Literaturgefluester

2018-03-01

Abifeier

Filed under: Bücher — jancak @ 00:36
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Jetzt kommt ein kleines feines Büchlein über die Leiden eines geschiedenen Vaters während der Abifeier seiner Tochter. Ein Buch, das der „Buchbloggerin“, weil leicht zu lesen, gut gefallen hat und das Patchworkthema ist ja, weil jede zweite Ehe geschieden, sehr aktuell.

Roman steht auf dem hundertfgünzigseiten Buch und es ist natürlich wieder keiner. Vielleicht sollten die Verlage einmal ein Romanbezeichnungsseminar veranstalten, aber ich weiß, dann findet es unter dieser Klassifizierung bessere Absatzmöglichkeiten, so meinen jedenfalls die Verlag und der Autor Eric Nil, ist laut Klappentext ein bekannter Schriftsteller, der „Erfahrung mit den Familienscharmützeln“ hat.

Die „Buchbloggerin“ hat einige Vorschläge, um das Pseudonym aufzudecken, ist es vieleicht Axel Hacke oder Frank Goosen? Da habe ich keine Ahnung, weil ich beide Autoren nicht kennen, mit Sicherheit aber ein geschiedener Mann würde ich vermuten und warum bekennt er sich nicht zu seinen Familienschwierigkeiten?

Da ist also der Ich-Erzähler, ein Filmemacher, wenn ich richtig gelesen habe, der von einigen Jahren von Basel nach Hamburg gezogen ist, er hat die „Flüße gewechselt“, das ist seine Bezeichnung für die Scheidung und in Basel ist seine Ex-Frau Bea mit den beiden Kindern Nora und Alex zurückgeblieben. Das Besuchsrecht hat sich bei diesen Entfernungen als schwierig erwiesen. Alex lehnte den Besuch des Vaters überhaupt ab, Nora war da flexibler und weil sie in ihrer Schule eine Prüfung nicht schaffte, entschied sie sich irgenwann zum Vater zu ziehen, der inzwischen eine Freundin namens Johanna mit zwei Kindern hat, die von einem Rolf geschieden ist.

Die macht jetzt Abitur und für den Abiball muß man rechtzeitig bekanntgeben, wer mit wem an einem Tisch sitzen will?

„Kein Problem!“, denkt der Vater. Er mit Bea, Alex, Nora, Johanna, Rolf, Tobias und Grübchen, so wird der kleine Max genannt. Es gibt dann noch einen Freund Noras names Lukas und die erste Schwierigkeit taucht auf, als sohn Tobias, der in die selbe Schule wie Nora geht und also auch gerade Abi machte an den Tisch mit seinem Freund sitzen will. Er hat eigentlich eine Freundin namens Shirin, aber die kommt aus Afghanistan und  hat einen Onkel und der will keinen deutschen Freund seiner Nichte und ab da tauchen Fragen auf, soll Johanna mit Bea an einem Tisch sitzen und wie wird es de, Autor mit Rolf gehen?

„Blödsinn!“, habe ich im ersten Moment gedacht.

Was soll das, das sind doch erwachsene Menschen. Die werden es wohl einen Abend an einem Tisch aushalten. Liest man das wirklich flott geschriebene Buch, kann man, obwohl ich ja nicht geschieden bin, die Bedenken nachvollziehen und sich in diese Familienschlamützel hineinzudenken ist wirklich amüsant und nein, es kommt nicht zur großen Katastrophe. Höchstens zu ein paar Kleineren, denn Johanna ist dem Erzähler blös, weil er sie, die ja jetzt an getrennten Tischen sitzen, nicht zu der Fabrikshalle, wo die feier stattfinden soll, fahren kann, muß er ja Alex und Bea abholen.

Die Begegnung mit Sohn und Vater ist schwierig. Nora hat sich inzwischen von Lukas getrennt und sitzt, glaube ich, an einem Tisch mit einem Großvater, der ihr ständig erzählt, daß Ehen nicht dazu da sind geschieden zu werden und man Beziehungen mit Toleranz aushalten muß.

Das buch geht dann noch nach dem Abi, wo ja alle überlebten und Bea mit Alex wieder zurück nach Basel geflogen sind, weiter und die nächste Katastrophhe scheint sich anzubahnen, als Tobias, der sich vorübergehend auch von Shirin trennte mit Nora bei der Premeirenfeier seines Vater in schwarz weißen Gleichklang erscheinen und sie alle für ein Paar halten.

Zu Weihnachten erschwischt Grübchen, die beiden noch beim Küßen und die nächste Katastrophe bahnt sich an. Aber Achtung Entwarunug! Alles halb so schlimm und es war nur ein Fake.

Ansonsten können einen Patchworkfamilien schon zum Schwitzen bringen und am Schluß bleibt noch die Frage, wer nun der Autor dieses Antifamiliendramas ist? Vielleicht finden wir es noch heraus.

2015-11-16

Zehntelbrüder

Den zweiten Roman der 1963 geborenen  Tochter des zeitgenößischen Komponisten, Ruth Cerha, habe ich auf der ersten  „Rund um die Burg“ neu neu kennengelernt und ihn im vorigen Sommer um zwei oder drei Euro beim „Morawa“ gekauft, inzwischen ist der hochgelobte Sommerroman „Bora“ erschienen und durch „Buzzaldrin“ zu mir gekommen, mal sehen, ob ich ihn heuer noch zu lesen schaffe.

„Die Zehntelbrüder“ erinnern stark an Elfriede Hammerls Patchworkfamilien, obwohl hier der Protogononist der Endzwanziger Mischa, DJ aus Wien ist, er ist mit seiner sehr jungen Mutter Margit in einem Gasthaus aufgewachsen, wo sie kochte, den Vater Chris einen Musiker hat er kaum gekannt, der Großvater Grossmann, ein ziemlich reicher, in Grinzing oder so wohnender Typ tauchte nur einmal auf und dann nie wieder, dafür zog Margit mit dem Kleinen zu dem Tschechen Janek, der schon Zwillinge von einer Gisela hatte und dann von Janek noch Jul bekam, eine Jenny tauchte auf und Margit verschwand immer öfter und blieb dann endgültig weg, Mischa blieb bei Jenny, einer ziemlich esoterischen Kindergruppentante zurück, kümmerte sichum Jul, nachdem Janek nach Spanien, verduftete kämpfte mit den Zwillingen und Gisela bekam noch zwei Zwillingsmädchen von einem Norbert.

In dieser Situation ist es wahrscheinlich natürlich, daß man die Schule schmeißt, obwohl Mischa nach anfänglich schlechten Erfahrungen einen großen Bogen um Drogen und den Alkohol macht.

Jetzt ist er, glaube ich, vier-oder sechundzwanzig, legt Platten auf und ist in einer Krise, denn seine Freundin Hannah, um einiges älter, will ihn zu ihren Eltern mitnehmen. Das Paar scheint sich zu trennen, Mischa träumt schlecht und denkt über sie beziehungsweise seine Familie nach, denn der sechzehnjährige Jul, sein Zehntel oder Sechstel oder was auch immer Bruder, scheint in die rechtsradikale Szene abzukippen, beschmiert Schulwände, säuft sich an, so daß er ihn sowohl von der Polizei abholen, als auch die Rettung holen muß und eine der Zwillingsschwestern Lilli, taucht auch noch auf, sie ist jetzt vierzehn und will für ein Schulprojekt einiges über die Familie wissen.

Mischa muß bei einer Reichen Party auflegen und lernt da die exzentrische Nella kennen, die unverläßlich ist, Angst oder Paranoia zu haben scheint und einen eifersüchtigen Bruder, der Mischa zusammenschlagen läßt, wenn er sich mit ihr trifft.

Dann bekommt noch Hannah ein Kind von einem anderen, von dem sie weder Namen noch Telefonnummer weiß und alle beschließen nach Ibiza zu Janek zu fliegen, um ihm ihre Meinung zu sagen.

Am Ende ist Mischa dann mit seiner Tagesfreizeit Hausmann geworden und versorgt den kleinen Jakob, dessen Vater er nicht ist, er trifft aber auch Nella wieder und das Ende bleibt wahrscheinlich offen, beziehungsweise sind noch ein paar Protokolle von Mischas und Lillis Familienrecherchen angeheftet.

Das Buch wird in zwei Erzählsträngen entwickelt, rückwärts in die Vergangenheit und dann auch wieder nach vorn, so daß man nach und nach die Zusammenhänge und das Elend der ach so modernen Patchworkkinder erkennt, die von irgendwelchen ständig wechselnden Personen aufgezogen werden, mit denen sie nur zu einem Sechstel bis Zehntel, wenn überhaupt verwandt sind.

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