Literaturgefluester

2018-04-23

Olga Flor politisch

Doron Rabinovici und Olga Flor

Doron Rabinovici und Olga Flor

Eigentlich habe ich heute ins Literaturhaus gehen wollen, denn da hat  Jaroslav Rudis, der heurige Gewinner des Preises der Literaturhäuser gelesen, aber da kam der Alfred daher und sagte „Ich will zu Olga Flor in den Republikanischen Club!“

Und weil ich an Alfreds arbeitsfreien Montag gerne immer etwas mit ihm gemeinsam machen wollte, habe ich  umdisponiert, obwohl ich mir schon, dachte, daß ich die 1968 in Wien geborenene Autorin vielleicht nicht ganz verstehen werde, denn sie schreibt ja sehr kompliziert.

Der „Residenzverlag“ hat eine „Unruhe bewahren“ genannte essayistische Reihe von der ich schon einige Bände gelesen habe und ihr „Politik der Emotionen“ genannter Band wurde heute vorgestellt. Als wir vor sieben den Veranstaltungssaal erreichten war es schon sehr voll.

Klaus Nüchtern habe ich gesehen, Helene Hofmann und einge andere und Doron Rabinovici hat morderiert. Der Alfred hat das Buch gekauft, so daß ich Olgas Flors Vortrag, die sehr viel mit schneller Stimme gelesen hat, mitverfolgen konnte, denn es stimmt, das Buch, das in zwei Teile nämlich „Irrwitz“ und „Witz“ geteilt ist, war sehr kompliziert, obwohl es eigentlich, um etwas sehr einfaches, nämlich die politische Lage in Österreich 2018, den Rechtsruck , den wir gerade erleben, etcetera, gegangen ist.

Olga Flor zitierte aber Hannah Arendt und las dann einige Kapitel, die  die „Angst“ und den „Neid“ der kleinen Leute betreffen, die nicht aufheulen, weil ein paar Millionäre einen Großteil des Kapitals besitzen, sondern nur, wenn es der Nachbar ein bißchen besser als sie hat.

Es ging auch um die „Vertwitterung oder „Die Twittergewitter“ der Gesellschaft und das betrifft natürlich Donald Trump und bei der Diskussion haben sich erstaunlich viele Leute gemeldet und interessant, Olga Flor, weil vielleicht ein bißchen unverständlich, wurde angegriffen, viel zu intellektuell, um den Nerv der Zeit zu teffen und viel zu schnell, lautete die Kritik und eine spannende Frage ist ja auch, was können wir uns davon mitnehmen, um den Rechtsruck aufzuhalten?

Die wurde, glaube ich, nicht so ganz beantwortet. Olga Flor gab aber erstaunlich konkrete Antworten und Auskünfte. Nachher gab es wieder Wein und Knabbereien und heftige Diskussionen, die wieder an der Frage rührten, ob es jetzt schon fünf nach oder noch fünf vor zwölf ist?

Interessant jedenfalls und wieder etwas gelernt, obwohl es  kein literarisches Buch ist, das vorgestellt wurde, sondern eher ein zeitnah aktuelles und eigentlich sollten wir uns, glaube ich, schon überlegen, wie wir den Rechtsruck stoppen können, bevor es dafür zu spät ist.

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2018-02-07

Zwei sehr sehr unterschiedliche Canetti-Stipendiaten

Wieder einmal „Literatur im „MUSA“ und die diesmaligen Leser zeigen, daß die Autorenauswahl bei den Preisen und Stipendien zum  Glück sehr unterschiedlich ausfallen können und also nicht nur ein Hort der emperiementellen Sprachrauschliteratur sein muß.

Nämlich Daniel Wisser und Olga Flora, beide sind im Musa alte bekannte, beide haben auch in Klagenfurt gelesen, Olga Flor, glaube ich, sogar zweimal und beide sind von ihrem Stil sehr unterschiedlich obwohl sich beide, wie Julia Danielcyck erwähnte, den gegenseitigen Partner ausdrücklich gewünscht haben.

Daniel Wisser habe ich, lang lang ists her, im Amerlinghaus bei einer von Ilse Kilic moderierten Veranstaltungen kennengelernt, da hat er sein „Ritter-Buch“ vorgestellt und ich dachte, wenn jemand der so realistisch schreibt, bei „Ritter“ erscheinen kann,  habe ich wohl auch Chancen.

„Welch ein Irrtum!“,würde wohl Ernst Jandl sagen und so realistisch ist Daniel Wisser auch nicht, aber jedenfalls ganz ganz anders als Olga Flor, mit deren komplizierten Sprachstil ich ja bekanntermaßen meine Schwierigkeiten habe.

Olga Flor, die erste „Veza Canetti Preisträgerin“, wie Julia Danelczyk in ihrer Einleitung erwähnte, hat mit der Lesung begonnen. Sie hat aus ihrem Buchpreis-Shortlist Buch „Klartext“ gelesen, obwohl bei „Residenz“ soeben ein neuer Essayband von ihr erschienen ist. Den werde ich wohl so bald nicht lesen. „Residenz“ schickt mir ja nicht mehr seine Vorschauen.

„Klartraum“ habe ich gelesen und noch immer nicht verstanden und Olga Flor ist ganz in schwarz mit einerm roten Schal der Stola aufgetreten und war so schnell und hastig, wie weiland wohl nur Wendelin Schmidt- Dengler. Seine Witwe saß im Publikum und Olga Flor erwähnte in ihrer Einleitung, daß es ihr schon fast zu viel Canetti wäre.

„Canetti Stipendium“, „Veza Canetti Preis“, aber dem Preis ist sie dankbar, weil sie sich dadurch mit Veza Magd oder Veronika Knecht ausführlich beschäftigt hat und aus ihrem „Klartraum“ hat sie „Verluste“ I und I, „Komik“ I und II gelesen und Daniel Wisser, den ich schon einmal im Musa hörte, hat ja bei“Jung und Jung“, wie Olga flor und nicht mehr bei „Klever“ den Roman „Löwen in der Einöde“ geschrieben und da geht es um einen Michael Braun, der im <meldeamt arbeitet und immer allen seine jugend aus den Siebzigerjahren erzählt. Das ist wohl auch die von Daniel Wisser und einen Folgeband gibt es auch „Zwischen Null und Eins“ heßt der und Daniel Wisser hat im Stehen und auswendig zwei Stellen aus beiden Büchern vorgetragen und dann im Gespräch mit Julia Danielcyck gesagt, daß der Roman keine Handlung hätte.

Jedenfalls keine so komplizierte Sprachexperimentelle, wie Olga Flor, sondern eher Alltagsgeschichten in Alltagssprache linear erzählt, etwas, was ja eigentlich nicht als so literarisch gilt und trotzdem, „Bachmannlesen“, „Canetti Stipendiat“, es geht also auch, höre und staune, aber wahrscheinlich irre ich mich schon wieder und Daniel Wisser gilt als der sprachexperimentelle Geheimtip.

Er ist ist jedenfalls immer sehr freundlich zu mir und nicht so abgehoben, wie andere Stipendiaten und Preisträger die auch im MUSa oder anderswo lesen, was mich sehr freut.

2017-10-16

Klartraum

Jetzt kommt Buch fünf der österreichischen Buchpreisliste, das vierte und das letzte, das ich habe, der kurzen, beim östBp verhält es sich umgekehrt wie beim deutschen, denn da hatte ich am Tag der Shortlistverkündigung noch keines der Bücher gelesen, beim Öst waren es drei und das vierte „Klartraum“ ist jetzt gefolgt.

Daß es sich bei der 1968 in Wien geborenen und in Graz lebenden „Veza-Canetti-Preisträgerin“Olga Flor, um eine komplizierte Autorin, beziehungsweise um ein kompliziertes Buch handeln könnte, habe ich schon geahnt oder gewußt, schließlich hat sie  auch Physik studiert.

Ich habe die Diskussion bei ihrer GAV-Aufnahme verfolgt, sie dann das erste Mal, glaube ich, 2003 gesehen, als es da beim steirischen Fest am Rathausplatz eine Lesung mit steirischen Autoren gab, eine Lesung aus „Die Königin ist tot“, habe ich in der Hauptbücherei verfolgt,den sogeannten Bloggerroman „Ich in Gelb“ gelesen und im Sommer war ich auch bei den O-Tönen, wo ihr neues Buch „Klartraum“ vorgestellt wurde und da erklärte, die Moderatorin, ich glaube, es war Daniela Strigl, es handle sich, um einen Liebesroman. Dann hat Olga Flor sehr schnell und hastig höchstkomplizierte Passagen von Gott und die Welt könnte man so sagen und ich habe nichts verstanden.

Es sind auch, glaube ich, ein paar Leute gegangen und ein paar werden sich vielleicht gedacht haben, daß das Buch der Debutantin, die ja auch auf der Öst steht und die ich erst lesen muß, verständlicher war.

Jetzt steht „Klartraum“ auf der Shortlist, was mich nicht wundert, denn Olga Flor gilt ja als hochlititerarisch:

„Olga Flor gehört zum Besten, was die österreichische Literratur zur Zeit hat“, schreibt auch Helmut Gollner im „Falter“, bzw, am Buchrücken und ihr „Kollateralschaden“ ist auch, 2009 glaube ich, auf der deutschen Longlist gestanden.

Wenn man die Qualität der Literatur an der Sprache, den komplizierten Sätzen, Wenungen und Wortschöpfungen mißt, stimmt das bestimmt, was das Lesevergnügen und die Verständlichkeit, ein Anspruch, den ich vor allem beim zweiteren hätte, wäre ich mir nicht sicher oder würde mich fragen, wer außer Kritikern das Buch zu Ende gelesen hat?

Ich vermute nicht sehr viel und meine Schwiegermutter, eine passionierte Krimileserin würde es wahrscheinlich nicht verstehen und ich eigentlich auch nicht, obwohl mich ja irgednetwas immer wieder zu den Worträuschen einer Andrea Winkler und eines Richard Obermayr zieht.

Olga Flor würde ich auch dazuzählen und sie in eine Reihe mit Lydia Mischkulnig, der neuen „Canetti- Preis Trägerin“ stellen, aber nein, Olga Flor ist ernsthafter, distanzierter und das Buch, wo ich, ich wiederhole es, nicht so ganz verstanden habe, warum es hier eigentlich geht, hat mich mehrmals an die Jelinek und in besonderen an deren „Liebhaberinnen“ erinnert.

Ich glaube, es ist derselbe Grundton oder dieselbe Absicht, die dahintersteckt und wenn ich mich nicht irre hat Olga Flor auch an einer Diskussion zum siebzigsten  Geburtstag der Nobeltreigträgerin mitgewirkt und hier beklagt, daß ihr die Kritiker immer Distanziertheit vorwerfen.

Ich tue das jetzt auch und begründe es damit, daß die Protagonisten in dem Buch keine Nnamen haben sondern A, C, G und vorwiegend P heißen.

Das ist die Frau, die durch das Buch hastet, das in Kapitel, wie „Verlust 1“, „Glück  7“,  „Komik 1“ bis zu „Lust 12“ haben und wenn mich jetzt jemand fragt, was mir ja immer sehr wichtig ist, zu spoilern, was hier eigentlich passiert?

So habe ich verstanden, P hat sich von ihrem Geliebten oder Exgeliebten getrennt, kommt nicht von ihm los, schreibt ihm Abschiedsbriefe, liegt dazwischen in einer Wohnung auf dem Boden oder unterhält sich mit einer Nachbarin darüber, wie teuer Kinder kommen oder ob es peinlich ist, wenn man bei der Elternvertretung um Unterstürzung für den Schikurs ansucht?

Man sieht, Olga Flor ist auch hoch politisch und P denkt, während sie sich die Frage stellt, wo jetzt die Liebe im Zeiten des Neoliberalismus bleibt, sich auch mit der Flüchtlingsfrage beschäftigt, beziehungsweise sich als ehrenamtliche Helferin betätigt, wird wie schon geschrieben, über Gott und die Welt, die Wirtschaft und deren Korrumpierung und noch vieles andere nach.

P dürfte, mit dem Spilern ist es hier wirklich schwer, weil die Handlung fortwährend von einem Thema zum anderen springt, man sich mal in Berlin, dann wieder in Wien oder auf einer Reise mit A., dem Exgeliebten befindet, den P offenbar, während des Studiums kennenlernte.

Beide haben Beziehungen so gibt eine C und, glaube ich, einen T Ob P Kinder hat, wurde mir nicht ganz klar. A. aber schon und P wollte das wohl auch, unabhängig bleiben. A scheint, wie das so ist, höher gestellt als P zu sein, die in prekären Verhältnissen leben dürfte und dann gibt es noch „Möglichkeit“ genannte Kapitel, wo eine G, eine Paketzustellerin, auftrittt, die offenbar ein Verhältnis mit A eingehen könnte. Es gibt auch  einen Fahrradboten, der eigentlich Islamforscher ist und einen Unfall hat und mit dem haben vielleicht P und G zu tun.

Sehr kompliziert für die Spoilerin, die vielleicht in dem Versuch Struktur in dem Buch zu finden, das Eigentlich übersehen hat. Aber ja, da gibt es noch eine Geschichte, wo sich OlgaFlor über den Literaturbetrieb, beziehungsweise über die E- Bookleser und die Fantasyschreiber lustig macht, beziehungsweise ihnen genaue Anweisungen gibt, wie man eine solche Handlung kostruieren muß, damit die Bankdaten am Ende stimmen.

Am Ende löst sich, glaube ich, A von p und C, As Gattin hat ein Problem mit ihrem Computer, geht daher in den ihres Göttergatten , findet die Mails, schickt sie an sich selbst und beschließt genüßlich sich von ihm, nachdem er sich endlich von P getrennt hat,  zu trennen und eine Quellenangabe gibt es in dem Buch auch.

„Die Pallindrome auf Seite 251 stammen von Brigitta Falkner“, die ja mit ihrem neuesten Buch ebenfalls auf der Shortlist steht.

Man sieht, Olga Flor ist tatsächlich kompliziert und experimentell und wenn ich jetzt raten soll, ob sie den Öst gewinnen wird, würde ich aus den schonzitierten Gründen „Nein!“, vermuten. Denn das würden die Buchhändler vermutlich aufschreien und stöhnen „Nicht schon wieder so ein kompliziertes Buch mit Minderheitengeschmack, den unsere Käufer nicht wollen!“ und auf die sicher leichter zu lesende kryptische PTSD-Geschichte von Paulus <Hochgatterer hinweisen.

2017-08-03

O Töne mit Irene Diwiak und Olga Flor

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 23:11
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Irene Diwiak

Irene Diwiak

Irene Diwiak

Irene Diwiak

Zwei Romane mit sehr interessanten Titeln heute bei den O-Tönen und von Irene Diwiaks „Liebwies“ habe ich in der letzten Zeit schon bei einigen Blogs etwas gehört, sie steht auch auf der Longlist des Bloggerdebutpreises, so muß ich sie nicht hinmelden und wenn ich mich nicht irre, habe ich von der 1991, also noch sehr jungen Autorin, auch schon etwas gelesen und ihr Buch muß ich sagen, klingt sehr interessant und sehr ungewöhnlich.

Es spielt in der Zwischenkriegszeit und handelt von einer unbegabten Sängerin, für die ein Libretto mit einer stummen Rolle geschrieben wird, weil sich ein Produzent sie sie verliebte.

Vielleicht finde ich das Buch einmal oder es kommt auf die Debutshortlisten, das würde mich freuen, denn ich würde es sehr gerne lesen, dafür hatte ich mit „Klartraum“, Olga Flors frischerschienenen neuen Roman, meine Schwierigkeiten, denn ich habe bei der Lesung schlicht und einfach nichts verstanden.

Daß die 1968 in Wien geborene und in Graz lebende Physikerin, Veza-Canetti und Wildgans-Preisträgerin sehr kompliziert schreibt, habe ich zwar schon bei einigen Lesungen merken können, ich habe auch ihr letztes Buch gelesen, aber jetzt leitete Daniela Strigl eine Liebesgeschichte ein und dann kamen eigentlich seitenweise Monologe einer „P“ über Gott und die Welt oder überhaupt alles und erst beim anschließenden Gespräch habe ich mitbekommen, daß es um eine Dreiecksbeziehung und zwei Soziologen, wo einer neoliberale Karriere machte und die zweite, eben die Frau offensichtlich überbleibt, wenn ich da jetzt nichts mißverstanden habe.

Olga Flor

Olga Flor

Olga Flor

Olga Flor

Interessant könnte man bezüglich der heutigen Bandbreite sagen und es gab auch illustres Publikum, so habe ich, glaube ich, Lorenz Langenegger, auch ein „Jung und Jung“ Autor gesehen, Sabine Gruber und es war auch Julia Danielcyk mit ihrer Assistentin da, obwohl der Besuch heute, weil es gleichzeitig ein Damenfußballspiel, das auch einige Gemüter erregte, gab, diesbezüglich etwas geringer war.

Und für die, die es interessiert, füge ich noch an, daß das Buch das ich, während ich mir den Platz sicherte, gelesen habe, Melinda Nadj Abonji „Tauben fliegen auf“ war, das 2010 den dBp bekommen hat und auch ein „Jung und Jung“ erschienen ist, das ich mir inzwischen nicht nur beim letzten Hauptverbandflohmarkt kaufte, sondern in einer anderen sehr schönen Lizensausgabe auch bei der „Seedose“ gefunden habe, so daß ich ausnahmsweise das Buch zweimal habe.

2015-03-21

Ich in Gelb

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:37
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Die 1968 in Wien geborene und in Graz lebende Autorin, Olga Flor, die Physik studierte, 2012 den „Wildgans“, 2014 den ersten „Veza Canetti-Preis“ bekam und im vorigen Jahr das zweite Mal in Klagenfurt gelesen hat, ist, wie in ihren Biografien steht, eine politische Autorin und das ist auch in ihrem neuen,  bei „Jung und Jung“ erschienenen Roman „Ich in Gelb“, mit blauem Cover und der Abbildung eines roten Glasmodell einer Qualle aus dem naturhistorischen Museum zu merken und hat bei ihren Romanen, da gibt es schon einige, aus „Kollateralschaden“, nominiert für den dBP und „Die Königin ist tot“ habe ich sie lesen gehört, einen frischen neuen Ton und die Physikerin in ihr, merke ich flapsig an, macht das Ganze auch noch sehr kompliziert.

Es geht um eine Modebloggerin, um Alice (Wahrscheinlich nicht aus dem Wunderland, obwohl die Rezensenten  darauf anspringen werden oder doch vielleicht, ist unsere schöne neue Welt höchstwahrscheinlich eine solche), zwischen dreizehn und vierzehn Jahre alt, man sieht Olga Flor begbt sich in unbekannte Gefilde, aber  ein Jugendbuch ist der Roman nicht, hat es geschafft, sich einen Namen als Modebloggerin zu machen, so daß sie schon mit Klagen bedroht wird und in Amerika aussagen soll, die tolerante Mutter unterstützt und tröstet mit „Wir haben eh eine Rechtsschutzversicherung!“

Beim Bloggen nennt sie sich next girl, wie das in der schönen neuen zweiten Welt so ist und das Ganze wird, wie ich dem Klappentext entnehme, in „Kurztexten, Kommentaren, Links und Bildern zu einem engmaschingen Netz verknüpft“.

So ganz hätte ich das gar nicht so empfunden, wird ja doch zum größten Teil der Reihe nach erzählt oder halt, der Reihe nach nicht, sondern, wie es sich in der neuen Wunderwelt vielleicht so gehört, von hinten nach vorn und von dort zurück, deshalb habe den im Text angekündigten „Knalleffekt“ vielleicht versäumt und kann hier mit meiner inzwischen auch schon sechseinhalbjährigen Bloggerinnenfahrung und rund 2165 Posts, nur das wiedergeben, was ich verstanden habe.

Es gibt also im Naturhistorischen Museum ein großes Event, der geniale Modeschöpfer Josef scheint hier eines seiner Models in einen Fisch zu verwandeln und unsere Bloggerin, ein Scheidungskind, mit einer toleranten Anästhesistinmutter und einem Vater, der zufälligerweise als prekär beschäftiger Wissenschafter in diesen Museum arbeitet, die Tochter nennt ihn frech Museumswärter,  läßt sich von ihm in dieses Event hineinschmuggeln.

Das war am 12. 12. und der Knalleffekt ist wohl das Model Bianca, das einen Wurmforsatz in sich trägt, wegen ihrer Allergien zuviel Wurmpulver genommen hat, deshalb einen Wurm gebiert oder ist sie vielleicht doch von Assistenten Eddie schwanger, aber das kann auch nicht sein, ist die Modelwelt, wie man quasi als Nebeneffekt aus dem Buch erfährt, doch sehr hart und rau, es gibt zwar Gewichtskontrollen, um der bösen Presse nachzuweisen, daß das mit den Hungermodels nur Chimäre ist, aber dann trinken die halt ein paar Liter Wasser, damit das Gewicht wieder stimmt und werden, das hat die Bloggerin durchgestrichen von ihren Schulden so erschlagen, es weren ihnen die Castingkosten verrechnet, die sie dann abarbeiten müssen und sind sie zu dick oder haben einen Pickel auf der Stirn, werden sie gefeuert und müssen ihre verbliebenen Schulden woanders abarbeiten, daß sie sich nicht wehren können.

Es geht auch um den Mißbrauch, den diese jungen Models, bei den meist älteren genialen Modeschöpfern, Assistenten, etc ausgesetzt sind.

Next girl deckt das locker flapsig auf und wird dadurch mit den schon erwähnten Klagen bedroht, auch zum Schulpsychologen geschickt und hat sich dann, was ich, die ich ja selber solche Test durchführe, besonders reizend finde, sich mit Satzergänzungen herumzuschlagen, „Was mich ärgert…Schulpsychologinnen“, beispielsweise.

Sie ist, wie erwähnt ein Scheidungskind, der Vater hat die Mutter wegen einem Mann verlassen und das Elend der jungen überforderten Jugend in der neuen geilen Computerwelt läßt sie Olga Flor bloggen und hat dabei, auch das habe ich schon erwähnt, eine wirklich frische Sprache, so daß man vielleicht gar nicht so schnell begreift, daß man den Inhalt der flotten Geschichte nicht ganz verstanden hat.

Aber das war sicher Absicht, denn unsere Welt ist ja erstens sehr kompliziert und zweitens hat man und davon kann auch die Literaturgeflüsterbloggerin erzählen, mit einem linear von vorn nach hinten erzählten realistischen Roman keine Chance mehr im Literaturbetrieb und wenn er noch so politisch ist.

Ich weiß auch nicht, ob sich die Welt der Modebloggerinnen wirklich so abspielt und, ob ein Modeblog so aussieht, wie er in dem Roman geschildert wird, lese ich ja keine solchen und die Literaturblogs, die ich lese, sind sehr verschieden.

Olga Flor hat indessen auf ihrer Seite  einen Blog eingerichtet, wo man wahrscheinlich etwas über ihr Buch erfahren kann und nennt ihn „dasistkeinblog.com“ und das Buch endet am 11.11. mit den Worten „Das ist kein Blog. Das oder der ist überhaupt die Frage. Muss man sich bei allem festlegen?“

Da füge ich noch einmal frech hinzu, daß es für mich selbstverständlich der Blog heißt und, daß ganz hinten einen Bildnachweis zu in dem Buch abgebildeten Objekten gibt, die sowohl aus dem Internet, aus verschiedenen Museen oder von Fotos der Autorin stammen.

Eine Danksagung gibt es auch, Olga Flor hat viel bei den wissenschaftlichen Mitarbeitern des naturhistorischen Museums recherchiert und sich von dem kritischen Model Cordula Reyer beraten lassen und ich denke abschließend, daß der politische Blick in die scheußlich schöne Modelwelt und das harte Aufwachsen der Deizehn bis Vierzehnjährigen zwischen Magersucht, Bingeeating und Schulpsychologinnen in dieser neuen freche Sprache sehr  interessant war, auch wenn uns Olga Flor am Ende einen Bären aufgebunden hat und es kein Blog war, den sie uns da auf zweihundertneun Seiten präsentierte, sondern ein zeitgenößischer Roman,  aber das steht ja auch in dem Buch geschrieben.

Das Buch ist, glaube ich, auch zum heutigen „Indie-Book-Day“, wo man in eine Buchhandlung gehen und sich ein Buch aus den unabhänigen Verlagen kaufen und auf seiner Seite posten soll, sehr zu empfehlen, obwohl ich es nicht gekauft habe.

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