Literaturgefluester

2017-11-27

Toni und Moni

Filed under: Bücher — jancak @ 17:16
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„Oder Anleitung zum Heimatroman“. Über das zweite Buch von Petra Piuk, die schon am Volksstimmefest gelesen hat und mit ihrem Debut „Lucy fliegt“ auch bei den „O Tönen“ gelesen hat, habe ich schon einiges gehört.

War ich doch beim „Literarischen Heimatabend“ im Weinhaus Sittl und auf der „Buch-Wien“ wurde es im Literaturcafe auch gestellt.

Da habe ich, glaube ich, gehört, daß die 1975 in Güssing geborene, die glaube ich, die „Leondinger Akademie“ absolvierte, während oder nach der Van der Bellen Wahl, ja die hat  zum darüber Schreiben animiert, auf die>Idee einen „Heimat- oder besser „Antiheimatroman“ zu schreiben ,gekommen ist, denn darauf können ja eine oder einen, die entsprechenden Videos oder Posting zum Thema „Heimat“, „Ausländer“ oder „Überfremdung“ leicht bringen.

Petra Piuk geht es programmatisch an und hat auch einige Ebene in ihren Roman eingebaut, um das „Anti“ besonders deutlich zu machen. So gibt es immer wieder Fußnoten, wo die Verlegerin Tanja Raich mit ihrer Autorin schimpft oder sie mahnt, schneller zu sein, Leserwünsche zu erfüllen, die Handlung umzuändern, weil ein guter Roman ja spannend sein muß.

Ich weiß oder glaube eigentlich nicht, daß man in der „Leondinger Akademie“ nach der „Heldenreise“ vorgeht. Vielleicht hat Petra Piuk auch nur ein Buch darüber gelesen, wie ein spannender Roman sein oder nicht sein soll?

Sie macht sich auf den Frußnoten, ganz klein auch darüber lustig und dann ist vielleicht auch verwirrend, wer schreibt eigentlich den Roman, ist das Petra Piuk, der Name kommt häufig vor oder ist es die „Frau Schriftstellerin“?

Da scheint es auch mir nicht immer so ganz klar zu unterscheidende Unterschiede zu geben. Aber wahrscheinlich ist die Frau Schriftstellerin, das Geschöpf der Autorin P. P. und beide mischen sich aber ein und bekämpfen sich auch gegeneinander oder werden von der Lektorin auch dazu aufgestachelt und dann, das wissen, die, die sich für die „Heldenreise“ interessieren oder Schreibratgeber lesen, sicher, ein guter Roman muß einen Antogonisten haben.

Die Harmoniebedürftige, die ich offenbar bin, hat bei ihren Büchern manchmal Schwierigkeiten damit.

Petra Piuk führt da die böse Cousine ein, die das schöne Dorf Schöngraben an der Rauscher, verlassen hat, um in die Stadt zu gehen. Das man das in einem „schönen Heimatroman“ nicht darf und, daß in einem schönen Heimatroman auch keine Fremden erwünscht sind, liest man auf den ersten Seiten.

Da kommt die Cousine zur Taufe des kleinen Toni, des Neujahrsbaby, zurück und will ihn nicht halten. Sie kommt aber noch einmal, als Romanschriftstellerin und deren nicht so schöner erster Roman, den sich die Dorfbewohner entsetzt nacherzählen, hat eine Handlung wie „Lucy fliegt“  und jetzt will die Cousine auch einen Heimatroman schreiben, also sehr verwirrend oder besonders ausgefuchst.

Das Buch ist auch nicht in der üblichen „schönen Heimatromanform“ geschrieben, sondern in programmatischen Kapiteln, die uns erklären, was ein schöner Heimatroman, eine schöne Tradition, eine ehrliche Gastfreundschaft ist oder wie man es in dem schönen Dorf, mit dem Alkohol, der Tierliebe, der Ehe, etcetera hält.

Das liest sich dann in etwa so:

„1. Schöngraben ist ein schönes Dorf.

2.In Schöngraben fühlt sich jeder Gast daheim.

3.In der Heimat gibt es: ein gutes Essen, ein gutes Trinken und gute Menschen. Aber keine Gutmenschen. Das darf man bitte nicht verwechseln.

4. Außerdem gibt es: eine gesunde Landluft, eine gesunde Jause und eine gesunde Watschen.

5.Außerdem gibt es: eine schöne Natur, eine schöne Tradition und eine schöne Heimatmusik.

6. Natürlich gibt es noch viel mehr Schönes in der Heimat. Die Dirndlkleider sind schön. Die Lederhosen sind schön. Die Leich ist schön“.

Man sieht schon, glaube ich, wie der Hase läuft. Ich-Erzähler ist der Toni, der Sohn vom Friedl und der Gabi. Am Schluß gibt es ein Personenregister und die geben so alle zwei Jahre, gemeinsam mit den Eltern in der Zeitung eine Geburtstagsanzeige auf, die sie dem Bubi dann zum Geburtstag schenken und überall aufhängen

Das liest sich dann, schön eingerahmt so:

Lieber Toni!

(Neujahrtsbaby von Schöngraben an der Rauscher)

Du wirst heuter vier, darauf trinken wir Bier und schenken dir

die Geburtstagsanzeige hier.

Alles Gute zum Geburtstag! Papa, Mama, Oma, Opa“

Das führt durch die Handlung des schönen Heimatromans und der muß ja, wie man lesen kann, ein glücklches Ende, also eine schöne Hochzeit haben. Die Braut  soll die Moni sein, wie schon der Name sagt, die Nachbarstochter, die will aber nicht, weil ein schöner Roman ja auch seine Konflikte und seine Antagonisten braucht, bis die Hochzeitsglocken läuten und Roy Black „Ganz in weiß“, ja richtig, Schlager spielen auch eine große Rolle, singt, so ganz, obwohl der Toni mit ihr  schon frühzeitg „Vater Mutter Kind“ und auch Hochzeit am Dachboden spielt.

Deenn sie will zuerst einen Michael, so daß der Toni ihre Katze töten muß, um sie auf den richtigen Weg zu bringen, dann will sie in die Stadt, eine Lehre als Fotografin zu machen, was sie aber nicht soll, denn die Stadt ist ja gefährtlich und da wird man gleich, wie man  auch in diversen Postings lesen kann, in der  U-Bahn vergewaltigt.

Da mischt sich dann die Cousine ein und, daß es auf dem Land nicht ganz so idyllisch ist, wie oben geschildert, läßt uns die Autorin auch noch wissen, denn da geht der Toni in den Stall, um den Bauern nach Kalbfleisch zu fragen und der hat seinen Penis schon darin und der Toni ist vielleicht vom Poldi Opa, so daß der Opa zuerst die Oma, die das verraten will und dann sich selber umbringt und so weiter und so fort.

Lauter Schwierigkeiten und so muß die Lektorin ihre Autorin öfter mahnen, doch bitte bald zu dem glücklichen Ende zu kommen, denn es gibt  schon Vorbebestellungen und Lesetermine und das kommt dann auch, die Hochzeitsglocken läuten, aber auch nicht für lang, denn jetzt mischt sich auch noch die Moni ein, entpuppt sich als die wahre Autorin und sprengt die ganze Idylle mit Schwung in die Luft.

Man sieht, es ist sehr viel los in diesem Heimatroman und er ist vielleicht auch nicht für allle Gemüter geeignet, denn die die sich Dirndln, Kuhglocken und ein Happyend erwarten, werden vielleicht enttäuscht sein und „So ein Schmarrn!“, der Frau Lektorin.

Ein klein bißchen hatte ich mit dem „Verarschen“ auch meine Schwierigkeiten, obwohl ich ja selber manchmal abgebrochen schreibe und denke, daß man sich in Zeiten, wie diesen, durchaus politisch äußern kann und darf. Robert Menasse, Doron Rabinovici, Mascha Dabic und auch ich selbst natürlich, tun das auch und jetzt bin ich auf das dritte Buch von Petra Piuk gespannt.

 

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2017-10-24

Literarischer Heimatabend

Das Thema Heimat ist ja in Zeiten des Rechtsrucks und der schwarz-blauen Regierungsbildung besonders aktuell, beziehungsweise die Anti-Heimat, denn  das Wort“Heimat“ ist ja eher rechts besetzt und die sogenannten Linken sagen dann, sie hätten es nicht so mit dem Begriff oder definieren ihn für sich selber und ich, eine sehr politisch denkende Menschin habe mich in der letzten Zeit auch mit diesen Themen beschäftigt.

Das heißt mit der „Heimat“ ebenfalls eher nicht, aber ich habe im Sinne des österreichischen Debutpreises „Reibungsverluste“ gelesen und da geht es ja um den Unterschied zwischen Übersetzen und Dolmetschen und die Flüchtlingsfragen, beziehungsweise Eva Rossmanns „Patrioten“, die sich in einer Art Antikrimi mit den rechten Strömungen und Hasspostings im Internet beschäftigt.

Das Antikrimi bezieht sich darauf, daß nicht Mira Valenski die Ermittlerin ist, eine mir etwas haarsträubend erscheinende Krimihandlung gibt es aber schon.Ein Patriot wird an das Kreuz genagelt, obwohl Eva Rossmann im Interwiew erkärte, daß es eher keiner ist, sie hat eher verschiedene Personen sich mit diesem Thema beschäftigen lassen. Dadurch ist es meiner Meinung nach eher langweilig geworden, aber  was hat das mit Heimat zu tun?

Nichts natürlich, außer daß Sina und Rami ihre Heimat Syrien verlassen haben und Eva Rossmann von Günter Kaindlsdorfer im Interview gefragt wurde, was Heimat für sie bedeutet?

Ansonsten hat „Kremayr und Scheriau“, die ja eine sehr ambitionierte Literaturschiene haben, in denen sie meistens Debut verlegen, die dann auf den verschienenen Debutpreisliesten stehen, zu einem solchen kurz vor dem Nationalfeiertag in Weinhaus Sittl eingeladen, in das ich sonst ja eher nur zu den Lesetheateraufführungen gehe, aber es ist ein uriges Gasthaus noch im alten Stil, weil sie zwei Heimat beziehungsweise Anti-Heimatromane vorstellen wollten.

Denn da hat ja Petra Piuk, mit „Lucy fliegt“ die Debutantin vom letzten Jahr einen solchen geschrieben, wie sie schon in der „Alten Schmiede“ ankündigte.

„Toni und Moni“ liegt sein ein paar Wochen in meinem Badezimmer.Aber ich bin ja gerade erst mit dem dBp , dem Öst und der Debutliste fertig geworden und habe noch ein paar andere Bücher, die schon länger auf mich warten, die vom Gastland Frankreich der Frankfurter Buchmesse beispielsweise und dann gibt es noch einen jungen Salzburger Thomas Mulitzer der einen solchen namens „Tau“ geschrieben hat.

Das Extrastüberl im Weinhaus Sittl also vorwiegend von eher jungen Leuten bevölkert, Luis Stabauer, der vielleicht auch ein Buch dort verlegen will, war allerdings auch da und Stefanie Jaksch hat durch das Programm geführt.

Da war Schnaps angekündigt, so kreiste eine solche Flasche zwischen den Insidern. Musik nämlich die „Fairgeiger“ gab es auch und als es dann begonnen hat, haben sich Tanja Raich die Verlegerin und noch zwei Leute aufgestellt und zuerst die zehn Regeln der guten Tischsitten aus Petra Piuks Buch vorgetragen.

„Gruiss euch!“ war auch noch die Begrüßung und dann gab es einen Themaabend, bezeihungsweise ein Gespräch zur Heimat mit den verschiednen Leseproben.

Thomas Mulitzer kommt aus dem Pongau, aus dem Gebirgsort Weng, der offenbar etwas mit Thomas Bernhard zu tun hat, vielleicht spielt sein Anti-Heimatroman „Frost“ dort. Das habe ich nicht so genau verstanden und bin ja auch keine besondere Bernhard Kennerin. Thomas Mulitzers Großeltern haben aber offensichtlich dort ein Gasthaus gehabt und so hat er sein wahrscheinliches Debut dort angesiedelt.

Ein junger Mann kehrt dorthin zurück und geht ins Gasthaus, beziehungsweise aufs Margaretenfest, weil es dort ja kein Gasthaus mehr gibt. Es war aber eines der erwähnten Themen, ein anderes war Tiere und da gibt es in Weng einen Pfarrer, der immer von solchen predigt und daher „Schweinepfarrer“ genannt wird. Von Vögeln predigt er auch und das veranlaßt dann den Protagonisten an Sex zu denken. Das war schon wieder ein Thema und umd um den Heimatbegriff ist es natürlich auch gegangen.

Zwei Anti-Heimatromane, wie Stefanie Jaksch betonte und Petra Piuk hat den ihren zum Teil in Rom geschrieben, wo sie wahrscheinlich ein Stipendium hatte und er scheint eher ein Pamplet, als ein Roman zu sein, gibt es da ja nummerierte Kaptiel wie 6 a oder 6 b und dann wird doziert, wie es am Land eben zugeht, beziehungsweise will die „Frau Schriftstellerin“ einen schönen Heimatroman über das schöne Dorf Schöngraben an der Rauscha schreiben und es mischt sich auch immer wieder die Lektorin ein und gibt Ratschläge. Der Toni scheint ein Kind zu sein und beim Thema Tiere hat Petra Piuk eine Szene gelesen, wo er Katzen und Küken ermordet und dann mit einem selbstgemachten Kreuz begräbt.

Beim Thema Sex ist es um die Gewalt beziehungseise den Mißbrauch gegangen. Das war Petra Piuks Ausgangsthema, so schlägt der Vater der Mutter ein blaues Auge und eine Leserin beschwert sich dann darüber. Petra Piuk schreibt aber öfter über die „gesunde Watschn“, die man in dem schönen Dörfchen bei dem schönen Heimatroman eben öfter bekommt und hat während des Schreibens auch sehr viel Schlager gehört.

Dazwischen gab es immer Musikeinlagen und ich freue mich auf das Buch, beziehungsweise bin ich gespannt, obwohl ich es weder mit der Heimat noch mit der Antiheimat so sehr habe und eigentlich auch Verarschungen nicht so  mag, aber mal sehen, ich lasse mich überraschen.

2017-03-21

Lyrik und Prosa bei den Textvorstellungen

Angelika Reitzer hat „Textvorstellungen“, die sie, wie, ich glaube, auf eine sehr spezielle Art und Weise machte aufgehört und die 1975 geborene Poetry Slamerin und Rapperin Mieze Medusa hat heute damit begonnen, wie Kurt Neumann vor der Veranstaltung einleitete und daraufhinwies, daß sich die Textvorstellungen aus dem „Literatureck“, entwickelt haben.

Da habe ich ja einmal, ich glaube, es war 1980, gelesen und dann immer wieder bei den „Textvorstellungen“, von Herbert J. Wimmer bis Reinhard Wegerth könnte man so sagen. Nachher hat mich noch einmal Renata Zuniga eingeladen, ob ich jetzt noch eine Einladung bekommen, weiß ich nicht, ich hatte in den Neunzigerjahre bis Mitte Zweitausend aber auch ein großes Loch, obwohl ich immer meine Manuskripte hinschickte, jetzt tue ich es mit meinen Büchern und Mieze Medusa hat, glaube ich, auch ihre eigene Art der „Textvorstellungspräsentation“, obwohl ein Kontrast zu Angelika Reitzer, ein sehr großer sogar und Kurt Neumann betonte ihren Mut, daß sie Lyrik mit der Prosa mischte.

Aber Lyrik hat es bei den „Textvorstellungen“ schon bei Michael Hammerschmid gegeben, da wahrscheinlich nur, während Mietze Medusa könnte man so sagen, tatsächlich einen sehr großen Kontrast wagte und dem auch noch ein sehr ungewöhnliches Motto gab.

„Zwischen Tisch und authentisch – Rollenspiele zwischen ich & du“ und da könnte man schon einmal „Hui, was soll das heißen?“ fragen, noch dazu wenn man die eingeladenen Autoren Petra Piuk, Verena Stauffer und Jan Kossdorff dazu in Beziehung setzt.

Die 1975 in Burgenland geborene Peta Piuk hat ihr Debut „Lucy fliegt“ schon im Sommer bei den „O Tönen“ vorgestellt und der Roman von einer überforderten Stimme, die quasselt und quasselt, während sie im Flugzeug sitzt und sich von allen Realitäten wegredet, kann man, glaube ich, nicht, wie Mieze Medusa aus einer Rezension zitierte mit dem „Fräulein Else“ vergleichen und mit dem Schnitzer wahrscheinlich nur wegen dem Inneren Monolog.

Petra Piuk gab ihr aber eine laute und sehr eindrucksbvolle Stimme, während, die 1978 in Kirchdorf an der Krems geborene Lyrikerin Verena Stauffer schon einmal eine sehr lyrische Stimme hat, mit der Bachmann oder Valerie Fritsch vielleicht vergleichbar. Sie las sehr leise poetische Texte aus einem Manuskript, hat aber schon bei „Hochroth“ veröffentlicht und dazu kam dann gleich das nächste Kontrastprogramm, nämlich ein Autor, den ich sehr mag und von dem ich, glaube ich, schon seinen zweiten Roman „Spam“ gelesen habe, nämlich der 1974 win Wien geborene Jan Kossdorff. Sein vierter Roman „Leben Spielen“ ist bei „Zsolnay“ erschiene, vorher hatte er drei Bücher bei „Milena“.

Sein 2009 erschienenes Debut „Sunnyboys“ das ich glaube ich bei „Rund um die Burg“ hörte, ist wie Mieze Medusa erwähnte, inzwischen vergriffen.

„Kauft Leute“, was mich auch sehr interessieren würde, habe ich dann bei „Rund um die Burg“ neu gehört, „Spam“ wie gesagt, gelesen und „Leben Spielen“ handelt wieder im Schauspielermilieu.

Jan Kossdorf ist ja einer mit sehr ungewöhnliches Einfällen. So steigt ein Schauspieler aus, beziehungsweise hat er da nicht die große Karriere gemacht und kommt mit einem Freund auf die Idee, die Schauspielkunst im Alltag anzubieten.

Man kann sich ihn mieten und er spielt dann die gewünschten Szenen nach. Mit seiner Freundin Valerie und seinem Freund Sebastian tut er das und die Stelle, die Jan Kossdorff vorlas, spielt in einer Wohnung im zweiten Bezirk. Ein alter Drehbuchautor, Emigrant aus Wien, der in Hollywood Karriere machte, wünscht sich eine Begegnung aus den Fünfzigerjahren nachzuspielen. Sehr interessant.

Nachher gab es ein sehr intensives Gespräch in dem sich Verena Stauffer nach dem Motto erkundigte. Ich würde da ja nur sprachliche Gemeinsamkeiten sehen und hätte in den drei Texten keinen Tisch entdeckt.

Verna Stauffer war aber begeister,t umso mehr, da Mieze Medus ihr verriet, daß sie der Tisch gewesen wäre. Sie brachte gleich ein Gedicht über einen Tisch und sagte, daß für sie der Schreibtisch das wichtigste ist und ich glaube, daß Miezes Medusas „Textvorstellungen“ wahrscheinlich auch etwas Besoneres werden, auch wenn ich das Motto nicht nachvollziehen und auch nicht sehr passend finde.

Die gewagte Mischung finde ich aber interessant und da wird es im Juni wieder „Textvorstellungen“ mit Mieze Medusa geben, auf die man sich schon freuen kann.

2016-08-05

Halbzeit bei den O-Tönen

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Der vierte Abend des heurigen Literaturfestes im Museumsquartier, das diesmal wieder im Haupthof stattfand und als ich mit dem Alfred vor halb acht dort eintraf, war es schon ziemlich voll und schwer einen Platz zu finden, den wir dann ganz hinten, eine Reihe vor Nadine Kegele und anderen Jungliteratinnen zu denen auch Pia Piuk, die diesmalige Debutantin, kamen, fanden.

Brigitte Schwens-Harrant, Jurymitglied des österreichischen Buchpreises und Staatspreisträgerin für „Literaturkritik“ moderierte und stellte auch die Debutantin vor, deren Buch ich inzwischen gelesesen habe und das mich sehr beeindruckt hat.

Leider waren beim Vorgelesen bekommen die vielen abgebrochenen Sätze, in denen Pia Piuk ihre hyperaktive Protagonistin durch das Leben taumeln, beziehungsweise durch die Luft fliegen läßt, fast störend, beim Selberlesen habe ich es nicht so bemerkt, trotzdem ein spannendes Buch und  sehr beeindruckend der Realismus mit dem die Debutantinnen das harte Leben des Erfolgs und Scheiterns im Neoliberalismus schildern und dann kam als Hauptlesender Michael Köhlmmeier mit seinem „Das Mädchen mit dem Fingerhut“, eine Mischung zwischen Märchen oder Flüchtlingsschicksal, das ich in Leipzig, wo das Buch am blauen Sofa vorgestellt wurde, versäumte, das, wie Brigitte Schwens-Harrant in ihrer Einleitung erklärte, durch die Parabel besser rüber kommt, als wenn die harten Fakten der unbegleiteten Flüchtlingsschaft direkt angesprochen würden.

Da weiß ich zwar nicht so genau, ob ich dem zustimme, es gab auch diesmal kein Gespräch, so daß Michael Köhlmeier nichts erklärte und man gleich in Medias Res geworfen wurde oder mit der Einleitung der Moderatorin auskommen mußte.

Petra Piuk

Petra Piuk

Michael Köhlmeier

Michael Köhlmeier

Es geht jedenfalls, um ein wahrscheinlich namenloses, stummes, sechsjähriges Mädchen, das von einem Onkel auf einen Markt zu einem Bodgan geschickt wird.

Es versteht die Sprache nicht oder nur mangelhaft, hat von diesen Onkel und einigen Frauen aber Unterweisungen bekommen. So stellt es sich einfach hin und schaut, bis es zu Essen bekommt und wenn es das Wort „Polizei“ hört, fängt es an zu schreien.

Auf diese Weise geht es eine Weile gut, bis der Onkel, der das Kind  jeden Abend von dem Geschäft des Bodgans, wo es den Tag verbringt, abholt, nicht mehr erscheint und es alleine loszieht, in einer Mülltonne landet und schließlich in einem Cafe von der Polizei aufgegriffen wird.

In Zeiten, wie diesen ein interessantes und sehr wichtiges Thema und ein Buch warhscheinlich, das man auch auf den beiden Listen, die es ja in ein paar Wochen gibt, finden wird.

Der 1949 geborene Michael Köhlmeier ist ja vor zwei Jahren mit seinen „Zwei Herren am Strand“, ein Buch, das ich inzwischen gefunden habe, auf die Longlist gekommen, ein Jahr früher mit seinen „Joel Spazierer“ nicht.

Brigitte Schwens-Harrant hat noch ein paar andere Kählmeier Werke aufgezählt und nächste Woche wird es mit der Grande Dame, Friederike Mayröcker weitergehen, deren „fleurs“ ja auch der österreichischen Liste stehen kann, die am sechsten September veröffentlicht wird.

Ein schöner, spannender und recht kurzer Abend. Gustav Ernst habe ich auch noch im Publikum gesehen.

2016-07-27

Lucy fliegt

Jetzt kommt ein Buch, das ich fast übersehen hätte, obwohl ich ja auf der „Kremayr&Scheriau-Release-Party“ war und mir Gustav Ernst dort Petra Piuk vorstellte und „Bücherwurmloch“, die unermüdliche Salzburger-Bloggerin, hatte es, glaube ich, mal auf ihrer Faebookseite und bei den O-Tönen, wird auch vorgestellt.

Da bin ich dann auf Petra Piuks „Lucy“ fliegt gekommen, habe das Buch, weil Debuts ja wichtig sind und es ja jetzt auch einen „Debutpreis“ gibt, bestellt und gelesen und war wieder einmal überrascht über den neuen frischen Ton, in dem da eine die Nöte oder „Krankheit der Jugend“ beschreibt.

Dabei ist die 1975 geborene Petra Piuk, die, wie viele junge Literaturstars, die „Leondinger Akademie“ besuchte, vielleicht hätte ich das auch machen sollen, aber vielleicht hätte Gustav Ernst mich nicht genommen, gar nicht mehr so jung, sie hat aber lange im „Doku-Soap-Bereich“ gearbeitet, wie ich dem Klappentext entnehme und genau darum geht es in diesem Buchdebut, in dem die Nöte, Ängste, Schwierigkeiten, die junge Frauen heutzutage haben, wieder einmal sehr treffend und auf andere Art und Weise beschrieben werden, wie es beispielsweise Helene Hegemann, Ronja von Rönne, Ekatarina Haider, Olga Grjasnowa, um nur ein paar Bücher, die ich gelesen habe, zu nennen, tun.

Da ist Luca, 23, die eigentlich Linda heißt und von ihr handelt der Roman, auf dem es auf jeder Seite ein kleines Flugzeug zu sehen gibt.

Denn Lucy fliegt, wie schon der Titel sagt, nach Hollywood oder L.A, um dort eine Karrere als Schauspielstar hinzulegen, den Oscar, zu empfangen, der rote Teppich ist schon ausgebretet und wem diese Jungmädchenphatasien zu heavy sind dem kann ich daran erinnern, daß die fast dreiundsechzigjährige Blogbetreiberin, ja auch vom Nobelpreis träumt und dann jedesmal aufjapst, wenn wieder einer schreibt, „Kann es nicht sein, daß Sie nicht schreiben können, gute Frau!

Auch die Form ist bestchend. Denn da gibt es immer ganz kurze Abschnitte, die mit „Lucy 23, will nach oben“ oder „Lucy 23, hat pralle Brüste“, etcetera beginnen und dann folgt das jeweilige Kapitel.

Um gleich ein bißchen zu mäken, mir scheinen diese Überschriften, wie man sie ja vielleicht auch in der E.T.A Hofmannschen Manier finden wird, dann nicht immer von dem folgenden Kapitel genügend abgehoben, wenn da ein Lektorat vielleicht darauf geachtet hätte, daß das zwei paar Schuhe sind und oben knapp zitiert wird, was unten dann ausgeführt, wäre es vielleicht mehr gewesen oder dichter geworden.

Und dann hinein in das Leben oder in den Flug dieser jungen, Frau, dieser dreiundzwanzigjährigen Linda, die in einem Wiener Gemeindeau aufgewachsen ist, Schöpfwerk oder Rennbahnsiedlung würde gut passen, das Buch spricht von Floridsdorf, der Vater hat sich irgendwann verabschiedet, bevor er die Kindergartenzeichnung, der Vierjährigen mißachtete, die alleinerziehende Mutter ist mit der aufgeweckten Kleinen  überfordert, denn die bricht die Schule ab, fickt alle Burschen, ist also frühreif und hat hohe Pläne.

Denn Lucy will ja, wir wissen es schon, hoch hinaus, sie will Schauspielerin werden, aber nicht nur irgendeine gewöhnliche, die dann vielleicht als Statistin auftritt oder Joghurt Reklamen dreht, sie will den Oskar, sie will nach L.A und dafür ist sie bereit alles zu tun.

Sie hat auch jede Menge Ratgeberbücher dafür schon gelesen oder in der Tasche und darin steht dann all das Zeug, wie man es beispielsweise auch auf der Autorenseite von Annika Bühnemann, die ja junge Autorinnen auf dem Weg zu dem Erfolg berät, finden kann, wie „Du hast dein Leben in der Hand!“, „Alle Türen, stehen, dir offen“,“Du bist deines Glückes Schmid!“, „Denk positiv!“, etcetera.

Und so wurschtelt sich Linda tapfer und entschlossen auf dem Weg nach oben. Sie nennt sich dazu, als erstes Lucy, denn Linda ist zu banal und klingt nach Gemeindebau und, daß man, wenn man Jennifer oder Jessica heißt, beispielsweise schon Punkte auf der Karriereleiter verloren hat, kann man ja inzwischen auch in den diversen Ratgebern lesen.

Also kippt sie sich selbst eine Flasche Sekt über den Kopf und beginnt ihr neues Leben, während das alte nach dem Schulabbruch bedeutet, daß sie kellnert, weil sie aber nach L.A will, bewirbt sie sich als Stewardess, wird aber bem Assessment nicht genommen, weil bei den Rollenspielen, die Phantasie mit ihr durchgeht und sie dem Passagier dem schlecht ist, gleich die Notfallstropfen auf die Nase drückt, statt, wie es eine erfolgreichere Bewerberin tut, ihm einfach ein Glas Wasser anzubieten.

Jetzt sitzt aber Lucy im Flugzeug, dieses hebt noch nicht ab und sie gebraucht auch ihre Notfallstropfen, denn sie hat Flugangst und sie quasselt oder denkt sich durch das Buch. Ihre Fantasie, die sie zweifellos hat, geht mit ihr durch, so denkt sie einerseits,“Tief durchatmen!“, was ich meinen Panikpatienten auch raten würde, dann sieht sie sich schon in sämtlichen Turbulenzen und mit den Passagieren neben oder hinter ihr will sie auch anbandeln.

Allmählich bekommt man heraus, daß das Flugzeug gar nicht nach L.A. sondern nach Düsseldorf geht und, daß Lucy, die sich nach der Bewerbung, als Flugbegleiterin auch in eine private Schauspielschule begeben hat, aus der sie auch hinausfliegt, nachdem sie zuerst die Hauptrolle und dann die Nebenrolle, die sie bekommt, mit ihrer überbordenden Phantasie vermasselt hat, Turbulenzten mit diversen Männern und eine Schwangerschaft gibt es auch, in eine dieser Realityshows begeben hat, wo man, wenn man gewinnt, eine kleine Rolle in einem Film in Hollywood bekommt.

Lucy ist in der zweiten Runde, sieben der Aufgenommenen sind schon hiausgeflogen, die anderen sieben müssen nach Düsseldorf fliegen und das wird offenbar gedreht und Lucy spielt also eine Rolle, bekommt aber prompt einen Panikanafall und dann tritt noch eine Mia auf, von der mir nicht ganz klar ist, ob, das jetzt die Stewardess ist, die während der Bewerbung statt Lucy genommen wurde oder die Produktionsleiterin, die das ganze überwacht, die hat aber Lucy während des Aufnahmegespräches: „Du kannst mir Vertrauen!“, entlockt, daß sie nach dem Kellnern in einer Escortagentur gearbeitet hat, die hat das dann trotz Versprechen in die Zeitung gesetzt und als Lucy das erfährt, dreht sie endgültig durch.

„Verbissen klammert sie sich an ihre Traumwelt, bis sie die Realität vollkommen aus den Augen verliert!“, steht im Klappentext, was in der Realität der jungen Frau aus dem Wiener Gemeindebau, die ganz nach oben will, bedeutet, daß sie schon die roten Teppiche sieht, während in Wahrheit die Ambulanz anrückt und der Doktor mit der Spritze und der Zwangsjacke, was vielleicht nicht mehr gan2z der Realität von 2016 entspricht, sie aus dem Flugzeug holt.

Petra Piuk wird aber auf den Sets, der „Soap-Opern“ schon einiges von den Nöten der jungen Frauen gesehen haben, die ganz nach oben, nach Hollywood oder in die „Austra next Supermodels-Kreisen“ wollen und dafür sehr viel tun, sei es, daß sie sich auf eine Anorexie hinunterhungern, mit den wirklichen oder vermeintlichen Produktionsleitern ins Bett gehen, koksen, saufen spritzen und dann doch nicht nach oben kommen, denn der Weg dorthin ist ja sehr dünn und auf der Spitze ist nur wenig Platz und so habe ich jetzt ein sehr beklemmendes beindruckendes Buch gelesen, die ich ja auch so Träume habe und mit meine zweiundsechzig Jahren in der Realität, weder nach Klagenfurt noch auf eine Buchpreisliste kam und es trotzdem weiter versucht.

Denn man soll ja seine Träume leben, steht in den Ratgebern, wenn es einem das Gegenüber, die Filmfirmen, die Castingshows, aber auch die Verlage oder die Literaturagenturen,  so schwer machen, hat man es nicht leicht und man wird scheitern, wenn man von untern kommt, keine Beziehungen hat, sprich keinen Vater,  der Regisseur ist und einem die Einladung für die Premierenparty in die Hand drücken kann, wie Lucy meint und das auch ununderbrochen vor sich hindenkt.

Petra Piuk wird demnächst ihr Debut bei den O-Tönen vorstellen. Ich freue mich schon darauf.

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