jauchen und auch ander Gruben fallen, Raubüberfälle, Organhandel, Todesfälle, menschliche Schwächen, etcetera, überleben.

Aber ja, es sind ja Geschichten zum Schmunzeln und die, in der man erfährt, wie das bei Pauls Organspende war, die Margit Heumann auch im Amerlinghaus angelesen hat, habe ich jetzt  ausgelassen.

Also selber lesen und herausfinden, ob das Quantum passt und  soviel Mißgeschick zum Lachen bringen kann.

2017-10-28

Patrioten

Nachdem ich mit dem österreichischen Buchpreislesen und den zwei Büchern der Debutshortlist fertig bin, bleibe ich weiter in Österreich und nach den „Reibungsverlusten“ weiter in der Politik, denn Eva Rossman, mit der ich 2000, glaube ich, gemeinsam beim Poetenfest in Raab gelesen habe, ich aus meinem ersten Indie „Wiener Verhältnisse“, sie aus ihrem ersten Mira Valensky-Krimi „Wahlkampf“, hat ein neuerliches Buch geschrieben.

Allerdings keinen Krimi mit der Mira und der Vesna aber wieder ein aktuellen Thema, das mich ja seit der van der Bellen Wahl und seit sich mein Kritiker ja auch als Pedgida Fan entpuppte, sehr beschäftigt.

„Patrioten“ heißt zu Wahl passend das Buch, hat einen schwarzen Umschalg mit geheimnissvollen Zeichen und ist, ich weiß nicht so recht, ist es eine Enttäuschung?

Natürlich nicht, denn es hat ja wieder, nachdem bei der Frankfurter Buchmesse, ja auch der Messeschef hilflos zwischen dem „Antaios-Chef“ getanden ist und von der Menge mit „Wir alle hassen Antifa!“ niederbebrüllt wurden, worauf die Identitären jubelten, daß sie  die Linken auf der Messe besiegt hätten, ein sehr aktuelles Thema und eines das mich sehr interessiert.

Auf das Buch wurde ich von einer literaturbegeisterten Dame, ich glaube, bei der „Perutz-Rreisverleihung“ aufmerksam gemacht, dann habe ich ein Interview von Eva Rossmann mit Günther Kaindsldorfer in der Hauptbücherei gehört und erfahren, dieses Buch hat nichts mit Mira Valensky zu tun, denn Eva Rossmann wollte die nicht in diesem Fall ermitteln lassen. Es scheint, habe ich, aber gedacht, doch eine Art Krimi zu sein, denn der Vorsitzende der Patriotischen Sozialen wird an ein Kreuz genagelt.

Das klingt spannend, wie ein Krimi und ist von der identitären und Pegida-Wirklichkeit weit entfert und da fällt mir ein, ich habe ja auch vor einem Jahr im Literaturhaus auf einer Veranstaltung gelesen, wo Eva Rossmann dabei war und morderierte. Damals ist es auch um Flucht und Vertreibung gegangen und darin geht es in dem Buch ja auch.

Der Chef der fiktiven Patriotisch Sozialen Partei wird also ans Kreuz genagelt und keine Mira kommt um zu ermitteln, schickt ihre Putzfrau Vesna auch nicht in die Kirche, wo die Füchtlingsfrau Sina, deren Mann verschwindet, Unterschlupf fand. Sie lernt dort auch nicht die zweiundachtzigjährige Lotte Klein kennen, die Sina betreut und folgt der nicht nach Brüssel, wo zwar kein Schwein herumläuft, aber fast ein Terroranschlag passiert.

Das wäre wahrscheinlich interessant und spannend gewesen. So war es, fürchte ich, sehr fad und langweilig und ich habe mich durch die fast dreihundertsechzig Seiten gequält und bei Seite fünfzig war ich dann wahrscheinlich schon so weit, zu sagen „Da passiert ja nichts und worum geht es da eigentlich?“

Detail am Rande. Alfred hat das Buch zweimal gekauft und eines seiner Mutter geschenkt. Keine Ahnung ob die das noch liest? Daß es ihr, der passionierten Krimileserin gefällt, kann ich mir nicht vorstellen und frage mich auch, warum Eva Rossmanmm, wenn sie schon ein so  zeitakteulles Thema wählte, dann auskneift und um den Brei herumschreibt?

Ist es Angst vor den Patrioten oder einer Klage, die die ja sehr gerne androhen? Recherchiert ist es, die ich mich in diesem Gebiet ja auch ein wenig auskenne, sehr gut.

Also nicht Mira Valensky und ihre Putzfrau Vesna, die inzwischen ihre Freundin ist, recherchieren, sondern die dreiundachtzigjähre Lotte Klein, die früher Chefsekretärin war, Witwe eines berühmten Fernsehsprechers, Großmutter von David, der auch Reportagen schreiben will und die betreut, weil sehr katholisch, in ihrer Pfarre eine syrische Flüchtlingsfrau namens Sina und Julius Sessler, der Chef der Patriotisch Sozialen wird ans Kreuz genagel. So weit so gut und das wissen wir jetzt schon.

Was dann passiert, ist langweilig, das habe ich auch schon geschrieben. Denn es wird geredet und gedacht.Einander auch manchmal ein wenig beleidigt und in die Vergangenheit zurückgeschwenkt und dazwischen passieren durchaus krimiähnliche haarsträubende Dinge und vor allem tauchen auch immer wieder, auch ein sehr aktuelles Thema, Hasspostings auf, die von einem ES angeführt werden.

Rami, Sinas Mann verschwindet und die bittet Lotte um Hilfe. Die hat auch einen Verehrer, nämlich einen zweiundneuzigjährigen ehemaligen Widerstandskämpfer und Rechtsanwalt, namens Richard Pribil, der Lotte kennenlernt, als sie ihm in sein Fahrrad rennt. Alles vielleicht auch nicht sehr realistisch und nicht sehr spannend. David und Frau Klein, so wird sie auch immer wieder genannt, sollen herausfinden was passierte. Sina ruft auf seinen Computer ihren Vater in Damaskus an. Dann kommt die Polizei auf ihre Spur und verdächtigt den verschwundenen Rami ein Terrorist gewesen zu sein. Seine DNA und die einiger ander Flüchtlinge, die ebenfalls verschwunden sind, taucht bei dem Kreuz auf. Sina kommt in Untersuchungshaft und Lotte Klein macht sich bei einem Fernsehjubläum an den neuen Chef der Patrioten heran. Sie versucht auch bei der Polizei zu ermitteln, beziehungsweise tut das Richards alter Freund, der früher Polizeipräsident war und David geht als Prakikant nach Brüssel. Das will er zwar nicht wirklich oder doch. aber nicht in Anzug und Krawatte. So kauft ihm die Oma eine schwarze Jeans und eine Jennifer taucht auf, die beim Fensehen, die Besucher empfängt. Die ist achtzehn und ist von einem in Wien geborenen türkischen Medizinstudenten, der dann ebenfalls verschwindet, schwanger. Das entsetzt ihren Vater, denn der, ein arbeitsloser Baupoliert ist ja patrotisch. Dann ist er aber wieder ein Kommandant und bildet am Semmering arabische junge Männer aus. Das beobachtet Jennifer hinter einem Baum verborgen und ruft Lotte an, um ihr das mitzuteilen, die sich inzwischen in Brüssel befindet und da taucht dann plötzlich Rami in einem Sitzungssaal auf, der in jenem Ausbildungslager war. Es kommt fast zu einem terroristischen Anschlag und am Ende klärt sich alles auf oder auch nicht. Julius Sessler hat offenbar auf eine sehr spekuläre Art und Weise Selbstmord begangen, um seinem Krebstot zu entgehen und ich frage mich, was habe ich aus der Lektüre des Buches gelernt und was weiß ich jetzt mehr als vorher?

Daß die Frankfurter Buchmesse den Protesten gegen die rechten Stände eher hilflos gegenübergestanden ist, habe ich schon früher gewußt und daß „Mulitkulti“ angeblich gescheitert ist, höre ich, wenn ich mir die Videos der Identitären ansehe, glaube es aber noch immer nicht.

„Natonalismus, Terror, Hass, die Angst geht um in Europa – der Spannungsroman über Europa am Scheungsweg“, steht am schwarzen Buchrücken. Aber ich habe das Buch,  wie schon geschrieben, sehr langweilig gefunden. Obwohl die Fakten, soweit ich es beurteilen kann, stimmen und der Hintergrund gut recherchiert zu sein scheint.

„Natürlich sind die handelnden Personen rein fiktiv. Viele der Zitate sind allerdings der Wirklichkeit entnommen. Man kann sie auf Facebook, in Presseaussendungen und Medienberichte finden“, schreibt Eva Rossmann auf der letzten Seite vor der Danksagung.

Und ich freue mich von ihr im nächsten Jahr vielleicht ein spannenderes Buch über ein vielleicht nicht so brissantes Thema zu finden und bin jetzt gespannt, was die passionierten Mira Valensky Leser dazu sagen?

Und wie schon geschrieben, ich denke mir, daß man auch aus diesem Thema ein spannendes Buch schreiben hätte können und finde es sehr schade, daß sich Eva Rossmann das offensichtlich nicht zutraute.

Das auf das Kreuz nageln, was ich  auch ein wenig kitschig finde, hätte sie dabei ja weglassen können. Eine Demonstration auf einer Buchmesse mit einem verschwundnenen Linken, Flüchtling oder Messedirektor hätte vielleicht schon genügt.

2017-10-08

Wer hier schlief

Weiter geht es mit der österreichischen Literatur. Es gibt aber zwischen dem deutschen, da habe ich ja siebzehn Bücher geschafft und dem österreichischen Buchpreislesen eine kleine Pause, beziehungsweise gibt es jetzt zwei österreichische Neuerscheinungen, die es es nicht auf die Listent schafften.

Beim Ersten bleiben wir zumindestens, was den Verlag betrifft in Deutschland, denn Isabella Straubs zweiter Roman „Wer hier schlief“, ist bei „Blumenbar“ erschienen und ich kenne die 1968 geborene, seit sie den FM4 Preis gewonnen hat.

Dann kam ihr erster Roman „Das Fest des Windrads“ , das hat sie bei einem der Literaturhausfeste vorgestellt. Ich hätte es, glaube ich, auch bei „Thalia“ um zehn Euro kaufen können, habe es aber liegenlassen und fange mit dem Straub lesen also erst mit „Wer hier schlief“ an und das war ein Erlebnis, nämlich ein sehr frischer Ton, mit der diese Aussteigergeschichte wiederum sehr ironisch, aber nicht so abgehoben, sondern eher leicht zu lesen, geschrieben ist.

Da geht es um Philipp Kuhn und der spaziert in Wien herum. Das heißt, ich denke, es ist Wien, wird auch so erwähnt, aber viele Straßennamen sind, glaube ich, erfunden, während es das Museumsquartier und das Kindermuseum, etcetera gibt.

Und für Philipp Kuhn fängt es eigentlich sehr euphorisch an. Er hat seine Freundin Vera in deren Sicherheitstürenfirma, er gearbeitet hat und mit der er auch in einer Villa lebte, verlassen, um mit Miriam zusammenzuziehen. In deren Wohnung hat er schon seinen Laptop und seine Sparbücher deponiert, denn mit ihr will er eine Firma aufmachen. Jetzt trägt er nur den Adam, ich glaube ein Kopie des Bildes von Rudolf Hausner im Arm, um sich mit ihr zu treffen.

Wegen einer Demonstration verpasst er sie aber, kann sie am Handy nicht erreichen und als er bei ihr klingelt, öffnet eine fremde Frau. Er geht in das Hotel, wo sie als Rezeptionistin arbeitet, aber dort erscheint die Polizei, Miriam scheint irgendetwas veruntreut zu haben, während er noch auf sie wartet, kommt er ins Gespärch mit einem alten Mann, der ihm Locum anbietet und ihm erzählt, daß er sehr oft in das Hotel kommt, um Leute zu beobachten, etcetera.

Ach ja, das habe ich vergessen, Philipp ist nicht ganz gesund, er leidet an Reflux, muß Tabletten nehmen und Diät halten. Er hat aber kein Rezept mehr, so bekommt er einen Anfall und in ein Krankenhaus und vorher oder nachher besucht er seine Mutter um bei ihr zu übernachten, denn er hat ja jetzt keine Wohnung mehr.

Die ist aber eine seltsame Frau, die mit ihrer Nachbarin befreundet ist, hat in seinem ehemaligen Zimmer längst einen Untermieter einquartiert und will von ihm nichts wissen. Seine Schwester Andrea, die in Amerika lebt, ist auch nicht sehr hilfreich, obwohl sie regelmäßig anruft, so bleibt ihm nichts anderes über, als im Fitneßstudio, wo er eine Jahreskarte hat zu übernachten. Das geht aber nicht unbegrenzt, denn das ist ja verboten. Er lernt in der Ruhekammer aber Tamara kennen und die bringt ihn in einer seltsame Wohngemeinschaft oder Hausbesetzterszene unter, die sich in Altersheimen einquartiert, dort die leerstehenden Wohnungen renoviert und während dieser Zeit dort wohnt und für den Abend organisieren sie einen Dienst, die die öffentlichen Buffets abklappern und die Buffets abräumen.

Man sieht Isabella Straub räumt ganz schön mit dem Kapitalismus ab und das ist auch etwas, das ich selber früher manchmal machte und auch darüber geschrieben hat.

Ein ehemaliger Arbeitskollege taucht auf, verspricht daß Philipp ein paar Nächte bei ihm schlafen kann, als er aber dort läutet, macht ihm keiner auf. Er erzählt ihm aber, daß Miram offenbar auch Betriebsspionage betrieben hat und die Polizei ermittelt.

So bleibt Philipp nichts anderes über, als bei dieser Hausrenovierungssekte mitzumachen. Er besucht aber den alten Herrn, der auch sehr karank ist, in seiner Wohnung. Der führt ihn in ein Erinnerungskabinett und serviert ihm ein Gesundheitselexier, obwohl Philipph ja keinen Alkohol trinken darf. Später trifft er ihn  im Krankenhaus, wo er seine, inzwischen dort eingelieferte Mutter besuchen will, wieder.

Auch da kommt es zu grotesken Szenen, denn die Patienten werden ständig verlegt und Philipp, der während er auf seine Mutter wartet, die Geburtstation besucht, klaut dort einen Blumenstrauß, weil ihm ja inzwischen auch das Geld ausgegangen ist. Aber den bekommt dann der alte Herr Solak und nicht seine Mutter, weil die sich  inzwischen ohnehin mit ihrem Untermieter, beziehungweise den Chefarzt, für den sie sich von ihrer Nachbarin schminken läß,t vergnügt.

Der alte Mann stribt. Philipp zieht in seine Wohnung und am Ende geht er mit seinem „Adam“ zu einer Vernissage, wo auch die Hausners ausgestellt sind, sperrt sich dort am Klo ein und legt sich schließlich mit seinem Bild vor das Original.

„Es wurde ganz leicht, sein Körper löste sich vom Boden, wog nichts mehr, schwebte jetzt, das fühlte er ganz klar und es überrasche ihn nicht.

Als ein milchiger Himmel das Ende der Nacht ankündigte, schlief er ein“.

Ein eindrucksvolles Buch, das mir sehr gut gefallen hat. Schade daß es nicht auf eine der LLs gekommen ist. Es macht aber auch nichts wirklich, denn man kann es ja trotzdem lesen und soll das meiner Meinung nach, auch tun.

2017-09-07

Phantome

Daß der 1983 in Tirol geborene Robert Prosser, dessen literarische Karriere, ich, glaube ich, seit 2009 verfolge, als er damals gemeinsam mit Cornelia Travnicek und Clemens J. Setz, als Newcomer am Cover Der „Buchkultur“ war, verfolge, 2017 auf die deutsche LL kam,war für mich eine Überraschung und auch, daß er seinen Roman „Phantome“ bei „Ullstein“ und nicht mehr bei „Klever“ verlegte, wo „Strom“ „Feuerwerk“ und „Geister und Tatoos“ erschienen sind,  das Debut war übrigens 2009 und nicht 2013, wie auf dem Klappetext steht, dachte „Hui, ein Autor mit einer sehr eigenständigigen poetrryslamähnlichen Pross und dem entsprechenden Vortragsstil,prosa, auf dieser Liste und las dann erstaunt, daß sich die Blogger über den über den Bosnienkrieg spielenden Roman freuten und keine Rede, daß das ein eher experimenteller Autor ist.

Gut, „Geister und Tatoos“ handelt, glaube ich auch von Bosnien. Ich habe keines der drei frühen Bücher gelesen, war aber, bei jeden, glaube ich auf einer oder mehreren Lesungen, im Literaturhaus, der „Gesellschaft“, in der „Alten Schmiede“, sogar im Schauspielhaus, etcetera.

Dann habe ich bei einigen Bloggern noch gelesen, daß ihnen an dem Buch mißfallen würde, daß es mehr reportagenhaft als literarisch wäre, dachte „Aha!“, wunderte mich und fing zu lesen an, nachdem mir „Ullstein“ das Buch sehr bald und sogar zweimal schickte, nachdem ich auf eine Einladung zu einerPräsentation nach Hamburg, glaube ich, zu kommen, noch einmal ein Rezensionsexemplar anfragte.

Was soll ich sagen? „Ullstein“ toll, „Longlist“ ebenso und herzliche Gratulation, aber wo ist der eigenständige unverwechselbare Ton, für den er wahrscheinlich den „Priessnitz-Preis“ bekommen hat?

Ein bißchen ist davon noch, zumindestens am Anfang da, denn der erste 2015, spielende Teil beginnt in Wien und wird von einem Sprayer erzählt, der aufzählt, wie es ist, sich an Polizei und Security mit der Spraydose vorbei in den Untergrund zu schleichen und dann am Klo, in das er sich flüchtet, noch einen Mönch zu treffen, der sehr verständnisvoll ist.

Der Klappentext spricht zwar auch von einem Sprayer, erzählt dann aber von Anisa, die 1992 nach Wien flüchtete. Jahre später reist ihre Tochter Sara mit ihrem Sprayerfreund wieder nach Bosnien, um den Spuren ihrer Mutter nachzuforschen.

Das klingt interessant, haben die Blogger meist auch gesprieben oder geyoutubt. Ist es sicher auch, aber ein gänzlich anderer Robert Prosser, als ich ihn kenne und das finde ich ein bißchen schade, aber vielleicht muß ich mich an die geänderte Stilrichtung erst gewöhnen.

Die beiden reisen also nach Bosnien. Sara war mit ihrer Mutter schon 2004 da, die, nachdem sie nach Österreich flüchtete, ihren Vater nie wieder sah und auch ihren Freund Jovan, ein bosnischer Serbe, der in die Armee eingezogen wurde, verlor. Hier hat sie einen Richard geheiratet und nicht mehr viel über ihre Vergangenheit gesprochen. Sara will ihre Wurzeln aufspüren und 2015 wird auch zwanzig Jahre nach dem Geschehen, des Massenmordes von Srebenica gedacht.

Dann kommt der zweite in fünf Kapitel aufgeteilte Teil, der in das Jahr 1992 führt und abwechselnd von Jovan und Anisa erzählt. Sie ist hier schon in Wien in einem Flüchtlingslager, er bei der Armee, desertiert, wird aber eingefangen und muß sich dann am Ende sich wohl auch engtscheiden, ob er bei einem Massenmord abdrücken oder selbst das erste Opfer sein will?

Er entscheidet sich offenbar für seine  „Pflicht“ und das Leben, denn der dritte Teil, der auch 2015 spielt, führt überraschenderweise nach Krems-Stein, wo Jovan, der dort wegen eines Einbruchs bei einem Juwelier einsitzt, bald entlassen werden soll.

Wie schon beschrieben, ein sehr überraschendes und auch sehr sprunghaftes Buch, das sicher viel Information über den Balkankrieg und über die Schicksale derjenigen, die 1992 nach Österreich geflohen sind, dort in die Schule kamen und dann wahrscheinlich in Tirol neben Robert Prosser auf der Schulbank, etcetera, saßen, erzählt.

Es gibt auch ein Nachwort, wo der Autor von seiner Recherchearbeit für den Roman erzählt. E hat interviews geführt und berichtet von den Vorbilder die zu seinem Jovan, seiner Anisa, etcetera, führten.

Also fein, daß es neben den sehr abgehobenen brillant geschriebenen Mainstream-Werken, wie beispielsweise, das eines Jonas Lüschers, Ferdun Zaimoglus, den ich ja bekanntermaßen den Preis wünsche und Mirco Bonne, dessen Midlifecrisesgeschichte mir nicht sehr glaubhaft erschien, auf die Longlist kam. Denn es ist sicher interessant, sich über die Schicksale seiner Nachbarn, Hausmeister, Schulkollegen, Putzfrauen, die vielleicht ein ähnliches Schcksal hatten, Gedanken zu machen und in einer ähnlichen Dichte habe ich davon auch noch nicht gelesen, obwohl es ja schon andere Bücher über Jugendliche gibt, die den Balkankrieg erlebten, beziehungsweise von dort nach Deutschland oder anderswohin geflüchtet sind.

Das Cover, das sollte ich vielleicht noch erwähnen, ein dunkelroter glänzender Umschlag mit einem großen tränenden Auge, gefällt mir überhaupt nicht.

2017-08-01

Die Vergebung muss noch warten

Jetzt kommt eine Überraschung und Daniela Emmingers dritter Roman oder das dritte Buch das ich von ihr besitze und das zweite das ich gelesen habe. Die Überraschung bezieht sich auf die, die glauben, daß ein Lektor oder auch ein Leser, ein Buch nach den ersten fünzig Seiten wirklich beurteilen und dann mit guten Glauben weglegen oder ablehnen kann.

Das man das nicht kann, beziehungsweise sich oft, wenn man es trotzdem tut, irrt, war mir schon immer klar. Jetzt habe ich es wieder erlebt, denn die ersten hundert Seiten des Buches, das ich im vorigen Winter, glaube ich, im Schrank gefunden habe, nachdem ich es vorher beim Bücherflohmarkt des Hauptverbandes liegen ließ, habe ich eher langweilig und konstruiert gefunden und zu dem Klappentextsatz: „Emmingers Stimme ist die einer österreichischen Gegenwartsautorin, die mit lautem und leisem Überschwang, fantasievollen Umwegen, lustvollen Schnörkseln und Aufzehlungen unverkennbar ist“, „Aha!“ gedacht.

Jetzt denke ich, die Stimme ist eher leise, aber trotzdem sehr eindrucksvoll und bei den ersten hundert oder wahrscheinlich fünfzig Seiten, wird umständlich im eher experimentellen Stil, das Leben einer Dreißigjährigen erzählt, die originell und, das sind die Einfälle trotz der anfänglichen Langweiligkeit immer, Kilb heißt, weil ihre Eltern sie nach einem kleinen Örtchen benannten, das sie während ihrer Hochzeitsreise besuchten.

Kilb hat die „Quarterlifekrise“-, wieder ein Irrtum Emmingers bewußt oder unbewußt, mir sind da noch ein paar andere aufgefallen, denn die progressive Muskelentspannung ist ja eigentlich keine Meditationstechnik und, daß Down Syndrom Kinder nicht an ihrer Krankheit leiden, hat mir einmal Yu Sophie sehr bestimmt erklärt und die Betroffenen sehen das glaube ich auch so,- denn dann müßte man ja hundertzwanzig werden.

Aber egal, Kilb leidert also und ist auch sehr wütend und zieht sich deshalb in das Kloster in Lilienfeld zur Mediation zurück. Dann kommt sie wieder nach Wien, wo sie Filmredakteurirn ist und mit einer Freundin abwechselnd unter falschen Namen den Psychiater, Oswald Jung, ein überzeugter Freudianer, wie Emminger schreibt, aber des Wortspiels noch nicht genug, stellt er auch esoterische Medikamente aus Passionsblüten her und Kilb ist sehr esoterisch, geht zu einem Guro und läßt sich von ihm massieren und bis dahin habe ich „Na ja!,“ gedacht und mir in der Badewanne schwer getan, nicht einzuschlafen oder das Buch wegzulegen und dann wechselt der Stil und es taucht ein Hülm auf, auch ein kleiner niederösterreichischer Ort, mit seinem Hund Rum, das ist auch ein solcher und Hülm hat früher Friedrich Mehl geheißen und Rum ist eine Inkarnation oder behergt in sich Elefanten, verrückte Psychiater etcetera und das alles ist nicht so unglaublich, wie es vielleicht beim ersten Lesen erscheint. Es klärt sich auf und wird eine spannende phantastische Geschichte, eine Mischung aus Krimi und das Ganze noch eher literarisch experimentell erzählt.

Kilb und Hülm verlieben sich also ineinander, ich habe noch vergessen, sie hatte vorher einen Mittwoch-Freund, der nachdem sie ihm verläßt, in eine Depression verfällt.

Daniela Emminger, die Werbeberaterin und Kommunikationstrainerin war, bevor sie Schriftstellerin wurde und, glaube ich, nicht Psychologie studierte, hat sich offenbar in den ICD 10 eingelesen und spielt damit.

Sie spielt auch mit der Esoterik. So gibt es in Graz einen solchen Kongreß und eine Widersacherin nämlich Bianca Sturb gibt es auch. So fahren alle, außer das Paar, zu diesem Kongreß, um eine Lichtexpertin zu hören, das sind die, die sich nur von der Luft ernähren. Aber die tritt nicht auf, denn der Psychiater Jung, der sein Passionsblütenmedikament vorstellen will, hat sie vorher mit Schokolade gefüttert.

So tritt er auf, verteilt seine Pillen und dann steht in der Zeitung, daß die Kongreßteilnehmer verschwunden sind, erinnert fast ein bißchen an das „Pfingstwunder“.

Bianka hat den Psychiater mit dem sie vorher ein Verhältns hatte, im Drogenrausch erschossen und flüchtet sich in das Kloster Lilienfeld und Hülm und Kilb, die von ihrem Hund inzwischen verlassen wurden, beschließen ihre Hochzeitsreise nicht, wie geplant nach Indien, sondern  nach Lilienfeld und dann, wie Kilbs  Eltern durch Österreich zu machen.

Die neun Monate später geborene Tochter wird auch Kapellen heißeen und Kilb, als sie drei Jahre später wieder auf ihre Exerzitien nach Lilienfeld geht, wird verschwinden, sich in Luft auslösen, erschossen werden, etcetera…

Es ist ja eine Mischung zwischen Krimi und esoterischer Satire. Ein fantastischer Roman, sehr leise und experimentell geschrieben.

Er hat mir sehr gefallen und ich habe mit Daniela Emminger eine literarische Entdeckung gemacht, die ich bei ihrem öst Buchpreis Buch „Gemischgter Satz“, glaube ich, noch nicht so machte.

Jetzt bin ich auf das erste „Ritter-Buch“ gespannt und habe auch festgestellt, daß ich die Autorin noch nie auf einer Lesung, wie beispielsweise in der „Alten Schmiede“ gehört und gesehen habe.

2017-07-02

Milzschnitten und andere Spezialitäten

Jetzt kommt ein Erzählband meiner GAV-Kollegin C.H.Huber, in Innsbruck gboren, die ich beim vorigen „Kulturpolitischen Arbeitskreis“ kennenlernte und der in der „Tiroler Autorinnen und Autoren Kooperative“ herausgekommen ist.

Vierzehn Geschichten auf etwa hundertfünfzig Seiten.

„Jede Ähnlichkeit mit lebenden oder toten Personen ist rein zufällig“, steht Klagen vorbeugend, unterm Inhaltsverzeichnis, das mache ich auch manchmal und auf der Seite vorher steht „Für Hannah, später“, ist das jetzt eine Widmung oder ein Motto? Man weiß das nicht so genau.

Die erste Geschichten sind die „Milzschnitten“ und da geht es, um eine rüstige Pensionistin, die sich ebenfalls vorbeugend in eine Seniorenresidenz oder besseres Altersheim zurückgezogen hat und da am Stefanitag vor ihrer Nudelsuppe sitzt und an die Stefanitage denkt, wo sie ihrer Familie „Milzschnitten“ und anderes für die Suppe aufgekocht hat.

Die ganze Familie ist da zusammengekommen, auch Walter, der Ex und die Kinder und eine Tante wurde aus dem Altersheim geholt, damit die noch einmal ein  richtiges Weihnachten im Kreise ihrer Familie erleben kann. Und wie das Schicksal es so wollte, ist die dann da über Nacht gestorben und die Pensionistin geht in ihr Bett, legt sich  nieder und denkt: „Noch werde ich wieder aufwachsen. Sicher ist aber nicht einmal das.“

Das mit der zufälligen Ähnlichkeit der handelnden Personen, wird  schon bei der zweiten Geschichte „Gross.Atemlas“ im Titel hintertrieben, weil da ist einer, der Wissenschaftler, der im dritten Reich in einer psychiatrischen Klink seine Pflicht tat und jetzt durch „den jungen Chirurgen und anderen Widersachern“, an seinem gemütlichen Lebensabend gehindert wird.

Da tue ich mir ein wenig schwer, wenn die eigenen Regeln so offensichtlich gebrochen werden und auch die anderen Geschichen waren beim Lesen manchmal schwierig.

Handelt es sich da ja oft um Monologe, ohne direkten Handlungsaufbau  auch ohne Show und Tell, sondern da wird und ich gebe schon zu, ich tue das manchmal auch, unendlich monologiesiert und dabei auch noch, wie bei den „Perspektiven“ von der einen zu der anderen hurtig hin und hergesprungen.

Da monologisiert ein Mann über seine Frauen und ich dachte zuerst nach der Gross-Geschichte, aha, da geht es um den Jack Unterweger, aber der Mann hat Freundinnen, eine Ex-Frau, eine Mutter die im Altersheim dahinvegetiert, dann geht es wieder auf ein Begräbnis und so weiter und so fort.

Das Monologisieren wiederholt sich  auch in den nächsten Geschichten.

Im „Purgatorium“ kommt ein Gott offenbar wieder auf die Erde und hatProbleme mit den „Sexsklavinnen“ der heutigen Zeit, die leider nicht mehr so problemlos mitmachen, wie er das von seinem früheren Leben gewohnt war.

In einer der nächsten Geschichte geht es um eine Frau, die sich um den Mann in ihrer Küche ärgert.

Ein wenig verständlicher wurde es  für mich erst wieder bei „Frau Irma oder die Liebe zum Gesang“, denn da erzählt eine Frau über ihr verfehltes Leben, beziehungsweise ihre Angst, die sie vor den Schlägen der Eltern, im Kindergarten, in der Schule ausstand und, die sie nur durch das Singen kompensieren konnte.

Auch der Ehemann war mit ihr unzufrieden, weil sie keine Kinder hatte ,während sie „Von der Übelkeit, vom verzweifelten Herabspringen vom Tisch damals und den Kräuterbändern, den Stricknadeln…“ etcetera sinniert.

Im Klappentext steht etwas vom Spiegel, den die Autorin der Gesellschaft in ihren deutlichen  Worten der Gesellschaft vorhält, Helmut Schönauer hat auch in bewährter Manier eine Rezension über das Buch geschrieben und spricht von der „abgehangenden Melancholie“ iund „atemlosen Nennformgruppen“ und ich bemerke wieder einmal, daß mir das Lesen von Erzählbänden Schwierigkeiten macht, da die nötige Konzentration aufzubringen, mich im zehn Seiten Rhythmus von der einen auf eine andere Welt einzulassen.

H.C. Huber mit ihrer intensiven Sprache und ihrer Monologform, mit der in das Denken und das Fühlen der anderen hineingleitet, machte es mir dabei besonders schwer.

„In trautes Heim“, geht es dann weiter mit einer Ich-Erzählerin und zwar einer Frau, die für ihren Mann das Gulasch und die Polenta auftisch, dann mit ihm Sex hat, schlafen geht, am nächsten Morgen das Frühstück vorbereitet und während er in die Arbeit geht, ruft sie dann eine nur ihr vertraute Nummer an.

Bei der nächsten Geschichte „Totschlagen“ geht dann weiter in einem endlos Monolog über Gott und die Welt, die Poltiker und all die anderen Schwierigkeiten, die einem im Laufe des Lebens so behindern und ich dachte zuerst, das ist die Fortsetzung vom „Trauten Heim“, nur daß die Frau, die Lamentiererin, die auf ihren Mann wartet, jetzt Knödelsuppe, statt Gulasch mit Polenta kocht.

Im Laufe der etwa fünfzig Seiten der Erzählung kommt man darauf, die Frau ist eine Friseurin und der Mann, der nicht kommt, eigentlich nur ihr Freund, ein Schriftsteller.

Sie ißt während sie auf ihn wartet und räsumiert, die Suppe und das Steak selber und dann beginnt sie sich mit Schlaftabletten für den Suicid in ihr Bett zu legen, immer in der Hoffnung, daß er vielleicht doch noch kommt.

Bei „Liebe Butzerln“ macht sich eine „Fensterguckerin“ Sorgen um das noch nicht geborene Kind der Frau gegenüber und ärgert sich über die „Gfraster“, der Flüchtlinge, die ihnen ins Haus gesetzt wurden.

Dann beobachtet ein Bademeister eine „fette Blondine“ und durchlebt dabei seine Träume und bei „Späte Wanderung“ umrundet offenbar einer mit einer Demenzdiagnose einen See.

Viele Themen werden, wie man lesen kann, hier angeschnitten, Gedanken über die Sterbehilfe“ tauchen immer wieder auf und immer wieder geht es um das Monologisieren, was es mir, wie schon beschrieben ein wenig schwer mit der Aufmerksamkeit machte.

Sonst aber spannende Geschichten auf dem und für das Leben einer vielleicht noch nicht so bekannten Tiroler Autorin, von der ich übrigens noch einen Gedichtband auf meinen Badezimmerstapel liegen habe, aber wann ich da  zum Lesen komme, ist  noch nicht ganz klar.

2017-06-09

Chucks

Heuer ist, könnte man so sagen, ein Cornelia Travnicek-Lesejahr, habe ich doch von der 1987, ich glaube, im Krankenhaus St. Pölten geborenen und in Traismauer aufgewachsenen, schon sehr viel gelesen.

„Junge Hunde“ ihren zweiten bei DVA erschienen Roman, das Weihnachtsbuch von 2015, dann den kürzlich erschienenen Gedichtband „Parablüh“, eine Hommage auf Sylvia Plath und jetzt „Chucks“, das, glaube ich, 2011 erschienen ist.

Mein Buch, es ist die dritte Auflage, stammt aus 2013 und ich habe es, als ich mich auf einen Recherchetag befand, bei „Thalia“ auf der Mariahilferstraße, ich glaube, um einen Euro neunundneunzig, gefunden.

Es wird irgendwie als Jugendbuch gehandelt, hat doch Cornelia Travnicek, die inzwischen auch schon dreißig ist, ein Jugendstipendium dafür erhalten und mit einem Kapitel daraus, einen der der „Fm4-Preise“.

Beim Lesen bleibt wahrscheinlich immer der letzte Eindruck hängen. So würde ich fast sagen, es ist die beste Travnicek, die ich gelesen habe und ich habe mit dem Otto auch öfter darüber diskutiert, welche literarische Bedeutung sie hat.

Was auffällt sind die genauen Beschreibungen und immer wieder sehr schöne ungewöhnlich klingende Sätze.

Da bleibt ja schon das Anfangszitat „Ich unterdrücke ein Gähnen, weil sich das nicht gehört, dass man gähnt, wenn jemand stirbt.“, haften.

Ich habe mir aber eine Menge solcher schöner Sätze angestrichen und für mich sehr angenehm, daß das was da erzählt wird, erstaunlich realistisch ist, wenn auch nicht linear beschrieben wird.

Da hüpft Cornelia Travnicek sogar auffällig anstrengend herum, so daß das Lesen und Mitkommen und das Beantworten der Frage „Wann war das jetzt?“, gar nicht so einfach ist.

Und die junge Mae, sie ist, glaube ich, Mitte zwanzig, wie ihre Autorin beim Zeitpunkt des Schreibens, hat, wie das heute leider auch nicht mehrso ungewöhnlich ist, sehr viel erlebt.

Sehr viele Traumatisierungen kommen da zusammen. Auch wenn Cornelia Travnicek da dick aufträgt. Wahrscheinlich auftragen muß, weil das die Lektoren und die Leser so wollen, daß alles übertrieben ist und nur das Schlimmste, was man erlebt hat,uählt und wer hat davon mehr aufzuweisen?

Mae verliert also ihren Bruder an Krebs, als sie acht ist und er zwölf oder sie zwölf und er vierzehn und sie stellt sich die Krankheit Krebs, wie das ihre Eltern ihr erklärten, auch so vor, daß ein kleiner Krebs im Inneren des Körpers sitzt und frißt und frißt.

Er hinterläßt ein paar nagelneue teure Chucks, die sie fortan trägt und die Mutter entdeckt ein fremdes Unterhöschen im Koffer des ständig abwesenden Vaters und schmeißt ihn hinaus.

Mae bekommt dann Mitten in der Pubertät Probleme mit  der Mutter, will nicht mehr in die Schule gehen und schließt sich der Punkerin Tamara an.

Mit ihr zieht sie eine Zeitlang durch die Straßen, kommt aber davon los und zieht zu einem Jakob, einen als sehr fad und gewissenhaft beschriebenen Architekten. Trotzdem hat sie noch eine Jugendstrafe anzuarbeiten und tut das im Aidshilfe-Haus.

Dort lernt sie Paul kennen, verläßt Jakob, zieht zu ihm, schaut ihm dann irgendwann einmal zu, wie er stirbt und verkneift sich dabvei das Gähnen.

Vorher versöhnt sie sich noch mit ihrer Mutter und sammelt, was man ein wenig zu dick  aufgetragen und kitschig empfinden könnte, Pauls Sperma, seine Haare,  seine Atemluft und seine Zehennägel in Tupperdöschen, um die Erinnerung an ihn zu bewahren.

Trotzdem oder vielleicht deshalb zieht sie wieder zu dem ruhigen Jakob zurück und das Leben geht weiter.

Wär schön, wenn das immer so einfach wäre. Aber trotz der linearen Sprünge ist das Buch angenehm zu lesen oder natürlich nicht. Denn einmal, als es an das Sterben ging, hat es mich erwischt und die Augen wurden feucht, was mir nicht so oft passiert.

Trotzdem würde ich wieder sagen. Es ist sehr schön konstruiert und vielleicht deshalb nicht so ganz glaubhaft, aber was weiß man schon so genau?

Das hat einmal, Cornelia Travnicek zu mir gesagt, als ich sie zu der Besprechung zu den „Mittleren IV“, wo sie ja gelesen hat, einlud und sie nicht wußte, ob sie kommen könne.

Jetzt muß ich nur noch „spannung, spiel und schokolade“ lesen, was sie mir einmal zu meinem Geburtstagsfest mitbrachte und ich hätte die Travnicek durch.

Das heißt, stimmt gar nicht, das erste Buch, das jetzt vergriffen ist, habe ich nicht gelesen und auch nicht den in der „Edition Berger“ erschienenen Gedichtband.

Und verfilmt ist „Cucks“ übrigens inzwischen auch schon geworden.

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