Literaturgefluester

2018-11-03

Die Fahne der Wünsche

Jetzt kommt das zweite Buch, des 1981 in Sarajevo geborenen Tiljan Sila, der seit 1994 in Deutschland lebt und als Berufsschullehrer arbeitet, dessen „Tierchen unlimited“ mir sehr, den anderen weniger gefallen hat und man jetzt sicher über seinen zweiten Roman und die Frage, wie wichtig, ein solcher für die Karriere ist und wie gut, die meistens nach den Debuts gelingen, diskutiert.

Es ist, denke ich, ein Jugendbuch, ein dystopischer Roman, der den Jugendlichen, das System einer Diktatur ala DDR oder auch die in Albanien, Rumänien, Bugarien etcetera näher bringen könnte. Denn das Buch spielt in einer osteuropäischen Dikataur namens „Crocutanien“, das von den „Spiroisten“ beherrscht wurde und es hat, ein der Berufsschullehrer wird es schon wissen, ein die Jugend interessierendes, nämlich den Sport zum Thema.

Ein älterer Mann, der Goldene, wegen seiner ersetzten Goldzähne, genannter ehemaliger Radrennsportler blickt im Westen auf seine Jugend zurück. Das heißt, er bekommt einen Anruf aus seiner ehemaligen Heimat, die sich jetzt offenbar mehr oder weniger von der Diktatur erholt, der ihm von Tod seiner Mutter berichtet und die Geschichte beginnt:

„Crocutanien, ein tolatlitärer Staat am Rande Europas, versinkt im Chaos. Mittendrin ein junger Rennradfahrer, der lernt, nicht aufzugeben, auch wenn es scheinbar nichts mehr zu gewinnen gibt.“, steht am Buchrücken.

Ich würde den Ambrosio als Mitläufer und daher als eher unsympathische Figur beschreiben. Aber so war es halt in den sozialistischen Dikataturen. Man konnte nicht aus, wenn man überleben, seine Familie schützen, etcetera, wollte, würde man heute sagen.

Ambrosio hat und das ist interessant, weil es meiner Meinung nach eher die heutige Realität, als die vor vierzig Jahren, Ambrosio ist im Eingangskapitel sechzig und erinnert sich an dieZeit zurück, wo er etwa sechzehn oder siebzehn war, entspricht, eine depressive, er nennt sie „irre“ Mutter, die ihm feindlich gegenübersteht und sich sonst eher, die wie von Helene Hegemannns Heldin benimmt.

Der Trainer des Siebzehnjährigigen erkennt die Misere, holt ihn zu sich und verschafft ihm später einen Platz in einem eher lockeren Internat, wo er ähnlich, wie der Held in Andre Kubitscheks „Skizze“ eines Sommers“ die Freuden eines Siebhehnjährigen  erlebt. Er liebt Betty, ebenfalls eine Leistungsportlerin, die sich später in den Westen absetzt, kennen und er begegnet mit einem Freund einem Flipperautomaten. Ein harmloses Vegnügen könnte man meinen. Nicht in einer Dikatur, die den Leuten alles verbietet. Er wird deshalb von den „Mäntel“ also der Geheimpolizei zusammengeschlagen und als sich der Trainer auch ins Ausland absetzt, verliert er seine Zähne, die ihm später durch die „Goldenen“ ersetzt werden und dafür muß er zum Spitzel werden.

Er lernt dann noch ein paar Jungs und Mödel vom Kader kennen, Kinder der Familie, die in der Diktatur aufgestiegen ist, das ist ähnlich wie in Nordkorea. Es kommt zu einem Putsch. Ambrosio kann sich mit seinem Rennrad in den Westen ansetzen und nun erfährt er vom Tod seiner Mutter, die er zurücklassen mußte, die auch in eine berüchtigte Anstalt gebracht wurde und dort verhungerte, was ihm den letzten Rest gibt oder auch nicht, denn:

„Manche überlebten und schämten sich – aber ich nicht.

„Und was machst du jetzt?“, fragte der Taxifahrer.

„Jetzt gehe ich wieder.“, lauten die letzten Sätze.

Schwer zu sagen, wie ich das Buch einordnen soll. Es ist ein Jugendbuch, das die Jugend von heute wahrscheinlich vom Rechtsruck abhalten und ihnen ein bißchen beibringen soll, wie es damals in der DDR oder auch im kommunistischen Jugoslawien, von wo Tiljan Sila ja herkommt, war.

Ich werde demnächst fünfundsechzig und habe schon viele dieser Bücher gelesen. So daß  mich dieses eigentlich weder überraschen noch vom Sessel reißen konnte.

Das Neue, was ein gutes Buch ja angeblich haben muß, war für mich also nicht darin enthalten, was vor vierzig Jahren aber sicher anders gewesen wäre und der gute Ambrosio war mir ein bißchen unsympathisch.

Aber so wars halt das Leben in der DDR-Diktatur oder in der  Ex-Jugoslawiens und das arbeitet Tiljan Sila, glaube ich, gut heraus, obwohl er es nicht so benennt und den Ambrosio eigentlich als Helden einführt.

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