Literaturgefluester

2018-05-17

Seht, was ich getan habe

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:06
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Jetzt kommt, nein, kein Krimi, auch wenn es vielleicht so angekündigt wird, sondern die literarische Aufarbeitung eines realen bis heute ungeklärten Mordfalls, der 1892 in Fall River, USA passierte und dem sich die in Melbourne lebende Sarah Schmidt, die einen Master in kreativen Schreiben und als Bibliothekarin gearbeitet hat,  in ihrem Debut angenommen hat.

Im August 1892 wurden in Fall River Andrew Borden und seine zweite Frau Abby von einer Axt erschlagen  aufgefunden.

Im Haus ist das irische Hausmädchen Bridget und die zweiunddreißigjährige Lizzy, ihre um zehn jahre ältere Schwester Emma, ist bei einer Freundin auf Besuch. Mehrere Indizien weisen auf Lizzy.  Sie wird des Mordes angeklagt. Verbringt zehn Monate im Gefängnis, wird dann freigesprochen und stirbt nachdem sie sich 1905 von ihrer Schwester trennte und nie mehr mit ihr gesprochen hat, 1927.

Das findet man so bei „Wikipedia“ und auch in der Zeittafel, die Sarah Schmidt dem Roman angefügt hat, den sie, sie hat wohl sehr gut  recherchiert und auch einige Zeit in dem Wohnhaus der Bordens, das heute ein „Bed und Breakfast“ ist, zugebracht, aus vier unterschiedlichen Perspektiven erzählt und hier sowohl Lizzy, als auch der älteren Schwester, dem Hausmädchen und einem Mann namens Benjamin, der offenbar fikitiv ist, eine Stimme gibt.

Die meistens Kapitel spielen am Tag des Mordes, beziehungsweise davor, so wird das Geschehen sehr gründlich durchgekaut, beziehungsweise spielen auch Rückblenden in die Vergangenheit eine größere Rolle, eines auch 1905, als Emma, die Schwester verläßt und nun werden die Geschehnisse aus den unterschiedlichen Perspektiven und Blickwinkeln aufgerollt oder wiedergekaut, wie man weniger wollwollend schreiben könnte.

Es beginnt damit, daß Lizzy, den zerstümmelten Vater findet, sie schickt das Hausmädchen zum Arzt, die Nachbarin kommt und danach die Polizei, während Emma zu dieser Zeit noch bei ihrer Freundin ist und eigentlich beschlossen hat, dort Malunterricht zu nehmen und nie mehr zurückzukommen.

Das Hausmädchen erzählt auch ihre Sicht der Dinge. Sie will eigentlich nach Irland zurück, Abby Borden läßt sie aber nicht, nimmt ihr sogar das gesparte Geld weg und Emma ist Lizzy bös, weil die einige Zeit in europa war, was sie nicht durfte.

Emma hat nachdem ihre Mutter bald nach Lizzys Geburt gestorben ist, die Schwester sozusagen aufzezogen, bis eben die Stiefmutter ins Haus kam, die von Lizzy immer noch als Missis Borden angesprochen wird, kümmert sich auch nach dem Mord sehr um sie und verläßt sie erst 1905, denn das hat sie ihrer Mutter so versprochen und als sie doch einmal heiraten will, erwischt sie Lizzy mit ihrem Bräutigam beim vorehlichen Sex, erpresst Emma mit ihrem Versprechen, die sich dann von ihrem Verlobten trennt.

Das ist vielleicht so fiktiv, wie die Tatsache, daß der Vater kurz vor dem Mord, Lizzys Tauben den Kopf abhackte, weil sie Schmutz machen und Krankheiten bringen. Der Einbruch, der früher stattfand und weshalb auch alle Türen abgesperrrt werden, findet man, glaube ich, bei „Wikipedia“ und hier steht auch, daß er Lizzy zugeschrieben wurde.

Es kursieren auch allerlei Krankheiten und Gerüchte, um Vergiftungen, wegen verdorbenen Essen, die in den letzten Tagen passierten und so ist auch der Onkel John zu der Familie gekommen, um sich um die beiden Mädchen zu kümmern.

Hier wird es dann wahrscheinlich wieder fiktiv, denn der Onkel lernt auf seiner Reise einen sehr gewalttätigen jungen Mann namens Benjamin kennen, der sich an seinem Vater rächen will und beauftragt ihn wohl in das Haus einzudringen und Andrew zu ermorden. Der kommt auch, findet eine Gelegenheit in das versperrte Haus zu kommen, findet aber nur die Leichen und man weiß wieder nicht, wer es getan hat, nur wie es vielleicht gewesen sein könnte.

Was bei einem Roman, um einen ungekärten realen Mordfall auch sehr schwierig ist, weil man da ja seine Phantasie nicht zu sehr spielen lassen kann, sondern sich an die Fakten halten sollte. Wenn man das tut, wird es aber vielleicht ein wenig langweilig, beziehungsweise kommt man auch nicht weiter, als zu dem, was  schon in den Polizeiakten steht.

So beklagen sich bei „Wikipedia“ auch einige Leser wegen der nicht stattgefundenen Spannung, die zwar „unheimlich und fesselnd zugleich“ am Buchrücken versprochen wird, wo auch etwas von einem „neuen literarischen Talent“ steht.

Nun das habe ich auch nicht so gefunden. Zwar schafft die Autorin, glaube ich, ein sehr dichtes Bild von dem stickigen Leben im vorvorigen Jahrhundert, das zwei ältere Mittelschichttöchter im Haus eines autoritären Vaters und wahrscheinlich streitsüchtigen Stiefmutter führen mußten, mit allen Sinnen zu zeichnen. so daß man den Miff und den Gestank förmlich riechen kann.

Spannend habe ich es aber eigentlich nicht empfunden, sondern eher langwierig und weitschweifend und am Schluß weiß man wahrscheinlich auch nicht wirklich, was damals in dem Haus geschehen ist, hat sich aber ein bißchen mit dem Fall beschäftigt und ist in die Vergangenheit eingetaucht.

Den gewalttätigen Benjamin habe ich auch als etwas störend, unsympathisch und unrealistisch empfunden. Er war aber wahrscheinlich das Spannungsemelemt, das Sarah Schmidt brauchte, um in in die Geschichte einzutauchen und einen Roman aus den Polizeiakten zu machen.

Was mir aber an dem Buch wirklich gefällt und was wahrscheinlich der Grund war, warum ich es mir schicken ließ, ist das schöne Cover. Die Frau in dem schwarzen Kleid mit dem weißen Kragen, von der man nur den Rücken sieht und die ihre Hände auch dorthin verschränkt.

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