Literaturgefluester

2018-02-20

Neben der Spur

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 23:23
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In den Büchern gibt es ja bestimmte Themen und bestimmte Personengruppen, die immer wieder vorkommen und durchgekaut werden, die Geschichte, die Midlifekrisis der intellektuellen Männer, meistens Mittelschicht und welche, die da kaum eine Rolle spielen und auch nicht als sehr literarisch gelten.

Meine depressiven und alten Frauen wären da wohl Beispiele, aber auch der Personenkreis der heutigen „Textvorstellungen“ in der „Alten Schmiede“ moderiert von Friedrich Hahn und da war die Zusammenstellung ganz besonders interessant.

Obwohl ich zwei der Lesenden, beziehungsweise eines der Bücher schon kannte und ich gehe ja aus ökonomomischen Gründen nicht zu gerne zu Lesungen, wo ich das Buch schon gelesen habe und höre mir stattdessen lieber etwas anderes an, obwohl man sich da, wie ich beispielsweise bei Angelika Reitzers „Unter uns“ und nicht nur da, immer wieder merken konnte, daß die Lesungen oft andere Aspekte auftun, als wenn man sich selber durch das Buch gräbt. Man kann auch Fragen stellen, bekommt einen Eindruck vom Autor, aber trotzdem bevorzuge ich dann lieber etwas, das ich noch nicht gelesen habe.

Also habe ich am Nachmittag nachgeschaut, was es in der „Gesellschaft für Literatur“ zu hören gäbe. Das Literaturhaus hatte kein Programm und das war eine Enttäuschung habe ich doch Margit Schreiners „Kein Platz mehr“ vor kurzem gelesen.

Also doch in die „Altem Schmiede“, obwohl ich Mascha Dabic ja schon in der AK, bei den O-Tönen und auch bei der Buchpreisverleihung hörte und das Buch gelesen habe und bei Elias Hirschl war ich  auch schon bei einer Lesung im Literaturhaus, aber gut, die 1977 in Klagenfurt geborene Silvia Pistotnig kannte ich noch nicht und habe auch noch nichts von ihr gelesen.

„Tschulie“ heißt ihr bei „Milena“ erschienes Buch und das ist die Hauptfigur, der Jackeline und Kevin Generation angehörend, wie Friedrich Hahn flapsig meinte.

Das heißt, eine Looserin oder Angehörte der sogenannten buldungsfernen Schichten, „Schulabbrecherin“ und „Jobhopperin“ steht im Programm und die lernt die Mutter eines Gymnasiasten kennen.

„Bobo trifft auf Prolo“ formuliere die Autorin ebenso flapsig und ich rümpfte die Nase, denn das mag ich nicht so sehr, obwohl ich mich vor Jahren, 1980, glaube ich ebenfalls mit diesem Thema beschäftigt habe und auch später immer wieder, in „Zwischen Hütteldorf und Heiligenstadt“ trifft die Looserfrau den konservativen Studenten, in der „Reise nach Odessa“ ist es die Anselma Fuchs die das tut und die Jasmin Bilic aus der „Pensionsschockdepression“ ist  auch so ein bildungsfernes Mädchen, der meine Sympathie gehört, während die Tschulie, wie heißt sie wirklich, das habe ich vergessen zu fragen, eher negativ von ihrer Autorin darsgestellt wird oder rotzfrech.

Ihre Mutter haut sie heraus, weil keinen Platz in der Gemeindewohnung, so beschließt sie bei dem Gymnasiaten einzuziehen, aus besonderen Umständen hat sie dabei nur einen BH an, was ein wenig nach Chick Llit klingen könnte, trifft so auf die Mutter Karin, der Gymnasiast ist nicht da und die Bobo Mutter beschließt sich um das Mädchen zu kümmern, quartiert sie dann in einem Pensionistenheim bei einer Gruppe esoterischen Frauen ein und man merkte beim Zuhören, wie fremd den Durchschnittsliteraten und seinem Publium solche Randschichtenliteratur ist.

Ich fands interessant, mir fiel auch der Perspektivenwechsel auf, die Tschulie-Szenen sind in der Ich Form geschrieben, dieKarin in der Sie Form und  Silvia Pistotnig erklärte auf Fragen aus dem Publkum, daß sie eine Kunstsprache für die Tschulie gewählt hat, denn die wirklichen Prolomädchen würden nur „Heast Alte!“, sagen, da weiß ich nicht, ob das stimmt.

Die Tschulies lesen aber wahrscheinlich nicht so gern und wenn dann vielleicht Comics oder Mangas und wollen nicht über ihre bildungsfernen Aussichten aufgeklärt werden, denke ich und  da fällt mir noch dazu ein, daß ich in“Beim Sterben sollte man zu Hause sein, ja auch die rotzfreche Schwester der Minka auf einen Gymnasiasten treffen lassen, aber die will  auch die Matura nachholen und die Selma, die Freundin von der Jasmin Bilic, will Zahnärztin werden, was ihr ihre Lehrer und das Arbeitsamt in Echtzeit auszureden versuchen und einen Brief eines Kevins an den „Herrn Kurz“ habe ich auch eine mal geschrieben.

So weit so gut und sicher interessant, vielleicht findet das Buch einmal zu mir. Friedrich Hahn oder war es jemand aus dem Publkum hat auch noch betont, daß solche Figuren nicht oft in der Literatur vorkommen.

Bei mir findet man sie  und auch bei Pia Piukund ihrer „Lucy “ ist mir noch eingefallen und  Elias Hirschls, des literarischen Wunderkinds und Jungstar wie Friedrich Hahn erwähnte, Protagonisten, nämlich die Bewohner einer betreuten Wohngemeinschaft sind höchstwahrscheinlich auch nicht hochliteraturtauglich, obwohl Clemns J. Setz hat sich in seiner „Stunde zwischen Frau und Gitarre“ auch mit diesem Thema beschöftigt und ist 2015 auf der Longlist des dBps gestanden.

Vom betreuten wohnen ist es dann  in den psychotherapeutischen Alltags einer Gruppenpraxis gegangen, wo die Dolmetscherin Nora, der Frau Roswitha, die Antworten der Teschetschenin dolmetschte und es dabei zu „Reibungsverlusten“ kommt, wenn sie ein Wort nicht so auf Deutsch wiedergeben kann wie es auf Russisch oder Tschetschenisch formuliert wurden.

Auch nicht der übliche Literaturschauplatz, die therapeutische Praxis und das Flüchtlingsthema, aber sehr interessant und ich habe mich mit beiden ebenfalls beschäftigt. Habe ich ja öfter Therapeutinnen und Therapiestunden in meinen Büchern, in der „Viertagebuchfrau“ vielleicht und in den „Berührungen“ geht die schreibblokierte Autorin zu einem Psychiater, der sie dann mit Schreibratschlägen versorgt und das Thema Flucht und Vertreibung habe ich auch öfter in meinen Texten, auch wenn ich nicht Dolmetscherunterstützt therapiere, bei der Diagnostik habe ich das eine Zeitlang so gemacht.

Ein interessanter Abend und eine interessante Zusammenstellung mit literarischen Randthemen, die ich für sehr wichtig halte und die auch nicht so abgehoben sind, wie es wahrscheinlich heute in der „Gesellschaft für Literatur“ war.

Der Schmiedessaal war auch nicht so voll wie gestern, die Leute, die gekommen waren, waren aber sehr interessiert und haben auch sehr interessierte Fragen gestellt.

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