Literaturgefluester

2019-02-16

Der traurige Gast

Filed under: Bücher — jancak @ 00:44
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Jetzt kommt die nächste Neuerscheinung und wieder eine, die einen aktuellen Ausgangspunkt nimmt, nämlich den Winter beschreibt, wo es auf den Anschlag auf den Weihnachtsmarkt bei der Berliner Gedächtniskirche gab, den ich im „Bibliotheksgespenst“  auch beschrieben habe. Man sieht die Autoren, die sich mit dem Narrativ beschäftigen und nicht bloß experimentell vor sich her fabulieren, beschäftigen sich mit dem Zahn der Zeit, obwohl es bei Matthias Nawrats „Traurigen Gast“, dann wieder nicht so tagepolitisch aktuell ist, wie es der Buchrücken beschreibt.

Der 1979 im polnischen  Opole geborene Matthias Nawrat, hat 201 beim „Bachmannpreis“ gelesen und gewonnen, daraus ist dann das Buch hervorgegangen, das ich mir bei einem der Literaturhausflohmärkte gekauft habe und es auch auf meiner ursprünglichen 2019 Leseliste hatte, dann habe ich die Bücher dort aber heruntergestrichen und als ich die Liste wieder anlegte, ist das Buch offenbar zu weit hinten in meinen Regalen gestanden, das nächste Buch „Die vielen Tode unseres Opa Jureks“ habe ich aber gelesen, weil bei „Buzzaldrins-Gewinnspiel“ gewonnen und jetzt die „Selbst und Weltbefragung von beeindruckender Qualität“, wie am Klappentext steht.

Roman, was „Rowohlt“ dazugeschrieben hat, ist wieder einmal übertrieben, denn eine narrative spannungsaufgebaute Handlung, in der man sich der Heldenreise bedienen kann, hat das Buch eigentlich nicht, sondern drei Teile, wo der Ich-Erzähler, ein namensloser Schriftsteller durch Berlin herumspaziert und dort seine Beobachtungen macht oder doch, eine Handlung gibt es vielleicht schon.

So ist der erste Teil zum Beispiel mit „Die Architektin“ beschrieben und da spaziert der Erzähler durch Berlin, geht in ein Restaurant neben der polnischen Kirche in ein polnisches Restaurant essen, ist er doch ein Pole mit dem Geburtsort Opole, also hat er wahrscheinlich doch einen Namen und eine Frau namens Veronika und mit der, will er seine Wohnung renovieren und hat irgendwo, die Visitenkarte einer ebenfalls polnischen Architektin namens Dorota gefunden, die er anruft und die ihn dann zu sich bestellt, weil sie ihr Viertel nicht mehr verläßt, sondern von zu Hause arbeitet.

Die besucht er dann ein paar Mal, ißt ihren eher geschmacklosen gesunden Kuchen, weil er nur aus Eiweiß besteht, zu der Wohnungsumplanung kommt es aber nicht, weil sie ihm stattdessen viel von ihrem Leben, ihrer Kindheit und den Kriegserfahrungen, ihrer Familie erzählt, die von dort herkommt, wo heute die Ukraine ist und, als er sie mit seinem Geburtstagskuchen besucht, trifft er nur den Vermieter in ihrer Wohnung, der ihm erzählt, daß sich Dorota vor zwei Wochen erhängte.

Im zweiten „Die Stadt“ genannten Teil, geht es um den Anschlag am Beriner Breitscheidplatz und um die Gefühle die der Erzähler die nächsten Tage hat, wenn er, der Anschlag ist in seiner Nähe geschehen, das Haus verläßt, um Weihnachtsgeschenke für seine Eltern zu besorgen. Die Begegnung mit einem kleinen Jungen, der ihn fragt, ob er einbrachen will und, ob er ihn retten würde, wenn er ins Wasser springt und die Geschichte von einem eingesperrten rumänischen Mann, kommen in dem Teil auch noch vor.

Der dritte Teil „Der Arzt“, hat die dichteste Erzählstruktur, geht es hier doch nur um den ehemaligen Arzt Dariusz, der inzwischen an einer Tankstelle arbeitet und am Ende auch noch von dort entlassen wird, während es im  ersten Teil neben der Begegnung mit Dorota immer noch, um andere Begegnungen geht und es im Mittelteil, wo  der Anschlag am Weihnachtsmarkt stattfindet, überhaupt keine Handlung gibt.

Hier arbeitet der Erzähler, der ja schon drei Erzählbände hat, an einer Tankstelle und Dariusz, ebenfalls ein Pole, erzählt ihm sein Leben, das von einer gescheiterten Beziehung zu seiner Frau Marzena, seinem verschollenen Sohn, den er bis nach Südamerika nachgereist ist, Panikattacken, Alkohol und Medikamentenmißbrauch bis zu einem Gefängnisaufenthalts, wegen eines angeblichen Raubüberfalls führt.

Dariusz, ein von Leben gescheiteter, aber dennoch hochgebildet und einfühlsam, erzählt dem „Gast“ sein Leben, begleitet ihm auf den Friedhof dabei und über den Roman, der keiner ist, liegt eine seltsame Melancholie und Schwermütigkeit, angefangen von der Selbstmörderin Dorota, dem Terroranschlag bis zu dem am Leben gescheiterten Polen, etwas das in der Zeit der narrativen spannenden Romanhandlungen seltsam unstrukturiert wirkt.

Mir, weil ich ja auch so schreibe, sehr sympathisch ist, weil  ich das „Verlieren, Verdrängen, Neuankommen und das Überleben in aller Schönheit, trotz aller Schrecken“, die leisen Töne in der Literatur  für sehr wichtig halte und es schön finde, daß es auch diese  Bücher gibt.

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2019-02-15

Gotteskind

Filed under: Bücher — jancak @ 00:12
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Nun kommt meine erste oder zweite 2019 Neuerscheinung, die erste ist das Camilleri-Bekenntnisbuch gewesen, aber das ist schon Mitte Dezember zu mir gekommen, während ich John Wrays „Gotteskind“ erst im Jänner bekommen habe in den letzten Tagen aber schon einiges über das Buch, das in Ö1 vorgestellt wurde und auch auf die Feburar ORF- Bestenliste gekommen ist.

Bestellt habe ich es mir, dem Autorennamen nicht dem Inhalt nach, habe ich den Namen des 1971 in Washington geborenen US- Amerikaners, der eine Känrtner Mutter hat und deshalb auch beim „Bachmannpreis“ gelesen und gewonnen hat, das erste Mal auf einer meiner Frankfurt Surfings  und auch in Göttweig gehört, als dort sein Zeitreiseroman vorgestellt wurde und im Dezember oder so habe ich auch einen Wray auf Englisch im Schrank,“Lowboy“, das auf Deutsch unter „Der Retter der Welt“ erschienen ist, gefunden und durch Ö1 habe ich erfahren, daß John Wray ein Meister des Stilwechsel ist und jetzt in die Welt der Dschihadisten eingetaucht ist.

Als ich das Buch bekommen habe, war ich erst einmal durch Cover und Titel verwirrt, „Gotteskind“ ist einer, der mich unvorbenommen nicht vom Sessel reißen kann und der Hahn mit dem roten Turban konnte es auch nicht, eine Geschichte über eine junge Dschihadistin konnte das dann schon viel mehr, habe ich mich als ich die „Unterwerfung“ gelesen und „Die Pensionsschockdepression“ geschrieben habe, ja auch mit diesem Thema beschöftigt.

In den Ö1 Berichten wurde noch erwähnt, daß John Wray 2015 in Afghanistan war und daß es 2001 einen amerikanischen Taliban namens John Walker Lindh gegeben hat, der das Vorbild für das Buch war, dessen Heldin eine achtzehnjährige Amerikanerin namens Aden ist, die einen Vater als Islamwissenschaftler und eine Trinkerin als Mutter hat, alles hinter sich läßt und mit ihrem Freund Decker, einem gebürtigen Pakistani nach Pakistan reist, um dort den Koran zu studieren.

Das klingt einmal gut und ist sehr spannend und so war ich bis zum Ende des ersten Teils in das Buch auch sehr hineingezogen. Es beginnt mit Briefen an den „Lehrer“, das ist Adens Vater, den sie so anspricht und man erfährt, sie ist in der Pubertät von ihren Eltern enttäuscht worden und nun reißt sie aus, um die Welt zu erobern.

Das das vielleicht nicht die übliche Pubertätsreaktion ist, einfach alles hinzuhauen, sich die Haare abzuschneiden, den Busen zu bandagieren und dann monatelang den Koran zu studieren, diese Idee ist mir erst später gekommen, so  sehr hat es mich in das Buch hineingezogen.

Es gibt auch spannende Szenen, so gehen sie noch am Flughafen in Kalfornien zuerst in den Gebetsraum und wissen da gar nicht so genau wo der Osten ist, ihr Gepäck lassen sie draußen stehen und müßen es dann bei der Sicherheitskontrolle abholen. Sie kommen aber problemlos nach Pakistan, im Flugzeug wird Aden noch von einem pakistinischen Geschöftmann instruiert sich ja nicht den Dschihad anhzuschließen und der Lehrer der Koranschule erkundigt sich auch gleich besorgt, warum sie sich seine kleine Schule dicht an der afghanischen Grezne ausgesucht hat?

In den Ö1 Besprechungen habe ich gelesen, daß Aden sich erst dort zum Kampf entschieden hat, mir war aber immer klar, daß sie dorthin will, erst später habe ich mich gefragt, warum eigentlich, nur weil die Mutter trinkt und der Vater sie betrogen hat?

Aber gut,  es sind sehr viele frustrierte Jugendliche in den Dschidhad gezogen, da ist diese Aden Sawyer nur ein Beispiel von John Wray, der im interview erzählte, daß er viel recherchierte, danach alles vergaß und die Geschichte frei erfunden hat und es ist wirklich plastisch geschildert, obwohl ich meinen Geschmack nach zu aprupt in die Geschichte hineingeworfen wurde und den reiligösen Fanatismus der jungen Frau, die sich als Mann verkleidet und fortan Suleyman, wie auch jeder John Walker Lindh genannt wurde, nicht so ganz nachvollziehen konnte.

Es kommt auch zu Zerwürfnissen mit ihrem Freund Decker, der nicht so fromm, wie sie scheint und nicht versteht, daß sie keinen Sex und auch nicht mehr fluchen will. Er ist es, aber der zuerst über die Grenze geht. Der alte Lehrer hat einen Sohn namens Ziar, der schon ein Kämpfer ist und immer in die Schule seines Vaters kommt, um von dort Rekruten abzuziehen.

Aden will auch dorthin und im zweiten Teil wird dann die Ausbildung in dem Lager in Afhghanistan beschrieben, Decker kommt durch eine Explosion ums Leben, Aden schließt sich Ziar an und muß einen alten Mann erschießen, was sie widerspruchslos tat.

Ab da kippte bei mir die Lesefreude, denn der Alltag in der Koranschule, wo man den ganzen Tag Suren hinunterbetet, war durchaus spannend geschildert, aber warum Aden umbedingt kämpfen will,  war mir dann nicht so klar?

Irgendwann erfährt man dann vom Anschlag an die Twintowers und da habe ich erst kapiert, wir sind im Jahr 2001 und nicht 2018 und, daß sich dann der Suleyjman, jener fromme Superkämpfer plötzlich in Ziar verliebt und der erkennt, daß sie ein Mädchen ist, war mir auch nicht ganz klar.

Ab dann ist es für mich völlig verwirrend geworden und vielleicht die Phantasie mit John Wray durchgegangen, denn jener Ziar verhält sich durchaus widersprüchig. Aden ebenfalls und sie wird dann auch fast mit einem alten Mann verheiratet, dem sie nur dadurch entkommt, daß sie ihm umbringt und dann flüchtet sie offenbar nach Hause und ist geläutert oder nicht und das Buch hat mich ein bißchen ratlos zurückgelassen und ich habe nach John Walker Lindh gegoogelt und mir das Interwiev mit John Wray in Ö1 nochmals angehört.

Ein spannendes interessantes Buch wo man etwas mehr über den Dschihad und Afghanistan erfahren kann, war es trotzdem, wenn mir auch einiges unlogisch erschien, ich wahrscheinlich mehr Erklärung gebraucht hätte, mir das Ende eher unwahrscheinlich erschien und ich auch Adens Beweggründe für den Fanatismus genauer erkärt haben hätte.

Daniel Kehlmann ist es nicht so, wie mir gegangen, schreibt er doch am buchrücken „Ich stehe mit hilfloser Bewunderung davor, was John Wray hier fertiggebracht hat“, aber vielleicht  hat er sich besser informiert.

2019-02-03

Alle Guten waren tot

Filed under: Bücher — jancak @ 00:53
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Jetzt kommt wieder ein Debut, im November erschienen, das dann vielleicht für 2019 auf der Blogger Debutpreis-Liste stehen könnte, nämlich der erste Roman des 1987 geborenen und in Griechenland und in Franken aufgewachsenen Gerasimos Bekas, der auch einen deutsch-griechischen Helden für sein Buch gewählt hat.

Aris wurde in Griechenland geboren, von deutschen Eltern Helmut und Gitte adoptiert und jobbt jetzt in einem Krankenhaus oder Seniorenheim als Altenhelfer.

Dort wird er einer alten griechischen Dame, nämlich Frau Xenaki zugeteilt, die ihm mit einem delikaten Auftrag nach Griechenland schickt.

So weit so gut und sehr interessant, erinnert vielleicht ein bißchen an Hilmar Klute, obwohl jener Aris nicht schreibt, dafür hat er einen sehr rotzigen Ton und tut vielleicht auch recht seltsame Sachen und der Einstieg in das Buch war etwas schwierig, denn da liest man zuerst den Klappentext und bekommt dann im ersten Kapitel etwas ganz anderes, nämlich etwas von „Penetelinischen Marmor“ vorgesetzt.

Es gibt auch immer wieder Rückblendungen, die im Jahr 1943  beginnen und bis, glaube ich, 1995 gehen, da sind wir in Griechenland und erfahren, die Geschichte des griechischen Mönchs Stylianos, während Aris  in Würzburg lebt, von seiner Arbeit auf den Pflegestationen, wo die Patienten fixiert und zugedröhnt werden, offensichtlich überfordert ist, so daß er öfter abhaut, um sich ein Bierchen zu vergönnen.

Einmal bestellt er drei zum Preis von fünf, ist davon dann betrunken und schlägt in weiterer Folge einen Polizisten zusammen, so daß er über Frau Xenakis Auftrag nach Griechenland zu fliegen um ihrer Enkelin Aphrodite einen Koffer zu überbringen erleichtert annimmt.

Das führt zu einigen skurrilen Szenen, was auch Gerasimos Bekas Spezialität zu sein scheint.

So geht auf den angegebenen Platz zu dem Kioskbesitzer, der den Schlüßel zu Frau Xenaiks Wohnung hat. Der läßt sich aber verleugnen und von einem jüngernen Taxler herumfahren und es dauert einige Zeit, bis er die Enkelin trifft. Die führt ihn auch ein bißchen an der Nase herum, läßt ihn mit ihren an Läusen leidenden Kind allein und das führt ihn dann ans Meer, obwohl die Mutter nur ein paar Häuser weiter ist, bis sich alles aufklärt und zu einem Happy end führt.

Ein spannendes leichter und locker und etwas bizzar oder skurril dahingeschriebenes Buch würde ich sagen. Ein spannendes Thema und das, was die heutige Jugend mit und ohne Migrationshintergrund in dem Deutschland von heute wohl erlebt und damit zurechtzukommen versucht.

So bin ich wieder gespannt, ob und was ich von dem jungen Autor noch hören oder lesen werde und wünsche ihm alles Gute.

2019-01-12

Den Himmel stürmen

Filed under: Bücher — jancak @ 00:53
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Jetzt kommt der vierte Roman des 1982 in Turin geborenen  Paulo Giordano dessen ersten Roman „Die Einsamkeit der Primzahlen“ ich Anfang  2012, als ich mir noch wöchentlich ein Buch vom „Wortschatz“ holen,  um es dann mit einer wahrscheinlich überschaubareren Leseliste demnächst zu lesen, gefunden habe und von dem jungen Italiener sehr beeindruckt war.

Ich habe ein par Jahre später „Den menschlichen Körper“ gefunden, aber noch nicht gelesen und vorigen Frühjahr im Leipzig hat mir Herr Grimm vom „Rowohlt-Verlag“ auf „Den Himmel stürmen“ aufmerksam gemacht, der auch in Frankfurt mit einem italienischen Buffet vorgestellt wurde.

Aber ich fahre ja nicht mehr nach Frankfurt, so habe ich mir das Buch ein paar Wochen später von meiner neuen Nachbarin abgeholt und jetzt gelesen und muß sagen, war ich schon von den „Primzahlen“ sehr begeistert, bin ich es jetzt wieder, auch wenn ich mich zu erinnern, glaube, daß das Buch in einem anderen Stil geschrieben wurde, habe ich von den „Primzahlen“ ja eine Borderlinestörung und eine schreckliche Kindheit der überforderten Jugend in Erinnerung, ist es hier anders, obwohl es eigentlich um ein ähnliches thema geht.

Ich habe mich in den letzten Tage, während des Korrigieren meiner „Magdalena“ viel mit dem Romanaufbau und der Romanschule der Jurenka Jurk beschäftigt, die bietet sie, glaube ich, vor allem den Krimi und Liebesromanschreibern an, aber Paulo Giordano hat sich, glaube ich, auch mit dem Romanaufbau beschäftigt, bekommt ihn sehr spannend hin und die „Bigger als life-Regel“ hat er, glaube ich, auch perfekt ausgeführt.

Dabei geht es höchstwahrscheinlich, um etwas Autobiografisches, ist ja Teresa, seine Heldin, auch 1982 in Turin geboren, sie hat aber, was ich auch sehr originell finde, eine krimilesende Großmutter, die in Apulien eine Villa hat und dorthin fährt Teresa jeden Sommer mit ihrem Vater, die Mutter weigert sich mitzukommen, was auch sehr seltsam ist.

Neben der Villa gibt es einen Ökohof, der einem Cesare gehört, der ist sehr fromm, fast sekterisch angehaucht, hat einen Sohn namens Nicola und zwei Pflegekinder, Bern und Tommasio, die er selbst unterrichtet und Teresa freundet sich in den Sommern mit den Burschen an.

Das heißt, nein, denn es ist eigentlich eine höchst dramtsche Liebesgeschichte, spnnend, wie Romeo und julio und mit einem fast ähnlich tragischen Ende.

Sie ist also schon als Jugendliche von Bern, dem Sohn von Cesares Schwester hingezogen und der ist ein halber Deutscher, obwohl er eigentlich Bernardo heißt, liebt Bücher vor allem den „Baron in den Bäumen“,  ein Baumhaus gibt es auch und natürlich wird Teresa, die eigentlich eine starke Frau ist, von ihm in die Liebe eingeführt. Es gibt aber auch eine Blutbrüderschaft und eine diesbezügliche Eifersucht zwischen den drei Freunden und als Teresa im nächsten Jahr wiederkommt, sagt die Großmutter, Bern ist nicht da und erzählt ihr etwas von einem Kind, das er hätte.

Das passiert im ersten Teil. Der zweite beginnt dann Jahre später eigentlich am Ende. Es ist Weihnachten und die Dreiunddreiígjährige wurde vom betrundenen Tommasio geholt, damit sie auf seine Tochter aufpasst, damit die Mutter nichts von seinem Zustand merkt und das Jugendamt einschaltet. Sie tut es und erpresst ihn damit, daß er ihr erzählt, was damals mit Bern und Violalibera, einem albanischen Mädchen passiert ist.

Psssiert ist, glaube ich, das, was ich auch in der „Brüderschaft“ beschrieben habe. Es gibt aber kein Kind, weil Violalibera schließlich an der Abtreibung verstorben ist und es geht wieder weiter mit der Chronologie, als Teresa dreiundzwanzig ist, da studiert sie schon, stirbt die Großmutter und vermacht ihr die Villa. Im Nachbarhof  haben inzwischen Tommaso, Bern, Corinne,  Danco und Guilana besetzt und führen eine Ökowirtschaft. Cesare und Floriana sind verschwunden, der Sohn Nicola, den der Vater den zwei anderen Kindern immer vorgezogen hat, studiert zuerst Jus und wird dannPolizist.

Teresa verkauft die Villa und kauft den besetzten Hof, die Wohngemeinschaft löst sich auf, Bern und Teresa bleiben über und wollen ein Kind, was aber nicht gelingt.

So kommt es zu künstlichen Befruchtungsversuchen, das Paar braucht zehntausend Euro, damit sich Teresa  den Embrio in der Ukraine einsetzen lassen kann. Dafür heiraten sie sogar und sammeln bei der Hochzeit Geld. Die Schwangerschaft gelingt trotzdem nicht und Bern und Teresa trennen sich.

Sie bleibt allein am Hof, kämpft mit der Landwirtschaft, bis eines Tages die Polizei vor der Türe steht und Bern sucht, denn er und seine Freunde haben sich an einer Besetzung  beteiligt, um das Fällen von Olivenbäumen zu verhindern. Dabei wurde Polizist Nicola ermordet, Bern, Dancio und Guilana stehen unter Mordverdacht und flüchten.

Dann, das ist dann, glaube ich, schon der dritte Teil, wird es wieder seltsam. Tersea bekommt „Amazon- Pakete mit natürlichen Schädlingsbekämpfungsmitteln und Büchern, obwohl sie nichts bestellt hat. Ahnt, daß sie von Bern stammen und eines Tages ruft auch eine Reisebüroangestellt an und sagt ihr Ticket nach Reykjawik liegt beret und sie soll sich dort die Gletscher anschauen.

Das hat sie auch nicht betellt, fliegt aber hin. Wird von Giuliana abgehlt und zu  einer Höhle gebracht, denn Bern, der sich schon bei der Olivenbaumbesetzung tagelang in den Bäumen, wie der berühmte Baron von Italo Calvino aufgehalten hat, ist jetzt in eine Höhle gefallen, hat sich das Bein gebrochen und kann nicht mehr heraus.

Sehr dramaltisch. Er stirbt und Teresa geht noch einmal zu Doktor Sanfelice, läßt sich die eingefrorenen Samen geben, fliegt  mit Tommaso noch einmal in die Ukraie und obwohl es keinen Leichnam gibt, läßt sie Bern  von Cesare, der das den Kindern auch immer gepredigt hat  und an die Seelenwanderung glaubte, beziehungsweise das Buch begraben und bereitet sich auf das die Geburt ihrer Tochter vor.

Ein sehr spannender Roman, leicht zu lesen und raffiniert ausgeführt. Im Nachhinein könnte man ihm ein wenig kitschig nennen. Während des Lesens ist man gebannt und sehr begeistert.Jetzt müßte ich noch Buch zwei lesen oder abwarten, was ich von dem jungen Italiener noch hören und lesen werde.

2018-12-30

Leni weint

Filed under: Bücher — jancak @ 00:47
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Jetzt kommen dreißig Essays, die der 1943 in Budapest geborene Peter Nadas  zwischen 1989 und 2014 geschriebenen hat und die unter anderes von Akos Doma, Zsuzsanna Gahse, Ilma Rakusa, um nur die mir bekannten Autoren zu nennen, übersetzt wurden.

Über Peter Nadas habe ich ja zu Jahresbeginn ein ganzes Symposium gehört und 2017 auch einmal im Literaturhaus, wo er seinen neuen Roman vorstellte und im Literaturmuseum hat er auch einen Vortrag oder einen Essay gehalten und die im Herbst bei „Rowohlt“ erschienen Essays wurden auch in der letzten Lese.auslese in der „Gesellschaft für Literatur“ als leicht zu lesende, weil sehr erzählerische Essays empfohlen.

Der gut Deutsch sprechende Autor ist, wie ich mich bei den drei Veranstaltungen, wo ich ihn erlebte, überzeugen konnte, ein sehr sympathischer Mann. Eine Klientin hat mir auch einmal erzählt, daß sie ihm ein Mail geschrieben und er ihr sofort geantwortet hat und die Essays, die sich sowohl mit Details, als auch mit sehr weltbewegenden Momenten beschäftigen, sind trotz der angekündigten erzählerischen Leichtigkeit, recht kompliziert.

Springt Peter Nadas doch von Hunderste ins Tausendste und macht sehr gekonnte Assoziationen, die das Nachvollziehen nicht sehr einfach machen, wie auch die Lektorin Katharina Raabe in ihrem Nachwort über die „Parallelgeschichten“, die ich nicht gelesen habe, schreibt, daß man sie wohl mehrmals lesen muß um alles zu erfassen.

Bei den Essays wohl auch, füge ich mit Bedauern, daß ich  dazu wohl nicht die Zeit habe, hinzu und bin dann bei der „Behutsamen Ortsbestimmung“, gleich über die „Betrachtung eines Wildbirnenbaums, der vor Peters Nadas Fenster steht, zu der Analyse des Dorfs, in dem Peter Nadas seit vierzig Jahren lebt, den Eigenheiten seiner Bewohner und ihr Verhalten während des zweiten Weltkriegs bis Jahrhunderte zurück in die Zeiten des Prager Bischofs Adalbert, gekommen.

„In der Körperwärme der Schriftlichkeit“, geht es um die Kunst des Schreibens und um Europa.

Peter Nadas meint hier, daß nicht jeder, der das Schreiben erlernte, das auch wirklich kann, obwohl es jeder von sich behauptet. Er übt diese Kunst am Vormittag aus und am Nachmitttag, die des Nichtschreibens. Er muß auch mit der Hand schreiben, um die Sinnlichkeit der Buchstaben zu erfahren und davon ausgehend, kommt er zu Europa und macht sich Gedanken über dessen Identität, während es im  „Das große weihnachtliche Morden“ um die Gefühle geht, die die Fernsehübertragung, die im Jahr 1989, die Hinrichtung des Ehepaares Ceausescus zeigte, in ihm auslöste.

Es geht dann in den „Kalten Krieg“. Danach wird eine „Skizze zweier psychoanalytischer Grenzfälle “ gegeben, in der Peter Nadas von einem jungen Mann erzählt, der ihm sagte „Daß ihm die Kommunisten zugrunde gerichtet hätten“, das aber weiter nicht sprachlich ausdrücken konnte, so daß der Nichtanalytiker mit Hilfe einer Kinderpsychologin ihn erfolgreich mit paradoxer Intetion behandelt hat.

Thomas Manns Tagebücher werden analysiert. Hier denke ich, die ich mich als Studentin durch seine Werke gelesen, aber wahrscheinlich nicht viel verstanden hat, ist es sicher besser sich zuerst die Primärliteratur zu besorgen, wie Tagebücher und Analysen daraus wahrscheinlich überhaupt sehr vorsichtig zu interpretieren sind, um nicht zu falschen oder dilettantischen Schlüßen zu kommen.

Thomas Mann hat auch seine frühen Tagebücher verbrannt und die späteren sehr vorsichtig, vielleicht schon für die Nachwelt geschrieben, die von 1932 sind aber erhalten geblieben und vorsichtig oder nur unter Auslassungen ins Ungarische übertragen worden und so stehen wir vor den Deutungen, aber wie gesagt, ich würde hier sehr vorsichtig sein.

In seiner Dankesrede bezüglich des „Kafka-Preises“ hat Peter Nadas eine Zugfahrt beschrieben in dem sich ein Mann und eine Frau gegenüber oder nebeneinandersitzen und in Kafkas „Prozeß“ lesen und dann beschreibt er eine Reise mit dem Journalisten Richard Swarzt in das Ceauscescu-Rumänien, wo man von Spitzeln bewacht wurde und es in den Hotel nichts zu essen gab. Die Kellner sich das aber nicht anmerken ließen.

Sehr zu empfehlen die Essays, die die derzeitge politische Situation in Ungarn un den Weg dorthin, erklären.

Um die Demokratie geht es auch, hier versucht  Peter Nadas „Das  Individuelle, das Kollektive, das Einzellne und das Allgemeine“ zu analysieren  und greift dann den Vorschlag auf den Vaclav Havel offenbar Madeleine Albright machte.

Der elfte September wird thematisiert, bevor es zu einer  sehr beeindruckenden Geschichte kommt, die ich gar nicht so sehr als Essay bezeichnen würde.

Das Ich oder Peter Nadas baut ein Haus mit einem Handwerker und kommt ihm bei der körperlichen Arbeit, wobei ihm der andere natürlich überlegen ist, näher. Irgendwann beginnt der Arbeiter seinen Judenhass zu thematisieren, Nadas widerspricht. Ein paar Tage später geht es gegen die Zigeuner, die er so sehr hasst, daß er sie am liebsten ermorden würde. Nadas beginnt zu schreien und als es dann gegen die Schwulen geht, schweigt er. Die Arbeit an dem Haus geht natürlich weiter und in der Endrunde kommen andere Arbeiter hinzu, die der Handwerker organisiert, während Nadas weiter hinten arbeitet und hören kann, daß nun die Arbeiter gegen die Zigeuner hetzen und sein Freund zu schreien beginnt.

So etwas würde ich mir bei meinem Freund Uli wünschen, aber ich weiß schon, das Leben ist kein Wunschkonzert und so einfach machen es einer die anderen nicht und auch Peter Nadas zieht weiter und kommt zur der „Walser-Bubis-Debatte“.

Da hat Martin Walser ja 1998 den „Friedenspreis des deutschen Buchhandels“ erhalten und diesbezüglich eine Rede gehalten, die die Gemüter erregte. Es kam zum Streit mit Ignaz Bubis, dem 1999 verstorbenen Vorsitzenden des Zentralrates für Juden, Frank Schirrmacher, der 2014 verstorben ist, hat ein Buch darüber geschrieben, über das sich Peter Nadas Gedanken macht, bevor es zu dem Titelgebenden Essys kommt.

Hat sich Hitlers Paradekünstlerin Leni Riefenstahl   ja auch schon sehr früh als Kriegsberichterstatterin ausbilden lassen, um an der Front zu fotografieren. Dann kam es zu den ersten Massenerschießungen und die Tränen kollerten, wurden wohl auch dokumentarisch festgehalten und von Peter Nadas gekonnt mit Viktor Klemperer, seinem mitleidigen Briefträger und der Sprache des dritten Reiches in Beziehung gesetzt.

Es gibt Texte über Camus, Imre Kertesz, Alexander Solschenizyn, der vor kurzem seinen hundertsten Geburtstag gefeiert hätte,  den mir bisher unbekannten ungarischen Dichter und Universitätsprofessor Milan Füst, sowie einen über die Memoiren der Schwiegertochter von Milos Horthy, Ilona Edelsheim-Gyulai.

Dann geht es über den 1933 in Budapest geborenen Maler Alexandre Hollans und seine gemalenen Bäume zurück zum Wildbirnenbaum des Dörfchen Gomboszeg, wo Nadas außer in Budapest auch noch wohnt, wo sich die männlichen Dorfbewohner am Abend unter dem Baum versammeln und sich austauschen, während es auf der ganzen Welt noch andere Baumrituale und Mythen gibt.

Mit dem Museum geht es gleich weiter, dort steht Nadas  länger, weil er den „Punkt sucht, von dem aus der Maler das Bild gemalt hat“, wobei er vom Wärter mißtrauisch beobachtet wird, er sich aber nur seine philosophischen Gedanken über Monet und  seine Malkunst macht.

An Hand Klimts „Goldenener Adele“, beschäftigt Nadas sich mit Skandalen und kommt erst recht spät auf den Ausgangspunkt der Geschichte.

In „Ein zu weites Feld“ geht er auf Grund Fontanes letzten Satz aus der „Effi Briest“ noch einmal auf sein Schreiben, beziehungsweise das Schreiben eines Romanes ein, bevor es im letzten Text, um seine Nahtoderfahrung, die er 1993 nach einem Herzinfarkt hatte.

Ein interessantes Buch in dem man sowohl in das Leben Nadas, als auch in die Geschichte Ungarns, seine politischen Entwicklung und noch viel mehr  eintauchen und über den Zustand der Welt und ihre Verknüpfungspunkte philosophieren kann.

2018-11-29

Der letzte Huelsenbeck

Buch vier der Bloggerdebutshortlist und wieder kann ich mich über die Zusammenstellung der ausgewählten Bücher nur wundern, ein paar höchstpoetische, wie sie die Literaturwissenschaftler wahrscheinlich lieben, sind dabei und dann immer wieder das realistisch phantastisch oder was auch immer, Gegenstück, das war 2016 der  Uli Wittstock, mit seinen Rechtschreibfehlern, im Vorjahr wahrscheinlich „Oder Florida“ und jetzt ist mit dem „Letzten Huelsenbeck“, ein solch irrwitziges und wahrscheinlich nicht poetisches Buch dabei, von dem ich mir aber lange nicht sicher war, auf welchen Platz in meiner Reihenfolge ich es stellen soll, wie ich überhaupt die heurige Shortlistauswahl, das Buch der Bettina Wilpert habe ich noch nicht gelesen, für sehr gut halte und ich liebe ja die realistischen Romanen, die vom Wahnsinn und vom Leben handeln, von den ICD Diagnosen und den Drogencocktails, bei den letzteren kenne ich mich nicht so aus und kann daher auch nicht unterscheiden, ob es sich in dem Buch, um eine reine Psychose oder um eine durch Drogen induzierte handelt.

Gut, das Daniel S. Drogen nimmt ist kein Geheimnis, das gibt er selber zu un schreibt darüber. Er ist auch in einer Anstalt, wie Joachim Meyerhoff aufgewachsen und er geht schon zu Beginn des Buches zu einem allerdings auch durchgeknallten Psychiater und läßt sich ohm einen Pharmacocktail verschreiben.

Das alles deutet auf ein enormes Fachwissen oder eine hervorragende Recherche des 1956 geborenen Christian Y Schmidt hin, der in verschiedenen Satire- und anderen magazinen arbeitete und sowohl in Berlin, als auch in Peking lebt.

Für einen Debutanten nicht  sehr jung, aber Ljuba Arnautovic ist noch älter und Daniel S., der Protagonist lebte auch mehrere Jahre in Asien und kommt zu Beginn des Buches von dort zurück, um an einem Begräbnis teilzunehmen.

Auffallend ist, daß er gleich zu Anfang an von seinem Tod spricht und später in seinen Tagebuchnotizen immer wieder davon schreibt, wieviele Tage er noch zu leben hätte. Später schreibt der ihm behandelte Psychiater dann von einem „Cotard-Syndrom“, keine Ahnung, ob es das wirklich gibt, da müßte ich erst googlen. Das sind aber die, die sich einbilden gestorben zu sein, aber  noch leben und bis man dahin kommt, geht es auf fast vierhundert Seiten auf eine irrwitzige Reise durch Berlin, durch eine Psychose,  einen permanenten Drogenrausch oder, wie man das auch nennen will.

Richard Huelsenbeck, auch da müßte ich erst googlen, war ein deutscher Dadaist und der letzte Huelsenbeck heißt das Buch, weil Daniel S. sich in den Siebzigerjahren, es ist auch ein Buch über dieseZeit, in der ich Psychologie studierte, mit der Elfi zwar einmal nach Amsterdam fuhr, aber nicht einmal einen Joint versucht habe, mit ein vier Freunden „Die Huelsenbecks“ eine Dadagruppe gründete, in der er, wie die „Wiener Gruppe“ Aktionen machte, wie beispielsweise einen Weihnachtsmann vom Dach zu schmeißen, der dann fast einen Kinderwagen getroffen hätte.

Der Höherpunkt der Aktionen war eine Amerikareise im Jahr 1978 der fünf. Dann trennte sich die Gruppe, Daniel S. ging als Reisejournalist nach Hongkong. Jetzt ist er zurückgekommen, steht am Grab seines Freundes Viktor und fängt sich zu erinnern an.

Das heißt, so einfach ist das nicht, denn zuerst schmeißt Ronny einen Lachsack in das offene Grab, es kommt zu einer Schlägerei, Daniel wird von einem Stein getroffen, daraufhin wird er wieder in der Anstalt, wo er aufgewachsen ist und später auch Pflegehelfer war, ob seine Eltern dort arbeiteten oder er nur nebenan wohnte, wurde nicht so klar, behandelt.

Er beginnt ein Tagebuch zu schreiben, nach Berlin, wo er eine Wohnung hat, zu reisen und seiner Vergangenheit auf die Spur zu kommen und die ist mehr als turbulent und wechselt auch mehrmals, die Perspektiven, so daß man sich sehr konzentrieren muß, um bei all den Wendungen auch mitzukommen und den Faden nicht zu verlieren.

Denn Daniel sauft und kifft gewaltig, sieht sich auch überall verfolgt, es tauchen irgendwie lädierte Kinder auf, er beginnt mit Vögel zu sprechen, sieht eine Claire, die die fünf eine Zeitlang auf ihrer Amerikareise begleitete, dann verschwunden ist und jetzt überall, wie der tote Viktor auftaucht und Daniel geheimnisvolle Botschaften zuruft.

Er versucht, weil er sich an das alles nicht erinnern kann, aber überzeugt ist, Claire damals in Amerika ermordet zu haben und jetzt von ihr oder ihrer Familie gerächt zu werden, auch die drei anderen noch lebenden Huelsenbecks, Ben, Ronny und Michi auf, wird da aber nicht fündig, denn sie entziehen sich und beginnen ihm nur Botschaften aus dem Netz zu senden oder ihn zu erpressen.

Es gibt auch Briefe, die er seiner früheren Freundin aus Amerika schickte, die er jetzt erforschen will und  fast am Ende, stopft er sich mit allem voll, was am Markt zu kriegen ist, er hat einen Superdealer, stellt sich auf die Straße, beginnt dort einen Armoklauf, so daß er in eine andere Anstalt eingewiesen wird und ein Professor Dr. Hans Pryzgodda schließlich einen Fallbericht über ihn schreiben kann.

Ein äußerst spannend geschriebenes Buch, wo ich die Psychose, die mir meine Freundin Elfi auch in den Siebzigerjahren, einmal erzählte, gut nachvollziehen konnte, wie das mit dem Beziehungswahn sein kann und wie ein solcher erlebt wird. Eine Satira auf den P.sychiatriebetrieb ist es sicher auch. Ein rassant geschriebenes Buch, das mir authentisch scheint. Literarisch ist es wahrscheinlich nicht zu nennen und jetzt bin ich auf die Bewertung der anderen Mitjuroren gespannt.

2018-11-18

Der Tag endet mit dem Licht

Filed under: Bücher — jancak @ 00:30
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Jetzt kommt wieder ein Buch von der Herbstleseliste, eines das nicht auf der dBp oder der öst, wohl aber auf der Bloggerdebutliste, wo ja bald die Shortlist bekanntgegeben wird, steht und eines das mich sehr verwirrte und etwas ratlos zurückließ.

Wird das dünne hundertneunzig Seiten Büchlein des1986 in Bonn geborenen Denis Pfabe, der die „Bayrische Akademie der Sprachkunst“ besuchte, doch bei „Amazon“ hoch gelobt und auch Katja Lange- Müller hat „konzentriert, bildstark und kein Wort zu viel. Die enorme Spannung, die sich in diesem Roman von der ersten Seite an aufbaut, verdankt sich Denis Pfabes stilistischen Minimalismus“, auf den Buchrücken geschrieben.

Etwas was sich auch bei den „Amazon Rezensenten“ wiederfindet, daß sie die sowohl die Konzentration und die Spannung loben, aber mir war es wohl zuviel an Konzentration, so daß ich von der Spannung wahrscheinlich nicht viel mitbekommen hatte, hatte ich ja große Mühe, die ineinanderverschlungenen und meiner Meinung nach sich  auch widersprechenden Handlungsebenen zu verstehen.

Es geht, um eine Texilkünstlerin, die nur ein Auge und keinen Vater hat und die in den Achtzigerjahren, glaube ich, einem exentrischen Künstler, als Assistentin durch die USA folgte, weil der dort für ein Kunstprojekt Häuser zersegen und die Fenster nach Europa bringen lassen wollte.

Dazu brauchte er ein Team von ungehobelten Arbeitern mit denen die junge Frau, die vom Meister einen Packen Geld bekam, verhandeln sollte. Es gibt auch einen nicht anwesenden Galeristen und der Meister verschwindet immer wieder irgendwohin. Ansonsten schmeißt er mit dem Geld herum, verlangt von den Arbeiter unverständliche Dinge und die junge Frau bekommt von ihnen gesagt, daß sie ihnen, als Frau nichts anzuschaffen habe.

Ein legendärer Entführungsfall aus den Dreißigerjahren spielt auch eine Rolle und das konzentrierte Buch wird immer wieder durch Zeitungsnotizen oder Katalogeinträge, die auf das Werk des Meisters   hinweisen, unterbrochen.

Sein Lebenslauf wird auch erwähnt. Er, Adrian Ballon, wurde in den USA geboren, kam dann mit seinem Vater nach Deutschland. Jetzt kehrt er wieder in die USA und an den Ort Paradise zurück, wo er sich schließlich in seinem Ferrari erschießt, nicht ohne Frieda Beier vorher mitzuteilen, daß sein Vater eigentlich auch der ihre war und sein Vater ist auch am Tod seiner kleinen Schwester schuld.

Man sieht, da geht es weg von der Konzeptschuld. Es geht um Schuld und Sühne und hat vielleicht nicht mehr soviel mit Konzeptkunst zu tun. Es geht aber auch um Zerstörung, denn das ist  wohl auch das große Thema des Debutroman und am Ende führt die Texilkünstlerin das Werk des Meisters weiter und ich muß gestehen, daß ich das Buch nicht wirklich verstanden habe.

Wahrscheinlich hat es mir auch nur nicht gefallen, während in den Rezensionen, die ich gelesen habe, die dichte Zeichnung des Roadmovies, man könne sich das „staubige heiße Texas“ bildlich vorstellen, erwähnt wird und da fällt mir ein, daß ich vor kurzem ein anderes Roadmovie gelesen habe, wo es auch durch Amerika gegangen ist.

2018-08-28

Archipel

Jetzt kommt Buch drei der heurigen LL und eines, das ich, glaube ich, schon über ein Monat auf meinem Badezimmerstapel habe, Inger-Maria Mahlkes „Archipel“ und „Inger-Maria Mahlke-“ steht am Klappentext „ist in nur wenigen Jahren zu einer der renommiertesten deutschen Schriftstellerinnen avanciert und hat sich mit jedem ihrer Bücher thematisch und formal weiter vorgewagt“ und ich habe die 1977 in Hamburg geborene Autorin, 2012 während ihres Auftritts in Klagenfurt beim „Bachmannlesen“ kennengelernt und 2015 ist sie dann, bei meinem ersten „Buchpreislesen“ mit „Wie ihr wollt“ auf der Shortlist gestanden.

Daß das Buch, das durch einen Zufall zweimal zu mir gekommen ist, auf der heurigen LL stehen könnte, habe ich vorausgeahnt und auf meiner eigenen Schätzung auch so vermerkt und jetzt nach dem Lesen und dem Ansehen einiger Videos, wo Booktuber ihre Meinung über den dBp zu Kenntnis bringen und darüber stöhnen, daß auf diesen Listen immer nur Bücher über Kriege und Familien in l` Art pour l` Art Manier stehen, kann ich dem zustimmen, daß, ich glaube, daß „Archipel“ ein typisches für den Buchpreis geschriebenes Buch ist.

Ob, die Leser dann sehr viel damit anfangen können und wieviele Leute es zu Ende lesen werden, ist eine andere Frage und da kann ich gleich hinzufügen, daß ich, die,  immer zu Ende Leserin, mir mit dem Buch etwas schwer getan habe und die letzten Seiten nur überflogen habe.

Denn Inger Maria Mahlke, die an ihrem Jahrhundertroman über eine Familie in Spanien sicherlich sehr lang gearbeitet und sehr sorgfältig recherchiert hat, hat im Sinne der „formalen Voranwagung“ einen besonderen Kniff gewählt. Sie erzählt ihre Geschichte rückwärts. Beginnt also am „9. Juli 2015 um vierzehn Uhr“ und endet vierhundertzwanzig Seiten später im Jahr 1919 mit dem Satz „Auf die Zukunft!“

Ein Kunstgriff für den Buchpreis könnte man so sagen und auch, daß Anna Weidenholzer für ihr noch nicht Buchpreisbuch „Der Winter tut den Fischen tut“, das gleiche gemacht hat. Aber da war der Stoff, es ging um eine arbeitslos gewordene Frau leichter zu erfassen. Hier, wenn eine Familiengeschichte von hundert Jahren erzählt wird, tut man sich schwer mit der Spannung, habe  wenigstens ich beim Lesen emfpunden, denn wie soll man die rückwärtsgewandt aufrechterhalten?

Es geht um eine Familie in Teneriffa, in der Stadt La Leguana, glaube ich und darüber hat ja auch Erika Kronabitter ein Buch geschrieben und dort kommt im Jahr 2015, die 1994 geborene Rosa, die Tochter von Felipe und Ana, im Anhang sind die handelnden Personen zum Glück angeführt, so daß man sich wenigstens daran ein bißchen orientieren konnte, aus Madrid, wo sie ihr Kunststudium abgebrochen hat, zurück.

Felipe ist der letzte „Bernardotte“, ein Historiker, der versucht hat, seine Geschichte kritisch aufzuarbeiten und daran scheitere, so daß er seine Tage jetzt nur mehr in seinem Club verbringt. Ana ist Politikerin und da gibt es gerade einen Skandal und es gibt auch noch einen 1919 geborenen Großvater, der und das finde ich originell immer noch in dem von katholischen Schwestern geführten Asyl, als Portier arbeitet, dabei viel fernschaut, aber aufpassen muß, daß die Dementen, nicht unerlaubt das Heim verlassen.

Das ist der erste Teil, der im Jahr 2015 spielt. Eine Hausangestellte namens Eulalia gibt es auch und es dreht sich auch sehr viel um die Frage, ob man in Zeiten der Krise, seine teuren Handtaschen nicht verstecken oder wie man mit dem Personal umgehen muß?

Und dann geht es, wie ich schon erwähnnt, sicher sorgfältig recherchiert und mit vielen Details ausgestattet, Kapitelweise zurück. Es geht zur Geburt Rosa in das Jahr 1994, die Beziehung zu Ana und Felipe werden erzählt. Die Großeltern kommen vor, Francisca und Elisio sind Felipes Eltern. Der Vater ist Militär und deren Eltern Ada und Lorenzo, Lorenzo ist Zeitungsherausgeber, während Julios Vater Apotheker ist.

Der zweite Weltkrieg, der Bürgerkrieg, etcetera werden dabei gestreift und in den einzelnen Familiengeschichten viele Details erwähnt, die zumindestens mir das Lesen sehr schwer machten und ich Mühe hatte, mich auszukennen.

Denn Erstens ist mir die spanische Geschichte nicht so sehr bekannt und dann wie schon erwähnt, rückwärts erzählt löst sich die Spannung auf, weil man Geschichten wahrscheinlich nur von hinten nach vorn und nicht umgekehrt erklären kann. Das Ganze aber ein raffinierter Kunstgriff ist, der die Literaturkritiker begeistert.

Ein buch also mit dem ich meine Mühe hatte, mir öfter die Frage stellte „Und was hat das jetzt mit mir zu tun?“ und warum soll ich mich durch das Schicksal einer spanischen Familie und ihre Geschichte quälen?

Der Durchschnittsleser wird es, könnte ich mir vorstellen, so empfinden. Da das Buch offiziell erst vorige Woche erschienen ist, gibt es noch keine Rezensionen, auf die ich zurückgreifen kann.

Bin also gespannt, was die Booktuber und andere Kritiker dazu sagen werden und ob es auf die Shortlist kommt? Ich würde das, obwohl ich bisher nur zwei Bücher von der Liste gelesen habe, nicht vermuten und ich würde es jetzt auch nicht nicht mehr auf die LL setzen.

2018-07-28

Finsterwalde

Jetzt kommt nicht nur vom Erscheinungsdatum ein brandtaktuelles Buch, sondern auch eines, das „relativ bald oder vielleicht zwei drei Jahre später“, spielt.

Also eines, wo es, wie im Klappentext steht „Die die EU nicht mehr gibt und überall in Europa die Politik von Nationalismus und Ausgrenzung bestimmt wird“ und eines das ich vom Kanal „Goldschrift“, der Berliner Lehrerin, die sich sehr für Bücher um den Holocaust interessiert, empfohlen bekommen hatte.

Max Annas „Finsterwalde“. Der Autor war Journalist, hat in Südafrika gelebt und schon einige aktuelle Politthriller geschrieben und Finsterwalde ist ein kleiner Ort in Ostdeutschland, eine ausgegrenzte Stadt, die in der sehr nahen Zukunft, die das Buch, das wohl eines für jüngere Leser ist, die die Spannung lieben und dennoch über die politische Lage nachdeknen wollen, behandelt, zu einem Lager umgewandelt wurde, wo die Schwarzen, die nicht rechtzeitig auswandern konnten, hingebracht werden.

Marie und und ihre zwei Kinder Kodjo und Antoinette sind dabei. Marie war Ärztin in Berlin und wollte die Stadt wegen der Beerdigung ihrer Mutter erst ein paar Tage später verlassen. So befindet sie sich jetzt hinter Absperrgittern und Zäunen in der aufgelassenen Stadt, oben fliegen die Drohnen vorbei und werfen Nahrungsmittel herab, draußen patrouilliert die Polizei und die Sicherheitsdienste.

Ein bedrohliches Bild und Max Annas weiß sehr geschickt mit der Spannung zu jonglieren oder übertreibt damit vielleicht sogar ein bißchen, so daß man mit dem Lesen fast nicht mehr mitkommt.

Maries Praxis ist also leer und muß wieder bevölkert werden. Dazu kommt schon ein Paar, Eleni und Theo, mit ihren Kindern aus Athen geflogen, denn die Leute vom bankrotten Griechenland werden offenbar in das leergewordene Berlin umgesiedelt.

Die Praxis und die Wohnung Maries wurde von den persönliches Gegenständen der früheren Besitzer geräumt. Marie hat trotzdem ihre Spuren in Form von ein paar Fotos hinterlassen, die Theo, der älter, als die Ärztin Eleni und auch nicht der Vater ihrer Kinder, sondern ein ehemaliger Radioreporter ist, findet und sich damit nach Finsterwalde auf ihre Spuren macht.

Was aber natürlich auch nicht so einfach ist, denn die Eingewanderten haben Fußfesseln abbekommen, die sie ein Jahr zur Bewährung tragen müssen und sie dürften sich auch nicht in die inneren Angelegenheiten des Landes, wo auch überall die Polizei patroulliert, einmischen.

Theo, hat aber schon früher in Berlin gelebt und hier auch ein paar alte Freunde und die führen ihn dorthin, wo man die Fußfessel deaktivieren kann. So schleicht er sich langsam langsam während die Kinder im Kindergarten und mit Eleni bei einer Fortbildung sind, an Finsterwald heran und trifft dort bald auch auf Marie, denn die Leute im Lager, wo natürlich auch Gewalt herrscht und ein früherer schwarzer Polizist erschlagen wurde, müssen sich organisieren, halten Versammlungen ab und kommen so auf einen toten Priester und sein Handy, das ihnen zeigt, daß es in Berlin noch drei verlassene und in einem Keller versteckte Kinder gibt, die sie retten wollten.

So kriecht Marie mit Kodjo und zwei jungen Männern durch die Gullies hinaus und treffen im Wald bald auf Theo. Eine abenteuerliche Verfolgungsjagd beginnt. Überall sind Polizeistreifen, Schüße fallen. Es gibt aber auch Widerstandkämpfer und Leute auf einem Bauernhof, die helfen und so werden die Kinder schließlich gefunden. Kodjo befindet sich auf dem Weg nach Dänemark, Theo kehrt zu Eleni und den Kindern und Marie ins Lager zu Antoinette zurück und die Leser sind vielleicht  in Zeiten, wie diesen, wo die jungen und die alten Rechten, jede Gewalttat  zu einem Bedrohungsszenario und Austauschszenario aufbauschen, die vielleicht, wenn wir nicht sehr aufpassen sehr bald in ein zwei Jahren oder früher zu  den geschilderten Zuständen  führen können, ein wenig ratlos und können nun überlegen, was zu machen ist, , daß solches doch nicht passiert.

2018-04-16

Alte Engel

Noch ein Debut, diesmal eines, das schon auf der „Blogger-Debutlonglist“ steht und das ich mir aus Leipzig mitgebracht habe. Simon Grimm vom „Rowohlt-Verlag“ hat es mir mit freundlichen Grüßen mitgegeben und mir auch ein bißchen was zu der Autorin und dem Buch erzählt, von der ich noch nie etwas gehört habe.

Mareike Schneider wurde 1881 geboren, lebt in Leipzig, studierte in Hildesheim und hat 2014 beim „Open Mike“ einen Preis gewonnen und dann würde ich noch vermuten, daß ihr erster Roman ziemlich autobiografisch ist.

Denn da geht es um Franka Raben, eine abgebrochene Kunststudentin, die mit ihrer Katze Käthe in das Haus ihrer Großmutter Marie fährt, um ihren Vater, der Maries Schwiegersohn ist, bei der Betreuung der alten Frau zu helfen.

Franka hat, wird angedeutet keine andere Wahl, weil keine Wohnung, die prekären Verhältnisse der Generation Dreißig wird wieder einmal thematisiert. Sie sucht sich auch einen Job und verkauft dann Brötchen in einer Billigbäckerei oder steht in der Kantine des Kulturhauses und das alles wird sehr skurril bizarr erzählt.

Mehr frech und rotzig, als poetisch, würde ich sagen und das Buch ist in drei Kapitel: Sommer, Herbst, Winter eingeteilt, die sich dann in jeweils mit einem bis drei Kreuzen markierten Abschnitten untergliedern. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob Mareike Schneider, das wirklich komplett durchgehalten hat, daß ein Stern, die Vergangenheit der Großmutter, zwei Kreuze das Leben mit ihr und  drei die, prekäre Arbeitssituation und die Zukungsperspektiven der jungen Frau thematisieren. Es könnte aber so sein, vielleicht auch in anderer Reihenfolge.

Denn es geht in den über fünfhundert Seiten, in denen auch ein kurzer Anhang über die vogtlädische Sprache angefügt ist, denn die Oma kommt aus dem Vogtland und spricht noch diesen Dialekt, ein wenig ungeordnet zu.

Hier meine ich, hätte eine Kürzung und Straffung des Inhaltes und vielleicht eine Reduktion von hundert oder so Seiten genützt, denn es kann einem beim Lesen so vorkommen, als würde hier ungeordnet dahin erzählt.

Die Sprache ist frech und rotzig, hat durchaus originelle Wendungen, wie, wenn Franka ihrem Vater von der Herfahrt im Bus erzählt. Da saß sie mit dem Katzenkorb auf den Knien vor einer Frau, die sich darüber aufregte, daß man sowas ihrer Katzenallergie antuen könne.

Die Großmutter wird auch ein wenig rotzig frech geschildert. Sie ist Diabetikerin, ist blind oder stellt sich vielleicht nur so, jedenfalls hat sie die Augen ständig geschlossen, so daß ihr ein Zivi zugeteilt wurde, der sich um sie kümmern soll, den sie aber nur mit Keksen fütterte, so daß alles andere liegenblieb. So beschloß die Verwandtschaft, Hagen, der Schwiegersohn muß her. Die Mutter, die Wohnungsausräumerin ist, wollte oder konnte das offenbar nicht schaffen und Hagen, der auch ein origineller Mann ist und davon lebt, alte Sachen zu reparieren und seltene Plfanzen zu züchten, hat auch unkonventonelle Betreuungsmehthoden. Er baut im Winter aus dem Schnee auch einen Iglu und setzt die Oma dann auch einmal hinein.traße

Die Oma ist eine, die in der vogtländischen Sprache ständig schimpft und Hagetraßen immer noch detraßen „Moa“ nennt und Franka das „Madl“. Sie versteckt ihre Süßigkeiten an allen Ecken und Enden und schmatzt sie dann auf, während die Familie sich bemüht, ihr Diabetikeressen zu servieren.

Es geht aber auch in die Vergangenheit, der jungen Marie, die im World War II zwangsverpflichtet war. Ihr Haushaltsjahr bei verschiedenen Familien absolvierte. Sich dann mit dem Sohn der einen verlobte, der aber gefallen ist. So kam sie zu dem Opa in die DDR, der war Alkoholiker und meldete Oma vom Kindergarten, ihren Traumberuf, gleich ungefragt ab.

Mit der Katze gibt es natürlich auch Probleme , was wieder zu bizarren Szenen führt, wenn Franka versucht die schwarzgefärbte Katze in der Badewanne abzuduschen.

Ganz schwierig wird es zu Weihnachten. Da wird die Oma vorher, damit der Vater sich erholen kann, in ein Spital gebracht, das natürlich unterbesetzt ist und wo es ihr auch nicht gefällt. dann holen sie sie zu Weihnachten wieder ab, der Arzt ist trotz der Unterbesetzung dagegen und die Familie ist mit ihren selbstgebastelten Geshenken, die man früher „Aus der Not eine Tugend machen“ jetzt „recyclet“ nett, angekommen und auch mit den neunerlei Schnittchen, mit den man im Vogtland schon zu Weihnachten, das neue Jahr begrüßte.

Brot mit neun verschiedenen Aufschnitten, von denen man immer nur von jedes eines essen durfte. Das war früher ein arme Leute essen. Ein Brot mit Butter, eines mit Salz, eines mit Pfeffer, dann mit Pfeffer und Salz und so weiter und so fort, bis man satt gegessen war.

Jetzt gibt es natürlich viel bessere Aufstriche und als die Mutter mit den Platten kommt, muß sie sich über die Neffen und Cousins ärgern, die sich einfach gleich zwei der selben Sorte ergreifen und auf den Brauch pfeifen.

Weihnachten wird trotz des echten Weihnachtsbaumes, den Franka ihrer Oma schenkte, damit sie nicht immer im Plastikmüll leben muß, schrecklich, denn die Dilalyseschwester gibt ihr nur noch ein paar Tage und die Mutter steht schon am Dachboden und räumt sie Sachen aus, denn das ist ja ihr Beruf, während Franka das streng unterbindet.

Schließlich ist man eingeschneit, die Dialyseschwester kann nicht kommen und man diskutiert, ob man die Oma mit dem Hubschrauber ins Krankenhaus bringen oder selber „Sterbehilfe“ leisten soll. Das sind die Stellen, wo die junge Frau vielleicht ein wenig übertreibt oder die Emotionen überschwappen. Aber ansererseits auch wahrscheinlich das, was man empfindet, wenn man mit zwanzig oder fünfundzwanzig  seine Großmutter beim Sterben begleiten soll.

Am Schluß gibt es das Begräbnis und die Pastorin lobt den Vater und Franka geht in ihren Erinnerungen in ihre Jugend zurück, wo sich alle manchmal mit Schneebällen auf einen Jungen stürzten, bis dieser am Boden lag und erzählt auch von den Aprilscherzen, die die Oma mit ihren beiden Töchtern machte, die ihr immer darauf hineinfielen und einmal, ein einziges Mal war es umgekehrt.

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