Literaturgefluester

2015-08-31

Demo für Menschlichkeit und Büchersegen

Die Flüchtlingsproblematik und die Zustände in Traiskirchen haben uns heuer durch diesen heißen Sommer begleitet, beziehungsweise das Gerangel zwischen dem Innenministerium und den Bundesländern, die ihre Quote erfüllen sollten, sich aber mit Händen und Füßen und was noch ärgerlich daran war, mit schönen gutgeschulten Worten, dagegen weigerten.

„Ja, aber-!“ und die Bürgermeister wehrten sich, wenn ihnen ein Quartier aufgezwungen werden sollte, sprachen von mangelnden Baugenehmigungen etcetera und fürchteten um die Wählerstimmen, während in Traiskirchen die Leute auf den Boden schliefen, in Ungarn Grenzzäune errichtet werden, worüber dann die Verzweifelten zu klettern versuchen und ihre Babies durchreichen, vorige Woche in einem Lastauto auf der Autobahn Tote entdeckt wurden, es jetzt wieder Grenzkontrollen an der ungarischen Grenze gibt, etcetera, etcetera.

Währenddessen habe ich in den ersten drei Juliwochen meinen Sommerroman geschrieben, wo eine Fatma Challaki aus Damaskus über Lampedudsa nach Traiskirchen kommt und dort eigentlich nicht viel Fürchterlicheres erlebt, als daß sie in einem Zelt mit fremden Frauen schlafen muß, Schweinefleisch serviert bekommt und ihr die jungen afrikanischen Männer ein bißchen zu nahe zu kommen versuchen.

„Hey Girl!“, aber die Fatma ist eine strenge Muslama und kommt auch schon ein bißchen in „Selmas Kopftuch“ vor, da wird sie dann als Mustermigrantin ausgewählt und wird mit dem Integrationsminister Bastian, dem jungen Mann mit der gegelten Haarlocke, wie ihn die Yasmin flapsig nennt, fotografiert.

So weit die Phantasie beziehungsweise mein wenig abgehobenes realistisch psychologisches Schreiben.

Allerdings hat mich die Wirklichkeit in diesem Sommer eingeholt und wenn ich an den Montagen mit dem Alfred vom Rathausplatz zurückgegangen bin, hat man an manchen Auslagen Flugblätter mit der Inschrift „Schämen sie sich sich!“, gesehen und das habe ich mir auch manchmal gedacht, wenn ich die Politiker in den Nachrichten den heißen Ball oder die heißen Kartoffel hin- und herschieben gehört habe, während im Mittelmeer schon wieder Boote untergegangen sind.

Da muß man sich als Österreicherin, als Europäerin wriklich schämen und zum Glück war ich nicht allein damit, obwohl die FPÖ ja auch Grenzzäune und Stacheldrähte fordert und ich bei der Wandergruppe vorige Woche auch die Empörung über die Flüchtlinge hören konnte, daß dann die im Fernsehen sagen, daß sie mit den Zusänden nicht zufrieden sind.

Und die Gratiszeitung „Heute“ oder war es „Österreich“ hat einmal ein junges blondes Mädchen, eine Bewohnerin von Traiskirchen gezeigt, das sich beschwerte, daß die Asylwerber „Hallo Süße!“ zu ihr sagen und lachen.

Das war in der Zeit, wo ich beschrieben habe, daß die jungen Afrikaner „Hey pretty girl!“, zu  Fatma sagen und sie ihr Kopftuch dann verlegen noch ein bißchen tiefer in die Stirn hinscheinschiebt.

Ich habe mir auch einige Videos angeschaut, wo Leute, Decken, Zelte, Kosmetikartikel, etcetera nach Traiskirchen bringen wollten, was  dort nicht angenommen wurde und Berichte gehört, daß die „Ärzte ohne Grenzen“, „Amnesty“ und einige Psychiater, die den Traumatisierten helfen wollten, nicht hineindurften.

Gegendemonstrationen hat es gegegeben und die Politiker haben immer noch schöngefärbt den Ball hin und hergeschoben, aber nicht nur in Österreich, in der ganzen EU und in Deutschland dürfen Asylunterkünfte von der Begida angezündet worden sein, so daß es derzeit eine große Bloggeraktion für Flüchtlinge gibt, die Geld und wahrscheinlich anderes sammelt und Barbara Neuwirth hat mir den Aurfuf für die „Demo für Menschlichkeit“ heute um sechs auf der Mariahilferstraße geschickt, die sehr voll war, sehr viele junge Menschen, einige ältere, viele Frauen, die ich für Psychotherapeutinnen halten würde, einige SPÖ Politikerinnen, Susanne Scholl, Vera Albert und eigentlich sehr wenige die ich von den ersten Mai Demos der Kommunisten oder den Frauendemos kannte. Aber vielleicht war das ein Zufall und ich habe nicht genug hingesehen.

Man sollte sich weiß anziehen und weiße Fahnen schwingen, einige haben das getan, die anderen sind, wie ich in der normalen Sommerkleidung gekommen.

Relativ wenig Polizei, aber das geht auf der neuen Mariahilfersttraße, wo die Straße durch Straßencafes verkleinert ist, ja auch nicht wirklich gut, einige Reden darunter die, von einem Video, das ein junger Mann, der sich in Traiskirchen eingeschmuggelt hat, achtunddreißig Stunden lang drehte und dann ein gemeinsamer Gang zum „Omafuma Denkmal“ beim Museumsquartier.

Im „Wochenendstandard“ war auch ein Interview zwischen Ilija Trojanow, dessen neues LL-Buch ich demnächst lesen werde und der Innenministerin, die jetzt etwas moderatere Töne anschlug und auch einige sehr interessante Artikel über die Flüchtlingssituation, Schlepper etcetera.

Ein schwieriges Problem, das man wahrscheinlich durch ein paar Euro Spenden nicht in den Griff bekommen kann, ich habe am Rathausplatz, wo ich nachher noch einmal hingegangen bin und mir die „Czardasfürstin“ eine Aufführung aus „Mörbisch 2002“ angesehen habe, einen Stammbesucher getroffen, der mir sagte, daß er in Traiskirchen vegetarisches Essen austeilt.

Es gibt also doch Solidarität und die Kalman Operette, die im Juni 1914, also kurz vor Ausbruch des ersten Weltkrieges spielt, war auch sehr interessant, führt da ja ein Ungar, der Fery Baci durch die gute alte Zeit, wo es die Monarchie noch gab, man Walzer tanzte, es Standesdünkel, aber noch keine Grenzzäune gab.

Neben uns saß eine Familie, die eine Flasche Sekt mithatte, eine Art Picknick veranstaltete und die Kinder immer begeistert auf die Bühne zeigte, wenn die Mama eine Arie sang, ja und der LL-Büchersegen ist auch wirklich  problemlos eingetroffen.

Heute morgen konnte ich mir beim „Heimtierprofi“ drei abholen „Risiko“, „89/90“ und die Jenny Erpenbeck.

Es gibt also neben der Poetik, die ich  schon gelesen habe, auch sehr viel Politisches beim LLL das vielleicht zu dem Krisensommer und der Flüchtlingsproblematik passt.

Das Buch von der Valerie Fritsch und das von der Anke Stelling ist aber auch gekommen, jetzt brauche ich nur mehr auf das von der Inger Maria Mahlke warten und lesen lesen lesen.

Dann hätte ich mit dem was ich schon hatte, dem PDF, den gelesenen und den Weihnachtsgeschenken vom Alfred, zwölf und acht fehlen mir noch, wenn ich wirklich die ganze Longlist durchlesen will.

Das wird zeitlich auch ein wenig knapp werden, vor allem weil jetzt auch die Veranstaltungen beginnen, aber bis Anfang Oktober bis zur Preisvergabe wird es zu schaffen sein und ich liege mit meinen fünf schon gelesen Büchern, wenn ich mich in der Bloggerszene so umschaue, ohnehin im Spitzenfeld.

Buzzaldrin liest jetzt das dritte, die Valerie Fritsch und ist nach Hamburg umgezogen, die anderen Blogger haben ihr Bücherpaket bekommen und auf eine interessante Bloggerin, die auch schon die Valerie Fritsch, den Kay Weyand, die Monique Switters und dann noch den Ernst Jandl und die Christine Lavant liest, bin ich bezüglich meines Bücherbloggens auch gestoßen und ich finde es wirklich toll, daß das Buchpreisbloggen so gut funktioniert, obwohl dieser Sommer nicht nur heiß, sondern politisch ein wenig schwierig war, wenn sich jetzt in Traiskirchen die Zustände aber ein wenig ändern, so da man sich nicht mehr schämen muß, wenn man sich durch die Longlist liest, wäre das sehr schön.

Im Radio habe ich dann gehört, daß die Ungarn inwischen alle Flüchtlinge, die nach Österreich oder Deutschland wollen, ausreisen lassen und die sich jetzt zum Teil am Westbahnhof befinden dürften, womit der Bundeskanzler wieder nicht einverstanden ist.

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2015-07-21

Mit rasender Geschwindigkeit

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Mit rasender Geschwindigkeit geht es weiter, könnte man so sagen, habe ich gestern meiner Freundin Ruth Aspöck gesagt, als wir uns wieder am Rathausplatz beim Filmfestival getroffen haben.

Wir waren heuer das erste Mal dort, den Karlsplatz habe ich auch ausgelassen, sondern an zwei Montagen „Alte Schmiede“ und vorige Woche, die Lesung beim Sommerfestival im „Read!!ingroom“ und dort habe ich die ersten vier Szenen aus „Den ereignisreichen Sommererlebnissen“ gelesen, obwohl ich eine Woche vorher nur ein cirka eineinviertel Seiten langes Expose oder Einleitung dazu hatte, die ich beim Sommerschreiben in der Schreibgruppe im Juni im Cafe Ludwig, das nicht mehr so heißt, geschrieben habe.

Damals hatte ich, glaube ich, achtunddreißig Rohseiten und ich weiß gar nicht, wieviele Szenen, jetzt habe ich fünfundsiebzig Seiten, 36122 Worte, dreißig Szenen und das ungefähre Konzept im Kopf und wenn ich am Abend wieder in die Sommerfrische gehe und dann jeden Tag, wie vorige Woche zwei Szenen schreiben, ab Sonntag bin ich schneller geworden und gestern nachmittag ist dann vor sich hingaloppiert, kann es passieren, daß ich nach drei Wochen schreiben mit dem Rohkonzept ertig bin und den Nanonimo knapp unter- oder überschritten habe und dann den Rest des Sommers Zeit das Ganze zu korrigieren, beziehungsweise „Selmas Kopftuch“ was das ja noch nicht zur Gänze ist, fertigzumachen.

Schnell, schnell, könnte man sagen und manche meiner mehr oder weniger wohlwollenden Kritiker sagen auch „Sei nicht so schnell, schreib nicht so viel, das kann man doch gar nicht alles lesen, achte mehr auf Qualität!“, etc, aber ich glaube inzwischen, das tun sie weil ihnen zu mir nicht viel anderes einfällt und ich das ja selber von mir schreibe, das ich sehr schnell bin und das ist gut so, das glaube ich inzwischen auch.

Jedenfalls  ist es sehr schön die Sommerfrische heuer mit einem Sommerroman zu verbinden, in dem es, um genau diese Sommerfrische geht. Um das Radfahren an der Traisen, das Lesen in der Badewanne, das Schreiben auf der Terrasse, am Samstag ein Würstel am Markt, am Sonntag ein Spaziergang auf die Rudolfshöhe, solange die dort noch nicht auf Urlaub sind.

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Da passiert nicht sehr viel, das ist langweilig, könnte man so sagen, aber wenn man sich meine fünfundsiebzig Seiten Rohtext so ansieht und das kann man ein bißchen wenn man auf den jeweiligen Schreibberichten, die kleinen Texte in dem kleinen Stadtschreiberbuch, in das ich mir bei meinen Fahrten, immer ein paar Szenchen aufnotiere, sieht man, es passiert doch sehr viel.

Eigentlich rasend viel mit unaufhaltsamer Geschwindkigkeit in diesem prekären Europa, wo man heutzutage, wenn man das Radio zu den Nachrichten aufdreht, hört, in Griechenland wird die Mehrwertssteuer erhöht, Frau Merkel oder Herr Feymann sind für oder gegen die Hilfspakete, auf jedenfalls ist das der Herr Strache, als Oppositionspolitiker wohl dazu verpflichtet und im Erstaufnahmelager von Traiskirche schlafen die Asylwerber am Boden, weil die Politiker zwar schön reden, aber sich auf keinen Verteilungsschlüßel, eigentlich ein fürchterliches Wort, einigen können und meine prekäre Studentin Sandra Winter, die den Sommer in der Sommerfrische im Harlander Hause ihrer Eltern verbringt, damit die Eltern inzwischen durch Mekiko und Amerika fahren können, aber jemand den beiden slowakischen Pflegehelferinnen der Großmutter ein bißchen auf die Finger schauen kann, hat inzwischen einen Freund gewfunden.

Auf der Aussichtswarte beim Viehofener See, hat sie den Deutschlehrer Andi Hermann kennengelernt, weil der in ihrem Fahhradkorb Bücher gesehen hat, die sie in der Telefonzelle bei der „Seedose“ fand und weil sie ihre Diplomarbeit über den deutschen Buchpreis schreibt, hat sie ihn gleich interviewt, nachher fährt sie mit ihm nach Herzogenburg, um sich das Chorherrenstift anzusehen.

Auf diese Idee kam ich am letzten Samstag, als am Markt Prospekte von dort auflagen und vor einem der Stände die Kirche im Legostil ein bißchen nachgebaut war.

Aber sie fährt nicht gleich, denn vorher war sie zwei Tage in Wien, denn dorthin sind Eleni und Giorgos mit ihren Transporter und fünfzig griechischen Hunden gefahren und haben zwei Nächte in ihrem WG Zimmer übrnachtet, den Stephansdom, Schönbrunn und den Prater haben sie sivch angeschaut, sind mit dem Riesenrad gefahren und haben für die jeweiligen Großmütter einen Sack Mozartkugeln gekauft, dann ist  Sandra noch mit dem Auto ihres Vaters nach Traiskirchen gefahren, denn Fatma ist dort angekommen, wird von drei afrikanischen Asylwerbern ein bißchen bedrängt, bekommt Schweinefleisch serviert und muß in einem Zelt schlafen und weil sie ja Germanistik studieren will, beschließt sie, wenn sie nach Wien darf und sie wird dann auch zu einem Psychiater bestellt, um ihre Traumatisierung zu beweisen, in die NB zu gehen, sich dort Joseph Roths „Radetzkymarsch“ ausheben zu lassen und dort nachzulesen, wie das so mit der Wiener Küche, dem Tafelspitz, der Sachertorte, den Kirschenknödel, den Apfelstrudel und so ist.

Dort trifft sie dann auf Werner Eberhard, das ist ein achtundfünzigjähriger Deutschlehrer, seit einem Jahr verwitwet, weil seine Frau Karoline an einem furchtbaren Krebs verstorben ist, was ihn in eine tiefe Depression fallen ließ, aus der er sich durch einen Heiratskatalog herauszuretten versucht und so sitzt er da, um für Fräulein Majatschuks Dissertation über Bertha von Suttner ein bißchen zu recherchieren und ihr die Ergenisse nach Donezk zu schicken, denn die kann dort nicht hinaus, erstens stirbt ihre Großmutter selbst gerade an Krebs, zweites wurde ihr Antrag auf ein Visum und ein Forschungssemester nach Wien  abgelehnt.

Passiert doch sehr viel in der Sommerfrische in Harland in St. Pölten und ich finde es sehr spannend  so flott zu schreiben, schade nur, daß sich niemand dafür interessiert, eh schon wissen.

Blöd, aber man soll erstens niemanden zu seinem Glück zwingen und zweitens könnte ich ja im nächsten Jahr, wenn das Sommerbuch  fertig ist, dieses in den Seitenbar als E-Book stellen und wer es will, kann es sich kostenlos hinunterladen,  lesen und vielleicht sogar besprechen.

Bei Manfred Lager-Regalls Büchern habe ich das inzwischen getan, alle zwei auf einmal und wiedermal die Feststellung gewacht, das man, was ich ohnehin schon wußte, jedes Buch wertschätzend, wohlwollend und achtsam besprechen kann.

Das für die, die meinen, man könnte meine Bücher nicht besprechen, man könnte es vielleicht versuchen und Sigrid Höllrigl hat meine Besprechung ihres „Odysseus“ inzwischen entdeckt und verlinkt, es tut sich also ein bißchen oder auch sehr viel in den Sommerlöchern und meine Freundin Ruth Aspöck mit der ich mich gestern lang unterhalten habe, während wir auf das Konzert aus dem Amsterdamer Conertgebouw, also auch ganz schön international, gewartet haben, ist gerade von der Schreibwerkstatt, die sie in Strobel unter der Organisation von Erika Kronabitter machte zurückgekommen.

2005 war die noch in Vorarlberg und ich dabei, jetzt waren es die Ruth, der Robert, die Patrizia Brooks, die Sisi Klockner, die Karin Ivancsics hätte, glaube ich, auch kommen sollen und haben an ihren Werken gearbeitet und dann daraus vorgesesen.

Und zur „Poetnight“ habe ich mich inzwischen auch angemeldet. Da könnte ich wieder ein Stückchen aus dem „Schutzengelchen“ lesen, obwohl ich noch gar nicht so genau weiß, wann die ist.

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