Literaturgefluester

2022-08-30

Hinterher

Filed under: Bücher — jancak @ 00:00
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Nein, jetzt kommt noch nicht das deutsche Buchpreislesen, obwohl ich mir vorstellen hätte können, daß Finn Jobs Debutroman darauf steht. Auf der des Bloggerdebuts steht es schon. Es ist wieder ein Wagenbach-Quartbuch“, das ich digital gelesen habe und ich bin wieder etwas ratlos, was es ist?

Ein Roadmovie, ein Coming of Age Roman, ein rasantes Debut in den verschiedensten Sprachstilen, wie in der Beschreibung steht?

Es geht also um einen etwa zwanzigjährigen Ich-Erzähler, der von seinem Freund Chaim, der zurück nach Israel gegangen ist, verlassen wurde. Vorher hat er in einer WG, aber auch in einer kleinen Wohnung in Neukölln geworden und jetzt hat ihn ein Francesco, ein Künstler, nach Frankreich mitgenommen, der dort in einer Kirche eine Kunstinstallation machen will.

Das Buch springt vollkommen unchronologisch hin und her, so daß es ein Weile braucht, um alles mitzubekommen, wahrscheinlich habe ich immer noch nicht alles verstanden, was vielleicht gar nicht möglich ist, weil sich die Beiden vollkommen bekiffen und betrinken, wie das in einem Coming of Age Roman heutzutage offenbar so sein muß.

Sie landen in Frankreich, schwierig ist auch, daß ganze Passagen in Englisch oder Französisch geschrieben sind, die nicht übersetzt werden, in einer komischen Villa oder besser gesagt, einer schönen alten Villa, die der Besitzer Gedeon, ein äußerst verrückter Typ , der mal einen Hund, mal eine Katze spielt und sich auch ständig besäuft in ein Art Hotel umgewandelt werden soll und sie dabei äußerst verschandelt. Die Kirche wird auch mit Alufolie überdeckt, damit man statt Gott, sich selbst sehen soll, es geht aber ohnehin niemand hin und was ist jetzt da in Neukölln geschehen?

Der Koffer und der Ausweis des Erzählers liegen offenbar noch in der WG bei einem Peter. Der Erzähler hat auch seine Arbeit verloren, offenbar hat er gekellnert und noch kein wirkliches Ziel im Leben. Er hatte eine Beziehung zu einer Sophia, dann zu einer Hatice, die aus nach Neukölln gekommen ist, weil sie kein Kopftuch mehr tragen will, sie wird von ihrer Familie deshalb verfolgt, weil sie wie eine deutsche Hure lebt. Da wird das Buch politisch und das finde ich sehr interessant, weil der 1995 in Hannover geborene Finn Job hier sehr direkt ist, direkter als ich es bisher in Romanen gelesen habe. Schließlich hat er dann eine Beziehung zu diesem Chaim angefangen und ihn in Neukölln, obwohl man das nicht darf oder soll, sehr vorsichtig auf der Straße geküßt. Da kamen dann sofort die „Allahu Akbar! schreienden Jugendlichen aus allen Richtungen und verfolgten die Beiden, die sich gerade noch in die WG flüchten könnte. Der Erzähler beschimpfte die Angreifer als „Pack!“, worauf er von den WG Bewohnern als rassistisch beschimpft wurde, denn er hätte die Gefühle der Angreifer verletzt.

So realistisch habe ich das in einem Roman noch nicht gelesen und kann nur fragen, ist es wirklich schon so arg in Neukölln und sind die Jugendlichen von heute, die rauchen und kiffen und keinen Sinn im Leben haben, wirklich so dumm, Dinge nachzuplappern, ohne nachzudenken, ob das jetzt stimmt und der Situation angepasst ist?

Dieser Francesco ist jedenfalls sehr reich, gibt dem Erzähler Geld, kauft ihm Kleider. Proust und überhaupt die Literatur spielt in dem Buch auch eine große Rolle. Also ist alles doch nicht ganz so banal und der Erzähler ein Proust-Fan. Es wird auch rückgeblendet auf eine Reise, die der Erzähler mit diesem Chaim, dem er immer noch nachzutrauern scheint, einmal machte, um das Grab von Klaus Mann zu besuchen. Ansonsten weiß er Erzähler nicht was er will, geht nicht ans Telefon, schmeißt sein Handy ins Meer und in der Kirche kommt es dann noch zu einer absurd grotesken Schlußszene, wo alles in Flammen aufgeht oder sich vielleicht zu Guten wendet? Wer weiß das schon und wer weiß, was das überhaupt ist? Soll er nach Deutschland zurckgehen, einen Entzug machen, studieren oder einen Job suchen? Alles ist ungewiß und vielleicht auch nicht so einfach zu beantworten.

„Hört er es denn nicht, das gellende Schweeigen der Sirenen?“, ist jedenfalls der letzte Satz und wir bleiben vielleicht ratlos zurück und können darüber philosophieren, was wir da gelesen haben?

2022-05-15

Es war schon immer ziemlich kalt

Filed under: Bücher — jancak @ 00:00
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Jetzt kommt ein Buch, das auf der Shortlist des „Blogbusterpreises“ stand, den, glaube ich, Tobias Nazemi initierte, den es ein paar Jahre gegeben hat und vielleicht immer noch gibt, obwohl ich, wenn das so wäre, schon lange nichts davon gehört habe. Da wurden Blogger ausgewählt zu denen man sein Manuskript schicken konnte, die wählten dann eines aus und der Sieger bekam einen Verlagsvertrag.

Ein paar der Bücher habe ich davon gelesen und einmal das Buch mit den Shortlistproben,. Mareike Fallwickl die Bloggerin die ja selbst Autorinnenkarriere machte, hat einmal kein Buch vorgeschlagen, weil ihr die Texte nicht gut genug waren, nun ja, vielleicht deshalb war ich auf Ela Meyers Roman neugierig, die 1973 in Friesland geboren wurde und jetzt in Barcelona lebt und das Buch, ein Roadmovie sozusagen ebenfalls mit einer eigenen Soundlist,, ist durchaus spannend, denke ich doch man merkt ihm die Spannungsbögen an, mit denen es geschrieben wurde. Da gibt es drei Freunde, die zusammen in Friesland aufgewachsen sind, Insa, Nico, Hannes, jetzt lebt der schwule Hannes mit Insa in Hamburg, Nico in Hannover, alle drei haben eine schwierige Jugend hinter sich, Insa ,die als Briefträgerin jobbt, ritzt sich manchmal und zu Beginn des Buches bemerkt Insa ihre tauben Finger und geht zur Ärztin, hat sie multiple Sklerose, man weiß es nicht und muß erst abwarten.

Hannes verkündet, daß er zurück nach Friesland will, um die Werkstatt seines Opas zu übernehmen und Nco will eine Kiste mit den alten Sachen seiner Mutter, die ihn vor Jahren verlassen hat, nach Barcelona wo sie lebt, bringen und die drei beschließen mit ihren alten Bus dorthinzufahren.

Da sind Themen dabei, die ich auch schon bearbeitet habe, in den „Zwillingswelten“ verläßt eine Mutter ihre Kinder und überläßt, als sie stirbt ihr Vermögen einer Katze. In „Und trotzdem“ fährt eine Frau ihren Krebs davon, darüber habe ich auch in einem anderen Buch gelesen und „Im Namen des Vaters“ läßt eine Frau ihren Krebs nicht behandeln.

Ob es bei mir so spannend ist, wie bei Ela Meyer sei dahingestellt. Sie spielt alle Spannungsbögen aus, trotzdem hatte ich beim Lesen manchmal Schwierigkeiten und habe auch länger, als gedacht damit gebraucht.

Es gibt natürlich Spannungen zwischen den drei. Insas Finger zucken und die Schmerzen überollen ihren Körper. Es ist auch schwierig in den schmalen Bus zu dritt zu schlafen. Nach einem Streit verläßt Insa, die zwei, geht spazieren und findet dabei einen Hund, den sie waschen, pflegen, mit sich nehmen und „Pommes“ nennen. Sie lassen sich bei der Reise Zeit. Der Bus versinkt auch fast in einen Sumpf und Insas Exfreund muß auch noch besucht werden. Dann erreichen sie die Mutter und da gibt es auch einige Schwierigkeiten, denn Nicos Vater ist das eigentlich nicht und den Leo, der das ist und der auch in Barcelona lebt, hat er noch nie gesehen. Er will auch das Kind seiner Mitbewohnerin als seines annehmen und als Insa den beiden doch einmal von ihrer beginnenden Krankheit erzählt, gibt es auch Schwierigkeiten, die Freunde geben Ratschläge, mischen sich ein und eine kleine Schwester, die vielleicht Hannes Platz in Insas Wohnung einnehmen kann, gibt es auch.

Bei „Amazon“ kann man in Kürzestrezensionen kann man etwas von „besonderen Schreibstil und glaubwürdigen Charakteren“ lesen, wo es auch absolute Leseempfehlungen gibt.

Wär schön, wenn ich das über meine Bücher auch lesen könnte, denn so ungewöhnlich sind meine Themen ja offensichtlich nicht.

2021-09-07

Pop ist tot

Filed under: Bücher — jancak @ 00:52
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Bevor es an das deutsche oder österreichische Buchpreislesen kommt, noch eine österreichische Neuerscheinung,die nicht auf die ÖSt gekommen ist, nämlich Thomas Mulitzer „Pop ist tot“ und da habe ich das Debut des 1988 geborenen Salzburgers, der auch Musiker ist,versäumt, obwohl ich ja sehr viel, fast alles aus der „Kremayr&ScheriauLiteraturschiene“gelesen habe. Jetzt habe ich nicht auf das neue Buch vergessen und bin sozusagen mit Thomas Mulitzer, auf einen Roadtrip mit einer alternden Punkband gegangen. Ein Gebiet, wo ich mich nicht sehr auskenne. Also interessant und wieder ein Stück neuer Lebenserfahrung, was in Zeiten, wie diesen, wo man ja nicht aus dem Haus kommt, besonders erfrischend sein kann.

„Thomas Mulitzer kapert die Roadmovie-Form, spielt den Mythos Punkband laut und dreckig, verzerrt jedes einzelne jaulende Klischee und zertrümmert es in kleine Splitter. Ein bitterernster und zum Brüllen komischer Roman über die grenzenlose Freiheit, das Ende der Naivität und natürlich über die beste Musik!“, steht am Klappentext. Auf der ersten Seite sieht man eine Gitarre.und dann geht es los mit dem modernen Nomadenton.

Da ist ein, ich glaube, namenloser Erzähler,der in den Neunzigerjahren mit einem Günther, dem Branko, und dem Hansi, die Band „Pop ist tot“ gründete mit der er durch die Lande tingelte. Das ist lange her. Jetzt jobt er in Salzburg in einer Werbearbentur, hat eineFreundin namens Nina und eine Chefin namens Doris, die ihm ein bißchen diskriminiert. Muß an Lippenstiften-Projekten basteln und am Donnerstag in der Tracht in dem hippen Bürohaus auftauchen. Er vergißt darauf und muß daher als Strafe im Dirndl Flyer verteilen. Das fand ich eine eine spannende und sehr dichte Szene. Später wird es etwas undurchsichtiger. Der frustrierte Erzähler trifft jedenfalls den ehemaligen Drummer Günther am Gang, der in Wien aus seiner Gemeindewohnung delogiert wurde, weil er seine tote Katze nicht rechtzeitg entsorgt hat, wasich auch recht spannend fand, der will die Band wiederbelebten und hat schon mit der Band „Superschnaps“ ausgemacht, daß sie sie als Vorprogramm mit ihnen durch die Lande tingeln können. Honorar gibt es zwar keines. Nur Schnaps und ein paar Goodies.

So wird viel getrunken, in lausigen Quartieren übernachtet und oft auch in Kellern gespielt und dazwischen gibt es immer wieder Erinnerungen, wie sichdie Band gegründethat.

Nina besucht den Helden nicht. Dafür taucht eine Romana auf, die der Band den Social Media-Auftritt machen will und am Schluß geht alles schief, der Van in Flammenauf,ein Laptop geht verloren. Es kommt zu Rangeleien, denn die Superhelden sind in den zwanzig Jahren natürlich gealtert. Der große Traum von der Freiheit bleibt aber trotzdem da und wird im Epilog auch noch thematisiert.

2021-03-18

Nach vorn, nach Süden

Filed under: Bücher — jancak @ 00:31
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Jetzt kommt ein Jugendbuch,ein Roadmovie, der erste Roman von Sarah Jäger vom Debutblog, der Mitorganisatorin des Bloggerdebutpreises, der Buchhändlerin, deren zweites Buch, glaube ich, gerade erschienen ist oder erscheinen wird.

Ich lese jetzt einmal das Erste und das isti nteressant, weil es Elemente enthält mit denen ich mich auch schon beschäftigt habe und von Städten handelt, die ich schon bereist habe.

Es beginnt und das ist mir auch sehr sympathischin einem Hinterhof, einer deutschen Stadt, Essen vielleicht, steht nirgends, aber da ist ja das Cafe, wo der Bloggerdebutpreis vergeben wird, eines Pennyladens, wo die Jugendlichen abhängen, die dort, als Aushilfen beschäftigt sind oder waren, die Verlierer der Gesellschaft sind, ledige Mütter oder Dauerpraktikantin derTürke Can ist auch dabei und unser Pavel und Marie, die als das Buch beginnt, gerade Geburtstag hat, deshalb gibt es im Hinterhof eine Party. Can verbrennt die Würstchen und Marie trauert immer noch Joe nach, der vor einem halben Jahr verschwunden ist und ihr nur ein paar Karten von Fulda, Frankfurt, Würzburg Ulm, Freiburg, also immer weiter nach Süden kommen und so beschließen sie ihn zu suchen, weil ja Sommer ist und man sich da ja gern auf Reisen begeben kann oder konnte, es hat aber nur eine der <jugendlichen einen auto und einen Führerschein und das ist die Erzählerin, die Germanistik studiert, sich als Außenseiterin fühlt und von den anderen nur Entenarsch genannt wird.

So fahren Can, Marie und sie am nächsten Morgen los, haben aber ein Problem, denn Entenarsch hat noch wenig Fahrpraxis und daher eine Autobahnphobie. Sie fahren zuerst auch nach Münster, um sich von Joes Mutter informationen zu holen und die erzählt gleich das Problem. Sie ist nämlich, weil ihr das Leben mit Mann und Kind langweilig war, mit ihrem Freund abghauen, als er zwölfwar und hat dem Sohn nur „Elfchen“ geschickt.

„Aha, das Trauma!“, könnte man nun denken. Sie erzählt auch von einem Freund, der in Fulda wohnt und zeigt das Fotoalbum von den Nordseeurlauben, die sie früher mit Mann und Kind immer machte und die Reise geht nach dem die Drei bei einer Pennyaushilfe übernachtet haben, einmal Penny ist immer Penny und alle halten offenbar zusammen, los nach Fulda. Dort treffen sie den Freund im Park und der erzählt, daß Joe zwar bei ihm war, aber wieder weg ist und erzählt von einem Festival, wo er Joe treffen will.

Das findet am Mittwoch statt, so fahren die drei zurück. Denn das Geld geht ihnen aus und Can hat auch zu wenige T- Shirts mit. Es kommt auch zu einer vorsichtigen Annähering zwischen ihm und Entenmarsch und enthüllt ihr sein Trauma. Die geht dann in ihre kleine Wohnung räumt sie auf, schmeißt ihre Lehrbücher den Müll und beschließt das Studium zu lassen, dann hebt sie ihre Ersparnisse ab und die Reise geht wieder los. Diesmal fährt auch Vika mit ihrer kleinen Tochter mit, denn ihr Ex, der Otto macht in der Band, die auch bei dem Festival auftritt. Kurz vor dem Gelände bricht Entenarschs Auto zusammen, was die Suche ein wenig erschwärmt und Joe erscheint auch nicht beim Festival, so daß Marie mit einer Erbsendose und einer Wodkaflasche fast durchdreht, was weitere Spannung in das Buch bringt und die Gruppe, die inzwischen mit einem geborgten Wohnmobil nach Ulm gefahren ist, beschließt nach Süden aufzubrechen. Entenarsch ist aber inzwischen die Nordsee eingefallen,findet Joe auch dort und am Schluß erfahren wir noch ihren Namen.

Sie heißt Lena, ich hätte vorher fast an Dörte oder Doris gedacht und das Leben geht auch im Hinterhof weiter oder wird doch nicht so wie man es sich wünscht und es sich plant und jetzt bin ich auf Sarah Jägers zweites Roman gespannt.

Aber vorher steht noch Fabian Neidharts „Immer noch wach“ am Programm und der ist ja auchJurymitglied beim Bloggerdebutpreis und tritt auch in Wolfgangs Tischer Literaturcafe prominent auf, so daß sich der Bloggerkreis und die Erfahrungen, die man dort macht, wieder schließt.

2018-11-20

Wie hoch die Wasser steigen

Jetzt kommt  Buch sechzehn des dBp und eines von dem ich vorher schon sehr viel hörte, ist Anja Kampmanns „Wie hoch die Wasser steigen“ doch auch für den „Preis der Leipziger Buchmesse“ nominiert worden und Anna Bozena Badura hat mir das Buch, als wir in Essen bei ihr wohnten gezeigt und die 1983 in Hamburg geborene, in Leipzig wohnende Autorin auch auf der Buchmesse interviewt und in den Blogs war das Buch auch sehr oft zu sehen.

Es ist das Debut der Autorin, die sich offenbar schon als Lyrikerin einen Namen machte und das habe ich öfter gelesen, merkt man dem  Buch, an dem die Autorin offenbar sehr lang gearbeitet hat auch an, die Sprache nämlich sehr verdichtet, obwohl das Buch ja einen eher unlyrischen Inhalt hat, was es wahrscheinlich so außergewöhnlich macht.

Geht es doch um die rauhe Arbeitswelt, um die Welt der harten Männer, die auf Bohrinseln leben und oft schon jahrelang ihre Familien nicht gesehen haben und daher, obwohl sie dabei viel Geld verdienen, entwurzelt und vielleicht auch verloren sind.

Das Buch ist ein Debut, daher wundert es mich ein wenig, daß es nicht auf der heurigen und auch nicht, wie ich ursprünglich annahm auf der vorigen Bloggerdebutpreisliste steht.

Jetzt ist es zu spät es zu nominieren und ich habe mir mit dem Lesen auch nicht sehr leicht getan, war für mich der Inhalt des Roadmovies wahrscheinlich ähnlich oder anders verwirrend, als das des Denis Pfabe, das ja auch sehr lyrisch und verdichtet und auch noch viel kürzer ist.

Es geht um Wazlaw oder Wenzel, einen im Ruhrgebiet aufgewachsenen, dessen Familie aus Polen stammt und der schon seit zwölf Jahren auf den Bohrinseln lebt und arbeitet. Sechs Jahre machte er das mit seinem Freund Matyas, hatte zu ihm offenbar auch eine sehr  vertraute Beziehung, eine Wohnung in Tanger und einen Meldesitz in Malta aus Steuergründen. Man sieht die Globalisierung und Matyas kehrt eines Tages nicht mehr auf die Plattform zurück. Ist offenbar im Meer verschwunden, verunfallt. Man weiß das nicht so genau. Die Gesellschaft sucht auch nicht nach ihn, sondern schickt Wazlaw nur mit seinen Sachen nach Ungarn, um sie seiner Schwester zu bringen.

Der üernachtet bevor er das tut, ein paar Nächte im „Gellert“ in Budapest und läßt sich von einem Schneider einen Anzug schneidern. Dann übergibt er die Sachen, kehrt aber nicht mehr auf die Insel zurück, sondern irrt durch die Welt und durch sein Leben.

Denn da gab es ja eine Beziehung zu Milena, mit der er ein Leben in Polen aufbauen wollte, was aber nicht glückte. So fährt Waczlaw gegen Norden, übernachtet in <hotels, besucht in Italien seinen Onkel Alois, der ihm eine Brieftaube übergibt, die er ins Ruhrgebiet, wo er aufgewachsen ist, bringen soll.

Milena erfährt er, liegt im Koma. So reist er nach Polen, spricht mit ihrer Schwester und dann immer weiter bis das Buch in einem Epilog endet.

Ein interessantes Roadmovie fasse ich zusammen, interessant wegen des eher unlyrischen  Inhalts, der von der rauhen Welt der Männer, die auf Bohrinseln leben, spielen, saufen, lieben und die Wurzeln zu ihrer Heimat schon lang verloren haben.

Interessant ist auch, daß Anja Kampmann sehr lang an dem Buch gearbeitet hat, viel dafür recherchierte, wie auch im Anhang steht.

2018-11-18

Der Tag endet mit dem Licht

Filed under: Bücher — jancak @ 00:30
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Jetzt kommt wieder ein Buch von der Herbstleseliste, eines das nicht auf der dBp oder der öst, wohl aber auf der Bloggerdebutliste, wo ja bald die Shortlist bekanntgegeben wird, steht und eines das mich sehr verwirrte und etwas ratlos zurückließ.

Wird das dünne hundertneunzig Seiten Büchlein des1986 in Bonn geborenen Denis Pfabe, der die „Bayrische Akademie der Sprachkunst“ besuchte, doch bei „Amazon“ hoch gelobt und auch Katja Lange- Müller hat „konzentriert, bildstark und kein Wort zu viel. Die enorme Spannung, die sich in diesem Roman von der ersten Seite an aufbaut, verdankt sich Denis Pfabes stilistischen Minimalismus“, auf den Buchrücken geschrieben.

Etwas was sich auch bei den „Amazon Rezensenten“ wiederfindet, daß sie die sowohl die Konzentration und die Spannung loben, aber mir war es wohl zuviel an Konzentration, so daß ich von der Spannung wahrscheinlich nicht viel mitbekommen hatte, hatte ich ja große Mühe, die ineinanderverschlungenen und meiner Meinung nach sich  auch widersprechenden Handlungsebenen zu verstehen.

Es geht, um eine Texilkünstlerin, die nur ein Auge und keinen Vater hat und die in den Achtzigerjahren, glaube ich, einem exentrischen Künstler, als Assistentin durch die USA folgte, weil der dort für ein Kunstprojekt Häuser zersegen und die Fenster nach Europa bringen lassen wollte.

Dazu brauchte er ein Team von ungehobelten Arbeitern mit denen die junge Frau, die vom Meister einen Packen Geld bekam, verhandeln sollte. Es gibt auch einen nicht anwesenden Galeristen und der Meister verschwindet immer wieder irgendwohin. Ansonsten schmeißt er mit dem Geld herum, verlangt von den Arbeiter unverständliche Dinge und die junge Frau bekommt von ihnen gesagt, daß sie ihnen, als Frau nichts anzuschaffen habe.

Ein legendärer Entführungsfall aus den Dreißigerjahren spielt auch eine Rolle und das konzentrierte Buch wird immer wieder durch Zeitungsnotizen oder Katalogeinträge, die auf das Werk des Meisters   hinweisen, unterbrochen.

Sein Lebenslauf wird auch erwähnt. Er, Adrian Ballon, wurde in den USA geboren, kam dann mit seinem Vater nach Deutschland. Jetzt kehrt er wieder in die USA und an den Ort Paradise zurück, wo er sich schließlich in seinem Ferrari erschießt, nicht ohne Frieda Beier vorher mitzuteilen, daß sein Vater eigentlich auch der ihre war und sein Vater ist auch am Tod seiner kleinen Schwester schuld.

Man sieht, da geht es weg von der Konzeptschuld. Es geht um Schuld und Sühne und hat vielleicht nicht mehr soviel mit Konzeptkunst zu tun. Es geht aber auch um Zerstörung, denn das ist  wohl auch das große Thema des Debutroman und am Ende führt die Texilkünstlerin das Werk des Meisters weiter und ich muß gestehen, daß ich das Buch nicht wirklich verstanden habe.

Wahrscheinlich hat es mir auch nur nicht gefallen, während in den Rezensionen, die ich gelesen habe, die dichte Zeichnung des Roadmovies, man könne sich das „staubige heiße Texas“ bildlich vorstellen, erwähnt wird und da fällt mir ein, daß ich vor kurzem ein anderes Roadmovie gelesen habe, wo es auch durch Amerika gegangen ist.

2017-06-15

Tschik

Filed under: Bücher — jancak @ 00:56
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Jetzt kommt ein Kultbuch oder ein moderner Klassiker, wie man vielleicht rschon sagen könnte, jedenfalls das 2010 erschienene „Tschik“ Jugendbuch und Roadmovie, das auf mehren Preislisten stand und jetzt auch verfilmt wurde, des 1965 geborenen Wolfgang Herrndorf, der sich 2013 wegen seiner fortgeschrittenen Krebserkrankung in Berlin erschossen hat.

Von Wolfgang Herrndorf dessen Austieg beziehungsweise, die Erfolge seiner Bücher „Tschik“ und „Sand“ ich  hautnah miterleben konnte, habe ich „Plüschgewitter“ sein Debut, im Schrank gefunden und seltsamerweise, obwohl ich mich ja sehr für das Thema interessiere, habe ich „Arbeit und Struktur“, wo er sich mit seiner Krankheit auseinandersetzt, weder im Blog sehr viel gelesen noch ist das Buch bis jetzt zu mir gekommen.

Vielleicht passiert das noch, habe ich ja auch vor kurzem erst Stefanie Sargnagels „Fitneß“ in einem der Schränke gefunden.

„Tschik“ lag jedenfalls im Vorjahr in Margot Kollers Keller und da ich mich von dort bedienen durfte, habe ich das Buch, das inzwischen auch verfilmt wurde, was im Vorjahr in Leipzig sehr beworben wurde, auch gelesen.

In zwei Tagen habe ich es ausgelesen und ich muß sagen, es war eine Überraschung, obwohl ich es für ein Jugendbuch halte und die Roadmovieelemente manchesmal für mich auch zu slapstickartig waren, hat mich vor allem die Beschreibung der Lebensumstände des vierzehnjährigen Maiks gefesselt, denn ich habe es ja sehr mit der realstischen Literatur.

Das Buch ist nicht chrologisch geschrieben, zumindest steht das Ende am  Anfang und dann beginnt die rassante Erzählung des vierzehnjährigen Maik Klingenbergs, den es eigentlich beschissen ging, bevor Tschik in sein Leben kam und den Sommer in dem das Buch spielt, zu dem schönsten seines Lebens machte.

Das erinnert ein bißchen an Andre Kubicek, obwohl West-Berlin, beziehungsweise das wiedervereinigte Berlin, spielt das Buch ja 2010, gemeint ist.

Aber da ist ein Vater, der im Sommer vierzehn Tage mit seiner Sekretärin auf Reisen geht, die Mutter ist in der Entzugsklinik. Er drückt dem Filius zweihundert Euro in die Hand und sagt „Mach es gut und ruf mich an, wenn du was brauchst““

Und Maik geht es beschießen, hat er doch erkannt, daß sie ihn in der Schule für einen Langeweiler halten und das Mädchen in das ersich verliebt hat, Tatjana Cosic lädt ihn und noch ein paar andere Langweiler, als einzige nicht zu ihrer Geburtstagsparty ein.

Ja, das Leben kann hart sein, wenn man vierzehn ist und das ist es egal, daß man der beste in Mathematik und Hochsprung ist.

Aber da ist schon Tschik oder eigentlich Andrej Tschichatschow, der aus der Russland oder der Mongolei kommtoder eigentlich in Deutschland zuerst in der Förderklasse, dann in der Hauptschule war und es jetzt aufs Gym, geschafft hat, in die Klasse gekommen.

Er gehört aber genauso zu den Langweilern oder nicht Eingeladenen wie Maik und während, der am ersten Ferientag im Bett liegt und ihm die Decke auf den Kopf fällt, kreuzt Tschik mit einem gestohlenen Lada auf und die beiden beschließen zuerst kurz bei Tatjana Party aufzutauchen und dann in die Ferien in die Walachei zu fahren.

Das ist, wenn man erst vierzehn ist, nicht ganz so einfach und so fahren die beiden eigentlich in der nächeren Umgebung im Kreis herum, machen mehr oder weniger nette Bekanntschaften, erleben Abenteuer, fühlen sich von der Polizei verfolgt, bevor, um wieder an den Anfang zurückzukommen, Maik auf der Autobahn in einen Schweinetransporter hineinfährt, ein paar Tage ins Krankenhaus muß und es auch zu einer Gerichtsverhandlung kommt, denn er ist schon vierzehn und nicht, wie er irrtümlicherweise glaubte, erst mit Fünfzehn strafmündig.

Muß daher Wiedergutmachung leisten, Tschik kommt dagegen in ein Heim und, als die Schule wieder anfängt, ist alles anders.

Der Langweiler hat sich zum Abenteurer gewandelt und Tatjana fragt sogar brieflich, was ihm passiert ist. Er hat sich aber inzwischen in eine andere verliebt und freut sich auf das Wiedersehen mit Tschik.

So einfach, so what und jetzt habe auch ich dieses Buch gelesen, das ja inzwischen schon fast zu der älteren Bpcherchallenge zählt, die die Blogger im Vorjahr machten, das heißt, wegen der Verfilmung auch nicht so ganz, hat es  ja erst Wolfgang Tischer vom „Literaturcafe“ kürzlich erwähnt, so daß es sogar mein Kritiker Uli, der sonst ja nicht soviel liest, gelesen hat.

2017-02-17

Mein schlimmster schönster Sommer

Im „Aufbau-Verlag“ ist gerade als Spitzentitel ein Roman der 1970 geborenen Unternehmensberaterin Stefanie Gregg erschienen, die jetzt nur noch fürs Schreiben in der Nähe von Münschen lebt und die Inhaltsangabe war eine, die mich sofort faszinierte.

Geht es da ja auch um eine Unternehmensberaterin namens Isabell, die vom Krankenhaus mit einer Krebsdiagnose, eine Männerfaust im Bauch, kommt, sich einen gelben Campingbus kauft und damit für vierzehn Tage  in die Provence fahren wird.

Das erscheint mir doch bekannt, habe ich doch in „Und Trotzdem“ etwas ähnliches mit dem Rad ans schwarze Meer beschrieben und in „Im Namen des Vaters“ geht es um die Behandlungsverweigerin und Campingbusse mit denen pensionierte oder auch betrogene Frauen um die Welt oder nach Kroatien fahren, gibt es bei mir auch.

Meine Romane interessieren aber niemanden, sind angeblich schlecht geschrieben, also der Meisterin mit der Startauflage von zwanzigtausend Exemplaren über die Schulter gucken und das Themas ist ja auch sehr interessant, werden Krebsdiagnosen ja täglich gestellt und was macht man dann, Chemo, Strahlentherapie, Operationen oder fährt man ihm davon und verschwindet der dann auch wirklich, wenn man das tut?

Das Buch ist rassant und flott geschrieben, verblüfft aber immer wieder durch Zickzackwendungen, die vielleicht auch die Ratlosigkeit in einer solchen Extremsituation ausdrücken.

Zuerst spielt Isabell, die jetzt vierzehn Tage Urlaub hat, wie ihr der freundliche Arzt emfiehlt, bevor es unter das Messer geht, mit  der Kirsche, dem Tennisball, dem Taubenei in ihrem Körper, dann fährt sie im Taxi davon und sieht auf einmal einen gelben Campingbus auf der Straße stehen, zu verkaufen steht darauf, sie steigt aus, ruft an, ein Typ mit Rasterlocken meldet sich und will 2800 Euro haben, sie gibt ihm zweitausend für vierzehn Tage und will gleich einsteigen.

Er muß aber zuerst nach Freilassing, die Urne seiner Mutter abholen, also fährt er bis dahin mit. Isaell hinterläßt ihrem Freund Georg ebenfalls ein Unternehmenberater, das sind die die Leute entlassen und dabei viel Geld verdienen, so daß sie immer in schwarzen Kostümen oder Hosenanzügen herumlaufen, eine Nachricht auf dem Handy und dieses auf den Tisch und sie fahren los.

Daß sie in die Provence will, weil sie dort einmal eine Seiltänzerin gesehen hat, fällt ihr noch ein und daß „Der Himmel über Berlin“ ihr Lieblingsfilm ist, also das was man vielleicht klischeehaft nach einer solchen Diagnose macht.

Es kommt aber anders, denn Rasso, das ist der Rastertyp will zuerst die zweitausend Mark bei einer Bank einlegen, richtig einen Hund namens Streuner haben sie inzwischen auch gefunden und aus der Bank kommt plötzlich ein Bankräuber gesprungen und flieht über die Dächer davon.

Die pflichtbewußte Isabell will eine Zeugenaussage machen, aber Rasso, der verhinderte Musiker, hat zufällig fünf Kilo Haschisch im Auto liegen und rast damit und mit ihr davon.

Sie besteht darauf das Zeug im Wald zu verbrennen und als sie danach zum Auto zurückkommen, liegt plötzlich die Tasche mit den erbeuteten Geldscheinen darin und ein seltsamer Guru taucht auch noch auf und nimmt im Bus Platz, weil er die beiden für seine Götter hält.

In diesem Moment habe ich gewußt, was in dem Buch anders, als bei meinen depressiven Frauen, wo angeblich nichts passiert, ist und, daß Stefanie Gregg ihr spannendes Handwerk erlernte oder kann, war einen Moment versucht es wegzulegen oder habe jedenfalls „Uje!“, gedacht.

Es geht aber rassant und genauso unlogisch weiter und das kann ich gleich verraten, in die Provence zu den Lavendelfeldern kommt Isabell nie und es kommen auch immer wieder Zwischenkapitel vor, die von dem eigentlich sympathischen Georg, den Isabell sofort vergessen hat, erzählen, wie er dasteht mit dem Handy und der Angst, daß er nichts von seiner Freundin weiß, denn es ruft noch der diensttuende Arzt an und erzählt und das ist vielleicht die Wendung und das Unerwartete daran, denn meine Helga Schwarz wird ja vielleicht am schwarzen Meer gesund, die Veronika stirbt und Isabell hat nicht nur eine Männerfaust im Bauch sondern auch einen Tumor im Kopf und sollte sofort operiert werden.

Und während Isabell ihren schlimmsten schönsten Sommer erlebt, sich dabei in ihren Traummann verliebt, es ist nicht Rasso, der Hippie, plagen sie immer wieder Schmerzen und die Polizei ist ihnen, beziehungsweise dem verschwundenen Geld, auch auf der Spur.

Im Epilog ist es dann noch einmal unlogisch, denn jetzt ist es ein Jahr später und Rasso, der inzwischen zu seiner Caro zurückgefunden hat und im Begriff ist, als Musier Karriere zu machen, wird zu einem Notar nach München bestellt, um dort noch einmal sehr viel Geld zu bekommen.

Wie die Geschichte mit dem Bankraub ausgegangen ist und woher Isabell auf einmal soviel Geld zum Vererben hatte und was sie nach ihrer Verhaftung machte, erfährt man aber nicht.

Trotzdem spannend und rasant zu lesen, obwohl ich anmerken möchte, daß wenn man seinem Krebs davonfährt mit Sicherheit nicht soviel auf einmal passiert und, daß die Taschen mit den Millionen auch nicht so herumfliegen und sich der Bankräuber in echt wahrscheinlich auch, um sein Geld gekümmert und die beiden verfolgt hätte, aber der kommt ja dann nie wieder vor.

Interessant vielleicht auch zu überlegen, wie das Buch auf Menschen, die wirklich von dieserDiagnose betroffen sind und es zwischen ihrer Chemotherapie, Operationen und Strahlenbehandlungen lesen, wirkt.

Vielleicht kann da die Absurdität und die rasante Handlung helfen mit dem eigenen  Alltag und dessen Schwierigkeiten besser fertig zu werden und ich nehme mir für mein Schreiben mit, zwar bei der Realistik zu bleiben, aber meine Szenen vielleicht auch etwas bunter auszuarbeiten, zuviel Slapstick wird es bei höchstwahrscheinlich aber trotzdem nicht geben.

Und zwei Hinweise auf andere Bücher mit Krebsgeschichten gibt es hier.

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