Literaturgefluester

2017-11-18

Als der Teufel aus dem Badezimmer kam

Filed under: Bücher — jancak @ 00:53
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Jetzt kommt ein Buch vom Frankfurt-Schwerpunkt der Frankfurter Buchmesse, das mir „Ullstein“ freundlicherweise schickte und eines das mich überraschenderweise sehr an mein eigenes Schreiben und meine Thematik erinnerte, von der ich ja immer höre, daß das niemanden interessiere und man so nicht schreiben kann.

Aber Frankreichs Literatur ist anders, habe ich bei meinem Buchmessen-Surfing erfahren und greift in einer globalisierten Gesellschaft mit Flüchtlingskrisen, Terroranschlägen und prekären Lebensbedingungen heiße Eisen an und so hat die 1979 in Montpellier geborene Sophie Divry einen Arbeitslosenroman, beziehungsweise einen über Armut sowie über das Leben unter prekären Lebensbedingungen geschrieben und wollte damit, wie sie in dem auf schwarzen Seiten abgedruckten “ Bewerbungsbrief an die Schriftstellerresidenz reine Erfindung“, schreibt, „definitiv Spaß machen“, was auch durch eine „Typographie in Bewegung“ ausgedrückt wird.

So gibt es im Buch immer wieder graphische Elemente. Seiten auf denen beispielsweise schön verteilt nur das Wort „überall“ mit einem Zitat von Robert Pignet: „Stimmen überall. Nicht genug Ohren, nicht genug Liebe.“ steht und da ist Sophiem eine etwa vierzigjährige entlassene Journalistin, die zu Beginn des Buches von den dreihundert Euro, die sie gerade noch auf ihren Konto hat, zweihundertsechzig an ihren Stromanbieter zahlen muß.

So bleiben ihr gerade noch vierzig Euro bis Ende des Monats wo die Grundsicherung kommt, zum Leben über. So geht sie in den Supermarkt, kauft Nudeln, wartet auf einen Auftrag, beziehungsweise auf die schon erwähnte Unterstützung, die aber nicht kommt, denn sie hat vergessen,  die paar Euro, die sie im letzten Monat verdiente, was sie durfte, anzugeben, weil die Honorarbescheinigung noch nicht eingetroffen ist.

Die Betreuerin vom Arbeitsamt oder, wie das in Frankreich heißt, ist sehr freundlich und erklärt der „Madame“, daß sie ihr nicht helfen kann und sie nur nach ihren Vorschriften handelt und der Versuch, das Geld vom kommunalen Sozialhilfeverein hereinzubekommen, scheitert an dem Berg von Formularen, die man dafür ausfüllen muß und so beginnt Sophie ihre Bücher und andere entbehrliche Habseligkeiten zu verkaufen und bekommt ein paar Euro dafür.

Sophie gibt aber nicht nach. Sie will einen Roman über ihre Situation und das „Leben der Armen“, wie sie das nennt, schreiben. Kommunziert auch mit ihrer Mutter, die ihr gute Ratschläge gibt und mit ihrem Freund Hector, der in seine Nachbarin Belinda verliebt ist und dafür einen Pakt mit dem Teufel eingeht, der heißt „Lorchus“ und sucht auch Sophie auf, beziehungwweise tritt er, wie schon der Buchtrittel verrät, aus ihrem Badezimmer.

Das Buch ist in drei Teile gegliedert. Ein Vierter sollte,  wie die schwarzen Seiten verraten, auch noch geschrieben werden und im Zweiten fährt Sophie heim zu ihrer Mutter, die in  Montepellier in einem Schloß lebt, da kann sie sich endlich wieder einmal sattessen und der Mutter im Garten und beim Marmeladeeinkochen helfen und im Dritten geht sie dann auf Arbeitssuche. Heuert, schwarz wahrscheinlich, als Kellnerin bei „Jules & Juilette“ an und macht da für fünfzig Euro pro Abend, wahrscheinlich die Erfahrung, die auch Eva Rossmann in ihrem Buch „Mahlzeit“ beschreibt, wechselt nachdem der Wirt sich nicht mehr bei ihr meldet, die Lokale, landet schließlich in einem Weinbistro und ärgert sich da, daß die Gäste, das an einem Abend mit Spitzenweinen versaufen, was sie in drei Monaten verdient und, als der Bruder des Gastromomen auftaucht, der auch eine Arbeit sucht, wird der schwarze Tellerwäscher entlassen und Sophie an den  Geschirrspüler verbannt. Der Bruder stellt ihr nach, macht ihr sexuelle Anträge, so daß sie sich nur imt einem Faustschlag retten und der Bratpfanne wehren kann. Mit der geht sie dann zur Polizei, die ihr rät, angesicht dieses Tatgegenstandes auf eine Anzeige zu verzichten. Sophie ist den Job los und beschließt „aus dem Rennen auszuscheiden“.

Ein spannendes Buch über die sozialen Zustände dieser Welt, Themen die mir, wie beschrieben, sehr zusagen und beschäftigen und ein paar Bücher über die prekären Arbeitsund andere Verhältnisse, haben wir in Österreich auch.

2017-09-20

Sexismus im Literaturbetrieb?

Mit dem Thema gehts gleich weiter, denn offenbar kann man dast gut verkaufen oder anlocken, aber eigentlich war der dritte B u K – Buch und Komminikation „Ist der Chef auch hier?“ eine Themenverfehlung, denn um Sexismus, das Grapschen und das Kneifen, ist es eigentlichim Siebenstern kaum gegangen, sondern um die Quote.

En prominent besetztes Podium, Max Freudenschuß von der „Buchkultur“, Ulla Harms von „Buchkontor“, Jochen Jung vom gleichnamigen Verlag, Doris Knecht, die Autorin und Journalistin beim „Falter“, moderiert von Evelyn Steinthaler, die, glaube ich, auch gestern in der „Gesellschaft für Literatur“ moderierte.

Einleiter gab es auch und die verkündeten 441 Likes für die Veranstaltung, soviele waren nicht im Siebenstern, es war aber ganz voll und vorwiegend Frauen, denn die machen ja die Branche aus, als Leserinnen, Buchändlerinnen, Verlagsmitarbeiterinnen in den unteren Etagen und Evelyn Steinthaler begann auch gleich mit dem Aufhänger, Shortlist vier Frauen zwei Männer oder umgekehrt, eigentlich ein Skandal sowas zu thematisieren?

Nun denke ich wird bei der heugigen dBp SLja auch thematisiert, daß da drei „Suhrkamp Bücher“ dabei sind und der eigentlich Skandal oder das Problem wäre für mich ohnehin die Limitierung und, daß da soviele wahrscheinlich Frauen und Männer überbleiben und ansonsten denke, stimmt das Vorurteil, daß nur Männer Preise bekommen nicht mehr, zumindest was den „Buchpreis“ betrifft, beim „Büchner- und  Nobelpreis“ wird es wohl noch so sein.

Ulla Harms widersprach auch gleich und meinte eine solche Schlagzeile verschafft Aufmerksamkeit und ist daher sehr gut und bei der öst Debutliste sind ja  beispielsweise nur Frauen nominiert. Die Männer verhielten sich in dieser Runde vage, Max Freudenschuß wich aus und der Herr Jung sprach eigentlich ganz klar, daß nur die Qualität zählen würde und alles andere ist Quatsch.

Dann sagte er auf die Frage, ob dann Männer besser schreiben würden, zuerst „Ja!“, dann meinte er aber von den Einreichenden sind fünzen Frauen und neun Männer oder ist das schon seine Verlagsquote?

Ich begann nachdenken, welche seiner Buchpreisnominierten Männer wären? De Frau Helfer nicht, die Olga Flor nicht, die Ursula Krechl nicht und und…

Aber die Diskussion ging schon weiter, nämlich dahin, daß die Leser zu fünfundsechzig Prozent weiblich wären und die Männer keine Bücher von Frauen lesen würden und die jungen Frauen oft un- oder schlecht bezahlt im Buchhandel oder im Verlag arbeiten würdeen, weil das so interessant ist. Die <männer dagegen nicht, die melden sich nicht, als Lehrlinge. Hier widersprach Doris Knecht vehemt,  sagte, das dürfte man sicht so machen und selbst schuld, wenn das eine tut, sie kann es sich aber leisten.

Es ging dann, um die Cover und ein bißchen darum, daß die jungen Frauen von den männlichen Chefs im Buchbetrieb schon einmal bedrängt würden, aber gleich wieder vom Thema weg und zurück zur Quote.

Dann gings ins Publkum und da kamen dann die Fragen, ob es Sexismus nur in der Buchbranche gäbe?

Natürlich nicht, aber „Buch und Kommunikation“ brauchte wohl ein Thema und hatte hier ein interessantes. Eine andere Frau griff dann den Herrn Jung mit seiner Qualitätsmeinung an und wunderte sich, daß die Moderatorin hier nicht unterbrochen oder eingebriffen hätte.

Sprachlosigkeit am Podium, die mich dann doch die Frage stellen ließ, ob einer seiner Buchpreis Nominierten jemals männlich war?

War er nicht und ich denke jetzt nicht, daß der Herr Jung besondern femministisch ist, glaube ihm aber, daß er die Qualität über die Quotenfrage stellt und zufällig oder, wie man sieht, schreiben die Frauen dann doch besser und spannend ist es ja auch, wenn ich mich jetzt wieder an die Buchpreisbücher halte und da an die vielen mittelalten Männern mit ihren Leiden an den Frauen und da könnte ich dann noch den Herrn Walser und den Philph Roth dazu tun denke, daß es dann vielleicht schon seltsam ist, daß die Frauen das so geduldig lesen und da kann ich mich ja einschließen, während Männer wie man noch hörte, keine Krimi kaufen würden, wenn von einer Frau geschrieben, deshalb gibts da sehr viel neutrale Namen wie Alex Beer, die man am ersten Blick gar nicht als Frau erkennt, aber vorige Woche den „Perutz Preis“ gewonnen hat.

Spannend, spannend dieses Thema, wenn auch hier wohl ein bißchen um den Brei geredet wurde, aber ich denke, da hat sich auch schon sehr viel getan, wenn auch in Chefetagen immer noch sehr viele Männer sitzen und den „Büchner-Preis“ mehr Männer als Frauen bekommen und ich lese, glaube ich, gleich viel Männer als Frauen oder ist mir das eigentlich gleich, aber dann mokiere ich mich über die Midlifekrises des intellektuellen Mannes und dem Herrn Freudenschuß hätte ich noch sagen können, daß es in Deutschland einen Kleinverlag gibt, der von zwei jungen Türkinnen betrieben wird und, daß dort, glaube ich, auch sehr viel Buchhändlerinnen studierte Literaturwissenschafterlinnen sind, was vielleicht auch ein bißchen über die prekären Verhältnissen diese Brachne oder überhaupt aussagt.

Und die Evely Steinthaler könnte man auch fragen, warum „Milena“ jetzt auch Männer verlegt und das habe ich auch schon getan und da die Antwort bekommen, daß ein reiner Frauenverlag heute nicht mehr wichtig wäre?

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