Literaturgefluester

2018-11-25

Erich Fried Preis 2018

Filed under: Literaturpreise — jancak @ 23:42
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Den Erich Fried Preis, der immer um den Todestag von Erich Fried im November 1988 von der „Erich Fried Gesellschaft“ im Literaturhaus vergeben wird, gibt es seit 1990 und das besondere an der Veranstaltung ist, daß da ein Juror immer allein den Preisträger aussucht und diesmal war das die Schweizerin Beatrice von Matt, die auch einen Schweizer, der vierte, wie der Schweizer Botschafter bei seinen Begrüßungsworten erwähnte, denn 1994 war das Jörg Steiner, 1996 Paul Nizon und 2015 Dorothee Elmiger, war das der 1954 in Schaffhausen geborene Ralph Dutli, der glaube ich in Heidelberg lebt und von dem ich schon zwei Bücher gelesen habe, weil er ja 2013 mit „Soutines letzte Fahrt“ und 2015 mit den „Liebenden von Mantua“ auf den dBp Listen stand.

Robert Huez hat wieder eröffnet und wies auf das „Kolik Heft“ mit einem Sonderteil zum dreißigsten Todestag des Dichters hin, musikalische Einladungen gab es von der „Capella con Durezza“, die aus Ronald Deppe, Michael Bruckner und Matija Schellander besteht, dann kam Robert Schindel der jetzige Präsident der „Fried Gesellschaft“ mit seiner Begrüßung und die Laudatio der 1936 in Basel geborene Publizistin und Literaturkritikerin, die auf die Vielseitigkeit des Dichters, der sich sowohl, als Lyriker als auch als Essayist einen Namen machte, Osip Mandelstam übersetzte und die schon bewußten Romane schrieb, hinwies.

Jürgen Meindl der Leiter der Sektion „Kunst und Kultur“ im Bundeskanzleramt übergab den Preis und der Autor wies in seiner Rede auf die von ihm übersetzten Autoren, wie Osip Mandelstam oder Joseph Brodsky hin, zitierte die Gedichte sowohl auf Russisch als Deutsch und gab Beispiele über seine Lieblinglaute, das wäre der Buchstabe l und verriet, daß ihm das Wort „Flüchtling“ besser als das Wort „Geflüchtete“, wie es das offenbar jetzt in der Schweiz oder auch in Deutschland so heißt, besser gefällt.

Danach gab es wieder Sekt und Knabbereien, ich habe mir von Gustav Ernst das erwähnte „Kolik-Heft“ geholt, um mein Fried Wissen, dessen „Vietnam Gedichte“ ich ja kürzlich gelesen habe, zu erweitern, ein paar Gespräche geführt. Den Nachmittag habe ich dann wieder literarisch, nämlich im „Odeon“ bei der „Literatur im Herbst“ verbracht, wo ich ja leider die Vormittagsmatinee versäumte.

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2018-07-21

Soutines letzte Fahrt

Filed under: Bücher — jancak @ 00:02
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Jetzt kommt ein Vorgriff oder Rückgriff auf das Buchpreislesen, bei dem ich ja nicht ganz sicher bin, ob ich es heuer schaffe, mich wieder durch die Longlists des östBps und des dBps zu lesen.

2013 habe ich mich das auch nicht getraut, aber da hat „Buzaldrins Bücher“, das sogenannte offizielle Buchpreisbloggen durch die Aktion „Fünf lesen vier“ oder „Vier lesen fünf“ ins Leben gerufen und da stand Ralph Dutlis „Soutines letzte Fahrt“ auf der Ll des dBps, den öst hat es  damals noch nicht gegeben und ich hatte von dem Buch schon etwas gehört gehabt, weil es in Leipzig, glaube ich, auf dem blauen Sofa besprochen wurde und mich vielleicht auch etwas über Autor und Thema gewundert und es wohl damals noch für genausowenig literarisch gehalten, wie einer der „Amanzon-Rezensenten“.

Aber was ist literarisch? Nur der große Goethe und der große Bernhard? Wahrscheinlich nein, sondern vielleicht schon das, was dem Leser näher kommen kann und da sind fiktionale Biografien sicher ein sehr guter Weg, sich mit Personen der Geschichte auseinanderzusetzen, denn ich hatte damals sowohl von Ralph Dutli als von Chaim Soutine noch etwas gehört.

Ralph Dutli hat mich dann nicht ausgelassen, denn der ist 2015 wieder auf der Ll gestanden und da habe ich zwar nicht offiziell dBp gebloggt, aber wohl Buchpreis gelesen und dann bin ich einmal nach Ostern auf den Zentralfriedhof zu dem Begräbnis von Friedl Hofbauer und wieder zurückgegangen und bin da in die letzten Tage des Abverkaufs der Buchhandlung auf der Wieder Hauptstraße gekommen, wo heute die Kette „Hannibal“ ihre Servietten, Tees, Schokoladen und Pasteten verkauft und da gab es in dem schon sehr leergeräumtes Geschäft „Soutines letzte Fahrt“ um drei Euro zu kaufen und wieder hat es etwas gedauert, bis ich es auf meinen Badezimmerstapel geräumt von von dort wieder hinuntergenommen habe.

Eine fiktionale Biografie also, die der 1954 geborene Ralph Dutli  über den weißrussischen jüdischen Maler Chaim Soutine, einem Zeitgenossen von Chagall, Modigliani und Picasso, wie im Klappentext steht, geschrieben hat und der litt an einem Magengeschwür und fuhr am 6. August 1943, als in Frankreich schon die Besatzer waren, in einem angeblich oder tatsächlichen Leichenwagen nach Paris, um dort behandelt zu werden.

Am neunten August ist er jedenfalls in Paris gestorben und Ralph Dutli läßt ihn und das ist wohl der ewige Schmäh der fiktionalen Biografen, sein ganzes <leben durchleben und weil Chaim Soutine ein Maler war, macht Dutli es mit surrealen phantasitischen Bildern und erzählt so das Leben des  1893 in Weißrussland, als Sohn eines Schusters geborenenm, dem der Rabbi dort das Malen verbot. So ging er bald nach Minsk und dann nach Wilna, bevor er sich soviel Geld ersparte, um nach Paris zu kommen.

Im fiktionalen oder tatsächlichen Leichenwagen fährt auch Ma Be oder Marie Berthe als Krankenschwester gekleidet mit und das war zuerst, die Lebensgefährtin von Max Ernst, später die von Soutine und ein uneheliches Töchterlein, um das sich der Maler nie kümmerte, gab es auch und eine Gerda Groth aus Magdeburg und dann den amerikanischen Pharmahzeuten, der früh das Talent des Malers erkannte, der dafür berühmt war, seine Bilder mit denen er nie zufrieden war, zu zerstören. Er kaufte alle auf. Soutine wurde berühmt, wohl auch für seine Farben, die Farbe weiß und rot spielen eine große Rolle und am Cover des bei „Wallstein“ erschienenes Buches sieht man den Bäckerjungen, mit den Soutine wohl berühmt wurde.

Die Fahrt ist dann bald zu Ende. Die letzten Kapitel erzählen über das Begräbnis das am Montparnasse stattfand und das letzte sogar von einem Besuch des Autors an Soutines Grab und seine Beziehung zu dem Maler.

Ein interessantes Buch, eine interessante Biografie, die ich da so kurz vor dem heurigen Buchpreisfiebers gelesen habe und jetzt warten, wenn ich mich nicht sehr irre, noch ein Buch über Hemingway oder seine Frau auf mich und eines über Marlene Dietrich, das von Alred Polgar geschrieben wurde, bevor ich mich entscheiden kann, ob ich mich heuer wieder an die großen zwanzig machen werde oder das lese, was abseits davon in diesem Jahr erschienen ist.

2015-09-04

Die Liebenden von Mantua

20150830-101109

Bei Buch fünf der LL, ich danke dem „Wallstein-Verlag“ sehr für die beiden Rezensionsexemplare, geht es nach Italien und es geht, wie bei Kay Weyand wieder um Leben und Tod und natürlich auch noch um die Liebe, aber hat nicht schon MRR gesagt, daß das bei allen Büchern der Fall ist?

Ralph Dutlis „Die Liebenden von Mantua“ war wahrscheinlich das Buch, das mich, als ich es auf der LL sah, am wenigsten ansprach, denn wen interessiert schon ein Roman über zwei Skelette aus der Jungsteinzeit, habe ich gedacht und mich wieder mal geirrt und Ralph Dutli, bestsellerverdächtig, wie ich einem Radiobeitrag entnahm, den man über die dBp-Facebookseite nachhören kann, der 1954 geborene Schweizer Autor ist schon 2013 mit „Soutines letzte Fahrt“ auf der LL gestanden.

Damals habe ich mir das Longlistenlesen angesichts meiner überlangen Leseliste ja noch verkniffen, von Buch und Autor aber während meines 2013 Leizpiger Buchmessensurfings gehört, ich war damals, glaube ich nicht in Leipzig und als ich ein Jahr später vom Begräbnis der Friedl Hofbauer kam und noch rasch den Flohmarkt besuchen wollte, die die zweite zusperrende Buchhandlung auf der Wiedner Hauptstraße veranstalte, habe ich das Buch um drei Euro entdeckt, gekauft, aber noch nicht gelesen.

Das wird wohl noch eine Weile ungelesen in  den Regalen meiner Bibliothek stehen bleiben und in Ralph Dutlis preisverdächtigen Roman, wo habe ich gelesen, daß er sicher auf die Shortlist kommt, geht es auch um eine Bibliothek und es geht, das kann ich eventuellen Unschlüßigen, die sich ebenfalls von zwei Skeletten abschrecken lassen, gleich verraten, um viel viel mehr als um das, eigentlich geht es gar nicht um die, obwohl die Frau, die in der Jungsteinzeit in die Arme eines Jünglings rutschte, wie an einer Stelle veraten wird, Barbarina heißen könnte.

Es geht natürlich um die Liebe und es geht um Italien, dieses herrliche Land, in dem man in den Straßencafes Espressi und Amaretti schlürfen, in den alten Palästen noch immer die Renausance erleben kann und in einem dieser Cafes  in Mantua treffen sich zwei alte Freunde wieder, Raffa und Manu, die „el“ Silbe wurde bei beiden abgekappt und Raffa ist da, um über das Erdbeben zu forschen, das es im „verdammten Frühling“ von 2012 gab, Manu, um über die „Liebenden von Mantua“, zwei Skelette aus der Jungsteinzeit, die 2007 gefunden und verschwunden sind, zu schreiben.

Die zwei Freunde haben einander vieles zu erzählen, Raffa fragt den Schriftsteller Manu nach seiner Laure und erfährt widerwillig, daß sie ihn verlassen hat, dann verabreden sie sich für die nächsten Tage und Raffa wartet vergeblich auf den Freund, der nicht zu kommen scheint.

Er geht in sein Hotel, erfährt dort nicht viel vom Besitzer oder Rezeptionisten, denn man will sich in Zeiten des schwindenden Fremdenverkkehrs nicht mit Vermißtmeldungen und Polizeibesuchen aufhalten, eine junge Frau namens Lorena rennt ihm aber nach und erzählt ihm von einer merkwürdigen Entführung.

Manu sei in ein Auto gestoßen worden und wurde auf das Schloß eines merkwürdigen Comtes gebracht, sein Handy und seine Uhr wurden ihm abgenommen, dafür erhielt er einen Laptop ohne Internetzugang und der Comte lädt ihm am Abend zum Essen ein.

Er hat den besten Koch und noch zwei Leibwächter, die Manu fortan bewachen werden und der soll eine Theorie über die Liebe, als neue Religion schreiben, denn der Comte hat genug von der, die einen Gekreuzigten als Symbol erwähnt, auf diese Idee hat mich schon einmal meine alte Schriftstellerfreundin Elfriede Haslehner gebracht.

Der Comte hat aber nicht nur Manu, sonder auch die zwei Skelette entführen lassen, die ruhen nun in seinem Keller, er stellt Manu seine Bibliothek zur Verfügung, die aber auch etwas merkwürdig ist, verschwinden doch die Bücher und es geschehen überhaupt sehr seltsame Sachen in dem alten Palais.

So liegt einer der beiden Leibwächter einmal in einem rosa Schwanenseekostüm, ein andermal in einem weißen Meßdienerkleid erstochen auf dem Boden, Manu beobachtet eine badende Frau, schreibt Briefe, die er aus dem Fenster wirft, bekommt merkwürdige Säfte ins Zimmer gestellt, die ihn wohl ins Halluzinatorische abgleiten lassen sollen und derweil marschiert Raffa mit Laurena, die auch Archäologie studiert hat,  aber nur den prekären Job einer Hotelhelferin bekommen hat, durch die Museen von Manuta.

Sie erzählt ihm von dem „Verlobungszimmer“ und überhaupt viel von der italienischen Renaissacegeschichte, geht mit ihm auch nach Verona zu einer „Romeo und Julia“ Aufführung und bevor Manu vollends verrückt wird, klopft eines Morgens  die Polizei bei ihm und befreit ihm aus seinem Gefängnis.

Der Comte steht mit Handschellen in der Halle, die junge Badende, eine Cousine Laurenas, die ihm gerettet hat, wurde von des Comtes giftigen Pfeilspitzen, wie vielleicht auch die Liebenden getötet wurden, wenn es nicht doch die Tollkirschen waren, getroffen und als Manu  zurückkommt, erwartet ihm ein Brief der Wissenschaft, der ihm erklärt, daß die Liebende vielleicht gar keine solche waren, sondern nur zufällig ineinander verrutschten.

Die bekommen dann auch einen Platz in einem Museum und die beiden Freunde können einander wieder treffen und ich habe eine sehr interessanten, wenn vielleicht manchmal ein wenig kitschig anmutenden Roman gelesen, der an vielen Stellen sehr erhöht war, das bewußte Radiointerview, nennt viele Genre, die in ihm enthalten sind: Reiseführer, Krimi, Liebesroman, Renaissancegeschichte etc, deshalb bestsellerverdächtig.

Er erspart wahrscheinlich eine Bildungsreise nach Italien und jetzt bin ich sehr gespannt, ob er auf die Shortlist kommt, mir ist aber höchstwahrscheinlich, der etwas ambivalente Realismus eines traumatisierten Bestattungshelfer und seine Leichenwäscherideen, in dem es ja auch um die Liebe und den Tod geht, lieber.

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