Literaturgefluester

2020-05-03

In Zeiten der Ansteckung

Filed under: Bücher — jancak @ 00:57
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Jetzt kommt ein kleines dünnes Büchlein, cirka siebzig Seiten, als E-Book Anfang April, als Taschenbuch bei „Rowohlt“ Ende April erschienen, des 1982 in Turin geborenen Paulo Giordano, der Physik studierte, aber sehr bald mit seinen „Einsamkeit der Primzahlen“ zum Bestsellerautor wurde.

Das Buch habe ich, 2012 glaube ich im „Wortschatz“ gefunden und bin so in Kontakt mit dem jungen Autor gekommen. Ein zweites Buch „Der menschliche Körper“, habe ich auch dort gefunden aber noch nicht gelesen. Das Dritte „Den Himmel stürmen“  hat mir, als ich das letzte Mal auf der Buchmesse war, ein Mitarbeiter, den es dort nicht mehr gibt , empfohlen und dann geschickt, als es  erschienen ist.

Da hätte es in Frankfurt, glaube ich, auch eine Party mit Wein und Antipasto gegeben, aber dorthin fahre ich ja nicht, also beim Lesen selber den Rotwein, wahrscheinlich war es kein italienischer, eingeschenkt und  nun ist der studierte Physiker offenbar unter die Sachbuchautoren gegangen, beziehungsweise, hat er Ende Februar, Anfang März, als die Pandemie noch eine Epidemie war und gerade von China nach Italien überschwappten und hierzulande noch die Chinesen auf der Straße beschimpft wurden, die wahrscheinlich schon in Wien geboren wurden und seit Jahren nicht mehr dort waren, ein Büchlein mit seinen Gedanken, die ungefähr, so wie bei den meisten „Krise als Veränderung“, lauten, herausgegeben, das ich, die ich mich ja natürlich für die Krise interessiere und mir auch meine eigenen Gedanken darüber mache, begierig gelesen.

Und ich kann schreiben, wie auch manche Amazon-Autoren, soviel Neues finde ich darin nicht, sondern wahrscheinlich genau das, was ich ungefähr eine Woche nach den von Giodano genannten Zeitpunkten dachte, als ich das letzte Mal bei einer literarischen Veranstaltung, also im Literaturhaus war, versuchte den Sicherheitsabstand einzuhalten, aber noch einige Hände entgegengestreckt bekommen habe, dachte „Das Virus macht mir keine Angst, der Polizeistaat und die Entmüdigungen, die daraus entstehen können, aber schon!“, habe ich, glaube ich, zur Erika Parovsky, die gerade von Israel zurückgekommen ist und zu Elfriede Haslehner, vielleicht auch zu Ruth Aspöck gesagt und kann mich noch erinnern, daß ich, als von den möglichen Geschläftschließungen, die es damals in Italien schon gab, die Rede war „In ein zwei Wochen ist das dann auch bei uns so weit!“, sagte. Das kam dann viel früher, denn schon am nächsten Tag gab es die erste Pressekonferenz mit Kanzler Kurz, der „Bleiben Sie zu Hause und stellen Sie Ihrer Großmutter die Einkäufe vor die Tür!“, sagte und ich war an dem Büchlein natürlich besonders interessiert, weil es ja die Zustände in Italien schildert, das damals nach China noch am meisten davon betroffen war, Spanien, Frankreich, England, USA folgten und das Spannende ist, daß das, was Paolo Giordano da Ende Februar, Anfang März schrieb, sich so gar nicht davon unterscheidet, was ich immer noch über das Sars Cov 2- Virus, heißt es, schreibt Giordano und die daraus entstehende Krankheit „Covid 19“ denke.

Da gab es ja von Anfang an die Information, daß dieses Virus zwar sehr ansteckend ist, aber nur ein kleiner Teil erkrankt, die meisten merken die Ansteckung gar nicht, aber die betroffenen, ältere und kranke Menschen erwischt es dann sehr intensiv, so daß in Folge der weltweiten Globalisierung, Panik den ganzen Globus erfüllten, es zu Shutdowns und weiterer Folge zum Niedergan der Wirtschaft führte.

Aber stop halt, noch sind wird nicht soweit, noch haben wir Ende Februar, in Italien werden die ersten Gebiete geschlossen, in Österreich treten Ärzte im Fernsehen auf und erklären, wie man sich die Hände wäscht und das man diese keinem geben soll.

Paolo Giordano erklärt dann ganz genau, den Widerstand, den es erweckt, wenn man sich plötzlich zu Gusten aller einschränken soll oder muß. Er führt ein Beispiel an, daß er an diesem Wochenende, noch im Februar, wo eingeladen war, aber schon niemanden küßen wollte, was da noch allgemeines Unverständnis erregte und schreibt später von einem Geburtstagsfest zu dem er gerne gegangen wäre, aber die Vernunft und der gesunde Menschenverstand, wie, glaube ich, derzeit Vizekanzler Kogler gerne sagt, hinderten ihn daran.

Der Mathematiker führt auch mathmatische Beispiele bezüglich der Ausbreitung des Virus an , das von Fledermäusen übertragen wurde und der Markt von Wuhan, wo diese Tiere verkauft werden, ist sehr eng. Inzwischen gibt es ja Zweifel, ob das Virus wirklich von dort her kommt und die sogenannten Fakenews bezüglich des Entweiches aus einem geheimen Labor gibt es auch. Da meint Giordano, das soll man lieber in einen Film so beschreiben und sich besser an die Fakten halten und kommt dann zu der Chance, die das Ganze hat und die ungehemmte Globalisierung, die die schnelle Ausbreitung natürlich sehr beschleunigt hat, gibt es auch zu überdenken.

Am Schluß zitiert er einen Bibelvers, den Psalm 90 „Unsere Tage zu zählen lehre uns“ und natürlich ist die Krise eine chance sein Leben zu überdenken und zu überlegen, was man nachhher vielleicht anders machen will.

Ich habe das getan und denk,e es ist für mich vielleicht ein sanfter Beginn in meine Pension einzusteigern und mich nicht mehr so zu ärgern oder zu kränken, wenn die Klienten nicht kommen, wenn ich in der „Alten Schmiede“ oder in der Gesellschaft“ nicht lesen darf, etcetera weil ich mir ja meine Bücher selber mache, bezweifle aber, daß die Krise allgemein wirklich zu einem Umdenken führen wird.

Sie wird die Welt verändern, sicher, die Fluglinien gehen ja ein, und diePolitiker sind wohl auch auf die Idee gekommen, das Beispiel Chinas, das schon in der Überwachung viel weiter ist, zum Wohle der Gesundheit allgemein einzuführen, aber sonst wird die Welt durch das Virus wohl nicht besser werden.

Ganz im Gegenteil meint die Pessimistin und glaubt auch, daß sich Viren in Zukunft wohl schneller und öfter verbreiten werden und das Umgehen damit, also die Angst davor, im Zeiten der Globaliierung zugenommen hat.

Ein interessantes Buch, wenn auch nur sehr dünn, wahrscheinlich schnell hinuntergeschrieben, um sich in Zeiten der Krise zu ordnen und alles zu überdenken, wie Giordano am Anfang schreibt. Das nicht soviel Neues bringt, weil sich die Zeiten inzwischen auch verändert haben und wir inzwischen schon in der Phase des vorsichtigen Öffnens sind und begierig darauf warten, ob nun eine zweite Welle kommt oder nicht und, ob die Maßnahmen zu übertrieben oder richtig waren, werden wir erst später wissen.

2019-01-12

Den Himmel stürmen

Filed under: Bücher — jancak @ 00:53
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Jetzt kommt der vierte Roman des 1982 in Turin geborenen  Paulo Giordano dessen ersten Roman „Die Einsamkeit der Primzahlen“ ich Anfang  2012, als ich mir noch wöchentlich ein Buch vom „Wortschatz“ holen,  um es dann mit einer wahrscheinlich überschaubareren Leseliste demnächst zu lesen, gefunden habe und von dem jungen Italiener sehr beeindruckt war.

Ich habe ein par Jahre später „Den menschlichen Körper“ gefunden, aber noch nicht gelesen und vorigen Frühjahr im Leipzig hat mir Herr Grimm vom „Rowohlt-Verlag“ auf „Den Himmel stürmen“ aufmerksam gemacht, der auch in Frankfurt mit einem italienischen Buffet vorgestellt wurde.

Aber ich fahre ja nicht mehr nach Frankfurt, so habe ich mir das Buch ein paar Wochen später von meiner neuen Nachbarin abgeholt und jetzt gelesen und muß sagen, war ich schon von den „Primzahlen“ sehr begeistert, bin ich es jetzt wieder, auch wenn ich mich zu erinnern, glaube, daß das Buch in einem anderen Stil geschrieben wurde, habe ich von den „Primzahlen“ ja eine Borderlinestörung und eine schreckliche Kindheit der überforderten Jugend in Erinnerung, ist es hier anders, obwohl es eigentlich um ein ähnliches thema geht.

Ich habe mich in den letzten Tage, während des Korrigieren meiner „Magdalena“ viel mit dem Romanaufbau und der Romanschule der Jurenka Jurk beschäftigt, die bietet sie, glaube ich, vor allem den Krimi und Liebesromanschreibern an, aber Paulo Giordano hat sich, glaube ich, auch mit dem Romanaufbau beschäftigt, bekommt ihn sehr spannend hin und die „Bigger als life-Regel“ hat er, glaube ich, auch perfekt ausgeführt.

Dabei geht es höchstwahrscheinlich, um etwas Autobiografisches, ist ja Teresa, seine Heldin, auch 1982 in Turin geboren, sie hat aber, was ich auch sehr originell finde, eine krimilesende Großmutter, die in Apulien eine Villa hat und dorthin fährt Teresa jeden Sommer mit ihrem Vater, die Mutter weigert sich mitzukommen, was auch sehr seltsam ist.

Neben der Villa gibt es einen Ökohof, der einem Cesare gehört, der ist sehr fromm, fast sekterisch angehaucht, hat einen Sohn namens Nicola und zwei Pflegekinder, Bern und Tommasio, die er selbst unterrichtet und Teresa freundet sich in den Sommern mit den Burschen an.

Das heißt, nein, denn es ist eigentlich eine höchst dramtsche Liebesgeschichte, spnnend, wie Romeo und julio und mit einem fast ähnlich tragischen Ende.

Sie ist also schon als Jugendliche von Bern, dem Sohn von Cesares Schwester hingezogen und der ist ein halber Deutscher, obwohl er eigentlich Bernardo heißt, liebt Bücher vor allem den „Baron in den Bäumen“,  ein Baumhaus gibt es auch und natürlich wird Teresa, die eigentlich eine starke Frau ist, von ihm in die Liebe eingeführt. Es gibt aber auch eine Blutbrüderschaft und eine diesbezügliche Eifersucht zwischen den drei Freunden und als Teresa im nächsten Jahr wiederkommt, sagt die Großmutter, Bern ist nicht da und erzählt ihr etwas von einem Kind, das er hätte.

Das passiert im ersten Teil. Der zweite beginnt dann Jahre später eigentlich am Ende. Es ist Weihnachten und die Dreiunddreiígjährige wurde vom betrundenen Tommasio geholt, damit sie auf seine Tochter aufpasst, damit die Mutter nichts von seinem Zustand merkt und das Jugendamt einschaltet. Sie tut es und erpresst ihn damit, daß er ihr erzählt, was damals mit Bern und Violalibera, einem albanischen Mädchen passiert ist.

Psssiert ist, glaube ich, das, was ich auch in der „Brüderschaft“ beschrieben habe. Es gibt aber kein Kind, weil Violalibera schließlich an der Abtreibung verstorben ist und es geht wieder weiter mit der Chronologie, als Teresa dreiundzwanzig ist, da studiert sie schon, stirbt die Großmutter und vermacht ihr die Villa. Im Nachbarhof  haben inzwischen Tommaso, Bern, Corinne,  Danco und Guilana besetzt und führen eine Ökowirtschaft. Cesare und Floriana sind verschwunden, der Sohn Nicola, den der Vater den zwei anderen Kindern immer vorgezogen hat, studiert zuerst Jus und wird dannPolizist.

Teresa verkauft die Villa und kauft den besetzten Hof, die Wohngemeinschaft löst sich auf, Bern und Teresa bleiben über und wollen ein Kind, was aber nicht gelingt.

So kommt es zu künstlichen Befruchtungsversuchen, das Paar braucht zehntausend Euro, damit sich Teresa  den Embrio in der Ukraine einsetzen lassen kann. Dafür heiraten sie sogar und sammeln bei der Hochzeit Geld. Die Schwangerschaft gelingt trotzdem nicht und Bern und Teresa trennen sich.

Sie bleibt allein am Hof, kämpft mit der Landwirtschaft, bis eines Tages die Polizei vor der Türe steht und Bern sucht, denn er und seine Freunde haben sich an einer Besetzung  beteiligt, um das Fällen von Olivenbäumen zu verhindern. Dabei wurde Polizist Nicola ermordet, Bern, Dancio und Guilana stehen unter Mordverdacht und flüchten.

Dann, das ist dann, glaube ich, schon der dritte Teil, wird es wieder seltsam. Tersea bekommt „Amazon- Pakete mit natürlichen Schädlingsbekämpfungsmitteln und Büchern, obwohl sie nichts bestellt hat. Ahnt, daß sie von Bern stammen und eines Tages ruft auch eine Reisebüroangestellt an und sagt ihr Ticket nach Reykjawik liegt beret und sie soll sich dort die Gletscher anschauen.

Das hat sie auch nicht betellt, fliegt aber hin. Wird von Giuliana abgehlt und zu  einer Höhle gebracht, denn Bern, der sich schon bei der Olivenbaumbesetzung tagelang in den Bäumen, wie der berühmte Baron von Italo Calvino aufgehalten hat, ist jetzt in eine Höhle gefallen, hat sich das Bein gebrochen und kann nicht mehr heraus.

Sehr dramaltisch. Er stirbt und Teresa geht noch einmal zu Doktor Sanfelice, läßt sich die eingefrorenen Samen geben, fliegt  mit Tommaso noch einmal in die Ukraie und obwohl es keinen Leichnam gibt, läßt sie Bern  von Cesare, der das den Kindern auch immer gepredigt hat  und an die Seelenwanderung glaubte, beziehungsweise das Buch begraben und bereitet sich auf das die Geburt ihrer Tochter vor.

Ein sehr spannender Roman, leicht zu lesen und raffiniert ausgeführt. Im Nachhinein könnte man ihm ein wenig kitschig nennen. Während des Lesens ist man gebannt und sehr begeistert.Jetzt müßte ich noch Buch zwei lesen oder abwarten, was ich von dem jungen Italiener noch hören und lesen werde.

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