Literaturgefluester

2019-05-05

Im Leben mehr Glück

„Reden und Schriften“, des 1954 in Steyr geborenen Erich Hackl, der, glaube ich, mit „Abschied von Sidonie“, das inzwischen zur Schulbuchlektüre zählt, berühmt geworden ist und seither unzählige Bücher geschrieben hat, in denen er sich mit realen Schicksalen von Holocaust oder sonstwie Verfolgte beschäftigt.

Aus dem letzten diesbezügliche Buch am Seil“ habe ich ihm sowohl im Literaturhaus als auch in Göttweig lesen gehört, jetzt sind bei „Digoenes“ sozusagen seine „Gemischten Schriften“, eine Ansammlung aus mehreren Jahren und Jahrzehnten erschienen, in denen man sich gut durch das Werk und die Denkweise Hackls lesen kann, der ja ein sehr kritischer Schriftsteller ist, sich nicht nur für den Holocaust als auch für die lateinamerikanische Literatur interessiert und auch sonst glaube ich ein sehr gesellschaftskritischer Autor ist, der unter anderen auch den „Wildgans-Preis“ bekommen hat.

Die „Reden und Schriften“ sind in vier Abteilungen gegliedert. In der ersten die „Heimatkunde“, ein derzeit ja sehr aktuelles Thema, heißt, werden in einem „Alphabet der Auslassungen“ mehrerer bekannter oder auch unbekannterer Dichter, die, wie Franz Kain oder seine Tochter Eugenie zum Beispiel, das Leben Hackls geprägt haben, erwähnt.

Dann geht es in „Geschichte, die immer erst anfängt“ um drei stayrische Widerstandskämpfer und dem Fußballer Rudi Strittich hat Hackl auch eine Geschichte gewidmet.

Erich Hackl ist den Spuren des im achtzehnten Jahrundert lebenden spanischen Komponisten Sebastian Duron nachgegegangen und zieht Verbindungen zum spanischen Bürgerkrieg.

Die nächsten Texte sind dann den Spaniern gewidmet, die in Mauthausen interniert waren und auch im Holocaust umgekommen, während sich der letzte Text der ersten Abteilung „Im Leben mehr Glück“ einem uruguayischen Gewerkschafter widmet, der während der urugayischen Militärdiktatur mit seiner Familie Asyl in Österreich hatte und in der Praterstraße wohnte.

In der Abteilung „Andenken“ gibt es viele Grabreden, die Erich Hackl bevorzugt zu halten scheint. Bei einer, bei der von Friedl Hofbauer, 2014 nach Ostern am Zentralfriedhof war ich anwesend, bei der von Eugenie Kain in Linz-Urfahr nicht, da gab es nur eine Gedenkleseung im Völkerkundemuseum, im Rahmen der Volksstimmefestlesungen.

Erich Hackl hat aber auch die Grabreden für Leopold Spira und seinen Freund, dem Spanienkämpfer Hans Landauer gehalten und eine Rede zum neunzigsten Geburtstag der  Zeitzeugin Dagmar Ostermann im Theater Hamakom, wo ich ihn ja auch aus der „Familie Salzmann“ lesen hörte.

Die Laudatio an den Kramer-Preisträger Fritz Kalmar, die 2002 in Krems stattfand, wo Erich Hackl dessen Roman „Das Wunder von Büttelsburg“ in Beziehung setzte, habe ich auch gehört und da hat mir der Autor, wenn ich mich nicht irre, meine beiden Kinderbücher „Lore und Lena“ und „Mutter möchte zuwanzig Kinder“ abgekauft.

Ob er sie gelesen hat, weiß ich nicht, er ist aber viel beschäftigt, kommen doch noch viele Reden auf bekannte oder unbekannte Schriftsteller, der nächste ist der Schweizer Autor Niklaus Meienberg, der 1993 in Zürich gestorben ist, von dem ich auch noch nie etwas gehört habe, obwohl ich mich ja vor einem halben Jahr und auch so recht intensiv mit der Schweizer Literatur beschäftigte.

In „Im Blick eimmer ein Gegenüber“, geht es um den Fotografen Dieter Masuhr, der die Krisengebiete Nicaragua, Bosnien und Palästina bereichst und auch schriftstellerisch tätig war.

Dann kommen noch zwei mir unbekannte Autoren, nämlich die Rezenson von Günther Weisenborns „Der Verfolger“, wo einer sich mit einem Holocausttäter auseinandersetzen will, das aber an mangelnder Zeugenaussagenbereitschaft nicht kann und um das Leben des 1907 in Wien Alsergrund geborenen Arztes Paul Engel, der nach Südamerika emigrieren mußte, dort unter den Namen Diego Viga zu schreiben begonnen hat, was aber, wie Erich Hackl, der sich eine Verbreitung seiner Werke im österreichischen Sprachraum wünscht,  nicht sehr bemerkt wurde.

Dann kommen Texte zu Fred Wander, Ruth Klüger, für die Hackl wieder eine Laudatio gehalten hat und Jura Soyfer, wo Hackl beklagt, daß ihn der Literaturprofessor Schmidt-Dengler nur für einen literarischen Außenseiter gehalten hat.

Dasselbe gilt auch für den mir bisher unbekannten Richard Zach, einen steirischen Dichter und Widerstandskämpfer, der von den Nazis hingerichtet worden ist.

Die nächste Abteilung heißt „Auf einen anderen Kontinent“, geht nach Südamerika und da werden mir zum größten Teil unbekannter Dichter erwähnt. Hackl erwähnt aber auch Gisela Tenenbaum, über die er das Buch „Als ob ein Engel“ geschrieben hat, das ich einmal vom Otto geschenkt bekommen habe, die während der argentinischen Militärdiktatur verschwunden ist.

Er hat „Vor mehr als drei Jahrzehnten“, wie er 2011 schrieb, die Dichterwerkstätten Nicaraguas besucht, die vom damaligen Kulturminister Ernesto Cardinal gegründet wurde und der den sogenannten „Laiendichtern“ Regeln wie „keine Reime, konkrete Begriffe, Eigennamen von Ortschaften, Flüßen und Leuten, sehen reichen hören, schreiben wie man spricht, keine Gemeinplätze, Sprache verdichten, keinen Superlativ und subjektive Gefühle objektive beschreiben gab“.

Regeln die eigentlich sehr logisch sind und an die man sich vielleicht auch anderswo halten sollte.

Eine „Rede auf Alfredo Bauer“, der 1924 in geboren, 2016 in Buenos Aires gestorben ist und2002 den „Kramer Preis bekommen hat, gibt es auch und in einem argientinienschen Altersheim hat er 2017, die hunderthährige Hedwig Lüftig besucht, die 1938 Österreich verlassen mußte.

Der letzte Teil des Buches ist den Dankesreden gewidmet. Hackl hat den „Kreisky“,  den „Solothurner Literaturpres“, den „Ehrenpreis für Toleranz im Denken und Handel des österrreichischen Buchhandels“, den „Adalbert Stifter“ und wie schon erwähnt den „Wildgans-Preis“ und wahrscheinlich auch andere, dessen Reden im Buch nicht enthalten sind, bekommen.

Er zeichnet sich, wie ich schon beim „Wildgans-Preis“ merken konnte, durch durchaus kritische Reden dabei aus und das Buch ist, möchte ich zusammenfassen, durchaus spannend und interessant zu lesen, weil man sich dabei  ein gutes Bild über den kritischen Dichter, der sich vor allem für die Verfolgten und Unterdrückten einsetzt, machen kann und am Dienstag, kann ich gleich flüstern, wird es in der „Gesellschaft für Literatur“ eine weitere Hackl-Rede und zwar über die Neuauflage der „Dunklen Jahre“, den seit 1948 erstmals wiederaufgelegzen Exilroman, von Friederike Manner, die 1904 in Wien geboren wurde und sich dort 1956 das Leben nahm, geben.

 

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