Literaturgefluester

2017-11-16

Der verheerende Tausch

Mit meinem Blog habe ich schon einige spannende Dinge erlebt, so hat sich einmal Herwig Bitschke nach meiner „Spurensuche“ bei mir gemeldet und mich später in den „Residenz-Verlag“ damals St. Pölten, jetzt sind die glaube ich, wieder nach Salzburg zurück, eingeladen, und als ich über „Kurz nach vier“ Geschrieben habe und dann auf einen Berg gegangen bin, hat  der „Arco-Verleger“, der das Buch neu herausgeben wollte geglaubt, daß ich original Becher-Briefe habe, obwohl die ja schon in einem „Aufbau Taschenbuch“ abgedruck waren.

Drei Trolle oder Spamer habe ich auch gehabt, zwei waren schreibende Damen, der dritte ein bekennender Pegida-Fan und als ich gerade mein Geburtstagsfest vorbereitet habe, habe ich ein Mail von einer Züricher Psychiaterin bekommen. Ich solle sie, weil sie zwischen 9 und 11. November in Wien ist, mit ihrem neuen Buch zu einer Lesung einladen.

Aber ich habe zwar für die GAV-Lesungen organisiert, vermittle aber keine Lesungen, sondern bin meiner Einschätzung nach, eine sich rührend im Literaturbetrieb herumtreibende schreibende Frau.

Am nächsten Tag hat mir  der Verlag geschrieben, ich habe ein Rezensionsexemplar angefordert und gedacht, die Psychiaterin käme zur „Buch Wien“ nach Wien, weil die in dieser Zeit ist und dann ist mir eingefallen, daß am elften mein Geburtstagsfest ist.

Das ist zwar eine private Lesung, aber da auch ich offen für Experimente bin, habe ich Maria Csilla Bekes, 1970 in Siebenbürgen geboren, Malerin, Psychiaterin, Psychotherapeutin, Schreibende und auch Filmerin, dazu eingeladen, denn das Thema Medizin und Prostitution ist ja interessant und zufällig bin ich ja auch im Sommer noch vor meinen Buchpreislesen durch Meredith Sommer darauf gestoßen und noch früher hat sich die sehr junge Valerie Fritsch sehr selbstbewußt damit beschäftigt.

Da ist also Ingrid eine sehr bemühte Superfrau, Psychiaterin und Psychotherapeutin. Es beginnt, daß sie als Ärztin im Bereitsschaftsdienst zu Nils gerufen wird, der sich in seinem Zimmer einsperrt, Drogen nimmt und sich umbringen will. Sie redet ihm gut zu und nimmt ihn als Patienten. Sie ist verheiratet mit Peter, hat zwei Kinder und schupft alles glänzend, den Haushalt, das Shoppen und zwischendurch philosophiert sie über die Modendiagnose wie Borderline, ADHD und manisch depreisse Störung, die jetzt ja bipolar heißt, alles was ich, die ich ja auch schon über dreißig Jahre in der psychologischen psychotherapeutischen Praxis bin, ebenso erlebte.

Ingrind hat aber auch ein ausgefülltes Sexualleben und da Maria Csilla Bekes vielleicht ein Schreibseminar besucht hat, weiß sie auch, daß Bücher spannend sein müßen.

Also schlägt sie ihrer Patientin Tessa, das ist eine alkoholsüchtige aus Ungarn stammende fünfzigjährige Prostituierte, Ingrid ist ein paar Jahre jünger, einen Rollentausch vor.

Tessa übernimmt mit der Wodka Flasche in der Hand einige Patienten und Ingrid läßt sich die Augen verbinden und in eine schicke Villa auf dem Zürichberg zu Mondran, einen Architekten führen.

Dazwischen gibt es Fallberichte, die manchmal ein wenig verwirrend sind und von wegen Spannung, einen Erpresser gibt es auch und die superkluge Übermutter löst den Fall und nimmt mit sechs verbündeten die Verfolgung auf.

Der Erpresser ist ein ehemailger Patient, braucht das Geld, darf es auch behalten und muß verschwinden und mir haben in dem Buch, die Fallgeschichten am besten gefallen.

An Sex bin ich, obwohl ich schon Sado-Masos gelesen habe, meine Leser wissen es wahrscheinlich, nicht so interessiert und fand es, wie immer spannend, wieder einmal ein bißchen über den Tellerrand zu schauen.

Da gibt oder gab es ja die großen Vorurteile über die sogenannten Zuschußverlage, die von den naiven

Möchtegernschreibern tausende Euros verlagen, ihnen das blaue vom Himmel versprechen, untertschreiben lassen, daß sie jedes ihrer Bücher dem Verlag anbieten müßen und dann vielleicht ein schäbiges Büchlein drucken und sonst nichts tun.

Das ist, glaube ich, in den Selfpublisherzeiten vorbei und ich dachte, diese Verlage wirds dann nicht mehr geben, weil ja jeder der das will und den „Suhrkamp“ nicht nimmt, sich seine Bücher selber machen kann.

Aber das Selberpublizieren verlangt viel Zeit und Geduld und ist, wenn man ein Lektorat und das Cover zukauft, wahrscheinlich auch nicht billig, die vielleicht Autoren, die gut verdienen und schreiben nicht haben, für die sind sie vielleicht ein Segen und, daß es nicht mehr stimmt, daß sie nichts machen, habe ich jetzt auch erlebt und so auf diese Art und Weise ein interessantes Buch und eine interessante Autorin kennengelernt, die sonst an mir vorbeigegangen wäre.

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