Literaturgefluester

2017-03-30

Grundgedichte der österreichischen Literatur

Ich hätte ja eigentlich gedacht, daß Robert Schindels Roman „Gebürtig“ zu den „Grundbüchern der österreichischen Literatur nach 1945“,  eine Reihe in der „Alten Schmiede“, bei der ich schon länger nicht war, zählt, aber vielleicht wurde das Buch da schon vorgestellt, ist es ja inzwischen  die vierundsechzigste Veranstaltung, die moderiert von Klaus Kastberger heute in der Schönlaterngasse abgehalten wurde und Lyrik ist ja wichtig und zählt sowieso zu den Stiefkindern der Literatur, die gefördert gehört.

März, den Monat der Lyrik, haben wir auch noch und so wurde bei Veranstaltung vierundsechzig Robert Schindels Gedichtem zwischen 1963 und 2004 „Fremd bei mir selbst“, die zum sechzigsten Geburtstag des 1944 geborenen Dichters, der das erste Lebensjahr im Versteck überlebte, von „Suhrkamp“ herausgegeben wurde und die eine Zusammenfassung seiner sechs bis dahin erschienenen Gedichtbände darstellt, vorgestellt.

Kurt Neumann leitete wieder ein und wies auf den speziellen Ton, den Robert Schindel in die Lyrik hineingebracht hat, eine Mischung zwischen Wortwitz, Politik und Melancholie hat er es, glaube ich, genannt und noch ein paar andere Eigenschaften dazugezählt und RobertSchindel begann seine Lesung mit dem frühen Gedicht „Wolken“

„Ich spreche über die Ermordung etlicher Menschen“ aus dem Lyrikband „Aus dem Herzen die Krätze“, kam dann zum „Rindfleischesser“

„Und Rindfleisch esse ich und Rindfleisch Um mich herum wachsen die Tode“ aus dem Gedichtband „Geier sind pünktliche Tiere“

Es gab ein Gedicht über Hermann Schürer und eines über den Jugoslawienkrieg und und und….

Eine dreiviertel Stunde gab der Dichter Einblick in seine  Gedichte und trug sie  mit sehr eindrucksvoller Stimme, von eindrucksvollen Gesten begleitet vor.

Dann kam der Friedpreisträger Nico Bleutge und kommentierte die Gedichtauswahl, sprach von den sechs Gedichtbänden aus denen die Beispiele stammen und erwähnte, daß die erst spät und gar nicht in der richtigen Reihenfolge erschienen sind, stellte die Frage, ob Schindel und wenn wie weit von der Wiener Gruppe beeinflußt sei und erläuterte noch allerhand Interessantes zu der Art des Schreibens bis Klaus Kastberger an die Reihe kam und ein Gespräch mit dem Dichter führte und ihn fragte, wie er zu der Lyrik gekommen sei und das war sehr interessant, denn weil er nicht zeichnen konnte, hat Robert Schindel geantwortet, hat er mit acht begonnen seiner Mutter ein Muttertagsgedicht zu schreiben, hat dann immer weiter mit den Gedichten gemacht, wurde dafür auch ausgelacht, hat sich später dann an Paul Celan und anderen orientiert.

Bezüglich der Wiener Gruppe nannte er den Einfluß von H. C. Artmann, mit Oswald Wiener hatte er Schwierigkeiten, ebenso mit Erich Fried, aber der gehört ja zu einer anderen Liga.

Elfried Gerstl hat ihn dann, wenn er mit H. C. Artmann oder anderen Schwierigkeiten hatte, getröstet und sein Stammcafe war das „Hawelka“, jetzt schreibt er täglich, wenn er an einem Roman arbeitet, wie ein Beatmer im Cafe Zartl oder Prückl und arbeitet, verriet er auf eine Publikumsfrage gerade an seinem dritten Roman mit dem Arbeitstitel „Genia und die lichte Zukunft“, wo es um eine Kommunistin im zwanzigsten Jahrhundert geht und das finde ich besonders interessant, denn als sich Robert Schindel von der Sprachkunst verabschiedet hat und es deshalb ein Fest im Literaturhaus gegeben hat, hat er aus seinen damals noch unveröffentlichten Roman „Der Kalte“ vorgetragen, den ich später gelesen habe und daher bisher eher den Romancier Schindel kenne, aber der politische Roman, ist ja sowieso etwas, was mir wahrscheinlich mehr als die Lyrik liegt, weil ich ja keine solche schreibe.

Ich habe aber den Band „Geier sind pünktliche Tiere“ in meinen Regalen und müßte ihn jetzt lesen und „Kassandra“,  von „Haymon“ wiederaufgelegt, was, wie der Dichter erklärte, schon früh in einer Studentenzeitung erschien, habe ich, glaube ich einmal bei der „Literatur im März“ bekommen.

„Gebürtig“ habe ich im Schrank gefunden, was für mich wieder die Funktion der offenen Bücherschränke bestätigt, weil man da an Schmankerln kommt, die sonst vielleicht an einem vorbeigehen würden und so war es auch gut, daß ich heute wieder einmal zu den „Grundbüchern“ gegangen bin, weil mir da der Lyriker Robert Schindel näher kam, den ich sonst ja eher als Literaturförderer, er vergibt ja immer den „Priessnitz-Preis“, Schrachkunstgründer und politischen Dichter kenne.

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2015-05-04

Reden vom Schreiben

Filed under: Veranstaltungen — jancak @ 21:12
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Das Literaturmuseum das zur Nationalbiblitohek gehört und das vor zwei Wochen mit einem freien Wochenende eröffnet wurde, war ja während seiner Entstehung sehr umstritten.

Die IG Autoren haben sich, glaube ich, mit der Befürchtung dagegen gewandt, daß dann die Gelder, die den Autoren zu Gute kommen sollen, dorthin fließen könnten, die Organisatoren haben sich das, glaube ich wieder, zu Herzen genommen und hat die GAV eingeladen, dort eine Veranstaltungsreihe zu machen.

„Reden vom Schreiben – Autorinnen und Autoren im Gespräch“, vielleicht hat Bernhard Fetz, der Direktor, auch deshalb eingeladen, weil sich die GAV 1973 in Abgrenzung vom konservativen PEN abgespaltet hat und damals alle wichtigen Autoren, wie breispielsweise Friederike Mayröcker, Ernst Jandl, Marie Theres Kerschbaumer, etc, ihre Mitglieder waren.

Bei der letzten GV wurde jedenfalls heftig darüber diskutiert und jetzt werden vier Veranstaltungen stattfinden, wo jeweils ein schon arivierter GAV-Autor mit einem, einer jüngeren unter der Leitung von Renata Schmidkunz und Klaus Nüchtern diskutieren und die erste Veranstaltung fand heute zwischen Robert Schindel und Anna Weidenholzer statt.

Da könnte man natürlich fragen, warum wurden keine anderen Autoren, als die und Marie Therese Kerschbaumer, Clemens Berger, Sabine Gruber, Thomas Havlik, Josef Winkler , bzw. Sophie Reyer eingeladen, den Wohnzimmerkreis beispielsweise oder Ruth Aspöck, Peter  Campa, Thomas Northoff und und ich, ich wäre ja vielleicht auch eine interessante Kanditatin, spielt es aber nicht, weil dann vielleicht  nicht so viele Leute kommen, besonders viele waren heute aber auch nicht da, aber einige Autoren, wie Sabine Gruber, Marie Therese Kerschbaumer, Gustav Ernst, Petra Ganglbauer die derzeitige GAv-Präsidentin und ich natürlich, aber ich gehe zu vielen Veranstaltungen  und Bernhard Fetz, der mich nicht zu kennen scheint, hat bei der Aufzählung auch auf mich sowie auf Gustav Ernst vergessen, der letzte wurde dann korrigiert und Renate Schmidkunz, wie Bernhard Fetz in der Einleitung erzählte, hat viel beim Fernsehen gearbeitet und moderiert jetzt die Sendereihe „Im Gespräch“.

Bei Ruth Aspöcks Buchpräsentation in der Hauptbücherei hat sie auch moderiert und sie stellte als erstes die beiden Autoren vor, Robert Schindel  1944 geboren und seit 1986, glaube ich, freier Autor, Anna Weidenholzer 1984 geboren und seit 2010 freie Autorin, erzählte dann etwas von den Lebensläufen der beiden, Robert Schindel, der Sohn jüdischer Kommunisten, in der Studentenbewegung sehr aktiv und sehr berühmt geworden durch seinen Roman „Gebürtig“, Leiter von verschiedenen Literaturwerkstätten, wie die Leondinger Akademie und Mitbegründer des Hochschullehrgangs Sprachkunst, Anna Weidenholzer, in Linz geboren, die nach dem Studium als Journalistin arbeitete, hat dort auch Kurse belegt, dann hat sie einige Preise gewonnen, der Erzählband, nicht Roman, „Der Platz des Hundes“ ist 2010 erschienen, „Der Winter tut den Fischen gut“, 2012, dafür war sie für den Leipziger Belletriktik Preis nominiert, Priessnitz Preis 2013, Stadt Wien Stipendium und und und.

Ich verfolge ja Anna Weidenholzers literarische Karriere schon von ihren ersten Veröffentlichungen in der „Wortlaut-Anthologie“ und den legendären „Textvorstellungen“ von Angelika Reitzer. Sie hatte auch ihre Auftritte im Literaturhaus und hat jetzt kürzlich bei fünfzig Jahre Dokumentationsstelle für neue Literatur gelesen und Schreibgespräche dieser Art sind mir auch nicht ganz unbekannt, so interviewt Julia Danielcyk ihre Stipendiaten ja auch immer sehr genau und Renatea Schmidkunz wollte es ebenfalls sehr gründlich wissen, fragte nach den Schreiborten und ob mit der Hand geschrieben wird, beziehungsweise, wie der Computer das Schreibverhalten beeinflußt?

Robert Schindel schreibt im Cafe Zartl am Vormittag, Anna Weidenholzer tut das wahrscheinlich in ihrer Wohnung und setzt sich dazu Kopfhörer auf.

Die beiden waren auch schon einmal gemeinsam in Peking auf einem Schriftstellerkongreß und haben sich dort viel über Literatur unterhalten, ob sie zu Lesungen ihrer Kollegen gehen wurden sie gefragt? Robert Schindel tut das, glaube ich, ziemlich regelmäßig, zumindest sehe ich ihn da öfter, er erwähnte die Kollegin Elfriede Gerstl, die das sehr oft tat, so viel schafft er nicht, würde es aber gern.

Er interessiert sich auch für die jungen Autoren, deshalb auch die Gründung der verschiedenen Schreibwerkstädten und als er jung war, war er sehr politisiert und wollte eigentlich nicht in bürgerlichen Verlagen wie „Suhrkamp“ verlegen, das ist ihm dann aber doch passiert und jetzt lobte er das hervorragende österreichische Stipendiumswesen, von dem man sich eine gewisse Sicherheit erwarten kann.

Das betrifft nun auch nicht alle, ich habe beispielsweise nie eines bekommen, aber ich habe einen Brotberuf und wahrscheinlich auch ein verkehrtes Bild vom Literaturbetrieb, gehe ich ja sehr oft zu Lesungen und blogge über Literatur, wahrscheinlich um mich „in“ zu fühlen, das hat mir ja einmal Hans Raimund vorgeworfen, ist aber nicht ganz so falsch.

Dann kamen auch kurze Textproben, zwei Gedichte aus Robert Schindels im August erscheinenden neuen Lyrik- Band und von Anna Weidenholzer eine schon veröffentlichte Geschichte.

Linz ist für sie wichtig, hat sie noch erwähnt, für Robert Schindel ist das Wien und das trifft, füge ich  hinzu, auch auf mein eigenes Schreiben zu.

Wien ist da sicherlich mein literarischer Ort, obwohl ich inzwischen nicht mehr im Cafehaus schreibe. In meiner Studentenzeit habe ich es getan, da habe ich auch mit der Hand vorgeschrieben, inzwischen schreibe ich direkt in den Computer, seit ich mich das erste Mal am „Nanowrimo“ beteiligt habe.

Anna Weidenholzer und Robert Schindel scheinen beide eine Mischform zu verwenden und scheinen sich, obwohl das Alter und das Geschlecht verschieden ist, in ihrem Schreiben auch nicht unähnlich zu sein.

Robert Schindel ist ein sehr politischer Autor, Anna Weidenholzer schreibt eher realistisch, die Unterschiede sind wahrscheinlich schon, daß bei den in den Neunzehnachtziger Jahren geborenen, eine gewiße Politisierung fehlt, das war auch eine Frage von Renate Schmidkunz.

Dann war es aus, Bernhard Fetz bedankte sich bei allen und ein Herr aus dem Publikum beschwerte sich, daß er nicht mitdiskutieren konnte.

„Wir haben uns entschloßen, das nicht zu tun!“, erklärte Renate Schmidkunz hölich, vielleicht hat sie bei Ruth Aspöck Veranstaltung in der Haptbücherei diesbezüglich schlechte Erfahrung gemacht, da dort die Diskutantenrelativ scharfe Fragen stellten.

Die nächste Veranstaltung wird am 20. Mai zwischen Marie Therese Kerschbaumer und Clemens Berger stattfinden und das wird sicherlich sehr spannend sein, ist ja Clemens Berger, wie ich im MUSA hören konnte, einer der sich dem Literaturbetrieb entzieht und Marie Therese Kerschbaumer ist, glaube ich, auch eine scharfe Diskutantin, aber da werden wir in Deutschland auf Radreise  sein und ich kann gleich verraten, daß ich heute auch eine Einladung bekommen habe, darf ich nämlich am 8. Oktober, bei einer Ernst Hinterberger-Geburtstagslesung  im Cafe Industrie wo er sehr viel geschrieben hat, ein Stückchen aus seinen „Kleinen Leuten“ lesen.

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