Literaturgefluester

2017-05-12

Verwüstung der Zellen

Jetzt kommt noch ein Buch das im Vorjahr auf Longlist zum „Debutpreis“ stand, eines das Marc Richter sehr gefallen hat und das er sich für die Shortlist wünschte. Er hat es dann zu Weihnachten verlost, ich habe es bekommen und so habe ich Markus Mittmansgruber, ein Buch aus dem österreichischen „Luftschacht-Verlag“ „Verwüstung derZellen“ gelesen, obwohl ich länger gezögert habe, schien es mir doch sehr experimentell zu sein und das habe ich ja nicht so gerne.

Der mir bisher unbekannte Markus Mittmansgruber wurde 1981 inLinz geboren, studierte Philosophie an der Uni Wien, hat verschiedene Veröffentlichungen in „Kolik“, „Rampe“, „Podium“ und hat mit der „Verwüstung der Zellen“ 2016 seinen Debutroman herausgebracht.

In der Beschreibung steht etwas vom „Verfall einer Familie“ und zwei Erzählsträngen und dann fängt es gleich ein wenig schwierig in der Kleinschrift an und ich dachte schon „Uje!“, bis es dann im zweiten Handlungsstrang etwas konkreter wurde.

Da wird nämlich von einem Sohn erzählt, dessen Vater eine degenerative Krankheit hat und sich damit sozusagen von seiner Familie verabschiedet. Er will nicht besucht, vielleicht auch nicht beim Sterben beobachtet werden. Die Mutter nimmt das hin, der Sohn ein abgeborochener Philosophiestudent, der jetzt in einer Consultingfirma arbeitet, nicht.

Der Vater kommt dann in ein Pflegeheim, der Sohn besucht ihn dort, die Mutter, die er auch besucht, hat im Kühlschrank lauter abgelaufenes Essen, geht viel spazieren und, als ein Arzt anruft und von einem Aggressionsschub des Vaters erzählt, geht die Mutter mit ihm in das Heim.

Der Sohn, der unter „Tinnitus“ und „Angstzuständen“ leidet und auch die entsprechenden Medikamente nimmt, besucht dann auch eine etwas seltsame Körpergruppe, die von einem Paar geleitet wird.

Da muß man aus sich herausgehen, „das Kamel in sich hinter sich lassen und zum Löwen werden“ und ganz eigene kreative Übungen abliefern.

Johanna, mit der der Sohn sich befreudet und die an einen schwachen Magen leidet und glaubt von einem Wurm befallen zu sein, macht das sehr eskatisch und wird vom Christian, dem Leiter, der mit einer „Burgerkingkrone“ auf einem Lehnsessel sitzt, auch gelobt, während der Sohn, in Erinnerung an seinem Vater immer etwas von einem „Türspalt“ erzählt, was dem Leiter nicht gefällt und die Leiterin zum Gähnen bringt.

Das Ganze wird manchmal sehr spannend und auch in einer sehr schönen  Sprache erzählt, dann wird es wieder sehr theoretisch und unverständlich und die Ebenen und die Handlungsfäden wechseln sich auch sehr rasant ab, so daß ich das Lesen etwas mühsam fand und eigentlich eine realistischere Erzählweise über das Älterwerden und den Tod, wie Beispielsweise dem Roman von Susann Pasztor, den ich vor kurzem gelesen habe, vorziehen würde.

Denn irgendwie wirkt das Ganze distanziert und die Suche des Sohnes, der von psychischen Leiden gequält wird, nach  Familiengeheimnissen,sehr philosophisch abstrakt.

Nun der Autor hat Philosophie studiert und arbeit auch in einen wissenschaftlichen Verlag. Ob viele Leute das Buch lesen werden erscheint mir aber etwas fraglich und ich bin auch nicht sicher, was der sogenannte „Mehrwert“ ist, den man ja bei „guter Literatur“ haben und sich mitnehmen soll.

So hätte die realistische Autorin in mir, es wahrscheinlich auch nicht auf die Shortlist gesetzt, bin aber gespannt, was ich noch von den dem Autor hören und lesen werde und werde jetzt auch nachgoolen, ob er  GAV-Mitglied ist und ich ihn vielleicht auch schon bei einer der „Neuaufnahme-Lesungen“ gehört habe.

2017-04-17

Der Liebesdilettant

Noch ein Buch aus dem „Wortreich-Verlag“ und eine Entdeckung eines wahrscheinlich nicht so bekannten oberösterreichischen Autors.

Dabei habe ich den1961 in Bad Ischl geborenen Andreas Tiefenbacher, der deutsche Philologie studierte, in Wien und in  Bad Goisern lebt und seit 1995 bei der GAV ist, schon bei mindestens einer Lesung gehört.

Thomas Bernhard läßt grüßen, könnte man bei der zart melancholischen Geschichte über den jungen Wenzel Wurm, zitieren, die Bücherliebe, ein Thema, das mir ja auch sehr vertraut ist, wenn ich es auch wahrscheinlich ganz anders verarbeite, taucht auf, die anbeblich so Wienerische Todessehnsucht und noch vieles anderes.

Wenzel Wurm, man beachte den wahrscheinlich nicht zufällig gewählten Namen, ist achtundzwanzig und lebt als Zivildiener im Salzkammergut. Er hat ein Germanistik und Kunstgeschichtsstudium hinter sich, lebt bei einer Freundin namens Marion, die ganz anders ist als er, nämlich schnell und sportlich, während er als Rettungsfahrer durch die Gegend fährt und am Leben scheitert, sich in dieses nicht hinein traut, ihm nicht gewachsen ist, etcetera.

Ein sehr bekanntes und beliebtes Klischee könnte man meinen, vielleicht ist es auch nur eine ganz normale Entwicklungsstufe, die die jungen Menschen in das Leben machen. Zuerst kommt die Schule und das Studium, dann der Zivildienst oder das Heer bei den Männern. Eine Freundin braucht man auch und wenn man da nicht entsprechend hart genug, sondern sensibel ängstlich oder schüchtern ist, kommt es leicht zum sogenannten Scheitern.

In der Literatur muß man das Normale, das, was wahrscheinlich in der einen oder anderen Form alle durchmachen, natürlich entsprechend überhöhen und verstärken.

So zitiert der Germanist Tiefenbacher Arthur Schnitzer und meint, er hätte Wenzel Wurm, einen Liebesdilettanten genannt.

Aber zuerst wird einmal ein wahrscheinlich ganz normaler Arbeitsalltag des Zivildieners geschildert, der alte Leute zur Dialyse fahren muß oder auch mal zu einem Unfall gerufen wird. Als Zivildiener bei der Rettung sieht man wahrscheinlich viel, was man mit Neunzehn oder auch schon mit Achtundzwanzig vielleicht nicht so leicht verkraften kann. So kauft sich Wenzel nach dem Arbeitstag eine Kiste Bier, verzieht sich damit auf dem Balkon. Die Freundin ist natürlich nicht zu Hause, geht danach in die Badewanne und schneidet sich die Pulsadern auf. Als Zivildiener bei der Rettung weiß man natürlich, wie das richtig geht, dennoch ist Wenzel so betrunken, daß der nicht tief genug trifft, so findet ihn die Freundin. Er wird gerettet, wird, nachdem er verspricht sich psychotherapeutisch behandeln zu lassen, auf dem Spital entlassen und kann weiter bei der Rettung arbeiten.

Der Zivildienst ist auch bald aus und so beschließt Wenzel, um seine Beziehung zu retten, Marion auf eine Reise nach Griechenland einzladen. Die Rettung bleibt aber aus, denn Marion läßt ihn allein am Strand mit seinen Büchern liegen, trifft sich vielleicht mit anderen Männern. So kneift er aus, fährt zurück, sucht in Wien seinen Freund Konstantin auf und fragt ihm ob er vorläufig bei ihm wohnen kann?

Das geht, denn Stani kann nicht nein sagen. Wenzel braucht aber trotzdem einen Job und eine Wohnung, fängt, obwohl ja Germanist zuerst bei „Thalia“ am Westbahnhof, als Verkaufsberater an. Verdient dort aber nicht genugt, so wechselt er ins Musikhaus Döblinger und im Lentos in Linz bewirbt er sich auch.

Dabei trifft er im Zug auf eine Schöne, die er sich nicht recht anzusprechen traut. So gibt er wochenland Announcen auf, um sie zu finden. Trifft sie dann auch in einem Konzert wieder und als sie zu Ostern in die Musikalienhandlung kommt, um nach einem Lied zu fragen „Bist du bei mir geh ich mit Freuden zum Sterben und zu meiner Ruh“, eine Arie von Bach, kneift er wieder aus, verläßt den Landen und rennt davon. So weit, so what.

Er wird entlassen, fängt an Rezensionen zu schreiben, eine Wohnung hat er inzwischen auch gefunden und geht in Internetforen, wo er verschiedene Frauen trifft, deren Liebschaften und das Scheitern mehr oder weniger genau beschrieben werden.

Rückblenden in die Kindheit, zu der schlagenden Mutter und den Großmüttern gibt es auch und dann tauchen kurz eine Nadja, eine Lea, die sich aber Cosima nennt auf, bis es ein Kapitel über eine Franka oder Franiska gibt, die eine Liebe zu einem Italiener hat, nach dem sie ihren Zwerghasen nennt.

Zu der beginnt er eine Beziehung, die ziemlich kompliziert verläuft. Sie tötet seinetwegen auch ihren Hasen, den sie dann weinend am Donauhafen versorgt, magert ab, und macht noch allerlei, was meiner Meinung nach viel zu flüchtig erzählt wird, bis sich dann Wenzel in der Berndhardschen Manier aus dem Fenster  und auf einen Lastwagen mit Textilplane stürzt.

Das hat sein Schutzengel für ihn arrangiert, daß ihm nicht viel passiert. Das Leben geht wahrscheinlich weiter, das Buch ist aus und ich habe dank „Wortreich“ eine sehr interessante Entdeckung eines nicht so bekannten österreichischen Autors gemacht, denn mir hat die Schilderung eines eher schüchternen jungen Mannes und sein Weg in das Leben sehr gefallen, obwohl ich wahrscheinlich zwei Bücher daraus gemacht hätte.

Das erste hätte den Tag als Zivildiener,  seine Arbeits- und Liebessuche in Wien, das alles eher episodenfhaft beschrieben, umfasst. Das zweite Buch wäre eine genauer ausgeführte Beziehung zu Franka geworden. Ein bißchen hätte ich das Buch von den Klischees und literarischen Anspielungen befreit, obwohl die wie Wenzel in das Gasthaus Blauensteiner strümt und dort Fotos von Hermann Schürrer und Heimito von Doderer sieht und dazu Anekdoten erzählt, sehr interessant ist und das zuviel an den Geschehen und  Zufällen weggenommen.

Aber sonst hat mir das Buch des oberösterreichischen Autors gefallen und kann es jeden, der sich für die österreichische Literatur abseits von Bernhard und Schnitzer interessiert, empfehlen.

Erich Hackl hat dazu noch: „Tiefenbacher ist ein unerbittlicher Chronist der Ungleichzeitigkeit, der Tatsachen also, dass der Alltag der Menschen nicht mit ihren Wünschen und Trieben Schritt hält“, auf den Buchrücken geschrieben.

2017-03-25

Gedichte zwischen Uhr und Bett

Nun kommt eingeklemmt zwischen den Neuerscheinungen von „K&S“ und „Kiwi“ ein wenig Lyik aus dem „Keiper-Verlag“, den ich ja einmal auf der „Buch-Wien“ durch Andrea Stift kennenlernte und dessen Gedichtbände von Petra Ganglbauer und Ingeborg Görler ich inzwischen gelesen habe und nun in dem 1984 geborenen in Graz als Buchhändler arbeitenden Mario Hladicz eine Überraschung erlebte, denn allein schon der Titel „Gedichte zwischen Uhr und Bett“ machen neugierig.

Da denkt man wahrscheinlich gleich an den vier Jahre älteren Grazer mit seinem skurrilen Monsterroman, den ich gerne den dBP 2015 gegeben hätte und freut sich vielleicht auch noch, daß das Lesen der Gedichte wahrscheinlich viel schneller geht, als dessen tausend Seiten  und ich frohlocke auch, denn das habe ich ja gerne und suche ich schon lange, einen oder eine, die die Alltäglichkeit des Lebens in  Poesie verfaßt, weil ich ja manchmal bekanntermaßen Schwierigkeiten mit der allzugroßen Abgehobenheit und den Sprachräuschen làrt pour L`Art habe und nur „Hui“ denke, wenn mir da Seitenlang in den allerschönsten Worten die Eigenschaften eines Steins erklärt wird. Denn, was habe ich davon?

Hier habe ich sehr viel und kann den Absurditäten und den Mühlseligkeiten des Lebens nachlauschen und auch verblüfft feststellen wie einach, das dem jungen Autor, der natürlich mit Prosastücken den Weg in die Literatur, wie Helwig Brunner, der Herausgeben der Reihe in seinem Nachwort erklärt, gefunden hat, gelungen ist.

„2014 hat er damit den „Literaturförderungspreis der Stadt Graz“ bekommen und ich denke, wieder, daß man mehr Prosa für die Lyrik braucht und mehr Poesie, um den Alltag zu erklären und wahrscheinlich auch, um ihn auszuhalten und das versteht Marion Hladizc vortrefflich, also wieder ein kurzer Streifzug durch das Buch und ich füge gleich hinzu, daß man die Gedichte lesen soll, denn vieles hat man so noch nicht gehört und man kann auch über den Alltag Gedichte schreiben und ich glaube, daß das sehr wichtig ist und so geht es auch gleich zu der „Wäsche, die im Hof flattert und zu den Nachmittagen, die zäh sind, als sei man in Kaugummi getreten.“

„Aus einem Tagebuch“ nennt Mario Hladicz dieses Gedicht und geht weiter zu dem „Gepäck“, das man vielleicht braucht, um den letzten Weg anzutreten, „Die kaputte Uhr und den Rum für den Mut, das Schreiben vor zwei Wochen und den Stein, den er benützen würde, wenn es so weit war.“

Prägnanter kann man es wohl nicht sagen. Und dennoch, trotzdem geht es immer, um die Dichtung, um das Schreiben, um das Wort:

„Es gibt immer weniger von denen, die ziellos durch die Städte streifen, an Mistkübeln Halt machen, sie scheu umkreisen und beschämt um sich blicken, bevor sie dann doch hineingreifen, auf der Suche nach noch brauchbaren Worten, aus denen sie nichts machen würden.“

Man sieht Mario Hladicz ist ein ganz Hintergründiger, ein Durchtriebener, denn es ist nichts bei ihm, wie es scheinen sollte und alles irgenwie hoffnungslos verloren oder vielleicht auch doch nicht so ganz.

Er versteht die Ausweglosigkeit des Lebens jedenfalls in schöne Worte zu fassen und holt uns die Poesie in den Alltag, die wir dann vielleicht  nicht verstehen, versäumen, wegwerfen, etcetera.

Eine Anspielung an Angelika Reitzer und die „Frauen in Vasen“ gibt es auch, sogar zweimal.

„Zugegeben als wir zu Vasen wurden, geschmackvoll und wohlgeformt“ und dann geht es natürlich um das Lesen oder zur „Liebe (französisch)“

„Sie hätte wohl zu  Francis Ponge gegriffen, er hätte einen Band von  Maurice Blanchot gewählt, um damit den jeweils anderen kräftig eines über den Schädel zu schlagen.

Da sie sich aber aus Literatur nicht viel machten und diese Bücher gar nicht besaßen, blieb alles ruhig und sie verbrachen eine weitere friedliche Nacht im gemeinsamen Bett.“

Wie schon geschrieben, ganz schön hinterfotzig, der Grazer Buchhändler, der Germanistik studierte und eine Ausbildung zum Bibliothekar machte und poetisch und auf der Suche nach den Worten, um den Sinn und Unsinn des Lebens und seine Alltäglichkeit zu erklären.

In Haikus läßt sich das wahrscheinlich ganz besonders gut ausdrücken, deshalb gibt es auch drei in dem Band, nach jeder Abteilung eines

„Haiku II

Wie schafft die Fliege ihren Roman aus dem Raum hinaus in die Welt“ und

„Haiku III

So viel Poesie vor dem Haus aufgestapelt zur freien Entnahme“

Ganz schön zynisch vielleicht gemeint, aber ich denke da an die offenen Bücherschränke aus denen ich mich ja auch sehr gern und bevorzugt bediene und habe mich in meinen Rundgang durch Mario Hladiczs Gedichte, jetzt auf die, sie sich  auf die Wörter und die Literatur beziehen, beschränkt.

Es gibt aber noch so viel anderes darin zu finden, von den Häusern, die keinen Ausgang haben und den Hunden, die merken, daß ihre Herrchen alt werden, besipielsweise und und und….

Lesen würde ich noch einmal empfehlen, umMario Hladiczs Talent kennenzulernen, aus dem   Alltag Kunst zu machen und die Kunst in den Alltag hinüberzubringen, was mir, meine Leser wissen es, ganz besonders gefällt.

2017-03-09

Das Mädchen an der Grenze

Der 1970 geborene Thomas Sautner ist ein besonderer Autor, der schon mehrere bei „Picus“ erschienene Romane geschrieben hat.

Mit „Fuchserde“ und „Milchblume“ habe ich ihn glaube ich bei der alten „Rund um die Burg“, wo es noch die ganze Nacht lang gegangen ist, kennengelernt, „Die Glücksmacher“ hat er schon bei „Rund um die Burg“ neu vorgestellt.

„Fremdes Land“ habe ich im Schrank gefunden, „Die Älteste“, hat mir, wie dieses Buch auch der Verlag geschickt.

Besondere Bücher, besondere Themen. In „Fuchserde“ geht es um die Jenischen. Bei „Milchblume“ geht es in das Waldviertel, wo Thomas Sautner, glaube ich, auch lebt.

„Fremdes Land“, deren Besprechung oft bei mir aufgerufen wird, hat mich erstaunt, weil  es hier in die Zukunft und um die Verlust der Freiheit geht und bei der „Ältesten“, geht es um eine Heilerin.

Also wichtige Themen, die mit einer leisen Sprache, ein Stück Literatur neben der lauten, gehypten, der experimentellen, etcetera auch ihren Berechtigung hat, wichtig ist und gelesen werden sollte.

„Das Mädchen an der Grenze“ ist wieder so ein leises, aber sicher sehr ungewöhnliches Buch. Ein Mächen, eine Utopie, ein Aufruf zur Esoterik, ein Verwischen der Grenzen von Traum und Wirklichkeit…?

Es hat sehr viele Ebenen und ist daher höchstwahrscheinlich gar nicht so einfach zu lesen und zu verstehen.

Es geht in das Jahr 1988, 1989 und in ein Zollhaus an der tschechoslowakischen Grenze zurück, wo der eiserne Vorhang noch sehr bewacht wird.

Da lebt Malina, denn ihr Vater ist dort Zollbeamter oder Grenzbewacher und sie ist ein sehr seltsames Mädchen.

Denn sie kann, in dem sie sie anstarrt, Dinge zum Verschwinden bringen und Wirklichkeiten verrücken.

Das verärgert ihren Vater, der dann aber, als die Kinder, obwohl das streng verboten ist, einmal über die Grenze laufen und Malina von den tschecholsowakischen Grenzern in ihr Zollhaus gebracht wird, im Unterleiberl mit dem Fahrrad über die Grenze fährt, um sie zurückzuholen.

Dort kommt es es fast zu einer freundschaftlichen Begegnung mit viel Schnaps mit dem tschechoslowakischen General, den die „seltsame“ Malina, die von den anderen Kindern und den Leuten im Haus für verrückt erklärt wird, einen Gefallen tun konnte.

Was der war, wird nicht sofort klar, denn die Traumwelt verrückt sich ja mit der Wirklichkeit und Malina sinkt auch in eine Krankheit ab, man könnte sie, wenn man in der Realität verbleiben will, vielleicht, als eine Art Epilepsie bezeichnen.

Sie spricht jedenfalls mit Traumgestalten und liegt wochenlang in ihren Fieberträumen, bis sie der Hausarzt endlich doch in ein Krankenhaus bringt, wo sie mit Medikamenten behandelt wird und währenddessen ändert sich die Welt.

Grenzzäune werden aufgeschnitten, die DDR- Flüchtlinge kommen, das Ehepaar Ceausescu wird erschossen. Vaclav Havel Präsident, die Grenzen gibt es nicht mehr und Malina, die gesundet, ihrgendwann wieder in das Haus an der Grenze zurückentlassen wird, findet zu ihren Vater.

Sie wird auch Schriftstellerin, schreibt oder liest ein Buch, denn solche Geschichten lassen sich nur erfinden, beziehungsweise liest der Vater ihr das vor und, wie ist das nun mit den Grenzen oder warum wurde der kurze Roman, er hat nur knapp hundertfünzig Seiten, ausgerechnet heute, wo die Patrioten schon schon wieder neue Grenzen fordern oder diese geschlossen werden, damit wir nicht von zu vielen Fremden überrannt werden, geschrieben?

Ich interpretiere es mir, als Thomas Sautners Versuch, der neuen Schließung, Radikalisierung, Verhärtung etwas Poetisches entgegen zu setzen.

Zu sagen, seht her, es gibt viel mehr, als eine Wahrheit. Es gibt das Unbewußte, die Phantasie, die Träume und es gibt die Wirklichkeit, wo die Menschen an der Realität zerbrechen, flüchten, sterben, aber auch die Hoffnung und die Bücher, die die Väter den Kindern vorlesen.

Die Traumgestalten, die aus den Phantasien aufsteigen und vielleicht auch die Verrückten, die vieles sehen und spüren können und auf die man vielleicht mehr hören sollte, als sie nur mit Medikamente zuzuschütten oder in Psychiatrien einzusperren.

Ganz wird das der Wirklichkeit wahrscheinlich nicht entsprechen, aber sicher schön zu lesen, sich seine Gedanken zu machen und Thomas Sautner, als einen besonderen Autor mit  besonderen Büchern wahrzunehmen.

 

2017-03-02

Evelyn Schlags Jemen-Buch

Im zweiten Anlauf ist es jetzt doch gelungen, aus Evelyn Schlags „Yemen Cafe“ zu hören, denn als ich im November zu der angekündigten Lesung in die „Alte Schmiede“ wollte, hat mich Annalena Stabauer abgehalten, denn die Autorin krank und Lesung wird nachgeholt.

Heute war es  so weit und zu Evelyn Schlags Ehren sind auch zwei Verleger oder Lektoren aus dem „Zsolnay-Verlag“  gekommen und, ich glaube, auch einige Freunde, der 1952 geborenen und in Waidhofen lebenden Autorin, die mir schon lange ein Begriff ist und ich auch einige Bücher von ihr gelesen habe.

Das mit der Priesterliebe beispielsweise oder die „Architektur einer Liebe“, das mir einmal Trude Kloiber zum Geburtstag brachte.

„L wie Laura“, habe ich im Dezember beim Literaturhausflohmarkt gekauft und einen Erzählband habe ich auch einmal im Schrank gefunden, die ich ja eifrig frequentiere.

Annalena Stabauer, die einleitete, erzählte, daß das Buch von der Situation in Jemen ungefähr, um 2010 handelt und, daß Evelyn Schlag, die sowohl Lyrikerin, als auch Romanautorin und Erzählerin ist, sich immer auch mit gesellschaftskritischen Themen beschäftigt hat.

Jetzt also ein politischer Roman, der von einem österreichischen Arzt handelt, der nach Sanaa, die Hauptstadt Jemens in ein von Schweizern geführtes Spital geht und dort die politische Situation hautnah miterlebt.

Evelyn Schlag hat zwei Stellen aus dem Buch gelesen, die eine, die den Krankenhausalltag schildert, die schlechten hygienischen Bedingungen, kein Strom, keine Krankenschwestern, vielleicht auch keine Medikamente und es kommt auch ein Krankenpfleger vor, der zwei Jahre in Deutschland Medizin studierte, dann wegen seiner Familie in den Jemen zurückgeht und dort, weil sein Bruder entführt wurde, erpressbar ist.

Die zweite Stelle handelte davon, daß, der mit einem Freund, der ebenfalls in dem Krankenhaus arbeitet zu seiner Familie fahren will. Während der Fahrt werden sie öfter von Bewaffneten aufgehalten und durchsucht.

Sie erreichen schließlich ihre Familie. Der Krankenpfleger Hassan macht sich Sorgen, um seine sechzehnjährige Schwester. Es gibt mit dem Vater Schwierigkeiten und er fühlt sich auch zurückgesetzt, weil alle nur an den entführten Bruder denken.

In der Diskussion erzählte Evely Schlag, daß sie einen Arzt kennt, der in einem Spital in Jemen gearbeitet hat, der ihr viel von der Situation dort erzählte.

Selbst hinzufliegen ist jetzt nicht mehr möglich, der Alfred war in den später Achtzigerjahren mit dem Karli dort.

Es gibt aber in New York ein Restaurant, mit dem Namen „Yemen Cafe“, das Evelyn Schlag, als Buchtitel wählte, der Arzt wird öfter aus diesem Cafe angerufen und eine Frage war auch, warum das Buch männliche Hauptpersonen hat?

Evelyn Schlag antwortete, daß schon die Bachmann gesagt hätte, daß es wichtig wäre, die Männer aus der Sicht der Frauen zu beschreiben und der Arzt in dem Buch, hat auch einige Frauenbeziehungen, die, glaube ich, ebenfalls beschrieben werden.

Interessant, interessant, selber werde ich in der nächsten Zeit wohl nicht dazu kommen, das Buch zu lesen, da inzwischen ja wieder zehn Rezensionsexemplare auf mich warten und natürlich auch die beiden, noch nicht gelesenen Bücher, der Evelyn Schlag.

Einen Ungarn-Roman von ihr gibt es auch, da war ich bei einer Lesung und über die Situation im Jemen zu erfahren, ist sicher sehr interessant.

Evelyn Schlag erzählte noch, daß sie bei ihren Lesungen aus dem Buch Leute getroffen hätte, die im Jemen waren und die ihr gesagt hätten, daß es dort genauso wäre, wie sie es beschrieben hat, was ich ebenalls sehr interessant finde.

 

2017-01-08

Junge Hunde

„Junge Hunde“ ist der zweite oder dritte Roman, je nach dem, ob man jetzt „Die Asche meiner Schwester“ das 2008 in der NÖ Edition erschienene Buch, der damaligen Stipendiatin,  als Roman oder Erzählung rechnet, der 1987 geborenenen Cornelia Travnicek, die ja bald nicht mehr unter Dreißig ist und deren literarische Karriere ich auch schon lang verfolge.

Zufall oder nicht, es ist das zweite Weihnachtsbuch das ich voriges Jahr bekommen habe, ich glaube, ich habe es zusammen mit Sandra Gugics „Astronauten“ auf die Bücherliste gesetzt, die der Karl für mein Geburtstagsfest haben wollte, der Alfred hat mir dann die restlichen Bücher zu Weihnachten geschenkt. Jonathan Franzens „Unschuld“ war, glaube ich, dabei und muß noch gelesen werden und Richard Schuberths „Chronik einer fröhlichen Verschwörung“ ist schon gelesen und die Geburtstags- und Weihnachtsbücher habe ich mir 2015 vom Alfred anläßlich meines erstens deutschen Buchpreisbloggens ja schon im Sommer gewünscht, heuer hatte ich das nicht nötig, beziehungsweise hätte ich es auch nicht getan und Cornelia Travnicek habe ich, glaube ich, wie Sandra Gugic zuerst durch die „Exilpreise“ kennengelernt, wo beide gewonnen haben.

Cornelia Travnicek hat sehr jung, nämlich 2005 dort den Jugendpreis für deutsche Muttersprache wahrscheinlich, gewonnen, da hat sie aber, glaube ich, schon in Zeitungen veröffentlicht und auchschon ein paar Stipendien bekommen und 2008 oder so habe ichbegonnen ihren Blog „Frau Travnicek in Wien“ oder „am Land“, wie er jetzt heißt zu verfolgen und eine Serie, wie man den „Bachmannpreis gewinnt“ oder „Bis Klagenfurt anruft“, hat sie für das „Litereraturcafe“ auch geschrieben.

2012 hat Klagenfurt angerufen, aber, ich glaube, das passiert wahrscheinlich auf anderen Weg und sie hat mit einem Kapitel aus den „Jungen Hunden“, die dann 2015 bei DVA erschienen sind, den „Publikumspreis“ gewonnen und den Blog, den ich den ich einmal als sehr informativ empfunden und daher sehr begeistert gelesen habe, gibt es nicht mehr in dieser Form.

Das heißt, es gibt ihn schon, aber der letzte Beitrag stammt von November 2015 und besteht aus Rezensionen bezüglich der „Jungen Hunde“,  aktuellere Beiträge gibt es nur mehr auf Twitter und auf Facebook, aber 2009 habe ich auf ihren Blog mitverfolgen können, wie sie über eine literarische Agentur zu DVA gekommen ist.

„Die Asche meiner Schwester“ und „Fütter mich“ habe ich gelesen,“Spannung Spiel und Schokolade“, die Fließtexte, die sie mir einmal zu meinem literarischen Geburtstagsfest brachte, habe ich inzwischen von meiner Leseliste heruntergestrichen, mir dafür vorgenommen, sowohl „Chucks“, den ersten DVA Roman, der inzwischen verfilmt wurde, sowie auch die „Jungen Hunde“ zu lesen, was jetzt passiert ist.

Als „Coming of age-Geschichte“ wird der Roman angepriesen, der ein Eis am Stil am Cover hat und im Trailer sieht man Cornelia Travinec mit aufgesteckten Haaren und einem chinesischen Schirmchen Zetteln durch die Luft werfen und geheimnisvoll lächeln, ja sie hat Sinologie studiert und das Buch ist durch das „Kranichsteriner Jugendstipendium“, das sie, glaube ich, für „Cucks“ bekommen hat, gefördert worden und wurde, glaube ich, in Frankfurt sehr vorgestellt.

Eine „Coming of age-Geschichte“, ich weiß zwar gar nicht genau, was das ist, es geht aber um das Erwachsenen werden, habe ich, glaube ich bei „Amazon“ oder am Klappentext gelesen und da sind Johanna und Ernst, beide Mitte zwanzig und befreundet oder Nachbarskinder. Das Buch hat neun Kapitel und jedes ist sehr kunstvoll unterteilt, zuerst gibt es immer einen Satz oder eine Seite über Bienen, dsnn erzählt Johannaa, dazwischen hat mit einem chinesischen Zitat Ernst einen Teil in Ich Form erzählt und dann kommt wieder Johanna.

Denn Ernst wurde von Sybille und Johannes, dem Imker adoptiert, stammt eigentlich aus China und jetzt fährt er nachdem er seine Bachelorarbeit geschrieben hat, dorthin, um seine Mutter zu suchen.

Johanna bleibt zurück und hat ebebenfalls viel vor, ihr Vater kommt, weil dement in eine betreute Wohngemeinschaft, denn so nennt man jetzt die Altersheime, schreibt Cornelia Travnicek launig. Johannas Bruder soll ihn dorthin bringen. Das Haus soll, weil verschuldet, verkauft werden und Johanna, die eigentlich eine Diplomarbeit oder Bachelorarbeit über Adoptivkinder schreibt, soll es ausräumen. Das Haus ist am Land, vielleicht sogar in Traismauer, wo Cornela Travnicek ja herkommt oder wieder lebt. Das AKH Zwentendorf wird jedenfalls erwähnt, sie hat auch eine Wohnung in Wien und eine Nachbarin namens Julia, deren Kind sie betreut und dann gibt es noch einen alten Mann, den Herrn Glantz mit seinem Hund Gloria und richtig zwei Hunde Balu und Baghira, wo der erste Ernst und der zweite Johanna gehört gibt es auch.

An dem Tag, wo der Vater in das Altersheim soll, liegt Bahira tot am Boden, Johanna muß ihn vergraben, bevor die Maklerin kommt, diese Stelle hat Cornelia Travnicek, glaube ich, in Klagenfurt gelesen und Herr Glatz gibt Johanna noch seinen Wohnungsschlüßel und bittet sie, nachzusehen, wenn sie ihn einmal länger nicht sieht.

Das ist die Handlung und sie ist eigentlich sehr überfrachtet und vielleicht auch ein wenig kitschig zu nennen, aber jedenfalls sehr realistisch, obwohl Cornelia Travnicek auch eine sehr blumige und kunstvolle Sprache hat, auch manchmal ein wenig überladen, wie die „Amazon-Rezenzenten“, die zum Teil auch nur einen Sternen vergeben, bemängeln.

Ich finde sie manchmal sehr lakonisch und manchmal sind sehr kluge Bemerkungen darin, wie beispielsweise, die Betrachtungen über das Altersheim oder, daß man jetzt betreute Wohngemeinschaft sagen muß und Ernst macht in China während er seine Mutter sucht, sehr schöne Beobachtungen an Kindern, wie die beispielsweise Eis essen oder von Touristen Fotografiert werden sollen, obwohl sie das nicht wollen und weinen.

Ja, richtig, Julia, die Nachbarin, eine Sängerin, auf deren Kind Johanna aufpasst, wenn sie abends singen geht, das ist etwas, das in meiner „Wiedergeborenen“ auch vorkommt, hat kein Geld mehr die Wohnung zu bezahlen und muß nach Tirol oder Vorarlberg, wo sie herkommt zurückkehren.

Da kommt Johanna auf die Idee, sie könnte ja in das Haus einziehen, für das sich ohnehin kein Käufer findet. Ja und das habe ich jetzt ganz vergessen, Johanna Mutter, die ebenso eine Gutmenschin, wie die von Nele Pollatschek ist, ist schon lange nach Peru ausgewandertt, um dort die armen Kinder zu betreuen, der Bruder Stefan will jetzt auch  nach Kanada gehen und Johanna findet noch eine Karte, die vermuten läßt, das ihr Vater nicht ihr Vater ist und das alles mit Mitte zwanzig, wo man eigentlich erst langsam mit dem Studium fertig wird und ins Leben eintritt.

Wie geschrieben, etwas überfrachtet und vielleicht ähnlich unfertig auskomponiert, wie das mir ja auch oft passiert.

Am Ende stirbt Herr Glatz, hinterläßt Johanna sein Vermögen, so daß sie das Haus nicht verkaufen muß, den Vater wieder aus seiner Residenz holen, Julia als seine Pflegerin beschäftigen und mit ihr in eine WG ziehen kann.

Ja und Ernst, richtig, der ist  irgendwie in China verschwunden, Johanna, die Übermutter will ihn nun auch zurückholen.

Wie sie das machen will, habe ich nicht ganz verstanden, wie auch nicht wirklich, wer nun ihr richtige Vater ist, war es vielleicht der Bienenzüchter Johannes, Herr Glatz oder doch der, der wie die Mutter aus Peru mailt, der es immer bleiben wird und der mit dem Vornamen Herbert hieß?

Ein wenig ambivalent bleibe ich zurück, weil mir ein bißchen das Unfertige und das Überfrachtete an dem Roman aufgefallen ist,  der seiner Handlung und auch der Sprache wegen irgendwie schon beeindruckend war, aber vielleicht gekürzt, gestrafft und noch besser ausgearbeitet werden könnte. Aber wenn man an meinen vorherigen Artikel mit den Textfragmenten denkt, an denen ich mich vorwärtshantle, hangeln, sagt, glaube ich, Cornelia Travnicek in dem Buch irgendwo einmal, sieht man, daß ich es auch nicht besser kann, obwohl ich ja schon viel älter bin und viel länger schreibe.

Ja und vielleicht bleibt mir noch zu erwähnen, daß die „Heimsuchung“ das Buch mit dem 2009 meinen ersten „Nanowrimo“ schrieb, auch von einer jungen Türkin handelt, die nach dem Tod des Großvaters in die Türkei reist, obwohl sie dort sehr fremd ist und den Dialekt einer Ausländerin hat und in dem Buch spielen auch Blogs eine große Rolle, die ich damals gelesen habe.

Einer war der, der Cornelia Travnicek, die inzwischen auch Gedichte veröffentlicht hat und am 20. Jänner auch in einer Pub` n´  Pub Veranstaltung auftreten wird, zu der ich vielleicht hingehen werde.

2016-12-24

Wiener Wunder

Zu Weihnachten ein Krimi statt einem Weihnachtsbuch, die „Buch-Wien 2014“ und Franzobel machten es möglich und das Wort Weihnachten oder, die schon aufgestellten Dekorationen, kommen in dem Buch auch vor, spielt er ja in Wien, Ende Oktober und jetzt weiß ichs endlich, der 1967 in Völklabruck geborene Stefan Griebl, „Bachmannpreisträger von 1995 und seit einigen Jahren auch „Ohrenschmaus-Juror“ ist wie ist ein großartiger Schriftsteller, bisher war ich da eher skeptisch. Aber er kann schreiben, versucht sich in allen Genres und traut sich auch an einen oder sogar schon zwei Krimis, obwohl die, ja nicht als große Literatur gelten und ihm, wie ich hörte, der Verlag abgeraten haben soll.

Aber „Das Krimischreiben ist wie für einen Antialkoholiker die Entdeckung des Weins. Ein berauschender Genuss. Man kann sich nicht vorstellen, wie man es solange ohne ausgehalten hat!“, schreibt er am Buchrücken.

Eine Satire ist es natürlich auch, sprachlich exzellent und dennoch nicht hochgestochen und ein Genuß beim Lesen, vor allem für eine, die, wie ich, ja Schwierigkeiten beim Schreiben eines Krimis hat.

Ein Mord soll es nicht sein, also fallen bei meinen Krimiversuchen immer Äste von den Bäumen und erschlagen die Leichen und bis zum zweiten Drittel des Buches könnte man glauben, Franzobel hat mir  nach- beziehungsweise vorgemacht, wie das richtig gehen könnte, aber dann wird es, wie schon im Klappentext steht, alles anders und die Geschichte wendet sich und am Schluß wird es vollends parodistisch und man kann das Vergnügen merken, daß der Autor wohl beim Schreiben hatte.

Aber warum geht es eigentlich?

Um einen Kommisar Falt Groschen, Franzobel ist auch ein Meister der sprechenden Namen, so heißt der Journalist Walter Maria Schmierer und einen Dr. Döblinger gibt es auch, das ist der etwas doofe Untersuchungsrichter, mit Vornamen Answer, obwohl er niemals solche gibt und der Kommissar bekommt ein Mail, daß sich demnächst ein Sportler tot aufgefunden werden wird, ein als Selbstmord getaqrneter Mord und der Sportler ist ein Leichtatleht des Dopings überführt und nun aus dem Fenster gefallen und fünf Tatverdächtige ergeben sich auch gleich.

Der erste ist der Manager Stanek aus dessen Wohnung Edgar Wenninger fiel, dann seine Ehefrau Marion, die Groschen fast im Bett mit ihrem Trainer Oktavian Tulpian erwischt und dann noch den Sportreporter Walter Maria Schmierer und den Doppingfahnder Hanns  Hallux mit zwei „n“ geschrieben.

Falt Groschen führt sie alle an der Nase herum, während er das Gefühl hat ständig beobachtet zu werden. Dann bestellt er die Fünf, die er, während er mit seiner Frau gemütlich am Donaukanal essen geht, überwachen läßt, er tut das nur, um seine Frau als Köder zu benützen, am nächsten Tag in die Tatortwohnung, dort erklärt er ihnen, daß sie alle ein Motiv hätten, es aber leider doch ein Selbstmord war, weil der Gedopte sich an ihnen rächen wollte.

„Wui!“, habe ich gedacht, so muß man es machen. Es geht aber weiter. Erstens gibt es da noch einen seltsamen Nachbarn, der Falt Groschen ständig über dem Weg läuft und dann wird Karl Stanek, genannt Spritzen-Chary auch noch mit einem Gewehr im Mund tot in der Wohnung aufgefunden.

Ein Wortspiel oder eine Behauptung, daß niemand freiwillig mit Schuhen und Wertsachen aus dem Fenster springt und es deshalb ein Mord war, während Spritzen-Charly sich ohne Schuhe in den Mund geschoßen hat, gibt es auch, Franzobel scheint wirklich über eine große Phantasie zu verfügen.

Aber dann entarnt Groschen noch seinen Beobachter, trifft einen alten Schnorrer und ehemaligen Bekannten wieder und der Mörder war ein genialer Einzelgänger. Ehemaliger Wenniger-Verehrer, weil er selbst wegen eines verkrüppelten Fußes nicht so schnell laufen konnte und den hat er nur, weil seine Mutter, in der ehemaligen DDR in der sie aufgewachsen ist, einem Zwangsdoping, während man das in Wien ständig verharmlost, „ohne Doping kein Sieg!“, unterzogen wurde und der nun von seinem Liebling enttäuscht ist.

Ein vertauschtes Biertr und einen nochmaligen Fenstersturz gibt es auch , bevor sich alles aufklärt und man einen rasanten Sprint durch die Krimiphantasien eines „Bachmannpreisträgers“ gemacht hat.

Für die deutschen Leser seis verraten. Man erfährt sehr viel von Wien dabei, aber ich habe  auch nicht gewußt, daß es in der Taborstraße einen kupfernen Hirschen auf einem Dachvorsprung zu sehen gibt und eine kleine Satire würde ich annehmen, ist für die Deutschen auch noch eingebaut, obwohl „Zsolnay“ ja ein österreichischer Verlag ist oder auch nicht wirklich, sondern nur die kleine Schwester oder  der kleine Bruder des großen „Hansers“, aber weil die deutschen Großverlage ja den österreichischen Autoren, wenn sie nicht so berühmt, wie Friederike Mayröcker oder Marlene Streeruwitz sind, alle österreichischen Ausdrucke umschreiben und aus einem Karifol einen Blumenkohl etcetera machen:

„Zum Kotzen finde ich das!“, sagt Falt Groschen seinen Verdächtigen „Zum Speiben verbessert er sich selbst. Seine Frau wies ihm immer wieder darauf hin, gefälligst österreichische Ausdrücke zu verwenden – und keine deutschen. Paradeiser statt Tomaten, Erdäpfel statt Kartoffeln, Spritzer statt Schorle, Krapfen statt Berliner…“

Köstlich, köstlich und wo hat der Oberösterreicher nur so gut Wienerisch gelernt?

Eine Buchempfehlung, die man vielleicht noch schnell der Mami oder der Schwiegermutter auf den Weihnachtstisch legen sollte. Eine, die für alle passt, für die, die sich nur für die hehre Literatur interessieren und keine Genres mögen, denn Franhzobel ist ja „Bachmannpreisträger“, hat auch den Bernhardschen-Jargon bestens drauf und ist, wie weiter auf dem Klappentext steht „Einer der populärsten österreichischen Schriftsteller“ und für die, die sich unterhalten wollen und gerne Krimis lesen, ist es auch geeignet, denn es ist ja einer.

Einer in dem man viel von Wien erfährt, sprechende Namen findet, Spannung, aber auch Wissen über das Wien und seine Klischees. Es scheint aber auch, was das Dopingwesen betrifft, gut recherchiert zu sein, spannend, lustig, satirsch und wieder ein Beweis, daß man vielleicht auch Krimis lesen kann und solche schreiben, auch wenn man gegen Morde ist, aber nein-.

Denn es war ja ein Doppel- oder sogar ein Dreifachmord, aber der nicht wirklich und eine unterschobene Bierflasche des Komissars  hat es auch gegeben, also doch ein dritter Mord, aber den hat dann ein anderer fast ausgeübt.

Vom Vielschreiber gibt es inzwischen noch einen zweiten „Groschen-Krimi“, das Cover ist auch einem Groschenroman nachgebildet, den ich leider noch nicht gewonnen und auch nicht gefunden habe und bei der Vorstellung eines „Works in Progress“ bin ich vor einem halben Jahr auch in der  „Alten Schmiede“ gewesen und habe ihn auch bei anderen Lesungen schon gehört.

„Wiener Wunder“ ist aber, glaube ich, das erste Buch das ich von ihm, der ja einmal auch, ganz klein, im „Fröhlichen Wohnzimmer“ angefangen hat, gelesen habe.

2016-12-03

Wir ohne Wal

Weil ich ja jetzt mit dem „Shortlistenlesen“ des „Bloggerdebutpreises“ fertig bin, gehe ich zur „Longlist“, beziehungsweise den dort eingereichten Bücher über und lese natürlich nicht alle davon, die von „Kremayr&Scheriau“ und Friederike Gösweiner habe ich auch schon gelesen, nur die, die ich mir inzwischen bestellt habe oder zum Geburtstag wünschte und das sind noch vier andere und das erste das auf meiner Leseliste steht und auf die Besprechung wartet, ist Birgit Birnbachers „Wir ohne Wal“.

Da war ich ja im September beim „Schlagabtausch zwischen Deuticke und Jung“ und da hat ja Martina Schmidt den Debutroman aus Jochen Jungs Produktion sehr gelobt und ein Stückchen daraus vorgelesen.

Mir war die 1985 im Pongau geborene Autorin, die mit dem Buch inzwischen auch den „Literaturpreis der Jürgen Ponot Stiftung 2016“ gewonnen hat, bisher unbekannt und Martina Schmidts Schwärmerein haben mich auch nicht so berührt, daß ich mir das Buch bestellt hätte.

Dann geriet ich aber auf diesen Debutblog und da hat ja der Blogger Marc, der mir inzwischen ein paar Kommentare geschrieben hat, das Buch auf seine höchstpersönliche Shortlist gestellt und ich bin neugierig geworden.

Das Thema ist auch sehr interessant und schließt an Friederike Gösweiners Prekariat der Dreißigjährigen an.

Hier geht es um die Generation fünfundzwanzig und von ihnen erzählt, die Soziologin und Behindertenpädagogin in zehn Kapiteln oder Episoden, denn eigentlich ist es wieder ein Episodenroman und in den einzelnen Kapiteln, die schöne Titel haben und denen auch immer ein Zitat voransteht, erzählt eine Person, deren Namen oben neben dem Titel steht, etwas einer anderen und so entsteht ein Reigen von Personen und Ereignissen, die wir, wie auch in meinen „Dreizehn Kapiteln“ in den anderen Kapiteln gelegentlich wiederfinden.

Das Ganze ist sehr poetisch und sprachlich schön erzählt, deshalb ist es wohl auch bei „Jung und Jung“ erschienen und deshalb hat die Autorin auch schon mehrere Preise bekommen.

Und der Wal, der Titel gebend ist, ist eine Installation, eine Performance, die die Künstlerin Anna, der das erste Kapitel gehört, über eine Kleinstadt installiert hat, der ist immer zu sehen und schwingt sich so  durch den Reigen bis zum letzten Kapitel, wo er plötzlich verschwunden ist und die Personen, Markus, Anna, Sanela, Eve, Nora, Ella, Lautsprecher, etcetera, die durch die Kapitel führen sind entweder Studenten, Künstler oder Schulabbrecher.

Ein paar gehören wohl auch zu den Klienten von Birigit Birnbacher, denn Therapeuten, Bewährungshelfer, betreute WGs, etcetera, spielen in dem Buch eine Rolle.

Die einzelnen Kapitel oder Episoden hängen nicht sehr zusammen und es liegt wohl auch an mir, daß ich ab Kapitel fünf irgendwie den Anschluß  verloren habe und nicht mehr wirklich wußte, um was es da eigentlich geht?

Obwohl der Klappentext  eine sehr schöne Zusammenfassung von dieser verlorenen Generation gibt, die da in ihrer Kleinstadt sitzt, Drogen nimmt, zu Sexparties gehen und auch aus Langeweile und im Drogenrausch Tankstellen überfällt und dann in einer sozialtherapeutischen Einheit landet, wo man mit seinem Bewährungshelfer Psychospiele spielen muß.

Aber wieder schön der Reihe nach, die ersten Kapitel waren auch sehr beeindruckend, ist da ja die Künstlerin Anna, die zu ihrer Schwester Johanna, die Tierärztin ist, nach Zürich fährt, von ihrer Kunstinstallation erzählt und darunter leidet, daß sie nicht sozialversichert ist und, daß der Vater die Schwester, nicht sie danach fragte, ob sie ihm eine Niere spenden will?

Dann wechselt die Szenerie, von der Performancekünstlerin geht es in die therapeutische Wohngemeinschaft, denn Marko hat mit einer Pistole  im Drogenrausch eine Tankstelle überfallen und der dortigen Kassierin eine posttraumatische Belastungsstörung beschert. So bekommt er einen Bewährungshelfer, muß für ein paar Wochen in die WG und als er entlassen wird, schleppt ihm seine große Liebe Sanela gleich zu einer Party in ein geschlossenes Schwimmbad und drückt ihm wieder ein Drogenbrieflein in die Hand. Er macht wahrscheinlich das Vernünftige und, das was die Bewährungshelfer raten würden, er fährt ihr im Bus davon.

Dazwischen gibt es ein Kapitel, wo einer oder eine nach einem Unfall und einem Wohnungsbrandt im Krankenhaus liegt und aus dem Fenster den Wal beobachten kann.

Dann geht es zu Sanela, die auch in therapeutischer Behandlung ist, um mit ihrer Paranoia zurechtzukommen, das habe ich dann schon ein wenig weniger dicht gefunden und denke im realen Leben passiert es wahrscheinlich, daß Beziehungen auseinandergehen, hier war mir das aber  zu wenig ausgearbeitet und ab da habe ich, wie ich fürchten muß, den Anschluß trotz der schönen Sprache  verloren  und bin  mit dem weiteren Geschehen, wo eine Frau von einer Brücke springt, ein paar der Protagonisten Parties besuchen, wo sie sich ausziehn müßen und es auch, um die Frage geht, wie ähnlich sich Menschen und Bananen sind, nicht mehr recht mitgekommen oder noch den vorigen nachgehangen, da die  einzelnen Episoden, doch mehr Erzählungen sind, die, wie andere Rezensenten meinten, eher gewaltsam zu einem Roman zusammengestoppelt wurden, um sich, als Roman verkaufen zu lassen.

Wahrscheinlich war es mir zu poetisch und zu abgehoben und eine realistischere Erzählung, wie es mit Marco und Sanella oder der Künstlerin Anna weitergeht, wäre mir lieber gewesen, als dieses hochpoetische Hopping von Kleinstadtereignis zu Kleinstastadtereignis, das beim Lesen auch sehr anstrengend wurde, wenn man noch bei der vorigen Erzählung war, sich aber schon auf die nächste Geschichte einstellen sollte.

Das Leben ist heutzutage, hart genug, da muß man wahrscheinlich gar nicht dreißig werden und trotz bester Ausbildung keinen Jobs bekommen, auch das Leben in einer Kleinstadt, wo es Wale, als Kunstinstallationen gibt und Bananenstauden vertrocken, ist es wahrscheinlich und kann, wie ich in dem letzten Buch, das ich gelesen habe, erlebte, auch ganz einfach erzählt werden und trotzdem packen.

So bleibe ich ein wenig ratlos zurück und ich bin gespannt, was ich noch von Birgit Birnbacher hören werde und, ob ich mit ihren anderen Texten besser kann?

2016-11-15

Die alte Dichterin, die Literatur und die Kunst

„Ein Diskurs mit Poesie“, steht noch unter dem neuen, wieder im „Löcker-Verlag“ erschienenen Buch meiner Freundin und Autorenkollegin Ruth Aspöck und Roman, obwohl das Buch noch viel weniger, das das von Thomas Melle ein solcher ist, sondern wieder eine Mischung zwischen einem „Memoir“ und einem „Personal Essay“.

Das erste sehr verschlüsselt, denn die „alte Dichterin“ mit Ruth Aspöcks Biografie und ihren Werken, nennt sich ja Elisabeth Schwarz, das zweitere viel stärker, denn es werden immer wieder Zitate aus Büchern  abgedruckt, an denen die Dichterin  ihr Leben resumiert oder Fragen, die sie vielleicht gar nicht beantworten kann, stellt.

Es ist das fünfte bei „Löcker“ erschienene Buch, der 1947 geborenen Ruth Aspöck, die nächsten April ja siebzig wird, so daß wir schon eine Radumfahrt, um den Bodensee planen, denn als sie sechzig war, hat sieihren Verlag „Die Donau hinunter“ aufgegeben und ist, um das zu feiern von Wien nach Bamerg mit dem Rad gefahren.

In ihrem Verlag sind schon einige ihrer Bücher erschienen. Sie hat ihn ja auch, wie sie Elisabeth Schwarz in den Mund legt, gegründet, damit ihre Sachen erscheinen können, später hat sie bei „Löcker“ eine Heimat gefunden, ihre Tagebücher herausgebracht, Franz Grillparzer nachgefahren, ihre Kindheit nach Krieg resumiert und sich auch mit der Biografie einer bosnischen Flüchtlingsfrau auseinandergesetzt.

Man sieht, Ruth Aspöck war schon vorher autobiografisch und hat auch das verschleiert und dann wieder sehr aufgedeckt.

Die Frage, wie man mit der eigenen Biografie umgeht und, wie man sie beschreibt, ist ja eine, die auch mich sehr beschäftigt und mit Ruth Aspöcks Bücher kann man vortrefflich darüber nachdenken oder philosophieren.

Ausgangspunkt ist der Verkauf des Hauses im Mühlviertel, wo ja einmal der Verlagssitz war und sich noch die Bibliothek befand.

Die muß ausgeräumt werden. So sitzt die fast siebzigjährige Dichterin da, nimmt Buch um Buch zu Hand, überdenkt dabei ihr Leben, zitiert Okopenko, Sartre, Haslehner, sich selbst und noch einige andere und das nicht linear, sondern ziemlich durcheinander und auch sehr verschlüsselt.

So werden den Zitaten nicht direkt die Namen der Autoren zugeteilt, sondern da stehen schöne Worte, wie „Gedanken“, „Hoffnung“, „Literaturen“ und man muß erst im zehnten Kapitel nachschauen, aus welchem Buch da zitiert wurde und, um das noch schwieriger zu machen, wurden „Gedanken“, „Hoffnung“ Literaturen“ nicht alphabetisch angereiht, sondern die Namen der Autoren und man muß erst mühselig nachsuchen, wo jetzt „Hoffnung“ „Gedanken“ oder „Literaturen“ steht.

Ja, Ruth Aspöck macht es sich und ihren Lesern nicht leicht und sie ist sich glaube ich auch nicht ganz sicher, ob sie ein erfülltes Leben hatte, das da in zwanzig nicht linearen, sondern sehr sehr sprunghaften Kapitel, erzählt wird.

Wieder, wie schon bei ihren früheren Büchern, merke ich an, daß ich nicht sicher bin, wie ein Leser in Deutschland oder sonstwo, der Ruth Aspöck nicht kennt, das Buch interpretieren wird.

ich kenne ja einiges aus ihrem Leben, aber auch nicht alles, denn das Verschlüsseln, Verschweigen, Distanzieren, gehört wahrscheinlich zu ihrer Person und deshalb ist der poetische Diskurs in dem sehr viel Wehmut klingt, glaube ich, auch spannend zu lesen.

Die Worte „Demut“ und „Zurückstellen“ kommen öfter, wahrscheinlich auch in früheren Büchern vor und auch das Gefühl der Armut. Das des nicht Mithalten können mit den anderen, reicheren Kollegen aus den anscheinend besseren Familien, die die junge Elisabeth-Ruth auf der Universität trifft, als sie nach abgelegter Matura nach Wien kommt, um hier Theaterwissenschaft zu studieren oder noch besser Schauspielerin zu werden.

Das ist nicht geglückt, sie hat aber einige Leute kennengelernt, die Karriere machte und über, die nicht so erfolgreiche später dann die Nase rümpften, nicht gern in ihre Wohnung kamen, weil sie sie, wie Elisabeth-Ruth argwöhnt, als armselig empfinden würde.

Das kann ich beispielsweise nicht nachvollziehen, weil ich das Arbeiterkind aus dem Gemeindebau, erstens nie Freunde mit adeligen Namen und solcher Vergangenheit hatte, zweitens die Ruth, die ja in Wien, als Feministin und „Auf-Gründerin“ sehr bekannt ist, immer, als sehr elegant empfunden habe und mich manchmal auch ein wenig darüber wunderte, daß eine „Linke“ so elegante Kleider trägt.

Ein bißchen läßts sichs aber aus der Biografie der Dichterin erklären, die in dem Buch viele Fragen stellt, Anekdoten aus ihrem Leben erzählt und die eigene Biografie mitschwingen läßt.

Als Studentin ist sie nach Madrid Gegangen und hat darüber in ihrem Verlag, den „Ausnahmezustand für Anna“ veröffentlicht.

Sie wäre schreibt die alte Dichterin lieber nach England gegangen, aber dafür bekam sie kein Stipendium.

Später war sie einige Jahrein Kuba, hat darüber in „Tremendo Swing“ geschrieben. Hat, dazwischen, glaube ich, Ruth schreibt etwas davon, daß die schwarz blaue Regierung sie nach Kuba trieb, ihren Verlag gegründet. Wurde da von jungen Dichtern und Dichterinnen angeschrieben und hat sich auch öfter über sie geärgert, weil die es ihrer Meinung nach zu leicht nahmen, zu wenig genau und zu wenig ehrgeizig waren.

Denn das war die alte Dichterin, als sie noch eine junge Frau gewesen ist, aufrecht und offen und damit auch so undiplomatisch, daß sie es sich mit manchen Großen, die sie direkt auf Fehlstände angesprochen hat, verscherzte, so daß es nichts mit der großen Karriere wurde und sich die Dichterin immer ein wenig zurückgesetzt fühlt. Sich ihrer kleinen Wohnung, ihrer alten und abgenützten Möbel, etcetera, schämt, wie schon geschrieben, ich finde die Ruth und auch ihre Wohnung sehr elegant, wenngleich auch das Schlafizummer, das Wohnzimmer ist und das Bett jeden Tag ausgezogen werden muß.

Man erfährt also, wenn man genau zwischen den Zeilen liest, viel aus dem Leben, der jungen und älter gewordenen Feministin, die in Salzburg geboren wurde und von Linz nach Wien gekommen ist. Man erfährt aber auch viel aus dem literarischen Leben dieser Zeit und ihren Schriftstellerkollen. Kann Zitate aus Jean Paul Satres, 1948 erschienenen Essay „Was ist Literatur?“, lesen.  Erfährt viel über ihre Beziehung zu dem 2010 verstorbenen Andreas Okopenko, bei dessen letzten Geburtstagsfest und Begräbnis ich ja war.

Man erfährt sogar welche Theaterstücke, sich die „Theaternärrin“ in den Sechzigerjahren angesehen hat, denn die sich mühsam vom kleinen Stipendium geleisteten Programmhefte und Theaterkarten hat sie aufgehoben.

Jetzt blättert sie nochmal darin, bevor sie sie leichten oder schweren Herzens entsorgt. Weggibt, wie auch viele der Bücher. Die Romane nimmt die örtliche Sozialstelle, die wissenschaftlichen Werke und die fremdsprachigen Bücher, die sie sich während ihrer Auslandsaufenthalte kaufte, kommen gleich in den Müll. Ja so ists mit der Wissenschaft, die Sozialhilfeempfänger werden wohl lieber Simmel, als Satre im Originalton lesen.

Aber auch Shaekspearre wird oft zitiert und dann die Faksimile-Ausgaben weggegeben.

Die zwanzig Kapitel, durch die uns die Dichterin führt, tragen Namen, wie „Abschiedstournee, die Erste“, Anspruch und Ehrgeiz“, „Groß und Klein“, „Mißlungen/zarte Hoffnung,“Sprache, Spiel und Träume“, und so weiter und so fort.

Man sieht, glaube ich, daran schon sehr gut, worauf es hinaus geht und mit was man konfrontiert wird, wenn man sich auf den Diskurs, was ich sehr empfehlen würde, einläßt.

Interessant dabei ist vielleicht auch, um jetzt ganz autentisch zu werden, daß ich beim Zitieren der Kapitel durch einen Anruf unterbrochen wurde. Die Rutha war in der Leitung und wollte wassen, ob ich am Nachmittag mit ihr in den „Musikverein“ gehen will?

Leider habe ich da eine Stunde. Man sieht, die Dichterin ist  immer noch unermüdlich an Kunst und Kultur interessiert, obwohl sie sich schon die Frage stellt, ob und was sie als nächstes schreiben wird und anmerkte, daß sie im Alter gelassener wurde und nicht mehr so streitbar, wie früher ist.

Das Buch wurde auch schon im„Republikanischen Club“ vorgestellt und ich empfehle es zu lesen.

2016-11-14

Zwischen Schreiben und Lesen

Am neunundzwanzigsten und dreißigsten Oktober fand im „Odeon“ eine „Enquette zur Literaturvermittlung“ statt, wo die Literaturhäuser, die „Alte Schmiede“ und die „Gesellschaft für Literatur“ sich mit diesen Thema auseinandersetzten.

Dazu wurden auch eine Reihe, Margot Schreiner würde sie wahrscheinlich „Mittelschichtautoren“ nennen, eingeladen, für eine Anthologie, die von Robert Huez vom Literaturhaus Wien, Edith Bernhofer vom Klagenfurter Literaturinstitut und Thomas Friedmann vom Salzburger Literaturhaus herausgegeben wurde, Texte zu schreiben.

Bei „Klever“ erschien dann die diesbezügliche Anthologie „Zwischen Schreiben und Lesen – Über Situation, Herausforderungen und Möglichkeiten von Literatur und Literaturvermittlung in Österreich, die drei Bereich enthält.

Im ersten „Literaturbetrieb. Gesellschaft.Politik“, begann die 1953 in Linz geborene und heurige „Wildganspreisträgerin“ Margit Schreiner mit ihren Essay „Aspekte zeitgenössischer Literatur und ihre Gesellschaftlichen Bedingungen“ in dem sie sich mit dem Roman auseinandersetzt.

Das der in der Krise sei, war ihr Statement, was ich, die ich mich jetzt ja gerade mit den Debuts und dem Buchpreislesen auseinandersetzte und noch setze nicht so ganz verstanden habe, denn es gibt ja jede Menge solcher und Margit Schreiner merkt auch genau an, daß die immer dicker und dicker werden. Ja, natürlich, der von Clemens J. Setz umfaßte schon über tausend Seiten. Margit Schreiner unterscheidet auch noch zwischen Kleinverdiener, den sogenannten Mittelschachitautoren, zu denen sie sich wohl selber zählt und den Bestsellerautoren, da wird Charlotte Roches „Schoßgebete“ als Beispiel genannt.

Gerhard Ruiss folgt mit einem Einblick in die Österreichische Literatur-Verlags-und Flörderlandschaft“, die IG-Autoren haben sich 1971 gedründet, die GAV 1973, „Manuskripte“ und „Wespennest“ waren damals die führenden Literaturzeitschifrten, eine Reihe kleiner gab es auch noch, wie man vor kurzem im Literaturhaus sehen konnte, das Literaturhaus wurde 1991 eröffnet, die „Alte Schmiede 1975“.

Dann folgte der doppelte Longlist- und einfache Shortlist Kanditat Reinhard Kaiser Mühlecker und führt als Beispiel,  die städtische Bibliothek in Stockholm an, deren Speicher geschlossen war, als er sich dort ein Buch ausleihen wollte, während Marlene Streeruwitz die politische, Stockholm wieder als postitives Beispiel an Fortschrittlichkeit nennt, während in Österreich ja 2000 die blau schwarze Regierung Einzug hielt, die Autoren gespalten oder zu Unternehmern machte, Widerstandsleseungen hat es damals auch gegeben und die berühmten Donnerstagsdemonstrationen.

Theresa Präauer, die ich als Illustratorin von Wolf Haas Kinderbuch kennenlernte, die aber jetzt auch schon drei Romane geschrieben hat, beim „Bachmannpreis“ gelesen hat und mit „Oh Schimmi“ derzeit an erster Stelle der ORF Bestenliste steht, hat als Thema für ihren Essay, die Lesungen gewählt und meint, sie hätte schon tausend beigewohnt, weil sie als Studentin eine Zeitlang hinter der Bar eines Literaturhauses gestanden hätte.

Das gilt auch für mich, da stehe ich zwar vor der Bar, beziehungsweise dem Tisch, an dem im Literaturhaus der Wein ausgeschenkt wird. Bei tausend Lesungen war ich aber höchstwahrscheinlich auch schon, gehe auch sehr gerne hin und habe eigentlich auch nichts gegen die vielgeschmähte Wasserglaslesung und Teresa Präauer, kann man noch anmerken ist auch eine Meisterin des Vortrags, bezeihungsweise der Performance, die man bei ihren „Oh Schimmi-Lesungen“ merken kann.

Der zweite Teil des Buch befaßt sich mit dem Bereich „Bildung.Schule.Literaturvermittlung“ und da setzte sich, der 1955 geborene Ludwig Laher mit der Zentralmatura auseinander und bedauert, daß man in Zukunft in der Schule keine Literatur mehr vermittelt bekommt und das Gymnasium verlassen kann, ohne einen Roman gelesen zu haben.

Seinen Aufsatz aus dem „Standard“, wo sich eine fiktive Schülerin dagegen wehrt, Altenhelferinnen Arno Geigers „Der alte König in seinem Exil“ an Hand eines Textausschnittes empfehlen zu können, ist auch abgedruckt. Hier kann ich wieder nur einwenden, daß das Buch ein „Memoir“ und kein Roman ist und ich denke, daß wir alle ja von Lesetips zehren sollen, die uns den Kauf eines Buches schmackhaft machen wollen, zumindest werden sie im Netz sehr empfohlen und auch sonst sehrverbreitet.

Der 1972 in Brünn geborene Michael Stavaric beschreibt in „Identität, Initiation und (literarische Heimat) seine Erfahrungen bei Schullesungen und gibt dazu Beispiele aus seinen Kindergedichten.

Dann geht es zum „Autorenleben“ . Hier gibt die 1957 in Bozen geborene Erika Wimmer in „Maskenspiele. Die Dichterin, die Alte und ihr Biograph“, ein sehr beeindruckendes Beispiel einer literarischen Beziehung.

Der Biograph Jakob rast einer hundertjährigen Dichterin, der Text ist Rita Levi-Montalcini gewidmet, nach, um ihre Biografie zu schreiben und muß sich dabei allerlei Schrullen und Einschränkungen gefallen lassen, während, die Dichterin mit den Literaturvermittlern, den Lektoren, den Veranstaltern, den Redakteuren ringt, die ihren Gedichtband ebenfalls allerei Einschränkungen aussetzen und ihn  schlußendlich doch nicht besprechen, verlegen, vorstellen.

Dazu fällt mir die „Dora Faust“ ein, in die ich ja auch meine Absage und Bewerbungsschreiben hineinverarbeitet habe.

Der 1965 in Dornbirn geborene Wolfgang Bleier, ein mir bisher unbekannter Autor, beschreibt sein Autorenleben sehr poetisch und Martin Prinz, der mit der „Letzten Prinzessin“ von „Jung und Jung“ zu „Suhrkamp“ gewandert ist, ein „glücklicher“ Autor also, sitzt zu Zeiten der Präsidentschaftswahlen und deren Wiederholungen im Cafe Floriani und versucht seine Auftragsarbeit für die Literaturvermittlungsanthologie zu schreiben, dazwischen muß er in zwei Tagen seine Fahnen durchgehen, macht Beobachtungen, etcetera.

Dann gibts noch einen Text des 1982 geborenen Bernhard Strobels in dem Buch, der sich mit den drei „Lebenslügen der Dichter“:

  1. Literatur verändert die Welt
  2. Die Dichter schreiben für die Nachwelt
  3. Es gibt eine Weltliteratur

beschäftigt.

Ein sehr interessantes Buch, das einige sehr interessante Aspekte des Literaturbetriebs aufzeichnet, bedauert, daß es keine Leser mehr gibt, die Subventionen eingespart werden und das alles auf mehr oder weniger literarisch anspruchlsvolle Art und Weise beschreibt.

Die experimentelle Literatur kommt dabei vor, die Genres, wie Krimis, Si Fis, Romantiks, also das, was die Leser vielleicht auch und verstärkt lesen wollen, wird dabei ausgespart, aber für die hat sich in den letzten Jahren noch eine anderer Art von Literaturbetrieb eröffnet, der in diesem Essayband eher ausgespart ist.

Karla Paul bei ihrem „Pup `n` Pub“ aber sehr wohl erwähnte, als sie meinte, daß die wahren Bloger zwischen zwölf und sechzehn sind und genau darüber twittern, instagramen und vielleicht nicht mehr facebooken, weil sie dieses schon längst verlassen haben.

Und Anika Bühnemann, die ja recht erfolgreichen einen Blog namens „Vom Schreiben leben“ betreibt, hat mir einmal gemailt, daß sich die Autoren, die das wollen, nicht um den Literaturbetrieb scheren, sondern Marketingkurse besuchen, ihr Cover und ihr Lektorat selbst bezahlen, danach ihre Marke aufbauen un beim bösen „Amazon“ ihre Bücher dann mehr oder weniger gut verkaufen und bei allem bleibt für mich dann auch noch die Rolle des Lesers, übrig der vielleicht bei solchen Diskussionen, Veranstaltungen, Publikationen oft ein wenig übersehen wird und auch hier keinen Beitrag geschrieben hat, der angeblich nur acht oder neun Bücher im Jahr liest, aber einer jährlichen Überproduktion von siebzigtausend, wie man hört oder noch mehr Neuerscheinungen, ausgesetzt ist.

Ja, das Lesen ist schön, würde ich, die das ja sehr intensiv und auch gerne jenseits über jeden Genrerand betreibe, zum Schluß meinen, das Schreiben auch und es ist auch schön, daß es Institutionen, wie die „Alte Schmiede“, das Literaturhaus, „Die Gesellschaft für Literatur“, etcerera gibt und das man diese zumindestens in Wien immer noch ohne Eintritt zu bezahlen, besuchen kann.

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