Literaturgefluester

2017-09-07

Phantome

Daß der 1983 in Tirol geborene Robert Prosser, dessen literarische Karriere, ich, glaube ich, seit 2009 verfolge, als er damals gemeinsam mit Cornelia Travnicek und Clemens J. Setz, als Newcomer am Cover Der „Buchkultur“ war, verfolge, 2017 auf die deutsche LL kam,war für mich eine Überraschung und auch, daß er seinen Roman „Phantome“ bei „Ullstein“ und nicht mehr bei „Klever“ verlegte, wo „Strom“ „Feuerwerk“ und „Geister und Tatoos“ erschienen sind,  das Debut war übrigens 2009 und nicht 2013, wie auf dem Klappetext steht, dachte „Hui, ein Autor mit einer sehr eigenständigigen poetrryslamähnlichen Pross und dem entsprechenden Vortragsstil,prosa, auf dieser Liste und las dann erstaunt, daß sich die Blogger über den über den Bosnienkrieg spielenden Roman freuten und keine Rede, daß das ein eher experimenteller Autor ist.

Gut, „Geister und Tatoos“ handelt, glaube ich auch von Bosnien. Ich habe keines der drei frühen Bücher gelesen, war aber, bei jeden, glaube ich auf einer oder mehreren Lesungen, im Literaturhaus, der „Gesellschaft“, in der „Alten Schmiede“, sogar im Schauspielhaus, etcetera.

Dann habe ich bei einigen Bloggern noch gelesen, daß ihnen an dem Buch mißfallen würde, daß es mehr reportagenhaft als literarisch wäre, dachte „Aha!“, wunderte mich und fing zu lesen an, nachdem mir „Ullstein“ das Buch sehr bald und sogar zweimal schickte, nachdem ich auf eine Einladung zu einerPräsentation nach Hamburg, glaube ich, zu kommen, noch einmal ein Rezensionsexemplar anfragte.

Was soll ich sagen? „Ullstein“ toll, „Longlist“ ebenso und herzliche Gratulation, aber wo ist der eigenständige unverwechselbare Ton, für den er wahrscheinlich den „Priessnitz-Preis“ bekommen hat?

Ein bißchen ist davon noch, zumindestens am Anfang da, denn der erste 2015, spielende Teil beginnt in Wien und wird von einem Sprayer erzählt, der aufzählt, wie es ist, sich an Polizei und Security mit der Spraydose vorbei in den Untergrund zu schleichen und dann am Klo, in das er sich flüchtet, noch einen Mönch zu treffen, der sehr verständnisvoll ist.

Der Klappentext spricht zwar auch von einem Sprayer, erzählt dann aber von Anisa, die 1992 nach Wien flüchtete. Jahre später reist ihre Tochter Sara mit ihrem Sprayerfreund wieder nach Bosnien, um den Spuren ihrer Mutter nachzuforschen.

Das klingt interessant, haben die Blogger meist auch gesprieben oder geyoutubt. Ist es sicher auch, aber ein gänzlich anderer Robert Prosser, als ich ihn kenne und das finde ich ein bißchen schade, aber vielleicht muß ich mich an die geänderte Stilrichtung erst gewöhnen.

Die beiden reisen also nach Bosnien. Sara war mit ihrer Mutter schon 2004 da, die, nachdem sie nach Österreich flüchtete, ihren Vater nie wieder sah und auch ihren Freund Jovan, ein bosnischer Serbe, der in die Armee eingezogen wurde, verlor. Hier hat sie einen Richard geheiratet und nicht mehr viel über ihre Vergangenheit gesprochen. Sara will ihre Wurzeln aufspüren und 2015 wird auch zwanzig Jahre nach dem Geschehen, des Massenmordes von Srebenica gedacht.

Dann kommt der zweite in fünf Kapitel aufgeteilte Teil, der in das Jahr 1992 führt und abwechselnd von Jovan und Anisa erzählt. Sie ist hier schon in Wien in einem Flüchtlingslager, er bei der Armee, desertiert, wird aber eingefangen und muß sich dann am Ende sich wohl auch engtscheiden, ob er bei einem Massenmord abdrücken oder selbst das erste Opfer sein will?

Er entscheidet sich offenbar für seine  „Pflicht“ und das Leben, denn der dritte Teil, der auch 2015 spielt, führt überraschenderweise nach Krems-Stein, wo Jovan, der dort wegen eines Einbruchs bei einem Juwelier einsitzt, bald entlassen werden soll.

Wie schon beschrieben, ein sehr überraschendes und auch sehr sprunghaftes Buch, das sicher viel Information über den Balkankrieg und über die Schicksale derjenigen, die 1992 nach Österreich geflohen sind, dort in die Schule kamen und dann wahrscheinlich in Tirol neben Robert Prosser auf der Schulbank, etcetera, saßen, erzählt.

Es gibt auch ein Nachwort, wo der Autor von seiner Recherchearbeit für den Roman erzählt. E hat interviews geführt und berichtet von den Vorbilder die zu seinem Jovan, seiner Anisa, etcetera, führten.

Also fein, daß es neben den sehr abgehobenen brillant geschriebenen Mainstream-Werken, wie beispielsweise, das eines Jonas Lüschers, Ferdun Zaimoglus, den ich ja bekanntermaßen den Preis wünsche und Mirco Bonne, dessen Midlifecrisesgeschichte mir nicht sehr glaubhaft erschien, auf die Longlist kam. Denn es ist sicher interessant, sich über die Schicksale seiner Nachbarn, Hausmeister, Schulkollegen, Putzfrauen, die vielleicht ein ähnliches Schcksal hatten, Gedanken zu machen und in einer ähnlichen Dichte habe ich davon auch noch nicht gelesen, obwohl es ja schon andere Bücher über Jugendliche gibt, die den Balkankrieg erlebten, beziehungsweise von dort nach Deutschland oder anderswohin geflüchtet sind.

Das Cover, das sollte ich vielleicht noch erwähnen, ein dunkelroter glänzender Umschlag mit einem großen tränenden Auge, gefällt mir überhaupt nicht.

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2016-04-27

Wien-Budapest-Transit

Noch einmal Literaturhaus, denn, obwohl wir wahrscheinlich nicht mehr nach Ungarn fahren, interessiere ich mich für die ungarische Literatur und da war heute der Beginn einer neuen Veranstaltungsreihe angekündigt, nämlich Robert Prosser mit Kinga Toth in einer „Improvisierten Verschwörung“,  das ist, wie Barbara Zwiefelhofer erklärte, ein schon seit länger bestehendes Ausstauschprogramm mit dem „Atila Joszef Kreis“, wo ich ja schon einmal eine Verantstaltung in der „Gesellschaft für Literatur erlebte“, wo ungarische Autoren nach Wien geschickt werden und österreichischee nach Ungarn.

Das Literaturhaus hat offenbar mit  Zoltan Lesi von „Atila Jozsef Kreis“ eine Reihe ausgemacht, wo die Ergebnisse dieses Austausch präsentiert werden sollten und den Anfang machten die jeweils 1983 geborenen Autoren.

Robert Prosser beziehungsweise seine ersten drei bei „Klever“ erschienenen Bände kennte ich recht gut von Lesungen. Kinga Toth, die derzeit Stadtschreiberin von Jena ist und ausgesucht haben Barbara Zweifelhofer und Zoltan Lesi, die beiden offenbar, weil sie sowohl Performer, als auch exeperimentelle Autoren sind und die präsentierten nun ein Aufeinander zugehen oder ein Aneinander anschreien mit ihren Texten.

Das war bei Kinga Toth, etwas diffizifer, als bei Robert Prosser, der aus seinem vierten bei „Klever“ im nächsten Jahr erscheinenden, wieder in Bosnien spielenden Buch perfmormierte.

Die Laiin in mir würde sagen, es war ein lange Poetry-Slam, Robert Prosser erklärte in der Diskussion, daß er sich eher dem Hip Hop verpflichtet fühlt, während Kinga Tooths Arbeiten ein stärkeres Crossover darstellten. Sound, bildende Kunst und Text und der noch auf Ungarisch und Deutsch und von ihr gibt es inzwischen drei Bücher oder drei Arbeiten, eines davon auf Deutsch, „All Maschine“, das dritte heißt „Mondgesichter“, das erste, glaube ich „Party“ und Kinga Toth begann den Reigen, in dem sie Bilder aus „All Maschine“, ein Text der nur von Maschinen nicht von Menschen handelt, sie ist deshalb auch in Fabriken gegangen, projezierte und dazu ins Mikro einen Sound erzeugte.

In späteren Durchgängen kam noch Text dazu, dazwischen performte Robert Prosser auswendig, den Text aus seinem neuen Buch, der von einem Sprayer handelte, der sich nachts immer verfolgt von der Security und der Polzei in die U-Bahnschächte begibt, um die Züge anzulackieren. Dann fährt er  auch nach Bosnien, lernt dort einen Tiger kennen, der ihm von den Kriegsereignissen erzählt

Dazwischen kamen Kinga Toth Performances und am Schluß standen  beide auf der Bühnen und schrien sich gegenseitig mit ihren Texten an.

Das war, wie dann in der Diskussion zwischen Zoltan Lesi und Barbara Zwiefelhofer besprochen wurde,g eprobt, und Zoltan Lesi erklärte, daß Kinga Toths Arbeit unter den ungarischen Autoren ziemlich einzigartig ist, sie hat auch Germanistik studiert,  sich an Kurt Switters, Hugo Ball und dem Dada orientiert und ist, was die österreichische Szene betrifft wohl, mit Elffriede Auffzeichnungssysteme oder FALKNER  zu vergleichen.

Robert Prosser kommt vom Hip Hop her und hat irgendwie auch die Wiener Gruppe in sich aufgesaugt oder als Prägung verwendet und Kinga Toth hat noch mit der ungarischen Sprache zu kämpfen. Sie schreibt jetzt zwar in Deutsch, will aber ihre Texte gerne in der Passivform haben, weil sie mit manchen Pronomen Schwirigkeiten hat.

Einige Ungarn, darunter György Buda im Publikum aber auch wieder Monika Vasik die unentwegt, Eva Schörkhuber, Hanno Millesi und  im Herbst wird es, wie Barbara Zwiefelhofer versprach, mit den österreischisch ungarischen Transitbewegungen weitergehen, ich bin gespannt.

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