Literaturgefluester

2020-01-17

Von Maria Lazar zu Margarete Schütte-Lihotzky

Filed under: Veranstaltungen,Workshop — jancak @ 23:57
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Freitag ists und da gibts in diesem Semester das Gegenwartsdramaturgie-Workshop, an dem ich teilnehme, wenn ich mich Freitags in Wien befinde und da hat Stephan Teichgräber „Theater im Centrope“ eingegooglet und  fünf Treffer angezeigt bekommen, das Vienna English Theater, das Raimundtheater und ganz besonderrs interessant, den „Spielraum“ in der Kaiserstraße, den wir meistens beim Adventrundgang besucht haben, sowie zwei Bratislaver Theater und dann hat mir Stephan Teichgräber noch erzählt, daß er im Burgtheater gewesen ist und sich dort den „Henker“, der 1895 in Wien geborenen Maria Lazar, die dieses expressionistisches Stück  1921 geschrieben hat und mit dem Journalisten Friedrich Strindberg verheiratet war und das war interessant, weil am Abendprogramm,  eine Veranstaltung zum zwanzigsten Todestag der 1897 in Wien geborenen Architektin Margarete Schütte- Lihotzky stattfand, die die Alternative zum Slam B im Literaturhaus war, zu dem ich sonst wahrscheinlich hingegangen war.

Aber die hundertdrei Jahre alt gewordenen Archtiektin, die in der Franzengasse gewohnt hat, so daß ich sie in ihren letzten Lebensjahren öfter gesehen habe, hat für mich auch eine andere Bedceutung, hat sie doch 1948 mit Nina Loos den „Bund  demokratischen Frauen“ gegründet und dort wurde ich ja im „Arbeitskreis schreibender Frauen“ literarisch sozialisiert, da habe ich den Namen wahrscheinlich das erste Mal gehört und die alte Dame dort vermutlich auch bei Vorträgen gesehen, ihr inzwischen wideraufgelegtes Buch „Erinnerungen aus dem Widerstand“, habe ich wahrscheinlich in den achtziger und neunziger Jahren gelesen und jetzt ein Abend für sie im MUSA, wo früher die „Literatur im MUSA“ stattfand, das jetzt aber zum Wien-Museum gehört, so daß die Literatur in die „Alte Schmiede“ ausgewandert ist und im MUSA findet derzeit und das wahrscheinlich schon das letzte halbe Jahre eine Ausstellung zum „Roten Wien“ statt und das ist mir auch etwas Vertrautes, bin ich doch im roten Wien in einem dieser alten Gemeindebauten aufgewachsen, war mit meinem Vater vor wahrscheinlich vierzig Jahren auch in einer diesbezüglichen Ausstellung, ich glaube in der Meidlinger Remisse und habe da die unterlagen sicher noch in Harland liegen und am Karlsplatz war ich auch einmal in einer diesbezüglich Ausstellung, bei der im Wien-Museum habe ich mich bisher immer herumgedruckt, weil ich ja nicht gerne Eintritt zahle und nicht im Verteiler des MUSA bin, aber diese Veranstaltung hat auch der republikanische Club ausgedsendet und da ich ja nicht so gern zu  Poetry Slams gehe, war es im MUSA, das inzwischen umgebaut wurde, auch sehr voll.

Jetzt gibt es eine Bar und eine Eintrittskassentheke. Der Eintritt war aber frei und der Saal schon sehr voll. Heidi Ambrosch, die wahrscheinlich die derzeitige Vorsitzende des „Bunds demokratischen Frauen“ ist, als ich zu den Arbeitskreistreffen in den „Rotpunkt“ gegangen bin, war das Irma Schwager, mit der ich einmal, lang lang ist her im Zug von Klagenfurt nach Wien gefahren bin, als sie mich dort zum „Preis der Arbeit“ eingeladen haben.

Jetzt eröffnete Werner Michael Schwarz vom Wien-Museum, die Veranstaltung und Bernadette Reinhold von der Universität für angewandte Kunst hielt einen Vortrag zum „Jahrhundertleben“ der Architektin, die aus einem bürgerlichen Haus stammte, an der Angewandten studierte und  ihre ersten Häuser oder Küchen für die Siedlerbewegung des roten Wiens baute. Dann ging sie nach Frankfurt, schuf dort ihre berühmte Frankfurter Küche, auf die sie dann ihr Leben lang reduziert wurde, was sie, glaube ich, nicht mehr hören wollte, baute dann in Moskau Kindergärten und Schulen, war in der Türkei und ist dann 1941 oder 42 als Widerstandskämpferin wieder nach Wien gegangen, wo sie von der Gestapo verhaftet wurde und bis 1945 im Gefängnis saß.

Später ist es ihr dann als Kommunsitin nicht gelungen, von der Stadt Wien bedeutende Aufträge zu bekommen. Sie wurde aber als Achtzigjährige geehrt und hat das „Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst“ erst angenommen als Kurt Waldheim nicht mehr Präsident war, sondern sie es von Thomas Klestil überreicht bekam.

Zum hundertsten Geburtstag gab es dann einen Ball, wo sie kurz mit Michael Häupl Walzer tanzte und ich war inzwischen, glaube ich, auch in einer Ausstellung, aber sonst ist es um die berühmte Archteiktin in der letzten Zeit eher still gewesen, jetzt aber der Rundgang in dreißig Minuten durch ihr Leben. Einen Filmausschnitt gab es auch und dann eine Lesung, wo die Schauspielerin Esther Csap verschiedene ihrer Texte, darunter „Warum ich Archtiektin wurde?“ las.

Dann gab eine halbe Stunde Pause, wo man durch die Ausstellung gehen konnte, in der auch Margarete Schütte-Lihotzky berühmte Spülküche, die sie für die Siedlungshauser entwarf, nachgebildet war, die wurde dann auch erklärt und am Schluß gab es noch ein Konzert von Robert Rotifer, dem Sohn des Exministers Ferdinand Lacina und der Enkel von Irma Schwager, die mit Margarete Schütte-Lihotzky befreundet war und der einen „Frankfurt Kitchen- Song“ geschrieben hat.

Er hat auch andere Lieder, zum Beispiel, die „Arbeiter von Wien“ gesungen und es war ein interessanter Abend, der mich wieder einmal an meine sozialistische Herkunft und meine Sozilisation im „Bund demokratischer Frauen“, denn in den Siebzigerjahren bin ich dort sehr oft zu Vorträgen gegeangen und sehe, die Frauen, Maria Lautischer etcetera, die es noch gibt, auch regelmäßig jeden Jahr beim Volksstimmefest wieder, erinnert wurde.

2019-11-25

Vom utopische Raum zum roten Wien

Seit einigen Jahren gibt es ja im November die „Literatur im Herbst“ im „Odeon“, die Walter Famler  und die „Alte Schmiede“ veranstalten, beziehungsweise wurde die „Literatur im März“ dadurch abgelöst und in den ersten Jahren waren meist osteuropäische Länder das Thema. Die ersten Jahre habe ich wegen meines Geburtstagsfestes ohnehin versäumt, dann bin ich, glaube ich, als Griechenland das Thema war, das erste Mal hingegangen, bei Rumnänien war ich, glaube ich, auch, dann wurde „Jugoslawien revisited“, gegendert wurde auch, Japan war daran und vor zwei Jahren ging es um die „Dialektik der Befreiuung“, da wurde, glaube ich, schon das Thema „Zukunft“ thematisiert, im Vorjahr ist es um Utopien beziehungsweise Dystopien gegangen und da wurde von Walter Famler schon der utopische Raum, ein Ort für diesbezügliche Diskurse geschaffen, während ich mit dem Uli und das war vielleicht auch eine Utopie, „Sungs Laden“ gelesen habe.

Im Frühjahr hat es dann im Schauspielhaus eine „Debattenschmiede“ zu diesem Thema gegeben und ich glaube auch noch ein paar Mal, die ich aber versäumte und heuer ist das ganze Festival diesem Thema gewidmet und, wie ich auf einem Blick ins Programm befürchte, mir zu theoretisch und zu wenig Literatur.

ich habe aber die Autogrammsammlerin und Erika Parovsky im Publikum gesehen. Walter Famler hat verkündet, daß der Eröffnungsvortrag in englischer Sprache stattfinden wird und die deutsche Übersetzung ausgeteilt. Die Kulturstadträtin der Stadt Wien, Veronica Kaup-Hasler hat eröffnet und dann kam der Eröffnungsvortrag „Europäische Utopie von unten“, der sich haupsächlich auf die Wende von 1989 bezog von der 1946 geborenen britischen Autorin Mary Kaldor die anschließend darüber mit  Shalini  Randeria, der Rektorin des Instituts für Wissenschaften diskutierte.

Am Samstag ging es dann zum „Utopischen Raum I“, zum Thema „Weltbürger und Grenzen“.

„Willkommen!“, begrüßte der Moderator und Organisator Ilija Trojanow, die beiden Vortragenden Andreas Cassee und Niccolo Milanese.

Der  1982 geborene Schweizer Philosoph Andreas Cassee, der ein Buch über die „Globale Bewegungsfreiheit“ geschrieben hat, setzte sich sehr für diese ein, während das Referat des 1984 geborenen, in Paris lebenden Niccolo Milanese über die „heimatlosen Weltbürger ging.

Dann wurde es Realpolitisch, beziehungsweise wurde nach den Utopien in der Politik gefragt und da diskutierte Oliver Scheiber mit der grünen Vizebürgermeisterin Birgit Hebein, die ja gerade mit den Türkisen die neue Regierung verhandelt und der 1980 im Kongo geborenen Ärztin und stellvertrende Bezirksvorsteherin des erstens Bezirks Mireille Ngosso, sowie Daniela Patsch, die für die Europawahl kanditierte und die sich autofreie Straßen wünscht,  über dieses Thema.

Am Schluß gab es noch ein utopisches Konzert, nämlich zwei Dänen, die sich ihre Musik zusammensampeln und im Anschluß noch darüber diskutierten, wie das mit dem Copyright ist.

Am Sonntag ging es zuerst in die „Alte Schmiede“ und da gab es wieder in englischer Sprache, wahrscheinlich wegen der Transnationalität am Podium ein Gespräch über  „Transnationalism or Barbarism“, wobei den Disktutanten Holly Case, Niccolo und Jyoti Misttri, die Barbarei etwas abhanden gekommen waren.

Jyoti Mistry die aus Südafrika kommt und jetzt in Göteburg lebt zeigte zuerst einen Film „When i get up i become a black man“, wobei ein Schwarzer durch die Gegend rannte, das Alphabet rezitierte und ein kleiner Buc aus den fünzigerjahren natürlich „Wenn ich groß werde, werde ich Neger!“, sagte und ich habe Walter Famler auf die fehlende Literatur angesprochen, aber Holly Case, hat den „Magicmountain“ erwähnt und ich habe mir gedacht, daß Sibylle Bergs „Buchpreisbuch“ gut dazu gepasst hätte.

Am Nachmittag ging es dann im Odeon-Theater weiter mit dem „Utopischen Raum“, da diskutierte Ilija Trojanow mit Alexandra Strickner von Attac und Ulrich Brand, der für Harald Weizer eingesprungen ist, was ein gutes Leben ist und welche Visionen oder Phantasien es dafür braucht  und darüber, daß der Mensch vor den Investitionen kommen muß.

Dann kam der 1935 geborene französische  Etnologe und Antropologe  Marc Auge, der mit seiner Übersetzerin ein Stück aus seinem Buch „Die Zukunft der Erdbewohner“, las und dann folgte nach einer längeren Pause, wo ich ich endlich dazu kam, im zweiten öst Debutbuch Tanja Raichs „Jesolo“ zu lesen, die Abschlußdiskussion „Alle Wege führen nach Utopia“, wo Walter Famler seine Ideen zum „Utopischen Raum“, den er weiterverfolgen will, noch einmal mit Ilija Trojanow, der auch daran beteiligt ist, vorstellte und die anderen Podiumsteilnehmer, beziehungsweise das Publikum befragte, welche Themen sie sich dazu wünschen?

Mein utopischer Raum ist wahrscheinlich das „Literaturgeflüster“, politisch bin ich allerdings auch und wünsche mir eine bessere, empathische, achtsamere und solidarischere Welt und am ging es im Schauspielhaus mit dem „Roten Wien“, das ja auch sehr wichtig ist oder war, weiter, so daß sich der utopische Raum in die „Gegenwart des roten Wiens“ eingliederte, was eine weitere Veranstaltungsreihe der „Alten Schmiede“,darstellt, die diese Woche dort stattfinden wird.

In der „Debattenschmiede diskutierte Walter Famler mit dem experimentellen Dichter Dieter Sperl, endlich Literatur könnte man sagen. Es ging aber um Architektur und um die Ausstelung, die es im MUSA zu sehen gibt, die von Werner-Michael Schwarz, dem zweiten Diskutanten am Podium, kuratiert wurde.

Vor hundert Jahren haben die Sozialdemokraten die Wahlen gewonnen und mit dem sozialen Wohnbau im Gemeindebau begonnen.ich bin ja in einem solchen aufgewachsen. Es gab aber was ich nicht wußte, auch eine Siedlerbewegung und eine „Freihaussiedlung“ und die lud Dieter Sperl offenbar zu einem Projekt ein, so daß er dort eine Zeitlang herumspazierte, schrieb, fotografierte und mit den Bewohnern ins Gespräch kam. Einen Teil eines so entstandenen Textes „Lost Paradise“ las er vor und ich habe ja im roten Gemeindebau die soziale Kontrolle sehr stark und als eher unangenehm empfunden. De Dame neben mir war aber sehr begeistert von der Idee, daß den Arbeitern eine Trutzburg oder Schlößer gebaut wurden und das rote Wien war damals ein utopischer Raum, der sich verändert hat in dieser Art und Weise aber  noch immer besteht.

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