Literaturgefluester

2017-06-09

Chucks

Heuer ist, könnte man so sagen, ein Cornelia Travnicek-Lesejahr, habe ich doch von der 1987, ich glaube, im Krankenhaus St. Pölten geborenen und in Traismauer aufgewachsenen, schon sehr viel gelesen.

„Junge Hunde“ ihren zweiten bei DVA erschienen Roman, das Weihnachtsbuch von 2015, dann den kürzlich erschienenen Gedichtband „Parablüh“, eine Hommage auf Sylvia Plath und jetzt „Chucks“, das, glaube ich, 2011 erschienen ist.

Mein Buch, es ist die dritte Auflage, stammt aus 2013 und ich habe es, als ich mich auf einen Recherchetag befand, bei „Thalia“ auf der Mariahilferstraße, ich glaube, um einen Euro neunundneunzig, gefunden.

Es wird irgendwie als Jugendbuch gehandelt, hat doch Cornelia Travnicek, die inzwischen auch schon dreißig ist, ein Jugendstipendium dafür erhalten und mit einem Kapitel daraus, einen der der „Fm4-Preise“.

Beim Lesen bleibt wahrscheinlich immer der letzte Eindruck hängen. So würde ich fast sagen, es ist die beste Travnicek, die ich gelesen habe und ich habe mit dem Otto auch öfter darüber diskutiert, welche literarische Bedeutung sie hat.

Was auffällt sind die genauen Beschreibungen und immer wieder sehr schöne ungewöhnlich klingende Sätze.

Da bleibt ja schon das Anfangszitat „Ich unterdrücke ein Gähnen, weil sich das nicht gehört, dass man gähnt, wenn jemand stirbt.“, haften.

Ich habe mir aber eine Menge solcher schöner Sätze angestrichen und für mich sehr angenehm, daß das was da erzählt wird, erstaunlich realistisch ist, wenn auch nicht linear beschrieben wird.

Da hüpft Cornelia Travnicek sogar auffällig anstrengend herum, so daß das Lesen und Mitkommen und das Beantworten der Frage „Wann war das jetzt?“, gar nicht so einfach ist.

Und die junge Mae, sie ist, glaube ich, Mitte zwanzig, wie ihre Autorin beim Zeitpunkt des Schreibens, hat, wie das heute leider auch nicht mehrso ungewöhnlich ist, sehr viel erlebt.

Sehr viele Traumatisierungen kommen da zusammen. Auch wenn Cornelia Travnicek da dick aufträgt. Wahrscheinlich auftragen muß, weil das die Lektoren und die Leser so wollen, daß alles übertrieben ist und nur das Schlimmste, was man erlebt hat,uählt und wer hat davon mehr aufzuweisen?

Mae verliert also ihren Bruder an Krebs, als sie acht ist und er zwölf oder sie zwölf und er vierzehn und sie stellt sich die Krankheit Krebs, wie das ihre Eltern ihr erklärten, auch so vor, daß ein kleiner Krebs im Inneren des Körpers sitzt und frißt und frißt.

Er hinterläßt ein paar nagelneue teure Chucks, die sie fortan trägt und die Mutter entdeckt ein fremdes Unterhöschen im Koffer des ständig abwesenden Vaters und schmeißt ihn hinaus.

Mae bekommt dann Mitten in der Pubertät Probleme mit  der Mutter, will nicht mehr in die Schule gehen und schließt sich der Punkerin Tamara an.

Mit ihr zieht sie eine Zeitlang durch die Straßen, kommt aber davon los und zieht zu einem Jakob, einen als sehr fad und gewissenhaft beschriebenen Architekten. Trotzdem hat sie noch eine Jugendstrafe anzuarbeiten und tut das im Aidshilfe-Haus.

Dort lernt sie Paul kennen, verläßt Jakob, zieht zu ihm, schaut ihm dann irgendwann einmal zu, wie er stirbt und verkneift sich dabvei das Gähnen.

Vorher versöhnt sie sich noch mit ihrer Mutter und sammelt, was man ein wenig zu dick  aufgetragen und kitschig empfinden könnte, Pauls Sperma, seine Haare,  seine Atemluft und seine Zehennägel in Tupperdöschen, um die Erinnerung an ihn zu bewahren.

Trotzdem oder vielleicht deshalb zieht sie wieder zu dem ruhigen Jakob zurück und das Leben geht weiter.

Wär schön, wenn das immer so einfach wäre. Aber trotz der linearen Sprünge ist das Buch angenehm zu lesen oder natürlich nicht. Denn einmal, als es an das Sterben ging, hat es mich erwischt und die Augen wurden feucht, was mir nicht so oft passiert.

Trotzdem würde ich wieder sagen. Es ist sehr schön konstruiert und vielleicht deshalb nicht so ganz glaubhaft, aber was weiß man schon so genau?

Das hat einmal, Cornelia Travnicek zu mir gesagt, als ich sie zu der Besprechung zu den „Mittleren IV“, wo sie ja gelesen hat, einlud und sie nicht wußte, ob sie kommen könne.

Jetzt muß ich nur noch „spannung, spiel und schokolade“ lesen, was sie mir einmal zu meinem Geburtstagsfest mitbrachte und ich hätte die Travnicek durch.

Das heißt, stimmt gar nicht, das erste Buch, das jetzt vergriffen ist, habe ich nicht gelesen und auch nicht den in der „Edition Berger“ erschienenen Gedichtband.

Und verfilmt ist „Cucks“ übrigens inzwischen auch schon geworden.

2017-06-02

Wald

In der „Falter-Redaktion“, der „Stadtzeitung für Wien“ scheinen lauter Bobos zu sitzen, beziehungsweise gibt es dort einige Redakteure, deren Bücher darüber höchstwahrscheinlich zu Bestsellern wurden.

Anna Maria Dusl ist eine davon, sowie Doris Knecht und der Alfred, der ein Faible dafür zu haben scheint, schenkt mir ihre Bücher auch bevorzugt zu Weihnachten oder zum Geburtstag.

Doris Knecht „Wald“, 2015 erschienen und wie ich glaube auch der Wunsch einiger Blogger für die Buchpreis-LL, habe ich aber im Schrank gefunden und es hat mir auch besser als „Besser“ gefallen und besser, als die Bobo-Visionen der Anna Maria Dusl.

Aber interessant sich vorzustellen in welchen Weltbild die „Falter-Redakteure“ leben und für selches Zielpublikum sie schreiben.

Marianne Malin, die sich längst trendiger Marian nennt, das ist zwar glaube ich ein slowakischer Männername, aber immerhin, gehörte wahrscheinlich zu den „Falter-Abonennten“. Früher, vor 2008, als es ihr noch gut ging und die Wirtschaftskrise, beziehungsweise die Leman-Brothers nicht einen Strich pber die aufsteigende Karriere der Jungdesignerin machte.

Und die hat, erfolgsgewohnt nicht so schnell geschnallt, daß es jetzt vorbei sein könnte mit dem wirtschaftlichen Aufschwung und sich die Leute, die anderen Bobos, fortan ihre Kleider wieder von der Stange, als in ihrem schicken Atelier kaufen würden. So hat sie investiert, noch einmal einen Kredit aufgenommen, ein neues Studio eröffnet, ein paar Stores und alles verloren. So sitzt sie zu Beginn des Buches im Wald, das heißt im ererbten Häuschen ihrer Tante, das nicht mehr ihr sondern ihrer Tochter Kim gehört, so daß man es ihr auch nicht wegnehmen und auch nichts mehr pfänden kann.

Marian hat sich, als sie schon ganz unten war dorthin zurückgezogen, hat sich wie Doris Knecht das so trendig schreibt „aus dem System ausgeklinkt“, beziehungsweise von dort geflohen und überlebt den ersten Winter in der Kälte. Klaut sich von den bauern der Umgebung, die Kartoffeln, das Gemüse, die Hendln. Läßt sich von der Schwester, die Stromrechnung zahlen und Handy-Wertkarten schenken und versucht mühsam zu überleben.

Das geht nicht ohne einige Verletzungen oder Drohungen ab, so droht ihr der Bauer, dem die Kartoffeln oder auch die Hendln gehörten, mit dem Abfackeln ihres Hauses, denn das geht, da soll sie aufpassen, sehr schnell!

Und dann trifft sie den Franz. Das ist ein schon älterer Grundbesitzer der Umgebung. Einer von denen, der sicher nie die „Seitenblicke“ sah, in denen Marians schicke Mode präsentiert wurde. Er erwischt sie beim Wildern. Der Onkel hat ihr auch ein Gewehr hinterlassen und schießen hat sie früher einmal in ihrer Bobo-Zeit gelernt. Man sieht die Ähnlichkeiten zur Streeruwitz, obwohl die  1966 in Vorarlberg geborene, das Buch hätte ich mir also auch auf den Bodensee mitnehmen können, ganz anders schreibt.

Franz knallt ihr eine hinunter, zeigt ihr aber dann, wie man das Reh ausnimmt und schickt ihr später die einzelnen Portionen schön verpackt nach Hause. Dafür kommt er sie am Nachmittag besuchen, legt ihr die Hand aufs Knie und zieht ihr den  Pullover aus. Auch das kann man bei der Streeruwitz finden und auch hier über die Unterdrückung der Frau nachdenken.

Bei Knecht tut das Marian selbst, den die resumiert an dem Tag in dem das Buch spielt, über ihr bisheriges Leben nach und auch darüber, was Prostitution ist?

Wo hat sie sich mehr prostiuiert, wenn sie mit Franz dafür, daß er ihr Holz liefern läßt, eine Angel schnenkt und auch das Fischrecht über seinen Besitz gibt, ins Bett steigtoder als sie einer Opernball-Pomeranze, als es ihr schon sehr schlecht ging, ein Kleid nach ihren Wünschen nähte und dafür ihre Grundsätze über Bord warf?

Sie hat aber nicht nur Feinde in dem Dorf. Es gibt auch eine alte Nachbarin, auf deren behinderten Sohn sie manchmal aufpasst, die ihr eine alte Nähmaschine schenkt und ihr auch sagt, daß sie beim  Hendl-stehlen aufpassen soll, denn die Bauerin, der es entlaufen ist, hat sie dabei gesehen und hat an der Kasse des Genossenschaftmarktes gesagt, daß sie sie anzeigen wird und irgendjemand hat „HUR“ auf Marians Tür geschrieben, als sie in der Früh fischen war.

Marian überdenkt das alles. Das schöne, schicke Bobo-Leben, wo man das Geld nur so hinaufswar.  Sojamilch statt der normalen kaufte, weil man ja leider allergisch ist. Jetzt, wo sie von der Hand in den Mund lebt, ist sie das seltsamerweise nicht mehr, also nur eine Modekrankheit der schönen reichen Bobos?

Und sie stellt sich auf vor, auf wieviel schönes gutes Essen sie wegen Diäten, die ihr auch die Schickeria und die Modezeitschriften verordnenten, damals verzichtete.

Sie reift, es ist also wieder ein Entwicklungsroman, der zeigt, wo das schöne wahre Leben ist, in der Natur. Und ein bißchen hat Doris Knecht vielleicht auch übertrieben, wenn sie vom Mäusefangen schreibt und Marian zusehr zu den Wurzeln zurückkehren läßt, denn nach einem normalen Abstieg geht man wahrscheinlich zum AMS und in einen Sozialmarkt einkaufen.

Es kommt aber und das finde ich gut, zu einem Happy-End. Sie spricht sich mit Franz aus, darf sich von ihm, der sie jetzt endlich so und nicht mehr altmodisch Marianne nennt, etwas zum Geburtstag wünschen. Sie wünscht sie ein Hendl oder zwei, so daß sie nicht mehr stehlen muß und in dem alten Gasthaus, das Franz Sohn wiederöffnen will, soll sie auch mithelfen und dem Sohn unter die Arme greifen.

So trinkt sie zuversichtlich von Franz guten Wein, wischt dann das „HUR“, Franz wird dafür sorgen, daß das nie mehr passiert, von der Türe weg und geht ins Haus im endlich ihre Tochter anzurufen, was sie solange vermieden hat.

Ein wirklich spannendes Bhuch, das ich sehr interessiert gelesen habe und dabei, glaube ich, meine Knecht-Vorurteile, daß das ja keine Literatur ist, reviderte.

Vorbilder gibt es natürlich auch. Da wäre vor allem die „Wand“ und die hat Doris Knecht sicherlich gelesen. Bei Sophie Kinsella, die ja etwas Ahnliches auf ChickLit Art beschrieben hat, wäre ich mir da nicht ganz sicher und ein Debut, das sich mit dem Überleben beschäftigt, hat es im Herbst ja auch gegeben.

2017-05-27

Yseut

Jetzt kommt das dritte Geburtstagsbuch von meiner Leseliste, nämlich Marene Streeruwitz „Yseut“, die, wie man dem Buchrücken entnehmen kann, ihre Autobiografie in Form eines Abenteuerromans in siebenunddreißig Kapiteln erzählt.

Ja, die 1950 Geborene liebt es mit den Genren zu spielen und sich auch einmal in die Trivialliteratur zu begeben und sie verblüffte mich auch, daß sie, als ich das Buch ja für Stephan Teichgräbers „Centrope-Workshop“ analysieren wollte, schon auf Seite elf mit dem „Präfix“ kommt.

Sie ist aber eine, die wenige Metaphern verwendet, ihre oft sehr kurzen Sätze immer wieder abhackt und unvollendet läßt und dann gibt es auch immer wieder die so typischen Strreruwitz -Phasen:“Yseut hat dann…“. zum Beispiel oder „Yseut mußte lachen.“

Ich habe dank der offenen Bücherschränke beziehungsweise den Geburtstagsgeschenken schon sehr viel von Marlene Streeruwitz gelesen, war auch bei einigen ihrer Veranstaltungen und da fällt sie durch ihre starke Gesellschaftskritik auf.

Sie fährt gegen die Gewalt der Männer  und der Gesellschaft ins Feld, macht sich über alles lustig und hat eine sehr starke Sprache mit sicher einigen Übertreibungen dabei.

Ich habe nicht so ganz problemlos zu Marlene Streeruwitz gefunden, habe einiges von ihr, beispielsweise „Die Schmerzmacherin“ glaube ich, auch recht schwierig zu lesen gefunden.

Bei „Yseut“ war das nicht so, da habe ich diesen „Abenteuerroman trozt seiner wahrscheinlich gewollt und konstruierten trivialen Handlung und der eher einfachen Sprache, die auch von den „Amazon-Rezensenten“ prompt bemerkt und bekritelt wird, sehr spannend gefunden und das Buch auch gern gelesen.

„Verschlungen!“, würden die Blogger wahrscheinlich sagen und was mir dabei auffiel, ist die Passivität womit sie ihre Protagonistin beschreibt. Ist doch die Yseut eine, die alles mit sich machen läßt, mit den Männern wahllos ins Bett geht, mit ihnen von einem Abenteuer zum anderen taumelt, was mich bei einer so kritischen Person, wie es Marlene Streruwitz sicher ist, ein wenig wunderte.

Aber wahrscheinlich war das so in den fünziger und sechziger Jahren, in denen sowohl Yseut, als auch Marlene Streeruwitz aufgewachsen ist. Interessant ist auch, daß Yseut in dem Buch als „alte Frau“ beschrieben wird, aber so verhält sich sich gar nicht. Sie verhält sich eher, wie eine junge, die sich durch das Leben und durch die Betten treiben läßt.

Yseut ist also im Nachkriegs-Wien aufgewachsen. Die Mutter war berufstätig, der Vater Frühpensionist und mußte von ihr mitversorgt werden. Es gibt zwei Großmütter. Großmutter Münster und Großmutter oder Oma Köbrunner werden sie genannt, was auch typisch Streeruwitz ist.

Das Buch wird in in zwei Handlungssträngen erzählt. Es gibt Kapitel mit Überschriten, wie „Wie es kam, dass Yseut nach Kalifornien ging und Feministin wurde“, beispielsweise, in dem Yseuts bisheriges Leben erzählt wird.

Yseut ist die alt oder mitteldeutsche Form von Isolde und Yseut wird  abwechselnd Isabella, Yseut falsch oder richtig ausgesprochen, Isi oder Isilein genannt. Ein Buch aus dem Bücherschrank des Vaters kommt vor, daß Yseut, als Kind lesen durfte und ihre Verehrung für Lord Byron.

Yseut besucht zu erst das „Sacre Cour“, dann die öffentliche Volksschule, als sich die Mutter, die Privatschule nicht mehr leisten kann, studiert Linguistik, heiratet früh und geht mit ihrem Mann Ed nach Amerika. Dort wird sie Bigamistin, bekommt von einem anderen Mann ihren Sohn Gogo, kehrt nach Wien zurück, geht dann als Schauspielerin nach Frankfurt, erlebt die wilden und die weniger wilden Zeiten, bis zu dem Überwachungsstaat in dem das Buch, es dürfte sich, um eine nahe Zukunft handeln, denn das Geld ist schon abgeschafft, spielt und da in dem zweiten Handlungsstrang reist Yseut auf den Spuren Byrons nach Italien, mietet sich dort in eine alte Villa ein, wo das Zimmermädchen knickst und Rüschen trägt. Eine Contessa, die Besitzerin im Salon sitzt und als Yseut nach einem Restaurant fragt, ihr gleich die Gesellschaft eines alten Mayors, der offenbar eine Kehlkopfoperation hinter sich hat, vermittelt.

Hinter Yseuts Brokatbett halten sich grüne Wanzen auf, vor denen Yseut sich ekelt. Sie wickelt sie in Handtücher und hält sie, während sie mit dem Mayor in das Restaurant fährt mit ausgespreitzten Fingern aus dem Autofenster.

„Grüne Wanzen gibt es nicht!“, hat Stephan Teichgräber bei der Analyse zu mir gesagt. Richtig wahrscheinlich und es gibt noch vieles anderes nicht, was in dem Buch vorkommt. Denn Yseut gerät gleich in einen ganzen Trubel von Trivialitäten. Die Mafia, die Geheimpolizei und jugendliche Gewalttäter tauchen auf und Yseutt, das habe ich jetzt vergessen, die eine Pistole mit sich trägt, wird gleich am nächsten Tag von der Polizei verhört, weil sie einen falschen Namen angegeben hat, sie nannte sich „Isabella“, aber das ist ja die französische oder was auch immer Form von Isolde und hatte die Waffe trotz Waffenschein nach Italien geschmuggelt, aber die hat ihr der Mayor ohnehin schon  abgenommen.

Ein geheimnisvolles Altersheim kommt vor, wo die Insassen in Sechzigerjahrekleider fröhliche Feste feiern und vor der Villa gibt es ein Barockkonzert, während Yseut von einer Flüchtlingsfrau nach Lebensmittel gefragt wird, die sie dann gemeinsam mit der Contessa in eine Fattoria schmuggelt, wo sich einige Flüchtlingskinder versteckt haben.

Sehr aktuell also Marlene Streeurwitz Autobiografie und sehr amüsant zu lesen, denn man merkt den Spaß, den die Autorin hat, wahrscheinlich alle an der Nase herumzuführen und die Literaturkritiker zu verwirren.

Denn Marlene Streeruwitz darf wahrscheinlich allles schreiben, auch Austrozismen und wird bei „Fischer“ verlegt, die Leser haben aber vermutlich ihre Schwierigkeiten, denn ein wirklicher Trivialroman ist es ja nicht, sondern eine Gesellschaftskritik, eine Art Autobiografie oder was auch immer und so ganz trival scheint auch die Sprache nicht zu sein, kommen ja immer wieder Anspielungen und Verknüpfungen vor, bei denen man scharf mitdenken muß, um zu verstehen und sich auch nicht in die Irre führen zu lassen.

2017-05-12

Verwüstung der Zellen

Jetzt kommt noch ein Buch das im Vorjahr auf Longlist zum „Debutpreis“ stand, eines das Marc Richter sehr gefallen hat und das er sich für die Shortlist wünschte. Er hat es dann zu Weihnachten verlost, ich habe es bekommen und so habe ich Markus Mittmansgruber, ein Buch aus dem österreichischen „Luftschacht-Verlag“ „Verwüstung derZellen“ gelesen, obwohl ich länger gezögert habe, schien es mir doch sehr experimentell zu sein und das habe ich ja nicht so gerne.

Der mir bisher unbekannte Markus Mittmansgruber wurde 1981 inLinz geboren, studierte Philosophie an der Uni Wien, hat verschiedene Veröffentlichungen in „Kolik“, „Rampe“, „Podium“ und hat mit der „Verwüstung der Zellen“ 2016 seinen Debutroman herausgebracht.

In der Beschreibung steht etwas vom „Verfall einer Familie“ und zwei Erzählsträngen und dann fängt es gleich ein wenig schwierig in der Kleinschrift an und ich dachte schon „Uje!“, bis es dann im zweiten Handlungsstrang etwas konkreter wurde.

Da wird nämlich von einem Sohn erzählt, dessen Vater eine degenerative Krankheit hat und sich damit sozusagen von seiner Familie verabschiedet. Er will nicht besucht, vielleicht auch nicht beim Sterben beobachtet werden. Die Mutter nimmt das hin, der Sohn ein abgeborochener Philosophiestudent, der jetzt in einer Consultingfirma arbeitet, nicht.

Der Vater kommt dann in ein Pflegeheim, der Sohn besucht ihn dort, die Mutter, die er auch besucht, hat im Kühlschrank lauter abgelaufenes Essen, geht viel spazieren und, als ein Arzt anruft und von einem Aggressionsschub des Vaters erzählt, geht die Mutter mit ihm in das Heim.

Der Sohn, der unter „Tinnitus“ und „Angstzuständen“ leidet und auch die entsprechenden Medikamente nimmt, besucht dann auch eine etwas seltsame Körpergruppe, die von einem Paar geleitet wird.

Da muß man aus sich herausgehen, „das Kamel in sich hinter sich lassen und zum Löwen werden“ und ganz eigene kreative Übungen abliefern.

Johanna, mit der der Sohn sich befreudet und die an einen schwachen Magen leidet und glaubt von einem Wurm befallen zu sein, macht das sehr eskatisch und wird vom Christian, dem Leiter, der mit einer „Burgerkingkrone“ auf einem Lehnsessel sitzt, auch gelobt, während der Sohn, in Erinnerung an seinem Vater immer etwas von einem „Türspalt“ erzählt, was dem Leiter nicht gefällt und die Leiterin zum Gähnen bringt.

Das Ganze wird manchmal sehr spannend und auch in einer sehr schönen  Sprache erzählt, dann wird es wieder sehr theoretisch und unverständlich und die Ebenen und die Handlungsfäden wechseln sich auch sehr rasant ab, so daß ich das Lesen etwas mühsam fand und eigentlich eine realistischere Erzählweise über das Älterwerden und den Tod, wie Beispielsweise dem Roman von Susann Pasztor, den ich vor kurzem gelesen habe, vorziehen würde.

Denn irgendwie wirkt das Ganze distanziert und die Suche des Sohnes, der von psychischen Leiden gequält wird, nach  Familiengeheimnissen,sehr philosophisch abstrakt.

Nun der Autor hat Philosophie studiert und arbeit auch in einen wissenschaftlichen Verlag. Ob viele Leute das Buch lesen werden erscheint mir aber etwas fraglich und ich bin auch nicht sicher, was der sogenannte „Mehrwert“ ist, den man ja bei „guter Literatur“ haben und sich mitnehmen soll.

So hätte die realistische Autorin in mir, es wahrscheinlich auch nicht auf die Shortlist gesetzt, bin aber gespannt, was ich noch von den dem Autor hören und lesen werde und werde jetzt auch nachgoolen, ob er  GAV-Mitglied ist und ich ihn vielleicht auch schon bei einer der „Neuaufnahme-Lesungen“ gehört habe.

2017-04-17

Der Liebesdilettant

Noch ein Buch aus dem „Wortreich-Verlag“ und eine Entdeckung eines wahrscheinlich nicht so bekannten oberösterreichischen Autors.

Dabei habe ich den1961 in Bad Ischl geborenen Andreas Tiefenbacher, der deutsche Philologie studierte, in Wien und in  Bad Goisern lebt und seit 1995 bei der GAV ist, schon bei mindestens einer Lesung gehört.

Thomas Bernhard läßt grüßen, könnte man bei der zart melancholischen Geschichte über den jungen Wenzel Wurm, zitieren, die Bücherliebe, ein Thema, das mir ja auch sehr vertraut ist, wenn ich es auch wahrscheinlich ganz anders verarbeite, taucht auf, die anbeblich so Wienerische Todessehnsucht und noch vieles anderes.

Wenzel Wurm, man beachte den wahrscheinlich nicht zufällig gewählten Namen, ist achtundzwanzig und lebt als Zivildiener im Salzkammergut. Er hat ein Germanistik und Kunstgeschichtsstudium hinter sich, lebt bei einer Freundin namens Marion, die ganz anders ist als er, nämlich schnell und sportlich, während er als Rettungsfahrer durch die Gegend fährt und am Leben scheitert, sich in dieses nicht hinein traut, ihm nicht gewachsen ist, etcetera.

Ein sehr bekanntes und beliebtes Klischee könnte man meinen, vielleicht ist es auch nur eine ganz normale Entwicklungsstufe, die die jungen Menschen in das Leben machen. Zuerst kommt die Schule und das Studium, dann der Zivildienst oder das Heer bei den Männern. Eine Freundin braucht man auch und wenn man da nicht entsprechend hart genug, sondern sensibel ängstlich oder schüchtern ist, kommt es leicht zum sogenannten Scheitern.

In der Literatur muß man das Normale, das, was wahrscheinlich in der einen oder anderen Form alle durchmachen, natürlich entsprechend überhöhen und verstärken.

So zitiert der Germanist Tiefenbacher Arthur Schnitzer und meint, er hätte Wenzel Wurm, einen Liebesdilettanten genannt.

Aber zuerst wird einmal ein wahrscheinlich ganz normaler Arbeitsalltag des Zivildieners geschildert, der alte Leute zur Dialyse fahren muß oder auch mal zu einem Unfall gerufen wird. Als Zivildiener bei der Rettung sieht man wahrscheinlich viel, was man mit Neunzehn oder auch schon mit Achtundzwanzig vielleicht nicht so leicht verkraften kann. So kauft sich Wenzel nach dem Arbeitstag eine Kiste Bier, verzieht sich damit auf dem Balkon. Die Freundin ist natürlich nicht zu Hause, geht danach in die Badewanne und schneidet sich die Pulsadern auf. Als Zivildiener bei der Rettung weiß man natürlich, wie das richtig geht, dennoch ist Wenzel so betrunken, daß der nicht tief genug trifft, so findet ihn die Freundin. Er wird gerettet, wird, nachdem er verspricht sich psychotherapeutisch behandeln zu lassen, auf dem Spital entlassen und kann weiter bei der Rettung arbeiten.

Der Zivildienst ist auch bald aus und so beschließt Wenzel, um seine Beziehung zu retten, Marion auf eine Reise nach Griechenland einzladen. Die Rettung bleibt aber aus, denn Marion läßt ihn allein am Strand mit seinen Büchern liegen, trifft sich vielleicht mit anderen Männern. So kneift er aus, fährt zurück, sucht in Wien seinen Freund Konstantin auf und fragt ihm ob er vorläufig bei ihm wohnen kann?

Das geht, denn Stani kann nicht nein sagen. Wenzel braucht aber trotzdem einen Job und eine Wohnung, fängt, obwohl ja Germanist zuerst bei „Thalia“ am Westbahnhof, als Verkaufsberater an. Verdient dort aber nicht genugt, so wechselt er ins Musikhaus Döblinger und im Lentos in Linz bewirbt er sich auch.

Dabei trifft er im Zug auf eine Schöne, die er sich nicht recht anzusprechen traut. So gibt er wochenland Announcen auf, um sie zu finden. Trifft sie dann auch in einem Konzert wieder und als sie zu Ostern in die Musikalienhandlung kommt, um nach einem Lied zu fragen „Bist du bei mir geh ich mit Freuden zum Sterben und zu meiner Ruh“, eine Arie von Bach, kneift er wieder aus, verläßt den Landen und rennt davon. So weit, so what.

Er wird entlassen, fängt an Rezensionen zu schreiben, eine Wohnung hat er inzwischen auch gefunden und geht in Internetforen, wo er verschiedene Frauen trifft, deren Liebschaften und das Scheitern mehr oder weniger genau beschrieben werden.

Rückblenden in die Kindheit, zu der schlagenden Mutter und den Großmüttern gibt es auch und dann tauchen kurz eine Nadja, eine Lea, die sich aber Cosima nennt auf, bis es ein Kapitel über eine Franka oder Franiska gibt, die eine Liebe zu einem Italiener hat, nach dem sie ihren Zwerghasen nennt.

Zu der beginnt er eine Beziehung, die ziemlich kompliziert verläuft. Sie tötet seinetwegen auch ihren Hasen, den sie dann weinend am Donauhafen versorgt, magert ab, und macht noch allerlei, was meiner Meinung nach viel zu flüchtig erzählt wird, bis sich dann Wenzel in der Berndhardschen Manier aus dem Fenster  und auf einen Lastwagen mit Textilplane stürzt.

Das hat sein Schutzengel für ihn arrangiert, daß ihm nicht viel passiert. Das Leben geht wahrscheinlich weiter, das Buch ist aus und ich habe dank „Wortreich“ eine sehr interessante Entdeckung eines nicht so bekannten österreichischen Autors gemacht, denn mir hat die Schilderung eines eher schüchternen jungen Mannes und sein Weg in das Leben sehr gefallen, obwohl ich wahrscheinlich zwei Bücher daraus gemacht hätte.

Das erste hätte den Tag als Zivildiener,  seine Arbeits- und Liebessuche in Wien, das alles eher episodenfhaft beschrieben, umfasst. Das zweite Buch wäre eine genauer ausgeführte Beziehung zu Franka geworden. Ein bißchen hätte ich das Buch von den Klischees und literarischen Anspielungen befreit, obwohl die wie Wenzel in das Gasthaus Blauensteiner strümt und dort Fotos von Hermann Schürrer und Heimito von Doderer sieht und dazu Anekdoten erzählt, sehr interessant ist und das zuviel an den Geschehen und  Zufällen weggenommen.

Aber sonst hat mir das Buch des oberösterreichischen Autors gefallen und kann es jeden, der sich für die österreichische Literatur abseits von Bernhard und Schnitzer interessiert, empfehlen.

Erich Hackl hat dazu noch: „Tiefenbacher ist ein unerbittlicher Chronist der Ungleichzeitigkeit, der Tatsachen also, dass der Alltag der Menschen nicht mit ihren Wünschen und Trieben Schritt hält“, auf den Buchrücken geschrieben.

2017-03-25

Gedichte zwischen Uhr und Bett

Nun kommt eingeklemmt zwischen den Neuerscheinungen von „K&S“ und „Kiwi“ ein wenig Lyik aus dem „Keiper-Verlag“, den ich ja einmal auf der „Buch-Wien“ durch Andrea Stift kennenlernte und dessen Gedichtbände von Petra Ganglbauer und Ingeborg Görler ich inzwischen gelesen habe und nun in dem 1984 geborenen in Graz als Buchhändler arbeitenden Mario Hladicz eine Überraschung erlebte, denn allein schon der Titel „Gedichte zwischen Uhr und Bett“ machen neugierig.

Da denkt man wahrscheinlich gleich an den vier Jahre älteren Grazer mit seinem skurrilen Monsterroman, den ich gerne den dBP 2015 gegeben hätte und freut sich vielleicht auch noch, daß das Lesen der Gedichte wahrscheinlich viel schneller geht, als dessen tausend Seiten  und ich frohlocke auch, denn das habe ich ja gerne und suche ich schon lange, einen oder eine, die die Alltäglichkeit des Lebens in  Poesie verfaßt, weil ich ja manchmal bekanntermaßen Schwierigkeiten mit der allzugroßen Abgehobenheit und den Sprachräuschen làrt pour L`Art habe und nur „Hui“ denke, wenn mir da Seitenlang in den allerschönsten Worten die Eigenschaften eines Steins erklärt wird. Denn, was habe ich davon?

Hier habe ich sehr viel und kann den Absurditäten und den Mühlseligkeiten des Lebens nachlauschen und auch verblüfft feststellen wie einach, das dem jungen Autor, der natürlich mit Prosastücken den Weg in die Literatur, wie Helwig Brunner, der Herausgeben der Reihe in seinem Nachwort erklärt, gefunden hat, gelungen ist.

„2014 hat er damit den „Literaturförderungspreis der Stadt Graz“ bekommen und ich denke, wieder, daß man mehr Prosa für die Lyrik braucht und mehr Poesie, um den Alltag zu erklären und wahrscheinlich auch, um ihn auszuhalten und das versteht Marion Hladizc vortrefflich, also wieder ein kurzer Streifzug durch das Buch und ich füge gleich hinzu, daß man die Gedichte lesen soll, denn vieles hat man so noch nicht gehört und man kann auch über den Alltag Gedichte schreiben und ich glaube, daß das sehr wichtig ist und so geht es auch gleich zu der „Wäsche, die im Hof flattert und zu den Nachmittagen, die zäh sind, als sei man in Kaugummi getreten.“

„Aus einem Tagebuch“ nennt Mario Hladicz dieses Gedicht und geht weiter zu dem „Gepäck“, das man vielleicht braucht, um den letzten Weg anzutreten, „Die kaputte Uhr und den Rum für den Mut, das Schreiben vor zwei Wochen und den Stein, den er benützen würde, wenn es so weit war.“

Prägnanter kann man es wohl nicht sagen. Und dennoch, trotzdem geht es immer, um die Dichtung, um das Schreiben, um das Wort:

„Es gibt immer weniger von denen, die ziellos durch die Städte streifen, an Mistkübeln Halt machen, sie scheu umkreisen und beschämt um sich blicken, bevor sie dann doch hineingreifen, auf der Suche nach noch brauchbaren Worten, aus denen sie nichts machen würden.“

Man sieht Mario Hladicz ist ein ganz Hintergründiger, ein Durchtriebener, denn es ist nichts bei ihm, wie es scheinen sollte und alles irgenwie hoffnungslos verloren oder vielleicht auch doch nicht so ganz.

Er versteht die Ausweglosigkeit des Lebens jedenfalls in schöne Worte zu fassen und holt uns die Poesie in den Alltag, die wir dann vielleicht  nicht verstehen, versäumen, wegwerfen, etcetera.

Eine Anspielung an Angelika Reitzer und die „Frauen in Vasen“ gibt es auch, sogar zweimal.

„Zugegeben als wir zu Vasen wurden, geschmackvoll und wohlgeformt“ und dann geht es natürlich um das Lesen oder zur „Liebe (französisch)“

„Sie hätte wohl zu  Francis Ponge gegriffen, er hätte einen Band von  Maurice Blanchot gewählt, um damit den jeweils anderen kräftig eines über den Schädel zu schlagen.

Da sie sich aber aus Literatur nicht viel machten und diese Bücher gar nicht besaßen, blieb alles ruhig und sie verbrachen eine weitere friedliche Nacht im gemeinsamen Bett.“

Wie schon geschrieben, ganz schön hinterfotzig, der Grazer Buchhändler, der Germanistik studierte und eine Ausbildung zum Bibliothekar machte und poetisch und auf der Suche nach den Worten, um den Sinn und Unsinn des Lebens und seine Alltäglichkeit zu erklären.

In Haikus läßt sich das wahrscheinlich ganz besonders gut ausdrücken, deshalb gibt es auch drei in dem Band, nach jeder Abteilung eines

„Haiku II

Wie schafft die Fliege ihren Roman aus dem Raum hinaus in die Welt“ und

„Haiku III

So viel Poesie vor dem Haus aufgestapelt zur freien Entnahme“

Ganz schön zynisch vielleicht gemeint, aber ich denke da an die offenen Bücherschränke aus denen ich mich ja auch sehr gern und bevorzugt bediene und habe mich in meinen Rundgang durch Mario Hladiczs Gedichte, jetzt auf die, sie sich  auf die Wörter und die Literatur beziehen, beschränkt.

Es gibt aber noch so viel anderes darin zu finden, von den Häusern, die keinen Ausgang haben und den Hunden, die merken, daß ihre Herrchen alt werden, besipielsweise und und und….

Lesen würde ich noch einmal empfehlen, umMario Hladiczs Talent kennenzulernen, aus dem   Alltag Kunst zu machen und die Kunst in den Alltag hinüberzubringen, was mir, meine Leser wissen es, ganz besonders gefällt.

2017-03-09

Das Mädchen an der Grenze

Der 1970 geborene Thomas Sautner ist ein besonderer Autor, der schon mehrere bei „Picus“ erschienene Romane geschrieben hat.

Mit „Fuchserde“ und „Milchblume“ habe ich ihn glaube ich bei der alten „Rund um die Burg“, wo es noch die ganze Nacht lang gegangen ist, kennengelernt, „Die Glücksmacher“ hat er schon bei „Rund um die Burg“ neu vorgestellt.

„Fremdes Land“ habe ich im Schrank gefunden, „Die Älteste“, hat mir, wie dieses Buch auch der Verlag geschickt.

Besondere Bücher, besondere Themen. In „Fuchserde“ geht es um die Jenischen. Bei „Milchblume“ geht es in das Waldviertel, wo Thomas Sautner, glaube ich, auch lebt.

„Fremdes Land“, deren Besprechung oft bei mir aufgerufen wird, hat mich erstaunt, weil  es hier in die Zukunft und um die Verlust der Freiheit geht und bei der „Ältesten“, geht es um eine Heilerin.

Also wichtige Themen, die mit einer leisen Sprache, ein Stück Literatur neben der lauten, gehypten, der experimentellen, etcetera auch ihren Berechtigung hat, wichtig ist und gelesen werden sollte.

„Das Mädchen an der Grenze“ ist wieder so ein leises, aber sicher sehr ungewöhnliches Buch. Ein Mächen, eine Utopie, ein Aufruf zur Esoterik, ein Verwischen der Grenzen von Traum und Wirklichkeit…?

Es hat sehr viele Ebenen und ist daher höchstwahrscheinlich gar nicht so einfach zu lesen und zu verstehen.

Es geht in das Jahr 1988, 1989 und in ein Zollhaus an der tschechoslowakischen Grenze zurück, wo der eiserne Vorhang noch sehr bewacht wird.

Da lebt Malina, denn ihr Vater ist dort Zollbeamter oder Grenzbewacher und sie ist ein sehr seltsames Mädchen.

Denn sie kann, in dem sie sie anstarrt, Dinge zum Verschwinden bringen und Wirklichkeiten verrücken.

Das verärgert ihren Vater, der dann aber, als die Kinder, obwohl das streng verboten ist, einmal über die Grenze laufen und Malina von den tschecholsowakischen Grenzern in ihr Zollhaus gebracht wird, im Unterleiberl mit dem Fahrrad über die Grenze fährt, um sie zurückzuholen.

Dort kommt es es fast zu einer freundschaftlichen Begegnung mit viel Schnaps mit dem tschechoslowakischen General, den die „seltsame“ Malina, die von den anderen Kindern und den Leuten im Haus für verrückt erklärt wird, einen Gefallen tun konnte.

Was der war, wird nicht sofort klar, denn die Traumwelt verrückt sich ja mit der Wirklichkeit und Malina sinkt auch in eine Krankheit ab, man könnte sie, wenn man in der Realität verbleiben will, vielleicht, als eine Art Epilepsie bezeichnen.

Sie spricht jedenfalls mit Traumgestalten und liegt wochenlang in ihren Fieberträumen, bis sie der Hausarzt endlich doch in ein Krankenhaus bringt, wo sie mit Medikamenten behandelt wird und währenddessen ändert sich die Welt.

Grenzzäune werden aufgeschnitten, die DDR- Flüchtlinge kommen, das Ehepaar Ceausescu wird erschossen. Vaclav Havel Präsident, die Grenzen gibt es nicht mehr und Malina, die gesundet, ihrgendwann wieder in das Haus an der Grenze zurückentlassen wird, findet zu ihren Vater.

Sie wird auch Schriftstellerin, schreibt oder liest ein Buch, denn solche Geschichten lassen sich nur erfinden, beziehungsweise liest der Vater ihr das vor und, wie ist das nun mit den Grenzen oder warum wurde der kurze Roman, er hat nur knapp hundertfünzig Seiten, ausgerechnet heute, wo die Patrioten schon schon wieder neue Grenzen fordern oder diese geschlossen werden, damit wir nicht von zu vielen Fremden überrannt werden, geschrieben?

Ich interpretiere es mir, als Thomas Sautners Versuch, der neuen Schließung, Radikalisierung, Verhärtung etwas Poetisches entgegen zu setzen.

Zu sagen, seht her, es gibt viel mehr, als eine Wahrheit. Es gibt das Unbewußte, die Phantasie, die Träume und es gibt die Wirklichkeit, wo die Menschen an der Realität zerbrechen, flüchten, sterben, aber auch die Hoffnung und die Bücher, die die Väter den Kindern vorlesen.

Die Traumgestalten, die aus den Phantasien aufsteigen und vielleicht auch die Verrückten, die vieles sehen und spüren können und auf die man vielleicht mehr hören sollte, als sie nur mit Medikamente zuzuschütten oder in Psychiatrien einzusperren.

Ganz wird das der Wirklichkeit wahrscheinlich nicht entsprechen, aber sicher schön zu lesen, sich seine Gedanken zu machen und Thomas Sautner, als einen besonderen Autor mit  besonderen Büchern wahrzunehmen.

 

2017-03-02

Evelyn Schlags Jemen-Buch

Im zweiten Anlauf ist es jetzt doch gelungen, aus Evelyn Schlags „Yemen Cafe“ zu hören, denn als ich im November zu der angekündigten Lesung in die „Alte Schmiede“ wollte, hat mich Annalena Stabauer abgehalten, denn die Autorin krank und Lesung wird nachgeholt.

Heute war es  so weit und zu Evelyn Schlags Ehren sind auch zwei Verleger oder Lektoren aus dem „Zsolnay-Verlag“  gekommen und, ich glaube, auch einige Freunde, der 1952 geborenen und in Waidhofen lebenden Autorin, die mir schon lange ein Begriff ist und ich auch einige Bücher von ihr gelesen habe.

Das mit der Priesterliebe beispielsweise oder die „Architektur einer Liebe“, das mir einmal Trude Kloiber zum Geburtstag brachte.

„L wie Laura“, habe ich im Dezember beim Literaturhausflohmarkt gekauft und einen Erzählband habe ich auch einmal im Schrank gefunden, die ich ja eifrig frequentiere.

Annalena Stabauer, die einleitete, erzählte, daß das Buch von der Situation in Jemen ungefähr, um 2010 handelt und, daß Evelyn Schlag, die sowohl Lyrikerin, als auch Romanautorin und Erzählerin ist, sich immer auch mit gesellschaftskritischen Themen beschäftigt hat.

Jetzt also ein politischer Roman, der von einem österreichischen Arzt handelt, der nach Sanaa, die Hauptstadt Jemens in ein von Schweizern geführtes Spital geht und dort die politische Situation hautnah miterlebt.

Evelyn Schlag hat zwei Stellen aus dem Buch gelesen, die eine, die den Krankenhausalltag schildert, die schlechten hygienischen Bedingungen, kein Strom, keine Krankenschwestern, vielleicht auch keine Medikamente und es kommt auch ein Krankenpfleger vor, der zwei Jahre in Deutschland Medizin studierte, dann wegen seiner Familie in den Jemen zurückgeht und dort, weil sein Bruder entführt wurde, erpressbar ist.

Die zweite Stelle handelte davon, daß, der mit einem Freund, der ebenfalls in dem Krankenhaus arbeitet zu seiner Familie fahren will. Während der Fahrt werden sie öfter von Bewaffneten aufgehalten und durchsucht.

Sie erreichen schließlich ihre Familie. Der Krankenpfleger Hassan macht sich Sorgen, um seine sechzehnjährige Schwester. Es gibt mit dem Vater Schwierigkeiten und er fühlt sich auch zurückgesetzt, weil alle nur an den entführten Bruder denken.

In der Diskussion erzählte Evely Schlag, daß sie einen Arzt kennt, der in einem Spital in Jemen gearbeitet hat, der ihr viel von der Situation dort erzählte.

Selbst hinzufliegen ist jetzt nicht mehr möglich, der Alfred war in den später Achtzigerjahren mit dem Karli dort.

Es gibt aber in New York ein Restaurant, mit dem Namen „Yemen Cafe“, das Evelyn Schlag, als Buchtitel wählte, der Arzt wird öfter aus diesem Cafe angerufen und eine Frage war auch, warum das Buch männliche Hauptpersonen hat?

Evelyn Schlag antwortete, daß schon die Bachmann gesagt hätte, daß es wichtig wäre, die Männer aus der Sicht der Frauen zu beschreiben und der Arzt in dem Buch, hat auch einige Frauenbeziehungen, die, glaube ich, ebenfalls beschrieben werden.

Interessant, interessant, selber werde ich in der nächsten Zeit wohl nicht dazu kommen, das Buch zu lesen, da inzwischen ja wieder zehn Rezensionsexemplare auf mich warten und natürlich auch die beiden, noch nicht gelesenen Bücher, der Evelyn Schlag.

Einen Ungarn-Roman von ihr gibt es auch, da war ich bei einer Lesung und über die Situation im Jemen zu erfahren, ist sicher sehr interessant.

Evelyn Schlag erzählte noch, daß sie bei ihren Lesungen aus dem Buch Leute getroffen hätte, die im Jemen waren und die ihr gesagt hätten, daß es dort genauso wäre, wie sie es beschrieben hat, was ich ebenalls sehr interessant finde.

 

2017-01-08

Junge Hunde

„Junge Hunde“ ist der zweite oder dritte Roman, je nach dem, ob man jetzt „Die Asche meiner Schwester“ das 2008 in der NÖ Edition erschienene Buch, der damaligen Stipendiatin,  als Roman oder Erzählung rechnet, der 1987 geborenenen Cornelia Travnicek, die ja bald nicht mehr unter Dreißig ist und deren literarische Karriere ich auch schon lang verfolge.

Zufall oder nicht, es ist das zweite Weihnachtsbuch das ich voriges Jahr bekommen habe, ich glaube, ich habe es zusammen mit Sandra Gugics „Astronauten“ auf die Bücherliste gesetzt, die der Karl für mein Geburtstagsfest haben wollte, der Alfred hat mir dann die restlichen Bücher zu Weihnachten geschenkt. Jonathan Franzens „Unschuld“ war, glaube ich, dabei und muß noch gelesen werden und Richard Schuberths „Chronik einer fröhlichen Verschwörung“ ist schon gelesen und die Geburtstags- und Weihnachtsbücher habe ich mir 2015 vom Alfred anläßlich meines erstens deutschen Buchpreisbloggens ja schon im Sommer gewünscht, heuer hatte ich das nicht nötig, beziehungsweise hätte ich es auch nicht getan und Cornelia Travnicek habe ich, glaube ich, wie Sandra Gugic zuerst durch die „Exilpreise“ kennengelernt, wo beide gewonnen haben.

Cornelia Travnicek hat sehr jung, nämlich 2005 dort den Jugendpreis für deutsche Muttersprache wahrscheinlich, gewonnen, da hat sie aber, glaube ich, schon in Zeitungen veröffentlicht und auchschon ein paar Stipendien bekommen und 2008 oder so habe ichbegonnen ihren Blog „Frau Travnicek in Wien“ oder „am Land“, wie er jetzt heißt zu verfolgen und eine Serie, wie man den „Bachmannpreis gewinnt“ oder „Bis Klagenfurt anruft“, hat sie für das „Litereraturcafe“ auch geschrieben.

2012 hat Klagenfurt angerufen, aber, ich glaube, das passiert wahrscheinlich auf anderen Weg und sie hat mit einem Kapitel aus den „Jungen Hunden“, die dann 2015 bei DVA erschienen sind, den „Publikumspreis“ gewonnen und den Blog, den ich den ich einmal als sehr informativ empfunden und daher sehr begeistert gelesen habe, gibt es nicht mehr in dieser Form.

Das heißt, es gibt ihn schon, aber der letzte Beitrag stammt von November 2015 und besteht aus Rezensionen bezüglich der „Jungen Hunde“,  aktuellere Beiträge gibt es nur mehr auf Twitter und auf Facebook, aber 2009 habe ich auf ihren Blog mitverfolgen können, wie sie über eine literarische Agentur zu DVA gekommen ist.

„Die Asche meiner Schwester“ und „Fütter mich“ habe ich gelesen,“Spannung Spiel und Schokolade“, die Fließtexte, die sie mir einmal zu meinem literarischen Geburtstagsfest brachte, habe ich inzwischen von meiner Leseliste heruntergestrichen, mir dafür vorgenommen, sowohl „Chucks“, den ersten DVA Roman, der inzwischen verfilmt wurde, sowie auch die „Jungen Hunde“ zu lesen, was jetzt passiert ist.

Als „Coming of age-Geschichte“ wird der Roman angepriesen, der ein Eis am Stil am Cover hat und im Trailer sieht man Cornelia Travinec mit aufgesteckten Haaren und einem chinesischen Schirmchen Zetteln durch die Luft werfen und geheimnisvoll lächeln, ja sie hat Sinologie studiert und das Buch ist durch das „Kranichsteriner Jugendstipendium“, das sie, glaube ich, für „Cucks“ bekommen hat, gefördert worden und wurde, glaube ich, in Frankfurt sehr vorgestellt.

Eine „Coming of age-Geschichte“, ich weiß zwar gar nicht genau, was das ist, es geht aber um das Erwachsenen werden, habe ich, glaube ich bei „Amazon“ oder am Klappentext gelesen und da sind Johanna und Ernst, beide Mitte zwanzig und befreundet oder Nachbarskinder. Das Buch hat neun Kapitel und jedes ist sehr kunstvoll unterteilt, zuerst gibt es immer einen Satz oder eine Seite über Bienen, dsnn erzählt Johannaa, dazwischen hat mit einem chinesischen Zitat Ernst einen Teil in Ich Form erzählt und dann kommt wieder Johanna.

Denn Ernst wurde von Sybille und Johannes, dem Imker adoptiert, stammt eigentlich aus China und jetzt fährt er nachdem er seine Bachelorarbeit geschrieben hat, dorthin, um seine Mutter zu suchen.

Johanna bleibt zurück und hat ebebenfalls viel vor, ihr Vater kommt, weil dement in eine betreute Wohngemeinschaft, denn so nennt man jetzt die Altersheime, schreibt Cornelia Travnicek launig. Johannas Bruder soll ihn dorthin bringen. Das Haus soll, weil verschuldet, verkauft werden und Johanna, die eigentlich eine Diplomarbeit oder Bachelorarbeit über Adoptivkinder schreibt, soll es ausräumen. Das Haus ist am Land, vielleicht sogar in Traismauer, wo Cornela Travnicek ja herkommt oder wieder lebt. Das AKH Zwentendorf wird jedenfalls erwähnt, sie hat auch eine Wohnung in Wien und eine Nachbarin namens Julia, deren Kind sie betreut und dann gibt es noch einen alten Mann, den Herrn Glantz mit seinem Hund Gloria und richtig zwei Hunde Balu und Baghira, wo der erste Ernst und der zweite Johanna gehört gibt es auch.

An dem Tag, wo der Vater in das Altersheim soll, liegt Bahira tot am Boden, Johanna muß ihn vergraben, bevor die Maklerin kommt, diese Stelle hat Cornelia Travnicek, glaube ich, in Klagenfurt gelesen und Herr Glatz gibt Johanna noch seinen Wohnungsschlüßel und bittet sie, nachzusehen, wenn sie ihn einmal länger nicht sieht.

Das ist die Handlung und sie ist eigentlich sehr überfrachtet und vielleicht auch ein wenig kitschig zu nennen, aber jedenfalls sehr realistisch, obwohl Cornelia Travnicek auch eine sehr blumige und kunstvolle Sprache hat, auch manchmal ein wenig überladen, wie die „Amazon-Rezenzenten“, die zum Teil auch nur einen Sternen vergeben, bemängeln.

Ich finde sie manchmal sehr lakonisch und manchmal sind sehr kluge Bemerkungen darin, wie beispielsweise, die Betrachtungen über das Altersheim oder, daß man jetzt betreute Wohngemeinschaft sagen muß und Ernst macht in China während er seine Mutter sucht, sehr schöne Beobachtungen an Kindern, wie die beispielsweise Eis essen oder von Touristen Fotografiert werden sollen, obwohl sie das nicht wollen und weinen.

Ja, richtig, Julia, die Nachbarin, eine Sängerin, auf deren Kind Johanna aufpasst, wenn sie abends singen geht, das ist etwas, das in meiner „Wiedergeborenen“ auch vorkommt, hat kein Geld mehr die Wohnung zu bezahlen und muß nach Tirol oder Vorarlberg, wo sie herkommt zurückkehren.

Da kommt Johanna auf die Idee, sie könnte ja in das Haus einziehen, für das sich ohnehin kein Käufer findet. Ja und das habe ich jetzt ganz vergessen, Johanna Mutter, die ebenso eine Gutmenschin, wie die von Nele Pollatschek ist, ist schon lange nach Peru ausgewandertt, um dort die armen Kinder zu betreuen, der Bruder Stefan will jetzt auch  nach Kanada gehen und Johanna findet noch eine Karte, die vermuten läßt, das ihr Vater nicht ihr Vater ist und das alles mit Mitte zwanzig, wo man eigentlich erst langsam mit dem Studium fertig wird und ins Leben eintritt.

Wie geschrieben, etwas überfrachtet und vielleicht ähnlich unfertig auskomponiert, wie das mir ja auch oft passiert.

Am Ende stirbt Herr Glatz, hinterläßt Johanna sein Vermögen, so daß sie das Haus nicht verkaufen muß, den Vater wieder aus seiner Residenz holen, Julia als seine Pflegerin beschäftigen und mit ihr in eine WG ziehen kann.

Ja und Ernst, richtig, der ist  irgendwie in China verschwunden, Johanna, die Übermutter will ihn nun auch zurückholen.

Wie sie das machen will, habe ich nicht ganz verstanden, wie auch nicht wirklich, wer nun ihr richtige Vater ist, war es vielleicht der Bienenzüchter Johannes, Herr Glatz oder doch der, der wie die Mutter aus Peru mailt, der es immer bleiben wird und der mit dem Vornamen Herbert hieß?

Ein wenig ambivalent bleibe ich zurück, weil mir ein bißchen das Unfertige und das Überfrachtete an dem Roman aufgefallen ist,  der seiner Handlung und auch der Sprache wegen irgendwie schon beeindruckend war, aber vielleicht gekürzt, gestrafft und noch besser ausgearbeitet werden könnte. Aber wenn man an meinen vorherigen Artikel mit den Textfragmenten denkt, an denen ich mich vorwärtshantle, hangeln, sagt, glaube ich, Cornelia Travnicek in dem Buch irgendwo einmal, sieht man, daß ich es auch nicht besser kann, obwohl ich ja schon viel älter bin und viel länger schreibe.

Ja und vielleicht bleibt mir noch zu erwähnen, daß die „Heimsuchung“ das Buch mit dem 2009 meinen ersten „Nanowrimo“ schrieb, auch von einer jungen Türkin handelt, die nach dem Tod des Großvaters in die Türkei reist, obwohl sie dort sehr fremd ist und den Dialekt einer Ausländerin hat und in dem Buch spielen auch Blogs eine große Rolle, die ich damals gelesen habe.

Einer war der, der Cornelia Travnicek, die inzwischen auch Gedichte veröffentlicht hat und am 20. Jänner auch in einer Pub` n´  Pub Veranstaltung auftreten wird, zu der ich vielleicht hingehen werde.

2016-12-24

Wiener Wunder

Zu Weihnachten ein Krimi statt einem Weihnachtsbuch, die „Buch-Wien 2014“ und Franzobel machten es möglich und das Wort Weihnachten oder, die schon aufgestellten Dekorationen, kommen in dem Buch auch vor, spielt er ja in Wien, Ende Oktober und jetzt weiß ichs endlich, der 1967 in Völklabruck geborene Stefan Griebl, „Bachmannpreisträger von 1995 und seit einigen Jahren auch „Ohrenschmaus-Juror“ ist wie ist ein großartiger Schriftsteller, bisher war ich da eher skeptisch. Aber er kann schreiben, versucht sich in allen Genres und traut sich auch an einen oder sogar schon zwei Krimis, obwohl die, ja nicht als große Literatur gelten und ihm, wie ich hörte, der Verlag abgeraten haben soll.

Aber „Das Krimischreiben ist wie für einen Antialkoholiker die Entdeckung des Weins. Ein berauschender Genuss. Man kann sich nicht vorstellen, wie man es solange ohne ausgehalten hat!“, schreibt er am Buchrücken.

Eine Satire ist es natürlich auch, sprachlich exzellent und dennoch nicht hochgestochen und ein Genuß beim Lesen, vor allem für eine, die, wie ich, ja Schwierigkeiten beim Schreiben eines Krimis hat.

Ein Mord soll es nicht sein, also fallen bei meinen Krimiversuchen immer Äste von den Bäumen und erschlagen die Leichen und bis zum zweiten Drittel des Buches könnte man glauben, Franzobel hat mir  nach- beziehungsweise vorgemacht, wie das richtig gehen könnte, aber dann wird es, wie schon im Klappentext steht, alles anders und die Geschichte wendet sich und am Schluß wird es vollends parodistisch und man kann das Vergnügen merken, daß der Autor wohl beim Schreiben hatte.

Aber warum geht es eigentlich?

Um einen Kommisar Falt Groschen, Franzobel ist auch ein Meister der sprechenden Namen, so heißt der Journalist Walter Maria Schmierer und einen Dr. Döblinger gibt es auch, das ist der etwas doofe Untersuchungsrichter, mit Vornamen Answer, obwohl er niemals solche gibt und der Kommissar bekommt ein Mail, daß sich demnächst ein Sportler tot aufgefunden werden wird, ein als Selbstmord getaqrneter Mord und der Sportler ist ein Leichtatleht des Dopings überführt und nun aus dem Fenster gefallen und fünf Tatverdächtige ergeben sich auch gleich.

Der erste ist der Manager Stanek aus dessen Wohnung Edgar Wenninger fiel, dann seine Ehefrau Marion, die Groschen fast im Bett mit ihrem Trainer Oktavian Tulpian erwischt und dann noch den Sportreporter Walter Maria Schmierer und den Doppingfahnder Hanns  Hallux mit zwei „n“ geschrieben.

Falt Groschen führt sie alle an der Nase herum, während er das Gefühl hat ständig beobachtet zu werden. Dann bestellt er die Fünf, die er, während er mit seiner Frau gemütlich am Donaukanal essen geht, überwachen läßt, er tut das nur, um seine Frau als Köder zu benützen, am nächsten Tag in die Tatortwohnung, dort erklärt er ihnen, daß sie alle ein Motiv hätten, es aber leider doch ein Selbstmord war, weil der Gedopte sich an ihnen rächen wollte.

„Wui!“, habe ich gedacht, so muß man es machen. Es geht aber weiter. Erstens gibt es da noch einen seltsamen Nachbarn, der Falt Groschen ständig über dem Weg läuft und dann wird Karl Stanek, genannt Spritzen-Chary auch noch mit einem Gewehr im Mund tot in der Wohnung aufgefunden.

Ein Wortspiel oder eine Behauptung, daß niemand freiwillig mit Schuhen und Wertsachen aus dem Fenster springt und es deshalb ein Mord war, während Spritzen-Charly sich ohne Schuhe in den Mund geschoßen hat, gibt es auch, Franzobel scheint wirklich über eine große Phantasie zu verfügen.

Aber dann entarnt Groschen noch seinen Beobachter, trifft einen alten Schnorrer und ehemaligen Bekannten wieder und der Mörder war ein genialer Einzelgänger. Ehemaliger Wenniger-Verehrer, weil er selbst wegen eines verkrüppelten Fußes nicht so schnell laufen konnte und den hat er nur, weil seine Mutter, in der ehemaligen DDR in der sie aufgewachsen ist, einem Zwangsdoping, während man das in Wien ständig verharmlost, „ohne Doping kein Sieg!“, unterzogen wurde und der nun von seinem Liebling enttäuscht ist.

Ein vertauschtes Biertr und einen nochmaligen Fenstersturz gibt es auch , bevor sich alles aufklärt und man einen rasanten Sprint durch die Krimiphantasien eines „Bachmannpreisträgers“ gemacht hat.

Für die deutschen Leser seis verraten. Man erfährt sehr viel von Wien dabei, aber ich habe  auch nicht gewußt, daß es in der Taborstraße einen kupfernen Hirschen auf einem Dachvorsprung zu sehen gibt und eine kleine Satire würde ich annehmen, ist für die Deutschen auch noch eingebaut, obwohl „Zsolnay“ ja ein österreichischer Verlag ist oder auch nicht wirklich, sondern nur die kleine Schwester oder  der kleine Bruder des großen „Hansers“, aber weil die deutschen Großverlage ja den österreichischen Autoren, wenn sie nicht so berühmt, wie Friederike Mayröcker oder Marlene Streeruwitz sind, alle österreichischen Ausdrucke umschreiben und aus einem Karifol einen Blumenkohl etcetera machen:

„Zum Kotzen finde ich das!“, sagt Falt Groschen seinen Verdächtigen „Zum Speiben verbessert er sich selbst. Seine Frau wies ihm immer wieder darauf hin, gefälligst österreichische Ausdrücke zu verwenden – und keine deutschen. Paradeiser statt Tomaten, Erdäpfel statt Kartoffeln, Spritzer statt Schorle, Krapfen statt Berliner…“

Köstlich, köstlich und wo hat der Oberösterreicher nur so gut Wienerisch gelernt?

Eine Buchempfehlung, die man vielleicht noch schnell der Mami oder der Schwiegermutter auf den Weihnachtstisch legen sollte. Eine, die für alle passt, für die, die sich nur für die hehre Literatur interessieren und keine Genres mögen, denn Franhzobel ist ja „Bachmannpreisträger“, hat auch den Bernhardschen-Jargon bestens drauf und ist, wie weiter auf dem Klappentext steht „Einer der populärsten österreichischen Schriftsteller“ und für die, die sich unterhalten wollen und gerne Krimis lesen, ist es auch geeignet, denn es ist ja einer.

Einer in dem man viel von Wien erfährt, sprechende Namen findet, Spannung, aber auch Wissen über das Wien und seine Klischees. Es scheint aber auch, was das Dopingwesen betrifft, gut recherchiert zu sein, spannend, lustig, satirsch und wieder ein Beweis, daß man vielleicht auch Krimis lesen kann und solche schreiben, auch wenn man gegen Morde ist, aber nein-.

Denn es war ja ein Doppel- oder sogar ein Dreifachmord, aber der nicht wirklich und eine unterschobene Bierflasche des Komissars  hat es auch gegeben, also doch ein dritter Mord, aber den hat dann ein anderer fast ausgeübt.

Vom Vielschreiber gibt es inzwischen noch einen zweiten „Groschen-Krimi“, das Cover ist auch einem Groschenroman nachgebildet, den ich leider noch nicht gewonnen und auch nicht gefunden habe und bei der Vorstellung eines „Works in Progress“ bin ich vor einem halben Jahr auch in der  „Alten Schmiede“ gewesen und habe ihn auch bei anderen Lesungen schon gehört.

„Wiener Wunder“ ist aber, glaube ich, das erste Buch das ich von ihm, der ja einmal auch, ganz klein, im „Fröhlichen Wohnzimmer“ angefangen hat, gelesen habe.

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