Literaturgefluester

2016-04-08

Unzeit

Aus „Leipzig“ habe ich mir eine Reihe Bücher mitgebracht, die man sich so von den Ständen klauben konnte.

So hatten die“ oberösterreichischen Autoren“ ja ein Tischchen, wo sie Bücher zur freien Entnahme hatten und interessant, der Vortrag von Professor Wagner über Bernhard und Hanke, den ich vor ein paar Jahren bei den „Wiener Vorlesungen“ hörte, als ich kurz danach nach Leipzig fuhr.

Das „Marbacher Literaturinstitut“ hat, glaube ich, bevor es nach Leipzig fuhr, seine Bestände ausgeräumt und die Exemplare, die es nicht haben wollte, so ein „Jahresband zur Dostojewski-Forschung“, einen „Brobowsky-Band“ und dann noch etwas zum „Joachim Ringelnatz-Preis“, „Amazon Kindle Publishing Books“ gab es zur freien Entnahme und ich habe auch ein paar Bücher angefragt, als ich zurückgekommen bin.

Hans Weigels „Unvollende Symphonie“ habe ich schon besprochen und Marlen Schachingers „Unzeit“ zu lesen angefangen, denn der Alfred war auf ihrer Lesung im „Österreich Cafe“, ich nicht, wir trennen uns ja nach dem Eingang immer, erst durch ihr Foto bin ich auf ihr neues Buch aufmerksam geworden, das heißt, während ich in Leipzig war, hat jemand meine „Denn ihre Werke folgen ihnen nach-Besprechung“ verlinkt.

Die 1970 in OÖ Geborene ist eine, deren literarischen Aufstieg ich , ähnlich wie dem, der Gertraud Klemm, hautnahm verfolgen konnte, den ihren vielleicht noch genauer, denn „Morgen vielleicht“, ihr erstes Buch, hat die Ruth in ihrer „Donau Edition“ herausgebracht.

Ich habe es mit ihr getauscht und sie war  auch eine Zeitlang bei der „Frauen lesen Frauen-Gruppe“ des ersten Wiener Lesetheaters. Bei den „Mittleren I“, zu dem es  noch keinen Blogbeitrag gibt, habe ich sie eingeladen und in „Radio Orange“ haben wir auch einmal zusammen gelesen. Ich aus „Tauben füttern“, einem meiner Lieblingsbücher.

Sie hatte dann auch einen Krimi, ihre Dissertation geschrieben und im Literaturhaus bei dem „Schreiber–Workshop“ vorgestellt, jetzt hat sie ihr eigenes narratives Institut, drei Romane bei „Otto Müller“, die mir diese immer so freundlich zusenden.

Der Letzte hat mir ja nicht so besonders gefallen, weil sich die Realistin in mir gegen das allzu mir etwas antiquert erscheinende Phantasiche wehrte.

Jetzt also Erzählungen, etwas was ichauch nicht so gerne mag, weil mir das Herumspringen von einem Sujet zum nächsten, während ich ja noch beim letzten bin, manchmal als zu anstrengend erscheint. Aber jetzt passte es, habe ich Harland, wo ich Ostern verbrachte, ja mit zwei gelesenen Geschichten verlassen und in Wien wartete  noch die angefangene Jane Austen auf mich.

Marlen Schachinger ist auch eine frauenbewegte Feministin wahrscheinlich, hat die letzte „Autoren feiern Autorinnen-Vorlesung“ über Betty Paoli gehalten und sich in ihren elf Erzählungen, wie im Klappentext steht, anhand von Einzelfiguren mit der Geschichte des letzten Jahrhunderts, etwas also, das mir sehr gefällt, beschäftigt und auch das Thema, der ersten Geschichte „Hinter Mauern“ erscheint mir sehr vertraut.

Geht es da ja um eine Urgroßmutter, die sich das Sterben wünscht, „denn es ging doch nicht an, daß der Tod sie vergaß, nahm er die anderen allesamt mit sich Michael, Michl-Mischa und Michel“ und so beschließt sie in dem Örtchen, das wohl Rechnitz sein wird, wo ja 1945 die Ereignisse geschahen, denen jetzt wieder gedacht wird, mit dem Atmen aufzuhören.

„Die Uroma spinnt!“, sagt  Marie-Therese, die Dorfschreiberin, als sie die Zettelchen entdeckt, die dann auch in der Mauer gefunden werden, die Jan, der Schwiegerenkel, wenn ich recht verstanden habe, endlich abtragen ließ und die Thomas, der Nazi, Bürgermeister, mit den drei Zwangsarbeitern und Ex-Schwager zwischen den Grundstücken aufbauen ließ.

Michal, der Zwangsarbeiter hat sie gebaut und Michael, der Mann ist 1942 gefallen und der Sohn Michl, den die Hochschwangerer damals gebar hat Ahnlichkeinten mit beiden. Sehr interessant, der Geschichtenaufbau und an die Ereignisse von damals wurde auch erinnert.

Dann geht es weiter mit Marietta Blau, 1894-1970, eine Wiener Physikerin, die wie Lise Meitner nie den Nobelpreis bekam, denn „Frau und jüdisch, das ist zuviel!“ und die Lorbeeren ernteten auch in diesem Fall die Männer.

In „Grenzgänge“ marschiert Hannah mit  siebzehn  Djinns und einem Kätzchen im Nacken oder Rucksack sprachgewaltig, wortschöpferisch und auch ein wenig verwirrend über die Grenzsteine an der Thaya, die es heute ja nicht mehr gibt und man angeblich „nur noch ein paar Sprachkurse braucht, um sie zu überwinden“, wenn da nicht die Festung Europa wäre, die die Syrier am Überschreiten hindern, aber es gibt auch eine Vergangenheit und eine zweite Hälfte, die die Menschheit ja verloren habt, so ist Hannah auf der Suche nach ihrem Oskar und auch auf die nach der  Geschichte einer deutsch-tschehischen Zuckerfabrik und nach dem was von ihr übergeblieben ist.

Noch geheimnisvoller und grenzträchtiger, Marlen Schichinger nennt das glaube ich „Übergrenzen“ und hat auch dazu eine gleichnamige „Anthologie“ herausgegeben, geht es in „Dich rufen“ zu, wo an den Seitenrändern, manchmal Musiker und Musikstücknamen beziehungsweise Noten angegeben sind und es geht, wenn ich richtig verstanden habe, um die Fernliebe zwischen einem Geiger und einer Schriftstellerin zwischen Havanna, Argentinien, etc und um das Anpflanzen von gesundheitsschädlichen Saatengut, das wir alle wahrscheinlich nicht verhindern können, geht es auch.

Bei  „Tote Seelen“ geht es nach Havanna und zu dem Versuch eines Journalisten über den „Commandante“ kritisch zu berichten, während es bei „Was heißt schon Freiheit“ nach Cesky Krumlov geht und  über die Transformationen  einer berichtet, die die Gewalt um sich herum nicht aushält und sie auch nicht abwehren kann, während wenn ich es richtig verstanden habe „Suche und sei es in China“ die seltsame Beziehung eines Sohnes zu seiner Mutter erzählt.

Die nächste Geschichte geht auch nach Kuba und handelt „Heute reisen Sie nicht“, von den Ausreiseschwierigkeiten einer Schriftstellerin aus einem land, wo „kubanische Dichter träumen nicht mehr und das Auge verpflichtet zu sehen“ schreiben, um dann später doch all das zu schreiben, was ihren kubanischen Freunden verboten ist und für das sie keine Publiziererlaubnis bekommen.

Eine „Familienidylle“ mit Demonstration gibt es noch, zwei Linzer Kellnerinnen, die ihren Alltag unterschiedlich strukturieren und das Wochenende eine „HR-Managerin“, die wieder mit Marlen Schachingers poetisch schöner Sprache, den „Neoliberalismus“ genießt.

„Marlen Schachingers Erzählungen bilden die Zeit ab, stellen die Verhältnisse der Welt dar, welche Realitäten einzelnner widerspigeln. Manchmal zynisch, oft ironisch, sind sie  real, ein Abbild der Gegenwart, schlicht am Puls der Zeit. Die eine Unzeit ist“, heißt es im Klappentext und ich füge noch hinzu, daß mir dieser poetische Realismus viel mehr, als Geschichten mit geheimnissvollen rothaarigen Frauen, die in Kirchen wohnen und vom Wasser herkommen, gefällt.

2016-03-15

Wasser im Gespräch

Zur „Lyrik im März“ nun fast punktgenau Petra Ganglbauers „Mond und Pflanzengedichte“ aus der „Keiper-Lyrik Reihe“, der GAV-Kollegin und nunmehrigen Präsidentin, die ich wahrscheinlich schon von meinem GAV-Mitgliedsbeginn kenne, die experimentelle Lyrikerin, 1958 in Graz geboren, „Avantgardistin“, schreibt Helwig Brunner, der Herausgeber, Radiokünstlerin, Schreibpädagogin und auch meine eifrige Rezensentin, hat sie ja  im „Gangway-Net Magazin“ schon fünf Bücher von mir besprochen.

Passend zum österreichischen Lyrikschwerpunkt, wo man sich wenigstens in den Literaturinstitutionen ein wenig Gedanken, um das „Stiefkind der literarischen Gattungen“ macht, so bringt ja die „Gesellschaft“ zu dieser Zeit einige lyrische Veranstaltung und die „Lyrik im März“ der GAV wird ja seit dem Tot von Heidi Pataki und Rolf Schwendter von Petra Ganglbauer veranstaltet, während die Verlage zwar auch vermehrt „Lyrik Reihen“ herausgegeben, diese aber offenbar selber nicht zu promoten scheinen, denn es ja schon der dreizehnte Band der „Keiper Reihe“, von der ich in den letzten Jahren einiges gelesen und besprochen habe, Petra Ganglbauers Lyrik ist aber auf Umwegen und  auch  etwas verzögert zu mir gekommen.

Womit die Verlage wahrscheinlich nur dem Trend der Zeit entsprechen und vielleicht selber glauben, daß Lyrik  niemanden interessiert, obwohl sie kurz und also scheinbar schnell zu lesen wäre und angeblich inzwischen auch mehr Leute Gedichte schreiben. als solche lesen.

Schaut man auf die vorwiegend deutsche Bücherbloggerlandschaft, sieht man diesen Trend bestätigt, obwohl Tobia Nazemi, einer der vorjährigen Buchpreisblogger und vorjährige Bloggerpate des Leipziger Literaturmessenpreises (leider wurde diese Aktion auch schon eingestellt) in seinem neuen Bücherbrief Jan Wagner, dem vorigen Gewinner, mit seinem „Regentonnenvariationen-Lyrik Band“ gedenkt“ und den Autor zwar „Dichterfürst“ nennt und sich für ihn freut, daß er nun nicht mehr auf die „Writer in Residence-Programme“ angewiesen ist, aber gleich bekennt, daß Lyrik für ihn wie Sushi ist, irgendwie interessant, aber dann doch nicht sein Geschmack und es ihm, wie die meisten Bücherblogger mehr zur Prosa zieht.

Dem kann sich die realistische Schreiberin zwar anschließen, aber ich gehe, Österreich und auch die GAV machts möglich, regelmäßig zu Lyrik-Veranstaltungen und so habe ich, glaube ich, einige der Gedichte auch schon gehört und gelesen habe ich auch schon einige der „Pflanzengedichte“, hat doch Gehard Jaschke seine „Feribords“ und da gibt es einen Petra Ganglbauers „Pflanzengesichern“ gewidmeten Flyer und nun ein Gang durch die sehr kurzen  klaren Gedichte, die für die Realistin nicht immer leicht zu lesen waren, aber von Helwig  Brunner, den ich ja auch schon einige Male bei Lyrik-Veranstaltungen über Gedichte sprechen hörte, gut erklärt werden.

„Wasser im Gespräch“ ist  in zwei Teilen gegliedert.

Die „Mondgedichte“ haben wieder zehn Abteilungen und gliedern sich in „Leerer Narrenmond“, „Schwacher Herbstmond“, „Prunkender Heilmond“, „Strahlender Honigmond“, „Verdorrender Wintermond“, „Schwarzer Julmond“, „Karger Lämmermond“, „Klarer Eismond“, „Starker Unkrautmond“ und“ Finsterer Totenmond“.

Sehr poetische Benennungen, wobei es zum „Jul-Eis- und Totenmond“ wahrscheinlich keine Fragen gibt, das hat man  schon in anderen Lyriksammlungen so gehört und Heilwig Bronner betont auch die „Haiku oder Tankanähe“, aber was bitte, ist ein „Verdorrender Winter- oder ein „Karger Lämmermond und auch beim „Starken Unkrautmond“ tut sich, die Realistin in der Vorstellung etwas schwer.

Irgendwann kam dann auch die Frage, was  das mit dem titelgebenden „Wasser“ zu tun haben könnte?

Aber keine Angst auf Seite sechzig, gibts die Antwort zu lesen.

„Wasser im Gespräch, der Geste: Wir drehen uns weiter aberrund. Als Wunde, Herzpochen, Fluch. (Zu-Spruch also Nichtwort)“

Das als kleines Textbeispiel zu Petra Ganglbauers  abgehobener lyrischen Sprache und für die die es noch nicht so ganz verstanden haben, wird  dann von Helwig Brunner  noch erklärt, daß Wasser, „sowohl das Wachstum und die Beschaffenheit von Pflanzen und damit auch ihre Aussaat, Pflege und Ernten durch den Menschen bestimmt und der Mond tut das bei den Gezeiten.“

Helwig Bronner nennt Ganglbauers Gedichte lyrische Miniaturen und erklärt auch  die Beutungsverschiebungen, die vor allem in den „Pflanzengedichten“ zu finden sind, als beliebtes Mittel der experimentellen Literatur, so daß sich auch das theoretische Wissen, der Lyrikleserin, verstärkte.

Bei den „Pflanzengedichten“ geht es  über „Klatschmohn“, „Salbei“, „Gras“, „Pfingstrosen“, etcetera durch die gesammelte Flora, immer wird zuerst die Pflanze beschrieben, bevor es im Nachwort „(Mein Pfingstrosengedicht) Platzende Sonne, ein Streben, ein Platz, Greifendes Blütenversprechen reißt Dem Blau des Himmels den Sinn ein. Scherenschnittrundes rosa Paradies“ heißt.

Interessant, daß die experimentelle Lyrikerin, von der ich schon „Schräger Garten“ – Texte aus dem „Fröhlichen Wohnzimmer“ gelesen habe und wahrscheinlich bei mehreren Veranstaltungen war, die Groß und die Kleinschreibung verwendet und was die Veranstaltungen betrifft, so wird man wahrscheinlich, am Mittwoch, wenn ich schon in Leipzig bin, bei der „Lyrik im März“ im „Afroasiatischen Institut, in der Türkenstraße 3″ um 19 Uhr“ auf die ich alle Interessierte herzlich hinweise, wahrscheinlich  das Bändchen kaufen können, für das ich, weil ich keine österreichische Literatur nach Leipzig mitnehmen wollte, die „Ronja“ ein paar Tage warten ließ, ein kleiner Hinweis auf Tobias Nazemi , falls er das hier lesen sollte.

Sonst sind in der „Keiper Lyrik Reihe“ noch Bände von Wolfgang Pollanz, Helwig Brunner, Sophie Reyer, Michel Hillen, Udo Kawasser, Gertrude Maria Grossegger, Friederike Schwab, Marcus Pöttler, Ute Eckenfelder, Monika Zobel und Sonja Harter erschienen, die man sicher sehr empfehlen kann, denn man soll wahrscheinlich ja, egal ob als Mann, Frau, alt oder jung, mehr Lyrik lesen, um ein bißchen auszuspannen, zur Ruhe zu kommen, den Geist beziehungsweise, die Sprache zu schulen und Sushi schmecken ja auch sehr gut, beziehungsweise sind die Japaner als Meister der poetischen Sprache bekannt.

 

2016-03-13

Der Sommer in dem F. Scott Fitzgerald beinahe einen Kellner zersägte

Es geht gleich weiter mit den Künstlerbiographen, beziehungsweise mit einem preisverdächtigen Kanditaten für den  längsten oder ungewöhnlichsten Buchtitel.

Hat doch die1984 in Oxford geborene Emily Walton, die mir  2009 oder 2010, als sie noch für den „Kurier“ Rezensionen schrieb, durch ihre Publikationen  in „Ecetera“ oder  der „Wortlaut-Anthologie“ aufgefallen ist, ein Kapitel aus dem Leben des „Great Gatsby-Erfinders“, dem amerikanischen Schriftsteller Scott Fitzgerald, der von 1896 bis 1940 lebte und als knapp Dreißigjähriger mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter seine Sommer an der Cote d` Azur verbrachte, geschrieben.

Emily Walton, die 2012 Stadtschreiberin im Alsergrund war und in diesem Jahr auch ihr „Mein Leben ist ein Senfglas“ herausbrachte, hat inzwischen auch einige Reiseführer, darunter einen über Straßbourg, den wir vor eineeinhalb Jahren brauchen hätten könnten, geschrieben hat, ist für ihr bei „Braumüller“ erschienenes Buch, „nach Princetown, New York, Antibes und Paris“ gereist, wie ich dem Klappentext entnehme und hat ein sehr lebendiges Bild von dem kleinen verschlafenen Fischerdorf an der Cotes d` Azur gezeichnet, das 1926, wo das Buch hauptsächlich spielt, noch keinen Sommertourismus kannte.

Scott Fitzgerald ist zu dieser Zeit, der „Große Gatsby“ war schon geschrieben,  sehr bekannt gewesen, hat auch gut verdient und ist nach Europa gekommen, weil er seinen neuen Roman schreiben wollte und wahrscheinlich auch, weil in Frankreich leichter an Alkohol, als in Amerika heranzukommen war.

Und obwohl man sich damals noch nicht das Meer zum Sonnenbaden legte und es noch keinen Massentourismus gab, hat es in Juan-Le Pins, sowas wie eine Künstlerkolonie gegeben, nämlich, die „Villa America“, wo die Familie Murphy, Gerald und Sarah, mit ihren drei kleinen Kindern, ihre Künstlerfreunde, wie Ernest Hemingway, Dorothy Parkers, etcetera, einluden.

Die Fitzgeralds waren dabei und der Endzwanziger extravagant und, wie ein Dandy gekleidet, dem Aklohol nicht abhold, obwohl er ihn nicht vertrug, fiel dort, wie Emily Walton, wahrscheinlich recherchierte und dann blendend beschrieb, durch schlechtes Benehmen auf.

Man kann auch excentrisch sagen und Emily Walton meint auch, er war auf Ernest Hemingway eifersüchtig, der gerade von Spanien kam und an seinem „Fiesta“ schrieb. Ein Buch, das ich auf meiner Leseliste habe und heuer lesen will, wenn ich es nicht durch zu viele Neuerscheinungen verdrängen lassen, denn Scott Fitzgerald fiel gerade nicht sehr viel ein, die Murphys waren von ihm aber begeistert. So versuchte er ihm an seinen Verlag zu vermitteln und ihm auch bezüglich seines Manuskriptes zu beraten. Aber sonst zerbrach er auf den Parties Gläser, stellte sich provokant vor die Gäste auf, fragte, ob sie homosexuell seien oder wieviel Geld sie verdienen und steckte auch einmal einer Prinzessin eine Feige in den Ausschnitt, worauuf er von den Murphys  Hausverbot bekam.

Das mit dem Zersägen des Kellners, hat er wohl in einer Geschichte beschrieben und vielleicht auch wirklich versucht. Der Kellner wurde aber gerettet und als der Sommer vorbei war, war der Roman nicht geschrieben, die Frau Zelda krank. Sie hat den Rest ihres Lebens in Nervenheilanstalten verbracht. Die Murpys hatten ihren neuen Schützling und  selber ein paar Schicksalschläge. Die Cote d` Azur zur Modegegend und auf die verrückten Künstler, die sie 1926 dazu gemacht habt, weist heute, wie Emily Walton bei ihrer Recherche am Ort herausfand, ein Fitzgerald Menue hin, obwohl die wenigstens Gäste, eine Ahnung von dem Dichter haben, der 1940 an einem Schlaganfall verstarb, später aber durch die Verfilmung des „Great Gatsby“, ein Buch, das auch auf meiner Leseliste steht, ich glaube sogar auf Englisch, wieder berühmt wurde.

Durch Emily Waltons  dünnes Buch kann man sich eine Vorstellung von dem exzentrischen Künstlerleben in den berühmten Zwanzigerjahren machen. Mir ist der gute Scott zwar nicht sehr sympathisch gewesen, aber trotzdem spannend zu erfahren, wie die Avantgardisten ihre Karriere machten oder sich zu Tode soffen, während anderswo Buchhänderlehrlinge für den Sozialismus kämpften und dann überhaupt eine große Krise über Amerika und Europa hereingebrochen ist.

Spannen auch wieder von Emily Walton zu hören, die ich persönlich, glaube ich, bei der „Texthobellesung“ kennenlernte und inzwischen auch in die GAV aufgenommen wurde, die aber nicht mehr soviel bloggt.

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