Literaturgefluester

2017-10-09

Deutscher Buchpreis für Robert Menasse

Am Mittwoch beginnt die Frankfurter Buchmesse und am Montag davor findet dort im „Römer“ die Verleihung des deutschen Buchpreises statt. Seit ich blogge verfolge ich das ja mehr und weniger intensiv.

Seit 2015, wo ich mich zur inoffiziellen Buchpreisbloggerin machte und damals alle, im Vorjahr neunzehn, heuer siebzehn Bücher gelesen habe und seit ich blogge schaue ich auch ein bißchen in die Verleihung hinein.

Über den Computer und oft nur den Beginn, weil ich dann ja in eine Veranstaltung aufbreche, einmal habe ich selbst gelesen, ein anderes mal war Judith Gruber Rizy im „Republikanischen Club“ und der Alfred hat mir dann übers Handy ergololget, daß Terezia Mora gewonnen hat. Einmal bin ich eine Stunde spöter in die „Alte Schmiede“ gegangen und heute wollte ich eigentlich wieder dorthin, weil Gert Jonke bei den Grundbücher, um neunzehn Uhr, aber um achtzehn Uhr begann der livestream und, ob es dann ein Video gibt, war nicht so sicher, aber es ist ja auch der zweite Montag im Monat und daher im Amerlinghaus die „Wilden Worte“, und dann bin ich daraufgekommen, ich habe um sechs eine Stunde.

Uje uje, wenn die Klientin früher kommt, kann ich noch in die „Alte Schmiede“ und ein kurzes Video der Preisverleihung hat es ja immer gegeben und da habe ich auch ein bißchen mitzureden, beziehungsweise eine Meinung, weil ja fünf der Shortlistbücher gelesen.

Der Thomas Lehr wird ja wahrscheinlich, wie ich der Pressedame von „Hanser“ geschrieben habe, eine Lücke bleiben, weil ich die Trude die mich zumeistens vor meinem Geburtstagsfest fragt, welches Buch ich mir wünsche, nicht erreichen kann. Einladung zurückgekommen, vielleicht fragt mich der Alfred oder ich bekomme einen Gutschein, finde es im Schrank oder es  bleibt bei der Lücke, was ja nichts macht, die anderen habe ich gelesen und bei den Blogs habe ich immer gehört Franzobel, Robert Menasse, Marion Poschmann und Sasha Marianna Salzmann, die Debutantin, haben eine Chance. Bei der Letzteren habe ich noch immer nicht so ganz verstanden, was der so besondere einhzigartige Ton an dem Buch ist, den einige zu bemerken glaubten, aber vielleicht kommt es auf die Debutbloggershortlist, dann hätte ich das Buch schon gelesen und auch eine Chance, das noch herauszufinden.

Ich habe ja für Marion Poschmann gestimmt und mit Robert Menasse für den österreichischen Buchpreis gewünscht, für den er  auch nominiert ist.

Da wird er morgen sicher auch auf der Shortlist mit wahrscheinlich Paulus Hochgatterer, Doron Rabinovici, einem der zwei experimentellen Bücher und einem der restlichen stehen. Der Alfred plädiert für die „Außerirdischen“. Ich bin auf das Buch gespannt und habe mich den ganzen Tag gefragt, wie und was mache ich am Abend?

Um vier habe ich dann die Klientin angerufen, ob sie nicht am Dienstag oder Mittwoch kommen könne? Wir haben die Stunde verschoben, ich habe mir ein Glas roten Sturm eingegossen, ein paar Baguettescheiben mit dem französischen Grammelschmalz bestrichen, das der Alfred in dem Shop in der Margaretenstraße kaufte, denn eine Preisverleihung soll man ja feiern und beschlossen, ich lasse die „Wilden Worte“ aus und widme mich zur Gänze dem Buchpreisbloggen, beziehungsweise dem Buchpreisfeiern, denn man soll ja nicht  von Veranstaltung zu Veranstaltung hoppeln, sondern sich auf das Wesentliche konzentrieren und voila, ich war mit dem Brotestreichen gerade fertig, als aus dem off eine Stimme ertönte „Meine Damen und Herren, nehmen Sie Platz, in zwei Minuten beginnts und ich habe meinen Laptop in mein Schlafzimmer beziehungsweise meine höchstpersönliche Bibliothek transportiert, wo gerade der Wäscheständer steht und sich die Bücher stapeln.

Cecile Shortmann hat eröffnet oder eingeleitet, dann kam eine Politikerin, die, glaube ich, die auch einmal Kritikerin war und Heinrich Riethmüller vom Börseverein und im Publikum habe ich Benedikt Föger, den österreichischen Buchhandelspräsidenten gesehen, der mir in Leipzig, bei der dortigen Preisverleihung sogar die Hand gegeben hat.

Die Jury wurde vorgestellt und Katja Gasser-, die Sprecherin, deren Tätigkeit ich sozusagen seit der Leselauslese im Juni in der „Gesellschaft für Literatur“ verfolge. Richtig, das Buch der Birgit Müller-Wieland muß auch noch zu mir kommen, vielleicht finde ich es gemeinsam mit dem der Brigitta Falkner beim Literaturhaus Flohmarkt, -wurde von Cecile Shortmann befragt, warum drei „Suhrkamps“ auf der Liste?

„Weil, die am besten zahlen!“, antwortete sie und es war eine Weile still. Aber vielleicht sind es wirklich die besten Bücher, zwei davon haben mir ja sehr gefallen und auf den Doron Rabinovici bin ich noch neugierig.

Dann kam ein Schauspieler mit einer kurzen Lesung daraus und ein Video zu Buch und Preisträger und dann kam wieder Heinrich Riethmüller und verkündete „And the winner is Robert Menasse“ und man sah den Preisträger Hände schütteln, der keine Rede vorbereitet hatte, weil er arbeitet nicht mehr für die Schublade und während der einleitenden Worte sein Handy hervorzog und während ich spekulierte, ob er jetzt seine Frau oder Schwester anruft, um ihr die freudige Botschaft mitzuteilen, das Publikum fotografierte und dann erstaunlich freundlich war.

„Alle nominierten hätten den Preis verdient!“, sagte er und mußte sich mehrmals mit einem Stofftaschentuch schneuzen. Er lobte dann auch die EU, die verhindert hätte, da „Amazon“ die Buchpreisbindung aufheben konnte und meinte, daß wir nur hoffen können, daß wir nicht wieder vor einer Katastrophe stehen. Das hoffe ich auch und bin ja der Meinung, daß es ein zutiefst trauriges Buch ist, daß da gewonnen hat.

Aber in Frankfurt wird ja jetzt gefeiert, das Buffet ist eröffnet, meine Grammelbrotschnittchen sind aufgegessen, der Sturm getrunken. Ich werde mich noch ein bißchen durch das Netz surfen, um die Meiningen der anderen einzuholen und verlinke zur Dokumentation, die anderen nominierten Bücher und fange vielleicht mit denen an, die mir sehr gefallen haben und, ob ich sie so wirklich rangreihen kann, weiß ich nicht.

Das kann ja eigentlich gar nicht gehen, aber ein paar davon haben mir gefallen. Ein paar weniger und das sind, das ist ja interessessant, die die mitellalten Männer in ihren Midlifekrisen.

Die Jury, der diese Häufung auch aufgefallen ist, hat dafür, habe ich in der Einleitung gehört, schon einen eigenen Ausdruck und wird vielleicht im nächsten Jahr die Bücher der „Exit-Frauen“ nominieren und ich kann trotz aller Garatulation für Robert Menasse nur ein wenig schade finden, daß es das Buch, das sich über die „Exit-Männer“ lustig machte, nicht zum Preis geschafft hat und bin auch neugierig, wer jetzt den österreichischen Buchpreis gewinnen wird, denn das kann ja noch einmal  Robert Menasse sein und Jakob Noltes „Schreckliche Gewalten“, das auch nicht zu mir gekommen ist, würde ich auch sehr gern zum Geburtstag bekommen oder in den Schränken finden. Vielleicht hat einer meiner Leser auch ein Leseexemplar, das er mit mir tauschen möchte.

Robert Menasse hat ja alle zum Lesen aller Bücher aufgerufen. Ich muß das hier nur noch bei drei tun, dann hätte ich es geschafft:

  1. Marion Poschmann „Die Kieferninsel“
  2. Robert Menasse „Die Hauptstadt
  3. Sven Regener „Wiener Straße“
  4. Ingo Schulze „Peter Holtz“
  5. Monika Helfer „Schau mich an, wenn du mit mir redest“
  6. Feridun Zaimoglu „Evangelio“
  7. Christoph Höhtker „Das Jahr der Frauen“
  8. Michael Waidenhain „Das Singen der Sirenen“
  9. Christine Wunnike „Katie“
  10. Kerstin Preiwuß „Nach Onkalo“
  11. Robert Prosser „Phantome“
  12. Julia Wolf „Walter Nowak bleibt liegen“
  13. Franzobel „Das Floß der Medusa“
  14. Sasha Marianna Salzmann „Außer sich“
  15. Jonas Lüscher „Kraft“
  16. Mirco Bonne „Lichter als der Tag“
  17. Gerhard Falkner „Romeo oder Julia“

2017-10-01

Die Hauptstadt

Buch fünfzehn der dBpl und das vierte dortige Shortlistbuch sowie das zweite der österreichischen Liste, ja allmählich nähere ich mich dieser an, Robert Menasses“Hauptstadt“, der sogenannte Brüssel-Roman, der eigentlich keiner ist, was man aber wahrscheinlich erst nach dem Lesen erkennt und ich sage es gleich, ein tolles Buch. Ich bin ja kein Menasse- Fan, den ich oft als sehr zynisch empfand und bei Sitzungen auch erlebte, wie er andere angriff oder fertigmachte.

Gelesen habe ich schon etwas von ihm, ich glaube, den „Don Juan“ und dann noch etwas, aber nichts gebloggt und bei Lesungen und Veranstaltungen habe ich ihn, weil ja Wiener und ehermaliger oder noch immer Stammgast des „Sperls“ auch öfter erlebt. Er geht auch gerne zu Preisverleihungen und spricht dort dien Bürgermeister oder andere Größen auf Skandale an, also ein interessanter Mann und was ich jetzt erst enrtdeckte, ein genialer Autor, denn das Buch, in dem es  genau genommen, um gar nichts geht, hat mir sehr gut gefallen.

Wenn ich so den Blogprognosen folge, bekommt Franzobel den bBp, dann würde ich Robert Menasse den Öst wünschen, obwohl, Franzobel muß ich wie Doron Rabinovici, der mir wahrscheinlich auch sehr gut gefallen wird, erst lesen.

Mein viertes Shortlist Buch unds zweite das mir dort gefällt, mit den ersten beiden hatte ich es nicht so und die anderen zwei sind sehr verschieden.

Marion Poschmanns lyrisches Prosastück, das sehr poetisch,auch einiges anprangert, Robert Menasse realistisch politisch, satirisch, sarkastisch, also etwas, was ich vom Sarkasmus abgesehen, sehr mag und auch so schreiben möchte und so finde ich es sehr toll, daß neben den vielen „Midlifemännerkrisengeschichten“, da auch was handfest Politisches auf der Liste steht, weil ich ja selbst auch so zu schreiben versuche und mit meiner „Unsichtbaren Frau“ auch gerade wieder dabei bin.

Es ist aber auch ein Buch über das Sterben und den Tod, was ich erstaunlich fand, denn Robert Menasse ist ja eigentlich noch ein junger Mann, ein paar Monate jünger als ich, also in der Blüte seines Lebens und er jongliert auch gekonnt und zynisch mit den Genres.

So würde ich „Die Hauptstadt“ als EU-Krimi bezeichnen und Auschwitz, der Holocaust, diese ewigen Themen, gibt es auch.  Robert Menasse trägt sie vielleicht zu Grabe, denn er letzte Auschwitz Überlebende stirbt ja in dem Buch und kommt daher der EU für ihre Jubiläumsfeier abhanden.

Aber zuerst geht es ja um das Schwein, das es vielleicht nicht wirklich gibt und sich letztlich als ein Phantom herausstellen könnte, das da durch Brüssel rennt.

Der Prolog fasst schon schön alle <hHauptpersonen zusammen, denn denen begegnet ja das Schwein und passiert jetzt viel oder nichts in Brüssel?

Beides natürlich, denn der letzte Auschwitz-Überlebende David de Vriend zieht in ein Altersheim, vornehm Seniorenrsidenz genannt und auch darüber macht sich Robert Menasse,  gehörig lustig.

„Wir wollen doch, daß es uns gut geht!“, sagt Schwester Josephine, die nicht als solche genannt werden will,ständig und entpuppt sich am Schuß doch als mitfühlende Frau und nicht, wie der Drachen oder der Inbegriff eines neuen Pflegeskandals, wie wir ihn in Österreich ja jetzt wieder haben.

David de Vrien,d der ehemalige Lehrer, der damals seinen Eltern und seinem Bruder im Zug nach Auschwitz, gerade noch entsprang und deshalb lebenslange Schuldgefühlen, begibt sich langsam in die Demenz und auch das wird von Robert Menasse sehr schön beschrieben.

Show not tell, liest der Zyniker etwa Schreibratgeber? Denn da liegt das Notizbuch, das die untersuchende Psychologin ihm bei seinem Einzug vorsorglich übergibt, im Eiskasten und das Wort vergessen wird kein einziges Mal erwähnt, zumindestens in diesem Strang nicht, denn es gibt ja noch andere. Den des Mordes der Anfangs passiert und der dann auf höhren Befehl und Auftrag vertuscht wird und daher einfach verschwindet und wir wissen das ganze Buch lang nicht, wer da eigentlich ermordet wurde?

Oder doch, die katholische Kirche hat es sich zum Auftrag gemacht, die isamistischen Attentäter, bevor sie morden können, selbst zu eliminieren. Ein ehemaliger Priesterzögling führt das aus und tut dabei irgendeinen Fehlgriff, so daß er auch verschwinden muß und dann gibt es ja das Schwein, das durch Brüssel rennt und natürlich auch die Schweinebauern und die Schweinelobby und Martin Susmann, der Sohn eines österreichischen Schweinebauers, der studieren konnte und jetzt in Brüssel in einer Kulturkommission sitzt, soll ein sogenanntes Jubiläumsprojekt vorbereiten.

Aber vorher fliegt er nach Auschwitz zu er einer Gedenkfeier. Zieht sich dafür so warm an, daß er im Flugzeug schwitzt, wie ein Schwein und dort bekommt er die geniale Idee in dem Projekt Auschwitz als den Ursprung der EU zu demonstrieren und den letzten Überlebenden zu präsentieren.

Aber auch dieses Projekt wird untergaben und Fenia Xenopoulou, die griechische Zypriotin, will eigentlich weg aus der Kulturkommission, denn sie will ja Karriere machen und dafür ist die Kultur ein zu unwichtiges Ressort.

Dann gibt es noch einen österreichischen Professor, der auch als Experte in einem Think Tank sitzt und über die Krise der EU referien soll. Er kommt auch auf Auschwitz bei seinen Überlegungen und reist ab und wir haben uns durch vierhundert Seiten herrlichen Zynismus gelesen, so daß ich RoberrtMenasse den einen oder den Sieg, obwohl er mir persönlich, wie schon beschrieben,  zu zynisch ist, von Herzen wünsche.

Ein tolles Buch, in dem es um alles und nichts und daher auch ein bißchen, um die europäische Union, die ich ja auch nicht so mag, geht und interessant ist auch, daß „Literaturlärm“ bei ihrer „Buchpreisbücher-Vorstellungsrunde“, das Buch als zu politisch ablehnte und Mariki Fallwickl, eine der offiziellen Buchpreisbloggerinnen scheint beim Lesen damit auch nicht weiter zu kommen.

Nun mir hat es gefallen und ich habe dasLesen sehr genossen, werde mich jetzt an das letzte LL und das letzte SL der deutschen Liste machen, die ich noch habe und mir den Lehr und den Nolte und dann noch die Peschka vielleicht zum Geburtstag wünschen und mir die zwei anderen fehlenden Buchpreisbücher, wenn es geht, beim Literaturhaus-Flohmarkt, um ein paar Euro kaufen, da mir Bücher zum Normalpreis ja zu teuer sind.

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